Fantasy & Horror
Freya - Prolog

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"Freya - Prolog"
Veröffentlicht am 09. Oktober 2017, 14 Seiten
Kategorie Fantasy & Horror
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Über den Autor:

17 Jahre, Möchtegern-Schriftstellerin
Freya - Prolog

Freya - Prolog

Prolog

Die Dunkelheit war bereits vor Stunden über das kleine Dorf hergefallen, als die ersten Boten des Unheils es erreichten. Hufgetrappel schallte durch die sternenklare Nacht, begleitet von den ersten Aufschreien der Bewohner. Die Eindringlinge hatten noch nicht einmal den Rand Velokens erreicht, als Silvana begriff, was vor sich ging. Sie riss ihre kleine Tochter aus dem Schlaf und packte sie aus der Hand. Das Mädchen wollte schreien, die Augen vor Schreck geweitet, doch ihre Mutter presste ihr schnell die Hand auf den Mund. Alles in ihr strebte danach, das Kind zu

beruhigen, es tröstend in den Arm zu nehmen und zu erklären, dass alles gut würde. Doch es war nicht die Wahrheit. Wenn sie nicht schnell genug waren, um zu fliehen, wären sie verloren. So zögerte sie nicht, sich den Weg durch die stinkenden Gassen zu bahnen, vorbei an wimmernden Weibern, brüllenden Kindern und Männern, die sich schützend vor ihren Familien aufbauten. „Flieht, ihr stolzen Idioten. Hier gibt es nichts zu retten“, dachte Silvana. „Das Dorf ist dem Untergang geweiht.“ Aber all das durfte sie nicht kümmern. Sie hatte nur eine einzige Aufgabe zu erledigen. Das kleine Mädchen an ihrer Hand drohte vor Anstrengung zu kollabieren, als sie

weiter und weiter durch die Menge der Menschen gezogen wurde. Wie ein verirrter Schwarm Fische stoben sie in alle Richtungen. Kinder wurden von ihren Eltern getrennt und heulten verzweifelt zum Himmel, Hunde suchten jaulend nach ihren Besitzern und Erwachsene halfen den Ältesten, die Häuser zu räumen. Keinem von ihnen war das Ausmaß dessen, was geschehen würde klar und trotzdem wussten sie alle, dass es nichts Gutes sein konnte. Das Eintreffen der Reiter machte sich durch die sofortige Stille, die eintrat bemerkbar und durch den Geruch der Angst, der sich schwer über die Häuser legte. Fluchend packte Silvana ihr

Mädchen noch fester und trieb sie weiter zum Laufen an. Weit würde das Kind es nicht mehr schaffen, aber ein Halt konnte sie ins Verderben stürzen. Der Klang von Metall auf Metall hallte durch die Gassen, als die Männer des Dorfes alles daran setzten, ihre Angehörigen vor den bewaffneten Eindringlingen zu schützen. Es war nutzlos, angesichts der Lage, in der sie sich befanden. Für jeden der Dorfbewohner waren drei Angreifer angerückt und sie waren ausgebildet zum Kampf. Silvana schrie auf, als eine Hand sie von hinten packte und versuchte, ihr das Mädchen zu entreißen. Das Kind konnte

sich nun nicht mehr zurückhalten und begann lauthals zu weinen, als sie ins Gesicht eines schwarz gekleideten Mannes sah, der ihnen sein Schwert entgegenstreckte. „Mitkommen“, knurrte er und packte die beiden am Arm. Silvana stieß einen Schrei der Verzweiflung aus. Sie durften es nicht herausfinden, sie konnten es nicht erfahren, sie.. Innerlich schalt sie sich für ihr versagen und suchte fieberhaft nach einem Ausweg. Ihre Flucht war misslungen. Sie würden ihre Tochter mitnehmen. Und das, was ihr dann widerfahren würde,war schlimmer als der grausamste Tod es sein

könnte. Der Mann trieb sie auf den Marktplatz, wo bereits Männer, Frauen und Kinder versammelt waren. Sie wurden sortiert, Männer links, Frauen und Kinder rechts. Silvana landete mit ihrer Tochter in einem geschlossenen Kreis, bewacht von mindestens drei dutzend Bewaffneten. Dicht aneinandergedrängt kauerten kleine Jungen und Mädchen. Einige von ihnen klammerten sich an ihren Müttern fest, die sie wehklagend mit ihren Armen umschlangen. Silvana drehte sich zu ihrer Tochter, legte ihr beide Hände auf die Schultern und sah ihr fest in die Augen. „Sieh mich an!“, sprach sie. „Siehst du mich?“ Das Kind hörte auf, zu

schluchzten und nickte. Silvanas Blick wurde ernst. „Wenn sie dich fragen, wie alt du bist, dann sagst du ihnen, du seist fünf. Verstehst du mich?“ Sie schüttelte ihre Tochter. Ängstlich nickte diese noch einmal. „Du bist klein und dünn, sie werden es nicht merken. Es ist das Einzige, was ich noch für dich tun kann. Dein Leben hängt davon ab, hörst du mich? Dein Leben!“ Ehe sie noch etwas hinzufügen konnte, packte man sie und zog sie mit den anderen Frauen aus dem Kreis heraus, weg von den Kindern, die nun verloren nach Schutz suchten. „Ruhe!“, schallte es über den Platz. Sämtliches Gemurmel verstummte abrupt und die letzten Schluchzer wurden durch

Schläge auf den Hinterkopf erstickt. „Stellt euch in drei Reihen auf, Kinder, Männer und Frauen und als letztes Alte und Kranke. Flott!“ Innerhalb von Sekunden taten die verängstigten Bewohner, wie ihnen geheißen wurde. Nicht einer wagte es noch, den Mund zu öffnen. Der Befehlshaber fuchtelte nun wild mit den Händen herum und kleine Truppen von Männern setzten sich in Bewegung. Zuerst bauten sie sich vor den Kindern auf. Zwei von ihnen liefen die Reihe ab und fragten die Kleinen nach ihrem Alter, um sie daraufhin in zwei Gruppen zu separieren. Der Soldat, der vor Silvanas Kind zum Stehen kam musterte

sie genau. „Alter?“ „V...v... vier“, stotterte sie und senkte unwillkürlich den Kopf. Der Mann warf ihr einen argwöhnischen Blick zu, packte sie dann aber und stieß sie dem Bewaffneten neben ihm in die Arme. „Zu jung.“ Das Mädchen landete bei den meisten der Kinder. Sie zuckte zurück, als man ihr Ketten um Arme und Beine legen wollte, gab den Widerstand jedoch auf, nachdem dieser mit einem festen Schlag ins Gesicht quittiert wurde. Selbst nachdem die Männer mit den Kindern fertig waren, lag noch immer eine seltsame Stille in der Luft. Niemand wagte es, zu sprechen und das klägliche

wimmern einiger verstummte nach Sekunden. Es war, als hätte der Horror sie alle eingefroren. Es folgte etwas, das Silvanas Tochter nie mehr im Leben vergessen würde. Die Soldaten gingen die Reihe mit Männern und Frauen ab, pickten sich ein paar wenige Junge heraus und stießen sie zu den Kindern. Als nächstes postierte sich hinter jedem der übrig Gebliebenen Dorfbewohner ein Soldat mit Schwert. Auf Kommando hoben sie alle die Rechte Hand und als der Befehlshaber ein weiteres Mal Unverständliches brüllte, sausten hunderte von Schwertern gleichzeitig auf die Köpfe der Dorfbewohner hinab. Es war zu schnell

gegangen, um zu reagieren. Ein paar Kinder schrien auf. Als man die Gruppe der Tochter Silvanas auf einen Holzkarren zerrte, war der Blick des Mädchens starr auf den Kopf ihrer Mutter gerichtet. Sie schaffte es nicht, sich von seinem Anblick loszureißen, bis einer der Männer ihn lachend aufhob und durch die Luft schleuderte. Angewidert starrte das Kind den Leichenschänder an. Ihre Blicke trafen sich und sein Mund verzog sich zu einem schiefen Grinsen. Das war der Moment, in dem das kleine Mädchen Rache schwor. Der Holzkarren ratterte das unebene Pflaster entlang. Am Himmelszelt prangten die Sterne als einzige Zeugen

des Unheils, das ein ganzes Dorf ausgelöscht hatte. Beinahe schienen sie über das Unglück zu lachen, während die Nacht schon langsam zum Tag wurde.

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Leah2000
17 Jahre, Möchtegern-Schriftstellerin

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schreiber2015 Schock! Bin ja mal gespannt wie die Geschichte weitergeht...
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