Gedichte
Mein Gebet - SP 86

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"Mein Gebet - SP 86"
Veröffentlicht am 01. Oktober 2020, 8 Seiten
Kategorie Gedichte
© Umschlag Bildmaterial: pexels-photo-3415211
http://www.mystorys.de

Über den Autor:

"Friedemann" ist nur mein Vorname, für meinen Nachnamen "Kriegsfuß" reichte (aufgrund der von myStorys vorgegebenen Obergrenze von 14 Zeichen) leider der Platz nicht mehr. Mein Name besagt, dass ich im Grunde ein sehr friedliebender Mensch bin, der aber verbalen Auseinandersetzungen nicht grundsätzlich aus dem Weg geht. Diese sind gelegentlich die Folge von satirischen Texten, für die ich schon seit meiner Schulzeit (als noch Lehrer und ...
Mein Gebet - SP 86

Mein Gebet - SP 86


Vorwort:


Das Thema der Schreibparty 86 heißt „Veränderungen“ und bietet daher eine immense Auswahl an Beitrag-Themen, die von Jahr zu Jahr auch noch ansteigt. Beispielsweise kannte man zu meinem Kindesalter noch keine Energiewende. Kein Wunder, denn damals umfasste die Weltbevölkerungszahl noch 2,5 Milliarden Menschen. Inzwischen hat sich diese Zahl verdreifacht, und die Anzahl der Probleme wuchs dementsprechend mit. Sie haben die Welt verändert. Kein Wunder also, wenn sich zwischen Kindes- und Greisenalter dadurch auch die Weltanschauung ändern kann (aber nicht muss), wie die folgenden Zeilen zeigen. Sie gehören zu dem Jury-Beitrag "Mein Gebet", das ohnehin nicht an dem Wettbewerb teilnimmt und daher auf dessen Vorgabewörter verzichtet.


Mein Gott, was hast Du wieder zugelassen! Hast Du noch immer nichts hinzugelernt? Die einen prassen und die andern hassen - von Deinem Schöpfungsziel so weit entfernt. Sieh endlich ein, dass Deine Heilspropheten sich uneins sind, was einst Dein Wille war. Die sich daher oft rigoros befehden, denn alle halten sich für unfehlbar. Ein jeder schwört, er spricht in Deinem Namen und führt stets eine Schrift als Quelle an: Der eine liest die Bibel und sagt Amen, der andere zitiert aus dem Koran. Der Bibeltreue hatte einst verkündet: „Macht Euch die Erde tunlichst untertan!“ Auf dieser folgenschweren Botschaft gründet jedoch des Menschen Stolz und Größenwahn.

. Er maßt sich an, nun selber Gott zu spielen und rottet aus, was Du ins Leben riefst. So lass ihn schleunigst Deinen Jähzorn fühlen, denn Deine Erde leidet schon zutiefst. Sie wird brutal und herzlos ausgebeutet an Bodenschätzen, Wald und Kreatur. Siehst Du denn nicht, dass ihn der Teufel reitet? Er expandiert auf Kosten der Natur. Hast Du Dein Schöpfungswerk schon aufgegeben im Glauben, dass Dein Wort schon nichts mehr nützt? Zwar hängt der Mensch noch zäh an seinem Leben, doch sägt er längst am Ast, auf dem er sitzt. Was wird dereinst aus Mutter Erde werden? Geht sie bald unter in der Menschenflut? Gewiss, solang dies Dogma gilt auf Erden: Das Menschenleben sei ihr höchstes Gut.

. Ein Dogma, das nicht alle anerkennen. Es wird von Deppen gern relativiert, die sich erhaben „Gottes Krieger“ nennen. Als Freibrief wird stets der Koran zitiert! Worauf sie dann in Deinem Namen töten. Für sie sind Menschen nur des Lebens wert wenn sie Dich nur mit dem Koran anbeten. Und allen andern sei der Tod beschert. Siehst Du denn nicht, wohin die Spuren weisen? Dein Werk wird bluten bis zum Gehtnichtmehr. Der Jammer würde mir das Herz zerreißen, wenn droben ich an Deiner Stelle wär’. * Mein Gott, wie alt und schwach bist Du geworden, sieh’s endlich ein und setze Dich zur Ruh. Dein Reich ist voller Niedertracht und Morden, und Du schaust nur noch unbeholfen zu.

.



* Bereits Arthur Schopenhauer schrieb:

Wenn ein Gott diese Welt gemacht hat,

möchte ich nicht der Gott sein: Ihr Jammer

würde mir das Herz zerreißen.

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Hörbuch

Über den Autor

Friedemann
"Friedemann" ist nur mein Vorname, für meinen Nachnamen "Kriegsfuß" reichte (aufgrund der von myStorys vorgegebenen Obergrenze von 14 Zeichen) leider der Platz nicht mehr. Mein Name besagt, dass ich im Grunde ein sehr friedliebender Mensch bin, der aber verbalen Auseinandersetzungen nicht grundsätzlich aus dem Weg geht. Diese sind gelegentlich die Folge von satirischen Texten, für die ich schon seit meiner Schulzeit (als noch Lehrer und Mitschüler ihre Opfer waren) eine Vorliebe habe. Gemäß meinem Motto - Humor ist das Knopfloch, mit dem wir verhindern können, dass uns der Kragen platzt - kommt hierbei allerdings der Humor (meistens) nicht zu kurz.

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Kommentare
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Apollinaris *hopsa * und eben war ich noch angemeldet. Eben nur noch GAST. ;)

(Sehr)Gut geschrieben dein Gedicht.
Vor ein paar Monaten - Antworten
Friedemann 
Hallo Simon,
Dein lobendes Wort freut mich sehr, Dankeschön auch für Dein dickes Gabenpaket.

Lieben Gruß,
Friedemann
Vor ein paar Monaten - Antworten
Apollinaris Bitte - gerne - weiter schreiben! ;) :)
Vor ein paar Monaten - Antworten
Gast Gutes Poem! Pray on -. write on - go on" :)
Vor ein paar Monaten - Antworten
Gast 
I'm (whole lotta) shakin' goin' on
Vor ein paar Monaten - Antworten
Friedemann 
… dieser Gast war ich selbst (ein Jerry-Lee-Lewis-Fan)
Vor ein paar Monaten - Antworten
Miranda Lieber Friedemann,
deine Worte und nicht zuletzt unsere so vertrackte Situation machen mich sehr nachdenklich. Aber, es ist zu einfach Gott (oder wie auch immer man dieses höchste Wesen nennt) für alles Schlechte verantwortlich zu machen.
Die schlimmsten Kriege waren immer die Glaubenskriege, und die ganze Menschheitsgeschichte wurde, und wird mit Blut geschrieben. Mein älterer Sohn nannte Kriege, Seuchen, und Gewalt im Allgemeinen stets " Die Minimierung der Weltüberbevölkerung", hoffen wir mal, dass er damit nicht Recht hatte. Allerdings sieht es leider wirklich so aus, Danke für deinen klugen und wichtigen Beitrag.

Liebe Grüße
Sigrid
Vor ein paar Monaten - Antworten
Friedemann 
Ja, liebe Sigrid,
diese unsere Situation ist äußerst problematisch und strittig noch dazu. Was Dein Sohn vielleicht als Scherz äußerte, hat einen ernsten Hintergrund, mit dem sich seit langem auch schon die Philosophen befassten, wie u.a. das von mir verwendete Zitat von Arthur Schopenhauer zeigt. Inzwischen haben aber auch die Satiriker das Problem der Überbevölkerung aufgegriffen, ihre Lösungen reichen vom mittelalterlichen Keuschheitsgürtel bis hin zur gleichgeschlechtlichen Ehe (bitte nicht weitersagen).

Mit lieben Grüßen bedanke ich mich herzlich für Deinen Beitrag und Deine Geschenke,
Friedemann
Vor ein paar Monaten - Antworten
baesta Lieber Friedemann, Du hast wieder ein Supergedicht geschaffen. Auch wenn es satirisch gemeint ist, beinhaltet es doch viel Wahrheit.
Hätte mir mal nie träumen lassen, dass wir im 21. Jahrhundert wieder in einer Zeit der Glaubenskriege landen würden. Durch die Erfindung des Internets wurde aber auch so was möglich. Natürlich will ich das WWW nicht grundsätzlich verpönen, aber leider haben damit religiöse und auch nichtreligiöse Fanatiker das "richtige" Spielzeug" in die Hand bekommen, um beeinflussbare Naturen zu verführen.

Liebe Grüße
Bärbel
Vergangenes Jahr - Antworten
Friedemann 
Ach Bärbel,
mir erging es ebenso: Nach Beendigung des kalten Krieges zwischen Ost und West hoffte und glaubte auch ich daran, dass - zumindest für einige Jahrzehnte - dem Weltfrieden nun nichts mehr im Wege steht; bevor evtl. wegen der schwindenden Ressourcen bei zunehmender Weltbevölkerung die wohl unvermeidlichen Verteilungskriege ausbrechen. Dass sofort aber etliche Einfaltspinsel die Geschichtsbücher um Jahrhunderte zurückblättern und die mittelalterlichen Glaubenskriege wieder aufleben lassen und sich teilweise auch noch Jahrhunderte später immer noch auf dieselben Suren berufen, hat erneut meine Meinung bestärkt, dass Religionen noch immer mehr Unheil als Heil bringen. Ähnlich verhält es sich ja mit dem Internet, dieser neuen Spielwiese für Einfaltspinsel.

Liebe Bärbel, herzlichen Dank für Dein Lob und Dein prallvolles Geschenkpaket,
Friedemann
Vergangenes Jahr - Antworten
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