Kurzgeschichte
Das Café

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"Das Café"
Veröffentlicht am 17. Dezember 2017, 8 Seiten
Kategorie Kurzgeschichte
© Umschlag Bildmaterial: Mondstein
http://www.mystorys.de

Über den Autor:

Und wieder mal starte ich den Versuch, mich zu beschreiben, darzustellen. Doch geht es mir dabei so, wie sicherlich bei weiterem Nachdenken so manchem Anderen von euch: Eine Persönlichkeit, ein Mensch in all seiner Komplexität, ist niemals in wenigen Zeilen ganz zu umschreiben. Schon viele Stapel von Büchern wurden zum Thema «Was den Menschen ausmacht» verfasst und doch blieb immer ein Zweifel, ob wirklich alles erwähnt, alles erahnt ...
Das Café

Das Café

Hier sitze ich nun … in irgendeinem Café an einem unbekannten Ort in der Innenstadt. Ich hänge meinen Gedanken nach, und ich sehe die Menschen, welche vorübergehen, blicke in ihre Gesichter. Und dann wird mir klar... hinter jedem dieser Gesichter steckt eine Geschichte.

Einige wenige nehmen für einen Moment der Ruhe hier im Café in meiner Nähe Platz.

Andere stehen auch schon wieder auf, um weiter zu eilen, vielleicht um ihre Besorgungen zu erledigen.

Und ich fange an die Fremden. die Menschen um mich herum zu beobachten.


Heimlich versuche ich, sie und ihre Eigenheiten zu entdecken.

Zum Beispiel, dort die alte Dame... ihr Leben hinliess seine Spuren und sie wirkt auf den ersten Blick schon ein wenig unsicher.

Doch schaut man dann genauer hin - in ihren Augen blitzt es. Ja, sie thront geradezu auf ihrem Stuhl, was sicherlich auch daran liegt, das sie auf zwei Kissen statt einem sitzt. Ihr weißes Haar trägt sie wie ein Krone und die ganze Gestalt strahlt Würde und Stolz aus.

Sorgfältig, fast kleinlich, isst sie zuerst die Sahne von ihrem Apfelkuchen, wie ein Kostbarkeit.

Und dann läßt sie diese mit einem genüsslichen Lächeln im Mund zerschmelzen.Doch dann plötzlich fängt sie plötzlich an zu nörgeln, wie ein Kind, dass der Kuchen so trocken sei und früher alles besser geschmeckt hat.

Nun lächeln die Leute um sie herum.


Und was tut die Kellnerin, die sie herangerufen hat ? Sie geht hinter die kuchenbeladene Theke des Cafes und kommt... mit einer kleinen Schüssel voll Extra-Sahne wieder. Und die alte Dame ist glücklich und strahlt.



Und dann sitzt dort, ein paar Tische weiter, ein junger Mann. Mit hochrotem Kopf starrt er auf die Tischdecke vor sich, denn ein hübsches junges Mädchen hat sich gerade zu ihm an den Tisch gesetzt. Er wagt es nicht, in ihre Augen zu sehen und ist mit diesem Frosch im Hals nicht fähig, etwas zu ihr zu sagen. Wenn er sich doch ein Ruck geben könnte, bevor sie wieder aufsteht und in der Anonymität der Menge verschwindet.

Vielleicht ist es dieser Augenblick...der sein ganzes Leben verändern könnte.

Vielleicht geht es dem Mädchen genauso wie ihm. "Los, ihr beiden", denke ich.



Die Kellnerin, sie steht wieder dort in der Ecke und beachtet die Tische bzw. die Gäste des Cafes. Vielleicht steht ja jemand auf - möchte jemand noch etwas - gibt es etwas abzuräumen?

Diese Geschwätzigkeit und Hektik!. Und doch liegt eine seltsame packende Ruhe im Fluidum dieses Ortes. Diese Mischung findet man nicht oft in dieser Zeit. Sie, diese Stimmung, die sich so unvergleichbar im Gedächtnis festhaftet und die zum Nachdenken anregt.

Diese Aura genieße ich an diesem Nachmittag.

Noch lange sitze ich dort, entdecke neue Eigenheiten, beobachte neue Begebenheiten.

Wäre es nicht schön, wenn das Leben in solch einer Atmosphäre stattfinden würde.

Aber...bedenkt dabei...nicht nur den Anderen beim Leben zuschauen...auch selber leben !

„Taumeln, aber nicht fallen.. als Zweck des Vergessens.. das beruhigende Gefühl, das alles seinen Ursprung hat."






 

Bemerkung:

In meiner Heimatstadt...Uni- und Fahrradstadt...gibt es viele dieser Orte zum Verweilen und zum "Abschalten"... nicht nur Cafés. Da ist es bzw. war es naheliegend, von solchem Moment an einem dieser Orte zu schreiben.

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Hörbuch

Über den Autor

Mia_Mondstein
Und wieder mal starte ich den Versuch, mich zu beschreiben, darzustellen.
Doch geht es mir dabei so, wie sicherlich bei weiterem Nachdenken so manchem Anderen von euch:

Eine Persönlichkeit, ein Mensch in all seiner Komplexität, ist niemals in wenigen Zeilen ganz zu umschreiben. Schon viele Stapel von Büchern wurden zum Thema «Was den Menschen ausmacht» verfasst und doch blieb immer ein Zweifel, ob wirklich alles erwähnt, alles erahnt wurde.
So kann ich nur Folgendes zitieren:
< Die meisten Menschen werden als Original geboren, verlieren sich im Laufe ihres Lebens und sterben als Kopie. >
Das ist auf keinen Fall mein Plan. Ich möchte einmal gehen in der Gewissheit, Spuren hinterlassen, Momenten etwas Besonderes gegeben und nicht umsonst gekämpft und geliebt zu haben.
Ich möchte etwas weitergeben von meinem Selbst, meinem Ich, meinen Ideen und Träumen - sei es nun in Form des Geschriebenen, des auf Bildern eingefangenen Moments oder des zum Anderen laut oder leise von meiner Stimme getragenen Wortes.
Denn die Gedanken, die Fantasien in meinem Kopf sprengen oft jeden Rahmen und noch lebt ein Stückchen meines Kindseins in mir - und all das soll und darf nicht länger im Verborgenen liegen.

So will ich versuchen, es auszudrücken, zu erzählen von jenen Emotionen, den Episoden eines Lebens, das an einem Oktobermorgen begann und bis heute wie die Fahrt über das Meer verlief. Mal in ruhigem Wasser. Mal durch wilden Sturm. Noch immer gibt es Abenteuer zu bestehen, Welten zu sehen, Unbekannten die Hand zu reichen.
Noch gibt es Lieder zu singen und den Mut, die Sterne erreichen zu wollen.

Ich will versuchen, sie widerzuspiegeln, all die Träume, Wünsche und Illusionen, manchmal realisiert, oft vom Nichts verschlungen. Diese Lichtblicke, welche man erfährt und die jeder kennt und sucht, und die Schatten, welche des Nachts aus den Ecken kommen.

Ich will versuchen, es in Sätze zu fassen, um dich, den Leser dieser von mir hinterlassenen Zeilen, an die Hand zu nehmen, dich durch das Labyrinth meiner Seele zu führen. Ich möchte es dir möglich machen, wenn du mir folgst, die Welt für ein paar Augenblicke mit meinen Augen zu sehen.
Ob es dann verwundert, erstaunt oder zum Nachdenken anregt, liegt nicht in meiner Macht.

Ich bin Ich.
Herbstkind - Tochter - Mutter - Schwester - Freundin - Kummertante - Poetin - < Katze Mia > oder
< Verrücktes Huhn > - Original und Selbstdarstellerin vor der Linse und am Auslöser -
das Alles und noch mehr.

Denn jeder von uns ist eine kleine Welt für sich - wenn nicht gar ein Universum!

Mein Erstlingswerk < Gedankenpüree > wurde 2017 veröffentlicht -
mein zweiter Lyrikband < Seelengemüse > wird Anfang 2018 folgen.

Mehr unter - www.miamondstein.de

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Kornblume finde es einfach wunderbar, dass Du mich als Leser an dem alltäglichen Geschehen im Cafe teilnehmen lässt. Habe innnegehalten, um dem Besonderen im Augenblick nachzuspüren. Hat Spaß gemacht..
Grüße an Dich schickt die Kornblume
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matzetino Sehr hübsche Geschichte. Da hast du bestimmt auch mich beobachtet in meiner Geschichte "kommt ein..."

Liebe Grüße
Martina
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Mia_Mondstein Kann schon sein ;-)
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FLEURdelaCOEUR 
Innehalten im Café, Fremde beobachten, sich ihre Geschichten ausmalen - um sich dann wieder dem eigenen Leben zuzuwenden :-)
Eine hübsche kleine Geschichte ist dir da gelungen.
Liebe Grüße
fleur
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Mia_Mondstein Danke, dass du mich begleitet hast.
Mia
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Memory 
Auch diese Kurzgeschichte gefällt mir sehr.
Innehalten ist immer gut.
Ich hätte mir noch mehr Gedanken zu den Leuten rings um dich herum gewünscht :)
Lieben Gruß
Sabine
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Mia_Mondstein Nun... die Geschichte ist ja noch ausbaufähig ;-)
Lieben Gruß
Mia
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Bleistift 
"Das Café - Gedankenflug..."
Hübsch aufgeschrieben,
auch meine Protagonisten sitzen öfter mal in einem Cafè
und benutzen diesen Ausgangspunkt zum Start
in eine neue Geschichte... ...smile*
LG
Louis :-)
Vergangenes Jahr - Antworten
Mia_Mondstein Ich freue mich, dass meine Gedanken manchmal deinen gleichen ;-)
LG
Mia
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Lindenblatt 
Liebe Mia,
sehr autentisch beschreibst Du eine alltägliche Lebenssiutation von der eigenen Ruhe im Cafè am Tisch und mit kleinen Beobachtungen, die das Leben würzen, sich vielleicht dadurch vom Alleinsein ablenken lassen.
Gern habe ich Deine Geschichte gelesen.
Lieben Gruß
Linde
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