Kurzgeschichte
Muschi auf Abwegen - Randbeitrag zu SP 87

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"Muschi auf Abwegen - Randbeitrag zu SP 87"
Veröffentlicht am 23. November 2020, 10 Seiten
Kategorie Kurzgeschichte
http://www.mystorys.de

Über den Autor:

"Friedemann" ist nur mein Vorname, für meinen Nachnamen "Kriegsfuß" reichte (aufgrund der von myStorys vorgegebenen Obergrenze von 14 Zeichen) leider der Platz nicht mehr. Mein Name besagt, dass ich im Grunde ein sehr friedliebender Mensch bin, der aber verbalen Auseinandersetzungen nicht grundsätzlich aus dem Weg geht. Diese sind gelegentlich die Folge von satirischen Texten, für die ich schon seit meiner Schulzeit (als noch Lehrer und ...
Muschi auf Abwegen - Randbeitrag zu SP 87

Muschi auf Abwegen - Randbeitrag zu SP 87



Vorwort: Das Thema der Schreibparty 87 heißt "Fellnasen & Co" und umfasst alle Haustiere, insbesondere unsere Streicheltierchen. Die hierzu ausgewählten 9 Vorgabeworte lauten: Licht, Herz, Reichweite, trösten, schnüffeln, Gespür, Geschirr, Pfötchen, Kuscheln.

Da der folgende Beitrag zwar gut zu diesem Thema passt, jedoch auf einer wahren Begebenheit beruht, konnte leider keines dieser Worte in die Geschichte eingepflückt werden. „Muschi auf Abwegen“ läuft daher außer Konkurrenz und hundertprozentig jugendfrei als Randbeitrag mit.

Muschi auf Abwegen Nachdem unsere erste Katze - das pechschwarze „Mohrle“ - verstorben war, wünschte sich unsere trauernde Tochter nochmals eine Katze, die sie auch bekam und die sie „Muschi“ taufen wollte. Da meine Frau Französin ist und unsere Tochter noch zu klein war, wusste nur ich von der Doppeldeutigkeit dieses Namens und war daher dagegen, doch wurde ich natürlich von den Damen mal wieder überstimmt. Muschi war auf einem Bauernhof unseres Dorfes geboren und verbrachte mit ihrer Mutter und Geschwistern dort ihre ersten Wochen, und vielleicht war sie deshalb so lebhaft und eigenwillig, wie wir es von Mohrle nicht kannten. Eine gute Schauspielerin war sie allerdings nicht, wenn sie Mäulchen schleckend und tief geduckt aus der Küche schlich, um hinsichtlich eines eventuellen Denkzettels stets

sprungbereit zu sein. Wohl auch aufgrund hrer Herkunft hatte sie einen fast unersättlichen Appetit. Als wir Drei wenig später in den dreiwöchigen Sommerurlaub fuhren und Muschi während unserer Abwesenheit von einer unserer Freundinnen versorgt wurde (eine bei uns übliche Praxis in der Urlaubszeit), machten wir diese geflissentlich auf Muschis Appetit aufmerksam. Vielleicht vergebens, denn als wir zu später Stunde aus den Ferien zurückkamen und das Töchterchen sich schon lange vorher auf das Wiedersehen freute, war leider keine Muschi zu finden. Als Erstes durchsuchten wir vergeblich Haus und Garten, und schon wehklagte unsere Tochter, dass sie nun bereits ihr zweites Kätzchen verloren habe. Tags darauf durchstreifte sie mit Mama die Nachbarschaft und danach das halbe Dorf und fragte - wiederum vergeblich - nach Muschi. Doch am

nächsten Morgen geschah das gefühlte Wunder: Eine ältere Frau, die am Dorfrand wohnt und als Katzenliebhaberin bekannt ist, hatte von dieser Suche gehört und brachte gleich Muschi mit. Töchterchen nahm sofort Muschi beglückt in die Arme, und die Finderin schilderte Muschis Odyssee: Während unserer Abwesenheit hatte die Blaskapelle unseres (oberbayrischen) Dorfes ein rundes Jubiläum gefeiert und hierfür alle benachbarten Kapellen zu einem festlichen Umzugsmarsch eingeladen, der u.a. an unserem Haus vorbei führte und in einem riesigen Festzelt endete. Nach alter Tradition wurden dort die feuchtfröhlichen Festlichkeiten mit einem Feld-Gottesdienst eröffnet, für den ein Tisch wie ein Altar geschmückt und mit Weihwasserkelch und Hostienschale versehen wurde. Als der Pfarrer mitten in seinem feierlichen Zeremoniell mit beiden herumhantierte, sprang plötzlich ein Kätzchen

auf den Altar und brachte das halbe Bierzelt zum Lachen - und entlockte sogar dem Pfarrer ein Lächeln. Schnell kam ihm eine Frau zur Hilfe und holte Muschi vom Altar herunter. Als jedoch wenige Minuten später das Kätzchen schon wieder auf den von ihr so erachteten Küchentisch sprang, verging dem Pfarrer das Lächeln. Gottlob erbarmte sich seiner nun endlich unsere Finderin und trug Muschi zu sich nach Hause. Von nun an war Muschi für lange Zeit die berühmteste Katze im Dorf. Aber die Meinungen gingen auseinander, wie sie zu dieser Ehre kam: Entweder war sie hungrig dem Zug hinterhergelaufen (was die Finderin annahm) oder sie hatte sich von einer Teilnehmerin streicheln und ins Festzelt mitnehmen lassen. Egal wie, wir alle waren grenzenlos erleichtert.



Nachwort: Beruht auf einer wahren und nicht einmal übertriebenen Gelegenheit. Allerdings hatten wir von Muschi leider keine Fotos mehr, daher musste unsere dritte Katze - der Kater „Elvis“ - als Titelfoto einspringen. Dasselbe Foto zierte bereits das Titelblatt des Büchleins „Komm, grauer November“, das dem Tod unseres armen Katers gewidmet ist, der im Gegensatz zu Muschi nie etwas vom Küchentisch klaute.

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Hörbuch

Über den Autor

Friedemann
"Friedemann" ist nur mein Vorname, für meinen Nachnamen "Kriegsfuß" reichte (aufgrund der von myStorys vorgegebenen Obergrenze von 14 Zeichen) leider der Platz nicht mehr. Mein Name besagt, dass ich im Grunde ein sehr friedliebender Mensch bin, der aber verbalen Auseinandersetzungen nicht grundsätzlich aus dem Weg geht. Diese sind gelegentlich die Folge von satirischen Texten, für die ich schon seit meiner Schulzeit (als noch Lehrer und Mitschüler ihre Opfer waren) eine Vorliebe habe. Gemäß meinem Motto - Humor ist das Knopfloch, mit dem wir verhindern können, dass uns der Kragen platzt - kommt hierbei allerdings der Humor (meistens) nicht zu kurz.

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matzetino Die lieben Katzen haben immer ihren ganz eigenen Kopf. Schöne Begebenheit. Danke dass ich dran teilhaben durfte.

Liebe Grüße
Mari
Vor einem Monat - Antworten
Friedemann 
Ja, liebe Mari,
manchmal hat man sogar den Eindruck, dass die Katzen auch noch stolz auf ihren eigenen Kopf sind und den Kadavergehorsam (so wie ihn die Hunde zeigen) insgeheim verachten

Liebe Grüße und herzlichen Dank für Deine Anteilnahme,
Friedemann
Vor einem Monat - Antworten
Andyhank Tja, so sind Katzen. Wählerisch und verspielt, man weiß nie, was von ihnen erwartet wird! :D
Vor einem Monat - Antworten
Friedemann 
Hallo Andy,
ja, so sind sie und so lieben wir sie. Für viele Hundebesitzer unverständlich, wenn sie von ihrem Hund dessen Kadavergehorsam gewohnt sind und dann meinen, dass die Katzen zu dumm sind, wenn sie nicht jederzeit gehorchen. Ich dagegen bin vom Gegenteil überzeugt: Die Katzen sind zu schlau, um jeden Unsinn mitzumachen, der von ihnen verlangt wird. Als ob vom Herrchen oder Dämchen etwas von deren Verhalten auf sie abfärbt, die normalerweise ja auch nicht tun, was gegen ihre Menschenwürde verstößt.

Liebe Grüße und ein zünftiges Dankeschön für Deinen Favoriten,
Friedemann
Vor einem Monat - Antworten
KaraList Lieber Friedemann,
ein Dackel, der `Jesus` gerufen werden möchte, und eine Katze, die eine Vorliebe für sakrale Riten hat. Meine Lesezeit heute fokussiert sich offenbar auf besondere Tiere. :-)
Der Pfarrer hätte seiner Berufung gerecht werden sollen, nämlich allen Kreaturen seine Fürsorge zu schenken. :-)
LG
Kara
Vor ein paar Monaten - Antworten
Friedemann 
Liebe Kara,
wenn das SP-Thema „Fellnasen & Co“ lautet, ist es ja kein Wunder, wenn man auf lauter Fellnasen stößt. Aber Du hast recht mit Deiner Feststellung – leider bin ich nicht selber draufgekommen – eigentlich hätte man anstelle des hungrigen Kätzchens (spätestens beim zweiten Auftritt) den Pfarrer rausschmeissen müssen, weil er seiner christlichen Fürsorgepflicht nicht nachkam.

Liebe Grüße und herzlichen Dank für Deine Spende zugunsten meines Sparschweinchens,
Friedemann
Vor ein paar Monaten - Antworten
Rehkitz Eine schöne Geschichte...lach...die ich gerne gelesen habe.
Liebe Grüsse Rehkitz
Vor ein paar Monaten - Antworten
Friedemann 
Liebe Theresia,
es freut mich sehr, dass Dir diese Geschichte gefällt und Dir ein Lächeln entlockte.

Liebe Grüße und ein herzliches Dankeschön dafür sowie für Deine Sesterzchen,
Friedemann
Vor ein paar Monaten - Antworten
Gast Vielen Dank für deine Geschichte, den Altarteil hatte ich ganz vergessen ! Niemals vergesse ich, meine Katze Muschi genannt zu haben: Immerhin teile ich diese Peinlichkeit, wie ich später feststellen musste auch mit anderen Freundinnen..
Vor ein paar Monaten - Antworten
Friedemann 
Hallo Gästin oder Gast,
als unser Kätzchen Muschi getauft wurde (ohne Weihwasser) kannte ich zwar als Einziger in unserer kleinen Familie die Doppeldeutigkeit ihres Namens, aber dies ließ mich genügend kalt, um es nicht zum Drama aufzubauschen. Im Gegenteil: Wenn die Nennung des Namens Grinsen entlockte, da grinste ich halt mit. Peinlich wurde es nie.

Liebe Grüße und Danke für den Besuch,
Friedemann
Vor ein paar Monaten - Antworten
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