Fantasy & Horror
Life Game - Kapitel 27 - Die Formation (überarbeitet)

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"Life Game - Kapitel 27 - Die Formation (überarbeitet)"
Veröffentlicht am 27. April 2020, 20 Seiten
Kategorie Fantasy & Horror
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Über den Autor:

Danke, dass Du mein Buch liest. Mein Debüt, Life Game, unterliegt leider noch immer meiner Überarbeitung. Beruflich ziemlich eingespannt, bleibt zu wenig Zeit, diesem spannenden Hobby nachzugehen. Ideen für neue Stories stehen Schlange und warten nur noch darauf, in Worte gefasst zu werden. Ich danke allen die weiterhin kritisch aber neugierig meinen Geschichten treu bleiben. C. G.
Life Game - Kapitel 27 - Die Formation (überarbeitet)

Life Game - Kapitel 27 - Die Formation (überarbeitet)

27. erwachen

Der Indianer ist weg. Ich bin wieder alleine. Ich habe bewusst erlebt, wie ich ertrunken bin. Wie ich Wasser geschluckt habe, und wie das Leben aus meinem Körper gezogen wurde. In mir war zu viel Leben, im Wasser um mich herum zu wenig. Nüchtern betrachtet fand eine Osmose statt, ein Konzentrationsausgleich. Wie ironisch, wenn man bedenkt, dass Wasser eigentlich Leben spenden sollte, statt es zu entziehen. Ein weiterer tiefer Atemzug. Ein weiterer Sog pures Leben. Ich habe das Gefühl, spüren zu können, wie sich die feinen Lungenbläschen einzeln mit Luft füllen. Wie Miniaturluftballons

blähen sie sich auf. Ich könnte wetten, ich spüre, wie sich mein Blut, Plättchen für Plättchen mit Sauerstoff anreichert und das Leben so zurück in mein System strömen lässt. Zuerst die Finger, bewege die Finger. Faust, strecken. Faust, strecken. Jetzt die Füße. Leichte Drehung und die Zehen zusammenrollen. Den Kopf nach links und nach rechts bewegen. Kann ich aufstehen? Vorsichtig ziehe ich meine Beine etwas an, greife mit beiden Händen in die Kniekehlen und ziehe mich daran hoch. Sitzen, ein bis zu diesem Zeitpunkt definitiv unterbewerteter Zustand. Tief durchatmen. Ich drehe meinen Kopf soweit ich es kann von meiner rechten

Schulter zur linken und bewerte meine Situation. Eine diffus dunkle Kammer mit dezent türkis-blauer Beleuchtung zeichnet sich vor meinen Augen aus dem Halbdunkel heraus. Die Wände sind glatt und matt. Sie erinnern mich an die Röhre, an dessen Wänden ebenfalls Symbole aus sich heraus geleuchtet haben. Die Kammer ist ein paar Meter breit und ein paar Meter hoch. Ich bin so schlecht im Schätzen. Auf meiner linken Seite mündet ein Tunnel in diese Kammer. Je mehr sich meine Augen an die Dunkelheit gewöhnen, desto besser glaube ich auch hören zu können. Und ich höre mehr als mein eigenes Blut in den Ohren rauschen. Ich höre leise

Stimmen. „Wer ist da?“, rufe ich einfach in den Raum rein. Die Kammer erzeugt ein Echo und bietet eine gespenstische Akustik. „Wer ist da?“, rufe ich erneut, diesmal mit der viel zu spät gestellten Frage im Kopf, ob es clever ist, so laut zu rufen. Ich weiß ja nicht mal wo ich bin und wie ich hierhergekommen bin. Der Indianer blitzt vor meinem inneren Auge auf. „Ein Kreuz ist mehr als ein Symbol. Opfer. Chance. Forderung. Rette mich“. „Ben? Ben, bist du das?“, Jasmin, die junge Frau, die mit Adrian und dem anderen Typen unterwegs war. Das ist ihre Stimme. Erleichterung breitet sich in mir aus. Ich bin

nicht mehr alleine. „Oh mein Gott, du bist es wirklich. Ich bin so erleichtert, dass wir dich gefunden haben. Hast du das mit dem Licht gesehen?“ „Tut mir leid, das muss ich wohl verpasst haben“, lüge ich schnell aber scheinbar überzeugend. „Was war mit dem Licht?“ Jasmin stolpert über die Kante und auf mich zu. Ihre Umarmung ist herzlich und drückt ehrliche Freude über das Wiedersehen aus. Hinter ihr kommen Adrian und der andere aus der Röhre geklettert. Adrian reicht mir die Hand und als ich ihm meine reiche, zieht er mich fest an sich. Wie zwei Brüder nach einem sportlichen Wettstreit umarmen wir uns. Adrian scheint sich auch darüber zu freuen,

mich wieder zu sehen. Diese Freude teile ich überraschend im selben Maße. „Mensch Ben, als du in dieses Loch getaucht bist, habe ich mir fast in die Hosen gemacht. Bitte beim nächsten Mal keine Überraschungsmanöver mehr. Ok?“ Lachend bestätige ich ihm seinen Wunsch und wir lösen uns voneinander. Jetzt schlurft auch der dritte, Marcel, kraftlos auf mich zu und schüttelt mir unsicher die Hand. „Wir dachten wirklich, das war’s und wir würden dich nicht wiedersehen. Schön, dass wir uns getäuscht haben. Wie geht’s dir?“ Jasmin griff diese Frage direkt auf. „Ja, sag schon Ben, wie geht’s dir? Was ist passiert?“ Meine Geschichte erzähle ich in kurzen

Worten. Auf meine Frage, ob die anderen den Indianer auch gesehen habe, erzählt mir Adrian, was er über die Kante blickend beobachten konnte. „Das fügt doch ein paar Teile zusammen“, sage ich dann abschließend. „Wie soll es jetzt weitergehen?“ „Hört ihr das?“, Jasmin legt eine Hand an ihr Ohr und signalisiert mit der anderen, wir sollen still sein. „Klingt, als ob irgendwo Wasser fließt“, kommentiert Adrian nach einer kurzen Weile. Tatsächlich höre ich ein Gurgeln. Ein leichter Windhauch jagt mir eine Gänsehaut über den Nacken. Mein Blick ist auf die drei Röhren fixiert, welche aus dieser Kammer

hinausführen. Aus einer sind die drei gekommen und wie ich vermute bin ich das ebenfalls. Die anderen beiden scheint bisher keiner von uns zu kennen. Sind wir uns sicher, dass die Röhren hinausführen? Wer sagt, dass sie nicht ausschließlich in diese Kammer hier hineinführen? Ich spüre, wie sich meine Schultern verspannen und sich ein festes Band um meinen Brustkorb spannt. Atmen fällt mir immer schwerer. Adrian schreitet die Kammer ab, um herauszuhören, von wo das Geräusch kommt. Jasmin tut es ihm gleich, nur Marcel und ich stehen etwas ratlos in der Mitte des Raumes und beobachten die beiden. „Es kommt aus dieser Röhre hier. Das ist die

Röhre, aus der wir gekommen sind“, stellt Jasmin fest. „Leute, das ist jetzt keine gute Ausgangssituation. Irgendwas bewegt sich auf uns zu. Ich sehe Spiegelungen an den Wänden.“ Adrian hat den Kopf in die Röhre gesteckt und kann seinen Blick von den schimmernden Reflektionen nicht lösen. Ein leichtes Rinnsal arbeitet sich über den steinernen Grund in unsere Kammer hinein. Es ist also doch Wasser. Ich weiß nicht, ob ich mich freuen oder erschaudern soll. Meine Erschöpfung und Kraftlosigkeit weichen einem Überlebensinstinkt. Mein Verstand, gerade noch im Off-Modus, läuft jetzt auf Hochtouren. „Ok, Leute. Ich denke wir sollten uns jetzt

schnell entscheiden, wie es weitergeht. Wir haben drei Ausgänge. Einen können wir als Option direkt eliminieren. Selbst ohne Wasser darin, würden wir nur wieder zurück in die Sackgasse laufen. Die beiden anderen Wege kennt keiner von uns. Einer geht links ab, der andere rechts. Hat jemand ein Papiertaschentuch oder irgendetwas anderes leichtes in seinen Taschen? Mein Kram ist noch total durchnässt.“ Marcel funktioniert einfach nur und kramt hilflos in seinen Taschen. Er blickt enttäuscht zu Boden, als er nur ein paar kleine Steine und Wollmäuse aus den Taschen hervorbringt. Adrian hingegen bewegt sich überhaupt nicht. Nur seine Adern am Hals und auf der Stirn treten vorsichtig hervor.

„Echt jetzt? Naseputzen? Rotz einfach irgendwo hin du Spinner“ „Reg dich ab und denke mal über deine geschwollene Nase hinaus mit. Das ist Teil der Lösung. Von dort unten drängt Wasser hoch und es gibt nur zwei Ausgänge. Das Wasser verdrängt allerdings auch die Luft aus der Röhre. Diese Luft muss irgendwo hin, richtig?“ Bei Jasmin scheint die Münze in den Richtigen Schlitz gefallen zu sein. Sie reißt die Augen auf und holt tief Luft, während sie beginnt hektisch in allen ihren Taschen zu suchen. Bei Marcel bin ich mir nicht ganz sicher, aber auch er kramt erneut in seinen Taschen in der Hoffnung, nun doch etwas zu finden. Nur Adrian glotzt mich leer

an. „Ja, schön, Wasser verdrängt Luft. Und?“ „Mensch Adrian. Muss ich jetzt echt erklären und rechtfertigen, wozu ich ein dünnes Tuch brauche?“ Marcel gewinnt den ersten Preis für gute Ausstattung. Er kramt eine leere Kunststoffverpackung für Taschentücher raus und bietet sie mir an. Mit einem genervten Blick an Adrian gerichtet stelle ich mich vor die linke Röhre. Ich halte die Verpackung mit den Fingerspitzen und lasse sie von oben in die Röhre hängen. Sie beginnt leicht zu flattern. Ich konzentriere mich auf diese Bewegungen und versuche sie mir einzuprägen. Dann eile ich zur anderen Röhre und spiele dasselbe Spiel. Hier flattert die Verpackung eindeutig

fester. „Das ist unser Notausgang!“ Ich strahle überstolz in die Runde und blicke in drei mehr oder weniger faszinierte Gesichter. Adrian holt Luft und bevor er auch nur den Hauch einer Chance hat, eine mit Sicherheit dämliche Frage zu stellen, unterbreche ich ihn: „Die Luft, die vom Wasser verdrängt wird, muss irgendwo hin. Wir haben im Labyrinth bereits Sackgassen kennengelernt. Das wäre das Letzte, was wir mit steigendem Wasser im Nacken brauchen.“ Alleine bei dem Gedanken daran, erneut zu ertrinken, jagt es mir einen Schauer ins Gesicht. „Meine Theorie ist Folgende: je stärker der Luftzug in einer dieser beiden Röhren ausfällt,

desto größer ist der Luftdurchlass. Ergo, desto größer sind irgendwelche Öffnungen im Verlauf oder idealerweise am Ende der Röhre.“ Ich gehe im Kopf meine eigene Theorie noch einmal durch, kann aber keinen Fehler darin finden. Marcels unterlaufene Augen blicken ins Leere. Jasmins Augen weiten sich und ein Schimmer Hoffnung huscht über ihr Gesicht. Der Funke springt auf mich über, ich spüre wie mich ein Schub Adrenalin durchfährt. Ich laufe los. „Los geht’s. Lasst uns keine Zeit verlieren.“ „War das jetzt so schwer, das kurz zu erklären?“, motzt mich Adrian an, aber er trottet zumindest los. „Wäre es so schwer gewesen, selber drauf zu kommen?“, schieße ich spontan zurück.

Adrian lässt mich durch seinen Blick wissen, dass ihm dieser Umgang nicht gefällt. Ich beschließe, mich nicht auf solche Kinderspiele einzulassen. Nacheinander kriechen wir alle in die Röhre. Nach Adrian direkt Jasmin, dann Marcel. Ich bilde freiwillig das Ende. Ich blicke noch einmal zurück und sehe mit Erschrecken, dass das Wasser uns augenscheinlich weniger Zeit lassen wird, als wir dachten. Das Wasser explodiert förmlich aus dem Tunnel in die Kammer, statt langsam reinzusickern. Das Wasser löscht das blaue Licht in der Kammer im Augenblick der Berührung. Es wirkt, als würde das Wasser das Licht wegwaschen. Das bedeutet aber auch, wenn es uns in der Röhre überholt, wird

es unseren Weg in Dunkelheit tauchen. „Das Wasser kommt, wir müssen uns schneller bewegen!“, rufe ich von ganz hinten. Keiner der drei vor mir muss sich das ein weiteres Mal sagen lassen. Wir renn-krabbeln was die Kraft und der Platz hergeben. Das Wasser steigt schnell. Noch liegen ein paar Meter zwischen der Wasserlinie und mir, aber ich kann sehen, wie dieser Abstand zunehmend dahinschmilzt. Das Wasser schießt mit solchem Druck in die Röhre, dass es beängstigend laut rauscht. „Los! Schneller!“ Die Steigung lässt nach und der Durchmesser des Tunnels nimmt zu. Er ist mittlerweile so weit, dass wir alle wieder stehen können. Es fühlt sich an, wie endlich wieder atmen

können, wenn die Enge schwindet. Keiner muss ein Wort sagen, wir beginnen unser Tempo in den Laufschritt zu verlagern, während das Wasser mittlerweile unter unseren Füßen spritzt. „Ich kann Licht sehen“, ruft Adrian von vorm, „Das muss der Ausgang sein“. Und tatsächlich, direkt vor uns, genau geradeaus, fällt ein Lichtstrahl von oben in den Tunnel. Wir beschleunigen alle nochmal und fordern unsere ohnehin schon gereizten und brennenden Muskeln heraus, als der Lichtstrahl von einem Moment auf den nächsten erlischt. Adrian bremst seine Schritte und gibt uns mit seiner geschlossenen, über die Schulter gehaltenen Hand ein Zeichen, langsamer und still zu werden. Dort wo das

Licht gewesen ist rieselt nun Erde im blassen, blauen Restlicht runter. „Hallo?“

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Gillegan
Danke, dass Du mein Buch liest.

Mein Debüt, Life Game, unterliegt leider noch immer meiner Überarbeitung. Beruflich ziemlich eingespannt, bleibt zu wenig Zeit, diesem spannenden Hobby nachzugehen. Ideen für neue Stories stehen Schlange und warten nur noch darauf, in Worte gefasst zu werden.

Ich danke allen die weiterhin kritisch aber neugierig meinen Geschichten treu bleiben.

C. G.

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