Fantasy & Horror
Außergewöhnlich

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"Auch wenn ihr Äußeres sie nicht unterschiedlicher machen könnte gleicht sich ihr Wesen doch sehr."
Veröffentlicht am 15. April 2019, 26 Seiten
Kategorie Fantasy & Horror
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Auch wenn ihr Äußeres sie nicht unterschiedlicher machen könnte gleicht sich ihr Wesen doch sehr.

Außergewöhnlich

Begegnung

Er lief seinen üblichen Pfad für die Patrouille entlang als er Blut roch. Menschliches Blut. "Sind die Nachtschatten etwa bis hierher vorgedrungen?" Fragte er sich. Er lief hastig in die Richtung aus der der Wind den Blutgeruch her wehte.

Nach einer Weile, erkannte er etwa 3 Km vor sich eine Frau, die sich an einen Baum lehnte um nicht um zu fallen und sich mit der anderen Hand an ihre Seite fasste. Sie strömte den Blutgeruch aus und dieser wurde stärker, je mehr er sich ihr näherte.


Die Frau bemerkte den großen schwarzen Wolf erst, als er direkt vor ihr stand und anfing leicht zu schnuppern. Sie erschrak nicht als sie aufsah und dem Wolf direkt in die Augen blickte, was den Wolf verwirrte. Sie blickte ihm ruhig in seine großen - vor Verwirrung geweiteten Augen und sagte mit schwächlicher Stimme: "Ich bin wohl unbewusst in die Nähe eurer Wälder gekommen. Ich werde mich umgehend entfernen, wenn du mir zeigen würdest wo ich am besten hinlaufen soll. Ich will auf dem Niemandsland bleiben, wenn möglich."


Ihre Worte verwirrten den Wolf. Hing sie denn nicht an ihrem Leben? Sie stand vor

einem jener Wölfe mit denen die Menschen doch seit einem Jahrhundert verfeindet sind. Die Wölfe galten doch unter den Menschen als skrupellose Mörder die vor nichts Halt machten. Oder etwa nicht?


Diese Frau musste von weit herkommen. Der Wolf erkannte weder ihre Erscheinung noch ihren Geruch. Eine seltsame Frau war das. Sie hatte keine Angst vor dem Wolf, der etwas größer als ein Pferd jedoch zweimal so breit gebaut war. Im Gegenteil. Sie entschuldigte sich und sprach mit ihm als wäre es nur eine Unterhaltung zwischen zwei Fremden. "Was sucht du hier in dieser Gegend?

Warum kehrst du nicht zurück zu deines gleichen? Hast du keine Angst vor mir? Ich könnte dich viel schlimmer verletzen als diese Wunde, die du schon besitzt."


Es schien als hätte die Frau Schwierigkeiten damit, bei Bewusstsein zu bleiben geschweige denn zuzuhören doch sie antwortete dem Wolf mit derselben Art und Weise wie zuvor. "Wenn Ihr mir etwas zuleide tun wolltet, dann hättet Ihr das schon ohne weiteres getan. Doch aus einem mir unerfindlichen Grund tatet Ihr dies nicht. Somit nehme ich doch an, dass Ihr freundlich gesinnt seid. Zumindest seid Ihr nicht feindselig gesinnt. Ich gehe

nicht zurück zu meines gleichen die ihre Menschlichkeit nun endgültig verloren haben. Von dort komme ich-" Die Frau zeigte hinter sich, in die Richtung, aus der sie gekommen war "-und meine Reise ist jetzt wohl schon 3 Nächte her. Jedoch kann ich dies nicht mit Gewissheit sagen, da ich des Öfteren mein Bewusstsein verloren habe bis ich hier auf euch traf. Was meine Wunde angeht, so lasst mich euch versichern, dass ich ihnen früher oder später erliegen werde, doch dies ist mir recht und sollte euch nicht kümmern."


Jetzt war der Wolf verwirrt. Ein Mensch der nichts mit seinesgleichen zu tun

haben wollte? Der nicht gleich auf einen Wolf losging obwohl er in Reichweite war? Oder gar Weg zu laufen um zumindest sein eigenes Leben retten zu wollen? Die Menschen hatten bisher ja vieles versucht um alles über die Wölfe heraus zu bekommen aber jemanden in dieser Verfassung zu uns zu schicken, der dann auch noch trotz seiner misslichen Lage so ruhig blieb war nicht möglich. Es gab keine Menschen noch nicht einmal Kinder die nicht mit Gewalt oder Flucht reagiert hätte. Doch hier stand eine. Verletzt, ohne Angst und hätte jederzeit das Bewusstsein verlieren können.


Dass ihre Wunde schwer und lebensbedrohlich war, konnte der Wolf durch die Menge an Blut die er roch, feststellen. Doch alles andere was sie gesagt hatte, ergab für ihn einfach keinen Sinn. Er wusste nicht ob er ihr glauben sollte geschweige denn konnte, ohne sie länger gekannt zu haben als nur diese kurze Begegnung. Er überlegte hin und her. Was sollte er mit ihr machen? Auf so ein zusammentreffen war er nicht gefasst. Er hatte alles erwartet. Von einem toten Tier bis hin zu einer gut durchdachten List.


Während der Wolf sich alles was die Frau gesagt hatte durch den Kopf gehen

ließ, verlor die Frau immer mehr ihr Bewusstsein.

Sie wollte keinen Streit mit dem Wolf. Sie wollte nur an einen friedlichen Ort. Ein Ort, der hätte überall sein können. Hauptsache war, dass es niemandes Territorium war. Sonst würde man ihren Tot, als weiteren Grund zu einem Kampf nutzen. Als gäbe es nicht schon genug Tote auf allen Seiten. Und das alles wofür? Nichts. Es war die bloße Sturheit der Wölfe und die schiere Angst der Menschen die es überhaupt erst soweit kommen ließ.


Das letzte woran sich die Frau noch erinnerte bevor sie ins nichts fiel, war,

dass sie versuchte eine Entschuldigung

zu nuscheln.

Entscheidung

Der Wolf hielt seine große Tatze vor den Körper der Frau, um sie nicht in das Gestrüpp, um den Baum herum, fallen zu lassen. Da die Frau nun ihre Wunde nicht mehr hielt, strömte das Blut nur so aus ihr heraus. Der Wolf hatte keine Wahl, wenn er verhindern wollte, dass sie starb ohne ihm bewiesen zu haben ob sie die Wahrheit sagte oder nicht, musste er ihr wohl oder übel helfen. Der Wolf rannte in sein Territorium hinein, zu den Sträuchern, die bei den Wölfen sehr bekannt für ihre heilenden Kräfte waren. Er vermischte die Blüten

der Sträucher mit etwas Moos und Schlamm, klebte diese an seine Schnauze und rannte zurück zur bewusstlosen Frau.

Er nahm mit seinen großen Pranken das Gemisch von seiner Schnauze und rieb die Wunde der Frau damit ein. Dies sollte ihre Wunde schließen sodass sie nicht verblutete. Doch was nun? Er musste sie zur ältesten im Rudel bringen. Nur so konnte er erfahren ob diese Frau Unheil bringen würde oder harmlos sei.

So unglaubwürdig die letzte Option auch war, hoffte der Wolf darauf, dass diese Frau der Beweis dafür wäre, wie gutmütig die Menschen einmal waren.

Der Beweis dafür, dass all die Geschichten der Ältesten von einer Zeit, in der die Wölfe friedlich mit den Menschen lebten, wirklich existierte.

Als der Wolf mit der Frau im Maul beim Rudel auftauchte, verursachte dies natürlich Aufsehen.

Dieses Rudel bestand aus insgesamt 45 Wölfen. 23 davon waren ausgewachsene Wölfe und Wölfinnen, 17 Wolfskinder und dann gab es da noch die 5 Ältesten.

Der Wolf der die Frau trug, wurde sogleich von 10 Wölfen umzingelt, deren Patrouillenwege sich in der Nähe

befanden. Sie alle reagierten ähnlich und sprachen durcheinander. Nur einige der lauten Stimmen, konnte er aus dem durcheinander heraushören und diese waren überhaupt nicht erfreut über die immer noch bewusstlose Frau. “Warum bringst du einen Menschen hierher?” “Sie muss verschwinden!” “Das lässt sich schnell erledigen. Die Menschen sind schwach ohne ihre Waffen.” “Wie kannst du es wagen uns so in Gefahr zu bringen indem du diesen Menschen bis in unser Versteck schleppst?” “Das ist bestimmt nur ein Missverständnis. Seht doch, dieser Mensch ist doch verwundet und schon

halb tot. Er wollte den Menschen bestimmt als Geschenk der Versöhnung herbringen und uns zeigen, dass er bei der Ratsversammlung vorher zu sehr auf seine Hoffnung fixiert war. Es ist doch so nicht wahr?” Sie sprachen, ohne wirklich eine Antwort zu erwarten, kreuz und quer in die Runde. Die Wölfe ließen ihren Gedanken freien Lauf, wobei viele dieser Gedankengänge grausame Gewalt beinhalteten.

Der schwarze Wolf der größte unter ihnen der die Frau hergebracht und damit das ganze Chaos erst verursacht hatte, Kiran, legte die Frau vor sich auf den Boden. Er stellte seine Nackenhaare

auf, machte sich noch größer als er schon war und ließ ein markerschütterndes Knurren von sich.

Darauf folgte Stille. Es war mit einem Mal so still geworden, dass man nur noch die unregelmäßigen Atemzüge der bewusstlosen Frau zu hören vermochte.

So standen alle Wölfe im Kreis um den größten von ihnen herum und wagten es nicht, auch nur einen Laut von sich zu geben. Nach ein paar Minuten des nervösen Schweigens, trat eine der ältesten an die Seite des Wolfes, der von den anderen Wölfen, die im Kreis um ihn herumstanden, umzingelt

war.

Die Älteste betrachtete den Wolf und nickte nur. “Ich sagte dir bereits, dass es so kommen würde, nicht? Sie ist der Mensch der etwas verändern wird und du bist der Wolf der sie entweder retten oder ihr verderben sein wird. Welche Entscheidungen, zu welchem Ende führen werden, kann ich dir leider nicht sagen. Doch ich weiß, dass wenn du dich auf deinen Instinkt und dein Herz verlässt, die richtigen Entscheidungen für dich und diese Frau finden wirst. Nun obliegt es deinen Entscheidungen, was von nun an geschieht.”

Die Älteste wusste wovon Sie sprach, doch Sie konnte ihren eigenen Leuten nicht mehr Details geben. Sie mussten selbst entscheiden wovon sie sich leiten ließen. Von ihrer Furcht, ihrer Sturheit, ihrem Willen zum Frieden, ihrer Hoffnung; Würden sie für ihr eigenes Wohl entscheiden oder für das Wohle aller? Was ist ihr wahrer Charakter? Wie wird dieses Wolfsrudel überleben? Werden sie sich selbst treu bleiben?

“Geht jetzt zurück auf eure Wachposten. Alles andere regelt Kiran. Von nun an ist er für diese Frau verantwortlich und keiner von euch wird dazwischenfunken.” mahnte die Älteste

alle Wölfe.

Allmählich verstreuten sich die Wölfe nun, wobei einige wenige ihrer Meinung kund taten und vor sich hin murmelnd den Rückzug antraten. “Die alte Schachtel lässt mal wieder den Boss raushängen, da sie ja sonst nicht mehr dazu kommt.” “Ob das mit dem Menschen noch ein gutes Ende nehmen wird ist fraglich.” “Immer wieder Drama um nichts. Als ob ein Mensch etwas an der Jahrhundertelangen Farce etwas ändern könnte.”

“Bring sie zu mir ins Haus, deshalb hast du sie doch hierhergebracht, richtig?”

fragte die Älteste Kiran doch sie wartete nicht auf seine Antwort, sie wusste es besser. Kiran nahm die bewusstlose Frau vom Boden und brachte sie ins Haus der Ältesten, wo er sie auf das Sofa im Raum legte. “Bist du dir sicher, dass du dies tun möchtest? Niemand zwingt dich hierzu. Ich schon gar nicht.”

Kiran wollte nicht, dass jemand etwas tat, nur weil er sich für etwas entschieden hatte.

Statt einer Antwort lächelte die Älteste nur. Kurz darauf schickte die Älteste Kiran hinaus, wo er warten solle bis sie die Frau versorgt hatte.

Richtig oder Falsch?

Während Kiran vor dem Haus wartete, dachte er viel über das Rudel nach. Wie die jungen Wölfe früh den Hass gegenüber den Menschen aufgezwungen bekamen um sie vor ihnen zu schützen, wie die Eltern immer sagten. Doch war das der Fall? Oder waren sie nur von ihrem Hass und der Angst erfüllt gewesen, so wie sie es heute noch waren? Es gab keinen einzigen Wolf den Kiran kannte, der die Menschen nicht hasste und jede Chance nutzen würde um jeden zu töten der ihren Weg kreuzt.

Aber wohin führte das die Wölfe? Was

machte diese Mordlust aus ihrem Charakter? Sind sie noch dieselben Wölfe wie vor dem ersten Kampf? Vor der ersten Schlacht? Vor dem ersten Verlust eines Freundes? Wollten sie damals zu dem werden, der sie heute waren? Würden sie einen anderen Weg wählen, wenn sie es könnten? Oder war es dafür zu spät? Warum versuchte nur Kiran einen anderen Ausweg, eine andere Lösung für diesen Konflikt zu finden? Dachte Kiran zu viel darüber nach? Verurteilte er sie nicht alle? Obwohl er seinesgleichen jederzeit helfen würde ohne nachzufragen, wusste er dennoch nicht ob sie es auch verdient

hatten gerettet zu werden. Waren Kirans Gedanken, gleich eines Verrats an seiner eigenen Rasse? War etwas dran an seinen Gedankengängen?

War er nicht selbst ein fragwürdiger Mörder? Hatte Kiran es denn verdient gerettet zu werden? Hatte er nicht ebenso viele Morde begangen wie sein Rudel? Hasste er die Menschen nicht ebenso? Machte er sie nicht ebenso verantwortlich für seine Verluste? Kiran behielt nicht immer einen kühlen, klaren Kopf, nicht so, wie er es nun konnte.

Nein, ihm wurden die Augen erst

geöffnet als ihm die Älteste von ihren Visionen erzählte. Zuerst dachte er sich nicht viel dabei und hörte ihr - ohne wirklich zu glauben - zu. Doch je mehr die Älteste ihm beipflichtete die Situation aus anderen Perspektiven zu sehen, wurde ihm bewusst, dass sich beide Seiten viel ähnlicher waren als diese zugeben würden. Sie machten sich gegenseitig zu Mördern, Weisen, Kämpfern, Trauernden und Feiglingen. Sie machten sich blind für die eigenen Taten und unterschieden sich dadurch immer weniger voneinander.

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Crazyy

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Buhuuuh Guter Text was ich gelesen hab von deiner Wolfsstory. Ich glaube das wird gut. :)
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