Fantasy & Horror
Tochter der Finsternis

0
"Tochter der Finsternis"
Veröffentlicht am 10. Januar 2019, 18 Seiten
Kategorie Fantasy & Horror
© Umschlag Bildmaterial: Christas Vengel - Fotolia.com
http://www.mystorys.de

Über den Autor:

Solang ich denken kann fand ich Gefallen am Schreiben und fing früh an kleine Geschichten zu schreiben. Ich liebe es mit meiner Fantasie auf Entdeckungstour zu gehen und mich möglichst kreativ auszulassen. ^^ ...nur einziges Problem: mir wurde gesagt, dass das Schreiben mir nicht liege... da mir das Schreiben aber total Spaß macht, hoffe ich meinen Schreibstil hier durch Schreibübungen und eurem Feedback zu verbessern. Ich würde mich also sehr ...
Tochter der Finsternis

Tochter der Finsternis

KAPITEL 1

Der Vollmond hüllt die Nacht in silbernes Licht. Es ist bitterlich kalt. Der Schnee glitzert im fahlen Licht und verleiht der Nacht eine gespenstische Note. Wie eine Ferotypie aus Silber und Dunst. Durch die kahlen Äste der Bäume fällt das Mondlicht und wirft bizarre Schatten auf den Boden zu meinen Füßen. Vor meinem Gesicht tanzt mein Atem in weißen Wolken. Der Schnee knirscht unter meinem Gewicht und die Schwerter auf meinen Rücken klirren leise bei jedem Schritt. Ich hebe meinen Kopf und suche den Himmel ab. Der Vollmond ist viel zu

gefährlich. Ich muss wachsam bleiben. Mit gerunzelter Stirn mustere ich den sternenklaren Himmel. Weit und breit gibt es nicht eine einzige Wolke, lediglich der Vollmond ist zu sehen. Der Vollmond und die unendlich vielen Sterne. Sternbild um Sternbild reiht sich oben am pechschwarzen Himmelszelt aneinander. Sie erzählen Geschichten vergangener Zeiten. Zeiten von Heldenmut, von Liebe und von Gewalt. Ich mag diese Geschichten. Man kann nicht sagen, dass die Zeiten damals besser waren, aber vielleicht interessanter, zumindest für mich. Seit jener Zeit hat sich vieles verändert.

Mit müden Augen suche ich den Nachthimmel ab, bis ich schließlich das große Himmels-W finde - Kassiopeias Sternbild. Ich folge der Richtung in die sie weist und entdecke Andromeda, Kassiopeias schöne Tochter. All diese Schicksale wurden auf ewig an den Himmel gezeichnet, sodass sich jeder an ihre Geschichten erinnert. Leise schleiche ich weiter, in Gedanken immer noch bei den Sternbildern. Es ist viel zu lange her, dass die Götter ein neues Bild an den Himmel bannten. Die Zeiten haben sich wahrlich verändert, denke ich zynisch und noch ehe ich den Satz zu Ende gedacht habe, ertönt in der

Ferne ein dumpfes Donnern. Schlagartig sind die Sterne und die alten Legenden vergessen. Jetzt hellwach heften sich meine Augen an die Stelle des Horizonts, von wo das warnende Getöse herkommt. Wieder knallt es laut und diesmal stellen sich die Härchen an meinen Armen in Erwartung der drohenden Gefahr auf. Von meinen Armen ausgehend breitet sich der Schauer über meinen ganzen Körper aus und sammelt sich schließlich als nervöses Prickeln in meinem Nacken. In meinen Fingerspitzen juckt es und gegen aller Vernunft laufe ich los, der Gefahr direkt entgegen… Die dürren, kahlen Bäume bieten nicht

viel Schutz. Dennoch husche ich von Baum zu Baum und verschmelze mit den spärlichen Schatten. Lautlos wie ein Geist laufe ich geradezu unsichtbar durch den winterlichen Wald. Das entfernte Tosen wird mit jedem Schritt lauter. Bis es selbst meinen eigenen Herzschlag übertönt. Je näher ich komme, desto klarer wird das Gebrüll und einzelne Geräusche kristallisieren sich heraus. Ich höre das Brechen von Holz, das Knirschen von berstenden Metall und das Züngeln von Flammen. Am Schlimmsten jedoch sind die markerschütternde Schreie. Schreie voller Quallen. Schreie, die langsam nach und nach vom Tod

erstickt werden. Und über all dem Lärm ertönt das Tosen des Meeres, wütend und unnachgiebig. Ich wusste welches Bild mich erwarten würde und dennoch verlasse ich den spärlichen Schutz der Bäume, um mich näher an die Klippen zu schleichen. Ich gehe geduckt und lasse mich in sicherer Entfernung zu Boden fallen. Den letzten Meter robbe ich bäuchlings durch den Schnee bis zum Rand der Klippe und spähe vorsichtig in den Abgrund. Tief unter mir wütet das Meer. Die Oberfläche ist aufgewühlt und schäumt im Mondschein silbern. Zwischen den Mannshohen Wellen ist das Schiff kaum zu sehen. Immer wieder nimmt mir eine

Welle nach der anderen die Sicht, aber ich sehe trotzdem genug. Das Meer wirft das kleine Boot hin und her, so als wäre es lediglich sein Spielzeug. Der große Mast bricht unter der Wucht einer Welle entzwei. Die Segel sind bereits zerrissen und wehen in nutzlosen Fetzen im Wind. Im Rumpf des Bootes klaffen große Löcher, wodurch das Wasser in Strömen das Innere erobert. Das kleine Schiff war vermutlich einmal ein altes Fischerboot, die leeren Netze wirbeln hinter dem Schiff her. Wieder ertönt ein panischer Schrei. Widerwillen drehe ich meinen Kopf in die Richtung und suche das pechschwarze Meer ab. Nur ein kleines

Stück von mir entfernt sehe ich ihn. Einer der Fischer kämpft verzweifelt gegen die Wucht des Meeres an, doch das Meer ist unnachgiebig und reißt ihn immer weiter zu der steilen Felswand, die von gefährlichen Felsspitzen gesäumt ist. Es ist aussichtslos, das ist mir sofort klar und scheinbar im selben Moment erkennt der Fischer es auch. Kraftlos ergibt er sich dem tosenden Meer und ich schließe meine Augen als die nächste Welle seinen wehrlosen Körper mit sich reißt. Mit weiterhin geschlossenen Augen liege ich einen Moment lang einfach nur da und versuche die Bilder aus meinen Gedanken zu verbannen. Lautlos rinnen mir Tränen über die eisigen Wangen. Ich

schlucke den Kloß runter, der mir die Kehle zuschnürt. Allmählich wird der Lärm leiser. Die letzten Schreie verklingen, das Feuer verlischt, die übrigen Reste dessen was einmal ein großes Schiff war, versinken in den Tiefen des Meeres. Die Wellen werden wieder kleiner, bis das Meer wieder spiegelglatt ist. Nichts ließe einen vermuten, was hier nur wenige Minuten zuvor geschehen ist. Die Nacht ist wieder ruhig und scheinbar friedlich und dann höre ich es… ein leises Lachen, das immer lauter wird, bis es sich zu einem hysterischen Kreischen verwandelt. – Die Sirenen feiern ihre erfolgreiche Nacht.

Ich krabble bäuchlings wieder zurück und richte mich mit steifen Gliedern auf. Mein Körper fühlt sich taub an, meine Gedanken sind vernebelt und mir ist klar, dass das nur zum Teil an der Kälte liegt, die bereits langsam meine Fingerspitzen blau färbt. Wie in Trance stolpere ich vorwärts. Eine Stimme in meinen Kopf drängt mich zur Eile und ich weiß, dass sie recht hat, doch mein Körper will mir einfach nicht gehorchen. Ich muss hier weg... und das so schnell wie möglich. Schon bald tummeln sich hier einige der grausamsten Ungeheuer der Unterwelt, angelockt

durch die Schrecken der Nacht und dem verbliebenen Geruch des Todes, der noch in der Luft liegt. Ich laufe schneller, bis mein Atem keuchend die Stille durchbricht. Doch dann bleibe ich schlagartig stehen. Ich werfe einen Blick über die Schulter und stöhne leise auf. Meine Fußspuren sind im hohen Schnee deutlich zu sehen. Zu riskant, denke ich zähneknirschend und schiebe meine Hand in die Tasche. Meine Finger stoßen auf den kleinen Lederband und greifen danach. Noch während ich das Buch hervorziehe, murmele ich leise die Beschwörung. In einer einzigen fließenden Bewegung werfe ich es hoch in die Luft. Bevor das

kleine Buch wieder in Richtung Erde fallen kann, höre ich schon die dumpfen Flügelschläge und anstelle des Büchleins, landet sie mit majestätischer Anmut neben mir, das Büchlein fest in ihren messerscharfen Klauen. Während sie ihre riesige Schwingen behutsam an den Körper legt, lächelt sie mich spöttisch an. In ihren Augen glänzt Hohn und dahinter erkennt man nichts als bodenlose Bosheit. Ich nehme nicht gerne ihre Dienste in Anspruch, und dennoch ist es in der Vergangenheit eindeutig zu oft vorgekommen. Mit Harpyien Geschäfte zu machen ist ein Tanz auf Messerschneide. Diese boshaften

Geschöpfe kennen keine Loyalität, nicht einmal unter ihresgleichen. Sie bieten ihre Dienste stets denjenigen an, der ihnen das beste Angebot macht. Was jedoch auch bedeutet, dass kein Geheimnis bei ihnen wirklich sicher ist. Ich sollte daher darauf verzichten ihre Hilfe für meine geheimen Streiftouren zu nutzen. Doch anders als alle anderen Geschöpfe der Unterwelt, die lediglich Gold oder andere Kostbarkeiten als Währung akzeptieren, sind die Dienste der Harpyien vergleichsweise günstig. Ein Buch und sie gewähren einem einen Gefallen. Sicher auch Bücher sind recht schwierig zu beschaffen, aber ich habe da Mittel

und Wege, um stets ein paar in Reserve zu haben. Daher hoffe ich bei jedem Buch, dass ich bei ihnen eintausche, inständig, das nie jemand einen Verdacht hegt und die Harpyien über mich befragt. Mit dem gleichen Hoffen und Bangen klettere ich nun auf den Rücken der Harpyie und greife in des dichte, weiche Gefieder, um mich fest zuhalten. Kaum bin ich oben, breitet sie ihre gigantischen Flügel aus und schwingt sich hoch in den nächtlichen Himmel. Mit ruhigen Flügelschlägen gleiten wir durch die Nacht. Ich spähe an einem der Schwingen vorbei, auf die Welt, die scheinbar winzig tief unter uns

liegt. Der Wind zerrt an meinen Kleidern und ich muss lächeln. Okay... wenn ich ehrlich bin, nehme ich das Risiko mit den Harpyien gerne in Kauf. Auf ihren Rücken durch die Dunkelheit zu fliegen, fühlt sich gut an. Hier oben fühle ich mich freier als bei jeder meiner Versuche meinem Käfig zu entkommen. Ich wünschte wir könnten die ganze Nacht hindurch fliegen, doch viel zu schnell endet mein Ausflug. In der Ferne glitzern die silbernen Türme der Akademie im Mondlicht. Wir fliegen über das unendliche Labyrinth, das die Akademie umgibt und ich drücke mich dicht an das dunkle Gefieder der

Harpyie, damit mich niemand auf ihren Rücken entdeckt. Mit wenigen ruhigen Flügelschlägen umrundet die Harpyie die Akademie einige Male, ehe sie sich auf einen der Zinnen eines Turmes niederlässt. Unauffällig beginnt sie ihr Gefieder zu putzen. Sollte jemand sie sehen, so würde er sich nichts dabei denken und sicher sieht niemand, wie ich langsam von ihrem Rücken gleite und hinter ihr mit dem Gemäuer zu verschmelzen scheine. Ich danke ihr in Gedanken, ehe ich mich in den schmalen Gang zwänge, der mich tief ins Herz der Akademie führt und von den meisten anderen mit den Jahren

vergessen wurde.

0

Hörbuch

Über den Autor

ferderzauber
Solang ich denken kann fand ich Gefallen am Schreiben und fing früh an kleine Geschichten zu schreiben. Ich liebe es mit meiner Fantasie auf Entdeckungstour zu gehen und mich möglichst kreativ auszulassen. ^^
...nur einziges Problem: mir wurde gesagt, dass das Schreiben mir nicht liege... da mir das Schreiben aber total Spaß macht, hoffe ich meinen Schreibstil hier durch Schreibübungen und eurem Feedback zu verbessern. Ich würde mich also sehr freuen wenn ihr mir eure Meinungen sagt und mir kleine Ratschläge geben würdet ;)

Leser-Statistik
3

Leser
Quelle
Veröffentlicht am

Kommentare
Kommentar schreiben

Senden
dieFremde Hi,
Sehr schöne, bildhafte Sprache, wirklich gut erzählt und vor allem auch wirklich gute Ideen! Weckt auf jeden Fall Interesse nach mehr. Planst du diese Geschichte fortzusetzen?

Liebe Grüße, Lucy
Vergangene Woche - Antworten
Zeige mehr Kommentare
10
1
0
Senden

160564
Impressum / Nutzungsbedingungen / Datenschutzerklärung