Kurzgeschichte
Auf dem Speicher - Schreibparty 75

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"Auf dem Speicher - Schreibparty 75"
Veröffentlicht am 11. März 2019, 12 Seiten
Kategorie Kurzgeschichte
© Umschlag Bildmaterial: Selnstgemaltes Bild
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Über den Autor:

Ich lebe im südwestlichen Rheinland auf dem Lande. Kleine Geschichten und kurze Biografien finde ihr auf meinen Profil. Freue mich über jeden Kommentar.
Auf dem Speicher - Schreibparty 75

Auf dem Speicher - Schreibparty 75

                   Schreibparty 75


                  Auf dem Speicher

                          von

                       Schnief


Thema: Geheimnisse

Wortvorgaben:

Synapsen Hinterstübchen Brabbelbrabbel Truhe Briefumschlag Schlüssel Erinnern Planen finden


Coverbild, selbst gemalt und am PC bearbeitet

Martha, die auf Wunsch ihrer Mutter, die an mehreren Synapsen erkrankt war und deshalb die steile Stiege zum Speicher nicht mehr hinaufklimmen konnte, kletterte hinauf. Auf eine harte Probe wurde Martha gestellt, als sie auf dem Speicher sich durch die vielen Spinngewebe kämpfte. Da ihre Mutter viele Gegenstande unter Planen wie Kisten mit Kleidung und Gegenstände vor Staub schützen wollte, fand sie die Truhe, in der die Osterkörben zu finden seien, nicht auf Anhieb.

Nachdem sie etliche Spinngewebe entfernt hatte, stand sie endlich vor der Truhe. Rasch wollte sie diese öffnen, aber der Deckel ließ sich einfach nicht

hochklappen. „Auch das noch“, dachte Martha, während sie die Truhe näher betrachtete. Sie lief zur Stiege zurück, dort rief sie:

„Mama, wo ist der der Schlüssel, die Truhe ist verschlossen?“

Es dauert ein wenig, bis ihre Mutter antwortete, aber zu ihrem Leidwesen verstand Martha nur ein Brabelbrabbel und Gesprächsfetzen des mit überdimensionalen Lautstärke eingestellten Fernsehers. Sie schlug die Hände vors Gesicht, gleichzeitigt ratterte es in ihrem Hinterstübchen. „Mein Gott, ich werde alt“, dachte sie in diesem Augenblick, trat eine Schritt nach rechts,

dort hing ein kleines Kästen an einem Stützbalken, das sie bereits aus ihrer Kindheit kannte, doch erst in der Jugend lernte sie den Inhalt des Kästchens kennen.

 

Rasch wollte sie den Schlüssel aus dem Kästchen entnehmen, doch dort befanden sich mehrere. Kurzerhand schnappte sie sich alle und ging hinüber zur Truhe. Der dritte Schlüssel passte.

„Welch ein Wunder, normal passt doch der Letzte“, dachte Martha und drehte den Schlüssel. Sekunden später hob sie den Deckel und lauter Tischdecken stachen ihr in die Augen.

„Jetzt fehlt noch, dass ich die falsche

Truhe erwischt habe“, sprach sie leise vor Entzückung aus. Sie hob die ersten Tischdecken hoch, doch da erblickte sie die Ränder von den uralten Osterkörbchen ihrer Kindheit. Vorsichtig zog sie die Körbchen heraus, dabei fiel  ein bunt bemalter Briefumschlag auf dem Boden. Nachdem  sie die Körbchen auf den Boden gestellt und die Tischdecken, die ihr langsam vom Arm rutschten, wieder in die Truhe gelegt hatte, hob sie den Briefumschlag auf. Sie staunte nicht schlecht und bekam große Augen, als sie dem Umschlag umdrehte.

An Martha, erst im Jahr 2019 öffnen!


Martha konnte nicht anders, obwohl ihr es leicht fröstelte, da der Speicher doch unbeheizt war, wurde es ihr warm ums Herz. Sofort schaute sie sich um und suchte sie etwas, womit sie den Umschlag öffnen konnte. Endlich erblickte sie etwas  und steuerte darauf zu. Prompt übersah sie das herrlich gewebte Spinnennetz, das sie sich leicht fluchend aus dem Gesicht und Haaren riss. Schnell fasste sie den Schraubenzieher, der lose neben einer Kiste lag.
Vorsichtig und total neugierig öffnete sie den Briefumschlag und mit etwas zittrigen Finger zog sie den Brief heraus. Hockend begann sie zu lesen.

Meine liebe Martha,
diesen Brief wirst du erst nach 50 Jahren lesen, das hat mir deine liebe Mutter versprochen.

Da unsere Mütter die gleiche der Krabbelgruppe für ihre Kinder aussuchen, haben wir uns dort angefreundet. Seitdem sind wir unzertrennlich, im Kindergarten backten wir im Sandkasten die schönsten und größten Sandkuchen, die es auf der Erde gibt. Erinnerst du dich an die Streiche, die wir dort anstellten, wir füllten  Limoflaschen mit Toilettenwasser und Brause.  Die blöden Jungen Jens und Bernd, die uns immer ärgerten, haben

dann genussvoll das getrunken. Wir konnten da nicht mehr vor lauter Kichern.  Wir sind ein Gespann, richtige Freundinnen, dass wir dann letzte Woche unserer Lehrerin ein Pupskissen auf den Stuhl legten. Man, was haben wir und die Klasse gelacht. Auch Frau Licht fand es lustig und pupste, was das Zeug hielt.

 
Deine Mutter habe ich zu Meiner sagen hören, die Zwei sind ein Paar, dass immer die gleichen Interessen an Unsinn planen, doch zum Glück sind beide neidlos. Was bedeutet neidlos, ach, egal, irgendwann weiß ich es und kann ja schlecht jetzt fragen.

Ich hoffe, wir werden uns nie aus den

Augen verlieren, auch dann nicht, wenn wir verheiratet sind.

Deine Caroline

Martha bekam feuchte Augen, wischte sich eine Träne aus den Augenwinkeln. Vorsichtig steckte sie den Brief wieder in den Umschlag und schluckte noch einmal, bevor sie aufstand.
Schnell klappte sie noch den Deckel der Truhe zu,  schnappte sie sich die auf dem Boden stehenden Körbchen und ging hinüber zur Stiege. Während sie die Schlüssel in das Kästchen räumte, dachte sie an Caroline. Ja ihre Lebenswege hatten sich in der Jugend getrennt, so

dass sie sich aus den Augen verloren hatten.

Von unten drang ein Stimmengewirr herauf. „Dieser laute Fernseher, ich muss dringend mit der Mutter zum Akustiker, sie braucht ein Hörgerät“, dachte Martha, als sie die Stiege hinunterstieg.
Doch als sie die Tür zum Wohnraum öffnete, blieb ihr fast das Herz stehen, da stand doch mit einem Lächeln im Gesicht Caroline.

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Ninamy67 Eine weitere schöne Speichergeschichte! Es haben sich ein paar kleine Fehlerteufel eingefunden...ansonsten aber sehr schöne Geschichte!

LG
Nina
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GertraudW 
Liebe Manuela,
Deine Erinnerungen sind immer wieder schön zu lesen.
Liebe Grüße und einen schönen Tag
Gertraud
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Friedemann 
Liebe Manuela,
eine herzbewegende und sehr berührende Geschichte. Denn mich erinnert sie ein wenig an unsere Kindheit, als meine Schwester und ich gerne auf dem Speicher unserer Großeltern (die dies garnicht gern sahen) herumstöberten und nach verstaubten und vergessenen Schätzen fahndeten.

Liebe Grüße,
Friedemann
Vergangene Woche - Antworten
Brubeckfan Das hast Du anschaulich und locker geschrieben, mit schönen Formulierungen und stimmungsvollem Titelblatt.

Das war Eau de toilette, ja?

Und wenn Du nun die 2. Schachtel des 1. Satzes schließen könntest ... "die auf Wunsch ihrer Mutter" hängt in der Luft.

Viele Grüße,
Gerd
Vergangene Woche - Antworten
schnief Das freut mich sehr und ich danke, dir vielmals
Leider ist mir nichts mehr aufgefallen und da ich es bereits verlinkt habe, warte ich mit der Korrektur bis nach der Party.
Viele Grüße Manuela
Vergangene Woche - Antworten
EvchenM Zeilen mit Gefühl geschnitzt. Und spitzgörischen Humor beigegeben, wie ich es mag.
Gefällt mir wirklich sehr.
Vergangene Woche - Antworten
schnief Das freut mich sehr und ich danke dir vielmals.
Liebe Grüße Manuela
Vergangene Woche - Antworten
Darkjuls Herzerwärmend, schön, dass Du wieder dabei bist. LG Marina
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schnief Das freut mich und ich bin gerne dabei.
LG Manuela
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