Humor & Satire
Eine kleine Beichte

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"Das Geständnis eines Namentlich Verurteilten"
Veröffentlicht am 29. August 2017, 14 Seiten
Kategorie Humor & Satire
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Über den Autor:

Über mich gibt es nichts interessantes. Aber jetzt auch mit schönen bunten Bildern.
Das Geständnis eines Namentlich Verurteilten

Eine kleine Beichte

EINE KLEINE BEICHTE

-

DAS GESTÄNDNIS EINES NAMENTLICH VERURTEILTEN

Die ersten sechs Monate meines noch sehr jungen Lebens hielt mich meine Mutter für eine wiederkehrende Darmkolik; mein Vater lediglich für einen

verklemmten Furz.

Dann klärte sie ein grauhaariger Medizinstudent im dritten Semester darüber auf das sie schwanger war.

Die Überraschung war groß.

Kein Wunder, denn meine Eltern konnte man getrost als etwas verpeilt ansehen - zumindest was das alltägliche Leben und seine normalen Verrichtungen anging. Das mag hauptsächlich wohl darauf zurück zu führen sein, dass sie Unmengen an Alkohol, Marihuana, Psychopharmaka und Schokoladenpudding konsumierten. Doch bei einer Sache wünsche ich mir, dass sie sich im nachhinein zu meinen Gunsten reparieren ließe:

Meinem Namen!

Denn mal ehrlich, wer - ob klar in der Birne oder dauerbedröhnt - versaut das Leben eines unschuldigen Kindes mit einem derartig bescheuerten Namen?

Sören!

Also ich bitte Sie…! Würden Sie eine derartig unheilvolle Entscheidung treffen? Ihrem Nachwuchs derartig übel mitspielen?

SÖREN!?

Das allein war ja schon Grund genug meine Erzeuger für alle Zeiten mit nachdrücklicher Ignoranz zu strafen. Doch anscheinend war diese Art von Scherz noch nicht genug für die beiden, denn zu allem Verdruss führten sie auch

noch beiläufig den überaus seltenen und poetischen Nachnamen: Bohnsack!

Also jetzt mal ehrlich…!? Im Ernst…!?

SÖREN BOHNSACK!

Wären Sie zu solch einer unheilvollen Schandtat im Stande?

Wohl kaum.

Es sei denn die absehbare Zukunft ihres Nachwuchses wäre Ihnen genau so egal wie die Schuhgröße ihrer Nachbarn, oder der Stuhlgang ihres Beichtvaters!

Nun, beiden Elternteilen schien derlei interessante Details ihrer Mitmenschen total nebensächlich. Es gab für sie also auch keinen ausreichenden Grund meinen lächerlichen Namen zu ändern. Auch mein ununterbrochener Protest in Form

dauerndem und lautem Weinen und Geschrei änderte nichts an dieser verstockten Haltung.

Im Gegenteil.

Es verstärkte wohl eher ihr Desinteresse an meiner kleinen Person. Mit vorher kaum erlangter Hingabe widmeten sie sich ihrer Hauptbeschäftigung: Den leichten Drogen und ihrer mühsamen Beschaffung. Besonders beim Schokopudding hatten sie unerwartete Probleme. - Da ich den größten Teil verschlang.

Sören Bohnsack! Der Puddingfresser!

Jahrelang ging das so.

Und es wurde sogar noch schlimmer. Mit schierem Schrecken erinnere ich mich an

meine Zeit im Kindergarten. Was für ein Spaß das war! - Natürlich nur für diese anderen kleinen Bestien!

Meine sogenannten Spielkameraden! Eine wahre Freude musste es ihnen bereitet haben mich andauernd und spöttisch bei meinem furchtbaren Namen zu rufen!

Aber schon nach kurzer Zeit lernte ich sie zu ignorieren.

Trotzdem wurde es nicht besser.

Ganz allein in meinem Kopf wuchs der Neid auf diese kleinen Scheißer und ihre wunderbaren Namen.

Da gab es einen Hans, einen Fritz, Walter und Willi, und Herbert. Auch Ole und Paul fehlten nicht.

Warum nur konnte ich nicht auch so

einen coolen und nach Abenteuer riechenden Namen mein Eigen nennen?

Herzlichen Dank, Mama und Papa!

Die Schulzeit verschärfte natürlich noch meine grandiosen Sorgen. Kinder können ja recht grausam sein. Besonders untereinander. Also hätte es mich nicht allzu verwundern sollen, taten es ob ihrer massiven Wiederholung und Vehemenz dennoch.

“Ey Sören… noch alle Bohnen im Sack?”

“Dämlicher Sack voll Bohnen!”

“Sören - der menschliche Sack!”

Und das waren noch die eher harmlosen Sprüche.

Was hätte ich tun können gegen solch penetrante Boshaftigkeit?

Ich hatte ja von niemandem gelernt wie man sich behauptet, wie man sich gegen Blödheit wehrt. Also ertrug ich einfach still und leise diese bösartigen Hänseleien. Und lernte dabei.

Viel und emsig lernte ich, nicht nur das eher dröge Material aus der Schule. Nein, ich lernte vor allem viel über meine Mitmenschen, über ihr ignorantes, albernes und arrogantes Verhalten gegenüber anderen. Ein bis dahin wahres Mysterium menschlicher Makel und Schwächen erklärte sich ganz von allein. Und ich fing an sie abgrundtief zu hassen. Eines schönen und wunderbaren Tages würde ich es ihnen heimzahlen!

Das war mal sicher!

Also studierte ich, wog die Möglichkeiten ab, um mich schließlich zu entscheiden.

Mein erster Job bestand aus den komponieren und vermarkten von nervigen Klingeltönen für Mobiltelefone.

Das war ein erster Schritt.

Nach einiger Zeit gingen meine Produkte so ziemlich jedem auf die blanken Nerven.

Der zweite folgte: Ich wechselte in die Unterhaltungsbranche; produzierte massenweise hirnlose Volksmusik und dümmliche Schlager. Unbeabsichtigt boomte das Geschäft. Da draußen gab es offensichtlich eine erstaunliche Anzahl an debilen Geistern, die auf solch

grauenhaftes Zeugs abfuhren! Echt erstaunlich.

Die Zügel mussten angezogen werden.

Also ab in die bunte verlogene Welt der Fernsehunterhaltung. Hier konnte man erwiesenermaßen eine Menge nervigen Blödsinn anstellen: Infantile Boulevardmagazine die auf echt wichtig machten; dämliche Talk - Shows, getürkte Gerichtssitzungen, hanebüchene Polizeieinsätze, und Werbung die so überzeugend sein konnte wie ein schlechter Witz.

Erstaunlicherweise funktionierte das genauso wenig wie die Schlagermusik. Einige fühlten sich zutiefst abgestoßen, doch die erstaunlich große Masse fühlte

sich bestens unterhalten.

Das war schwer zu glauben für mich.

Noch schwerer zu verstehen.

Da musste ich schwereres Geschütz auffahren, das wurde mir klar. Und was blieb da eigentlich noch übrig um der Menschheit so richtig auf die Nerven zu gehen?

Richtig…! Die Politik!

Also hab ich mich bei einer recht unbeliebten stockkonservativen Partei eingekauft. Sieh wissen schon… eine hübsche Spendensumme öffnet so manche Tür. Hab mich dann auch gleich um einen netten Posten beworben. Muss mich nur noch wählen lassen. So pro Forma.

Also wenn ich demnächst an ihrer Tür klopfe und Sie dann mit nervigen nichtssagenden Parolen bombardiere, dann geben Sie bitte nicht mir die Schuld.

Sondern meinen Eltern!

Die haben sich schließlich diesen bescheuerten Namen für mich ausgedacht!

Bis denn…!





Text: harryaltona

Cover: pixabay

  

 

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Über mich gibt es nichts interessantes. Aber jetzt auch mit schönen bunten Bildern.

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sperling Der Name führt schon gedanklich in ein Klischee, von Arbeitermilieu, bis Lokalpolitik, oder Vereinsvorstand wider Willen- Underdog jedenfalls, mit Schlenker zum Bürgerlichem- trotz der Hippie- Eltern

das Aufbegehren ist gut und witzig beschrieben find ich

lg
sperling
Vergangenes Jahr - Antworten
HarryAltona Na ja, auch Klischees haben ihren Platz im Leben. Wenn sie denn nicht ständig und überall bemüht werden.
Tausend Dank, sperling!!!
lg... harryaltona
Vergangenes Jahr - Antworten
Traum71 Mann ist das wunderbar. Das hat so richtig Spaß gemacht. Habe mich bei einer Pfeife zurückgelegt und den text aufgesogen wie ein trockenener Schwamm, der in eine Pfütze gefallen ist. Ganz großes Kino. Wunderbar.

Liebe Grüße, Traum71
Vergangenes Jahr - Antworten
HarryAltona Ooooooh.... soviel Lob, da muss ich mir doch glatt mal Mühe geben noch etwas besser zu werden!
Tausend Dank, Traum!!!
lg... harryaltona
Vergangenes Jahr - Antworten
cassandra2010 
JETZT wird mir aber so einiges klar! Die Sören-Verschwörung und die gesamtgesellchaftlichen Verwerfungen dieses Racheaktes

Merke: Nicht jeder Sören ist ein Kierkegaard... der bekanntlich an Depressionen litt und ein Buch über die Angst schrieb. Kierkegaard ist weit davon entfernt, die Angst nur negativ zu beschreiben. Sie biete dem Menschen unendlich viele Möglichkeiten, unter denen er wählen kann (und muss). Ja, Angst sei geradezu die Bedingung der Möglichkeit von Freiheit – damit aber auch von potenzieller Sünde. Kierkegaard zieht als Beispiel die biblische Urgeschichte heran und erkennt: Schon bei Adam und Eva ist die ist Angst die Voraussetzung des Sündenfalls. Beide geraten in einen „Schwindel der Freiheit“ über der Frage, ob sie vom Baum der Erkenntnis essen sollen oder nicht.

... ein echter Sören eben. ^-*

LG
Cassy
Vor langer Zeit - Antworten
HarryAltona Aha... ganz andere Sicht, - und Denkweise. Danke dafür.
Tausend Dank, Cassy!!!
lg... harryaltona
Vor langer Zeit - Antworten
cassandra2010 
Danke dir auch, Harry! Aber nicht mir musst du danken, sondern dem Kierkegaard-Sören, gell`?
Salut
Cassy
Vor langer Zeit - Antworten
FLEURdelaCOEUR 
Eine sehr unsympathische Bohnsack hatte ich früher mal in der angeheirateten Sippe, in Halle an der Saale ...
Aber das ist ja wohl nicht das Thema.
Wenn du dich aber als Politiker bewerben würdest, wäre dir mein Kreuz sicher!
LG fleur
Vor langer Zeit - Antworten
HarryAltona Haha... ich als Politiker??? Nee Danke!!! Da bleib ich lieber ehrlich und pflege mein Gewissen!!!
Tausend Dank, Fleur!!!!
Auch wenns gedauert hat. War inne Ferien.
lg... harryaltona
Vor langer Zeit - Antworten
Willie Warum hat mich deine Story bloß an Dieter Bohlen erinnert...?
Ansonsten lass es dir gut gehen.
LG
Sweder
Vor langer Zeit - Antworten
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