Biografien & Erinnerungen
Gott ist immer bei dir

0
"Gott ist immer bei dir"
Veröffentlicht am 17. November 2017, 14 Seiten
Kategorie Biografien & Erinnerungen
© Umschlag Bildmaterial: javarman - Fotolia.com
http://www.mystorys.de

Über den Autor:

Ich bin eher introvertiert, liebe die Menschen, die Natur - die Literatur seit ich lesen kann (bin eine echte Leseratte) und schreibe auch selbst sehr gerne.
Gott ist immer bei dir

Gott ist immer bei dir

aus der Mottenkiste ...

habe heute bei meinen Texten aufgeräumt und da fiel mir dieser in die Hände.

Wie die Zeit doch vergeht .. und wie alles immer wieder gut wird.

Möchte allen Mut machen, denen es im Moment nicht gut geht. Es geht immer wieder bergauf

Gott ist immer bei dir

Ich lebte so, als würde ich ewig leben.

Ich lebte so, als würde das Glück, meinen geliebten Franz an meiner Seite zu haben, ewig währen.

Nicht, dass ich nur jubelnd und freudetrunken durch das Leben gegangen

wäre. Ich kannte den Schmerz, ich kannte das Leid. Der Tod war mir vertraut; er hatte mir schon viele liebe Menschen genommen.

Doch Franz und ich?

Wir waren eine Einheit. Wir gehörten zusammen. Einer ohne den anderen war schlichtweg unvorstellbar. Sowohl für andere als erst recht für uns selbst.

Hans, der Zwillingsbruder meines Mannes, war schwer erkrankt. Fast zwei  Jahre lang besuchten wir ihn beinahe täglich. Wir sorgten uns um ihn, wir weinten gemeinsam, wenn wir nach Hause kamen, wir sprachen uns gegenseitig Mut und Hoffnung zu.

Dann starb Hans. -  Und in Franz ging

eine Veränderung vor.

Es fehle ihm ein Stück, sagte er, er sei nicht mehr ganz. Sie seien Zwillinge gewesen, sie wären gemeinsam gekommen und müssten auch gemeinsam gehen.

„Hansl ruft mich schon“, interpretierte er das Krächzen der Krähen.

Und nur sechs Wochen später verließ er mich nach einem kurzen, dramatischen Todeskampf.

Für mich ging die Welt unter. Der Schock, der Schmerz, die Trauer, die Verzweiflung, die Ratlosigkeit ...! Ich fiel und fiel und fiel ...

Ich konnte nur schreien, brüllen, weinen.

Ich konnte nichts essen, nicht mehr schlafen.

Die Leere in dem Haus machte mich fast verrückt. Mit wie vielen „e“ schreibt man Leere eigentlich? Ich glaube, es müssen hundert sein. Stundenlang hockte ich regungslos am Küchentisch und starrte einfach nur vor mich hin. Oder heulte, heulte, und heulte. Ich war zu nichts fähig, oft nicht einmal, um aufzustehen und zu Bett zu gehen. Das Leben schien mir sinnlos geworden zu sein. Für wen sollte ich aufräumen, einkaufen, kochen? Für wen? Wer sagte „Guten Morgen!“ zu mir? Wem konnte ich eine gute Nacht wünschen und wem schmeckte mein Essen? Wer lobte mich?

Worüber sollte ich mir Gedanken machen? Mit wem konnte ich sie austauschen oder wie früher gar zu Papier bringen und Geschichten und Gedichte schreiben? Wer lächelte mir zu und drückte mir in zärtlichem Einverständnis die Hand? Es war so still, so totenstill in unserem Haus. Keine Türe ging auf und niemand trippelte über den Gang. Ich horchte und wartete aber Franz kam nie wieder zur Türe herein. Alles blieb still und leer.

Und dennoch erfuhr ich in jener Zeit etwas unendlich Schönes und Wertvolles.

Ich war überrascht, wie viel Liebe mir zuteil wurde.

Von allen Seiten brachten mir Verwandte, Freunde und Bekannte Anteilnahme, Unterstützung und liebevolle Zuwendung entgegen. Wie ein Schwamm sog ich jedes Wort, jede Geste auf. Ich fühlte mich gehalten, aufgefangen. Die Menschen um mich herum gaben mir die Kraft, diese Zeit durchzustehen. Die Familie kümmerte sich rührend um mich. Meine Tochter blieb tagelang bei mir. Sie dachte für mich, sie handelte für mich, denn ich war in meinem Schmerz gefangen und unfähig, mich zu irgend etwas aufzuraffen. Freunde standen morgens mit Frühstücksgebäck oder mittags mit Hühnersuppe vor der Tür und bestimmten energisch: „Du musst etwas

essen!“ Bekannte besuchten mich, um mir in meiner Trauer beizustehen. Und unser Herr Pfarrer schickte mir tröstlichen Beistand und schenkte mir in einem persönlichen Gespräch Hoffnung und Vertrauen, dass der Herr mir die nötige Kraft zukommen lassen würde.

Staunend nahm ich die fürsorgliche Anteilnahme wahr, nahm sie wie ein Geschenk entgegen. Ein Geschenk, das mich in seiner Größe und Aufrichtigkeit überraschte und das mir Kraft und Zuversicht gab. Ich war sehr dankbar dafür.

Ich sah darin die Liebe Gottes, sah die Zeichen, mit denen Gott mir zeigen wollte, dass ich nicht allein bin,  dass

ER da ist und mich hält.

„Jeder Mensch“ - so schreibt Paulo Coelho - „jeder Mensch sollte zwei Sprachen sprechen: diejenige der Allgemeinheit und die Sprache der Zeichen. Erstere dient dazu, mit den Mitmenschen zu kommunizieren, die zweite erlaubt uns zu verstehen, was Gott uns sagen will.“

Gott schickte mir in meinem Schmerz unzählige Zeichen Seiner Liebe und Gnade. Er schickte sie mir in Form von berührenden Situationen, wunderbaren „Zufällen“ und in Form der Zuwendung von Menschen. Auch in vielen guten Gesprächen und liebevollen kleinen Geschenken, die mich trösten und mir

Freude bereiten sollten, erkannte ich die Hand  Gottes.

Seither sind einige Jahre vergangen. Es tut noch immer weh und wird wohl immer weh tun aber langsam fand ich ins Leben zurück. Ich fühlte, dass mir Gott nahe war und mir half, meinen Schmerz und meine Verzweiflung in dankbare Erinnerung umzuwandeln.

„Schreibst du noch?“, fragten mich Freunde und Bekannte.

„Nein.“, sagte ich damals, „da ist nichts mehr.  Ich wüsste nicht, was ich mit einem Blatt Papier und einem Bleistift machen sollte.“

Ich lebte nicht mehr, ich funktionierte.

Ich verspürte keinerlei Bedürfnis zum Schreiben, sei es als Therapie, wie mir manche empfahlen, oder aus Freude und Lust am Fabulieren.

Doch der Anstoß dazu kam ohne mein Zutun von außen. Eine Freundin überredete mich, einmal in mystorys hineinzuschauen..

Auch eine Fügung Gottes?

.... Ich begann erst zu lesen, dann  zaghaft zu schreiben, fand wieder Freude daran. Fand viele nette Menschen hier und liebe Freunde.  

Ich hatte wieder Mut  zu leben gefasst, war bereit zu neuen Ufern aufzubrechen und so tat ich einen entscheidenden Schritt

ich übersiedelte nach Wien, in die Nähe meiner Kinder gerade war eine Wohnung in dem Haus frei geworden - traf sich das nicht gut! Gott, der Zufall, das Schicksal haben alles für mein neues Leben vorbereitet. Ich weiß es!

Jetzt geht es mir gut und ich habe noch viel vor.

So habe ich mich nun nach langen Überlegungen entschlossen, diesen Text zu veröffentlichen, um den Menschen, die meine Texte lesen zu sagen:

„SO  SCHLIMM  ES  AUCH  KOMMEN  MAG,  GOTT  LÄSST  DICH  NIE  ALLEIN  UND  LÄSST  DICH  NIEMALS  FALLEN  !!

GOTT  IST  IMMER  BEI  DIR !!“

I. H. im Jahre 2008

Es ist lange her, dass ich diesen Text geschrieben habe. Ich habe in mystorys viele Freunde gefunden und bin für eure Freundschaft unendlich dankbar. Mystory hat mein Leben reicher gemacht. Danke!!

Ich wünsche euch allen ein erfülltes und schönes Leben und weiterhin viel Freude am Fabulieren. Und vergesst niemals: ES WIRD IMMER WIEDER ALLES GUT!!!

eure Mukk

Nov. 2017

0

Hörbuch

Über den Autor

mukk
Ich bin eher introvertiert, liebe die Menschen, die Natur - die Literatur seit ich lesen kann (bin eine echte Leseratte) und schreibe auch selbst sehr gerne.

Leser-Statistik
15

Leser
Quelle
Veröffentlicht am

Kommentare
Kommentar schreiben

Senden
luanna Liebe Ingrid,

einzig wer diesen Schmerz kennt, weiß um die "Veränderung/Wunder" des Lebens/Alltags. Der Weg bis zu dieser "Veränderung/Wunder" ist lang und steinig. Geduld ist angebracht, extrem viel Geduld!

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen: " Gott ist immer bei MIR! " Ohne meinen GLAUBEN hätte ich (m)eine "Veränderung/Wunder" NICHT erlebt/erfahren.


" Weil er an Wunder glaubt, geschehen auch Wunder. Weil er sich sicher ist, daß seine Gedanken sein Leben verändern können, verändert sich sein Leben. Weil er sicher ist, daß er der Liebe begegnen wird, begegnet ihm diese Liebe auch. "
Paulo Coelho, Handbuch des Kriegers des Lichts

Uns ist LEIBE begegnet! Wir durften Liebe LEBEN leben!

Lass uns DANKBAR sein für dieses JUWEL im IRDISCHEN DASEIN!

" Nur wer glücklich ist, kann Glück verbreiten. "
Paulo Coelho, Am Ufer des Rio Piedra saß ich und weinte

Ich danke DIR aus der Tiefe meines Herzens für dein stilles Glück, dass DU hier mutig in deinen Texten verbreitest!

•’``’• ,•’``’•,
’•,`’•,*,•’`,•’
....`’•,,•’`.....UMÄRMELUNG in aufrichtiger Freundschaft

Nelly
Vor langer Zeit - Antworten
mukk Liebe Nelly, verzeih, dass ich deinen wunderbaren Kommi erst jetzt beantworte und dir allerherzlichsten Dank für die lieben Worte sage. Du hast mich sehr berührt. Danke.
Umärmelung und die allerliebsten Grüße
deine Ingrid
Vor langer Zeit - Antworten
FLEURdelaCOEUR 
Liebste Ingrid,
ich glaube nicht an Gott, doch deine Geschichte habe ich sehr gerne gelesen. Es ist auch so, dass man nach solch einem Schicksalsschlag einen Anstoß braucht, um sich wieder auf seine eigenen Kräfte zu besinnen.
Manchmal ist es auch der Zufall ... oder:
*Zufall ist vielleicht das Pseudonym Gottes, wenn er nicht selbst unterschreiben will.* – Théophile Gautier
;-)
Ganz liebe Grüße
fleur
Vor langer Zeit - Antworten
mukk Liebste fleur, danke dir allerherzlichst für deinen schönen und sehr treffenden Kommi., Ja, man braucht etwas, woran man sich halten kann und wieder vertrauen.
Liebe Abendgrüße zu dir
deine Ingrid
Vor langer Zeit - Antworten
erato 
Liebste Ingrid, beim Lesen muss mir doch etwas
ins Auge geflogen sein…..
Nach relativ leichtfüßigen Jahren voller
flamingoflügelieger Rosawolken – folgt die
schwere Arbeit des Alterns, mit dem Abschied nehmen
von geliebten Menschen, die unser Leben lange
bereicherten, Stütze und Teilhaber waren,
in guten und schlechten Zeiten. Die Welt wird
immer mehr zu einer Insel und einsam mancher
Tageslauf. Es fehlt ein Halt – das Herz ist suchend.
Wohl dem, der einen Glauben hat und Gott
nicht lang muss suchen… DU hast IHN gefunden –
er dich offensichtlich auch….
Ich drücke DICH - für das Einsicht nehmen dürfen
in Gedanken und Gefühle deines Lebens.

Dein dich verehrender „Mit Mondwanderer“
Thomas
Vor langer Zeit - Antworten
mukk Mein lieber Mondwanderer, ich weiß nicht, was mich drängte, diesen sehr persönlichen Text hereinzustellen. Vielleicht weil sich jetzt im November sein Todesjahr zum elften Male jährt .. mir scheint es aber schon wie ein halbes Jahrhundert.
Die schwere Arbeit des Alterns, die Welt wird immer mehr zu einer Insel, es fehlt der Halt, es fehlt das DU. ... Das hast du wunderschön gesagt, hab vielen lieben Dank für deinen berührenden Komm, danke.
Aber mir geht es gut, ich habe wunderbare Kinder und ich habe Freunde wie dich... dafür bin ich sehr dankbar.
Drück dich einmal kurz und schicke dir die liebsten Abendgrüße
deine Ingrid
Vor langer Zeit - Antworten
Bleistift 
"Gott ist immer bei dir..."
Tief berührt habe ich deine Geschichte gelesen
und auch, wie es Dir in jener Zeit ergangen ist.
Allein der unwiderrufliche Verlust eines geliebten Menschen
gehört für mich wohl immer zu den schlimmsten Prüfungen,
denen man je ausgesetzt sein kann...
Es tut selbst dem Herzen des Lesers gut,
wenn man hört, wieviel Hilfe und Zuspruch Du
in diesem schwierigen Lebensabschnitt erfahren hast...

herzliche Grüße zu Dir
Louis

Vor langer Zeit - Antworten
mukk Lieber Louis, Danke, dass ich dich mit meinem Text berühren durfte, ich habe mich über deinen Besuch, deine lieben Worte und den Favo sehr gefreut, Ich wünsche dir ein schönes und entspanntes Wochenende und schick die herzlichsten Grüße
Mukk
Vor langer Zeit - Antworten
derrainer liebe ingrid,
meine Hochachtung, für deine Gedanken,
es ist immer schwer, wenn ein geliebter mensch gehen muß,
aber wenn man aus seinem tief nicht mehr herauskommt,
handelt man bestimmt nicht im namen des verstorbenen,
du hast deine Situation gemeistert, und du lebst,
dein franz, ist bestimmt stolz auf dich, und du kannst es auch sein,

lieben gruß rainer
Vor langer Zeit - Antworten
mukk lieber Rainer, hätte dir gerne Coins für deinen warmherzigen und schönen Kommentar geschenkt, sind aber leider schon alle. So sag einfach vielne, lieben, lieben Dank Ich hab mich über deine Worte sehr gefreut, danke und herzliche Grüße
Ingrid
Vor langer Zeit - Antworten
Zeige mehr Kommentare
10
16
0
Senden

155551
Impressum / Nutzungsbedingungen / Datenschutzerklärung