Fantasy & Horror
Orden der roten Tränen - Kapitel 1

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"Orden der roten Tränen - Kapitel 1"
Veröffentlicht am 01. Dezember 2018, 12 Seiten
Kategorie Fantasy & Horror
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Orden der roten Tränen - Kapitel 1

Orden der roten Tränen - Kapitel 1

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Vorwort

Viele Bürger Meridianiens folgten den Ruf aus dem Norden - der Arbeit und Wohlstand versprach. Verates, ein mächtiges Reich in der bekannten Welt, hatte große Visionen. Visionen, die sie umsetzten und den Staat nicht nur geografisch zum Zentrum erklärten, sondern auch wirtschaftlich zur unangefochtenen Weltmacht erhoben. Doch während das Vermögen weniger unerlässlich stieg, litt das gemeine Volk unter der gnadenlose Mühle der Profitmaximierung. Armut und

Hungersnöte waren allgegenwertig und das Volk suchte ein Ventil, das sie in den alten Verbündeten fanden, mit denen sie einst das Land errichtet hatten.

Untern all diesen Menschen, befand sich auch Tara. Eine junge Frau, die nichts mehr hatte, die täglich ums Überleben kämpfte und die einen Weg gehen würde, den sie selbst nicht hätte sehen können.  







Kapitel 1


Das Morgenlicht erfüllte die alte Lagerhalle am Harfenviertel mit grellem Licht. Das tägliche Stimmengewirr von Händlern, die um Waren feilschten, wurde zunehmend lauter und drang allmählic hinein.


Tara, die zusammengerollt in ihrem alten, abgetragenen Umhang in einer Ecke lag, hatte bereits ihre Augenlieder aufgeschlagen. Es war einige Zeit her, dass sie eine Nacht überdacht verbracht hatte, dennoch war ihr Köper steif vor Kälte und ihr Rücken schmerzte durch den harten Boden. Instinktiv griff sie

nach ihrer Halskette und betete stumm um die Dinge, die sie nicht hatte und darum, den heutigen Tag zu überstehen.

Ein klirrendes Geräusch ertönte und die Tür der Halle öffnete sich. „Schaffe Platz für die nächste Lieferung; das Schiff läuft bald ein!“, hörte sie jemanden blaffen. Tara erkannte die Stimme, sie gehörte einem dicken Mann, den sie gestern streiten gesehen hatte, bevor sie in die Halle geschlichen war. Vermutlich der Besitzer. Langsam und lautlos erhob sie sich ein Stück und linste zwischen den Kisten und Fässern hindurch, die ihr Schutz boten.


Der vermutliche Besitzer war verschwunden. Stattdessen sah sie einen jungen Mann, der nicht viel älter als Tara selbst sein konnte. Er stand mit dem Rücken zu ihr und schien zu überlegen, wo er anfangen sollte. Taras Herz begann etwas schneller zu schlagen. Sie musste schnell hinaus und es gab nur einen Ausgang.

Sie zwang sich ruhig zu atmen und bewegte sich die Kisten zu ihrer Rechten entlang, stets bedacht den Jungen auf der anderen Seite der Halle nicht ganz aus den Augen zu verlieren. Er begann unter großer Anstrengung eine Truhe an die Wand zu schiebe, woraufhin Tara die

Gelegenheit sah. Er war weit genug entfernt, zudem abgelenkt genug.

Sie richtete sich langsam auf, verlagerte ihr Gewicht auf die Fußballen und schlich in Richtung Sicherheit. Sie traute sich nicht zu atmen, noch zu blinzeln. Beides schien ihr zu laute Geräusche zur verursachen. Nur noch wenige Meter trennte sie vom Ausgang, woraufhin sich eine gewisse Erleichterung in ihr breit machte, obwohl ihr Herz immer noch so stark in ihrer Brust hämmerte.

Aus den Metern wurden Zentimeter, doch als sie sich schon mit der Frage beschäftigte, wo sie am besten etwas zu

essen besorgen konnte, tauchte ein Mann von der Seite auf und betrat die Halle.

Perplex betrachtete er sie. Er war wesentlich älter als der Junge, vermutlich zählte er bereits über dreißig Lebensjahre. Taras Körper verfiel in eine Starre und ihr üblicher Fluchtinstinkt, auf den sie sich stets verlassen konnte, setzte aus. „Was zum großen Erbauer suchst du hier, Süden-Schlampe?!“, brüllte er, nachdem sich die Überraschung gelegt hatte. Er kam auf Tara zu, bevor sie die Kontrolle über ihre zitternden Beine zurückgewann und stieß sie mit voller Wucht.


Sie versuchte das Gleichgewicht zu halten, allerdings erfolglos. Im nächsten Moment fand sie sich schon auf dem Boden wieder. Es folgte ein Schmerz, der von ihren Kopf ausging, so stark, dass sie ihre Augen zusammenkniff. Etwas Warmes breitete sich an ihre Schläfe aus und als sie reflexartig hin griff, verstand sie, dass es Blut war. Ihre Ohren dröhnten und als der Angreifer etwas Unverständliches schrie, hörte es sich an, als ob er Meilen weit weg wäre.

Sie wollte aufstehen und so weit weg laufen, wie ihre Beine sie tragen konnten – aber sie schaffte es nicht.


Bevor sie die Kraft sammeln konnte, die sie brauchte, grub sich etwas in ihre langen dunkelbraunen Haare und riss sie mit einer Wucht hoch, dass sich Tränen in ihre Augen bildeten. Im Nächsten Momentan wurde sie vorwärts an eine Wand gedrückt, was ihr dem Atem raubte. Der Zug an ihrem Haar war so gnadenlos, dass sie ihren Kopf nach hinten neigen musste. „Drecks-Stück, hast ernsthaft geglaubt du kannst hier rein und uns die Ware klauen?“ Ohne eine Antwort abzuwarten drückte er sie noch fester gegen die Wand. „Ich bin dein Gesindel leid. Ihr klaut uns das Essen, die Arbeit und jetzt auch noch unser Hab und Gut!“

Tara hielt ihre Augen immer noch geschlossen, sie wollte ihn nicht sehen, sie wollte nicht hier sein. Nur eine Nacht ohne Sorge zu haben beklaut oder umgebracht zu werden, war das Einzige, was sie verleitet hatte, sich in die Halle zu schleichen – würde sie dafür mit ihren Leben bezahlen?

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Anna92

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tooshytowrite Sehr stimmungsvoll erzählt
lg
tooshytowrite
Vergangenes Jahr - Antworten
Newcomer Hallo Anna,
ein gut erzähltes Kapitel und ich wollte immer wissen, wie es weiter geht. Da hast du schon einmal alles richtig gemacht! Allerdings heißt es Augenlider, und die ein oder andere Formulierung hätte ich anders gemacht. Trotzdem freue ich mich schon sehr auf die nächsten Kapitel. Ich wünsche dir einen schönen, ersten Advent, liebe Grüße, Marko
Vergangenes Jahr - Antworten
Bleistift 
"Orden der roten Tränen - Kapitel 1..."
Interessanter Auftakt, ich gehe einmal davon aus,
dass nach dieser Ankündigung weitere Kapitel folgen werden?...
Freut mich, Dich wieder einmal mit einer neuen Story auf myStorys
zu sehen, liebe Anna... ...smile*
LG
Louis :-)
Vergangenes Jahr - Antworten
Anna92 Hallo, Louis!

Ich bedanke mich, dass Du bei mir vorbeigeschaut hast! Zumal ich schon länger nicht mehr hier verweilt habe :-)

Genau, es sind mehrere Kapitel geplant und hoffe sie bleiben interessant – wäre mein selbst ernanntes Ziel :-)

LG, Anna
Vergangenes Jahr - Antworten
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