Romane & Erzählungen
Der Sommer der Skorpione - historischer Roman

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"Der Sommer der Skorpione - historischer Roman"
Veröffentlicht am 09. August 2019, 96 Seiten
Kategorie Romane & Erzählungen
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Über den Autor:

M├íire Br├╝ning wurde 1966 geboren und wuchs in einer Region auf, die reich ist an Zeugnissen staufischer Baukunst. Dadurch entwickelte sie schon sehr fr├╝h ein gro├čes Interesse f├╝r mittelalterliche Geschichte und sie verschlang Unmengen von B├╝chern zum Thema. Besonders die Geschichten und Sagen ihrer Heimatregion hatten es ihr angetan und so entstand die Idee, selbst eine Geschichte zu schreiben. Inzwischen verbringt sie jede freie Minute ...
Der Sommer der Skorpione - historischer Roman

Der Sommer der Skorpione - historischer Roman

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Diotima von Morra atmete tief ein und aus, um ihre angespannten Muskeln zu lockern. Doch das Brennen in ihrer vernarbten Hand lie├č nicht nach. Sie wechselte ihren Kr├╝ckstock von der Rechten in die Linke und vergrub ihre schmerzenden Finger in den Falten ihres perlenbestickten Gewandes. Schlie├člich nickte sie ihrer Zofe zu. Eilfertig ├Âffnete das M├Ądchen die T├╝r zur Burgkapelle und k├╝ndigte sie an. Begleitet vom leisen Kratzen ihres Stockes auf dem Steinboden schritt Diotima auf den Altar

zu. Heute war ihr Hochzeitstag. Sie hatte sich immer ausgemalt, wie ihr Herz an diesem Tag in doppeltem Tempo schlagen w├╝rde. Doch das tat es nicht. Warum auch? Sie heiratete Mess├Ęr Francesco Adelardi nicht aus Liebe. Im Gegenteil. Ihrer Einwilligung in diese Heirat lag die n├╝chterne Erkenntnis zugrunde, es k├Ânne sich um ihre einzige Chance handeln, der elterlichen Burg mit ihrer bedr├╝ckenden Atmosph├Ąre mitleidiger Zur├╝ckhaltung zu entkommen. Ihre Schwestern wollten tanzen, auf die Jagd reiten, sich am├╝sieren. Dass sie dies nicht l├Ąnger konnte, war kein Grund jeden Spa├č aus

Morra zu verbannen. Sie brauchte kein Mitleid. Gr├Ąfin Judith und Graf L├ęon von Morra hatten ihr Gespr├Ąch mit dem Priester unterbrochen und sahen ihr entgegen. Das Gesicht ihres Vaters war bar jedes Ausdrucks, das ihrer Mutter zeigte unverhohlene Besorgnis. Die Mienen ihrer Schwestern Iliane und Hilda dagegen verrieten vorsichtige Erleichterung, so als wagten sie noch nicht an die bevorstehende Abreise ihrer verkr├╝ppelten Schwester zu glauben. Ihr Blick wanderte weiter zu dem in teures Schwarz gekleideten Mann, der in Vertretung des Br├Ąutigams mit ihr die Ehe schlie├čen w├╝rde. Sein Name war

Fulco. Er hatte ein sanftes, ovales Gesicht, das von hellblonden Locken umrahmt wurde. Seine Umgangsformen waren untadelig und er hatte w├Ąhrend der Verhandlungen mit ihrem Vater nicht ein einziges Mal die Stimme erhoben. Diotima hoffte, dass der umg├Ąngliche Charakter seines Stellvertreters dem ihres zuk├╝nftigen Gemahls entsprach. ┬╗Ima?┬ź Ihr Vater trat auf sie zu und legte ihr die H├Ąnde auf die Schultern. ┬╗Bist du dir ganz sicher, Kind? Niemand zwingt dich, zu heiraten, wenn du es nicht willst.┬ź ┬╗Ich wei├č.┬ź ┬╗Deine Mutter f├╝rchtet, du k├Ânntest dich aus den falschen Gr├╝nden entschlossen

haben Mess├Ęr Adelardi zum Mann zu nehmen.┬ź ┬╗Ihre Sorge ist unbegr├╝ndet.┬ź ┬╗Ima, du wei├čt, dass wir ...┬ź ┬╗Vater. Es ist gut.┬ź Er musterte sie eindringlich, mit Augen, deren intensiver Farbton sie immer an das Blau der Ysopbl├╝ten im Burggarten erinnerte. Sie hatte die Augenfarbe von ihm geerbt, zusammen mit dem Safrangold ihres Haares. Es hatte einmal eine Zeit gegeben, in der sie darauf sehr stolz gewesen war, doch inzwischen hatte sie begriffen, dass ihr Aussehen weder den Gehstock noch die Narben aufwog. Ihr Vater nickte knapp und kehrte an seinen Platz neben ihrer Mutter zur├╝ck.

Er griff nach der Hand seiner Frau und dr├╝ckte sie. Ima schluckte gegen die altvertraute Welle der ├ťbelkeit an und setzte sich Richtung Altar in Bewegung. Fulco empfing sie mit einer vollendeten Verbeugung und einem warmen L├Ącheln. ┬╗Seid Ihr bereit, Signorina Diotima?┬ź Nein. ┬╗Gewiss, mein Herr.┬ź ┬╗Nun, dann seid so gut, mit der Zeremonie zu beginnen, Don Michele┬ź, forderte er den Geistlichen auf. Diotima lie├č ihn gew├Ąhren. Das Sakrament war die notwendige Bekr├Ąftigung eines gesch├Ąftlichen Handels und verdiente nur beil├Ąufige Aufmerksamkeit. Sie lie├č ihre Gedanken wandern. Es w├╝rde klappen. Es

musste klappen. Sie wollte ihren eigenen Hausstand. Wollte beweisen, wozu sie f├Ąhig war, wenn man sie endlich nicht mehr wie ein rohes Wachtelei behandeln w├╝rde. Wenig sp├Ąter steckte ihr Fulco einen Ring an den behandschuhten Finger und Don Michele erkl├Ąre sie mit strahlender Miene zur rechtm├Ą├čigen Gemahlin des Nobiluomo Francesco Adelardi. Fulco verbeugte sich erneut und wich hastig einen Schritt zur├╝ck, um dem ├ťberschwang ihren Schwestern zu entgehen, die kichernd ganze Wolken farbenfroher Bl├╝tenbl├Ątter in die Luft warfen, um dem Brautpaar Gl├╝ck zu

w├╝nschen. Diotima fr├Âstelte. Sie hatte sich immer wieder gesagt, dass diese Heirat der Preis war, den sie f├╝r ein Leben ohne mitleidige Blicke in Kauf nehmen musste. Aber das traf nicht zu. Innerhalb einer Familie sollte es keinen eiskalten Hauch der Entfremdung geben, keine l├Ąhmende Scham, die von ihr verlangte, sich zu verstellen. Fulco r├Ąusperte sich diskret und Ima wandte sich wieder ihm und den praktischen Fragen zu. Sie w├Ąre am liebsten sofort zu ihrem neuen Heim aufgebrochen, doch in dieser Angelegenheit hatten ihre Eltern nicht mit sich reden lassen. Ein Festmahl

musste es geben, doch zumindest hatten sie sich von dem Gedanken abbringen lassen, dazu s├Ąmtliche Nachbarn einzuladen. So waren es nur die Burgleute, die hinter ihnen in den Saal str├Âmten. Fulco f├╝hrte sie zu den Ehrenpl├Ątzen an der Stirnseite der Tafel und r├╝ckte ihr den Stuhl zurecht. Auch hier waren Iliane und Hilda am Werk gewesen und hatten das Tischtuch ├╝ppig mit Bl├╝tenbl├Ąttern bestreut. Ungeduldig wischte Ima eine Rosenknospe von ihrem Teller. Sie versp├╝rte keinen Appetit, obwohl ihre Mutter daf├╝r gesorgt hatte, dass alle ihre Lieblingsgerichte auf den Tisch kamen. Sie lie├č sich vom Entenbraten vorlegen. ┬╗Erz├Ąhlt mir ein

wenig von meinem neuen Heim┬ź, bat sie. Fulco lie├č sich das nicht zweimal sagen und erging sich in ausschweifenden Beschreibungen des Hauses, der Obstg├Ąrten und Weinberge, die zum Besitz geh├Ârten. Das monotone Gleichma├č seiner Stimme war erm├╝dend. Gl├╝cklicherweise schien er nicht von ihr zu erwarten, dass sie sich am Gespr├Ąch beteiligte. Eine leichte Unruhe am Eingang des Saales erregte ihre Aufmerksamkeit. Einer der Pagen f├╝hrte einen Mann in einem wappenlosen Waffenrock herein. Der Mann verneigte sich vor ihren Eltern und sprach eine Weile mit ihrem Vater. Dieser wies schlie├člich in ihre Richtung. Der Bote

trat vor sie und verbeugte sich erneut. ┬╗Monna Diotima, ich bin beauftragt, Euch dieses Geschenk zu ├╝berreichen.┬ź Diotima nahm das P├Ąckchen in die Hand und drehte es um. Es war in Wachstuch eingeschlagen und enthielt keinerlei Hinweis auf den Absender. Sie legte es auf den Tisch. ┬╗Wer hat Euch beauftragt?┬ź, fragte sie. ┬╗├ľffnet es┬ź, erwiderte der Bote. ┬╗Der Inhalt wird Euch die Herkunft des Geschenks verraten.┬ź Ima entfernte das Wachstuch und fand ein kleines Holzk├Ąstchen. Es enthielt eine mit Edelsteinen besetzte Schmucknadel und eine Botschaft. Hitze stieg in ihren Nacken und die Wangen.

Sie starrte auf die Botschaft, die aus willk├╝rlich aneinandergereihten Lettern und Zahlen zu bestehen schien. Lautlos z├Ąhlte sie die Buchstaben ab und verschob sie, wie es der L├Âsungsschl├╝ssel vorgab. Meglio un anno come un leone, da cento anni come una pecora. Bleib stark. Und ergreife dein Gl├╝ck mit beiden H├Ąnden, sobald du es siehst. Diotima schloss das K├Ąstchen und wandte sich wieder ihrem Essen zu. Fulco schien eine Reaktion von ihr zu erwarten, denn als sie nichts sagte, sah er sie an und fragte: ┬╗Habt Ihr

herausgefunden, von wem das Geschenk stammt, Monna?┬ź ┬╗Von meiner ├Ąlteren Schwester Roana. Ihr kennt sie nicht. Sie hat nach Sizilien geheiratet.┬ź ┬╗Sizilien? Das ist weit. Wie kann sie so schnell von Eurer Verm├Ąhlung erfahren haben?┬ź ┬╗Es war kein Hochzeitsgeschenk┬ź, sagte Ima. Ganz im Gegenteil. Das K├Ąstchen enthielt eine t├Âdliche Waffe.

*

Am n├Ąchsten Morgen brach Diotima mit Fulco, seinen Reitknechten und Dienern und den Soldaten ihres Vaters zu ihrem neuen Heim auf. Noch im Morgengrauen hatte sie eine Runde durch die Burg gemacht, um sich zu verabschieden: von der K├Âchin, dem Falkner, dem Stallmeister und einigen Freunden aus Kindertagen. Den Abschied von ihren Eltern und den Schwestern hielt sie bewusst kurz. Ihr Vater schien damit zufrieden. Ihre Mutter dagegen war ├Ąrgerlich. ┬╗Deine Abreise scheint dich ja nicht sonderlich zu

betr├╝ben. Du kannst es anscheinend nicht erwarten, so weit wie m├Âglich von uns fortzukommen.┬ź ┬╗So weit wie m├Âglich?┬ź, sagte Diotima. ┬╗Wohl kaum. Das Haus meines Gemahls liegt nur l├Ącherliche vier Tagesritte entfernt. Da k├Ânnen wir ja beinahe noch Signalflaggen benutzen, um uns zu verst├Ąndigen.┬ź Das war ein h├Ąsslicher Schlag, aber Ima konnte kein Bedauern aufbringen. Mit Fulcos Hilfe bestieg sie ihren Reisewagen und machte es sich neben ihre Zofe Bianca auf dem gepolsterten Sitz bequem. Unter Peitschenknallen und den Rufen der Knechte setzte sich das Fahrzeug knirschend in Bewegung. Fulco

hatte f├╝r die Gep├Ąckwagen f├╝nf Reisetage veranschlagt, eine Aussicht, die Ima wechselweise mit Ungeduld oder Unruhe erf├╝llte. Sie w├Ąre lieber geritten, doch der Preis, den sie f├╝r diese Eitelkeit zu zahlen haben w├╝rde, war nicht akzeptabel. Sie hatte nicht vor, ihrem Gemahl als zitterndes, hilfloses B├╝ndel unter die Augen zu kommen, das vor Schmerzen nur noch halb bei Verstand war. Fulco schien ein wenig von ihrem Dilemma zu erahnen, denn erlie├č seine Stute neben dem Wagen kantern und gab sich redlich M├╝he, sie mit lustigen Geschichten und Anekdoten aus ihrer tr├╝ben Stimmung zu rei├čen. Zur Mittagszeit des f├╝nften Reisetages

├╝berschritten sie die Grenze zum Landbesitz ihres Gemahls und n├Ąherten sich dem Valle del Tasso mit dem befestigten Landgut der Adelardi. Ima sa├č neben dem Kutscher, um einen besseren Ausblick zu haben. Vergn├╝gt l├Ąchelnd zeigte Fulco auf die Weinberge, die sich rechts des Weges erstreckten, und die jetzt Anfang August voller rotvioletter Trauben hingen. Das Tal empfing sie mit milchwei├čem Himmel ├╝ber dunstig verhangenen Bergen. An einer Stelle schien der silbrige Schleier ein wenig dunkler. Fulco richtete sich in den Steigb├╝geln auf und reckte den Hals. ┬╗Stimmt etwas nicht?┬ź, fragte

Ima. Fulco winkte ab. ┬╗Einen Augenblick lang dachte ich, ich s├Ąhe aus dem Tal Rauch aufsteigen. Vermutlich nur eine Wolke, die mir ein Trugbild vorgegaukelt hat.┬ź Diotima blickte ihn an. ┬╗Sagt, sollten wir nicht einen Boten vorausschicken, der unsere Ankunft meldet?┬ź ┬╗Das ist nicht n├Âtig, Monna Diotima. Hinter dieser Anh├Âhe senkt sich der Pfad und geht in das Tal ├╝ber. Dann sind es nur noch drei Meilen bis zum Haus.┬ź Einer der Soldaten z├╝gelte pl├Âtzlich sein Pferd. ┬╗Es riecht hier tats├Ąchlich nach Rauch, Mess├Ęr Fulco!┬ź Fulco spornte sein Pferd an. Mit einem Satz war das Tier auf und davon und

st├╝rmte von seinem Reiter angetrieben den H├╝gel hinauf. Ima blickte mit offenem Mund auf den Soldaten und dann dem verschwindenden Fulco nach. Im n├Ąchsten Augenblick entriss sie dem verbl├╝fften Kutscher Peitsche und Leinen und trieb die Zugpferde an. Wenig sp├Ąter hielten Soldaten und Wagen in einer Staubwolke an Fulcos Seite auf der H├╝gelkuppe. Im Westen wellten sich Wiesen und Weinberge gr├╝nlich schimmernd dahin und senkten sich zu einer zinnengekr├Ânten Umfassungsmauer ab. Dahinter lagen die Casa Adelardi mit ihrem viereckigen Turn, die Wirtschaftsgeb├Ąude und St├Ąlle. Einen Augenblick lang war nichts zu

sehen, und einer der Soldaten begann zu scherzen. ┬╗Ich hoffe, Eure neue K├Âchin ist nicht mit meiner Alten verwandt. Die hat n├Ąmlich drei Monate gebraucht, bis sie Bescheid wusste, wie man aus einem anst├Ąndigen St├╝ck Fleisch keine Stiefelsohlen macht.┬ź Der Wind strich ihnen um die Gesichter und schlug um. Eine gro├če S├Ąule, schwarz wie die Mitternacht, stieg am Ende des Tales auf und hing schwankend ├╝ber dem Horizont. Fulco galoppierte mit blitzartiger Schnelle den Hang hinab und die Soldaten hinter ihm drein, aus Leibeskr├Ąften br├╝llend. Die Knechte schlossen sich an und Ima und der

Kutscher blieben sich selbst ├╝berlassen. Resigniert nahm sie die Leinen auf und machte sich daran, f├╝r den Wagen einen Weg ins Tal zu finden.

*

Leone Savelli hasste es, vor Tau und Tag aus dem Schlaf gerissen zu werden. Als die Alarmglocke erklang, dachte er zuerst, er sei im Feldlager und sie w├╝rden von feindlichen Truppen angegriffen. Er rappelte sich hoch, den kalten Griff seines Schwertes in der Hand und sah, dass er sich auf dem Heuboden ihrer Unterkunft in der N├Ąhe von Verona befand, w├Ąhrend sich seine gleicherma├čen verwirrten Kameraden neben ihm fluchend aus ihren Decken

sch├Ąlten. Von der Luke her erklang eine sanfte Stimme, die Leone als die des Venezianers Belladonna erkannte und die auf griechisch zu ihnen sprach. ┬╗Meine Herren. Der Capitano l├Ąsst um Entschuldigung bitten f├╝r die St├Ârung Ihrer Nachtruhe. Ihre Anwesenheit wird im Hof verlangt, ger├╝stet und abmarschbereit in f├╝nfzehn Minuten. Ferner wurde ich gebeten, auszurichten, dass jeder, der nicht p├╝nktlich eintrifft, in Zukunft auf sich selbst gestellt ist.┬ź Keiner der M├Ąnner versp├Ątete sich.

Doch die Qualit├Ąt der Stille, mit der sie ihrem Anf├╝hrer entgegensahen, war so ├Ątzend wie Brandkalk. Santiago Diaz war zwei Tage fort gewesen und er sah aus, als habe er in dieser Zeit nicht eine Minute geschlafen. Seine Kleidung, schwarz und kostbar, wirkte ein wenig schlampig, sein sonnengebr├Ąuntes Gesicht zeigte eine aschgraue T├Ânung. Er trug die Augenklappe, was nach Leones Erfahrung bedeutete, dass er sich mit heiklen Angelegenheiten besch├Ąftigt hatte, die es n├Âtig machten, sein Geheimnis

zu verbergen. Doch in Santiagos bersteingoldenem Auge stand ein mutwilliges Funkeln. Er zog ein in Leder eingeschlagenes P├Ąckchen aus seiner Satteltasche und warf es Leone zu. ┬╗Lies vor┬ź, sagte er liebensw├╝rdig. Leone ├Âffnete das P├Ąckchen und entrollte eine auf lateinisch verfasste Urkunde. Er ├╝berflog die Worte und hob dann den Kopf. ┬╗Gro├čer Gott, Capitano, was ist das?┬ź Santiago sah ihn nur wortlos an. Leone vertiefte sich eilig wieder in den Text und begann mit seinem

Vortrag. ┬╗Wir ├╝bergeben als Eigen den uns fr├╝her zu Eigentum geh├Ârenden Besitz im Valle del Tasso durch dieses Schriftst├╝ck mit allen Rechten ... cum omnibus eidem praedio iuste et legaliter pertinentibus mobilibus ... die diesem Besitz nach Recht und Gesetz zugeh├Âren, beweglichen und unbeweglichen Dingen, Fl├Ąchen, Geb├Ąuden, ├äckern, bebautem und unbebautem Land, Wiesen, Weiden und gemeinsamen Weidefl├Ąchen, Jagden, Gew├Ąssern und Wasserl├Ąufen, Fischgr├╝nden, M├╝hlen, erschlossenen

und unerschlossenen Gebieten, Zutritts- und Wegerechten, Forderungen und Au├čenst├Ąnden und allem ├╝brigen, was man auf beliebige Weise als Zubeh├Âr anf├╝hren kann, derart, dass der ehrenwerte Mess├Ęr Santiago Diaz von nun an die freie Verf├╝gungsgewalt ├╝ber diesen Besitz haben soll und dazu Erbrecht, Vergabe-, Verkaufs- und Tauschrecht oder was auch immer ihm f├╝r seinen Vorteil zu tun beliebt ...┬ź Niemand regte sich. ┬╗Ich wiederhole meine Frage┬ź, lie├č sich Leone vernehmen. ┬╗Was ist

das?┬ź ┬╗Das┬ź, sagte Santiago im gleichen liebensw├╝rdigen Ton, ┬╗ist die Besitzurkunde f├╝r das neue Hauptquartier unserer Truppe.┬ź ┬╗Und - wird man uns mit Pfeilen und Schwertern empfangen, wenn wir versuchen, es in Besitz zu nehmen?┬ź ┬╗Mitnichten.┬ź Er legte Belladonna, dessen richtiger Name Darius Katsaros lautete, die Hand auf den Arm. ┬╗Unser Freund hier hat daf├╝r gesorgt, dass wir eine ordentliche Kaufurkunde bekommen. Wirklich, Leone, du h├Ąttest sehen sollen, mit

welch vollendeter Eleganz er den Florentiner Bankier gemimt hat.┬ź ┬╗Mich interessiert viel mehr, wer der bedauernswerte Wicht ist, den ihr dabei ├╝bers Ohr gehauen habt┬ź, sagte Leone. ┬╗Ich f├╝rchte, ich muss dich entt├Ąuschen┬ź, erwiderte Santiago mit tr├╝gerischer Milde. ┬╗Es war ein schlichtes Wechselgesch├Ąft.┬ź Von Leone kam ein explosiver Laut. ┬╗Erz├Ąhl das deiner Gro├čmutter, falls du eine hast┬ź, erwiderte er. ┬╗Mit wie vielen Gegnern bekommen wir es zu

tun?┬ź Das unheilverk├╝ndende Funkeln wurde pl├Âtzlich zur Flamme. ┬╗Du, mein Lieber, bekommst es gleich mit einem Gegner zu tun. N├Ąmlich mit mir.┬ź Er und Leone starrten sich an. Dann f├╝gte Santiago hinzu, und die Sanftheit war ganz aus seiner Stimme verschwunden: ┬╗Ich habe meine Versprechen gehalten. Ich habe euch mit erstklassigen Waffen ausger├╝stet. Eure B├Ąuche sind voll und es kann keiner behaupten, er h├Ątte sich unter meiner F├╝hrung jemals den Hintern

abfrieren m├╝ssen. Jetzt habe ich euch ein festes Dach ├╝ber dem Kopf verschafft, was bedeutet, dass wir es auch im n├Ąchsten Winter warm und behaglich haben werden. Frag deine Kameraden, ob sie der Meinung sind, sich dar├╝ber beklagen zu m├╝ssen.┬ź Daraufhin setzte Santiago sein Pferd in Bewegung und die M├Ąnner zeigten Leone, wie nutzlos es war, sich mit dem Capitano ├╝ber die Angelegenheit zu streiten, indem sie ihre Pferde wortlos hinter ihrem Anf├╝hrer einreihten. Mit grimmig verzogenen Lippen trieb

Leone sein Pferd an. Im Grunde konnte er Santiago nichts vorwerfen. Er hatte Wort gehalten, und sich in den Monaten, seit er begonnen hatte seine hoch qualifizierte Kompanie auszubilden, nicht geschont. Er hatte brauchbare M├Ąnner angeworben, hatte sachkundig und geschickt die besten Waffenmeister ausfindig gemacht, die die M├Ąnner einem knochenharten Training unterzogen und sie zu dem formten, was nach Santiagos Willen einmal die schlagkr├Ąftigste S├Âldnertruppe des Landes werden sollte. Nun hatte er

auch seine letzte Zusage wahr gemacht und ihnen ein festes Quartier beschafft. Doch etwas an dieser Wechselgeschichte war nicht richtig. Da war ein Unterton in Santiagos Stimme gewesen, der ihm die Eingeweide zusammenzog. Leone wusste nicht, ob mit einer unmittelbaren Gefahr zu rechnen war, aber der etwas ├╝berst├╝rzte Aufbruch im Morgengrauen schien darauf hinzudeuten, das Santi Komplikationen erwartete. Belladonna dagegen sa├č mit seiner ├╝blichen Unbek├╝mmertheit im Sattel.

Aber wenn Leone in den vergangenen sechs Monaten eines gesch├Ąrft hatte, so war es sein Instinkt f├╝r feine Nuancen. Belladonna war ebenso wachsam wie ihr Anf├╝hrer. In flottem Trab bewegten sie sich durch die sommergr├╝ne Landschaft. Die Luft war angenehm frisch und die Hitze der vergangenen Woche schien nur noch eine ferne Erinnerung. Seit sie aufgebrochen waren, hatten weder Santi noch Belladonna ein Wort gesprochen. Leone war es recht. Seine Arbeit als Baumeister konnte

er ohnehin nicht in Angriff nehmen, bevor er das Haus gesehen hatte und f├╝r m├╝├čiges Geplauder war er zu dieser fr├╝hen Stunde nicht zu haben. In Gedanken ging er eine Reihe von Berechnungen durch, die mit der Unterbringung ihrer siebzig M├Ąnner zu tun hatte. Er sagte: ┬╗Woher wissen wir eigentlich, dass dieses Haus f├╝r unsere Zwecke geeignet ist? Es k├Ânnte zu klein sein, alt, bauf├Ąllig ...┬ź ┬╗Ist es nicht┬ź, erwiderte Santiago. ┬╗Ich habs mir angesehen.┬ź Damit gab er seinem Pferd die Sporen und lie├č

es galoppieren. Die Stra├če f├╝hrte jetzt sanft abw├Ąrts und lief in einem Bogen auf den Eingang des Valle del Tasso zu. Leone hing seinen Gedanken nach und machte einen Satz im Sattel, als sich von der Seite her Santiagos Hand um die seine schloss und ihn zum Anhalten veranlasste. ┬╗Verdammt, Leute, riecht ihr das?┬ź, fragte Belladonna. ┬╗Rauch!┬ź Er trieb sein Pferd vorw├Ąrts. Kaum war er um die Biegung der Stra├če

verschwunden, h├Ârten sie auch schon seinen Schrei. ┬╗Santi! Schnell! Der Feigling hat das Haus angez├╝ndet!┬ź ┬╗Darius! Nimm dir zwanzig M├Ąnner und sichere die Stra├če!┬ź, befahl Santiago. ┬╗Der Rest kommt mit mir!┬ź

*

Die gegen die Mauer aufget├╝rmte Reisigb├╝ndel flammten lichterloh, als Santiagos Trupp auf das Haus zugest├╝rmt kam. Sie rissen die Reisighaufen weg und brachen mit ├äxten durch das Haupttor und dann abermals durch die T├╝r zur Halle. Dort fanden sie die weiblichen Bediensteten des Hauses vor, die sich schreckensstarr aneinanderklammerten. Santiago ├╝berlie├č sie der Obhut seiner M├Ąnner und begab sich mit Leone nach

drau├čen, um die restlichen Geb├Ąude der Hofanlage in Augenschein zu nehmen. Kaum hatten sie jedoch eine Hausecke umrundet, blieben sie abrupt stehen. Sie tauschten einen Blick, ein paar knappe Handzeichen und gingen lautlos auf das Getrampel und Geschrei zu, dass jetzt deutlich hinter der n├Ąchsten Biegung der Stra├če zu h├Âren war. ├ťber den L├Ąrm hinweg ert├Ânte die Stimme von Belladonna laut und aufgebracht. Ein schallendes Gel├Ąchter folgte. Santiago und Leone ├╝berquerten den Wassergraben, schlugen sich in die

B├╝sche und hatten einen Augenblick sp├Ąter ihre heiteren Kameraden eingeholt. Es war ein erstaunlicher Anblick. Die meisten M├Ąnner waren vom Pferd gestiegen und hielten ein kleines Kontingent fremder Soldaten in Schach. Die Stra├če war vollgestopft mit behelmten K├Âpfen, allesamt lautstark streitend, von denen sich jedoch keiner dem Reisewagen n├Ąherte, der wie eine Insel aus dem freien Raum um ihn herum aufragte. Den meisten L├Ąrm machte Belladonna, der allein mitten auf der

Stra├če stand, das Gesicht seinen M├Ąnnern zugekehrt und lautstark gegen eine Armbrust protestierte, deren Bolzen auf seinen Magen gerichtet war, ohne zu wanken. Die Armbrust hielt eine junge Frau, die nicht ├Ąlter als achtzehn sein konnte. Der Anblick war selbst aus dem Dickicht heraus, in dem Santiago und Leone standen, aufsehenerregend. Das Sonnenlicht fiel auf safrangoldenes Haar, das von der glatten Stirn bis zur H├Ąlfte ihres R├╝ckens reichte, und ihr Gesicht in seiner quellwasser├Ąhnlichen Reinheit

w├╝hlte die Sinne auf wie der Klang aufeinanderprallender Schwerter. Sie sah aufgebracht aus. Ein kleines, ersticktes Ger├Ąusch stieg aus Leones Kehle auf, ohne dass er es merkte. Santiagos Geste brachte ihn zum Verstummen. ┬╗Rei├č dich zusammen. Eine h├╝bsche Blume, da bin ich ganz deiner Meinung, aber ein wenig zu giftig, um sie abzupfl├╝cken.┬ź Und er nahm die Hand weg und verschmolz mit der Umgebung. Leone trat einen Schritt vor, dann einen zur├╝ck; und dann blieb er, wo er war, die Linke zur

Faust geballt, die N├Ągel in die Handfl├Ąche gebohrt. Inzwischen hatte sich der L├Ąrm noch verst├Ąrkt. W├Ąhrend er dem Get├╝mmel lauschte, begriff Leone bald, was geschehen war. Die junge Frau und ihre Eskorte hatten den Rauch gesehen und eine Gruppe bewaffneter Fremder vorgefunden. Dass die Frau den Fremden die Schuld an dem Feuer gab, war nur nat├╝rlich. W├Ąhrend die M├Ąnner sich mit ihrer Eskorte besch├Ąftigten, hatte sie Belladonna geschickt isoliert und eine Armbrust in Anschlag

gebracht. Jeder aus Santiagos Truppe h├Ątte sie ├╝berw├Ąltigen k├Ânnen, selbst auf die Gefahr hin, dass die Frau tats├Ąchlich geschossen h├Ątte. Belladonna hatte genug Tricks auf Lager, um einem Treffer zu entgehen. Doch nach der so r├╝de unterbrochenen Nachtruhe hatte die M├Ąnner vermutlich das Gef├╝hl, sich ein wenig Spa├č verdient zu haben. ┬╗Habt Erbarmen, Monna┬ź, schrie einer der Bogensch├╝tzen. ┬╗Er ist der einzige Ern├Ąhrer seiner alten Mutter und seiner zehn vaterlosen

Vettern!┬ź Und Belladonna keifte zur├╝ck: ┬╗Wir haben das Haus nicht angesteckt, wir haben den Brand gel├Âscht! Nehmt um Himmels willen die Waffe herunter. Mit Verlaub, Monna, Ihr k├Ânntet aus Versehen den Abzug ber├╝hren. Wir sind keine Wegelagerer, Monna, wir geh├Âren zur Compagnia der Skorpione - k├Ânnt ihr verdammten Mistkerle jetzt wohl das Maul halten?┬ź Leone machte einen hastigen Schritt nach vorne und blieb gleich wieder stehen, denn Santiago hatte ein St├╝ck

hinter der jungen Frau den Weg betreten. Seine M├Ąnner konnten ihn vermutlich nicht alle sehen, denn das Geschrei endete nicht abrupt, sondern erstarb nach und nach. Nur die Frau, die Belladonna weiterhin mit der Armbrust bedrohte, bemerkte nichts. ┬╗Kompanie der Skorpione? Ich sehe da keinen Unterschied zu einem Trupp Wegelagerer┬ź, gab sie bissig zur├╝ck. ┬╗M├Ąnner wie Euer verlotterter Haufen haben gewiss keine Skrupel ein Haus anzuz├╝nden, nachdem sie es ausgepl├╝ndert

haben.┬ź ┬╗In diesem Fall schon┬ź, erklang Santiagos kalte Stimme. ┬╗Es w├Ąre schlie├člich ziemlich dumm, sich das eigene Dach ├╝ber dem Kopf anzuz├╝nden, findet Ihr nicht?┬ź Wie gew├Âhnlich hatte er sich mit der Lautlosigkeit einer Raubkatze herangepirscht. Er wirkte vollkommen sorglos; mit den H├Ąnden im Schwertgurt erweckte er den Eindruck, er gehe spazieren. Seine M├Ąnner hatten nach einem kurzen, verwirrten Schweigen pflichtschuldig weitergebr├╝llt, wenn auch merklich

harmloser, bis er schlie├člich knapp ein Dutzend Schritte von der jungen Frau entfernt stehen blieb. Leone hatte erwartet, dass die Frau herumfahren w├╝rde, doch zu seiner Verbl├╝ffung tat sie es nicht. ┬╗Ihr da, hinter mir. Keinen Schritt n├Ąher, oder Euer Mann f├Ąngt sich einen Bolzen ins Gem├Ącht┬ź, drohte sie ruhig. Santiago st├╝rzte sich mit der Schnelligkeit einer Jagdkatze auf die Frau. Leone preschte aus seiner Deckung und sah den Bolzen harmlos gen Himmel sausen. Santiago riss der Frau die Armbrust aus den H├Ąnden

und warf sie Leone zu. ┬╗Hab ich es nicht gesagt? Unsere Blume ist giftig┬ź, bemerkte er in zuckers├╝├čem Ton. Leone warf einen Blick auf die Frau, die mit z├╝chtig gesenkten Blick dastand und sich in ihr Schicksal ergeben zu haben schien. Doch im n├Ąchsten Moment fuhr sie herum und verpasste Santiago mit ihrem Kr├╝ckstock einen Sto├č in den Unterleib, der ihn schlicht umwarf. ┬╗L├╝gner┬ź, sagte die Frau mit klarer Stimme. ┬╗Dieses Haus geh├Ârt Mess├Ęr Francesco Adelardi. Und somit auch

mir. Ich bin seine Ehefrau.┬ź ┬╗Bringt sie ins Haus und sperrt sie ein┬ź, stie├č Santiago keuchend hervor. ┬╗Aber keiner r├╝hrt sie an, bevor ich zur├╝ckkomme, verstanden? Ich habe noch etwas zu erledigen.┬ź In kurzen St├Â├čen atmend, das Gesicht kalkwei├č rappelte er sich auf und ging davon. Im ersten Moment lie├č selbst Leone sich t├Ąuschen, doch dann fiel sein Blick auf die sich entfernende Gestalt Santiagos. Er sah die seltsam abgehackten Bewegungen und begriff, dass er seinem Anf├╝hrer bei einem heimlichen

R├╝ckzugsgefecht zusah. Eilig ├╝bergab er die Frau an zwei Soldaten und sprintete hinter Santiago her. Er fand ihn zusammengekr├╝mmt im Dickicht neben der Stra├če. Selbst Leone, der schon st├╝rmische Zeiten erlebt hatte, hatte noch nie einen Mann so qualvoll erbrechen sehen. Schwer atmend lie├č er sich neben Santiago auf die Knie nieder und st├╝tzte ihn, bis es vor├╝ber war. Dann half er ihm mit sanfter Gewalt auf die F├╝├če und f├╝hrte ihn auf den Weg

zur├╝ck. ┬╗Glaubst du, das M├Ądchen sagt die Wahrheit?┬ź, fragte er. Santiago befreite sich behutsam aber nachdr├╝cklich aus seinem Griff. ┬╗Vermutlich. Ich sehe keinen Grund, warum sie l├╝gen sollte.┬ź ┬╗Francesco, der eingefleischte Hagestolz. Kommt dir der Zeitpunkt der Heirat nicht ein wenig pl├Âtzlich vor?┬ź Santiago zeigte ein kurzes Aufblitzen wei├čer Z├Ąhne. ┬╗Ich wette, unsere Blume verf├╝gt ├╝ber eine Mitgift, die ihre Dornen vergessen

l├Ąsst.┬ź ┬╗Du denkst, er hat sie nur geheiratet, um an ihr Geld zu kommen? Armes M├Ądchen.┬ź Santiago warf ihm einen eisigen Blick zu. ┬╗Vergiss die G├Âre. Denk daran, wir sind gew├Âhnliche, grobschl├Ąchtige K├Ąmpfer, keine gottesf├╝rchtigen Betschwestern, die sich Sorgen um gef├Ąhrdete Jungfrauen machen m├╝ssen.┬ź Bei den unbek├╝mmerten Worten biss Leone die Z├Ąhne zusammen. ┬╗Was hast du jetzt vor?┬ź, fragte er knapp. ┬╗Ich? Mir ein Bett suchen und

schlafen.┬ź

Die gegen die Mauer aufget├╝rmte Reisigb├╝ndel flammten lichterloh, als Santiagos Trupp auf das Haus zugest├╝rmt kam. Sie rissen die Reisighaufen weg und brachen mit ├äxten durch das Haupttor und dann abermals durch die T├╝r zur Halle. Dort fanden sie die weiblichen Bediensteten des Hauses vor, die sich schreckensstarr aneinanderklammerten. Santiago ├╝berlie├č sie der Obhut seiner M├Ąnner und begab sich mit Leone nach

drau├čen, um die restlichen Geb├Ąude der Hofanlage in Augenschein zu nehmen. Kaum hatten sie jedoch eine Hausecke umrundet, blieben sie abrupt stehen. Sie tauschten einen Blick, ein paar knappe Handzeichen und gingen lautlos auf das Getrampel und Geschrei zu, dass jetzt deutlich hinter der n├Ąchsten Biegung der Stra├če zu h├Âren war. ├ťber den L├Ąrm hinweg ert├Ânte die Stimme von Belladonna laut und aufgebracht. Ein schallendes Gel├Ąchter folgte. Santiago und Leone ├╝berquerten den Wassergraben, schlugen sich in die

B├╝sche und hatten einen Augenblick sp├Ąter ihre heiteren Kameraden eingeholt. Es war ein erstaunlicher Anblick. Die meisten M├Ąnner waren vom Pferd gestiegen und hielten ein kleines Kontingent fremder Soldaten in Schach. Die Stra├če war vollgestopft mit behelmten K├Âpfen, allesamt lautstark streitend, von denen sich jedoch keiner dem Reisewagen n├Ąherte, der wie eine Insel aus dem freien Raum um ihn herum aufragte. Den meisten L├Ąrm machte Belladonna, der allein mitten auf der

Stra├če stand, das Gesicht seinen M├Ąnnern zugekehrt und lautstark gegen eine Armbrust protestierte, deren Bolzen auf seinen Magen gerichtet war, ohne zu wanken. Die Armbrust hielt eine junge Frau, die nicht ├Ąlter als achtzehn sein konnte. Der Anblick war selbst aus dem Dickicht heraus, in dem Santiago und Leone standen, aufsehenerregend. Das Sonnenlicht fiel auf safrangoldenes Haar, das von der glatten Stirn bis zur H├Ąlfte ihres R├╝ckens reichte, und ihr Gesicht in seiner quellwasser├Ąhnlichen Reinheit

w├╝hlte die Sinne auf wie der Klang aufeinanderprallender Schwerter. Sie sah aufgebracht aus. Ein kleines, ersticktes Ger├Ąusch stieg aus Leones Kehle auf, ohne dass er es merkte. Santiagos Geste brachte ihn zum Verstummen. ┬╗Rei├č dich zusammen. Eine h├╝bsche Blume, da bin ich ganz deiner Meinung, aber ein wenig zu giftig, um sie abzupfl├╝cken.┬ź Und er nahm die Hand weg und verschmolz mit der Umgebung. Leone trat einen Schritt vor, dann einen zur├╝ck; und dann blieb er, wo er war, die Linke zur

Faust geballt, die N├Ągel in die Handfl├Ąche gebohrt. Inzwischen hatte sich der L├Ąrm noch verst├Ąrkt. W├Ąhrend er dem Get├╝mmel lauschte, begriff Leone bald, was geschehen war. Die junge Frau und ihre Eskorte hatten den Rauch gesehen und eine Gruppe bewaffneter Fremder vorgefunden. Dass die Frau den Fremden die Schuld an dem Feuer gab, war nur nat├╝rlich. W├Ąhrend die M├Ąnner sich mit ihrer Eskorte besch├Ąftigten, hatte sie Belladonna geschickt isoliert und eine Armbrust in Anschlag

gebracht. Jeder aus Santiagos Truppe h├Ątte sie ├╝berw├Ąltigen k├Ânnen, selbst auf die Gefahr hin, dass die Frau tats├Ąchlich geschossen h├Ątte. Belladonna hatte genug Tricks auf Lager, um einem Treffer zu entgehen. Doch nach der so r├╝de unterbrochenen Nachtruhe hatte die M├Ąnner vermutlich das Gef├╝hl, sich ein wenig Spa├č verdient zu haben. ┬╗Habt Erbarmen, Monna┬ź, schrie einer der Bogensch├╝tzen. ┬╗Er ist der einzige Ern├Ąhrer seiner alten Mutter und seiner zehn vaterlosen

Vettern!┬ź Und Belladonna keifte zur├╝ck: ┬╗Wir haben das Haus nicht angesteckt, wir haben den Brand gel├Âscht! Nehmt um Himmels willen die Waffe herunter. Mit Verlaub, Monna, Ihr k├Ânntet aus Versehen den Abzug ber├╝hren. Wir sind keine Wegelagerer, Monna, wir geh├Âren zur Compagnia der Skorpione - k├Ânnt ihr verdammten Mistkerle jetzt wohl das Maul halten?┬ź Leone machte einen hastigen Schritt nach vorne und blieb gleich wieder stehen, denn Santiago hatte ein St├╝ck

hinter der jungen Frau den Weg betreten. Seine M├Ąnner konnten ihn vermutlich nicht alle sehen, denn das Geschrei endete nicht abrupt, sondern erstarb nach und nach. Nur die Frau, die Belladonna weiterhin mit der Armbrust bedrohte, bemerkte nichts. ┬╗Kompanie der Skorpione? Ich sehe da keinen Unterschied zu einem Trupp Wegelagerer┬ź, gab sie bissig zur├╝ck. ┬╗M├Ąnner wie Euer verlotterter Haufen haben gewiss keine Skrupel ein Haus anzuz├╝nden, nachdem sie es ausgepl├╝ndert

haben.┬ź ┬╗In diesem Fall schon┬ź, erklang Santiagos kalte Stimme. ┬╗Es w├Ąre schlie├člich ziemlich dumm, sich das eigene Dach ├╝ber dem Kopf anzuz├╝nden, findet Ihr nicht?┬ź Wie gew├Âhnlich hatte er sich mit der Lautlosigkeit einer Raubkatze herangepirscht. Er wirkte vollkommen sorglos; mit den H├Ąnden im Schwertgurt erweckte er den Eindruck, er gehe spazieren. Seine M├Ąnner hatten nach einem kurzen, verwirrten Schweigen pflichtschuldig weitergebr├╝llt, wenn auch merklich

harmloser, bis er schlie├člich knapp ein Dutzend Schritte von der jungen Frau entfernt stehen blieb. Leone hatte erwartet, dass die Frau herumfahren w├╝rde, doch zu seiner Verbl├╝ffung tat sie es nicht. ┬╗Ihr da, hinter mir. Keinen Schritt n├Ąher, oder Euer Mann f├Ąngt sich einen Bolzen ins Gem├Ącht┬ź, drohte sie ruhig. Santiago st├╝rzte sich mit der Schnelligkeit einer Jagdkatze auf die Frau. Leone preschte aus seiner Deckung und sah den Bolzen harmlos gen Himmel sausen. Santiago riss der Frau die Armbrust aus den H├Ąnden

und warf sie Leone zu. ┬╗Hab ich es nicht gesagt? Unsere Blume ist giftig┬ź, bemerkte er in zuckers├╝├čem Ton. Leone warf einen Blick auf die Frau, die mit z├╝chtig gesenkten Blick dastand und sich in ihr Schicksal ergeben zu haben schien. Doch im n├Ąchsten Moment fuhr sie herum und verpasste Santiago mit ihrem Kr├╝ckstock einen Sto├č in den Unterleib, der ihn schlicht umwarf. ┬╗L├╝gner┬ź, sagte die Frau mit klarer Stimme. ┬╗Dieses Haus geh├Ârt Mess├Ęr Francesco Adelardi. Und somit auch

mir. Ich bin seine Ehefrau.┬ź ┬╗Bringt sie ins Haus und sperrt sie ein┬ź, stie├č Santiago keuchend hervor. ┬╗Aber keiner r├╝hrt sie an, bevor ich zur├╝ckkomme, verstanden? Ich habe noch etwas zu erledigen.┬ź In kurzen St├Â├čen atmend, das Gesicht kalkwei├č rappelte er sich auf und ging davon. Im ersten Moment lie├č selbst Leone sich t├Ąuschen, doch dann fiel sein Blick auf die sich entfernende Gestalt Santiagos. Er sah die seltsam abgehackten Bewegungen und begriff, dass er seinem Anf├╝hrer bei einem heimlichen

R├╝ckzugsgefecht zusah. Eilig ├╝bergab er die Frau an zwei Soldaten und sprintete hinter Santiago her. Er fand ihn zusammengekr├╝mmt im Dickicht neben der Stra├če. Selbst Leone, der schon st├╝rmische Zeiten erlebt hatte, hatte noch nie einen Mann so qualvoll erbrechen sehen. Schwer atmend lie├č er sich neben Santiago auf die Knie nieder und st├╝tzte ihn, bis es vor├╝ber war. Dann half er ihm mit sanfter Gewalt auf die F├╝├če und f├╝hrte ihn auf den Weg

zur├╝ck. ┬╗Glaubst du, das M├Ądchen sagt die Wahrheit?┬ź, fragte er. Santiago befreite sich behutsam aber nachdr├╝cklich aus seinem Griff. ┬╗Vermutlich. Ich sehe keinen Grund, warum sie l├╝gen sollte.┬ź ┬╗Francesco, der eingefleischte Hagestolz. Kommt dir der Zeitpunkt der Heirat nicht ein wenig pl├Âtzlich vor?┬ź Santiago zeigte ein kurzes Aufblitzen wei├čer Z├Ąhne. ┬╗Ich wette, unsere Blume verf├╝gt ├╝ber eine Mitgift, die ihre Dornen vergessen

l├Ąsst.┬ź ┬╗Du denkst, er hat sie nur geheiratet, um an ihr Geld zu kommen? Armes M├Ądchen.┬ź Santiago warf ihm einen eisigen Blick zu. ┬╗Vergiss die G├Âre. Denk daran, wir sind gew├Âhnliche, grobschl├Ąchtige K├Ąmpfer, keine gottesf├╝rchtigen Betschwestern, die sich Sorgen um gef├Ąhrdete Jungfrauen machen m├╝ssen.┬ź Bei den unbek├╝mmerten Worten biss Leone die Z├Ąhne zusammen. ┬╗Was hast du jetzt vor?┬ź, fragte er knapp. ┬╗Ich? Mir ein Bett suchen und

schlafen.┬ź

2

Als Diotima endlich aus ihrem Gef├Ąngnis befreit wurde, war der Abend schon angebrochen. Belladonna f├╝hrte sie in die Wohnhalle, komplimentierte sie auf einen der m├Ąchtigen St├╝hle vor dem Kamin und brachte ihr Wein. Fulco war da, der Anf├╝hrer ihrer Soldaten und Leone Savelli, Baumeister und Kriegsingenieur der Compagnia. Vom Anf├╝hrer der Truppe war nichts zu sehen. Belladonna und Leone unterhielten

sich angeregt und gaben sich M├╝he, sie in die Unterhaltung mit einzubeziehen, doch ihre Antworten fielen so knapp aus, dass sie es schlie├člich aufgaben. Dann kam der Ein├Ąugige herein. Elegant und weltm├Ąnnisch, im dunkelroten, mit Goldstickerei verzierten Surcot, kam er n├Ąher, ohne Diotima auf dem gro├čen, hochlehnigen Stuhl eines Blickes zu w├╝rdigen. Fulco sprang auf. ┬╗Ich protestiere gegen diese Behandlung! Ihr habt kein Recht, Monna Adelardi in ihrem

eigenen Haus wie eine Gefangene zu halten. Wer seid Ihr ├╝berhaupt?┬ź ┬╗Stell mich vor, Leone┬ź, bat der Ein├Ąugige in gelassenem Ton und drehte sich endlich zu dem Stuhl um, auf dem Diotima sa├č. Sie hatte schon vermutet, dass er spanischer Herkunft war und sein Name, Santiago Diaz, best├Ątigte ihr diese Annahme. ┬╗Als ich Francesco Adelardi vor f├╝nf Tagen getroffen habe, war er nicht verheiratet┬ź, sagte Santiago. ┬╗Wie kommt es, dass er jetzt pl├Âtzlich eine Ehefrau hat?┬ź ┬╗Die Trauung fand vor drei Tagen

statt┬ź, warf Fulco ein. ┬╗Eine Ferntrauung. Die Urkunde ist bezeugt und gesiegelt.┬ź ┬╗Meinen Gl├╝ckwunsch┬ź, sp├Âttelte Santiago. ┬╗Nur leider macht es die Signora nicht zur Besitzerin dieses Anwesens. Ich habe es Francesco Adelardi vor f├╝nf Tagen abgekauft. Die Urkunde ist bezeugt und gesiegelt. Dieses Land, mit allem was darauf ist, geh├Ârt mir.┬ź Fulco sch├╝ttelte den Kopf. Er war blass geworden. ┬╗Das ist nicht m├Âglich. Francesco hatte nicht den Wunsch, zu

verkaufen.┬ź ┬╗Das war nicht zu ├╝bersehen┬ź, sagte Belladonna. ┬╗Schlie├člich hat er versucht, das Haus anzuz├╝nden.┬ź Fulco bestritt dies in aufgebrachtem Ton und dar├╝ber entspann sich ein hitziges Streitgespr├Ąch zwischen den beiden M├Ąnnern. Santiago beachtete sie nicht. Er lehnte in nachl├Ąssiger Haltung an der Tischkante und sein Gesicht unter der schwarzen Augenklappe zeigte keine Regung. Diotima streckte ihm ihren Pokal entgegen und er folgte ihrer stummen

Aufforderung und schenkte ihr nach. Bed├Ąchtig trank sie einen Schluck und musterte ihn dabei ├╝ber den Rand ihres Trinkgef├Ą├čes. ┬╗Ich m├Âchte den Kaufvertrag sehen┬ź, sagte sie. ┬╗Selbstverst├Ąndlich.┬ź Er schnippte mit dem Finger, um Belladonnas Aufmerksamkeit zu erregen, und verlangte die Urkunde. Ima entrollte das Blatt und studierte den Text und die Siegel. ┬╗Leone kann f├╝r Euch ├╝bersetzen┬ź, sagte Santiago. Anscheinend hielt er ihre gerunzelte Stirn f├╝r Unverst├Ąndnis. ┬╗Nicht n├Âtig┬ź,

beschied sie ihm knapp. ┬╗Die Formeln eines Kaufvertrages sind mir durchaus gel├Ąufig.┬ź Und zu ihrem ├ärger fand sie am Wortlaut des Vertrages nichts auszusetzen. Blieb nur die Frage, warum ihr Gemahl sich zu diesem h├Âchst unpassenden Schritt entschlossen hatte. Diotima rollte die Urkunde zusammen und gab sie Santiago zur├╝ck. ┬╗Mein Gemahl hatte Schulden bei Euch, Mess├Ęr Diaz, nicht wahr? Wie viel?┬ź Ein kleines, malizi├Âses L├Ącheln lief

├╝ber Santiagos Z├╝ge. Er nannte einen Betrag, der Diotima die Sprache verschlug. ┬╗Die Summe ist ein wenig h├Âher als der Gegenwert dieses Anwesens, Monna, aber ich bin ja kein Unmensch. Ich betrachte mich als zufriedengestellt.┬ź Ima stellte ihren Weinkelch auf dem Boden ab, ┬╗Ich kaufe das Haus zur├╝ck┬ź, sagt sie mit einer Stimme, die selbst in ihre Ohren unnat├╝rlich hoch klang. Schweigen. ┬╗Warum?┬ź, fragte

Santiago. ┬╗Ich brauche ein Dach ├╝ber dem Kopf.┬ź ┬╗Da wo Ihr herkommt, hattet ihr eins.┬ź ┬╗Ich will meinen eigenen Haushalt.┬ź ┬╗Sucht ihn Euch anderswo.┬ź Sie schoss von ihrem Stuhl hoch. ┬╗Ich will aber dieses Haus -┬ź Ima fand, es klang ein wenig w├╝rdelos und w├Ąhlte eine andere Formulierung. ┬╗Werft mich hinaus und ich komme zur├╝ck.┬ź Das Blut schoss ihr in den Kopf. ┬╗Mit einer Armee.┬ź Santiago lachte sie einfach

aus. Ima starrte ihn einen Moment lang emp├Ârt an, doch dann sch├╝ttelte sie den Kopf. ┬╗Das war keine sonderlich geistreiche Bemerkung, nehme ich an. Aber Ihr m├╝sst zugeben, meine Lage ist auch nicht gerade allt├Ąglich.┬ź ┬╗In der Tat. Was soll ich jetzt mit Euch anfangen?┬ź ┬╗Nun, Ihr k├Ânntet Mess├Ęr Adelardi benachrichtigen, damit er uns neue Anweisungen zukommen l├Ąsst┬ź, sagte Ima. ┬╗Ich f├╝rchte, das geht nicht┬ź,

entgegnete Santiago. ┬╗Euer Gemahl hat Verona noch vor uns verlassen. Er k├Ânnte inzwischen ├╝berall sein.┬ź ┬╗Dann sucht ihn f├╝r mich.┬ź ┬╗Findet Ihr nicht, Ihr fordert ein bisschen zu viel von mir?┬ź, fragte er und verschr├Ąnkte die Arme. Ima sp├╝rte ihr Herz rasen. Sie war einer Panik nahe. Sag es nicht, sag es nicht, sag es nicht, dachte sie flehentlich, s├╝├čer Jesus, mach, dass er es nicht sagt ... Aber offenbar waren die himmlischen Heerscharen anderweitig besch├Ąftigt. ┬╗Ihr reist morgen ab┬ź, sagte

Santiago. ┬╗Wohin auch immer.┬ź ┬╗Du meine G├╝te ... Ihr k├Ânnt uns doch nicht einfach vor die T├╝r setzen┬ź, mischte sich Fulco ein. ┬╗Das widerspricht jedem Gebot der Gastfreundschaft.┬ź ┬╗Ihr seid nicht vom Himmel gefallen┬ź erwiderte Santiago. ┬╗Geht einfach dorthin zur├╝ck, woher ihr gekommen seid.┬ź ┬╗Ist das Euer letztes Wort?┬ź, fragte Ima leise. ┬╗Es gibt nichts, womit ich Euch umstimmen k├Ânnte?┬ź Santiago bewegte sich mit der

Geschmeidigkeit einer Katze. Ohne R├╝cksicht auf den schockierten Protest Fulcos, trotz Leones Ruf und Belladonnas h├Ąmischem Gel├Ąchter zog Santiago sie mit einer festen, geschickten Bewegung an sich. ┬╗Es g├Ąbe da durchaus etwas┬ź, murmelte er an ihrem Ohr. ┬╗Ich bin ein Anh├Ąnger von Laster und menschlichen Freuden. Ich biete dir die Chance, in meiner W├Ąhrung zu bezahlen. Willst du sie?┬ź Diotima starrte ihn an und f├╝hlte sich unter seinem goldfarbenen Blick wie das Kaninchen vor der Schlange.

Das war es - oder nicht? Sie wollte auf keinen Fall nach Morra zur├╝ckkehren und er bot ihr eine M├Âglichkeit, das bisschen Freiheit zu verteidigen, welches sie gerade erst gewonnen hatte. Aber - ┬╗Was┬ź, fragte sie heiser, ┬╗muss ich tun? Mit Euch w├╝rfeln?┬ź ┬╗Nein, meine Blume, darin bin ich dir zu sehr ├╝berlegen. Ich dachte an etwas anderes.┬ź Sie sp├╝rte seinen Atem, der warm an ihrem Ohr entlangstrich. ┬╗Sei f├╝r die n├Ąchsten sieben Tage die willige Gef├Ąhrtin meiner Ausschweifungen.

Teile Tisch und Bett mit mir und am Ende der Woche ├╝berlasse ich dir die H├Ąlfte des Hauses.┬ź Sie wich hastig einen Schritt zur├╝ck. ┬╗Seid Ihr noch bei Trost?┬ź, fuhr sie ihn an. ┬╗An Eurer Schmutzw├╝hlerei und Euren Weibergeschichten w├╝nsche ich nicht teilzuhaben!┬ź Ein grashalmfeines L├Ącheln erschien auf Santiagos Gesicht. ┬╗Dachte ich es mir doch┬ź, bemerkte er. ┬╗Unsere Rose ist dornig. Euer Gemahl wir sicher viel Freude an Euch haben.┬ź Ihm gegen├╝ber erhob sich Fulco von seinem Sitz, ┬╗Das geht jetzt aber

wirklich zu weit, Ihr Flegel┬ź, schnauzte er. ┬╗Habt die G├╝te und besinnt Euch darauf, mit wem Ihr sprecht.┬ź Belladonna warf ihm einen seltsamen Blick zu, schaute dann kurz zu Santiago und sagte: ┬╗Ich frage mich, wie viel L├Âsegeld wir f├╝r sie wohl bekommen w├╝rden. Seine frisch angetraute Ehefrau sollte Adelardi doch ein paar M├╝nzen wert sein.┬ź ┬╗Hm┬ź, machte Santiago und wiegte bedenklich das Haupt. ┬╗Ich wei├č nicht, Belladonna. W├╝rdest du f├╝r eine solche Kratzb├╝rste bezahlen?

Ich glaube, ich w├Ąre froh, sie loszusein.┬ź Diotima sp├╝rte, wie das Blut aus ihrem Gesicht wich, und sie brachte kein Wort heraus. Sie versp├╝rte den unbez├Ąhmbaren Drang, ihn ihren Gehstock sp├╝ren zu lassen und seine selbstherrliche Eitelkeit geh├Ârig zu ersch├╝ttern. Doch stattdessen zwang sie sich zu der gelassenen Haltung, die sie unter der strengen Aufsicht ihres Schwagers so m├╝hsam erlernt hatte. ┬╗Ich durchschaue Euch┬ź, teilte sie ihm mit. ┬╗Ihr seid ein Mann, der

einen Ruf zu wahren hat und da macht es sich nicht gut, sich vor den eigenen M├Ąnnern eins mit dem Stock ├╝berbraten zu lassen, habe ich recht? Also denkt Ihr Euch irgendwelchen Unsinn aus, um mich zu dem├╝tigen. Konventionell und g├╝tig zu sein w├Ąre ja auch zu langweilig, nicht wahr?┬ź Santiago sah sie an. ┬╗Eure Vorw├╝rfe k├Ânnt Ihr Euch sparen┬ź, erwiderte er k├╝hl. ┬╗Sie n├╝tzen nichts, und ich will sie nicht h├Âren. Morgen fr├╝h verschwindet Ihr von hier.┬ź Diotima sp├╝rte ihr Herz bis in die Kehle, und ihre H├Ąnde wurden

feucht. Mit einem Mal war sie w├╝tend und sie brauchte ihre ganze Beherrschung, um ihre Stimme zu einem ruhigen Tonfall zu senken. ┬╗Ich w├╝nsche, zu meinem Gemahl gebracht zu werden. Nirgendwohin sonst.┬ź ┬╗Es ist nicht meine Aufgabe, nach Eurem verloren gegangenen Ehemann zu suchen┬ź, beschied ihr Santiago br├╝sk. ┬╗Leone wird Euch jetzt Euer Zimmer f├╝r die Nacht zeigen. Ihr solltet besser nicht auspacken.┬ź Damit drehte er sich um und lie├č sie einfach

stehen.

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Hörbuch

Über den Autor

Maire
Máire Brüning wurde 1966 geboren und wuchs in einer Region auf, die reich ist an Zeugnissen staufischer Baukunst.
Dadurch entwickelte sie schon sehr fr├╝h ein gro├čes Interesse f├╝r mittelalterliche Geschichte und sie verschlang Unmengen von B├╝chern zum Thema. Besonders die Geschichten und Sagen ihrer Heimatregion hatten es ihr angetan und so entstand die Idee, selbst eine Geschichte zu schreiben.
Inzwischen verbringt sie jede freie Minute schreibend vor dem Computer, die unverzichtbare Tasse Kaffee immer griffbereit.
Nach einigen Wanderjahren quer durch Deutschland lebt und arbeitet sie in der N├Ąhe von Frankfurt.
"Roana" ist ihr erster historischer Liebesroman.
Weitere B├Ąnde sind in Vorbereitung.

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