Fantasy & Horror
Freya - 1.Kapitel

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"In einer Welt der Ungerechtigkeit muss das Sklavenmädchen Freya einen Weg zur Gerechtigkeit finden."
Veröffentlicht am 25. Oktober 2017, 16 Seiten
Kategorie Fantasy & Horror
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Über den Autor:

17 Jahre, Möchtegern-Schriftstellerin
In einer Welt der Ungerechtigkeit muss das Sklavenmädchen Freya einen Weg zur Gerechtigkeit finden.

Freya - 1.Kapitel

Sklavenmädchen

Ausdruckslos richtete Freya ihren Blick zu Boden, während sie der Auktion nur mit halbem Ohr lauschte. Es hatte nichts Gutes, schon zum fünften Mal innerhalb von zwei Jahren verkauft zu werden. Die Erfahrung hatte sie gelehrt, dass die Zustände bei den neuen Käufern selten besser wurden und sie war ganz ordentlich behandelt worden bei ihrem letzten Herren. Weder hatte er sie geschlagen, noch tagelang hungern lassen und die Arbeiten, die sie erledigen hatte müssen waren keine Harten gewesen. Freyas einzige Aufgabe war es gewesen, seiner Tochter als

Spielgefährtin zu dienen und obwohl diese hochnäsig wie kaum jemand war, hatte es Freya viel Nützliches gebracht. Nun allerdings, wo die kleine Zicke zu Verwandten geschickt worden war, um sich angemessenes Benehmen zu lernen, hatte man keinen Nutzen mehr für Freya gefunden. So war sie wieder auf dem Sklavenmarkt gelandet. „Vier Silbermünzen, bietet jemand mehr als vier Silbermünzen?“, rief der dicke Auktionist, dessen Kopf kaum über den Rand des Tisches sah, hinter dem er stand. Trotz des Hockers unter seinen Beinen. Der dunkelhaarige Junge vor Freya spuckte zu Boden. „Das ist es also, was

ein Menschenleben wert ist? Vier Silbermünzen?“, murmelte er. Freya lachte bitter auf. „Ist das hier deine erste Auktion? Ich habe Sklaven für einen halben Laib Brot verschwinden sehen. Für vier Silbermünzen bist du bereits von mächtigem Nutzen.“ Der Junge fuhr zu ihr herum. „Du bist die erste, die den Mund aufmacht“, stellte er fest. „Es ist verboten“, erwiderte Freya. „Und doch tust du es.“ Sie zuckte mit den Schultern. „Was habe ich zu verlieren?“ „Deine Zunge?“ Seine Worte zauberten ihr ein Lächeln aufs Gesicht. „Wie ist dein Name,

fremder Junge?“ „Nero. Wie ist deiner, fremdes Mädchen?“ „Ich bin Freya.“ Nero zog eine Augenbraue hoch. „Ein schöner Name. Wie alt bist du, Freya? Du siehst sehr jung aus, doch du verhältst dich nicht so.“ „Ich bin sieben. Ich musste schnell groß werden“, erwiderte sie und die Bitterkeit legte sich in ihre Züge. „Deine wievielte Auktion ist das?“, bohrte Nero weiter. Wortlos entblößte Freya ihren linken Fußknöchel. Nero betrachtete die vier Brandmale eingehend. „Du bist widerstandsfähig“, stellte er fest. „Ich habe keine andere

Wahl“, erklärte Freya. Sie schwiegen. Dann wollte Freya wissen: „Wie alt bist du?“ „Zwölf.“ „Du bist erst vor kurzem zum Sklaven geworden, nicht wahr?“ Ein Schatten legte sich über sein Gesicht. „Ich werde meine Geschichte nicht mit dir teilen, wenn es das ist, was du erwartest.“ Freya zuckte mit den Schultern. „Dein Leben ist dein Leben.“ Sie wandte sich ab und betrachtete die Auktion. Wann immer sie sah, wie kleine Kinder angepriesen und verkauft wurden, zog sich ihr Herz zusammen. Sie erinnerte sich zu gut an das erste Mal,

das man sie an einen Fremden weggegeben hatte. Die Angst hatte sie gelähmt, die Panik überwältigt. Es war das Erste, an was sie sich in ihrem Leben erinnern konnte. Freya wusste, dass sie nicht immer eine Sklavin gewesen war, sonst wären ihr die frühkindlichen Erinnerungen nicht abhanden gekommen. Nur diejenigen Sklaven behandelten sie, die neu eingefangen worden waren. Auch von der Behandlung konnte Freya nichts mehr erzählen. Ihr war klar, dass es ein Mittel geben musste, irgendetwas um das Gedächtnis der Neuen auszuradieren, aber niemand konnte genau sagen, was sie einem antaten. Auch erschien es dem Mädchen plausibel, warum an zu solchen

Mitteln griff. Wer nichts anderes kannte als die Sklaverei, würde sich ihr leichter fügen. Trotzdem wünschte sie sich, einen Anhaltspunkt für ihr früheres Leben zu haben. Das permanente Unwissen, die Leere in ihrem Kopf und die damit verbundene Hilflosigkeit hatte sie anfangs beinahe in den Wahnsinn getrieben. Tag um Tag hatte sie sich Strafe um Strafe eingehandelt durch ihre Unfähigkeit, die einfachsten Arbeiten auszuführen. Keine Nacht hatte Freya geschlafen, sie hatte nicht gegessen und getrunken, Nach kaum zwei Wochen hatte sie den Haushalt wieder verlassen. So war es noch ein paar Mal weiter gegangen, bis sie langsam gelernt hatte,

sich an die Situation anzupassen. Sie war eine Sklavin, das Eigentum anderer. Sie besaß keine Rechte und es war jedem möglich, sie zu behandeln wie einen Gegenstand. Es war nicht rechtens, so viel spürte Freya. Nur was sollte sie denn tun? Es war ihr Leben. Sie rückte auf, als der nächste Sklave aufgerufen wurde. Ein kränklicher Junge bestieg das Podest, den Kopf gesenkt spielte er nervös mit den Ketten, die kaum so dünn sein konnten, um seine Handgelenke zu fesseln. Für einen Korb Obst wurde er an einen grobschlächtigen Mann verkauft. Traurig schüttelte Freya den Kopf. Der Jungs würde es nicht leicht haben in seinem

neuen Leben. Er war zu schwach, um den Bedingungen der permanenten Gefangenschaft und Zwangsarbeit lange standzuhalten. Es verstrich kaum Zeit, bis Nero an der Reihe war. Ruhig trat er vor und entblößte den für einen zwölfjährigen erstaunlich muskulösen Oberkörper, als man ihn dazu aufforderte. Freya bewunderte seine Selbstbeherrschung, als man ihm hierfür die Ketten an den Händen abnahm. Er machte keine Anstalten, sich gegen seine Wächter zu stemmen, als sie ihn wieder fesselten. Interessiert beobachtete sie, wie er die Aufmerksamkeit aller auf sich zog. Bereits das erste Gebot wurde eifrig auf

zwei Goldmünzen angelegt. Es folgten direkt Angebote über fünf und sieben Münzen. „Sie haben ja Recht“, dachte Freya. „Er ist jung, gesund und stark. Sie kaufen ihn, er kann am nächsten Tag mit schweren Arbeiten beginnen. Es erfordert keine zusätzlichen Mittel, ihn erst einmal arbeitsreif zu machen und auch ist er noch nicht aus dem Alter heraus, indem man seinen Geist nach dem eigenen Willen gestalten kann.“ Neros Gesicht zeigte keine Regung, als die die Gebote in die Höhe schossen. Bei 25 Goldmünzen forderte der erste einen Beweis der Stärke des Jungen, doch der Auktionist lehnte ab mit der Begründung, es fehle die Zeit. Wüste Beschimpfungen

schallten über den Platz, wo Männer eine Demonstration der Kraft forderten und andere wütend erklärten, sie sollen doch andere der Sklaven erwerben, wenn sie nicht auf das pure Aussehen des Jungen vertrauten. Freya biss die Zähne zusammen. Es machte sie wütend, dass sie über Nero sprachen wie über einen puren Gegenstand. Wie konnte es sein, dass ein gerade noch freier Mensch auf einmal zum Sklaven wurde? Doch der Junge selbst hatte seine meeresgrünen Augen starr in die Ferne gerichtet, als beachte er das Geschehen um ihn herum gar nicht. Schlussendlich ging er für ganze fünfzig

Münzen an einen Käufer, den Freya nicht sehen konnte, da er zu weit hinten in der Menge stand. Freya gefror das Blut in den Adern, als seine kalte Stimme sie durchdrang. Wer auch immer es war, der diesen hohen Preis gezahlt hatte, Nero würde es nicht gut bei ihm haben. Zwei Helfer packten ihn an den Armen und führten ihn von der Bühne. Ein letztes Mal drehte er sich zu Freya um und lächelte ihr sanft zu. Die Augen strahlten Ruhe aus und er schien ihr die Angst nehmen zu wollen, die sie nun zweifellos überfiel. Freya hasste sich selbst dafür, dass ihre Beine zu zittern begannen, ihr Körper zu schwitzen, als man sie hinauf geleitete.

Sie spürte, wie hunderte von Augenpaaren sie anstarrten und den Druck der Zukunft, die in einer der Hände lag, die sich erwartungsvoll aneinander rieben. Ihre Oberlippe begann zu bluten, als Freya rücksichtslos darauf herumkaute. Dann entschloss sie sich, sich zusammenzunehmen und stark zu bleiben, wie sie es immer sein wollte. Es würde nicht helfen, als schwaches Kind für den Preis eines Hemdes bei einem alten, des Lebens überdrüssigen Mann zu landen, wie es allzu oft geschah. Unsicher hob sie den Kopf, den Mund zu einem schmalen Lächeln verzogen. Einige der Anwesenden murmelten,

berieten sich über den Preis. Das Einzige, was Freya tun konnte, war zu hoffen, dass keine sie aufgrund ihrer Schönheit zu erwerben suchte. Lieber wollte sie die schwersten körperlichen Arbeiten ausführen, als bei einem dieser Widerlinge zu landen. „Fünf Silberlinge“, erschallte es. Alle Köpfe fuhren herum zum ersten Bieter. Freya schauderte. Es war dieselbe kalte Stimme, die auch Nero erworben hatte. Sie betete, dass noch weitere der Männer an ihr Interesse finden würde. „Zehn!“, folgte das nächste Gebot. Fünfzehn, zwanzig. Dann wurde es still. Tuschelnd unterhielten die Käufer sich, berieten darüber ob sie es wert war, noch

weiter zu gehen. Angespannt starrte Freya zu Boden, wagte es nicht, sich in der Menge umzusehen, zu erraten wer wohl ihr nächster Meister sein würde. Ihr Herz pochte so laut, dass sie fürchtete, man könne es hören und die Muskeln in den schweren Ketten spannten sich an, fast so als könne Freya sie auf diese Weise sprengen. Wie konnte ein Mensch sich nur so hilflos fühlen, so allein, so verzweifelt? „Dreißig“.

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Über den Autor

Leah2000
17 Jahre, Möchtegern-Schriftstellerin

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Alissa Sehr schöne Geschichte
grüße , Alissa schreibegern :)
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