Kinderbücher
Der Troggelbog

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"Für alle die genau wie ich keinen Koriander mögen!"
Veröffentlicht am 12. März 2019, 26 Seiten
Kategorie Kinderbücher
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Über den Autor:

1967 in Hamburg geboren, seit 1988 verheiratet, Mutter von 5 Kindern
Für alle die genau wie ich keinen Koriander mögen!

Der Troggelbog

Troggelbog


Jeder Mensch hat schon mal etwas von Zwergen gehört. Selbst wenn man noch nie einen echten zu Gesicht bekommen hat, weiß man auf alle Fälle wie zum Beispiel ein Gartenzwerg aussieht. Diese stehen ja in so manchem Garten, mal aus Plastik, mal aus Ton. Oft bunt bemalt und nicht immer ein Fall guten Geschmacks des Gartenbesitzers Aber einen Troggelbog, tja....den hat bestimmt nur selten jemand kennengelernt, oder wenigstens

gesehen. Eine Erwähnung über Troggelbogs wird man selbst bei Google nicht finden. Ich muss es ja wissen, denn ich hab es ausprobiert. Dabei wäre jedwede Auskunft über besagte Wesen sehr wichtig für mich gewesen, denn immerhin hatte ich ja einen in meinem Garten entdeckt. Und das kam so... Es war an einem wirklich warmen Sommertag und ich saß auf meinem bequemsten Gartenstuhl im Schatten und hatte ein großes Glas leckerer Zitronenlimonade mit Eiswürfeln in meiner Hand.

Mit der anderen Hand blätterte ich dabei in einer albernen Frauenzeitschrift herum. Während ich den äußerst wichtigen journalistischen Artikel --warum trägt Brad Pitt noch immer einen Bart-- las, bemerkte ich aus den Augenwinkeln heraus eine Bewegung in meinem Kräuterbeet. Etwas irritiert hefteten sich meine Blicke auf die Kräuter die ich dort angepflanzt hatte. Erst raschelte etwas bei der krausen Petersilie, anschließend beim Schnittlauch und danach beim Koriander. War es vielleicht eine Maus? Oder eine Amsel?

Es wurde still. Als ich eben wieder anfangen wollte zu lesen, hörte ich plötzlich laut und deutlich einen...Pups. Ja, ihr habt richtig gelesen. In meinem Kräuterbeet hatte jemand deutlich gepupst. Ich schnupperte. Eine Welle eigenartigen Geruches zog an mir vorbei. Etwa wie gegorene Kräuter. Ich fand das zwar seltsam, aber nun auch nicht besonders auffällig. Also zuckte ich mit den Achseln und las

weiter. “Brrooorrpppfffffffft”.... Da! Schon wieder! Und diesmal auch wesentlich lauter.

Das Dumme war, dass ich keine Ahnung hatte wer oder was da im Garten noch pupsen konnte -außer mir selber natürlich!(Und ich sag es gleich...ich war's nicht!!!)- soweit ich wusste, war ich hier im Garten alleine. Meine Hündin Biggi, eine kleine dreifarbige Beagledame, konnte es nicht gewesen sein. Die lag nämlich im Wohnzimmer und hörte leise Vivaldi. Die

vier Jahreszeiten. Sie liebt klassische Musik an warmen Sommer-Nachmittagen. Außerdem hätte ich Biggis Pups sofort wiedererkannt, denn ich kann mit absoluter Sicherheit behaupten, dass er bestimmt nicht nach gegorenen Kräutern riecht, sondern nach....nun, ähm....lassen wir das! Ich machte also was man so macht, wenn man jemanden im eigenen Garten pupsen hört. Ich fragte empört „Na! Also was sollte das denn?!“ Und bekam auch prompt eine Antwort mit der ich eigentlich nicht gerechnet

hatte. „Entschuldigung, aber schon der Geruch von Stinkekraut verursacht bei mir sofortigen Grummelbauch!“ kam eine knarzige Stimme direkt aus meinem Beet. Ich starrte in die Richtung der Stimme und sah....tja, wie soll ich das am besten beschreiben? Zunächst dachte ich, es wäre ein Stein. Aber Steine haben ja bekanntlich keine Köpfe. Oder Arme, oder kurze krumme Beine. Sie haben auch keine Augen oder gar abstehende Ohren und vor allen Dingen : Steine sprechen nicht! Was ich sah war ein kleines,

graubraunes, steinähnliches Wesen, mit etwas zu kurz geratenen krummen Beinen, muskulösen Armen und zu großen Händen. Sein runzeliger Kopf hatte zwei große Kulleraugen, einen knollenartigen Auswuchs der wohl die Nase war, abstehende Ohren die aussahen wie zusammengeknüllte, braune Herbstblätter und einen Schmollmund aus dem kleine spitze Zähne hervorlugten. Der kleine Kerl sah mich etwas unglücklich an während er nervös seine Finger knetete. Man konnte ihm ansehen wie peinlich ihm das Ganze war. Ich musste mich erst mal fassen. Dann fragte

ich, “Wer ….oder besser WAS bist Du denn für einer? Und was ist Stinkekraut??” Unter anderen Umständen hätte ich vielleicht auch was Klügeres oder Interessanteres gefragt, wenn ich nicht so verdattert gewesen wäre. “Ich bin ein Troggelbog.” erwiderte er. “ Ein was??” “ Ein Troggelbog!” “Tut mir leid, ich habe nicht die geringste Ahnung was das sein soll..” Er rollte mit den Augen als hätte er diese Frage schon hundertmal beantwortet und seufzte, “Ihr Menschlinge nennt uns manchmal Trolle, oder Kobolde und auch gerne mal

Wichtel, aber das sind wir nicht! Ich und die meinen, wir sind ur-echte Troggelbogs, mit Verlaub!” Das kleine Wesen, wollte gerade noch etwas hinzufügen, als sein Bauch wieder anfing kräftig zu grollen. “Oh je!” sprach es und pupste noch einmal. Der Geruch von gegorenem Koriander erfüllte jetzt den gesamten Garten und es stank ungemein. Mir tränten die Augen. Das also meinte er mit Stinkekraut. Koriander!! Normalerweise mochte ich dieses Kraut auch nicht besonders und auch diesmal hatte ich ihn nur angepflanzt, weil mein Mann das falsche Samentütchen gekauft

hatte. Statt glatter Petersilie hatte ich nun dieses Pups-erzeugende Zeug im Kräuterbeet stehen.

Nach diesem Gestank mochte ich es sogar noch weniger als vorher. “Was um Himmels Willen....” “Es tut mir wirklich erschröckerlich leid”, erklärte der Troggelbog, “Aber deswegen bin ich ja doch hier!” “Ernst jetzt? Um im Garten rumzupupsen??” “Mitnichtens! Es ist nur weil wir Troggelbogs Grummelbäuche kriegen wenn wir Stinkekraut auch nur riechen. Hier in unserem Garten gab es vorher nie welches und wir lebten sehr zufrieden in unserer Wurzelhöhle unter dem Beet.

Aber dann habt ihr Menschlinge das Stinkekraut angepflanzt und die Wurzeln hängen jetzt bei uns durch die Höhlendecke! Es ist schröckerlich! Unsere kleinen Troggelbogs pupsen die ganze Nacht hindurch....es ist nicht zum Aushalten!” “Ich bitte um Entschuldigung, aber...äh..soll das heißen du bist nicht der einzige Troggelbog sondern ihr seid eine ganze Familie und lebt unter meinem Beet in einer Höhle?” “Ja, meine Toggelbogdame und ich haben zehn Nachwuchslinge!” erklärte er mir stolz. “Unsere kleinen Troggelbogs sind so sehr

wundervollig!” Das Wesen hatte eine sehr eigene Art sich auszudrücken. Es klang drollig, “Wie genau kann ich euch denn jetzt helfen?” fragte ich . “Werdet bitte das Stinkekraut los”, ächzte der kleine Kerl und rieb sich den Bauch, der weiterhin laut vor sich hin blubberte und gluggerte. “Ich wollte ihn gerade daselbst herauszupfen, aber ihr habt ja gemerkt was dann passiert!” Oh ja, das hatte ich und wollte auf keinen Fall, dass es so weiter ging. “Gut”, erklärte ich, “wird sofort erledigt. Aber vielleicht solltet ihr solange aus

eurer Höhle wegbleiben. Ihr könntet ja eine Weile auf meinem Gartenstuhl Platz nehmen.” Der Troggelbog sah mich erfreut an. “Ja, ich hole alle meine kleinen Troggelbogs und meine Troggelbogdame, dann setzen wir uns auf das Stuhldingling und warten bis ihr das Stinkekraut ganz weg gemacht habt!” Ich ging in den Keller und holte mir meine Gartenhandschuhe und einen Korb. Ich würde den geernteten Koriander meinen Nachbarn schenken, die liebten Kräuter jeder Art. Noch während ich meine Gartenutensilien zusammensuchte, hörte

ich aus dem Garten lautes Gekreisch...und Oh Schreck....lautes Hundegebell. Biggi war also doch in den Garten gekommen. Laut rufend lief ich in Richtung Stuhl. Auf ihm stand die gesamte Troggelbogfamilie an die Lehne gepresst, während Vater Troggelbog an dessen Rand stand und versuchte Biggis feuchtkalte Hundenase mit Hilfe eines Stockes fernzuhalten. Er fuchtelte wild vor ihrer Nase herum und das regte sie natürlich noch mehr auf. Die kleinen Troggelbogs hatten sich alle um ihre Mutter gescharrt und hielten sich jammernd an ihr

fest. Mit einem schnellen Griff hielt ich Biggi am Halsband fest. “Ganz ruhig, ganz ruhig! Biggi tut nichts, die ist nur neugierig!” probierte ich allen zu erklären. Doch Vater Troggelbog drehte jetzt den Stock um und deutete dann abrupt auf Biggis Kopf. “Oh,oh,oh”, sagte er. “dieser Hundeling, ist eine Gefahr für meine Kleinen!” Es war nicht nur ein einfacher Holzstock, bemerkte ich plötzlich. Er hatte eine Gabelung in deren Mitte ein runder honigfarbener Bernstein eingelassen war, der im Sonnenlicht glitzerte und kleine Blitze zu sprühen schien.

Er hielt ihn weiterhin in Biggis Richtung und dabei brummte er, “Troggelidum, troggelida...tereggel, taraggel... kadumm!” ...und noch bevor ich es verhindern konnte, war aus Biggi ein aufgeregt flatterndes, dreifarbiges Huhn geworden. „Hey!” rief ich empört.”Verwandele gefälligst meinen Hund....äh....Huhn wieder zurück in meinen Hund!” Das Biggi-Huhn rannte flügelschlagend und laut gackernd in Richtung Haus und ich rannte händeringend und laut schimpfend hinterher. Es dauerte eine ganze Weile bis ich es

eingefangen hatte. Nachdem ich es einige Runden um den Tisch gejagt hatte, verkroch es sich in den hintersten Winkel unter der Küchenbank und gluckste nur hin und wieder leise. Damit Biggi mir nicht nochmal entwischte, sperrte ich es ins Schlafzimmer, insbrünstig hoffend sie würde nicht allzuviel Dreck machen. Bevor ich wieder in den Garten zurückging, beschloss ich das Wort “Troggelbog” noch schnell zu googeln , doch ich konnte partout nichts zu diesem Thema finden. Ich hatte vor es mir vorzuknöpfen. Ich wollte unbedingt meinen Hund wieder

haben. Andererseits war ich auch etwas besorgt. Wenn der Troggelbog wütend auf mich würde, konnte er mich ja vielleicht auch in ein Huhn verwandeln. Oder in sonst ein Tier. Und wie sollte ich das dann meinem Mann und der restlichen Familie erklären?! Familie Troggelbog stand immer noch auf meinem Gartenstuhl. Es war wohl die seltsamste Gruppe die ich je in meinem Leben gesehen hatte. Die Kleinen sahen aus wie eine Handvoll hüpfender, grauer Kartoffeln, die ganz ungemein quietschten. Mama Troggelbog war in etwa doppelt so breit und rund wie ihr Mann. Sie wogte hin und her und

beruhigte ihren Nachwuchs soweit es ging. Vater Troggelbog stand mit verschränkten Armen am Rande des Stuhls. Sein Stock war weit und breit nirgends zu sehen. “Das wäre wirklich nicht nötig gewesen! Biggi hätte euch nichts getan!” “Hundlinge und Katzlinge sind unsere größten Feinde. Große Mäuler, scharfe Zähne”, knurrte er grimmig, “viele Troggelbogs wandeln in den ewigen Baumgärten, nur wegen ihnen!” erklärte er und machte eine bedauernde Geste in die Richtung meines Apfelbaumes. Gab es dort etwa einen Troggelbog-Friedhof von dem ich nichts

wusste?? “Das tut mir natürlich sehr leid...”, erklärte ich. Was hätte ich auch sonst dazu sagen sollen?! “Also, wenn ich jetzt den Koriander verschwinden lasse, werdet ihr dann meine Biggi wieder zurückverwandeln? Sie wird euch auch ganz bestimmt nichts tun!” “Hundlingen kann man nicht vertrauen!” “Meiner Biggi schon. Außerdem müsst ihr ja nicht ihr vertrauen, sondern mir.” “Ich werde überlegen,” grummelte der Troggelbog und sah mich herausfordernd an. Ich begab mich zu meinem Kräuterbeet und rupfte alles was an Koriander

angepflanzt war heraus. Alles kam in das Körbchen und ich trug es in die Küche. Den Nachbarn würde ich das Zeug dann später bringen. Als ich wieder zurückging, war der Gartenstuhl leer. Die Familie Troggelbog war nirgendwo zu entdecken. Ich ging zum Beet und sucht nach irgendeinem Hinweis. Oder einem Loch. Denn schließlich hatte er ja von einer Höhle unter meinem Beet gesprochen. Aber obwohl ich äußerst gründlich suchte und sogar ein bisschen in der Erde herum buddelte, fand ich nichts das auf eine Höhle auch nur im Geringsten hinwies. Ich kratze an meinem Kopf. Hatte ich mir das Ganze

etwa nur eingebildet oder träumte ich? Ich kniff mir selber in den Arm. Autsch! Nein, ich war bestimmt wach. Dreck von meiner Jeans klopfend, ging ich ins Haus zurück und in mein Schlafzimmer. Als ich die Tür öffnete, starrte mich meine Beagle-Biggi mit ihren treuen braunen Augen fragend an und gähnte. “Ohhhh! Meine süsse Kleine!!” rief ich entzückt aus. “Der Troggelbog hat dich doch wieder zurückverwandelt!” Biggi lief hechelnd an mir vorbei in Richtung Fressnapf und machte sich glücklich über ihr Futter her. Leise staunend ging ich in die Küche. Ich schüttelte meinen Kopf und sah zum

Küchenfenster hinaus zum Beet. Da....eine Bewegung im Schnittlauch. Ich guckte genauer hin, aber was auch immer dort gewesen sein mochte, es war verschwunden. Ich nahm den Korb voller geernteten Koriander um ihn in den Keller zu bringen.


Das Kraut roch wirklich schrecklich, auch ohne Troggelbog-Gepupse.

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Über den Autor

Ninamy67
1967 in Hamburg geboren, seit 1988 verheiratet, Mutter von 5 Kindern

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FLEURdelaCOEUR 
Ich mag Koriander gern und habe erstmal ganz vorsichtig, mit nur einem Auge gelesen ... Aber mir ist nix passiert, außer dass mir diese Geschichte von dir auch wieder sehr gefällt! :-)
LG fleur
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Ninamy67 Hahaha...ja, Koriander ist ein Weltenspalter! Man mag ihn oder hasst ihn!
Gut das du sie trotzdem mochtest...

LG
Nina
Und natürlich, wie immer gibts ne Coinsperre :/
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KaraList Eine zauberhafte Kindergeschichte ... und nicht nur für Kinder, liebe Nina.
So ein kleines Troggelbog-Zauberwesen im Garten belebt. :-) Jetzt ist es schon dunkel, aber morgen schaue ich nach, ob sich in meinem Kräuterbeet auch so ein drolliger Gast versteckt hat.
LG
Kara
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Ninamy67 Tja.. dann hoffe ich du findest einen. Falls du allerdings Haustiere hast, aufgepasst!!!

LG
Nina
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baesta Eine wundervoll geschriebene Kindergeschichte.
Als unser Sohn noch klein war, musste ich ihm auch immer selbst erfundene Zwergengeschichten erzählen. Leider habe ich diese nie aufgeschrieben und nun, nach 40 jahren kann ich mich nicht mehr erinnern.

LG Bärbel
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Ninamy67 Das ist echt schade...Aber wer weiß, vielleicht fällt dir doch die eine oder andre wieder ein ;)

LG
Nina
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baesta Wenn ich Enkelkinder hätte, würde ich vielleicht nochmal in meinem Hirnkästchen in der hintersten Ecke noch mal kramen, aber leider.
LG Bärbel
Vergangene Woche - Antworten
Ninamy67 Ich hab leider auch noch keine! Aber was nicht ist kann ja noch werden, oder?!

LG
Nina
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Memory 
Durch und durch ein Lesespaß!
Ab heute sehe (und rieche) ich Koriander mit ganz neuen Augen :)))
Lieben Gruß
Sabine
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Gast Hahahahah....ja...das freut mich sehr!
LG
Nina
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