Kurzgeschichte
Genug ist genug - Challeng 23

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"Genug ist genug - Challeng 23"
Veröffentlicht am 20. Januar 2018, 18 Seiten
Kategorie Kurzgeschichte
© Umschlag Bildmaterial: Patrizia Tilly - Fotolia.com
http://www.mystorys.de

Über den Autor:

Meine Leidenschaft ist das Lesen, oft kann ich nicht aufhören zu lesen bis das Buch zu Ende ist, bis tief in der Nacht. Und morgens komm ich nicht aus dem Bett ;)) schon immer spielen Bücher eine große Rolle in meinem Leben. Kleinen Geschichten habe ich immer schon geschrieben, die heute gut verwahrt in einer Schublade liegen. Manchmal nehme ich sie wieder raus, und schreibe aus ihnen eine neue Geschichte? Leider bin ich die einzige in meiner ...
Genug ist genug - Challeng 23

Genug ist genug - Challeng 23

„Herr Marek, kommen sie bitte in mein Büro,“ krächzt es in der Sprechanlage von Helmut Marek´s Werkstatt, „ ich hab da eine Frage.“ „ Was will der denn schon wieder von mir?“ meckert Helmut Marek vor sich hin. In den letzten Wochen hat ihn der Chef schon einige mal zu sich gerufen, wollte wissen, wohin welches Material, Kleidung, Ausrüstung und Maschinen gegangen sind, die er als Leiter der technischen Abteilung bestellt hat. „Der kann mich mal,“ brummt Marek weiter, „ ich mach meinen Job und er soll seinen

machen.“ Dass Rudi Beisswenger, der Chef seinen Job macht und das sehr gut, sollte Helmut Marek noch feststellen. Auf dem Weg ins Chefbüro überlegt er, was heute wohl wieder ansteht. Hat er zu viel Überstunden aufgeschrieben, die der Chef nicht nachvollziehen kann? Einen seinen Mitarbeiter zu hart ran genommen. Helmut Marek´s Mitarbeiter haben sich

in letzter Zeit öfters über seine Methoden beschwert, die Art, wie er mit ihnen umgeht, sie wegen Kleinigkeiten anfegt, runterlaufen lässt. Im Büro von Herrn Beisswenger sieht Marek gleich, um was es geht. Auf dem Schreibtisch liegt eine Rechnung von Ketten Schmidt, die Schleiferei, bei der er die Ketten und Sägeblätter von der Feuerwehr schärfen lässt. „Die Rechnung dürfen sie mir mitgeben,“

versucht er Herrn Beisswenger zu überrumpeln, „die muss ich ans Haus überweisen. Bei Ketten Schmidt lasse ich alle Sägeketten und Blätter schleifen, weil ich übers Haus einen günstigeren Preis bekomme.“ „Erst mal guten Morgen,“ behält Herr Beisswenger die Rechnung auf seinem Schreibtisch, deutet auf den Stuhl, der davor steht, „setzen sie sich bitte. Ich hab noch mehr mit ihnen zu besprechen.“

Mit einem unguten Gefühl im Bauch nimmt Helmut Marek Platz, versucht auf dem Schreibtisch auszumachen, was Herr Beisswenger wohl noch in petto hat. Sein Hirn beginnt wie besessen zu arbeiten, nach Ausreden zu suchen, wenn welche gebraucht werden. Anscheinend hat Herr Beisswenger mehr rausgefunden, als ihm lieb ist.

„Warum lügen sie mich an?“ fragt er mit einem forschen Blick, der Helmut Marek nichts Gutes ahnen lässt. „Ich lüge doch nicht,“ versucht Helmut Marek Herrn Beisswenger´s Blick stand zu halten, „ hab ihnen grade erklärt, dass ich bei Ketten Schmidt alles schärfen lasse, was zum Sägen gebraucht wird und wenn...“ „Erzählen sie mir doch keinen Müll,“ unterbricht Herr Beisswenger den

Erklärungsversuch, „sie haben für tausendsiebenhundert Euro Ketten und Sägeblätter schleifen lassen. Ich weiss, dass wir mit dem Spitalwald einen grossen Verschleiss an den Teilen haben, aber nicht für diese horrende Summe und das innerhalb der letzten Wochen.“ „Ich hab Freunde, Kollegen und Bekannte informiert, andere Firmen, deren Chefs ich kenne, um von Schmidt einen grösseren Rabatt zu bekommen,“ versucht Helmut Marek, den Preis zu erklären. „Noch einmal,“ beugt Herr Beisswenger

sich zu Helmut Marek hin, „ warum lügen sie mich an?“ „Und noch einmal, ich lüge nicht,“ trotzt der zurück, „ich habe alles zusammen kommen lassen, die Rechnung sollte auf´s Heim ausgestellt werden. Die einzelnen Posten kassiere ich von jedem, der was zum Schärfen abgegeben hat.“ Mit einem steinernen Gesichtsausdruck nimmt Herr Beisswenger einen Schnellhefter aus seiner Ablage, legt ihn

aufgeschlagen vor Helmut Marek hin, blättert von der ersten Seite durch. „Ihre Absicht mit dem grossen Rabatt in Ehren, nur, ich kann nirgends feststellen, dass sie die einzelnen Posten kassiert haben. Ich war bei Ketten Schmidt vorort, hab mit dem Betriebsleiter gesprochen. Er sagt mir, sie haben grosszügig verkündet, der Alte wird alles bezahlen, die Rechnung soll ans Heim geschickt werden.“ Jetzt steigt Helmut Marek der Angstschweiss auf die Stirn, ein kalter Schauer fliesst ihm über den Rücken.

„Na ja, sie wissen doch wie das ist...“ beginnt er zu erklären, „ das ist nun mal der Umgangston untereinander...“ „Wie auch immer,“ beendet Herr Beisswenger das Thema, „ sie schulden dem Heim dreitausendvierhundertachtundsiebzig Euro aus den letzten Jahren, seit Ketten Schmidt für uns tätig ist.“ Helmut Marek rutscht unruhig auf seinem Stuhl hin und her. Ein Gefühl sagt ihm, dass das noch nicht alles ist. Das Gefühl täuscht ihn auch nicht. Herr Beisswenger

holt einen weiteren Schnellhefter aus der Ablage. „Da wär noch was, Einiges,“ legt er auch den Hefter auf seinen Schreibtisch, „ Arbeitskleidung und Sicherheitsausrüstung von Strauss für mehrere hundert Euro, Werkstatt und Feuchtraumleuchten, Elektrokabel, Kupferleitungen, anderes Installationsmaterial, Bestellungen, Rechnungen und Lieferscheine....“

„Das ist alles Material und Zeug, das ich auf Vorrat kaufe...“ verstrickt Helmut Marek sich immer tiefer in sein Lügengespinst. „Das reicht Herr Marek,“ beendet Herr Beisswenger das Ganze, „ ihre Sekretärin hat mir erklärt, sie haben alle Lieferscheine abgezeichnet, das Material selber abgeholt, die Rechnungen zur Zahlung angewiesen. Das beweist mir, dass sie lügen oder können sie mir sagen, wo das alles gelagert ist und vor allem,

wozu wir das hier brauchen.“ „Na, irgendwo wird’s schon sein,“ beginnt Helmut Marek noch mehr zu schwitzen, „ ich kann nicht über jede rostige Schraube Bescheid wissen.“ „Da haben sie recht,“ stimmt Herr Beisswenger zu, „ ich hab mir mit Herrn Alexander die Mühe gemacht, Keller und Lagerräume, Speicher und Schuppen kontrolliert. Nichts, da ist nichts. Mittlerweile weiss ich, dass sie eine

kleine Firma betreiben, die auf ihre Frau angemeldet ist und für die haben sie das ganze Material besorgt, auf unsere Kosten.“ Nacheinander legt Herr Beisswenger Rechnungen und Belege auf den Tisch, die alles beweisen. „Herr Marek, sie sind fristlos entlassen,“ sammelt Herr Beisswenger die Schnellhefter ein, legt sie in seinen Schreibtisch. „Sie haben eine Stunde Zeit, unter Aufsicht von Alexander ihr Büro zu räumen. Danach weisen sie ihn in die laufenden Geschäfte ein, übergeben mir ihre Schlüssel. Was sie an

Überstunden haben, wird mit dem angerichteten Schaden verrechnet. Den Rest zahlen sie in einer Summe ans Heim. Ich kann es mir nicht leisten, so viel Geld zu verlieren. Sie wissen genau, was es bedeutet, ein Wohnheim dieser Grösse mit all den Liegenschaften zu leiten, ohne in die roten Zahlen zu geraten.“ Ob Helmut Marek noch Fragen oder was zu sagen hat, interessiert Herrn Beisswenger nicht. Für ihn zählt, dass er ihn als Arbeitgeber um tausende Euro betrogen hat, mit Sicherheit weiter

gemacht hätte, wenn die Sekretärin ihm nicht auf die Schliche gekommen wär. Die von Herrn Beisswenger und seinem Angestellten Alexander ermittelte Firma von Helmut Marek, in der die auf Kosten des Seniorenheims gekaufte Materialen, Werkzeuge, Bekleidung und Maschinen gefunden wurden.

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Hörbuch

Über den Autor

PamolaGrey
Meine Leidenschaft ist das Lesen, oft kann ich nicht aufhören zu lesen bis das Buch zu Ende ist, bis tief in der Nacht. Und morgens komm ich nicht aus dem Bett ;))
schon immer spielen Bücher eine große Rolle in meinem Leben. Kleinen Geschichten habe ich immer schon geschrieben, die heute gut verwahrt in einer Schublade liegen. Manchmal nehme ich sie wieder raus, und schreibe aus ihnen eine neue Geschichte?
Leider bin ich die einzige in meiner Familie, die die Leidenschaft, Bücher? pflegt.
Bei Fragen: PN! Ich beiße nur selten xD

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baesta So ist es immer. Wer zu nah am Geldtopf sitzt, sich gerne mehr daraus stibitzt.
Gut geschrieben. sehr lebendig formuliert und vor Allem fehlerfrei, was bei jungen Leuten nicht immer üblich ist.

Liebe Grüße
Bärbel
PS: Danke für die Talerchen zu "Smartphonebehinderung"
Vor langer Zeit - Antworten
Schehera Das Thema hast du prima getroffen und zum Schluss wurde schon genug gesagt. Ich fand manche Sätze, in denen du Dinge aufzählst, hatten zu viele Kommas....da hätte ein "und" zwischen durch nicht geschadet. Das fiel mir recht oft auf und dadurch wirkten die Sätze, als hättest di sie in Eile geschrieben.
Ansonsten aber gut gemacht! :)

LG Schehera
Vor langer Zeit - Antworten
Andyhank Sehr schöne, realitätsgetreue Geschichte, die gut zum Thema passt!
Mich irritiert nur der letzte Satz. Irgendwas fehlt da, irgendein Wort ...
Vor langer Zeit - Antworten
MerleSchreiber Die Idee ist gut, der Inhalt deckt das vorgegebene Thema treffsicher ab. Sprachlich gibt es auch nichts auszusetzen. Ich finde allerdings den wechselseitigen Dialog zu ausgiebig und damit etwas ermüdend. Stichwort Spannungsbogen, auch was den Schluss deiner Geschichte betrifft.
Schöne Grüße, Merle
Vor langer Zeit - Antworten
PamolaGrey Hallo zusammen, erst mal Danke fürs lesen, und dokumentieren.
Ich werde es in der nächsten Woche noch mal überdenken, ob da noch etwas fehlen könnte.
Ich wollte ein offenes Ende. Aber wie gesagt ich schau mal drüber.
Liebe Grüße Pam
Vor langer Zeit - Antworten
welpenweste Die Situation ist interessant und flüssig nachvollziehbar. Genug ist es dem Herrn Beisswenger geworden und damit ist das Thema voll getroffen.
Leider habe ich den Eindruck, als ob abrupt aufgehört werden würde mit der Story. Da fehlt eben etwas am Schluss.
Das finde ich Schade, denn ansonsten wäre es wirklich ein guter Wurf gewesen.
Günter
Vor langer Zeit - Antworten
Memory 
Gut geschrieben, aber das Ende ist mir auch zu unspektakulär. Das liest sich so, als ob noch eine Seite fehlt.
Vielleicht überdenkst du das noch einmal, um eine runde Sache draus zu machen.
Ansonsten gibt es schon Zeitgenossen, das ist unglaublich. Gut, dass ihm die Sekretärin auf die Schliche gekommen ist.
Lieven Gruß
Sabine
Vor langer Zeit - Antworten
Kornblume Gut hast Du die Situation zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer beschrieben. Sah förmlich die Schweißperlen auf der Stirn des so unverschämten Herrn Marek beim Versuch des Herausredens und die Zornesfalten des Herrn Beisswengers.
Fristlose Entlassung ,sicher gerechtfertigt ,doch ob Herr Beisswenger damit durchkommt bleibt offen. Dieser freche Diebstahl und die Unterschlagung sind außergewöhnlich unverschämt.Kein Mitleid als Leserin für den Protagonisten.
Thema gut erfasst und umgesetzt.
Sonntagsgrüße schickt die Kornblume, die sich über freut, dass auch Quereinsteiger Gefallen an der Challenge finden.
Vor langer Zeit - Antworten
Frettschen Da hatte wohl jemand mehr Spielraum, als ihn guttat!
Kommt sicher vor - sowas ...
Der Text ist fließend - und leicht zu lesen - geschrieben.
Vielleicht fehlt mal ein Komma oder so - daran störe ich mich nicht.
Mit dem Abgang komme ich nicht so ganz klar und mir fehlt bissl ein Spannungsbogen.
Ansonsten: Thema auf jeden Fall getroffen :)
Vor langer Zeit - Antworten
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