Fantasy & Horror
Die NikoLaus - ...mal schnell zum 6.12.2020 geschrieben

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"Die NikoLaus - ...mal schnell zum 6.12.2020 geschrieben"
Veröffentlicht am 30. November 2020, 8 Seiten
Kategorie Fantasy & Horror
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Über den Autor:

Hum... Ich habe Troja brennen sehen...soll ich noch mehr sagen? Aber nachdem der Rauch sich verzogen hatte, musste ich die langen Jahrhunderte standesgemäß hinter mich bringen und so gewöhnte ich mir an, viele gute und auch mal weniger gute Bücher zu lesen, Musik zu hören und zu machen, im Garten zu pütschern, zu schreiben...Jau, das wär's dann mal.
Die NikoLaus - ...mal schnell zum 6.12.2020 geschrieben

Die NikoLaus - ...mal schnell zum 6.12.2020 geschrieben

Die NikoLaus Seit wenigen Tagen leuchteten bunte und monochrome Lichterketten in Germaniens Straßenzügen, blinkten rotnasige Rentiere vor aufwändig geschmückten Einfamilienhäusern den Passanten die Vorfreude aufs Fest gehörig aus dem Herzen, da begab es sich, dass ein klitzes, ein kleines, ein klitzekleines Tierchen aus der Klasse der Tierläuse, mit Familiennamen Kopflaus, sich auf einem Schulausflug am Bratwurststand abseilte und dergestalt den Kontakt zur Familie wie auch dem Wohnsitz derselben verlor und nun gar einsam in der großen weiten Welt war.

Die kleine Laus war männlichen Geschlechts,

hörte auf den Namen Nico und war ein munterer kleiner Racker. Er konnte beißen wie kein zweiter, war flink wie eine Wespe, und das ohne fliegen zu können, denn dieses Unterrichtsfach hatte Nico auf Wunsch seines Vaters nicht belegt; dieser meinte lapidar: „Nico, mein Sohn, du bist eine Laus, und eine Laus sollte immer hoch hinaus wollen. Stell dir vor, du hast dich im Schwimmbad erkältet oder, ärger noch, bist an diesen unwirtlichen Ort zwischen Daumen und Zeigefinger eines dicken Menschen geraten! Dann, lieber Nico, ist es aus mit einer großen, ja vielleicht sogar internationalen Karriere! Fliegen ist dann nicht mehr.Dann kannst du dir Hollywood aber abschminken.“ So zirpte der weise Vater und steckte den Kleinen in ein Kampfsporttraining.

Dort bildete Nico innerhalb kürzester Zeit seine Muskeln zu Stahl und lernte, immer höher und weiter zu springen, was ihm zunächst auf seinen Wirten gut zupass kam. Aber Mensch wie Laus sind ja selten mit dem zufrieden, was ihnen Natur und Gesellschaft zu geben vermögen, und so setzte sich Nico einen Floh ins Lausgehirn. Er hatte im Religionsunterricht die Lebensgeschichte des hl. Nikolaus von Myra gehört und dachte sich, ein solcher wolle auch er werden. Wunder wirken, wilde Menschen bekehren und zu Vorbildern der Nachkommenden formen, den Armen helfen und die Reichen dafür bluten lassen. Das war ein Masterplan, der in Nicos winzigem Gehirn – denn viel Platz ist ja nicht in einem Läusekopf!- immer mehr Gestalt

annahm. Doch wie sollte er dieses Ziel erreichen? Würde er es denn jemals schaffen, ein großer Würdenträger zu werden, weltweit bekannt, geachtet, geliebt, verehrt? Würden denn Menschen ihren Nachwuchs nach ihm, der unbekannten Kopflaus aus Königswusterhausen, benennen wollen? Und könnte er es denn je schaffen, eine NikoLaus von Weltgeltung zu werden? Nico beschloss, bei Schauspielern und anderem fahrenden Volk in die Lehre zu gehen, um die Grundbegriffe des nikolausigen Gestus und Habitus kennenzulernen und sich zu eigen zu machen. Die Lehrwochen waren sehr anstrengend und schlauchten unser Läuschen gewaltig, aber- er biss sich durch, und

mancher Honorarnikolaus bekam ein unangenehmes Jucken auf dem Kopf, einer gar an einer sehr delikaten Stelle, über die des Sängers Höflichkeit am 6. Dezember seitdem zu schweigen pflegt. Unser kleiner Nico aber, dessen weiterer Lebensweg sich im Nebel der Geschichte verliert, soll, so will es die Legende, zu einer Berühmtheit geworden sein: dem NikoLaus von Königswusterhausen. Und das ist doch weit mehr,als einer ordinären Laus je an der Wiege gesungen worden war. Aber manchmal, in einer seiner elegischen Stimmungen, verfluchte er leise zirpend den Tag, an dem er sich am Bratwurststand von seinem freundlichen Wirt abgeseilt hatte. Ja, liebe Kinder, auch in der Läusewelt gibt es

welche, die nie zufrieden sind mit dem, was sie haben.

Und das sollte uns alle doch nachdenklich stimmen...

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Hörbuch

Über den Autor

cassandra2010

Hum... Ich habe Troja brennen sehen...soll ich noch mehr sagen? Aber nachdem der Rauch sich verzogen hatte, musste ich die langen Jahrhunderte standesgemäß hinter mich bringen und so gewöhnte ich mir an, viele gute und auch mal weniger gute Bücher zu lesen, Musik zu hören und zu machen, im Garten zu pütschern, zu schreiben...Jau, das wär's dann mal.

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Enya2853 Herrlich, die bislang noch unbekannte Story der selbsternannten NikoLausi. Mit Berühmtheiten ist das zuweilen so eine Sache: kometenhafter Aufstieg und dann der fall ins Vergessen.
Der NikoLausi möchte ich Zufriedenheit wünschen und ihr sagen: Auch im Kleinen kann man Großes bewirken.

Danke für diese Geschichte, die meinen Tag erheitert.
Eine schöne Adventszeit, liebe Cassy.
Lieben Gruß
Enya
Vor ein paar Monaten - Antworten
cassandra2010 
Jau, unser NicoLaus ist quasi der Wendler unter den Tieren :)) aber m.E. liebenswerter als dieser.
Auch dir eine angenehme Adventszeit & lieben Dank für die Dublönscher, Liebelein!
Cassy
Vor ein paar Monaten - Antworten
FLEURdelaCOEUR Eine NikoLausGeschichte der besonderen Art eben ... Herrlich!
Adventsgrüße aus KWH sendet
fleur
Vor ein paar Monaten - Antworten
cassandra2010 Ne, echt? Du wohnst im schönen KWH? Mein lieber Scholli, wie mein Paps zu sagen pflegte, dassa n' Knällchen!
Und? Wie geht's der NikoLaus? Sie lässt ja nix mehr von sich hören...
LG
Cassy
Vor ein paar Monaten - Antworten
FLEURdelaCOEUR Nein, das war 'n Scherz, aber ich wäre dort fast mal gelandet. Hab mich aber vorher abgeseilt, so wie Nico Lausi eben ...
LG fleur
Vor ein paar Monaten - Antworten
HarryAltona Tja, wer sich entschließt bei heutigen Schauspielern in die Lehre zu gehen, sollte sich auf etwaige Blutarmut einstellen.
lg... harryaltona
Vor ein paar Monaten - Antworten
cassandra2010 Das, lieber Harry , ist fein beobachtet! Full Hause sozusagen.
LG
Cassy
Vor ein paar Monaten - Antworten
baesta Ei, ei ei, was , für ne Nikolausigeschichte. Lausig köstlich zu lesen mit den kleinen Seitenhieben.
Mir juckts gleich mal offm Kopp.......
Monetchen haben leider noch Ausgangsverbot.

Eine schöne Adventszeit wünscht Dir
Bärbel

PS: Anfangs dachte ich: "Was is´n dat für´n Deutsch - DIE Nikolaus- nu weiß ich´s.
Vor ein paar Monaten - Antworten
cassandra2010 Ja, nicht wahr! Aber alles geplant, Bärbel, alles geplant!
Danke für die guten Wünsche, die ich mit dir teile.

Grüßle
Cassy
Vor ein paar Monaten - Antworten
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