Sonstiges
Prima la Musica?! - und was ist mit dem Rest?

0
"Prima la Musica?! - und was ist mit dem Rest?"
Veröffentlicht am 14. März 2019, 12 Seiten
Kategorie Sonstiges
http://www.mystorys.de
Prima la Musica?! - und was ist mit dem Rest?

Prima la Musica?! - und was ist mit dem Rest?

Eine Oper ist laut Duden: „Gattung von musikalischen Bühnenwerken mit Darstellung einer Handlung durch Gesang und Instrumentalmusik“. Als ein Bühnenwerk bezeichnet der Duden „ein zur Aufführung auf einer Bühne geeignetes dramatisches, musikalisch-dramatisches oder choreografisches Werk“. Ist es also nicht selbstverständlich, dass Musik und Handlung gleichberechtigt sind, dass sie zusammen erst ein Ganzes bilden? Meiner Meinung nach ja. Oper ist Musiktheater. Ach, ja und das, was Puristen gerne als geflügeltes Wort benutzen:“Prima la Musica, dopo/ poi le Parole“, ist zum

einen der Titel eins Wettbewerbes für junge Musiker/innen und hat seinen Ursprung in einer satirischen „Operetta a quattro voci“ von Antonio Saleri, in der er, laut Wikipedia, die Intuition Musiktheater aufs Korn nimmt. Nicht mehr und nicht weniger. Nein, dies ist keine rückhaltlose Befürwortung von Regietheater an sich, wenn ich Oper als „Musiktheater“ bezeichne. Auch mir geht es auf die Nerven und gegen den musikliebenden Strich, wenn wenn Regisseure und Bühnen/Kostümbildner, die heutige Gesellschaft mit erhobenem Zeigefinger und stereotypen Bewegungen, wie auch Kostümen kritisieren zu meinen un

abhängig von der eigentlichen Handlung und damit auch der Musik. Denn den Chor im Takt der Musik „herumhampeln“ zu lassen, ist keine musikgerechte Inszenierung. Putzfrauen mit deutlichem Migrationshintergrund die in einem Sitzungssaal der Vereinten Nationen zu den Klängen des Gefangenenchors putzen, jedoch schon. Wenn ein „Werther“ auf einer auf einer leeren Bühne spielt und die Charlotte, so angelegt ist, dass sie wie im Buch, Werther nur als Bruder liebt und er sicherst- wenn auch effektvoll- mit dem letzten Akkord der Oper erschießt, verärgert das. Denn es ist verfälscht. Denn im Libretto erwidert sie Werthers Liebe.

Ebenso ist es nur in der Romanvorlage von Dumas so, dass Armand seine Liebe mit Marguerite in der Rückschau sieht, weil sie schon tot ist, als er nach Paris zurückkehrt. Alfredo trifft seine Violetta noch lebend an, schon in Agonie, aber immerhin lebend. Ja, ich gebe es. zu es gibt noch unzählige Beispiele, die verärgern, da sie anscheinend keinen anderen Sinn haben, als das vielleicht übergroße Ego eines Regisseurs und seines Teams zu stärken, in dem auf Kosten von Darstellern, Musik und Komponisten, auf Teufel komm raus provoziert wird. Doch es gibt auch viel, lassen Sie es mich tolerierbares

nennen. Auch habe ich, abgesehen vom Werther in Lübeck, in den letzten Monaten in verschiedenen Städten, viel wunderbar ind hier und heute umgesetztes genießen dürfen. Ganz aktuell den Hamburger „Nabucco“, den ich ja ausführlich für „Das Opernmagazin“ rezensierte. Nabucco ist nun ein mal eine Oper, die ein Thema behandelt, das an Aktualität Ähnliches gilt für viele Opern,ich denke da an Xerxes, Macbeth oder sogar Elektra und auch die Thematik des wagnerischen Rings. Es ist also durchaus legitim, eine Handlung , sie neu zu erzählen, wenn man ihren Konsens nicht verändert, verfälscht. Ich

zumindest habe es gerne, wenn es einem Regisseur gelingt, mir in Handlung und damit auch Musik auf eine Weise nahe zubringen auf die ich noch nicht kam, die ich bisher so nie hörte. Da stimme ich dem Philosophen Manfred Hinrich (1926-2015) völlig zu : Bühne, Bretter, die die innere Welt verändern. Kurz: Auch Oper ist Theater, das nicht nur in die Welt alter Götter oder historischer Ereignisse und Personen widerspiegelt, sondern auch das Heute. Es ist schon ein schmaler Grat, doch ich finde es wichtig, sich auch einmal einzulassen, nicht nur an altem festzuhalten. Denn dann kann man außer wunderbaren Musikgenuss, wenn es gut

gemacht ist, fast unmerklich noch viel mehr mitnehmen: Etwas zum Nachdenken oder auch einfach nur gute Laune. Für mich hier in Hamburg die besten Beispiele, die seit langen gespielten Inszenierungen von Rossinis „Barbier von Sevilla“ oder Donizettis „Liebestrank“. Aber etwas aktueller und ich traue mich nun einfach meine positive Voreingenommenheit, dieses eine Mal, nicht zu verhehlen, Rossinis „Cenerentola“ und Offenbachs „La belle Hélène“. Beides Pruduktionen von Barbe/Doucet. André Barbe steht für liebevolle, wundervoll Detaille verliebte Bühnenbilder und Kostüme. Der ehemalige Tänzer und Choreograph

Renaud Doucet weiß Menschen zu bewegen. Beide haben eine augenscheinlich unerschöpfliche Fantasie: Cenerentola hat viele optische Anlehnungen an die in den 1920 spielenden, Tim und Struppi Geschichten. Die Offenbach-Oper spielt auf dem Luxusdampfer “Jupiter Stator. Wirklich, wenn Sie, lieber Leser sich von negativen Äußerungen, jener, die Sie als Kenner empfinden, verunsichert fühlen, fragen sie nach dem „Warum“ der Ablehnung. Lassen Sie sich in wenigen, sachlichen Worten erklären, warum denn dieser oder jener Regisseur, die Musik, diesen oder jenen Komponisten, ihrer Meinung „vergewaltigen“. Denn es fällt

mir immer wieder auf, dass ein „ ... weil ...“ hinter dem „furchtbar“ oft fehlt. Am besten aber lassen Sie sich weder von jenen beirren, die die Musik in den Vordergrund setzen, noch von mir. Denn es gibt weder richtig noch falsch. Und für jene, denen es wirklich nur auf die Musik ankommt, gibt es neben fantastischen Cd-Aufnahmen, auch immer wieder, die oft noch klassischen Produktionen aus Häusern, wie der Met oder Wien, konzertante Aufführungen oder die Möglichkeit, die Augen zu schließen und nur die Musik zu genießen. Manchmal ist letzteres wirklich etwas dass auch ich, in Erwägung ziehe, aber lasse, denn die Befürchtung etwas zu

verpassen, das zu dem Hinrich- Zitat passt, ist dann doch größer. Und wirklich, geben Sie sich doch einfach - nur ein Mal! ;-) - die Chance, Opern, ihre Geschichte und auch ihre Musik neu zu entdecken! Viva la musica e le parole!! BigitK0305/140317

0

Hörbuch

Über den Autor

LadyBoomerang

Leser-Statistik
0

Leser
Quelle
Veröffentlicht am

Kommentare
Kommentar schreiben

Senden
Bleistift 
"Prima la Musica?! - und was ist mit dem Rest?..."
Das ist ein guter Beitrag, natürlich ist eine Oper auch ein Musiktheater,
auch wenn der Focus bei einer Oper auf der Musik liegt,
deswegen bleibt es trotz alledem immer noch ein Theater...
Ich verstehe also das ganze Brimborium darum nicht, denn Du hast
doch den Duden schon richtig zitiert, auch wenn da andere, anderer
Meinung sein sollten... ...smile*
LG
Louis :-)
Diese Woche - Antworten
Zeige mehr Kommentare
10
1
0
Senden

161357
Impressum / Nutzungsbedingungen / Datenschutzerklärung