Kurzgeschichte
Erwartungen? - 21. Autorenchallenge

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"Ein entsetzlicher Schicksalschlag"
Veröffentlicht am 29. Oktober 2017, 18 Seiten
Kategorie Kurzgeschichte
© Umschlag Bildmaterial: Elena Okhremenko - Fotolia.com
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Über den Autor:

Mache mir Gedanken über die Natur, über unsere Welt, glaube nicht alles was verbreitet wird und hinterfrage alles!
Ein entsetzlicher Schicksalschlag

Erwartungen? - 21. Autorenchallenge

Erwartung?

21. Autorenchallenge


Veränderung durch Leid!


Vor 4 Wochen hatte Romina ihren Mann Franz beerdigt. Tieftraurig sieht sie keinen Sinn mehr in ihrem Leben. So schnell ist alles gegangen, vier Monate zuvor bekam er die Diagnose

„Bronchialkarzinom“! Eine Welt brach für sie beide zusammen, als ihnen der Arzt mitteilte, dass er nur mehr drei Monate zu leben hat.

Nach der ersten Chemo ging es ihm gleich besser, doch es war trügerisch. Franz kapselte sich immer mehr ab und war zu keinen Gesprächen mehr bereit. Er machte alles mit sich aus und Romina fühlte sich total hilflos. Jede Woche Untersuchungen

im Krankenhaus, dann wieder Chemo, dazwischen musste sie ihn immer wieder mit Interferon spritzen, es war schrecklich. Die Haare gingen ihm aus und man konnte zusehen, wie es mit ihm rapid bergab ging. Nachher erfuhr sie, dass er mit allen seinen Freunden über seine Krankheit gesprochen hat, nur mit ihr nicht. Es war für sie schier zum

Verzweifeln. Sie fühlte sich alleine gelassen in ihrer Angst und Not, sie konnte mit niemanden darüber sprechen.

Es kam wie es kommen musste, der erste Zusammenbruch passierte drei Wochen vor seinem Tod. Er war nicht mehr in der Lage, etwas zu sich zu nehmen und konnte nur mehr schluckweise Flüssigkeit

aufnehmen. Der Arzt wies ihn ins Krankenhaus ein, wo er wieder Infusionen bekam, doch es war nur für kurze Zeit und eine trügerische Hoffnung. Sie probierten noch eine Chemo (obwohl sie ihm dringend abgeraten hatte), doch sie mussten eine halbe Stunde später abbrechen. Danach fiel er ins Koma und der Arzt klärte sie auf, dass er nur mehr wenige Stunden zu leben hatte.

Es wurde ihr ein Zimmer bereitgestellt, dass sie die letzten Stunden noch mit ihm verbringen konnte. So hilflos wie sie sich fühlte, als er wie im Fieber so da lag! Keine Aufklärung seitens der Ärzte oder Krankenschwestern – sie konnte ihm nur die Stirn kühlen und beim Sterben zusehen.


Die qualvollen Stunden dehnten sich ins Unendliche –

bis der Morgen graute. Er atmete schwer und der Schweiß rann ihm über das Gesicht. Mit unendlicher Liebe betrachtete sie dieses liebe Gesicht und benetzte seine Lippen mit Wasser.

Wie schrecklich gealtert er doch war, er sah aus wie ein 80 jähriger Greis, so sehr hat ihn die Krankheit mitgenommen. Die Krankenschwestern kamen herein, um ihn zu

waschen. Auch Romina nahm ihre Toilettsachen, um sich etwas frisch zu machen. Als sie in den Spiegel sah, erschrak sie! Tiefe Furchen und verquollene Augen durch das nächtliche Weinen hatte sie gezeichnet!


Sie merkte, dass sie sich in einem Ausnahmezustand befand! Sie empfand alles so unwirklich so surreal! Sie konnte sich kaum noch

auf den Beinen halten, so schwach und kraftlos war sie nach dieser Nacht!

Wie lange konnte sie diese entsetzliche Qual des Zusehen noch durch stehen? Mit müden und schleppenden Gang ging sie zurück ins Sterbezimmer. Er hatte die Zeit genutzt, um sich aus seinem geschundenen Körper zu verabschieden. Die Schwestern waren dabei, ihn

herzurichten. Romina war so schockiert, dass sie sich erst mal hinlegen musste, denn die Beine versagten ihr ihren Dienst. "So war er endlich erlöst" – ging es ihr durch den Kopf. Mühsam richtete sie sich auf und packte ihre Sachen zusammen. sowie die von ihrem Mann und wartete auf den Arzt, um die Formalitäten zu erledigen.

Sie kam sich wie eine Schlafwandlerin vor, die ganzen Erledigungen, die Beerdigung und danach diese große Leere.

Nach einer Zeit der Versteinerung in der sie sich wie ein Roboter vorkam, rief sie in ihrer Not ihre Freundin an. Zum Glück erkannte sie, dass Romina dringend Hilfe benötigte und bot ihr an, einige Zeit bei ihr zu wohnen, um wieder Abstand zu

gewinnen.

Dankbar nahm sie das Angebot an, denn alles erinnerte sie in der Wohnung an ihn. Er war noch so präsent, dass ihr unheimlich zu Mute war. Nachdem sie ein paar Sachen eingepackt hatte, ging sie zum Auto. Es war wie ein endgültiger Abschied – sie wusste mit einem Male, dass sie sich aufraffen musste, um einen

Neubeginn zu wagen.

Liebevoll wurde sie von ihrer Freundin empfangen. Sie nahm sie einfach nur in ihre Arme. Plötzlich lösten sich die ganzen Anspannungen und ihr Kummer und sie begann zum ersten Mal wieder zu weinen. Es war wie ein Dammbruch, endlich konnte sie mit ihren Tränen den Schmerz fort spülen.


Eine neue Hoffnung keimte in ihr auf, dass sich vielleicht doch noch einige Erwartungen in Bezug auf ihr Leben erfüllen würden! 


Vielleicht kehrt nach soviel Unglück doch noch ein wenig Glück und Geborgenheit in ihr Leben? Das Schicksal hatte ihr viel zum Lernen aufgegeben, warum immer nur sie? Was hatte sie angestellt, warum wurde sie immer so geprüft?


Sie würde noch viel Kraft brauchen um wieder neuen Mut zu finden, doch sie wusste insgeheim, sie würde es noch einmal schaffen!

Noch musste sie zu ihre Trauer stehen und sie verarbeiten! Denn nur den Schmerz und die Trauer zu verdrängen, dass konnte sie nicht. Zu schön war das Leben mit ihm gewesen, so schnell konnte sie ihn nicht vergessen.

Eine neue Zukunft kann erst für sie beginnen, wenn mit allem abgeschlossen ist.

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mohan1948
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MerleSchreiber Ein guter Beitrag, Hannelore. Wobei es speziell in diesem Bereich so ist, dass Erwartungen eigentlich fehl am Platze sind, dass man vielmehr wünschen und hoffen kann, es möge alles wieder gut werden oder wenigstens nicht ganz so schlimm. Es geht mir ein bisschen wie Memory/Sabine. Ich würde gerne gefühlsmäßig mehr mitgenommen werden. Und ja, ein bisschen Widersprüchliches hat mich auch irritiert. Der Satz Seite 14, oben, den könnte man schon in verschiedene Richtungen auslegen. Fehlerchen siehe Andy. Aber insgesamt, muss ich sagen, finde ich das Ganze nachvollziehbar. Besonders dann, wenn deine Protagonistin (sich) Fragen stellt. Sprachlich finde ich, hast du seit deinen Anfängen schon enorm hinzu gewonnen. Das habe ich übrigens bei mir auch festgestellt, schreiben lernt man durch schreiben.....
Liebe Grüße, Merle
Vor langer Zeit - Antworten
mohan1948 Danke liebe Merle für Deinen konstruktiven Kommentar! Freilich lernt man immer wieder dazu! Deshalb ist es für mich auch sehr schön, hier mitzumachen.
Liebe Grüße
Hannelore
Vor langer Zeit - Antworten
Kornblume Zitat:
"Eine neue Zukunft kann erst für sie beginnen, wenn mit allem abgeschlossen ist."
Da hast Du recht liebe Hannelore. Niemand muss den Rest seines Lebens in Trauer und mit Unglücklich sein verbringen.
Deine Protagonistin kann ich gut verstehen mit ihren Wünschen und Erwartungen an das weitere Leben. Dem Ein oder Anderen mag das vielleicht ein bisschen kurzfristig nach dem Tod des Mannes erscheinen, doch niemand kann wissen was wirklich in ihr vorgeht. Jeder trauert und lebt auf seine Weise ,das ist gut und richtig .der werfe den ersten Stein der nicht im Glashaus sitzt. Auch sein Leben ist endlich.
Auf die kleinen Fehlerchen hat Andy schon hingewiesen. Die große Schrift ist für mich, wie so oft in Deinen Geschichten, auch diesmal gewöhnungsbedürftig.
Es grüßt Dich herzlich ,die Kornblume

Vor langer Zeit - Antworten
mohan1948 Danke liebe Kornblume für Deinen konstruktiven Kommentar. Muss wegen der Fehlerchen nochmals nachsehen, ich habe gedacht, dass ich sie nach Andys Kritik ausgemerzt hatte? Die große Schrift ist eigentlich nur wegen GertraudW (sie kann die kleine fast nicht mehr lesen.
Ganz liebe Grüße
Hannelore
Vor langer Zeit - Antworten
Andyhank Moin. An sich eine gute Geschichte, die das Thema gut behandelt. Mich irritiert nur der Satz: "sie wusste, dass sich ihre geheimsten Erwartungen erfüllen würden"
In Bezug zu ihrem Mann? Dann ist sie also froh, dass er verstorben ist?
Dann stimmt aber der Rest der Geschichte bis dahin nicht!
Ich gehe davon aus, dass Sie ihn nun endlich los ist und endlich ihren bis dahin geheimen Wünschen frei nachgehen kann.
Kann ja sein, dass es so ist, doch dann hättest du am Schluss nicht erwähnen dürfen, dass es nach einer wahren Begebenheit geschrieben wurde. Wobei - es eigentlich Wurst ist, nur hätten ein paar Beispiele Klarheit verschafft, worum es bei den Erwartungen nun geht ... ;)

Hier noch ein paar Helferchen:
... die Qual durchstehen - hier werden beide Wörter vereint dargestellt. Durch stehen alleine für sich geschrieben, ergibt einen völlig anderen Sinn.
Und wartete auf den Arzt - Komma - um ... - vor "um" kommt auch ein Satzzeichen hin, ebenso bei "aufraffen musste, um ..."
"Kraft brauchen, um ..."
"Musste sie zu ihreR Trauer"
Nach der Zeit der Versteinerung - Komma - in der ...
fortspülen wird zusammengeschrieben.
Nochmals mit h.
Vor langer Zeit - Antworten
mohan1948 Danke für den Hinweis und Deine konstruktive Kritik
liebe Grüße
Hannelore
Vor langer Zeit - Antworten
Memory 
Liebe Hannelore,
deine Geschichte habe ich nun schon mehrfach gelesen und bin irgendwie ein bisschen ratlos.
Das Thema der Challenge hast du auf jeden Fall erfüllt. Du beschreibst die Erwartungen, die deine Protagoniostin nach diesem Drama noch oder wieder hat.
Beim Schreibstil fehlt mir etwas und ich denke, es sind die leisen Töne, die gerade diese Geschichte so unbedingt braucht. Es wirkt auf mich eher wie eine Tatsachenbeschreibung. Ich würde mir mehr Gefühl wünschen (ohne auf die Tränendrüsen zu drücken) und könnte dafür auf einige Details verzichten.
Das ist meine subjektive Meinung, das Thema hast du, wie schon gesagt, erfüllt.
Liebe Grüße
Sabine
Vor langer Zeit - Antworten
mohan1948 Danke liebe Sabine für Deinen Kommentar und den Favo!
Liebe Grüße
Hannelore
Vor langer Zeit - Antworten
Frettschen Sehr trauriger Inhalt - für mein Empfinden viel zu kurz gefasst - emotionsarm niedergeschrieben.
Zack zack - geht es fix durch die Abhandlung.
Die - in den Kommentaren angepriesene Feinfühligkeit oder gar Herzblut - ich habe sie gesucht ... konnte sie doch auch nach dem zweiten Lesen nicht so recht finden.
Vielleicht bin ich einfach nicht die richtige Leserin für diesen Text.
Vor langer Zeit - Antworten
mohan1948 Ich kann Dich verstehen - doch warum soll ich auf die Tränendrüse drücken? Wenn man selbst etwas ähnliches erlebt hat wird man es anders sehen.
Trotzdem danke für Deinen Kommentar
liebe Grüße
Hannelore
Vor langer Zeit - Antworten
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