Religion & Glaube
Im Reich der Hyänen

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"Widerstand gegen die Unbarmherzigkeit"
Veröffentlicht am 09. Dezember 2018, 16 Seiten
Kategorie Religion & Glaube
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Über den Autor:

Geboren und aufgewachsen im Land der Kontraste, an der Grenze Europas zu Asien. Erste Schreibversuche in der Grundschule. Germanistikstudium an der heimischen Staatsuniversität. In Deutschland seit 1996. Seit 2017 Gedichte und Kurzgeschichten, die entweder autobiographisch sind oder auf wahren Gegebenheiten beruhen. Natur ist meine Kraftquelle und Faszination, daher kommt sie oft in meinen Geschichten vor. "Wir sind eines Blutes, du und ...
Widerstand gegen die Unbarmherzigkeit

Im Reich der Hyänen






Der Mensch ist ein religiöses Tier.

Er ist das einzige Tier, das seinen Nächsten wie sich selber liebt und,

wenn dessen Theologie nicht stimmt,

ihm die Kehle durchschneidet.

(Mark Twain)








Wie Wölfe haben sie dir aufgelauert und dich aufgespürt


"Wie geht es dir heute?"


Von Wölfen erwartet man keinen Angriff unter seinesgleichen, nicht im eigenen Rudel. Bin ich denn ihresgleiche? War ich das jemals gewesen? Und: Ist das mein Rudel?.. Oder sind es gar nicht die edlen Tiere, die du in ihnen sehen wolltest, sondern ganz gewöhnliche Hyänen, die es überall und zuhauf gibt...





Wie geht es dir heute, gut?

Das ist gut... Gut für uns.









"Hyänen erlegen ihre Beute

in der Gruppe..."



Ein nichtsahnendes Frischblutopfer ist verlockend. Viele gegen eine, man wittert einen guten Fang.


Die erste beißt zu. Die Älteste von allen.

Fühlt sich berechtigt durch ihr Altsein. Lange aufgelauert, bis sie richtig zubeißen kann.






Der erste Biss. Der erste Schock.

Das Alphaweibchen ist dreifache Mutter. Ihr Opfer ist so alt wie ihre Töchter. Die Gier nach dem Frischblut in ihrer Stimme kann sie kaum noch unterdrücken. Es schauert dir kalt über den Rücken...


Verrat kennst du gut, oft schon erlebt. Du riechst es schon lange im Voraus.

Und doch wagst du es jedesmal aufs Neue. Ohne Vertrauen hat es für dich einfach keinen Sinn.





.....



Du sagtest dir: Das sind Christen,

die regelmäßig von Liebe predigen. Sie werden das nicht tun...

Aber deine Intuition, längst flüsterte sie dir eindringlich: "Hier ist alles möglich. Die Luft ist nicht reiner als woanders. Stickiger sogar..."



.....





"Als heimtückisch und feige

wird diese Tierart bezeichnet".


Vor kurzem noch Ähnliches beobachtet: Das Opfer war einsam und schwach, hat Schutz gesucht, und sie - sie haben sich

plötzlich einmütig gegen die Arme gewendet. Viele gegen eine. Verletzt und aus dem Rudel geschmissen, Gemeinsam. Komm nicht mehr zu uns, du passt nicht dazu, denkst anders, fühlst anders. Das Männchen fletschte sogar mit den Zähnen.

Sie war wirklich anders.




Nicht hinterhältig. Sie hatte einen Jungen und suchte nach einem Rudel. Sie freute sich einfach, aufgenommen worden zu sein...
Du hast es doch damals gesehen. Hast du etwa erwartet, dass sie dich verschonen, wo sie schon einmal Blut geleckt haben?..


...Die Zweite wartet schon auf ihre Chance, zuzubeißen. Berauscht von dem ersten Blut und angespornt durch die unsicheren Wehrversuche der heutigen Beute.






"Das Rudel wird von einem Alpha-Weibchen beherrscht, es gibt eine strenge Hierarchie, und alle Männchen stehen im Rang noch unter dem untersten Weibchen".



Das Männchen lässt sich von den älteren Weibchen führen. Charakterschwäche oder genau so ein naives Vertrauen in die Weißheit der älteren Tiere? Er meint, ein Wolf zu sein, aber die Weibchen beherrschen ihn unbemerkt...


Die beiden anderen Hyänenweibchen folgen dem Antrieb ihrer Vorläufer und treiben das blutige Spiel weiter. Die Wehrversuche der Beute bringen sie erst recht in Stimmung. Sie sind nicht mehr zu stoppen.





Das jüngere Männchen schaut zu, nimmt aber nicht an dem Zerfleischnis teil. Das ältere, das sich als Rudelführer sieht, lässt die gieprigen Weibchen zubeißen, bleibt aber nur der Zuschauer...


Die Wunden sind tief, die Beute blutet.

Die Augen der Peiniger glänzen saturiert. Das verletzte Tier ergreift die Flucht.


Es schmerzt. Doch am meisten schmerzt es, dass sich der eigene Rudel gegen dich wendete. Weil sie deine Schwäche





spürten, die man vor Raubtieren lieber nicht zeigen sollte: Die Sanftmut. Jene Sanftmut, mit der du diesen Tieren begegnet bist, als sie einst, krank und fremd, in deinen Rudel kamen...


Du suchst das Weite, um deine Wunden

zu lecken. Einmal halfst du diesen Tieren, ihren Platz in deinem Rudel zu finden. Heute verschwisterten sie sich, um ihre eigene Ordnung zu machen. Eine Ordnung, in der Schwächere keinen Platz haben.





.......


Für Raubtiere ist es nicht typisch, Gewissensbisse oder Reue zu verspüren, die Beute verletzt und ihr weh getan zu haben. Diese Eigenschaft besitzen einzig und allein Menschen.






Herbst, 2017












Quellen:

Rudelverhalten Wölfe:

https://www.planet-wissen.de/natur/wildtiere/woelfe_in_deutschland/pwiedaslebenimrudel100.html


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Hörbuch

Über den Autor

daxana
Geboren und aufgewachsen im Land der Kontraste, an der Grenze Europas zu Asien.
Erste Schreibversuche in der Grundschule. Germanistikstudium an der heimischen Staatsuniversität.
In Deutschland seit 1996.
Seit 2017 Gedichte und Kurzgeschichten, die entweder autobiographisch sind oder auf wahren Gegebenheiten beruhen.

Natur ist meine Kraftquelle und Faszination, daher kommt sie oft in meinen Geschichten vor.
"Wir sind eines Blutes, du und ich" (R. Kipling).




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Bluesky Interessante Betrachtungsweise und sehr gut verfasster Text.
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daxana Hallo Bluesky, herzlichen Dank für deinen Kommentar. Liebe Grüße, daxana
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