Romane & Erzählungen
Das Brot von Daniels #1

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"Das Brot von Daniels #1"
Veröffentlicht am 16. Januar 2019, 10 Seiten
Kategorie Romane & Erzählungen
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Das Schreiben macht mir Freude
Das Brot von Daniels #1

Das Brot von Daniels #1

Die Sommerferien hatten gerade begonnen und Fallmount erlebte den hei├česten Juni seit Beginn der Wetteraufzeichnung. Der Rasen war zum Teil schon jetzt verbrannt und es sah so aus, als ob bis zum Ende des Sommers kaum noch ein Fleckchen gr├╝n ├╝brig bleiben w├╝rde. Viele Leute hatten sich Rasensprenger gekauft, um wenigstens ihren eigenen Garten vor diesem Schicksal zu bewahren. ├ťberall im ganzen Ort bew├Ąsserten Rasensprenger die Vorg├Ąrten, Kinder und Hunde rannten durch das k├╝hle Nass, tobten und k├╝hlten sich ab. Fallmount war ein kleiner Ort, nicht mehr als zweitausend Einwohner, und es gab hier wenig zu tun. Es gab eine ├Ârtliche Gesamtschule, ein paar L├Ąden, in denen man Lebensmittel kaufen konnte, und - das war die gr├Â├čte Attraktion, die Fallmount zu bieten hatte - ein Kino. In diesem Sommer hatten allerdings wenige Menschen Lust auf einen Kino-Besuch. Die Meisten h├Ątten das Kino sofort eingetauscht f├╝r ein Freibad. Das

war jedenfalls, was Bobby Smith momentan am liebsten getan h├Ątte. Ein Schwimmbad w├Ąre genau das Richtige. Mit einer Bude, an der man Eis kaufen konnte oder Pommes. Bobby fand n├Ąmlich, er war zu alt, um in einem Planschbecken vor dem Haus zu hocken. Immerhin war er vor Kurzem zw├Âlf geworden. Er sa├č gerade mit seinem besten Freund Oliver, der in die gleiche Klasse ging wie er, auf einer Wiese im Park im Schatten eines Baumes. "Ein Schwimmbad - Das w├Ąr's", sagte Oliver. Er warf einen kleinen Stein in Richtung eines Zaunes. Der Stein verfehlte und landete ein gutes St├╝ck davor ger├Ąuschlos im Gras. "W├Ąr viel besser als Kino", sagte Bobby. "Die zeigen eh immer dieselben Filme." "Ist auch zu hei├č da. Die haben nichtmal 'ne Klimaanlage." Bobby stand auf. "Stimmt." Er streckte sich. "Komm, lass uns was machen." Oliver schaute tr├Ąge zu ihm hoch. "Was

denn?" "Wei├č nicht, irgendwas halt. Holen wir uns 'ne Limo!" "Hab' kein Geld", sagte Oliver. "Dann teilen wir uns halt eine." Langsam stand Oliver auf. Er bewegt sich wie ein alter Mann, dachte Bobby. "Okay", sagte Oliver. In Fallmount gab es nur wenige Gesch├Ąfte. Eigentlich gab es nur einen richtigen Lebensmittelladen - dort kaufte Bobbys Eltern ein -, und ein paar kleinere L├Ąden, die S├╝├čigkeiten, Cola und solche Dinge verkauften. "Zu Harry?", frage Oliver. "Wohin denn sonst?" Die beiden Freunde verlie├čen den Park und traten auf die vor Hitze dampfende Stra├če. Hier gab es keinen Schatten. Autos gl├╝hten am Stra├čenrand; sie waren so aufgeheitzt, dass man sie kaum ber├╝hren konnte, ohne sich eine Brandblase einzuhandeln. Bobby und Oliver

schwitzten, kaum dass sie losgegangen waren. Zum Gl├╝ck war es nicht weit bis zu Harry. Ein Fu├čweg von vielleicht f├╝nf Minuten, selbst wenn man langsam ging. Und bei diesem Wetter musste man langsam gehen, wenn man keinen Sonnenstich bekommen wollte. Immerhin w├╝rden sie bei Harry eine k├╝hle Limonade bekommen, das war die M├╝he wert. Harry war ein Ladenbesitzer, ein alter, freundlicher Mann, der sich immer freute, wenn Bobby oder seine Freunde bei ihm erschienen. Eigentlich hie├č er Harald Goldmann, aber alle nannten ihn einfach nur Harry. "Echt verdammt hei├č", sagte Oliver und wischte sich den Schwei├č von der Stirn. Das brachte allerdings wenig, da immer neuer Schwei├č nachstr├Âmte. Bobby drehte sich beim Gehen zu ihm hin, sah ihn an und musste grinsen. "Du schwitzt auch wie ein Schwein." "Ist ja auch hei├č wie

Sau." Bobby kicherte. "Freu mich schon auf ne kalte Cola oder so", sagte Oliver. "Dachte eher an Root Beer." Oliver schaute Bobby an. "Ach nein", sagte er in einem k├╝nstlich emp├Ârten Tonfall "Na gut, dann eben Cola." Ein Werbe-Slogan fiel Oliver ein."Always Coca-Cola", sagte er nickend. Und sofort h├Ârte er einen Coca-Cola-Werbesong in seinem Kopf, er konnte es nicht verhindern. Oliver hatte nahezu jeden Werbespot, der im TV lief gesehen. Die meisten Menschen, die er kannte, schalteten sofort um, wenn Werbung kam - doch er nicht; er hatte einen Faible f├╝r Werbespots. Manchmal fand er die Spots unterhaltsamer, als die Sendungen, die sie unterbrachen. Es war wohl ein ungw├Âhnlicher Faible. Seine Freunde zogen ihn manchmal damit auf und er ├Ąrgerte sich jedes Mal dar├╝ber. Werbespots zu m├Âgen, das

war ganz normal, meinte er. Die waren schlie├člich oft ziemlich unterhaltsam. Sie erreichten den Laden von Harry. Der Laden lag ziemlich genau in der Mitte der Stadt, an der Hauptverkehrsstra├če, und dementsprechend herrschte hier meistens reger Betrieb. So auch heute. Es schien, als sei die halbe Stadt auf den Beinen. Leute lungerten vor Gesch├Ąften rum, unterhielten sich, und manche kamen mit vollen Einkaufst├╝ten aus dem Lebensmittelladen. Vor einem kleinen Caf├ę sa├č eine alte, dicke Frau und blickte m├╝rrisch auf die Stra├če. Sie schaute, als h├Ątte die Stra├če sie beleidigt. Die beiden Jungen betraten den Laden, Oliver ging voraus, und als die T├╝r ge├Âffnet wurde, bimmelte ein Gl├Âckchen. Harry's Laden war klein und irgendwie rustikal. Er wirkte, wie ein Relikt aus einer anderen Zeit. Es gab hier ein paar Regale, in denen sich S├╝├čigkeiten und andere Snacks stapelten, eine Eistruhe und einen gro├čen K├╝hlschrank mit Glast├╝r, in dem

Getr├Ąnkedosen standen. Harry hatte hinter dem Tresen gesessen und ein Magazin gelesen, als er das Bimmeln geh├Ârt hatte. Er stand auf und wandte sich den Jungen zu. Als er Bobby und Oliver erkannte, l├Ąchelte er. "Ah, ihr seid's", sagte er. "Wie geht's?" "Gut", sagte Bobby. Dann zeigte er auf seinen Freund, der noch immer triefte vor Schwei├č, stumm da stand und sich die nasse Stirn rieb. "Aber Oliver schwitzt wie ein Schwein." Bobby kicherte. "Ist ja auch hei├č -", begann Oliver. "- wie Sau", beendete Bobby seinen Satz. "Genau." Harry grinste. Der alte Mann schien nicht zu schwitzen, obwohl es auch im Laden ziemlich hei├č war. "Ist ein ungew├Âhnlicher Sommer, Jungs. Kann mich nicht daran erinnern, dass es hier mal so hei├č gewesen ist. Und ich hab schon 'ne Menge Sommer erlebt, das k├Ânnt ihr mir glauben." Er st├╝tzte sich auf den Tresen. "Also,

was darf's sein? Ein sch├Ânes, kaltes Eis?" "Cola", sagte Oliver sofort. Bobby nickte. "Also zwei Dosen Cola", sagte Harry. "Eine", sagte Bobby. "Wir haben nur Geld f├╝r eine Dose." Harry zwinkerte, ging zum K├╝hlschrank und nahm zwei Dosen heraus. "Eine geht aufs Haus." Er stellte die Dosen auf den Tresen. "Danke", sagte Bobby. Er kramte ein paar Geldm├╝nzen aus seiner Hosentasche, z├Ąhlte nach und gab sie Harry. "Nicht daf├╝r", sagte Harry Oliver nahm die Dosen vom Tresen. Harry z├Ąhlte das Geld nicht nach, ├Âffnete die Registrierkasse und lie├č die M├╝nzen darin verschwinden. Die beiden Jungen machten sich auf den Weg zur T├╝r. "Auf wiedersehen, Mister Goldman", sagte Oliver. "Wir oft soll ich euch noch sagen, dass ihr mich

ruhig Harry nennen k├Ânnt?" Er l├Ąchelte. "Macht mir keinen Unsinn, Jungs." Sie verlie├čen den Laden. Auf der Stra├če stand ein Jugendlicher mit Elvis-Tolle und Lederjacke. Er hatte einen Ghettoblaster bei sich, aus dem 'Barbie Girl' von Aqua dr├Âhnte.

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baesta Interessant! Werde mich bei Gelegenheit auch über die anderen "Bände" machen.
LG Bärbel
Vor langer Zeit - Antworten
Drollibaer Danke!
Hoffe, ich schaffe es, die Geschichte fertig zu bekommen, wäre sonst irgendwie unfair gegenüber jedem, der es zu lesen angefangen hat.
Gruß
Vor langer Zeit - Antworten
Buhuuuh Gut geschrieben, was ich las, mit interessantem gelungenem Cover! :)
Vor langer Zeit - Antworten
Drollibaer Danke!
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