Fantasy & Horror
Das Leben der Stacy Hall

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"Wenn man stirbt, was sieht man dann?"
Veröffentlicht am 12. Mai 2019, 76 Seiten
Kategorie Fantasy & Horror
© Umschlag Bildmaterial: Pixabay
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Über den Autor:

Hallo, ich bin mittlerweile 30 Jahre alt und seit kurzem Mutter. Ich bin gelernte Industriekauffrau und Mitglied der freiwilligen Feuerwehr als Betreuerin der Kinderfeuerwehr. Am Schreiben lag mir schon immer sehr viel. Meine erste Geschichte habe ich mit 10 oder 11 verfasst. Irgendwie musste ich meine lebhafte Fantasie ja umsetzen.
Wenn man stirbt, was sieht man dann?

Das Leben der Stacy Hall

Prolog

„Wenn man stirbt, was sieht man dann?“


Sterben Jemand erzählte ihr mal: Wenn man stirbt, dann zieht dein Leben an dir vorbei. Doch niemand sagte ihr, dass man nur die schlimmen, die wirklich schlimmen Dinge sieht. Oder war ihr Leben so furchtbar gewesen. Hatte sie keine glücklichen oder wenigstens normalen Erinnerungen.

1. Kapitel

„Wenn man alles vergisst, was ist dann passiert?“


Die Kammer Sie erwachte. Alles um sie herum lag im Dunkeln wie pechschwarze Nacht. Sie sah nichts. Wusste nicht, wo sie war. Sie versuchte sich zu erinnern, wie sie hierhergekommen war. Doch da war nichts. Sie wusste nichts mehr. Nicht wer sie war. Nicht was passiert

ist. Nichts. Überhaupt nichts. Sie versuchte nun im Dunkeln etwas zu erkennen. Aber das war einfach nicht möglich. Doch es war nicht viel Platz hier. Das merkte sie. Sie saß auf einem Boden mit dem Rücken an einer Wand. Ihre Füße stießen an die gegenüberliegende Seite. Auch zu den Seiten war nicht viel Platz. Sie hatte keine Möglichkeit, ihre Arme auszustrecken. Auch nach der Erkundung des ‚Raumes‘

konnte sie immer noch nichts sehen. Ihre Augen gewöhnten sich einfach nicht an diese Dunkelheit. Es war als wäre sie blind. Aber das konnte nicht sein. Oder etwa doch. Sie wollte sich erinnern. An irgendwas, auch wenn es nur eine Kleinigkeit wäre. Sie fühlte sich taub. Doch sie konnte ihre Beine und Arme bewegen. Sie entschied sich, ihre nähere Umgebung abzutasten. Auf dem Boden war nichts. Rein gar nichts. Doch die

gegenüberliegende Wand war gar keine Wand. Es war eine Tür. Sie nahm ihren ganzen Mut zusammen und stand auf. Sie erwartete gegen die Decke zu stoßen. Doch der Raum war größer, als sie dachte. Sie tastete an der Tür nach der Klinke. Nach einer gefühlten Ewigkeit fand sie sie endlich. Sie drückte sie herunter und schob die Tür vorsichtig auf. Gleißendes Licht durchflutete die Kammer

2. Kapitel

„Wie viel ist ein Leben wert?“


Stacy Hall Stacy Hall war Ende 30, verheiratet und hatte keine Kinder. Ihr Mann wollte noch keine. Er sagt immer, dafür haben wir doch noch Zeit. Doch mittlerweile war der Zug für sie abgefahren. Mit 38 wollte sie keine Kinder mehr. Das war ihr einfach zu alt. Also steckte sie ihre ganze Energie in die Arbeit. Sie arbeitete als Buchhalterin in

einer großen Werbefirma in Berlin. Und wie so oft machte sie Überstunden. Ihr Mann würde sie ohnehin nicht vermissen. Dieser vergnügte sich sicherlich wieder einmal mit der 25-jährigen Haushälterin. Doch das machte ihr nichts aus. So musste sie wenigstens nicht her halten. Sie war ohnehin nur noch des Geldes wegen mit ihrem Mann verheiratet. Liebe empfand sie schon seit Jahren nicht mehr für ihn. Eigentlich hatte sie ihn nie wirklich geliebt, das wurde ihr irgendwann

bewusst. Aber sie hatte schließlich auch nie gelernt richtig zu lieben.


Sie verließ wie immer sehr spät ihr Büro. Die Tiefgarage lag zu dieser Zeit grundsätzlich im Dunkeln. Daher parkte sie ihr Auto immer nahe der Tür. Doch bis dahin schaffte sie es nicht.

3. Kapitel

„Wie wichtig sind Kuscheltiere in der Kindheit?“


Die 1. Erinnerung Das Licht aus dem anderen Raum blendete sie nach der völligen Dunkelheit in der Kammer. Sie benötigte einen Moment um sich daran zu gewöhnen. Sie trat in den Raum und sah sich um. Sie erkannte den Raum. Es war das Zimmer aus ihrer

Kindheit. Plötzlich erinnerte sie sich an alles. Auch an ihren Namen. Sie hieß Stacy Hall. Aber sie wusste immer noch nicht, wie sie hier gelandet war. Wie kam sie in ihr Elternhaus. Und warum stand in ihrem alten Zimmer ein Babybett? In dem auch noch ein Kleinkind stand. Das Kind kam ihr bekannt vor. Woher kannte sie das Kind? Sie ging ein paar Schritte weiter in den Raum und auf das Kind

zu. Die Kleine, sie war sich sicher, dass es ein Mädchen war, bemerkte sie nicht. Jetzt konnte Stacy noch mehr in dem Zimmer erkennen. Sie sah ihr altes Spielzeug, ein paar Kinderbücher und ihre Kuscheltiere. Doch wie konnte das sein. Diese Kuscheltiere gab es nicht mehr, seit dem sie 2 Jahre alt war. Und auch danach kamen nie neue hinzu. Sie sah sich weiter um und stand plötzlich an dem Kinderbett. Das Kind bemerkte sie immer noch nicht. Es

starrte einfach vor sich hin, auf einen Fleck am Zimmerboden. Stacy ging um das Bett herum und stand auf einmal vor dem riesigen Familienhund. Wie konnte das sein. Er war doch schon vor Jahren gestorben. Langsam dämmerte es hier. Das Kind im Bett war sie. Sie erinnerte sich an diesen Tag. Sie war 2 und der Hund nahm alle ihre Kuscheltiere auseinander. Selbst die, die bei ihr im Bett lagen. Plötzlich kam Bewegung in diese ‚Erinnerung‘. Stacy stand noch immer neben dem Bett, als der Hund sich

aufrichtete und einfach durch sie durch ging. Da erkannte sie, dass sie sich gerade an den ersten schlimmen Moment in ihrem Leben erinnerte. Den Tod ihrer Kuscheltiere. Jemand mag jetzt sicher denken, das ist doch nicht schlimm. Aber für ein 2-jähriges Mädchen, das ihre Kuscheltiere so sehr liebte, war es furchtbar. Und jetzt musste sie wieder dabei zusehen, wie dieser große Hund, den sie noch nie leiden konnte, knurrend und bellend zu ihren Tieren lief und eins nach dem anderen

zerfetzte. Dieser Hund war ein Monster. Die kleine Stacy schrie. Und die Große konnte nichts machen, als zuzusehen. Nachdem er alle Kuscheltiere auf dem Boden und im Regal gefressen hatte, sprang er unverhofft ins Kinderbett. Die kleine Stacy wich zurück. Sie hatte Angst vor dem großen Monster mit Wollresten an der Schnauze. Nun machte er sich auch über die restlichen Tiere her, die Stacy immer mit im Bett hatte. Und keiner kam ihr zu Hilfe. Egal wie laut zu schrie. Der großen Stacy wurde

das einfach zu viel. Sie wollte nur noch hier weg. Nur noch aufwachen. Das Ganze musste einfach ein Traum sein. Wie wäre das sonst möglich. Sie wollte zurück in die Kammer. Zurück in die Dunkelheit. In der Hoffnung dort wieder wach zu werden. Sie sah sich um. Doch dort, von wo sie kam, gab es keine Tür. Da war nur eine Wand. Also entschied sie sich für die Kinderzimmertür. Sie wollte hier einfach nur raus. So öffnete sie die Tür und hoffte auf der anderen Seite wieder im Büro zu sein.

4. Kapitel

„Leider passiert so etwas Furchtbares viel zu oft hinter geschlossenen Türen.“


Die 2. Erinnerung Doch leider wurde ihr dieser Wunsch nicht erfüllt. Sie stand wieder in einem Raum. Es war das gleiche Zimmer wie eben. Nur dass das Babybett verschwunden war, die Möbel ein wenig umgestellt waren und ein kleines Kinderbett an der Wand stand. Und in dem Kinderbett lag ein kleines Mädchen.


Stacy erkannte ihr 6-jähriges Ich.

Langsam dämmerte es ihr. Und sie hoffte, dass nicht das passierte, an das sie gerade denken musste. In dem Moment ging die Tür auf und ihr Vater betrat das Zimmer. Stacy kam es gleich 10 Grad kälter vor und sie fröstelte. Ihr Vater hockte sich ans Bett der kleinen Stacy und zog vorsichtig die Decke weg. Die Große zog scharf die Luft ein und wollte nur noch hier weg. Sie hoffte, dass es sich bei diesem Abend nicht um DEN ABEND handelte. Sie hoffte, ihr Vater würde die kleine Stacy nur streicheln und küssen, wie er es oft tat, wenn ihre Mutter auf

Nachtschicht war. Doch auch dieser Wunsch wurde ihr nicht erfüllt. Es war die Nacht, in der ihr Vater sie das 1. Mal vergewaltigte. Die große Stacy fing an zu schreien, doch niemand konnte sie hier hören. Sie wollte fliehen, sie wollte das nicht sehen. Doch sie war wie erstarrt und konnte sich einfach nicht abwenden. Sie konnte den Geruch von Bier wahrnehmen und von Schweiß.


Nach dieser Nacht kam ihr Vater noch öfter zu ihr, wenn ihre Mutter nicht da war. Und Stacy hatte nie den Mut gefunden, es ihr zu sagen. Wegen den Worten, die ihr ihr Vater beim ersten Mal

zu geflüstert hatte, und die sie ihm geglaubt hatte. Worte, die so furchtbar sind, was ihr aber erst in sehr späten Jahren klar wurde. ‚Wenn eine Tochter ihren Vater sehr lieb hat, dann tut sie das mit ihrem Vater‘ Endlich konnte sie sich wieder bewegen, sie taumelte nach hinten, bis sie an die Tür stieß. Sie riss sie auf und rannte hinaus

5. Kapitel

„Ich sag nur, zum Glück gibt es heutzutage eine Maulkorbpflicht.“


Die 3. Erinnerung Sie rannte und rannte. Sie hatte das Gefühl schon viele Kilometer gelaufen zu sein bis sie endlich wieder stehen blieb. Sie fand sich in einem kleinen Wald wieder. Es war das Wäldchen, das zwischen ihrem Zuhause und ihrer Schule lag, als sie 10 Jahre alt war. Und als hätte jemand ihre Gedanken gelesen, kam auch

schon ihr 10-jähriges Ich auf sie zu. Die kleine Stacy zog ihre Schultasche hinter sich her und hatte ein ganz verweintes Gesicht. Die Große glaubte zu wissen warum. Es war dunkel und normalerweise war sie um diese Zeit nicht mehr draußen unterwegs. Aber es gab einen Abend, an dem ihre Mutter sie vergessen hatte, von der Theaterprobe abzuholen. Und dies schien dieser Abend zu sein und das bedeutete nichts Gutes. Sie lief neben ihrem kleinen Ich her und sah das verängstigte

Gesicht. Sie hasste diesen Wald. Er machte ihr Angst. Vor allem wenn es so dunkel war. Dann sahen die Bäume aus wie Monster und im Dunkeln sah sie allerlei gruselige Dinge. Doch das war der schnellste Weg nach Hause. Es würde noch einen 2. Weg geben. Doch der führte über eine Stunde um den Wald drum herum und an der Hauptstraße entlang, wo es keinen Fußweg gab. Also war das auch der sicherere Weg von den beiden. Das dachte sie jedenfalls

früher. Plötzlich hörte Stacy ein Geräusch und sie und ihr kleines Ich drehten sich gleichzeitig um. Aus dem Wald schoss ein großer Pit Bull und rannte auf die kleine Stacy zu. Diese ließ ihre Tasche fallen und rannte los. Leider war der Hund schneller als sie, rannte durch die Große hindurch und erreichte die kleine Stacy binnen weniger Sekunden. Er sprang ihr in den Rücken und riss sie somit zu Boden. Dann versenkte er seine spitzen Zähne in ihren Arm und wollte sie mit sich ziehen. Die Kleine schrie wie am

Spieß. Die Große konnte es nicht mehr ertragen. Und als wäre ihr Wunsch endlich mal erhört wurden, wurde alles schwarz um sie herum. Stacy wusste warum, die kleine Stacy war ohnmächtig geworden. So stand sie also in völliger Dunkelheit und die Narben an ihrem Arm pochten wie verrückt, als hätte der Hund sie gerade angefallen. Sie lief ein Stück im Dunkeln, bis langsam wieder ein wenig Licht ihren Weg erhellte

6. Kapitel

„Habt ihr schon mal von der 3 Date-Regel gehört?“


Die 4. Erinnerung Sie blieb stehen und war auf dem Parkplatz eines alten Autokinos gelandet. Sie versuchte sich zu erinnern, ob sie schon einmal hier war, als ein Auto um die Ecke bog und in der hintersten, dunkelsten Ecke parkte.


Es war ein alter, dunkelblauer Mitsubishi Lancer. Stacy ging langsam drauf zu. Sie hatte das Gefühl, das Auto zu kennen.

Als sie davor stand und hineinblickte, sah sie den 18-jährigen Scott Werner. Und auf dem Beifahrersitz dämlich grinsend ihr 14-jähriges Ich. Noch grinst sie wie ein Honigkuchenpferd, doch das wird ihr bald vergehen. Stacy weiß jetzt, welche Nacht das ist. Sie hatte das 3. Date mit Scott und fühlte sich wie im 7. Himmel. Schließlich hatte Scott sie angesprochen und wollte unbedingt mit ihr ausgehen. Sie fühlte sich geschmeichelt und kam natürlich nicht auf die Idee nein zu sagen. Hätte sie gewusst, wohin dass alles führt,

dann hätte sie definitiv nein gesagt. Stacy sah wieder in den Wagen und Scott und ihr jüngeres Ich waren gerade wie wild am Rumknutschen. Doch das war Scott diesmal nicht genug und er wollte mehr. Schließlich war es schon ihr 3. Date und jeder müsste eigentlich wissen, was das bedeutet. Plötzlich saß Stacy auf dem Rücksitz im Auto ohne sich bewegt zu haben. Jemand oder etwas wollte wohl, dass sie das Ganze noch einmal hautnah miterlebte. Sie hatte sich ihrem Schicksal mittlerweile ergeben und eingesehen, dass sie nichts anderes machen konnte, als sich ihre Erinnerungen noch einmal

anzusehen. In dem Moment, als ihr das klar wurde, wurde die Lehne des Beifahrersitzes nach hinten gekurbelt. Und Scott saß plötzlich auf der jungen Stacy und dieser dämmerte, was er vorhatte, und das Lächeln wich aus ihrem Gesicht. Er schob ihr Top hoch, während er sie küsste. Die junge Stacy versuchte, sich aus seinem Griff zu befreien und ihn von sich zu schieben. Doch leider war Scott zu schwer, groß und stark und hatte sie fest im Griff. Seine Hände wanderten über ihren Busen, ihren Bauch und weiter nach unten. Jetzt zog er ihren Rock hoch und öffnete seine Hose. Es kam, wie es

kommen musste, und er zerriss ihren Slip. Die ältere Stacy wollte das nicht noch einmal mit ansehen und schloss die Augen. Als sie sie wieder öffnete, war alles vorbei und die junge Stacy war schon aus dem Auto raus und lief in die Dunkelheit hinein. Und die Ältere stand wieder auf dem Parkplatz und es wurde erneut dunkel um sie

7. Kapitel

„Beerdigungen sind nie etwas Schönes.“


Die 5. Erinnerung Stacy blieb einen Moment stehen und dachte darüber nach, was sie bisher gesehen hatte. Was hatte das zu bedeuten? Warum wurden ihr nur all diese Dinge gezeigt? Sollte ihr vor Augen geführt werden, wie erbärmlich ihr Leben war? Doch bevor sie weiter darüber grübeln konnte, wurde es wieder hell und sie stand in einem Raum mit vielen anderen

Personen, die in schwarz gekleidet waren. Nein, dachte sie, als auch schon ihr 18-jähriges Ich mit verheulten Augen und schmerzverzerrten Gesicht den Raum betrat. Es war die Beerdigung ihrer Mutter. Stacy traten sofort die Tränen in die Augen. So tief sitzt der Schmerz und so groß ist das Loch, das ihre Mutter hinterlassen hat. Ein betrunkener Autofahrer hatte sie ihr genommen, ihren Fels in der Brandung. Auch wenn sie ihr nicht immer alles erzählen konnte, da sie dafür nie stark genug war. Doch mit ihr reden und zu ihr kommen, wenn es ihr

danach war, das konnte sie immer. Und jetzt wieder hier auf der Beerdigung zu sein war ein furchtbares Gefühl. Diese Erinnerung hatte sie auch immer weit nach hinten geschoben in ihrem Kopf. Anfangs hatte sie versucht sich einzureden, ihre Mutter wäre nur auf Reisen und würde wieder kommen. Doch irgendwann konnte sie sich auch das nicht mehr hundertprozentig weismachen. Doch darüber nachdenken konnte sie nie. Immer wenn sie es tat, heulte sie sofort. So schmerzlich war der Verlust ihrer Mutter. Und das schlimmste war, dass sie

sie allein ließ mit ihrem Vater. Auch wenn ihr Vater kein Interesse mehr an ihr in bestimmter Hinsicht hatte, war es für sie damals trotzdem ein schrecklicher Gedanke, mit ihm allein zu bleiben. Dann plötzlich sah sie ihn, wie er in einer Ecke kauerte und weinte. Er hatte ihre Mutter geliebt, auch wenn er gewisse Vorlieben hatte, die sie an ihm bestimmt nicht geliebt hätte. Stacy wusste, dass es auch für ihren Vater ein großer Verlust war. Aber da sie ihm nie verzeihen konnte, was er ihr angetan hatte, konnte sie auch nie Mitleid für ihn

empfinden. Sie lief noch ein wenig durch die trauernden Gäste bis sie sich selbst wieder entdeckte. Auch sie saß in einer Ecke und sah sehr mitleiderregend aus. Sie setzte sich zu ihrem jüngeren Ich und wollte sie so gern trösten. Doch leider war das hier ja nicht möglich. Sie fragte sich, warum sie gerade hierher geschickt wurde. Sie verstand nicht, warum sie das alles wieder durchmachen musste. Sie wollte hier weg. Sie wollte, dass das endlich ein Ende hatte. Als hätte jemand ihren Wunsch gehört, verschwamm die Erinnerung und sie stand wieder im Nichts

8. Kapitel

„Gewalt in der Ehe - leider passiert auch das viel zu oft auf der Welt!“


Die 6. Erinnerung Es dauerte nicht lange und sie stand in der Küche ihres Hauses. Wieso war sie in ihrer Küche? Und wie schon die ganze Zeit in diesem Horrorerlebnis wurde ihr die Frage sehr schnell beantwortet. Ihr 25-jähriges Ich betrat die Küche. Stacy sah zur Uhr. Es war schon fast 18 Uhr und ihr anderes Ich machte einen ziemlich nervösen Eindruck. Und Stacy

dämmerte, was der Grund sein könnte. 18 Uhr kam ihr Mann nach Hause und erwartete das Essen auf dem Tisch und ihr Gegenüber hatte noch nicht mal angefangen. Damals liebte sie ihren Mann noch, dachte sie zumindest, auch wenn es nicht immer einfach mit ihm war. Als sie ihn kennenlernte oder besser gesagt, als ihr Vater ihn ihr vorgestellt hatte, dachte sie das wäre der Mann schlecht hin. Er sah gut aus, war intelligent, charmant und hatte auch ein wenig Geld. Sie schwebte im 7. Himmel als er um ihre Hand bat, nur wenige Monate nachdem sie sich kennengelernt

hatten. Sie dachte, er würde sie aus der Hölle herausholen, die sie bei ihrem Vater verlebte, nachdem ihre Mutter gestorben war. Doch er nahm sie nur mit in eine neue Hölle. Kurz nach der Hochzeit entpuppte er sich als sehr jähzornig und aggressiv und ab und zu rutschte ihm die Hand aus. Aber sie liebte ihn. Auch wenn sie ab und zu eine Ohrfeige einstecken musste. Und heute, da sie spät mit dem Essen dran war, wusste sie, dass sie wieder eine bekommen würde. Aber an diesem Abend blieb es leider nicht bei einer Ohrfeige. Ihr Mann

musste einen sehr schlechten Tag auf der Arbeit erlebt haben und als er nach Hause kam und es kein Essen gab, sind ihm die Sicherungen durchgebrannt. Er schlug auf die junge Stacy ein. Und nicht nur mit der flachen Hand. Er hatte seine Hände zu Fäusten geballt und schlug seiner Frau ins Gesicht, in den Bauch und überall hin, wohin seine Fäuste trafen. Er war brutal und schlug sie windelweich. Stacy konnte danach eine Woche nicht die Wohnung verlassen. Aber ihren Mann zu verlassen, das kam ihr nicht in den Sinn. Dafür liebte sie ihn zu sehr und sie hoffte, es würde irgendwann besser

werden, wenn er auf Arbeit nicht mehr so viel Stress hätte. Jedenfalls glaubte sie, dass sie ihn liebte. Es war schwer für sie, Liebe zu erkennen. Aber für sie fühlte es sich wie Liebe an. Und sie hätte auch nicht gewusst, wie sie es hätte anstellen sollen, ihn zu verlassen. Sie hatte auch Angst, was er tun würde, wenn sie ihn einfach verlassen würde. Sie gehörte nun zu der Sorte von Frauen, die in einer gewalttätigen Ehe leben und nicht davor weglaufen können oder wollen. Stacy sah sich das ganze Schauspiel an und hasste ihren Mann dafür, dass er ihr

das angetan hatte. Und sie hasste sich selber dafür, dass sie das mit sich hat machen lassen. Aber das konnte sie jetzt nicht mehr ändern. Aber sie würde etwas dagegen unternehmen, wenn dieser Alptraum endlich vorbei war. Und als hätte die höhere Macht sie gehört, wurde sie auch schon in die nächste Erinnerung katapultiert.

9. Kapitel

„Viele Frauen werden ungewollt schwanger - doch Abtreibung ist keine Lösung!“


Die 7. Erinnerung Sie befand sich in einem Krankenhaus. Besser gesagt, in einem OP-Saal. Und sie lag auf dem OP-Tisch. Also nicht sie selbst sondern die 27-jährige Stacy. Sie stand daneben und musste mit ansehen, wie die Ärzte und Schwestern das Baby ausschabten, dass ihr Mann nicht wollte. Als sie erfuhr, dass sie schwanger war,

war sie überglücklich. Es war zwar nicht geplant, aber trotzdem freute sie sich darüber. Am gleichen Abend erzählte sie ihrem Mann davon. Und mit seiner Reaktion hatte sie absolut nicht gerechnet. Sie hatte gedacht, er würde sich freuen. Aber genau das Gegenteil war der Fall. Er wurde stinksauer. Er machte ihr Vorwürfe, dass sie nicht richtig aufgepasst hätte. Sie verstand die Welt nicht mehr. Sie dachte immer, dazu gehörten zwei Personen. Aber ihr Mann sah das ganz anders und unterstrich seine Meinung mit gezielten Schlägen in ihr Gesicht und ihren Unterleib. Es war, als ob er wollte,

dass sie das Kind gleich auf der Stelle verliert. Nachdem sie zusammengekrümmt auf dem Boden lag, verließ er die Wohnung wieder. Sie sah ihn drei Tage lang nicht. Immerhin konnte sie sich in dieser Zeit erholen. Sie konnte nicht verstehen, wie er so überreagieren konnte. Als er wieder nach Hause kam, hatte er für sie einen Termin in einer Abtreibungsklinik. Und das schon für den nächsten Tag. Sie hatte keine Kraft sich gegen ihn zu behaupten. Außerdem hatte sie Angst vor weiteren Schlägen. Also ordnete sie sich ihm unter und ging zu dem Termin. Und

jetzt durfte sie sich das Ganze mitansehen. Sie war damals froh gewesen, dass sie dabei schlafen konnte und nichts mitbekam. Doch jetzt ihr zu sein, ließ ihr Herz noch einmal zerbersten.


Es war ein furchtbares Gefühl. Sie merkte diese Leere in sich. Immer hatte sie versucht, sich einzureden, dass sie keine Kinder wollte. Aber die Wahrheit war, dass sie nur Angst vor ihrem Mann hatte. Dass er ihr dasselbe wieder und wieder antun würde.


Sie hasste ihren Mann für die Schläge, die sie von ihm bekam, für die

Demütigungen, die sie Tag ein Tag aus erleben musste, und für diese Abtreibung, die ihr das Herz gebrochen hatte. Sie wollte hier weg, sie wollte die Ärzte, die Schwestern und den OP nicht mehr sehen, also versuchte sie einfach durch die OP-Tür zu verschwinden. Und das klappte auch

10. Kapitel

„Wenn ein Seitensprung einem fast das Leben kostet.“


Die 8. Erinnerung Sie stand nun in ihrem Schlafzimmer. Sie dachte, endlich sei der Alptraum vorbei, aber da kam schon ihr 8 Jahre jüngeres Ich herein und holte ihre Koffer aus dem Schrank. Stacy glaubte zu wissen, was los war. Diese Koffer holte sie nur einmal aus dem Schrank. Als sie ihren Mann verlassen und sich scheiden lassen wollte, nachdem sie ihn mit einer anderen erwischt

hatte. Am Abend zuvor kam sie spät von der Arbeit nach Hause und fand ihren Mann mit einer anderen Frau in ihrem Schlafzimmer. Sie hatte die ganze Nacht geheult und dann den Entschluss gefasst, sich endlich zu trennen. Doch ihr Mann wollte dies nicht zu lassen. Er stürmte ihr hinterher ins Schlafzimmer, nachdem sie ihm an den Kopf geknallt hatte, sie wolle die Scheidung. Er riss sie vom Schrank weg und sie landete durch den Schwung auf dem Bett. Sie sprang sofort wieder auf und versuchte zum Schrank zurück zu kommen. Doch ihr Mann stand ihr im Weg und sie hatte die erste Faust

im Gesicht. Diesmal versuchte sie sich zu wehren, doch sie war zu schwach. Ihr Schlag erzeugte nur ein dumpfes Geräusch auf der durchtrainierten Brust ihres Mannes und ein höhnisches Lachen von ihm folgte.


Er schlug wieder auf sie ein. Dabei konnte sie nun aber wieder zum Schrank und versuchte, so viele Klamotten wie möglich zu schnappen. Doch ihr Mann zog sie am Arm so fest zurück, dass es knackte. Er hatte ihr den Arm gebrochen. Daraufhin stürmte sie aus dem Schlafzimmer und lief nach unten in die Küche. Dort schnappte sie sich ein Messer. Sie wollte alles tun, um

endgültig von diesem Scheusal fort zu kommen. Doch als ihr Mann vor ihr stand und sie zustechen wollte, griff er nach ihrem gebrochen Arm und der Schmerz ließ sie das Messer fallen. Bevor sie sich danach bücken konnte, hatte ihr Mann es schon aufgehoben und ihr in den Bauch gerammt. Sie fiel zusammengekrümmt auf den Küchenboden und alles um Stacy wurde wieder schwarz. Sie weiß, dass sie es damals noch schaffte, zum Telefon zu kriechen und den Notruf zu wählen. Ihr Mann hatte damals gleich die passende Ausrede parat. Er erzählte den

Polizisten, seine Frau hätte einen Einbrecher überrascht und sie hatte wohl versucht, ihn zu verscheuchen. Daraufhin hatte der Einbrecher ihr wohl den Arm gebrochen und ihr das Messer verpasst. Als Stacy aus dem Koma erwachte, hatte sie nicht die Kraft zu widersprechen. Jetzt hatte sie noch mehr Angst vor ihrem Mann. Sie wusste nicht, wozu er noch fähig war. Ab diesem Zeitpunkt lebte sie mit ihrem Mann zwar noch zusammen, aber nur noch neben ihm her. Sie ließ ihn machen, was er wollte. Und wie sich herausstellte, war es das Beste, was sie tun konnte. Ab da schlug er sie

nur noch, wenn sie sich wirklich einen groben Fehler erlaubte. Und das versuchte sie so oft wie möglich zu vermeiden

11. Kapitel

„Endlich hat die ganze Tortur ein Ende, oder?“


Die letzte Erinnerung Nach all den Gedanken über ihre Ehe stand sie in ihrem Büro. Endlich, dachte sie, ist dieser Alptraum vorbei. Offensichtlich hatte sie doch nur geträumt. Doch dann sah sie sich selbst am Schreibtisch sitzen. Ihr Gegenüber trug dieselbe Kleidung wie sie heute. Sie überlegte angestrengt, welcher Tag ihr hier gezeigt wurde. Sie wurde einfach nicht schlau draus. Dann stand ihr

anderes Ich auf und nahm ihre Tasche. Stacy folgte ihr zum Aufzug. Es ging zur Tiefgarage. Ein Blick auf die Uhr sagte ihr, dass es schon weit nach 22 Uhr war. Also ein typischer Arbeitstag und nun ging es nach Hause. Aber warum startet diese Erinnerung auf Arbeit. In der Tiefgarage angekommen war es stockduster. Die Lampen waren wie immer aus um diese Zeit, als ob hier keiner mehr um diese Zeit da wäre. Aber sie parkte ihr Auto ja immer in der Nähe des Aufzugs. Somit war der Weg nicht so weit und sie konnte ihn auch im Dunkeln finden. Sie

folgte also weiter ihrem Ich, als sich ihr plötzlich eine Gestalt in den Weg stellte. So plötzlich wie die Gestalt auftauchte, flammten auch einige Lampen auf. Vor den beiden stand eine vermummte kräftige Person. Sie griff nach Stacys Handtasche und versuchte, ihr diese zu entreißen. Natürlich versuchte sie dies mit allen Mitteln zu verhindern. Leider war ihr Gegner zu stark und dieser zückte zudem nun auch ein Messer. Als er auch nach erneutem Versuch die Handtasche immer noch nicht in seiner Gewalt hatte, stach er zu.


Einmal, zweimal,

dreimal. Bis Stacy endlich zu Boden sank und die Handtasche freigab. Hier unten hatte sie keinen Handyempfang und sie war nicht fähig sich noch einen Meter zu bewegen. Es dauerte nicht lange bis sie das Bewusstsein verlor. Stacy stand geschockt neben ihrer Leiche, als es wieder dunkel wurde. Sie konnte immer noch nicht begreifen, dass sie gerade ihre eigene Ermordung mit ansehen musste. Jetzt verstand sie auch zum ersten Mal, warum sie das alles gerade mit ansehen musste. Jemand hatte ihr schließlich mal gesagt, wenn man

stirbt, dann zieht dein Leben an dir vorbei. Sie konnte nur nicht begreifen, warum sie nur all diese schlimmen Dinge sehen durfte. War ihr Leben wirklich so schlimm und hatte sie keine glücklichen Erinnerungen. Sie wusste es nicht, sie wusste wieder einmal nichts mehr. Sie sank auf den Boden und wartete darauf, dass das alles endlich vorbei war. Sie wollte nichts mehr sehen, hören oder fühlen.

EPILOG

„Was kommt nach dem Tod? Der Himmel? Wiedergeburt?“


Der Tod Als sie so da saß, wurde es ein wenig heller um sie herum und eine Gestalt kam auf sie zu. Es war ein Engel. Der Todesengel. Ganz in schwarz, sogar die Flügel. Er half Stacy aufzustehen. „Wo bin ich hier?“, fragte sie verwirrt. „Zwischen den Welten.“, antwortete ihr der Engel mit seiner düsteren Stimme. „Zwischen den Welten? Wo soll das

sein?“ Der Engel schaute sie mit seinen dunklen Augen an und sprach: „Zwischen dem Hier und Jetzt. Zwischen dem Guten und Bösen. Zwischen dem Himmel und der Erde.“ „Dem Himmel? Also gibt es ihn wirklich?“ „Für die, die ihn betreten wollen, gibt es ihn. Für die anderen gibt es andere Möglichkeiten.“ „Was für Möglichkeiten?“ „Dazu kommen wir später. Jetzt komm erst einmal mit mir.“ Stacy folgte dem Tod, bis sie vor drei Türen standen. „Jeder, der einen grausamen Tod in noch

jungen Jahren, also vor seinem eigentlichen Ende, stirbt, wird vor eine Entscheidung gestellt.“ „Was für eine Entscheidung?“ „Die Möglichkeiten, von denen ich eben gesprochen habe. Als du starbst, wurdest du doch in deine Erinnerungen zurück versetzt. Was hast du gesehen?“ „Nur schreckliche Dinge. Ich verstehe immer noch nicht, warum ich das alles sehen musste.“ „Jeder sieht das, was ihm bei der Entscheidung helfen soll.“ „Wie sollen mir denn diese furchtbaren Erinnerungen bei einer Entscheidung helfen?“ „Dies kann ich dir nur beantworten,

indem ich dir nun die Möglichkeiten, die du hast, erkläre.“ Stacy war nun schon sehr neugierig, was das für Möglichkeiten sein sollen, also hörte sie dem Engel aufmerksam zu. „Wir stehen hier vor den 3 Türen der Entscheidung: Tür Nr. 1 führt dich in dein altes Leben zurück. Du wirst nicht überfallen und stirbst daher nicht und kannst dein Leben weiterführen. Tür Nr. 2 führt dich in ein neues Leben. Du kannst ganz von vorn beginnen und es müsste besser sein als dein altes

Leben. Bei Tür Nr. 3 nehme ich dich mit in den Himmel und du kannst ein Engel werden.“ Stacy war begeistert, diese Möglichkeiten zu haben. In ihr altes Leben würde sie nie zurückkehren, dass haben ihr ihre Erinnerungen gezeigt. In ein neues Leben zu gehen, hört sich toll an. Aber wer kann ihr garantieren, dass es wirklich besser wird. In den Himmel gehen und ein Engel werden, das sind schöne Aussichten. Sie könnte mit den anderen Engeln spielen. Oder auf einer Wolke sitzen und den wirklich

glücklichen Menschen auf der Erde zusehen. Oder sie könnte einfach ihr Engelsdasein genießen. Die Entscheidung stand für sie fest.

„Ich werde mit dir kommen und ein Engel werden.“ Der Tod sah sie ernst an: „Wenn das dein Wunsch ist, dann nimm meine Hand.“ Er hielt ihr seine Hand hin und sie nahm sie ohne zu zögern. Der Todesengel öffnete die mittlere Tür und ging mit Stacy hindurch.

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Über den Autor

trixi1303
Hallo, ich bin mittlerweile 30 Jahre alt und seit kurzem Mutter. Ich bin gelernte Industriekauffrau und Mitglied der freiwilligen Feuerwehr als Betreuerin der Kinderfeuerwehr. Am Schreiben lag mir schon immer sehr viel. Meine erste Geschichte habe ich mit 10 oder 11 verfasst. Irgendwie musste ich meine lebhafte Fantasie ja umsetzen.

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KaraList Deine Protagonistin hat bei der Verteilung der verzichtbaren Erfahrungen oft den Finger erhoben. Ein bedauernswertes Leben.
Die von Dir gewählte Form einer Lebensrückblende ist auf jeden Fall ungewöhnlich, aber interessant.
Ich bin auch überrascht, liebe Trixi. :-) Gut gemacht!
LG
Kara
Vergangene Woche - Antworten
trixi1303 Liebe Kara, danke für die Coins und deinen Kommentar.
Es freut mich, das es interessant ist.
LG Nicole
Vergangene Woche - Antworten
Bleistift 
"Das Leben der Stacy Hall..."
Eine in der Tat verstörende Geschichte,
von der ich jedoch hoffe,
dass es lediglich eine Geschichte ist
und nicht die einer weitestgehend der Realität entlehnten...
Bin jetzt echt überrascht...
LG
Louis :-)
Vergangene Woche - Antworten
trixi1303 Lieber Louis, danke für deinen Favo und den Kommentar.
Die Geschichte entspringt größenteils meiner Fantasie.
LG Nicole
Vergangene Woche - Antworten
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