Kurzgeschichte
Die Blätterkatze

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"Die Blätterkatze"
Veröffentlicht am 02. Juni 2020, 10 Seiten
Kategorie Kurzgeschichte
© Umschlag Bildmaterial: Katharina Durrani
http://www.mystorys.de

Über den Autor:

Hi! Ich heiße Katharina. Ich lebe mit meinem Mann und meinen vier Kindern in Niederösterreich. Nach der Matura habe ich die Buchhandelslehre absolviert. Weil mir das nicht genug war, habe ich nach einem Jahr auf der Universität für Bodenkultur noch den vierjährigen Lehrgang für Grafik Design an der Wiener Kunstschule abgeschlossen. Ich schreibe leidenschaftlich gerne, zwischendurch male und zeichne ich. 2019 ist mein erster Krimi - Der ...
Die Blätterkatze

Die Blätterkatze

Die Blätterkatze

Der laue Sommerwind wirbelte die dunkelgrünen Blätter an den Zweigen durcheinander. Er sauste durch das Wäldchen, munter und fröhlich. Hie und da zupfte er an den Blättern so lange, bis sie abfielen und mit ihm mitflogen. Irgendwann landeten sie am Waldboden und blieben liegen. In der Einsamkeit des Waldes. 

So entstand ein kleiner feiner Blätterberg an den Wurzeln einer mächtigen Tanne, neben einem prächtigen Parasolpilz. Eine Fliege summte munter um ihn herum, setzte sich auf seinen Schirm und rieb die Beine aneinander. Durch ihre Facettenaugen sah sie eine Bewegung und flog sofort hoch, um sich

in Sicherheit zu bringen. Der Blätterhaufen hatte sich bewegt. Die Blätter wurden in die Luft gehoben und schienen sich zu formieren. Aber in welche Gestalt? Große und kleine Blätter unterschiedlicher Färbung fanden sich zusammen und sogar so mancher Grashalm gesellte sich hinzu. 

Kaum eine Minute später war ein kleines Tier entstanden, ein Wesen aus Blättern und Magie. Eine Katze. Eine Blätterkatze mit sanft leuchtenden blauen Zauberaugen. Eichenblätter formten ihren Schwanz, Birkenblätter ihre Pfoten. Sie war wunderhübsch anzusehen und schritt majestätisch durch den Wald. Die Tiere beäugten sie mit Ehrfurcht und Interesse, doch keines wagte es, sie

anzusprechen. Die Blätterkatze wusste, dass man sie ansah und beobachtete. Sie genoss es und glitt geschmeidig zwischen den Bäumen hindurch, durch hohes Gras, sprang über eine Quelle. Oh, wie fühlte sie sich schön! Sie war wahrlich das wunderbarste Tier des Waldes. Freunde? Nein, die brauchte sie doch nicht! Wozu? Bewundert wurde sie auch so. 

Eine neugierige Schwebfliege folgte summend dem Blätterwesen. Sie war mutig und wissbegierig. Als die Blätterkatze sich auf einem sonnigen Plätzchen auf einem weichen Moos niederließ, setzte sich die Fliege auf einen Zweig und glotzte das Wesen an. „Wer bist du?“, fragte sie mit ihrer lautesten Stimme, damit die Katze sie hören konnte.

Die Katze stellte ihre Lindenblätterohren auf und lauschte. „Wer spricht hier?“, fragte sie verwirrt. 

„Ich, Schwebola, eine Schwebfliege, direkt vor dir.“

„Ach, du gehörst den winzigen Geschöpfen des Waldes an, nicht wahr? Ich weiß nicht, ob ich dir antworten möchte, du Nichtsnutz.“ Die Blätterkatze blinzelte kurz, dann schloss sie die Augen und genoss die sommerliche Wärme auf ihren Blätterrücken. 

„Wer bist du, dass du so mit mir redest?“, fragte Schwebola erbost. „Sag es mir!“ Sie erhob sich und schwebte direkt über dem Blättertier. „Du bestehst doch nur aus Blättern und sonst nichts.“

Die Blätterkatze öffnete die Augen zu

schmalen Schlitzen. 

„Lass mich in Ruhe“, maunzte sie.

„Sag mir, wer du bist“, summte die Fliege ärgerlich. „Jetzt, sofort!“

„Du dumme Fliege! Das sieht man doch!“

„Ich nicht! Ich sehe nur einen Haufen Blätter, die sich bewegen!“

„Ich bin eine wunderschöne Blätterkatze und ich reise mit dem Wind.“

Nun, da sie es nun wusste, wollte Schwebula keine Zeit verlieren. Eiligst schwebte sie davon, um den anderen Waldbewohnern von dem seltenen und überaus eitlen Gast zu berichten. 

Die Blätterkatze jedoch blieb auf ihrem Platz im Moos sitzen und fing lauthals zu singen an. Sie hatte doch so eine großartige

angenehme Katzenstimme ...

„Du bist also eine Blätterkatze?“, murmelte eine alte Eule plötzlich. Ihre weise Stimme klang ungläubig und etwas verschlafen. Durch den Streit mit der Fliege war sie aufgeweckt worden und sah nun hinunter auf das singende Blätterwesen.

„Wer will das wissen?“, schnaubte die Katze und blinzelte nach oben.

„Ich. Kannst du bitte so gut sein und woanders Maunzen? Ich bin müde und möchte schlafen.“

„Singen. Nun, wenn es dir nicht gefällt, dann flieg doch weg, alter Flederwisch“, erwiderte die Blätterkatze und starrte die Eule missmutig an. „Mein Gesang ist prachtvoll, also verschwinde!“

„Ich bin genauso wenig ein Flederwisch, wie du eine Katze bist. Also pass auf, was du sagst! Der Hochmut kommt vor dem Fall.“, erwiderte die Eule ärgerlich. Sie breitete die Flügel aus und starrte auf das Blättertier. 

„Unsinn! Ich bin eine edle Katze und begnadete Sängerin, du verlaustes Federvieh“, erwiderte die Blätterkatze zornig und maunzte lauter denn jäh. 

 

Abermals sauste der Wind durch den Wald. Diesmal war er wütend und brauste durch die Zweige, sodass sich die Bäume bogen. 

Die Blätterkatze machte einen Buckel und fauchte, als der Wind sie ergriff und durcheinanderwirbelte. 

Die Schwebfliege hatte sich Deckung in einem

Astloch gesucht, die Eule am Waldboden. Doch die Blätterkatze wurde davongetragen und was von ihr übrig blieb, wollt ihr wissen?

Einzelne Blätter, die der Wind mit sich trug. Es könnte sein, dass dir die Blätterkatze in deinem Wäldchen begegnet, dann wende dich ab, denn sie ist lieber alleine. Wenn du sie bewundern willst, dann nur von der Ferne. Und vergiss nicht, dir die Ohren zuzuhalten. 

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Hörbuch

Über den Autor

Kathi71
Hi! Ich heiße Katharina. Ich lebe mit meinem Mann und meinen vier Kindern in Niederösterreich.
Nach der Matura habe ich die Buchhandelslehre absolviert. Weil mir das nicht genug war, habe ich nach einem Jahr auf der Universität für Bodenkultur noch den vierjährigen Lehrgang für Grafik Design an der Wiener Kunstschule abgeschlossen. Ich schreibe leidenschaftlich gerne, zwischendurch male und zeichne ich.
2019 ist mein erster Krimi - Der Corvinusbecher - im Medimont Verlag erschienen und mein Jugendfantasyroman "Experiri". Im Herbst 2020 erscheint mein zweiter Kriminalroman mit meiner Protagonistin Simone Jaan, weiters arbeite ich an Fortsetzungen von Experiri - als Fantasy/Sciencefiction/Psychothriller.

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NORIS Liebe Kathi,
du bist echt super und schon richtig erfolgreich! Herzlichen Glückwunsch. Deine Geschichte über Hochmut und Fall hat mich begeistert. Besuch mich doch mal!
Ein schönes Wochenende
Heidemarie
Vor ein paar Monaten - Antworten
Buhuuuh W R I T E ON! :)
Vor ein paar Monaten - Antworten
Buhuuuh Der "Gast" war ich. Nur eben nicht angemeldet. *hopsala*
Vor ein paar Monaten - Antworten
Gast *miau* ein hochmütiges Blattgetier das. Ich werde deinem Rat folgen und sie nicht weiter stören.

Sehr schöner Text Kathi! :)

War schön hineinzuträumen in die Geschichte.
Vor ein paar Monaten - Antworten
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