Romane & Erzählungen
Ya Musa

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"Ya Musa"
Veröffentlicht am 12. März 2019, 22 Seiten
Kategorie Romane & Erzählungen
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Über den Autor:

Hallo liebe Gemeinschaft.Ich bin neu hier und m├Âchte mich gerne vorstellen.Meine Welt besteht aus B├╝chern und Geschichten.Lesen ist sehr wichtig f├╝r mich gelegentlich schreibe ich auch etwas.Ich hoffe hier eine gute Gemeinschaft von gleichgesinnten zu finden.
Ya Musa

Ya Musa

Yamous

Wie Lichter der Ewigkeit leuchteten die Sterne vom Himmel und brei- teten sich ├╝ber der W├╝ste aus.

Die Dunkelheit der grenzenlosen Freiheit, die Unendlichkeit wurde erleuchtet vom Schein des Mondes, welcher den Weg wies.

Leichter Wind schmiegte sich ans Gesicht, w├Ąhrend Yamous am Zelt- eingang sa├č, und dem Treiben der Familie im Zelt lauschte. Erinnerungen hatte er solange nicht mehr, und in seinem alt gewor- denen und zerschundenen K├Ârper eines Sklaven

fanden weder Hoff- nung noch Tr├Ąume seinen Platz.

Seit dem fr├╝hen Nachmittag sa├č er da, und es kam Ihm vor, er w├╝rde schon l├Ąnger da sitzen.

Eine kleine Ewigkeit. Aber Zeit, was ist schon Zeit, dachte er sich, al- leine was z├Ąhlt ist doch das Leben. Und es galt diesen weiter zu ge- ben an die n├Ąchste Generation.

Yamous schaute in die dunkle Nacht. Die D├╝nen schimmerten im Mondlicht. Irgendwo h├Ârte man den W├╝stenfuchs aufheulen, und die beruhigenden Laute der Dromedare.

Erinnerungen gab es nicht mehr. Yamous war schon immer da gewe- sen, bei

seinem Herrn, Youssef.

Zusammen bezwangen sie die Handelsrouten, die M├Ąrkte, sogar Oa- sen.

Es war gleich was er f├╝r einen Namen trug, oder ob es eine Herkunft gab.

Er war Diener seines Herrn, sein Sklave.

Viele w├╝nschten sich ein solches Leben. Abenteuerlustige oder gar

Davongelaufene.

Der einzige Unterschied bestand doch nur in der Hautfarbe, und da├č-

Herren ihre F├╝rsorge mit Stockhieben zu zeigen pflegten.

Manche von Ihnen wurden nach Orten benannt, in dem Sie gekauft

worden sind, oder man gab Ihnen eines

aus irgend einer Laune her-

aus.

Aber f├╝r die H├Ąndler waren Sie alle gleich, Schwarz. Ganz gleich ob

Herere,Bauni, oder Massai, oder gar ein Yamou vor Ihnen stand. Sie

sahen nur die tr├Ąger der ketten in Ihnen, und Ihren Wert in Dirhams

auf dem n├Ąchsten Markt.

Manche wurden zu Familienmitgliedern, durften wie auch die Ihlan

in eigenen Sippen mit Ihnen zusammen leben. Andere wurden sogar

manchmal kleinere W├╝rdentr├Ąger, Geistliche, Schriftgelehrte. Sogar

Heerf├╝hrer hat es von Zeit zu Zeit gegeben.

Doch keiner von Ihnen vermochte jemals die Ketten abzuwerfen,

welches jeder von Ihnen unsichtbar hinter sich herzog.

Die Jahre werden sch├Ân gewesen sein, dachte Yamous, aber auch an-

strengend, staubig und entbehrungsreich.

Zusammen mit Youssef ist er aufgewachsen, verbrachte viele Winter

in Ait-Ben Haddou, spielend in den engen Gassen, als ob es nichts an-

deres g├Ąbe. Sch├╝tzend umgeben von den Lehmmauern des kleinen

Ortes.

Es gab bald kaum eine Oase welches sie beide nicht kannten, und

kaum eine Route welche nicht von Ihnen

beschritten worden ist.

Zusammen w├╝rden beide auch einst mal alt werden, und als Greise in Erinnerungen schwelgen. Doch war es auch so? Jetzt wo Youssef zu den Wohlhabendsten der H├Ąndler geh├Ârte,den es jemals gegeben hat zwischen Timbouktou und dem Roten Meer,,,?

Als kleiner Junge durfte Yamous lesen und schreiben lernen. Nichts faszinierte Ihn mehr als die verschlungenen Buchstaben und der Klang der Rezitation.

Nichts auf der Welt konnte gr├Â├čeres hervorrufen, und der Wunsch da- nach seine Stimme zu erheben wie eines der gro├čen Scheichs oder Marabus.

Als er damit anfing rezitieren, erklang seine Stimme kr├Ąftig, klar und

Hell ,wie der Ewige selber beim Herabsenden seines Buches.

Die Winde trugen seinen Namen weit hinein in die W├╝ste und man

nannte ihn ehrfurchtsvoll ÔÇ×Ya MusaÔÇť

Trotz allem bedeutete alt werden nicht dasselbe f├╝r den Diener wie

f├╝r den Herrn.

Vor etwa zwei Monaten ritten Sie an einem Grab vorbei. Ein Marabu

wie es so viele gab. Diesmal hielten Sie nur kurz an, und Youssef warf

auch nur einen kurzen Blick auf das Grab.

Youssef schaute dann Yamous kurz

an,ÔÇťYa MusaÔÇť sagte er mit gesenk-

tem Kopf. Mit unendlicher Traurigkeit sagte er wie zu sich selbst ÔÇ×Der

Marabu ist freiÔÇť

Mit einem ver├Ąchtlichen Blick schaute die Herrin zu Yamous r├╝ber

und sagte so das es jeder h├Âren konnte ÔÇťDu wirst auch bald frei sein ÔÇ×

Ein eigenartiges L├Ącheln machte sich breit auf Ihr Gesicht, und jeder

wusste genau was das bedeutete.

Es konnte nicht sein,dieses Schicksal, Ihm der die gro├če Stimme in

die W├╝ste schickte,und treu diente.

Jetzt wo er alt geworden ist. Sollte denn alles Vergessen sein, und ver-

weht werden in die Winde.

Sollten nur noch Stimmen in der W├╝ste sich an Ihn erinnern?

Yamus hatte zwar gehofft, dennoch hatte er auch Angst gehabt das

dieser tag kommen w├╝rde.

Manche Sklaven warteten erst gar nicht auf diesen Tag.

Die alte M`Kebe setzte sich eines Tages einfach in den Sand, w├Ąhrend

die Karawane weiterzog. Obwohl Sie die Hebamme von gleich meh-

reren St├Ąmmen war, ereilte auch Sie dieser Tag.

ÔÇ×Von Staub sind wir und zu Staub werden wirÔÇť sagte Youssef da-

mals,ÔÇťjeder hat sein SchicksalÔÇť

Yamous verstand damals nicht was da

geschah. Schnell war eine Alte

Frau auch vergessen.

Vor einigen Tagen, da kam Youssef zu Ihm hinter den Zelten, wo er

sich auszuruhen pflegte. Lange redeten beide miteinander. Nicht wie

ein Sklave und sein Herr, nein, eher wie zwei Freunde. Oder Br├╝der

welche sich nach langer zeit wieder gefunden hatten.

Sie redeten ├╝ber alles M├Âgliche, was sich in den Jahren so zu getra-

gen hatte, bis schlie├člich die Herrin etwas Tee brachte. Dabei schien

es so, dass Sie Youssef bedr├Ąngen wollte.

Irgendwann, als die Hitze etwas ertr├Ąglicher wurde, bat er Yamous et-

was zu rezitieren.

ÔÇ×├ťber das Paradies ÔÇ×sagte er, legte die Hand auf seine Schulter und

schaute Ihn lange dabei an.

Ihm wurde ganz kalt im K├Ârper, was ihn etwas erstarren lie├č. Aber brav wie er war, als treuer Sklave rezitierte er noch einmal.

Youssef umarmte Ihn anschlie├čend und sagte ganz leiseÔÇťYa Musa,du bist freiÔÇť

Yamous starrte seinen Herrn an. Dieser senkte den Kopf und deutete auf seine Kleider.

Langsam zog er sich aus und ├╝berreichte diese. Das Letzte was Ihn noch mit dieser Welt verbunden hatte.

ÔÇ×YallahÔÇť dr├Ąngte dann die Herrin und

machte eine Handbewegung, welcher auf die W├╝ste deutete.

Nun beschritt er den letzten Weg eines Sklaven, nackt mit seinem al- ten K├Ârper, verbrannt von der Sonne.

Noch drei tage ging er von Zelt zu Zelt, und bot seine Dienste an. Doch niemand wollte Ihn haben. Nahrung und Wasser sind knapp, niemand w├╝rde das verschwenden wollen.

Letztendlich setzte er sich an den Zelteingang, und lauschte. Lauschte nach dem Leben, wo er kein Platz mehr fand.

Der Athan ert├Ânte als die Sonne sich senkte am Horizont, Samir,einer der j├╝ngeren rief Ihn aus.

Lieblich klang Youssefs Stimme beim

Rezitieren der Sura Al Waquiah. Yamous wusste, das war f├╝r Ihn. Und nur f├╝r Ihn.

Ohne irgendeinen Ton von sich zu geben, stand er dann auf,und ging langsam auf die D├╝nen zu.

Es war Dunkel, kalt, Schatten der D├╝nen zeichneten sich ab. Nur ein paar Sterne waren zu sehen, und sonst nichts.

Der Wind schmiegte sich an sein K├Ârper, und legte sich Wortlos in den Sand.

ÔÇ×Von Staub sind wir und zu Staub werden wirÔÇť dachte er ein letztes- mal und blieb ruhig. F├╝r immer.

Nie wieder bewegte sich Yamous, nie wieder ritt er auf einem Kamel, oder rezitierte eine Sure.

Nie wieder erklang seine Stimme. Und

die W├╝ste wurde still.

Noch zwei Tage gingen die Kinder hinaus, und sahen nach Ihm. Ob er

sich wohl noch bewegte. Keines von Ihnen lachte oder kicherte da-

bei.

Die Karawane zog weiter, und zur├╝ckblieb Yamous bis er zu Staub

verfiel.

Und die Zeit verging. Doch was ist das schon, Zeit in der endlosen

Weite. Allein was z├Ąhlt, ist doch das Leben.

Zwei Tage sind Sie weitergezogen, in Richtung S├╝den. Bald k├Ânnten

Sie Timbouktou erreichen. Die Stadt der H├Ąndler, Berber und allerlei

Gaukler.

Verzierte T├╝ren weisen den Stand der Familie und rufen zur Achtung

auf. Es gab Reiche und weniger wohlhabende in dieser Stadt. Aben-

teurer und Tr├Ąumer. Und solche welche irgendwelchen Sch├Ątzen

nachjagen um eines der verlorenen Karawanen wieder zufinden wel-

che Legenden zu Leben hervorrufen.

Auch Youssef war einst unter Ihnen, als der Handel mit den schwar-

zen nicht mehr lief.

Wei├če H├Ąndler kauften zwar alles was Sie nur kriegen konnten doch

zahlten nicht viel.

Jedenfalls nicht genug f├╝r einen

Nomaden der jeden Dirham wieder

in Nahrungsmittel stecken muss nur, um zu ├╝berleben. M├Ąrchenerz├Ąhler gab es viele welche sich, als Ortskundige ausgaben und gro├če Sch├Ątze in der W├╝ste versprachen. Jedenfalls hoffte Yous- sef, etwas zu finden, was sein Leben ├Ąndern w├╝rde.

Ge├Ąndert hat sich etwas, aber auf anderer weise.

Sie kamen in einen Sandsturm und verloren Ihre Kamele. Und waren

allein zur├╝ckgeblieben in der Hitze.

Yamous trug Ihn heraus aus der Leere, und aus dem Staub.

Er rettete damals sein Leben. Fortan waren Sie fast unzertrennlich.

Und verbrachten so viele Jahre, bezwangen Die Handelsrouten und

die M├Ąrkte ganz bis nach ├ägypten.

Doch nun trennten sich Ihre Wege.

Schicksal und Tradition, ungeschriebene Gesetze zerspaltenen hier

zwei Menschenleben.

Yamous war zwar ein treuer Diener, doch war er niemals ein Ihlan.

Es war nicht ├╝blich seine Diener zu behalten, so wie es die Touareg

taten. So musste er seiner Frau nachgeben, wozu behalten. Er ist alt

und nutzlos. Wozu noch durchf├╝ttern.

Was konnte dieser denn noch f├╝r Leistung bringen. Selbst die kleinen

Salz kegel waren mittlerweile zu schwer

f├╝r Ihn, und der Weg durch

den Sand beschwerlich.

Seit einem Jahr konnte sogar Selim lesen und schreiben, f├╝r so etwas

brauchte man doch keinen Sklaven.

Die Sonne senkte sich und Halida wurde zu nehmend unruhig. Sie

brauchten nicht eilen denn die Stadt ist ja ohnehin nicht mehr weit.

Schon am n├Ąchsten Tag k├Ânnten Sie es erreichen.

Doch Youssef ritt weiter, bewegungslor voran.

Seit Sie den Sklaven zur├╝ckgelassen haben sagte er keinen Ton mehr.

Er ritt weiter, immer weiter. Auch er ist, alt geworden.

Was f├╝r einen wert hatte denn ein Berber, ein Araber, ein Jude?

Hatte man ├╝berhaupt einen Wert?

Oder zahlte man nur deswegen f├╝r Menschen, weil es andere auch

taten?

Youssef wusste es auch nicht besser. Schon sein Vater und Gro├čvater

trieben so Handel und brachten es schlie├člich zu einem beachtlichen

Reichtum.

Es wurde immer Baraka genannt und niemals Haram.

Allah segnet die seinen und die Ihn anbeten. Doch Sklaven beten ihn

doch auch an.

Noch bevor die Sonnenstrahlen den Sand

verf├Ąrbte, fiel Youssef re-

gungslos von seinem Tier.

Leblos blieb er liegen.

In seiner Seite steckte ein Messer, ein uraltes St├╝ck der Ahnen.

Die Karawane hielt an, und Halida hielt seinen kopf, w├Ąhrend das

gr├Â├čte Wehklagen begann ,was jemals die W├╝ste vernommen hatte.

Youssef blickte in den Himmel und fl├╝sterte seine letzten Worte ÔÇ×Ya

MusaÔÇť

Er starb nicht allein, doch seine Seele blieb es, wie ein Ghiri der am

Lagerfeuer nach seinen opfer sucht.

Doch er suchte die Seele seines Freundes, seines Bruders und Skla-

ven.

ÔÇ×Ya MusaÔÇť

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Hörbuch

Über den Autor

Nitish
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Nitish War aber eher eine Technische Sache.war nicht leicht den Text hochzuladen.Ich habe dann mal so gelassen.
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Apollinaris Guter Text mit ein paar Trennungsstrichen zuviel/unnötig die ich las. :)
Vergangene Woche - Antworten
Nitish Macht ja nichts.Solange die Geschichte gefallen hat.
Vergangene Woche - Antworten
Ninamy67 Sehr sogar! Wirklich sehr berührend! Ich hab die Figuren vor mir gesehen und fand auch das orientalische besonders schön....
Vergangene Woche - Antworten
Ninamy67 Das ist eine sehr gute und sehr berührende Kurzgeschichte! Wirklich toll!!
Da ich dir schon coins für deinen Kommentar gegeben hatte, hab ich jetzt ne Coinsperre!

LG
Nina
Vergangene Woche - Antworten
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