Romane & Erzählungen
Nightcrawl 2 - Schlechter als jeder Teeniefilm

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" Das neue Schuljahr auf Nightcrawl ist angebrochen, und es beginnt für Touji wie jedes Jahr: öde"
Veröffentlicht am 06. August 2017, 310 Seiten
Kategorie Romane & Erzählungen
© Umschlag Bildmaterial: KaoTec
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Das neue Schuljahr auf Nightcrawl ist angebrochen, und es beginnt für Touji wie jedes Jahr: öde

Nightcrawl 2 - Schlechter als jeder Teeniefilm

Diktatoren werden auf nightcrawl geboren

Man könnte ja meinen, dass 6 Wochen lang genug sind, um sich bösartige Weltherrschaftspläne zu überlegen, aber das ist ein Mythos. Mythen gibt es in Nightcrawl ja bekanntlich viele, und eine dieser Mythen ist, dass 6 Wochen ausreichen, wofür auch immer. In meinem Falle also, sich bösartige Pläne bezüglich Kai zu überlegen, weil der mir nicht nur tierisch auf den Sack geht, sondern auch noch Marcel's Leben zerstört hat. Na gut, letzteres ist vielleicht ein bisschen übertrieben und auch etwas abwegig, wenn man bedenkt, dass Marcel und ich uns eigentlich hassen, aber es geht um das Prinzip. Das Prinzip besteht daraus, dass ich Kai auf den Tod nicht leiden kann und er auf meiner 'Stirb

du Bastard'-Skala einen höheren Platz als Marcel belegt. In den 6 Wochen ist mir leider nicht mehr eingefallen, als Kai heimlich Bleichmittel in die Spülung zu kippen, ihm Sekundenkleber in seine Basketballschuhe zu träufeln oder aber ihn zu erschlagen und/oder lebendig im Garten zu vergraben. Da Mord auf Nightcrawl allerdings nicht gern gesehen ist und auch nicht sonderlich toleriert wird, scheidet die letzte Möglichkeit leider aus. Laut Mac habe ich mich in den 6 Wochen sowieso zu viel im Internet herumgetrieben und mich von den bösartigen Wellen der Welt vergiften lassen. Zumindest ist das seine Begründung, warum ich auf Kai nicht sonderlich gut zu sprechen bin. Er findet außerdem, dass ich maßlos übertreibe und das mit Marcel und der Basketballmannschaft

mich eigentlich nichts angeht. Im Prinzip hat er auch recht, aber entgegen aller Erwartungen hänge ich auf abstruse Art und Weise nun mal an dem Arschloch vom ehemaligen Team-Captain und sehe es somit als meine Pflicht an, dem Unkraut endlich Herr zu werden. Marvin meint natürlich es gäbe für alles eine friedliche Lösung, aber ich habe auch nichts Anderes von jemandem erwartet, der in seiner Freizeit zum Umweltclub geht. Wären wir noch in den 60ern wäre Marvin so eine Art Jesus für die Hippies. Und das ist keine Übertreibung. Bis auf dass er keine Drogen und auch keinen Alkohol konsumiert, und vorehelichen Sex für nicht notwendig erachtet, ist er wirklich der perfekte Hippie. Taylor's einziger Kommentar zu meinen

Weltherrschaftsplänen war, dass er mich supporten würde, wobei auch immer. Im Moment sehe ich ihn übrigens als meinen einzigen wirklich Verbündeten. Vermutlich kapiert er die ganze Sache genauso wenig wie die anderen Beiden, aber er hinterfragt sie wenigstens nicht. So etwas nennt man einen wahren Freund. „Du siehst aus wie eine Miniaturausgabe eines Diktators mit ernsthaften psychischen Problemen.“, kommentiert Mac beim Essen und ich schenke ihm ein Murren als Antwort. Das Positive daran, dass Kai nun das Basketball-Team beherrscht ist das, dass er nun nicht mehr bei uns am Tisch sitzt, denn immerhin hat er mit diesem Team große Pläne. Was genau seine großen Pläne sind ist noch unbekannt, aber das krieg ich schon raus, denn bezüglich dessen habe ich tatsächlich einen

Plan. „Ernsthaft, findest du nicht, dass du etwas übertreibst? Ich meine, du HASST Marcel. Irgendwie zumindest.“, kommentiert der Mensch am Tisch, der sich als mein bester Freund betitelt. „Ja, aber Kai hasse ich mehr. Der ist so was wie ein Parasit aus dem All, gegen den noch kein wirksames Mittel gefunden wurde.“, murre ich in meinen Becher Cola und Taylor hustet, da er sich wohl an seiner Pasta verschluckt hat. „Also mal angenommen du hast Recht und Kai hat Pläne wofür auch immer. Wie willst du rausfinden was für welche?“, fragt Marvin schüchtern, während er genauso schüchtern auf Taylor's Rücken klopft, um diesen am ersticken zu hindern. „Da gibt es nur zwei Möglichkeiten.“, gebe ich schulterzuckend von mir und leere meine Cola

in einem Zug, bevor ich mich zurücklehne. „Erstens: Ich frage ihn direkt. Zweitens: Ich schleuse jemanden in den Basketballclub ein, der es für mich herausfindet.“ Am Tisch herrscht Schweigen und ich rutsche in eine bequemere Position, da ich weiß, dass wir gleich bei einer Art Fragen-Antwort-Spiel landen, wie immer. „Wie soll das funktionieren? Kai wird dir nichts sagen. Der weiß, dass du ihn nicht ausstehen kannst.“ „Ich glaube eher, der will das nicht wahr haben, also wäre es schon möglich, dass er ihm alles brühwarm erzählt.“, wirft Taylor ein und ich nicke. „Eben. Auf der anderen Seite wird es ihn misstrauisch machen, wenn ich danach frage, da meine Beziehung zu Marcel für ihn ein Mysterium darstellt. Auch wenn ich es ungern

zugebe, aber der Typ ist leider nicht blöd.“ Ich gebe es wirklich nicht gern zu, dass Kai nicht dumm wie ein Meter Feldweg ist, aber leider ist das eine Tatsache. Und diese Tatsache allein reicht mir vollkommen aus, um sofort zur zweiten Möglichkeit überzugehen. „Und wie genau willst du das anstellen? Weder Marvin noch ich sind besonders sportlich. Und ich bezweifle, dass er Taylor sein Herz ausschütten wird.“, wirft Mac ein und meine Mundwinkel zucken, bevor ich anfange zu grinsen. „Genau deswegen hab ich mir wen raus gesucht, dem er sowieso schon vertraut, da er ihn ja schon als neuen Captain gewählt hat.“ Kurz herrscht Schweigen am Tisch, ehe Mac die Futterluke aufklappt und er anfängt, wild mit den Händen in der Luft herumzufuchteln, und dabei fast Marvin's Karottensaft vom Tisch

fegt. „Oh mein Gott! Du willst wieder anfangen mit Eric zu schlafen? Du bist grausamer als ich dachte!“, stößt er aus, Gott sei Dank in einer Lautstärke die nicht in der ganzen Mensa zu hören ist. „Natürlich nicht. Wobei das ehrlich gesagt auch keine schlechte Idee ist, da hätte ich auch selber drauf kommen können.“, murmle ich vor mich hin und runzle die Stirn. Im Allgemeinen ist das wirklich keine schlechte Idee, auch wenn sie Eric gegenüber wohl tatsächlich etwas, sagen wir nicht nett, ist. Na okay, sie ist grausam, aber sie wäre vermutlich effektiv. „Also wenn du nicht mit ihm ins Bett steigen willst, was ist dann die Idee?“, fragt Marvin zögerlich. Wobei ich mich ernsthaft wundere, dass

ausgerechnet er nachfragt. Immerhin hat Marvin das was der Rest von uns nicht hat: Eine zart besaitete Seele. „Ehrlich gesagt dachte ich eher daran, ihn etwas unter Druck zu setzen.“ „Du bist...das kann man nicht einmal mehr grausam nennen. Das ist ein ganz anderes Level.“, stößt Mac aus, nachdem ich meine Idee erläutert habe, was ich mit einem Grinsen kommentiere. Marvin sieht aus als müsste er das ganze in einer mehrjährigen Therapie verarbeiten und Taylor nickt einfach bloß, bevor er ein „Könnte funktionieren.“, von sich gibt. „Du findest das auch noch gut?“ Taylor sieht Mac an, der wiederum ihn fassungslos ansieht. „Definiere gut. Gut war es von den Jungs auch nicht, ihren Captain zu hintergehen.“, gibt er schulterzuckend von sich und ich nicke zur

Bestätigung. „Es geht hier immer noch um Marcel, oder?“ „Ich würde dasselbe für jeden von euch tun.“, versichere ich meinem besten Freund, der mich daraufhin resignierend ansieht. „Genau das macht mir Sorgen.“ Wobei wir wieder beim Thema sind, dass ich übertreibe, was ich natürlich nicht so sehe, aber im Prinzip interessiert das Mac überhaupt nicht. „Du hast einfach keine Ahnung von meinen Gefühlen, du liebloser Trottel.“, gebe ich irgendwann von mir, während ich aufstehe und mein Zeug auf das Tablett räume, ehe ich mir meine Tasche umhänge. „Was?“, kommt es fassungslos von dem Schwarzhaarigen und ich zucke nur mit den Schultern, bevor ich mir mein Tablett schnappe und dieses wegbringe, bevor ich die Mensa verlasse um zu Mrs. Jackson's Biologiekurs zu

kommen. Ich bin mir zu hundert Prozent sicher, dass die Frau mich noch mehr hasst, seit ich ihr aus Versehen einen Stuhl an den Kopf geworfen habe, der eigentlich Marcel treffen sollte. Was im Prinzip verständlich wäre, wenn sie keine Lehrerin auf Nightcrawl wäre. Als Angestellter von Nightcrawl, muss man mit so etwas rechnen, und darf sich nicht darüber beschweren. Immerhin wird man von Mr. Stevens, unserem Direktor, beim Vorstellungsgespräch äußerst detailliert auf die 'verkommene Brut' hingewiesen. Der erste Schultag im Jahr ist so ziemlich der Schlimmste. Abgesehen vom Letzten. Die Ferien sind vorbei, alle sind lustlos und nicht wirklich aufnahmefähig, und die Lehrer sind gestresst, weil der ganze Scheiß uns

Wissen ins Hirn zu prügeln, wieder von vorne los geht. Wen also wundert es, dass Mrs. Jackson alles, aber keine gute Laune hat, als sie das Klassenzimmer betritt, mich mit einem Mörderblick bedeckt und sich dann ihren Unterlagen widmet. Noch bevor sie das erste Wort überhaupt ausgesprochen hat, klebt mein Blick schon auf dem Campus. Es ist einfach um vieles entspannender nach draußen zu starren, als dieser Frau zuzuhören. Anstatt ihr also zuzuhören und etwas für mein Leben zu lernen, sollte ich jemals das Bedürfnis verspüren Biologe zu werden, starre ich lieber aus dem Fenster und überlege mir, wie ich Kai sein Leben zur Hölle machen kann. Im Allgemeinen bin ich ja ein recht umgänglicher Mensch, frei von jeglichen

Rachegelüsten. Okay, das ist gelogen. Natürlich habe ich hin und wieder diverse Gelüste, irgendwelche Leute leiden zu sehen, aber das legt sich eigentlich relativ schnell wieder. Meistens so nach einer Woche, in der mir nichts brauchbares eingefallen ist, und ich aufgebe. Bei Kai hat sich die Situation allerdings vollkommen verändert. Inzwischen kann ich ihn nicht nur nicht ausstehen, nein, ich kann sogar schon von Hass reden. Dabei hat das noch nicht mal richtig was mit mir zu tun, und ist deshalb eigentlich total unlogisch. Ich persönlich finde es jedoch logisch. Denn, wie zur Hölle, soll ich mich mit Marcel prügeln und aneinander geraten, wenn der wegen seines Positionsverlustes chronisch depressiv wird, und gar keine Lust mehr hat

sich mit mir zu streiten? Und sollte das passieren, werde ich meines Lebens nicht mehr froh und eingehen, wie ein nicht versorgtes Tamagotchi. Kann sein, dass ich übertreibe, wie Mac mir weiß machen will, aber ich empfinde nun einmal so. Mein Schulleben funktioniert nur deshalb so gut, weil Marcel es ausgleicht. Ich will mir ehrlich gesagt gar nicht vorstellen, wie ich werde, wenn ich diesen Ausgleich nicht mehr habe, denn entgegen allen Erwartungen und Annahmen ist es gar nicht so einfach, den perfekten Feind zu finden. Das ist ungefähr genauso schwer wie den richtigen Partner zu finden. Zwar halte ich von Beziehungen überhaupt nichts, aber wenn man es wirklich penibel betrachten will, haben Marcel und ich eine

Hassbeziehung, was ja auf dasselbe raus läuft. Vielleicht kann ich deswegen keine normale Beziehung führen, weil ich dafür meine Hassbeziehung vernachlässigen müsste. Eventuell sollte ich mir auch psychologische Hilfe suchen. „Mr. Nikura! Ich nehme an, Sie wissen die Antwort auf die Frage?!“ Mein Blick wandert zu Mrs. Jackson, und ich verziehe ungewollt das Gesicht. Natürlich ist der dummen Kuh klar, dass ich die Antwort nicht weiß, wenn ich noch nicht mal weiß, was die Frage war. Das sehe ich allein schon an ihrem Blick, der mir sagt, dass es für sie die reinste Genugtuung ist mich zu blamieren, auch wenn es nur minimal ist. Ich meine, man ist ja nicht umsonst Lehrer, ne? „Wäre der Flugwinkel des Stuhls 90° gewesen und keine 65°, hätte er Sie nicht so unglücklich

am Kopf getroffen?“ Okay, das ist so ziemlich das Dümmste das ich sagen kann, aber ich kann es mir nun einmal nicht verkneifen. Augenblicklich beginnt sich Kichern in der Klasse auszubreiten, und ich verziehe wieder das Gesicht, als ich die Veränderung im Gesicht unserer Lehrerin bemerke. Wäre das hier ein mieser Comic, könnte man jetzt eine schwarze Wolke und zuckende Blitze über ihrem Kopf schweben sehen. So aber machen lediglich ihr finsterer Gesichtsausdruck und die aufeinandergebissenen Zähne darauf aufmerksam, dass sie stinksauer ist. „RAUS!“ Ich rolle mit den Augen, ehe ich aufstehe, mein Zeug zusammenpacke und das Klassenzimmer verlasse. Da ich noch nie scharf auf Biologie war, trauere

ich dieser Stunde ehrlich gesagt auch nicht hinterher. Stattdessen kann ich mich nun also bis zur nächsten Pause womit auch immer vergnügen, während alle anderen ihre Ärsche auf diesen unbequemen Stühlen platt sitzen und sich sinnloses Gerede über irgendein Zeug anhören, dass man im späteren Leben sowieso nicht braucht. Außer man will eben Biologe werden. Kaum aus dem Gebäude raus, zünde ich mir eine Zigarette an, und überlege was ich nun mit der gewonnen Freizeit anfangen soll. Um ehrlich zu sein hab ich auf nichts so wirklich Lust. Weder in unser Zimmer zu gehen und irgendwelche Dinge zu tun, wie zum Beispiel Mangaseiten zu rastern, noch um in den Musikraum zu gehen und da irgendwas produktives zu tun. Schlussendlich entscheide ich mich dafür,

sinnlos durch die Gegend zu laufen und darüber nachzudenken, wie ich Kai's perfektes Leben in eine Art perfekte Hölle umwandeln kann, ohne allzu viel Aufmerksamkeit auf mich zu ziehen, die wiederum die Aufmerksamkeit unseres Direktors auf mich ziehen würde. Von allen Personen hier auf Nightcrawl, ist Mr. Stevens so ziemlich die unerfreulichste. Ich hätte wirklich nichts dagegen, wenn der Typ einen üblen Ausschlag bekommen würde und sein Amt für eine Weile nicht ausführen könnte. Aber leider bekomme ich schon aus Prinzip nicht das, was ich mir wünsche. Bei genauerer Betrachtung ist es eigentlich wirklich nicht okay, Eric für meine Zwecke zu missbrauchen. Er ist echt nett und ich mag ihn. Wäre sein blödes Liebesgeständnis nicht gewesen, hätte das mit uns super funktioniert. Allein schon, dass er mich liebt, macht ihn zu einer Art

Weltwunder, und verursacht mir zu allem Überfluss ein schlechtes Gewissen bezüglich meines Plans. Vielleicht sollte ich das ganze nochmal überdenken, und mir irgendwas anderes einfallen lassen. Immerhin hat jeder Mensch Leichen im Keller, weswegen es bei den anderen Mitgliedern des Basketballteams sicher auch irgendwas auszugraben gibt, womit man sie unter Druck setzen kann. Vielleicht hat Mac auch recht, und ich steigere mich in die ganze Sache wirklich etwas zu sehr rein. Es ist nun mal wirklich nicht so, als könnten Marcel und ich uns leiden. Vermutlich wäre es einfacher, wenn wir uns einfach aus dem Weg gehen und die Klappe halten würden. Aber aus unbekannten Gründen knallen wir doch immer wieder

zusammen. Marvin hat uns irgendwann einmal mit Magneten verglichen, die sich anziehen und doch wieder abstoßen. Als ich ihn gefragt habe, wie er auf so eine Scheiße kommt, hat er lediglich mit den Schultern gezuckt und gemeint, ihm wäre es einfach aufgefallen. Wenn ich mich bewegte, bewegte Marcel sich wie automatisch auch, und umgekehrt. Ich halte den Vergleich mit den Magneten immer noch für Scheiße, aber auf der anderen Seite hat das Schäfchen wohl doch recht. Solang einer von uns ruhig bleibt, ist es der Andere auch. Rastet einer aus, tut es der Andere ebenfalls. Verkorkster geht es ja schon fast nicht mehr. Also auch wenn Mac Recht haben sollte, und ich mich zu sehr in die Sache rein steigere, habe ich trotzdem nichts davon, wenn ich mich

raus halte. Im Prinzip ist es bei Marcel jetzt nämlich so, wie es bei mir war bevor Mac auftauchte. Ich war allein. Na okay, nicht wirklich allein, aber Freunde hatte ich trotzdem keine. Marcel war der Einzige, der mich wahrgenommen und mich behandelt hat, als wäre ich mit ihm auf einer Stufe, im Gegensatz zu allen Anderen hier. Das war zwar eher eins auf die Fresse schlagen als irgendwas anderes, aber ehrlich gesagt wüsste ich nicht wie ich es überstanden hätte, wenn er nicht gewesen und mit mir aneinandergeraten wäre. Das klingt so kitschig, dass einem fast schon schlecht wird. Aber es ist ja nicht so, dass Marcel und ich uns schon immer die Fresse eingeschlagen hätten, das geht erst seit ein bisschen über 3 Jahren so. Eigentlich haben wir uns tatsächlich mal ganz

gut verstanden. Also, vermutlich liegt es daran, dass ich diese ganze Sache nicht einfach so auf mir sitzen lassen kann. Who cares?! Ich stoße den Rauch meiner Zigarette in die Luft aus, und fische meine Handy aus der Hosentasche, bevor ich seufzend Whatsapp öffne. Es liegt mir nicht mich für irgendwas zu entschuldigen, aber bei Mac sollte ich es wohl trotzdem tun. Auch wenn ich ihm lediglich vor die Füße geworfen habe, er würde mich nicht verstehen. Ist im Prinzip eine Lappalie, aber für Mac nicht. Aus irgendeinem Grund ist das so ziemlich das mieseste was man zu ihm sagen kann, wenn man ihm nicht gerade die Freundschaft kündigt.

Woran genau das liegt, weiß ich nicht, weil er nicht darüber reden will, aber ich wusste es. Und weil ich es wusste, hätte ich das nicht sagen sollen. Aber es ist mir einfach so rausgerutscht, was es allerdings auch nicht besser macht. >Das vorhin hätte ich nicht sagen sollen. War blöd. Sorry.< Na gut...die Nachricht ist jetzt nicht unbedingt der Knaller, aber Mac weiß, dass mir Entschuldigungen nicht unbedingt liegen. Für gewöhnlich entschuldige ich mich überhaupt nicht. Nie. Was für Scheiße ich auch gebaut haben mag. Also kann man davon ausgehen, dass ich es verdammt ernst meine, wenn ich mich dazu durchringe. Angewidert verziehe ich das Gesicht, als ich

noch ein >H.d.l< hinten dran hänge und schnell auf 'Senden' drücke, bevor ich es mir doch noch anders überlege. Oh Gott, ich weiß, dass Mac mich dafür ewig auslachen und aufziehen wird, wenn er die Entschuldigung annehmen sollte, aber es ist mir nun mal wichtig, dass er weiß, dass er mir wichtig ist. Und dafür mach ich auch so was. Auch dann, wenn sich mir eigentlich der Magen umdreht. Gerade als ich mein Handy wieder in die Hosentasche schieben will, erregt ein Geräusch meine Aufmerksamkeit und ich halte in der Bewegung inne, ehe ich zu der Baumgruppe links neben mir sehe. Obwohl man das eigentlich schon nicht mehr Baumgruppe nennen kann, sondern eher Miniaturwald. Dort stehen zirka zwanzig ziemlich große Bäume, umgeben von ziemlich viel Gebüsch.

Wenn man also irgendwelche Dinge tun will, von welcher Natur sie auch sein sollten, ist dieser Miniaturwald eine ziemlich gute Möglichkeit. Als ich schon denke mir das Geräusch nur eingebildet zu haben, ertönt es wieder und ich runzle die Stirn. Es hört sich an, wie ein Meerschweinchen in Nöten. Natürlich weiß ich, dass hier auf dem Gelände nicht einfach so irgendwelche Meerschweinchen frei herumlaufen und in freier Wildbahn leben, aber es hört sich trotzdem so an. Na gut, vermutlich gibt es auch andere Tiere die sich so anhören. Fest steht aber, dass ich nun mal ein Tierfanatiker bin, Krabbeltiere ausgeschlossen, und deswegen nicht einfach weiter gehen kann. Mich würde auf ewig mein Gewissen plagen, wenn ich jetzt weitergehe und in diesem

Gebüsch irgendein armes Tier vor sich hin siecht, bis es irgendwann tot ist. Ne, so was geht nicht. Das ist auch der Grund warum ich mich überwinde mich langsam in den Miniaturwald zu schieben, obwohl es hier vor Krabbeltieren nur so wimmelt. Und die hasse ich wie die Pest. Langsam und darauf bedacht nicht in irgendwas reinzutreten, dass einen Herzstillstand bei mir verursachen könnte, schiebe ich mich weiter vorwärts immer dem Geräusch nach, bis ich die Geräuschquelle schlussendlich direkt vor mir habe. Ich glaub mein Schwein pfeift!

Was er nicht weiss, macht ihn nicht heiss

Ich weiß nicht, ob man das rationales und praktisches Denken nennen soll, als ich die Kamerafunktion meines Handys auswähle, während ich immer noch mit leicht geöffnetem Mund da stehe und mir das angucke. Diese Szenerie ist so absurd, dass sie schon wieder logisch wirkt. Mein Daumen wandert zum Auslöser, den ich drücke, und dank des Geräuschs habe ich die ungeteilte Aufmerksamkeit der Protagonisten, die mich anstarren, als wäre es alles andere als erfreulich mich zu sehen, und als hätte ich sie bei irgendwas erwischt. Ist im übrigen beides der Fall. „Ernsthaft?“, frage ich, erwarte aber um ehrlich zu sein auch keine Antwort. Stattdessen drehe ich mich auf dem Absatz um

und trete den Rückzug an, raus aus dem Gebüsch. „Touji!“, ruft man mir noch hinterher, aber um ehrlich zu sein sind meine Ambitionen anzuhalten nicht gerade die größten. Wieder auf dem Weg, starre ich auf das Foto auf meinem Handy und überlege kurzzeitig, ob ich es nicht wieder löschen sollte. Ungefähr drei Sekunden lang, ehe ich mich dazu entschließe, es an Taylor zu schicken, für den Notfall, dass ich ein Backup brauche. „Touji!“ Ich sehe über meine Schulter und schiebe mein Handy in meine Hosentasche zurück, während ich Eric ansehe und fragend eine Augenbraue hebe. „Es ist nicht das, wonach es ausgesehen hat.“ Was die meisten Menschen noch nicht bemerkt

zu haben scheinen ist die Tatsache, dass dieser Satz meistens bestätigt, dass es genau das ist wonach es aussieht, jedoch sage ich nichts dazu. Zumal ich mir sicher bin, dass es genau das war, wonach es aussah. Das mache ich allein schon an der Tatsache fest, dass man Eric's...Ding...im Hintern von Atomkern-Jem gar nicht anders auffassen KANN. Also ich bin nicht eifersüchtig auf Jem oder so, nein, echt nicht. Ich hab einfach nur eine äußerst ausgeprägte Allergie dagegen, wenn Leute die Worte 'Ich liebe dich' vor sich hin blubbern, als hätten sie keine Bedeutung und es kurz darauf mit irgendjemand anderes treiben. Ich empfinde in der Hinsicht Hass auf jeden, der das so handhabt. Scheißegal ob ich ihn kenne oder ob der Mensch am anderen Ende der Welt lebt. Es gibt nämlich Leute, die im Gegensatz zu mir,

wirklich auf diese Worte vertrauen, und dann dementsprechend am Boden zerstört, depressiv oder selbstmordgefährdet sind. „Ich freue mich, dass du über die Abfuhr so schnell hinweg gekommen bist. Dann ist jetzt alles klar, oder?“, gebe ich von mir, und meine es tatsächlich so. Wenn Eric schon den Nächsten gefunden hat, muss ich mich mit keinem schlechten Gewissen beschäftigen, weil ich etwas grob zu ihm war. Das ist einfach perfekt. „So ist das nicht!“ „Ehrlich gesagt, geht es mich auch nichts an.“, gebe ich schulterzuckend von mir, als gerade Jem aus dem Gebüsch stolpert, und neben Eric stehen bleibt. „Gib uns das Foto.“, meldet dieser sich zu Wort. Ich finde es manchmal wirklich erstaunlich,

dass manche Leute denken man würde ihnen einfach so Fotos aushändigen, die man ja aus einer Kurzschlussreaktion gemacht hat, und die man eventuell noch braucht. Ich bin mir so ziemlich sicher, dass ich das Foto noch brauche. „Das werd ich nicht tun.“, antworte ich deswegen und schiebe meine Hände in die Hosentaschen. Auch Eric scheint das Foto wieder einzufallen und er macht einen Schritt auf mich zu und streckt die Hand aus. „Touji, gib es her.“ „Nö.“ „Ich hol es mir notfalls auch.“ Meine Augenbraue wandert wieder nach oben und meine Mundwinkel zucken kurz, ehe ich ein Prusten von mir gebe. „Du kannst ja tatsächlich ernsthaft und

bedrohlich wirken.“ Ehrlich gesagt hat Eric auf mich nie einen bedrohlichen Eindruck gemacht, weil er einfach eine Frohnatur ist, aber man kann sich bekanntlich ja oft in Menschen täuschen. Angst hab ich trotzdem keine, weil das was Eric ausstrahlt, einfach lächerlich ist, wenn man es mit der Ausstrahlung von Marcel vergleicht. Also kann man sagen ich bin abgehärtet, weil ich so oft mit ihm aneinander gerate. „Touji! Gib es her, sonst...“ „Sonst was?“, fragt jemand, dessen Stimme ich nur zu gut kenne, und an den ich zufällig gerade gedacht habe, und ich blicke nach rechts den Weg entlang, wo Marcel steht, die Hände in den Hosentaschen und mit einem reichlich genervten Gesichtsausdruck. „Gibt es irgendwelche Probleme?“, hakt Taylor nach, der neben Marcel steht, und ich frage

mich kurzzeitig, ob ich der Einzige bin der sich fragt, warum die Beiden zusammen hängen. „Nein...keine Probleme.“ Der Grund warum Jem und auch Eric auf einmal so kleinlaut sind, ist vermutlich Marcel. Zumindest nehme ich das an, weil er als einziger reichlich genervt aussieht und die Beiden gerade mit seinen Blicken erdolcht, während Taylor tiefenentspannt wirkt. „Gut. Dann können wir ja zum Sport gehen.“, kommentiert der Punk und grinst breit, ehe er sich in Bewegung setzt, mich am Arm packt und hinter sich her zieht. Ich lasse es mit mir machen, und winde mich auch nicht aus dem Griff, als er mich nicht freiwillig loslässt. Stattdessen hänge ich meinen Gedanken hinterher, während sich auf meinen Lippen ein Grinsen breit

macht. „Touji?“ „Stör ihn nicht. Er hat große Pläne.“, kommentiert Marcel, und mein Blick genauso wie der von Taylor, wandern zu ihm. „Große Pläne bei denen irgendwer leiden wird.“, hängt der ehemalige Basketball-Captain hinten dran, und hebt dann fragend eine Augenbraue, während er mich ansieht. „Ach was.“ „Das sagst du jedes Mal. Und dann hat irgendein armer Kerl einen psychischen Schaden und braucht ganztägige Betreuung für den Rest seines Lebens.“ „Stell mich nicht hin, als würde ich irgendwelche Leute in einem Keller foltern.“, murre ich zurück und blase die Backen auf. „Wir erinnern uns an Erwin, der nicht mal eine Stunde durchgehend nachts schlafen konnte,

nachdem du ihn in die Mangel genommen hast.“, hält Marcel dagegen und ich schnaube nur, ehe ich den Mund aufmache, um etwas zu sagen. Dazu komme ich allerdings nicht, weil Taylor mich mit einem „Ihr versteht euch eigentlich echt super.“, unterbricht. „Tun wir nicht!“, kommt es gleichzeitig von Marcel und mir, was den Punk nur noch breiter grinsen lässt, ehe er mit dem Finger auf uns deutet. „Das...ist schon Beweis genug.“ „Schwachsinn.“, fauche ich, während Marcel ein „Geh zum Optiker.“, vor sich hin knurrt. Der Rest des Weges verläuft ruhig. In der Umkleide trennen sich unsere Wege, da weder ich noch Marcel Lust darauf haben, aufeinander zu kleben. Kann sein, dass er mir gerade geholfen hat.

Kann auch sein, dass ich ihn rächen will. Aber am Ende können wir uns trotzdem nicht leiden. Ich gebe auch ehrlich zu, dass ich vergessen habe, dass Eric ebenfalls in unserem Sportkurs ist, weswegen ich mich an Taylor hänge, und nicht weiter als zwei Meter von seiner Seite weiche. Er scheint das ziemlich lustig zu finden, so wie er die ganze Zeit vor sich hin kichert, aber ich finde das weniger lustig, weshalb ich ihm irgendwann einen Ellenbogen in die Rippen ramme, um ihn zum Schweigen zu bringen. „Übrigens...dieses Foto, das du mir geschickt hast...“ Ich sehe zu Taylor hoch und hebe eine Augenbraue, während er sich umsieht, um sicher zu stellen, dass uns niemand belauscht. „What the Fuck?! Dein

Ernst?“ Ich verkneife mir ein Lachen und räuspere mich stattdessen, ehe ich einfach nicke und einen zustimmenden Laut von mir gebe. „Na ja, ja. Außerdem ist das so was wie eine Fügung des Schicksals.“, kommentiere ich, während wir den Anweisungen von Coach Vincent folgen und sich Taylor auf den Boden legt, während ich mich vor ihn knie und seine Beine festhalte. Sit-ups sind so ziemlich das widerlichste was ich am Sport kenne, zumal ich mich immer noch frage, wozu die eigentlich gut sein sollen. Bei meiner Statur ist eh schon Hopfen und Malz verloren. „Du meinst, um ihn unter Druck zu setzen?“, hakt Taylor nach, während er immer mal wieder hoch kommt und sich dann wieder auf den Boden zurücksinken

lässt. „Natürlich. Ich meine, wenn ich ihm androhe zu erzählen, dass er schwul ist, kann es immer noch sein, dass er mir das nicht glaubt. Immerhin würde ich mich damit selbst outen....auch wenn ich annehme, dass das eh schon jeder weiß.“, philosophiere ich vor mich hin, und schiele zu Eric hinüber. „Also willst du ihn mit dem Foto unter Druck setzen, und so alles aus ihm herauspressen was er über Kai weiß, richtig?“ „Da sagt nochmal einer Punks hätten Erbsenhirne.“, grinse ich und Taylor streckt mir die Zunge raus, als er das nächste Mal hoch kommt. „Du darfst Mac auf keinen Fall was davon erzählen.“, kommt es nach einer Weile ernster von meinen Lippen. Natürlich, Mac ist mein bester Freund, aber

deswegen wird er das trotzdem nicht gut heißen. Stattdessen wird er auf mich einreden und nachts wegen einem schlechten Gewissen nicht schlafen können, während ich schlummern werde wie ein Stein. So was tut man für gewöhnlich seinem besten Freund nicht an, weswegen ich es für äußerst wichtig halte, ihm das zu verschweigen. Okay, man sollte seinem besten Freund nichts verschweigen. Aber ich muss mich hier wirklich entscheiden zwischen Mac mit Schlafstörungen oder Mac der von nichts weiß, und deshalb gut durchschlafen kann. Die Entscheidung fällt mir in der Hinsicht nicht sonderlich schwer, denn ob man es glaubt oder nicht, ich bin sehr an Mac's Gesundheit interessiert. So sehr, dass ich ihm Dinge verheimlichen werde, um seinen Biorhythmus nicht durcheinander zu

bringen. Was bin ich eigentlich für ein Arschloch-Freund? „Ich halte es für keine gute Idee, das vor ihm geheim zu halten. Früher oder später wird er dahinter kommen, und vermutlich stinksauer und/oder enttäuscht sein.“, kommt es von meinem neuen Kumpel und ich gebe ein bestätigendes Murren von mir. Natürlich weiß ich, dass Taylor recht hat, und man mit der Wahrheit am besten fährt. Auf der anderen Seite kenne ich Mac und seinen Zwang nicht kriminell zu sein, einfach zu gut. „Sagen wir, es bleibt vorerst unter uns, und ich sag es ihm, sollte sich daraus wirklich irgendwas brauchbares ergeben.“, schlage ich deshalb vor und bekomme einen bestätigenden Laut von dem Punk. Vermutlich ist er nicht glücklich darüber, der

einzige Eingeweihte zu sein. Und vermutlich wäre ich das an seiner Stelle auch nicht. Aber es wird nicht lange so bleiben, denn ich schwöre hiermit, dass ich es Mac sagen werde. Demnächst. „Im übrigen beobachtet er dich.“, teilt mir Taylor mit, als wir die Position wechseln. „Wer?“ Mir fallen auf den Schlag drei Leute ein, die mich beobachten könnten, weil sie mit irgendwas was ich tue nicht besonders glücklich sind. Einer ist ein Atomkern, der andere ein säuselnder Schlappschwanz und der Dritte eine intrigante Sau. „Marcel.“ „Hä?“ Mein Blick wandert hinüber zu eben genannten, und ich verziehe automatisch das Gesicht, als er

anstatt wegzusehen versucht, mich in Grund und Boden zu starren. „Was hab ich nur an mir?“, seufze ich theatralisch, während ich damit beginne meine Sit-ups abzuleisten, und mich gleichzeitig frage, was ich nun schon wieder getan hab, dass Marcel mich ins Visier nimmt. „Vielleicht lassen ihn deine 'großen' Pläne ja nicht in Ruhe.“, lacht Taylor und ich murre nur. Das könnte eventuell tatsächlich der Fall sein. Oder aber ich hab wieder irgendwas verbrochen, von dem ich noch nichts weiß. Ist nämlich meistens so. Meistens weiß ich erst, was ich angeblich verbrochen habe, wenn mich andere darauf ansprechen. Dummerweise kann ich meistens mit den Informationen nicht wirklich viel anfangen. „Oder aber er starrt dich einfach nur so an. Als Zeitvertreib, und weil er das ja schon lang nicht mehr machen

konnte.“ Manchmal habe ich das Gefühl, in Taylor einen Seelenverwandten und Komiker in unpassendsten Momenten in einem erwischt zu haben. Die Art wie er manche Dinge ausspricht und betont, erinnert mich manchmal wirklich stark an meine eigene. So wie jetzt gerade. „Geh halt rüber und frag ihn.“, gebe ich keuchend von mir. Wer bis gerade nicht wusste warum ich Sit-ups hasse, obwohl ich ziemlich sportlich bin, hat hier die Antwort. Ich bin zu Sit-ups einfach nicht mehr fähig, wenn ich bis zu drei Stunden davor irgendwas gegessen hab. Mein Magen macht diese Strapazen nicht mit, und ich kann ihn um ehrlich zu sein gut verstehen, denn ich schlafe nach dem Essen auch lieber erst mal eine

Runde, anstatt mich körperlich zu betätigen. Mein Mund klappt auf, als Taylor meine Beine los lässt, nur um tatsächlich aufzustehen und zu Marcel zu gehen. Wenn ich dem Punk in ferner Zukunft jemals irgendetwas beibringen sollte, dann wie man unterscheidet was ich ernst meine und was nicht. Und dass er zu Marcel gehen und ihn einfach fragen soll, meinte ich definitiv nicht ernst. Zu meinem Leidwesen kann ich nichts tun, um das zu verhindern. Denn wenn etwas noch peinlicher und vernichtender ist, als dass Taylor gerade tatsächlich da rüber gegangen ist, dann ist es, wenn ich jetzt durch die halbe Turnhalle brülle, er solle es bleiben lassen. Also bleibe ich einfach auf dem Hallenboden sitzen wie ein verschrecktes Kaninchen, und starre zu ihm und Marcel

hinüber. Während Taylor auf ihn einredet, werde ich Zeuge davon wie Marcel's Gesichtsausdruck mit der Zeit immer fragender und verwirrter wird, und habe kein gutes Gefühl dabei. Ich möchte gern einmal wissen, was Taylor ihm da gerade erzählt. Obwohl, eigentlich will ich es doch lieber nicht wissen, weil das dann einer der Momente sein wird, in denen ich es für eine großartige Idee halte aus dem Fenster zu springen, während ich das Opening der Glücksbärchis vor mich hin gröle. Ich zucke leicht zurück, als Marcel's Blick meinen trifft, und dieser eine Augenbraue hebt. Die Auslegungsmöglichkeiten was diese hochgezogene Augenbraue bedeuten soll, sind schier unendlich, weil Marcel das einfach ständig tut. Wenn er verwirrt ist, wenn er etwas

seltsam findet, wenn er sich über jemanden lustig macht, wenn er jemanden abwertet, wenn er etwas nicht versteht und manchmal auch wenn er sauer ist. Na gut, vielleicht sind die Möglichkeiten nicht gerade unendlich, aber definitiv zahlreich. Anstatt die Beiden weiterhin anzustarren, beschließe ich mit meinen Sit-ups alleine weiter zu machen, auch wenn ich dabei vermutlich eher aussehe wie eine auf dem Rücken liegende Schildkröte, als dass ich Sport machen würde. Sit-ups sind aber auch blöd, wenn man niemanden hat, der die Beine festhält. Ein Murren verlässt meine Kehle, als ich das Gekicher der anderen höre und ich frage mich unweigerlich, warum Jungs eigentlich überhaupt kichern können. Man sollte meinen, das sei dem weiblichen Geschlecht vorbehalten, zumal es sich im übrigen wirklich schwul anhört, wenn

Kerle kichern. Und ich darf das sagen, denn immerhin bin ich schwul und kichere auch nicht. Als ich ein Gewicht an meinen Beinen spüre, strample ich mich wieder in eine sitzende Position und blicke in Taylor's Gesicht, das ungefähr so schlimm strahlt wie das von Jem, wenn er mal wieder einen radioaktiven Schub hat. Den er jetzt ja vermutlich öfter hat, spätestens jedes Mal, wenn Eric gekommen ist. Vermutlich klinge ich tatsächlich etwas eifersüchtig, aber ich schwöre bei allem was mir heilig ist, und das ist wirklich nicht viel, dass ich es nicht bin. Ich bin weder eifersüchtig auf Jem, noch auf Eric. Na gut, auf Jem war ich mal eifersüchtig, aber das ist schon ein paar Jahre her, und es war auch eher eine Lappalie, weshalb das nicht

wirklich zählt. Im Ernst, ich freue mich, dass Eric so schnell über mich hinweg gekommen ist, zumal Jem ihm auch mehr zu bieten hat als ich. Oder zumindest gehe ich davon aus, dass er ihm Liebe und Verständnis entgegen bringt und nicht nur das Eine will. Trotzdem mache ich mir Sorgen, weil Taylor jetzt genauso verstrahlt grinst. Der wird ja jetzt hoffentlich nicht auch noch was mit Eric anfangen wollen. „Was grinst du eigentlich so blöd?“, frage ich nach ein paar Minuten. Erstens, weil es mir auf den Geist geht, und Zweitens, weil es echt unheimlich ist. Ich mag keine Leute die grinsen wie eine explodiertes Atomkraftwerk. „Och, nur so.“ „Das kannst du deiner Oma erzählen.“, murre

ich zurück und bleibe sitzen. Ich hab die Schnauze voll von Sit-ups, die mir im Endeffekt absolut gar nichts bringen, und mich nur aussehen lassen wie eine Schildkröte. Mich interessiert eher welcher Strahlung Taylor in den fünf Minuten die er weg war, ausgesetzt war, und ob es dagegen eine Heilung gibt. „Na, ich hab ihn halt gefragt, warum er dich die ganze Zeit so anstarrt.“ „Das hast du nicht!“ „Doch, natürlich. Du hast doch gesagt, ich soll ihn fragen.“ Manchmal frage ich mich wirklich, ob man wirklich alles wörtlich nehmen muss, was ich jemals in meinem Leben gesagt habe, oder ob nur bestimmte Menschen das Verlangen danach haben, wie Taylor zum Beispiel. Das zählt schon fast als Treudoof. Zumal ich es nicht gerade prickelnd finde, dass

er Marcel das tatsächlich gefragt hat. Der muss doch langsam auch schon denken, dass ich einen an der Klatsche habe, auch wenn es mir ziemlich egal ist, was er von mir denkt. „Okay, du hast ihn also gefragt. Und warum grinst du dann so dämlich?“, hake ich nach, um das leidige Thema zu umgehen, dass man nicht alles tun sollte was ich sage, weil das für gewöhnlich immer in einer mittelschweren Katastrophe endet. Das Grinsen von Taylor wird noch breiter, falls das überhaupt möglich ist, und ich sehe ihn misstrauisch an. Der Grund warum Leute grinsen wie Atomkraftwerke hat immer einen üblen Nachgeschmack. Das weiß ich daher, weil Mac auch manchmal grinst wie ein Atomkraftwerk, aber Gott sei Dank eben nur

manchmal. „Na, weil man dich nicht wirklich lange aus den Augen lassen kann, bevor du die nächste Katastrophe anziehst. Hat er gesagt, nicht ich.“ Man möge mir verzeihen, dass mir mein Gesichtsausdruck wohl gerade aus der Visage gerutscht ist, und nun irgendwo am Hallenboden klebt. Aber mal ehrlich, wie soll man darauf denn bitte reagieren, als sein Gegenüber einfach dümmlich anzustarren? „Dem ist schon klar, dass er die größte Katastrophe in meinem Leben ist, ja?“, frage ich dann eher sporadisch und bekomme ein Schulterzucken von Taylor. „Vermutlich weiß er das“, kommentiert mein neuer Freund und ich stoße die Luft aus, und sehe automatisch zu meinem Lieblingsfeind rüber, der ein Peace-Zeichen in meine Richtung

macht und mit den Fingern wackelt, ehe er seine Aufmerksamkeit wieder seinem Partner widmet. „Ich hasse ihn.“, stelle ich trocken fest, während ich mir meinen Bauch reibe und mich schüttle. „Das sagst du ständig. Aber eigentlich vergöttert ihr einander.“ „Dich hasse ich übrigens auch.“

freunde kommen und gehen

„Gibt es eigentlich irgendwas, was du mir sagen möchtest?“ Ich weiß nicht, ob ich jetzt einfach nur paranoid bin, oder ob Mac tatsächlich nach fragt, weil er es weiß und es nun von mir selbst hören will. Vermutlich gucke ich ihn auch gerade an wie ein Reh im Scheinwerferlicht, was meine Glaubwürdigkeit ihm gegenüber, im übrigen ziemlich untergräbt. „Ehm...nein?“ Ich blicke zu meinem besten Freund auf, der sich vor meinem Bett aufgebaut hat, und die Hände in die Hüften stemmt. Irgendwie stelle ich mir vor, dass so Mütter vor einem stehen, wenn sie etwas wissen, dass sie eigentlich nicht wissen sollten, und versuchen einen dazu zu bringen es ihnen zu sagen, selbst wenn sie es sowieso schon

wissen. Diese Mütter-Logik habe ich sowieso noch nie wirklich verstanden. Vielleicht auch deshalb, weil ich keine Mutter habe. „Touji? Lügen ist sinnlos. Ich weiß es sowieso!“ Während sich mir der Magen umdreht, frage ich mich, warum Mac nicht zutiefst bestürzt aussieht, sondern lediglich als hätte ich ihm ein Staatsgeheimnis verschwiegen. Im Anbetracht der Tatsache das er sich gerade gebärdet wie eine Mutter, verzichte ich allerdings darauf, ihn danach zu fragen, und gebe stattdessen ein „Warum fragst du dann?“, von mir. Was vielleicht nicht unbedingt produktiv ist, wenn ich mir sein Gesicht so ansehe, aber es ist eine berechtigte Frage. „Ich glaube einfach nicht, dass du so etwas tun

konntest!“ „Ich fühle mich auch schlecht deswegen. Zumindest ein bisschen. Aber es muss nun mal sein.“ „Nein, muss es nicht! Es gibt auch andere Mittel und Wege an dein Ziel zu kommen, als das!“ „Ich gehe nun mal gern den effektivsten Weg.“, kontere ich und packe ein Lesezeichen in meinen Manga, um mich ungestört mit Mac streiten zu können. Oder wie er sagen würde: Eine lebhafte Diskussion zu führen. „Ich als dein bester Freund kenne ja nun wirklich schon einige Abgründe von dir. Aber das du so tief sinken kannst, habe selbst ich nicht für möglich gehalten.“ „Dreh mir da keinen Strick draus. Der Zweck heiligt bekanntlich die Mittel. Steht sogar in der

Bibel.“ „Das steht definitiv nicht in der Bibel!“ „Es sollte aber drin stehen.“ Diskussionen zwischen mir und Mac fangen immer recht vielversprechend an, und enden schlussendlich in absoluter Sinnlosigkeit. Ich sehe das auch bei dieser Diskussion schon so kommen. „Hast du auch mal an die Gefühle der Anderen gedacht?“ „Sag bloß Eric tut dir leid?“, murre ich und angle mir meine Zigaretten vom Nachttisch. „Wieso Eric? Ich rede von uns. Taylor, Marvin und mir!“ Ich schweige. „Ich hatte schon die ganze Zeit das Gefühl, dass du mir etwas verheimlichst.“ Und ich habe irgendwie stark das Gefühl, dass wir enorm aneinander vorbei

reden. „Wovon zur Hölle redest du eigentlich?“, frage ich deshalb unverblümt, und hebe eine Augenbraue. „Davon, seit wann du dich so blendend mit Marcel verstehst! Wir reden hier von Marcel, dem arroganten Schlägerarsch! Hast du mal daran gedacht wie wir uns fühlen, wenn du mit dem einen auf Best-Friends machst?“ Um ehrlich zu sein habe ich darüber nicht nachgedacht, weil es dafür um ehrlich zu sein, auch gar keinen Anlass gab, weswegen meine Antwort aus einem simplen „Nein.“, besteht. „Es wäre mir nämlich neu, dass ich mich blendend mit Marcel verstehe.“, hänge ich hinten dran und zünde mir eine Zigarette an, nachdem ich sie mir zwischen die Lippen geklemmt

habe. „Laut meinen Informationen seid ihr Beide letzte Woche, sehr entspannt nebeneinander her, zum Sportunterricht flaniert.“ Ich kenne niemanden außer Mac, der Worte wie 'flaniert' benutzt, und das Alter von sechzig noch nicht überschritten hat. Ich meine, wer benutzt bitte 'flaniert' um damit auszudrücken das man gegangen ist? „Wir sind nicht 'flaniert'. Außerdem waren wir zu Dritt.“, murre ich vor mich hin, während ich den Rauch ausblase und die Augen verdrehe. „Zu dritt?“ „Taylor war auch dabei. Also könntest du auch dem vorwerfen, dass er mit Marcel zum Sportunterricht 'flaniert' ist.“ „Davon hat mein Informant nichts gesagt.“ „Vielleicht solltest du deinem Informanten vorschlagen, dass er sich eine Brille

kauft.“ Eine kurze Weile herrscht Stille zwischen uns, in der Mac offensichtlich tatsächlich über meinen Vorschlag nachdenkt, und ich mich frage wer zur Hölle sein Informant ist, und warum zum Geier er jemanden auf mich ansetzt. Ja, spinn ich denn? „Vielleicht solltest du zu Mr. Lee gehen.“ „Unserem Schulpsychologen?“ Ich nicke bestätigend und sehe Mac vielsagend an, der das entweder nicht mitbekommt oder es perfekt ignoriert. „Wieso das denn?“ „Weil du offensichtlich langsam paranoid wirst. Um genau zu sein, seit Kai dein Hirn verpestet und dir kleine Einzeller implantiert, die dich dazu verleiten hinter jeder Ecke eine Verschwörung mit Marcel und mir in der Hauptrolle zu

sehen.“ Mein bester Freund starrt mich eine Weile fassungslos an, ehe er mir den Vogel zeigt, und anfängt mir einen Vortrag darüber zu halten, dass man so mit seinem besten Freund nicht redet, ehe er mit einem „Außerdem bin ich nicht paranoid.“, endet. „Behauptet derjenige, der mir mit Marcel ein Best-Friends-Verhältnis andichtet.“, kontere ich und ziehe wieder an meiner Zigarette. „Dann erzähl mir endlich was hier vor sich geht, was ich offensichtlich nicht mitbekomme!“ Aufgrund des leidenden Tonfalls von Mac, zucke ich kurz zusammen und ziehe dann einen Flunsch, der an Gewissensbissen nicht zu übertreffen ist, und schnalze mit der Zunge. „Na schön.“, murre ich dann und drücke meine Kippe im Aschenbecher aus, bevor ich tief Luft

hole, und versuche nicht in Mac's erwartungsvolles Gesicht zu blicken. „Kann sein, dass Marcel und ich uns in letzter Zeit weniger auf die Fresse schlagen, als vor den Ferien. Kann auch sein, dass wir es schaffen tatsächlich einigermaßen sinnvolle 3-Satz-Gespräche zu führen, aber ich habe nicht, ich wiederhole: NICHT, irgendeine Beziehung auf irgendeiner Ebene mit ihm, von der du irgendetwas wissen müsstest.“ Mac sieht mich an und schweigt. Ich sehe zurück und schweige auch. Bis ich wieder das Gesicht verziehe und leise fluche. „Na gut, vielleicht sind wir auch mal ab und an zusammen zum Sportunterricht gegangen, und vielleicht starre ich ihn in der Mensa an, aber das hat keine tiefere Bedeutung. Ich glaube, und das ist schon fast wissenschaftlich bewiesen,

dass wir unsere Streitereien auf ein Minimum reduziert haben, weil wir einen gemeinsamen Feind haben.“ „Einen gemeinsamen Feind. Den Schulrektor?“, hakt Mac nach, und ich rolle mit den Augen. „Kai!“ „Wieso denn Kai? Das ist doch ein ganz Lieber.“ „Die Pest war auch ganz lieb, bis auf das sie ein paar Leute dahin gerafft hat.“, gebe ich sarkastisch von mir, während ich wieder mit den Augen rolle. „Ich versteh überhaupt nicht was du gegen ihn hast.“ „Und ich verstehe nicht, wie man das nicht verstehen kann.“, murre ich und stehe auf, wo ich mir meine Turnschuhe schnappe und diese anziehe. „Wo willst du

hin?“ „Raus. Es bringt absolut überhaupt nichts, sich mit dir über Kai zu unterhalten. Für dich ist diese Pestbeule doch ein Heiliger, so rein wie Schnee. Du checkst nicht, dass dieser Typ das personifizierte Übel ist.“, murre ich und schnappe mir meine Zigaretten und die Schlüssel, ehe ich mich an Mac vorbei schiebe und das Zimmer verlasse. Zwar höre ich noch, dass er mir hinterher ruft, aber ich stelle mich taub. Es hat nun mal einfach wirklich keinen Zweck mit Mac über Kai zu reden. Wie und wann es dazu gekommen ist, dass Mac angefangen hat so von Kai zu schwärmen und an ihm zu hängen, ist an mir vorbei gezogen. Tatsache ist jedoch, dass ich Kai allein schon dafür hasse, dass er Mac um den kleinen Finger gewickelt hat, und dieser so doof ist und das nicht mal

mitbekommt. Als bester Freund wäre es eigentlich meine Aufgabe die beiden voneinander fern zu halten. Auf der anderen Seite steht der Punkt, dass Mac auch mal eigene Erfahrungen machen und sich auf die Fresse packen muss. Egal wie ich mich entscheide, es wird falsch sein, was die Sache nicht unbedingt einfacher macht. Fasziniert darüber das ich nur bis ins Erdgeschoss gebraucht habe, um wirklich reichlich miese Laune zu bekommen, zünde ich mir draußen angekommen eine neue Zigarette an, und schlinge die Arme um mich. Dafür das es erst Ende September ist, ist es verdammt nochmal kalt. Aber jetzt wieder hoch zu gehen und meine Jacke zu holen, macht mein Stolz nicht mit, weshalb ich mich doch in Bewegung setzte und über den Campus

schlendere. Wohin genau ich eigentlich hin will, ist selbst mir schleierhaft. Im Endeffekt will ich einfach nur nicht in unserem Zimmer sein, und eine leidige Diskussion mit Mac führen, die am Ende sowieso nichts bringt. Mac wird nie verstehen das meine Beziehung zu Marcel einfach tiefer geht, als das wir uns mit Stühlen bewerfen. Und ich werde nie verstehen, was er an diesem dämlichen und aufgeblasenen Fatzgen findet, der es eigentlich verdient hätte, dass man ihn auf dem Scheiterhaufen verbrennt. Ich frage mich ob Kai es schafft die Freundschaft von mir und Mac genauso zu zerstören, wie Marcel's Position und Ansehen im Basketballteam. Eigentlich sollte ich solche Gedanken gar nicht haben, ich weiß. Es heißt ja immer man soll auf seine Freunde vertrauen. Aber im Moment bin

ich mir nicht sicher, ob Mac bewusst ins sein Verderben rennt und mich eigentlich leid ist. Ich meine, ich weiß das ich schwierig bin und alles andere als sozial kompetent. Trotzdem verstehe ich nicht, was er ausgerechnet an Kai findet. Na gut, Kai ist offensichtlich ein Meister darin Leute um den Finger zu wickeln, und sie für sich zu gewinnen, aber das kann nicht alles sein, denn für gewöhnlich hat Mac eine ganz gute Menschenkenntnis. Die mit Kai irgendwie abhanden gekommen ist. Ich weiß, ich wollte eigentlich sinnlos über den Campus laufen, aber im Endeffekt schaffe ich es nur bis zu der Bank, die neben der Miniaturausgabe von Wald steht, in dem ich Eric mit Jem erwischt habe. Seufzend mache ich es mir auf der Bank bequem und betrachte die glühende Spitze meiner Zigarette, ehe ich wieder daran ziehe und mich

zurück lehne. Natürlich könnte ich auch einfach zu Marvin gehen, vermutlich ist der sogar noch wach. Aber Marvin teilt sich nun mal ein Zimmer mit Lucy, und so gern ich sie mag, ich will nicht, dass sie schon wieder eine Story mit mir in der Hauptrolle schreibt. Taylor scheidet für mich schon im vornherein aus, weil er sich ein Zimmer mit Kai teilt, und ich den vermutlich umbringe, wenn ich ihn jetzt zu Gesicht bekomme. Also bleibt mir nur übrig hier sitzen zu bleiben, bis ich so weit runter gekommen bin, das ich Mac keine Dinge an den Kopf werfe, die ich später bereuen würde. Vielleicht sollte ich mich auch mit dem Gedanken anfreunden, mich mit Kai anzufreunden. Oder ihn zumindest stillschweigend dulden, ohne gegen ihn zu

sticheln. Auch wenn ich dazu vermutlich nicht in der Lage bin, kommt das wohl auf einen Versuch an. Ich meine, das versteht man doch unter Freundschaft oder? Das man auch die anderen Freunde seiner Freunde akzeptiert, und nicht dafür sorgt das der beste Freund zwischen zwei Stühlen sitzt. Wie lange genau ich schon auf der Bank sitze weiß ich nicht so genau, aber wenn ich mir die Zigarettenstummel auf dem Boden vor mir so angucke, wohl eine Weile. Ich reibe mir über die Oberarme und murre, als ich bemerke, dass es inzwischen schon stockduster ist, und ich das nicht einmal mitbekommen habe. Wärmer ist es zu allem Überfluss auch nicht geworden, weshalb ich mir über die Oberarme reibe, auf denen sich eine ekelhafte Gänsehaut ausgebreitet

hat. Eigentlich sollte ich zurück gehen, ehe ich mir noch den Tod hole. Zwar ist es ziemlich unwahrscheinlich, dass ich gleich sterbenskrank werde, aber ich könnte immerhin eine Mandelentzündung bekommen die mich daran hindert meinen täglichen Nikotingenuss nach zu gehen, was meine Laune nicht unbedingt heben wird. Ich will gerade aufstehen und zu Mac zurück schleichen, und mich gegebenenfalls entschuldigen wenn es sich nicht vermeiden lässt, kreische jedoch los, als mich etwas weiches am Kopf trifft und mir die Sicht nimmt. Mein Herz klopft, als ich das Ding auf meinem Kopf betaste und es von dort herunter sehe, nur um festzustellen, dass es eine Trainingsjacke des Basketballclubs ist. Ich frage mich sowieso schon länger, wieso die Jacken und

Trainingshosen schwarz-rot sind und nicht so wie die Trikots blau-schwarz. Mein Gesicht verdunkelt sich und ich murre. Wenn das jetzt Eric ist, drehe ich durch, da er zu den Menschen gehört die ich gerade am wenigsten sehen will. Gerade als ich den Blick heben will um zu sehen wem die Trainingsjacke gehört, auch wenn die Auswahl an Leuten ziemlich gering ist, wird mir die Jacke aus der Hand genommen, und ich stoße erleichtert die Luft aus. „Du holst dir noch den Tod, wenn du hier so rum sitzt.“, ist Marcel's Eröffnungskommentar, während er sich neben mich auf die Bank fallen lässt und noch in derselben Bewegung die Trainingsjacke über meine Schultern wirft. „Du nicht?“, frage ich zurück, weil er jetzt selbst ohne Jacke da

sitzt. Als Antwort kommt nur ein Schulter zucken, während Marcel sich eine Zigarette ansteckt und kurz darauf eine zweite, die er mir hinhält. Wortlos nehme ich die Zigarette entgegen, klemme sie mir zwischen die Lippen und starre wieder auf den Boden vor mir. „Willst du sagen, was los ist?“, fragt mein Sitznachbar nach ein paar Minuten, und ich mustere ihn aus dem Augenwinkel, während sich meine Mundwinkel unweigerlich leicht heben. „Was sollte sein?“ Bei dem Blick den mir der ehemalige Basketball-Captain zuwirft, verziehe ich das Gesicht zu einer Grimasse, einfach weil ich diesen Blick nur zu gut kenne. „Ich kenne dich lange genug, um zu wissen wenn was nicht mit dir stimmt. Also was ist

es?“ „Hab ich dir schon gesagt, wie sehr ich dich manchmal hasse?“, frage ich trocken und ziehe an meiner Zigarette. „Ich dachte du hasst mich immer, nicht nur manchmal.“, kommt es belustigt zurück, und ich muss unweigerlich glucksen. „Nur manchmal etwas mehr als sonst.“, korrigiere ich mich und lehne mich zurück, während ich die Trainingsjacke enger um meine Schultern ziehe. Einige Minuten schweigen wir, ehe ich die Luft ausstoße und wieder an meiner Zigarette ziehe. „Ich hab Streit mit Mac. Obwohl das nicht mal ein richtiger Streit ist, sondern eher eine leidige Diskussion.“, gebe ich mein Problem dann doch preis und kaue auf meiner Unterlippe herum. „Und das macht dich so fertig?“ „Ja.“, murre ich und ziehe erneut an der

Zigarette, bevor ich den Rauch wieder ausstoße. „Ich kapiere nicht, wie man Kai auch nur im entferntesten sympathisch finden kann, und Mac kapiert nicht, warum...“ Ich breche ab und ziehe wieder an meiner Zigarette, während Marcel „Warum was?“, fragt. „Warum wir Beide uns nicht mehr so oft die Visage einschlagen, und uns so 'super' verstehen.“, murre ich und schnippe die Kippe weg, ehe ich den Kopf in den Nacken lege und in den dunklen, mit Sternen gesprenkelten Himmel sehe. „Na, weil wir einen gemeinsamen Feind haben.“, kommentiert Marcel und ich pruste los, was mir einen verwirrten Blick von ihm einbringt. „Sorry...aber dasselbe hab ich Mac auch gesagt.“, erkläre ich und atme ein paar Mal tief

durch, um mich wieder zu beruhigen. „Ich dachte Mac wäre dein bester Freund?“, kommt es nach einer Weile und ich sehe Marcel mit gehobener Augenbraue an. „Ist er auch.“ „Aber du erzählst ihm nicht alles, hab ich recht?“ Mein Schweigen ist ihm wohl Antwort genug, zumindest schließe ich das daraus das er seufzt und sich ebenfalls zurück lehnt. „Vielleicht solltest du offener zu ihm sein.“ „Und das kommt ausgerechnet von dir?“ „Sogar ich gebe manchmal Lebensweisheiten von mir.“, murrt er und ich grinse unweigerlich. Es ist zwar nicht ungewohnt, dass Marcel und ich uns tatsächlich einmal normal unterhalten, vor allem seit Kai auf Nightcrawl aufgetaucht ist, aber es ist trotzdem irgendwie seltsam mit ihm hier zu

sitzen. Zumal es keines unserer gewöhnlichen 3-Satz-Gespräche ist, sondern etwas, dass man tatsächlich als Unterhaltung bezeichnen kann. „Und was soll ich deiner Meinung nach tun, Schlaumeier?“ „Keine Ahnung. Vielleicht solltest du versuchen mit Kai auszukommen.“ Vermutlich gucke ich ihn gerade genauso dumm an, wie ich mich gerade fühle. Wie zur Hölle Marcel auf diesen dämlichen Vorschlag kommt, will ich gar nicht so genau wissen. „Schau nicht so blöd. Ich hab nie gesagt du sollst mit ihm einen auf Best-Friends machen.“ „Nicht?“ „Ne, ich würde vermutlich kotzen.“, kommt es zurück, und ich grinse wieder, während ich den Kopf schüttle. Kurz schweigen wir wieder. Hauptsächlich

deswegen, weil ich nicht weiß was ich noch sagen sollte, als Marcel aufsteht und sich streckt. „Du solltest besser aufpassen, dass Kai dir deinen besten Freund nicht ausspannt.“, kommentiert er, und ich finde es mal wieder erstaunlich, dass wir dasselbe gedacht haben, weshalb ich einfach nur nicke. „Deswegen der Vorschlag, ich soll versuchen mit ihm auszukommen?“ „'Auskommen' war vielleicht etwas übertrieben. Du sollst dich lediglich nicht selbst ins Abseits schießen.“, antwortet er und sieht zu mir runter. Das weiß ich im Prinzip eigentlich auch. Wenn ich weiter so rumzicke, hat Mac wahrscheinlich bald die Schnauze gestrichen voll und Kai wird sein neuer bester Freund, während ich allein vor mich hin dümple und mir trotzdem noch ein Zimmer mit ihm teilen muss. Na okay, wirklich allein bin ich dann trotzdem

nicht, immerhin habe ich noch Marvin und Taylor, aber es geht ums Prinzip. Wer schon einmal seinen besten Freund verloren hat weiß, was ich meine. Und ich selbst weiß das nur zu gut, weil Mac nicht mein erster bester Freund ist. Allerdings werde ich diesmal einen Scheiß tun und einfach so aufgeben. Marcel macht Anstalten zu gehen, weshalb ich auf meiner Unterlippe herum kaue, bevor ich ein „Eric.“, ausstoße, und damit seine Aufmerksamkeit habe. „Also Eric...“, fange ich an, doch er winkt einfach nur ab und grinst schief. „Passt schon. Ich komm klar. Wir sehen uns.“ Anstatt sich sofort umzudrehen und zu gehen, wuschelt er mir kurz durch die Haare und macht dann erst auf dem Absatz kehrt, weshalb ich die Backen aufblase und schnaube, während ich meine Haare wieder

richte. „Hey! Die Jacke!“, rufe ich ihm hinterher, als ich bemerke das ich immer noch seine Trainingsjacke um die Schultern trage. „Lass! Du wirst nur wieder krank!“, ruft er zurück, und verschwindet um die Ecke, während ich allein auf der Bank zurück bleibe. Na ja, nicht wirklich allein. Ich hab ja eine Jacke und bin bestimmt von hunderten Mücken umgeben, weshalb ich beschließe den Weg zurück anzutreten, auch wenn ich darauf wirklich nicht die geringste Lust habe. Trotzdem stehe ich auf und schlurfe den Weg zu meinem Wohnheim zurück. In unserem Zimmer ist das Licht aus, was mich die Hoffnung haben lässt, das Mac schon schläft und ich nicht weiter mit ihm diskutieren oder, noch schlimmer, mich bei ihm entschuldigen muss. Etwas besser gelaunt steige ich die Treppen in

den Turm empor, in dem unser Zimmer liegt. Vorsichtig und möglichst leise öffne ich die Tür und schiebe mich in das Zimmer, ehe ich die Tür eher aus reiner Gewohnheit schließe als es wirklich zu wollen, weil etwas Anderes meine Aufmerksamkeit mehr auf sich zieht, als die Tür leise zu schließen, weshalb sie mit einem relativ lauten Geräusch ins Schloss schnappt. „Ich hoffe mal ich stör nicht sonderlich.“, kommentiere ich, während es in mir brodelt und ich mich zu meinem Bett begebe. „Ah, du bist wieder da.“, stellt Mac fest, und ich gebe ein „Offensichtlich.“, zurück. Ich weiß, ich habe mir vorgenommen mich damit abzufinden, dass Mac eine andere Meinung bezüglich Kai hat als ich. Und ich habe mir auch vorgenommen ihn nicht mehr grundlos an zu zicken. Aber Vorsätze funktionieren bei mir im

Allgemeinen nicht besonders gut. Ich nehme mir seit ungefähr vier Jahren auch vor, das Rauchen aufzuhören, und rauche stattdessen lediglich mehr anstatt weniger. „Wo warst du?“ „Draußen.“ Eine Weile herrscht Schweigen, während ich mein Bett frei räume, um mich darin zu vergraben und nie wieder raus zu kommen, auch wenn ich weiß, dass das absolut lächerlich ist. „Es stört dich doch nicht, das Kai hier ist, oder?“ Nein, um Gottes Willen! Wie könnte mich das stören das Kai sich in dem Raum aufhält, in dem ich zufälligerweise auch wohne? Und wie könnte es mich stören, dass die Beiden so aufeinander kleben, das nicht mal ein Blatt Papier zwischen sie passen würde. „Nein.“, antworte ich trotz meiner sarkastischen

Gedanken, weil ich mich daran erinnere, dass ich mich bei Mac nicht selbst ins Abseits schießen will. Also muss ich zu dem Scheiß hier wohl eine gute Miene machen. Das Licht geht an und ich blinzle um meine Augen an die plötzliche Helligkeit zu gewöhnen, ehe ich die Beiden über meine Schulter hinweg ansehe. Mac sieht mich fragend an, als hätte ich etwas ungewöhnliches getan, während Kai mich einfach nur anstarrt, was mir ehrlich gesagt schon auf den Keks geht, und es sind noch nicht mal fünf Minuten vergangen, seit ich ihn zur Kenntnis genommen habe. „Willst du mit 'Bleach' gucken?“, fragt mich mein bester Freund, und ich winke ab. „Ich bin total müde und will nur pennen. Macht ihr mal.“ Mehr Toleranz kann man von mir nicht

erwarten, weshalb ich in meinem Bett herum wühle, um mein Schlafzeug zu finden. „Mac und ich haben uns gerade darüber unterhalten, warum du eigentlich so eine Zicke bist.“, erhebt Kai das Wort und meine Augenbraue zuckt. Nicht mal wegen dem was er gesagt hat, sondern lediglich wegen seiner Stimme und dem Unterton den er benutzt. Er hört sich an als würde er mit einer Schabe sprechen, anstatt mit mir, was mich ehrlich gesagt etwas wütend macht. „Ich hab dir ja wohl nichts getan, weshalb du mich ablehnen könntest.“ Außer das er lebt und atmet natürlich. „Immerhin hab ich dir sogar diesen Irren vom Hals geschafft.“ Ich beiße die Zähne zusammen, während ich mit dem Rücken zu ihnen stehe, und versuche mich zu beruhigen, um Kai nicht jetzt und auf der

Stelle irgendwas in den Hals zu rammen. Zum Beispiel den Cutter, den ich eigentlich zum Schneiden der Rasterfolie benutze. „Ich will dir nur ein guter Freund sein.“, endet er dann und ich gebe ein „Das ist nett.“, von mir, das gar nicht mal so aggressiv klingt, obwohl ich innerlich koche. „Sag mal Touji...“ „Was?“, frage ich, während ich meine Schuhe von den Füßen kicke und die Jeans gegen meine Schlafhose tausche. „Wieso hast du eine Jacke vom Basketballclub an?“, hakt Mac nach, und meine Mundwinkel zucken, ehe ich mich zu den Beiden umdrehe und sie ahnungslos ansehe. „Ach so die.“, gebe ich dann von mir und ziehe die Jacke aus, die ich fein säuberlich zusammen lege und auf mein Bett verfrachte. „Ich hab Marcel getroffen.“, gebe ich dann

wahrheitsgemäß zu und ziehe mein Shirt aus, bevor ich in meinen Pullover schlüpfe, den ich bevorzugt zum Schlafen anziehe. Da die Beiden mich anstarren, als wäre ich eine außergewöhnliche Erscheinung, beschließe ich, noch einen oben drauf zu setzen. „Wir haben uns unterhalten, und er hat mir seine Jacke gegeben damit ich nicht krank werde.“, hänge ich hinten dran und hebe meine Mundwinkel ein Stück, bevor ich in mein Bett krieche und die Jacke neben meinem Kopfkissen ablege. „Touji...“, kommt es synchron von Beiden, während ich mich in meinem Bett zurecht rücke, und Mac etwas fassungslos aussieht, während Kai aussieht als hätte er in ein Netz Zitronen gebissen. „Gute Nacht, meine Hübschen. Bis morgen.“, kommentiere ich und drehe ihnen den Rücken zu, während ich mich nur schwer beherrschen

kann nicht breit zu grinsen oder gar los zu lachen. Stattdessen geht das Licht aus und ich höre eine Weile nichts, außer den leisen Ton der Folge die sie gerade gucken. „Marcel? Ernsthaft?“, flüstert Kai, weswegen ich doch grinse, mich aber weiterhin schlafend stelle. „Ich hab keine Ahnung was da abgeht.“, flüstert Mac zurück, und ich kuschle mich noch mehr in meine Decke, während ich die Augen zu mache. Ich habe auch keine Ahnung was genau abgeht, aber im Moment reicht es mir zu wissen, dass ich Kai abgrundtief hasse, Mac offensichtlich dabei ist mich abzuschreiben und mich das Gespräch mit Marcel tatsächlich so was wie glücklich gemacht hat. Zumindest schließe ich das aus dem Kribbeln in meinem Bauch. Könnte aber auch ne

Magenverstimmung sein.

es gibt nur eine regel an die ich mich halte

Am nächsten Morgen bin ich noch vor Mac wach, und das sogar ohne Wecker oder dass mich jemand aus dem Bett zerren muss. Ich versuche mir meine Laune nicht dadurch verderben zu lassen, dass ich Kai in Mac's Bett vorfinde, wo er selig vor sich hin schnarcht, und schiebe mich stattdessen leise durch das Zimmer, wo ich mir Klamotten zusammen suche und mich ins Bad verdrücke. Unter der Dusche entspanne ich mich etwas, und denke darüber nach, was in meinem Leben eigentlich schief läuft, dass ich es irgendwie nie schaffe eine Freundschaft aufrecht zu erhalten. Obwohl das auch nicht ganz richtig ist, denn genau genommen betrifft das immer nur meine besten Freunde. Entweder bin ich nicht dafür geeignet einen

besten Freund zu haben, oder aber das Schicksal liebt es einfach mir in die Eier zu treten, und das mit ziemlich viel Schwung. Vielleicht stelle ich mich aber auch einfach zu sehr an, und sollte Kai eine faire Chance geben, seinen guten Charakter zu zeigen. Auch wenn ich bezweifle, dass Kai auch nur im Ansatz so etwas wie einen guten Charakter besitzt. Abgesehen davon hindert mich der Verrat an Marcel daran, Kai auch nur im Entferntesten eine Chance zu geben. Aber meine Hoffnung, dass Mac die Erleuchtung findet und das einsieht, ist gestern so ziemlich grausam abgestochen worden, weshalb ich damit auch nicht mehr rechne. Vielleicht können Mac und ich auch keine besten Freunde sein, weil er meine Obsession zu Marcel nicht versteht, und das anscheinend auch

gar nicht will. Für Mac ist es absolut unverständlich, warum ich mich so ins Zeug lege, wenn es um den ehemaligen Captain des Basketballclubs geht. Vielleicht sollte ich versuchen ihm zu erklären, dass Marcel und ich uns kennen, seit ich hier angekommen bin, und deswegen zu ihm eine, sagen wir besondere Verbindung habe. Wir hassen uns, und doch verstehen wir einander wahrscheinlich besser, als uns irgendjemand Anderes verstehen würde. Und deswegen kann ich Marcel nicht einfach hängen lassen, auch wenn Mac das nicht versteht. Vermutlich genauso wenig wie alle Anderen auch. Ich bin nicht so naiv, dass ich glauben würde, dass Marvin oder Taylor das verstehen würden. Die beiden sind einfach nur gut darin, es einfach so hinzunehmen und keine Fragen zu

stellen. Seufzend steige ich aus der Dusche und trockne mich ab, ehe ich mich anziehe und mit der Hand über den Spiegel fahre, worin ich mich betrachte, bevor ich mir meine Kulturtasche schnappe und anfange mich zu schminken. Ich weiß, es ist noch sehr früh, und der Unterricht fängt auch erst in drei Stunden an, aber ich weigere mich noch weiter Zeit in meinem Zimmer zu verbringen, wenn sich Kai hier aufhält. So viel also dazu, dass ich Kai eventuell eine Chance geben sollte, seinen wundervollen Charakter zu zeigen. Für meinen Geschmack auf jeden Fall, habe ich seinen Charakter zur Genüge bewundern können. Nachdem ich fertig bin, öffne ich die Badezimmertüre, um mein Zeug zu packen und

zu verschwinden, und stehe prompt Kai gegenüber, der eine Augenbraue hebt und mich abschätzend ansieht. „So früh schon auf?“ „Offensichtlich.“ Ich linse an Kai's Schulter vorbei und stelle fest, dass Mac immer noch schläft, was ich um ehrlich zu sein, nicht so prickelnd finde. Gerade als ich mich an Kai vorbeischieben will, um endlich loszukommen, versperrt dieser mir den Weg, weswegen ich die Augen zu Schlitzen verenge. „Was läuft da zwischen dir und Marcel?“, flüstert mir Kai ins Ohr, und ich verziehe das Gesicht, während sich eine unangenehme Gänsehaut über meinen Rücken schleicht. „Vögelt er dich?“ „Red keine Scheiße!“, zische ich und schubse ihn ein Stück von mir weg, nur um in sein

widerlich grinsendes Gesicht zu blicken. „Aber, aber! Wieso denn so aggressiv?“, kichert er, und ich schnaube, bevor ich mich in Bewegung setze und mir meine Tasche und die Trainingsjacke schnappe. „Du musst doch bloß mit mir reden.“, setzt er hinten dran. „Mit dir zu reden ist die reinste Zeitverschwendung.“, kommentiere ich trocken, nachdem ich meine Wut heruntergeschluckt habe, und schiebe mich an ihm vorbei zur Zimmertüre. „Bis später, Schatz!“, ruft er mir noch hinterher, als ich die Tür zuknalle. In mir kocht und brodelt meine Wut, während ich die Treppen nach unten trample und fahrig meine Zigaretten in der Tasche suche, wovon ich mir sofort eine anzünde, als ich das Gebäude verlassen

habe. Beim besten Willen, ich weiß nicht, was Kai's Problem ist. Aber ich bin mir sicher, dass das sein wahres Gesicht war. Das Gesicht, was außer mir anscheinend noch keiner zu Gesicht bekommen hat. Und wenn ich ehrlich bin, jagt mir Kai's wahrer Charakter einen kalten Schauer über den Rücken. Wieder einmal hat sich mein Instinkt als altbewährt erwiesen, immerhin hatte ich von Anfang an ein schlechtes Gefühl bei Kai. Aber dass es so schlimm werden würde, wusste ich natürlich nicht. Während ich an meiner Zigarette ziehe, schlüpfe ich in die Trainingsjacke, die mir Marcel gestern Abend geliehen hat, und überlege was ich nun tun soll. Natürlich sollte ich mit Mac darüber reden, aber

die Wahrscheinlichkeit, dass mir mein bester Freund glaubt, halte ich für ziemlich gering. Ich weiß ich sollte mehr Vertrauen in ihn haben, aber er ist von Kai's Schauspiel so geblendet, dass die Wahrscheinlichkeit, dass er mir glaubt, so ziemlich bei null liegt. Meine Beine setzen sich in Bewegung, ohne dass ich großartig etwas dazu tue, und erst nach einer Weile erkenne ich, dass ich in Richtung Wohnheim 'Dragon' laufe. Nach fast zehn Minuten bleibe ich vor der Zimmertüre stehen zu der ich will, und hämmere dagegen, bis sich drinnen etwas rührt und die Tür geöffnet wird. „Touji?“, kommt es genuschelt und ich gebe einen bestätigenden Laut von mir, der mein Gegenüber anscheinend aus dem Halbschlaf reißt, da er sofort zur Seite tritt und mich ins Zimmer

lässt. Ich war noch nie bei Taylor und Kai im Zimmer, weswegen ich mich kurz umschaue und mich dann dem Punk zuwende, der mit den ungestylten Haaren, der Mickey Mouse Jogginghose und oben ohne tatsächlich irgendwie abstrakt interessant wirkt. „Sorry, aber ich wusste nicht, wo ich sonst hin soll.“, entschuldige ich mich für die frühe Störung um halb sechs Uhr morgens. Eine Uhrzeit, zu der ich mich normalerweise noch zwanzig Mal um die eigene Achse drehe und weiterschlafe, was aber mit Kai im Zimmer ein Ding der Unmöglichkeit ist. „Nein, passt. Ich geh morgens sowieso Joggen. Was ist passiert?“, hakt er sofort nach, während er sich eine Zigarette dreht und diese anzündet. Da Kai Nichtraucher ist, frage ich mich gerade, wie prickelnd er es wohl findet, dass Taylor in

ihrem Zimmer raucht, aber vermutlich interessiert das den Punk genauso wenig wie mich. Passivrauchen soll ja angeblich noch schädlicher sein als aktiv Rauchen, was Kai meiner Meinung nach auch verdient hat. Ohne zu fragen, lasse ich mich auf Taylors Bett fallen und hole einmal tief Luft, bevor ich anfange ihm von diesem glorreichen Morgen zu erzählen, und dabei nicht die kleinste Kleinigkeit auslasse. Angefangen von meiner Feststellung gestern, dass Kai schon wieder mit Mac zusammenklebt, bis hin zu dessen Verabschiedung und meinem Weg hier her. Als ich mit meiner Erzählung geendet habe, schweigt Taylor, während er sich in seinem Schreibtischstuhl zurücklehnt und sich durch die Haare fährt.

Eine Geste, die ich das erste mal bei ihm sehe, was daran liegen könnte, dass er sonst einen Iro trägt und es nicht sonderlich produktiv wäre, mit der Hand durch die Frisur zu fahren. „Ich frage mich, worüber du mit ihm reden solltest.“, ist das erste, was Taylor nach fast zwei Minuten Schweigen von sich gibt, und ich zucke mit den Schultern. Das habe ich mich auch schon gefragt, aber wirklich schlauer bin ich nicht geworden. Ich wüsste nicht, über was ich mit Kai reden sollte. Ich vermute, dass es mit Marcel zu tun hat, aber worüber genau, weiß ich trotzdem nicht. Zumal ich mich frage, wieso Kai es so auf Marcel abgesehen hat, der ihn bis zu seinem Auftauchen überhaupt nicht kannte. „Vielleicht sollten wir uns mal mit Marcel unterhalten, ob der weiß, was Kai's Problem

ist.“ Ich nicke einfach nur, weil ich auf eine bessere Idee auch nicht komme, auch wenn ich bezweifle, dass Marcel irgendwas darüber weiß. Einen Versuch ist es auf alle Fälle wert. „Du hättest seine Visage sehen müssen. Ich hätte am liebsten reingeschlagen, so unheimlich war die.“, nuschle ich vor mich hin, während ich meine Hände knete und mich schüttle. „Dann sollten wir dringend was unternehmen.“, kommentiert Taylor und steht auf, weswegen ich ihn verwirrt ansehe, was er mit einem schiefen Grinsen kommentiert. „Wenn dir schon was unheimlich ist, muss es echt übel gewesen sein. Die Zeit, die ich dich jetzt kenne, habe ich noch nie erlebt, dass du vor irgendetwas Angst gehabt hättest. Außer diversen Liebesgeständnissen natürlich.“, grinst er dann und weicht dem Kissen aus, das ich nach ihm

werfe. „Außerdem ist es doch ganz praktisch, dass Kai gerade so an Mac klebt.“ Meine Verwirrung muss mir ins Gesicht geschrieben stehen, da der Punk mit den Augen rollt und sich mit ausgestreckten Armen einmal um die eigene Achse dreht. „Das hier ist nicht nur mein Zimmer.“ „Du meinst, wir durchsuchen Kai's Kram?“, frage ich dann zur Sicherheit nochmal nach und grinse, als Taylor mich angrinst und eine Augenbraue hebt. Manchmal rege ich mich über Dinge so sehr auf, oder bin so verwirrt und verstört, dass ich auf die einfachsten Dinge nicht komme. „Und was machen wir, wenn er zurückkommt?“ „Dann...fällt uns schon was ein.“, antwortet mein Support und macht sich daran, die erste Schublade von Kai's Schreibtisch

aufzureißen. „Der Typ ist wirklich so langweilig, wie er aussieht.“, kommentiert Taylor, der die Kleiderschrankschublade zuschlägt und sich wieder durch die Haare fährt. Ich vermute, dass wir eine Stunde lang Kai's Kram durchwühlt haben, aber wirklich etwas gefunden haben wir nicht. Um nicht zu sagen, wir haben überhaupt nichts gefunden. „Findest du das nicht seltsam?“, hake ich nach, während ich mir eine Zigarette anzünde und mich auf Taylor's Bett fallen lasse. „Was?“, hakt der Punk nach und ich deute auf Kai's Zimmerhälfte. „Wir haben nichts gefunden.“ „Ja, und?“ „GAR nichts. Nicht mal Fotos von seiner

Familie, kein Andenken, nichts Persönliches. Absolut gar nichts.“ „Jetzt wo du es sagst...ist schon ziemlich seltsam.“ Seltsam ist etwas untertrieben. Ich kenne niemanden auf diesem Internat, der nicht wenigstens ein Stück hat, dass er mit Zuhause verbindet. Sogar Marcel hat etwas, das ihn mit Zuhause verbindet. Einen alten, abgewetzten, braunen Teddy, dem ein Auge fehlt, der ein Riss im linken Ohr hat und eine zerlumpte gelbe Schleife um den Hals trägt. Was man Marcel übrigens niemals zutrauen würde, wenn man ihn so sieht, aber darum geht es jetzt auch nicht. Eine Weile reden wir noch über unsere Theorien und Vermutungen, die alle so aus dem Gebüsch gezogen sind, dass sie schon wieder logisch

wirken, ehe mir Taylor eröffnet, dass er jetzt joggen gehen würde, und ich ruhig hier bleiben könnte. „Ich komm mit.“, antworte ich schnell. Zwar stehe ich nicht sonderlich auf Sport, aber können tu ich es trotzdem. Meine Kondition ist eigentlich ganz gut dafür, dass ich rauche wie ein Kamin und mich ansonsten auch nicht sonderlich viel bewege. „In den Klamotten?“ „Kannst du mir was leihen?“, frage ich dann schief grinsend und er rollt einfach nur mit den Augen, während er zum Kleiderschrank geht und darin herumwühlt. „Hier!“, damit wirft er mir eine Trainingshose und ein Shirt zu, das er mit „Eine Jacke hast du ja schon.“, kommentiert. „Woher hast du die eigentlich?“, hängt er dann hinten dran und ich seufze, bevor ich beginne zu erzählen und zu

erzählen. Mit meiner Erzählung bin ich fertig, nachdem wir uns umgezogen haben und aus dem Wohnheim treten. Taylor grinst wie ein Honigkuchenpferd und schnalzt mit der Zunge. „Ich mag den Typen.“ „Marcel?“, hake ich nach, was er mit einem bestätigenden Laut kommentiert, bevor wir beginnen langsam los zu laufen. „Er ist direkt und sagt was er denkt gerade heraus. Vielleicht ist er etwas hitzköpfig und schwingt zu schnell die Faust, aber er ist echt sympathisch.“ „Erwähne das doch mal gegenüber Kai.“, gebe ich glucksend von mir, während wir über den Campus laufen, was Taylor zum lachen bringt, ehe er mich aus dem Augenwinkel mustert und sein Gesicht ernste Züge

annimmt. „Ich weiß, dass es mich nichts angeht aber...was verbindet euch beide eigentlich?“ Auf meinen dummen Gesichtsausdruck zuckt er mit den Schultern und überlegt eine Weile, wohl um die richtigen Worte zu finden, mit denen er seine Frage verständlich machen kann. „Zwischen euch ist irgendwas Tieferes als den Hass, den ihr immer vorschiebt. Auf mich wirkt es so, als würdet ihr euch blind vertrauen, auch wenn ihr euch öfter mal eins auf die Nase gebt.“ Eine Weile laufe ich schweigend neben Taylor her, während ich über seine Worte nachdenke und was ich darauf erwidern soll. „Wir kennen uns einfach schon ewig, und es war ja nicht immer so, wie es jetzt ist.“ Taylor bleibt stehen und ich tue es ihm gleich, während ich seinem Blick ausweiche und dann genervt aufstöhne und mit den Schultern

zucke. „Ist schon gut, du musst mir nichts sagen, wenn du nicht willst. Ich hab mich nur gefragt, was das zwischen euch eben ist.“ Ich sehe Taylor an, auch wenn ich im Dunkeln, das durch die spärlichen Straßenlaternen durchbrochen wird, nicht wirklich viel von ihm erkenne. „Wir waren mal befreundet.“ Diese Eröffnung scheint sogar Taylor sprachlos zu machen, da er ein paar Minuten überhaupt nichts sagt. Anstatt irgendetwas zu sagen wie 'Weiß Mac davon?', ist sein erster Kommentar „Das erklärt natürlich alles.“, während er sich am Kinn kratzt und sich langsam wieder in Bewegung setzt, was ich ihm gleich tue. „Was meinst du mit 'alles'?“, hake ich nach

einer Weile nach, und blicke den Punk aus dem Augenwinkel an. „Na ja, so eben alles halt. Warum ihr eigentlich relativ oft einer Meinung seid, warum ihr euch anzieht und abstoßt wie Magneten, und warum ihr so aneinander hängt.“ „Wir hängen nicht aneinander!“, werfe ich sofort ein und bringe Taylor damit zum lachen. „Nein, natürlich nicht. Genau deswegen versucht ihr euch auf eure eigene Weise auch gegenseitig zu beschützen, weil ihr nicht aneinander hängt.“ Unter normalen Umständen würde ich sauer werden, wenn man mir so etwas vor die Füße knallt, aber ich kann nicht anders und muss loslachen. „Du bist ein Vollidiot!“, kommentiere ich, was Taylor mit einem „Kann sein.“, kommentiert, ehe wir schweigend unsere Runde zu Ende

joggen. Es war viertel nach sieben, als Taylor und ich geduscht hatten, und ich wieder meine Klamotten trug, wobei ich mir die Trainingsjacke um die Hüften gebunden hatte. Zusammen waren wir in die Cafeteria gegangen, wobei eher nur Taylor gegangen war, und ich stattdessen geschlurft. Morgens um so eine unhumane Uhrzeit aufzustehen und mich tatsächlich sportlich zu betätigen, war einfach gegen meine Natur, was sich jetzt bemerkbar machte, weshalb ich bei Maik meinen Kaffee in extra groß bestellte. „Also in Zukunft gehen wir morgens nur noch joggen, nachdem du dein Koffein intus hast. Das ist ja unnormal wie du durch die Gegend kriechst.“, kommentiert Taylor, der sich

ebenfalls einen Kaffee besorgt – schwarz und ohne jeglichen Zusatz von irgendwas -, allerdings in normaler Größe. „Na ja, ich wusste, worauf ich mich einlasse.“, nuschle ich vor mich hin, und schiebe Maik das Geld für meinen und Taylor's Kaffee über den Tresen, während ich die ersten zwei Schlucke von meinem Kaffee nehme, und sofort eine Besserung meines Gemütszustands feststelle. Gerade als wir die Cafeteria verlassen wollen, treten Mac und Kai durch die Tür, und mein Gesichtsausdruck verdunkelt sich. Allerdings weniger wegen Mac, als wegen Kai, der eine Unschuldsmiene zieht, gegen die sogar ein weltberühmter Schauspieler nach Wahl abstinken würde. „Ich würde ihm gerade so gern eins in die Fresse hauen.“, kommentiere ich leise in Taylor's Richtung, der lediglich grinst und mit

den Augen rollt. „Das weiß ich, aber lass das bitte bleiben. Es sei denn, du willst Mac einen Grund liefern, auf Kai's Seite zu stehen.“, gibt der Punk zu bedenken und ich murre. „Wo bist du denn bitte bis jetzt gewesen?“, spricht mich Mac an, und ich hebe eine Augenbraue, während ich wieder an meinem Kaffee nippe. „Dir auch einen wunderschönen guten Morgen.“, gebe ich sarkastisch von mir. Ich weiß, ich sollte mich wirklich zurückhalten, aber im Moment fällt mir das alles andere als leicht. Vor allem, wenn Kai, diese dreckige Assel, daneben steht und eine Visage zieht, als könnte ihn kein Wässerchen trüben. „Guten Morgen.“, erwidert Mac säuerlich, und ich habe irgendwie das Gefühl etwas verbrochen zu haben, auch wenn ich weiß, dass ich nichts

Böses getan habe. „Also, wo warst du?“ Ich frage mich ob ihm auffällt, dass er schon dieselben lästigen Fragen stellt wie Kai, überflüssigerweise auch noch in derselben lästigen Tonlage. „Ich konnte nicht mehr schlafen und bin mit Taylor joggen gewesen.“, antworte ich also wahrheitsgemäß, wobei ich natürlich auslasse, dass wir noch Kai's Zimmerseite durchsucht haben, um herauszufinden, was der Junge für ein psychisches Problem hat, aber nicht fündig geworden sind. Die Stille, die nach meiner Antwort entsteht, könnte man vermutlich locker fluffig mit einem Käsemesser schneiden, weswegen ich zu Taylor schiele, der zurück schielt und leicht mit den Schultern zuckt. „Du gehst mitten in der Nacht joggen? Mit

Taylor?“ Taylor und ich nicken synchron, um das Ganze noch mal zu bestätigen, und ich hebe eine Augenbraue, weil Mac sich für meinen Geschmack etwas seltsam verhält. Etwas sehr. „Das glaubst du doch wohl selber nicht! Für wie blöd hältst du mich eigentlich?“, faucht mich mein bester Freund an, und ich weiß ehrlich gesagt nicht, was ihn ihn gefahren ist, geschweige denn wo das Problem liegt, weswegen ich ihn einfach nur verwirrt ansehe. „Kai hat mir alles erzählt!“, spuckt mir Mac schon beinahe entgegen. „Oh, Kai hat dir alles erzählt.“, säusle ich und rolle mit den Augen, während sich ein Lächeln auf meine Lippen legt und ich an meinem Kaffee nippe. „Dann kann ja nur goldene Scheiße dabei raus

kommen.“, gebe ich süffisant von mir, auch wenn ich weiß, dass das definitiv nicht die richtige Taktik ist, um Mac davon zu überzeugen, dass Kai ein dämlicher Flachwichser ist, dem einfach nur die Fresse poliert gehört. „Im Gegensatz zu dir ist er wenigstens ehrlich zu mir!“, faucht Mac und ich hebe eine Augenbraue. „Er hat mir erzählt, dass du ihn begrabscht hast. Ich weiß ja, dass dir die Sache mit Eric an die Nieren geht, aber dass du es so nötig hast und versuchst irgendwelche Leute zu vergewaltigen, hätte ich nie von dir gedacht.“ Ich brauche eine Weile bis mein Gehirn die Worte meines jetzt wohl ehemaligen besten Freundes verarbeitet haben, ehe ich anfange zu lachen und mich mit der freien Hand an Taylor's Oberarm festhalte, um vor Lachen nicht

umzufallen. „Ernsthaft? Alter...ich würde den Typen nicht mal anpacken, wenn mein Leben davon abhinge, einfach nur weil ich Arschlöcher nicht ausstehen kann.“ „Ach ja? Dafür hängst du erstaunlich viel mit Marcel zusammen, was ich im Übrigen nicht kapiere.“, kontert Mac und ich werde schlagartig ernst, während ich ihn schweigend ansehe und schlussendlich mit den Schultern zucke. „Tja, was willst du hören?“ „Die Wahrheit wäre ab und zu mal ganz nett.“, schnappt Mac, und ich zucke wieder mit den Schultern, ehe ich nicke, und somit meine Einverständnis zur Wahrheit gebe. „Er versteht mich besser als du es tust, und jemals tun

wirst.“ Auch wenn Mac einen ziemlich dunklen Hautton hat, kann man förmlich beobachten, wie er blasser wird, während er mich offensichtlich sprachlos anstarrt, während ich wieder an meinem Kaffee nippe und mich in Bewegung setze. „Touji...“ „Ich hab es dir ganz am Anfang gesagt.“ „Touji, bitte!“ Ich weiß nicht, ob ich der Einzige bin der findet, dass Mac sich gerade ziemlich lächerlich macht mit seinem Gebettel, aber meiner Ansicht nach tut er es nun mal gerade. „Das Thema ist erledigt.“, gebe ich ruhig und monoton von mir, während ich an ihm vorbeigehe und die Cafeteria verlasse. Hinter mir höre ich Schritte und kurz darauf

läuft Taylor wieder neben mir. „Du hättest ruhig bei denen bleiben können.“ „Auf Kai leg ich keinen besonderen Wert, aber Mac hat angefangen zu weinen.“, gibt der Punk vorsichtig von sich, was ich mit einem Schulterzucken kommentiere. Für mich ist das Thema einfach gegessen, auch wenn ich kotzen könnte. „Welchen Anfang meintest du vorhin?“, hakt Taylor nach, und ich blicke ihn kurz aus dem Augenwinkel an. „Den Anfang unserer Freundschaft.“ „Und was hast du ihm da gesagt?“ Ich schweige, während ich daran denke, wie Mac und ich uns kennengelernt haben, als er bei mir im Zimmer gelandet ist, und niemanden hier kannte. Er wirkte etwas schüchtern und verloren, und hat auch nicht viel gesprochen. Damals war Mac

so ähnlich wie Marvin, nur dass er das ziemlich schnell überwunden hatte. Ich glaube es hat nicht einmal zwei Wochen gedauert, bis er mich gefragt hat, ob wir nicht Freunde sein wollten, beste Freunde. Damals habe ich gegrinst und mit den Schultern gezuckt, während ich eingewilligt habe, und ihm die einzige Regel in Sachen Freundschaft erklärt habe, die für mich unumstößlich ist. Ich scheiße auf Leute, die mir nicht glauben oder mich hintergehen, egal wie viel mir die Freundschaft bedeutet. Solltest du das jemals tun, dann gibt es kein zurück mehr. Das ist die einzige Regel, an die ich mich halte.

waffenstillstand?!

„Vielleicht solltest du dich nicht an mich dran hängen.“, gebe ich den ersten Satz seit dem Vorfall mit Mac in der Cafeteria von mir, und der ist immerhin schon sieben Schulstunden her. Den Schultag habe ich damit verbracht zu schweigen und alles und jeden zu ignorieren, was mir für Taylor ehrlich gesagt ziemlich leid tut, aber was hätte ich auch sagen sollen. Es ist ein Ding der Unmöglichkeit, so zu tun, als wäre alles normal. Vielleicht hätte ich das noch hinbekommen, wenn Taylor nicht unbedingt Zeuge davon geworden wäre, wie Mac mich auf Kai's Erzählungen hin als sonst was hingestellt hat, und ich ihn schlussendlich in den Wind geschossen habe. „Da du jetzt wieder redest, muss ich dir was sagen:“, kommt es von dem Punk, der an seiner Zigarette zieht und den Rauch in die Luft

bläst. Wir stehen bei der kleinen Baumgruppe neben der Bank, wo ich auch Eric und Jem erwischt habe, und rauchen eine, bevor wir zur Musik AG gehen, die den letzten Kurs für heute darstellt. „Ich hatte aufgrund deines Schweigens erheblich Zeit darüber nachzudenken, und bin zu dem Schluss gekommen: Du hast recht.“ Ich blinzle verwirrt und starre mein Gegenüber an, der ruhig zurück sieht und dann leicht mit den Schultern zuckt. Um ehrlich zu sein, verstehe ich Taylor gerade nicht, was man mir vermutlich auch ansieht, da er überlegend den Kopf hin und her wiegt und sich anscheinend überlegt, wie er mir das erklären soll, damit ich das auch kapiere. Denn dass ich emotional nicht gerade eine Leuchte bin, weiß inzwischen vermutlich sogar

er. „Mac sagte, er sei dein bester Freund.“, fängt Taylor an, und ich nicke. „Aber ein bester Freund gibt nichts auf das Gerede von irgendwelchen Typen, die er noch nicht mal ein Jahr kennt. Und wenn ihm doch etwas komisch vorkommt, stellt er seinen besten Freund zur Rede und klärt das zuerst mit ihm. Aber Mac ist so davon überzeugt, dass Kai recht hat, ohne dass er ihn auch nur annähernd so gut kennt wie dich, dass er den Titel als bester Freund nicht verdient hat. Zumindest ist das meine Meinung.“ Ich gucke Taylor eine Weile schweigend an, und beiße mir schlussendlich auf die Lippe, bevor ich in der Gegend herumgucke, um ihm nicht ins Gesicht sehen zu müssen. „Auf jeden Fall musst du dir keine Sorgen machen, dass du alleine da stehst.“, kommt es

nach einer Weile, und ich sehe Taylor doch an, während ich mich darum bemühe aufgrund von so viel Gesülze nicht loszuheulen. „Ich bin immer noch da. Und Marcel hast du auch noch.“, kommt der letzte Satz leicht neckend von ihm, und ich kann nicht anders als leise zu lachen und den Kopf zu schütteln. Es ist fast so als hätte Taylor es bemerkt, dass ich wegen seiner sehr emotionalen Rede kurz davor war zu wässern, und deswegen einen neckenden Ton angeschlagen hat. Auf der anderen Seite weiß ich aber auch, dass er recht hat. Er ist immer noch hier, und Marcel war schon immer derjenige, auf den ich mich verlassen konnte, auch wenn das für Außenstehende vermutlich seltsam klingt. „Ich verspreche hiermit hoch und heilig, dich niemals zu bescheißen, zu hintergehen oder irgendwas auf das zu geben, was degenerierte

Idioten von sich geben!“, kommt es inbrünstig von dem Punk, während er sich mit der freien Hand ans Herz fasst, was mich nur noch mehr lachen lässt. Kopfschüttelnd schlage ich ihm gegen den Oberarm und setze mich in Bewegung, während ich ein „Idiot!“, in seine Richtung werfe. „Mit Leib und Seele!“, grinst er zurück und schnippt seine Zigarette weg, ehe er die Hände in den Hosentaschen vergräbt. Wir schlendern den Weg zum Gebäude entlang, in dem die Musik AG ihren Raum hat und ich hebe eine Augenbraue, ehe ich Taylor mit dem Ellenbogen in die Seite stoße. „Anscheinend hat sich die Trennung von mir und Mac schon herumgesprochen.“, nuschle ich und Taylor nickt murrend, während er hier und da finstere Blicke verteilt, an diejenigen, die mich tuschelnd anstarren und mit dem Finger auf mich

zeigen. „Wenn die das schon wissen, wird Marvin es auch schon wissen.“, kommentiere ich irgendwann und habe sofort die Aufmerksamkeit meines übrig gebliebenen Freundes. „Meinst du Marvin hält zu Mac?“ „Ehrlich gesagt, habe ich nicht die geringste Ahnung, und eigentlich ist es mir auch egal.“ „Eigentlich ist es dir so egal wie deine Haare: Nämlich gar nicht.“, kommentiert Taylor und ich murre, einfach weil er es schafft, mich so gut einzuschätzen und mich offensichtlich so gut kennt. Na gut, vielleicht geht mir das mit Mac doch mehr an die Nieren als ich dachte, da brauche ich das heute nicht auch noch mit Marvin, weswegen ich eigentlich am liebsten umdrehen und irgendwo hingehen würde, anstatt bei der Musik AG zu

erscheinen. Im Prinzip tun wir ja auch nichts wichtiges. Ab und zu schreiben wir eben Songs, aber im Großen und Ganzen hängen wir die meiste Zeit nur rum und machen irgendwas. Taylor schnappt sich meine Hand, anscheinend um dafür zu sorgen, dass mein Fluchtreflex nicht die Oberhand gewinnt, und schleift mich hinter sich her zur Musik AG, wo uns natürlich prompt Lucy entgegen kommt. „Was sehen meine entzückten Äuglein?“ „Nichts, was eine Erwähnung in der Schülerzeitung verdient.“, kommentiere ich und entziehe Taylor meine Hand, die ich stattdessen in die Jacke der Trainingsjacke stecke, die ich mir nach der letzten Stunde angezogen habe. „Ich hab auch was viel Besseres.“, kommt es mit leuchtenden Augen und ich verziehe fast

unmerklich den Mund, weil mir derjenige um den es geht, einfach jetzt schon leid tut. Außer es ist Kai, dann werde ich mir den Artikel vermutlich einrahmen und aufhängen. „Das da wäre?“, gebe ich also nicht unbedingt interessiert von mir, und harre dem aus, was da auch immer kommt. „Der Absturz von Marcel vom Basketballcaptain in die nicht gerade beliebte Musik AG, und natürlich die Kluft, die er zwischen dich und Mac getrieben hat.“ Meine Augenbraue zuckt unweigerlich und ich balle die Hand in der Jackentasche zur Faust, während ich die Zähne zusammenbeiße. „Marcel hat überhaupt nichts zwischen mich und Mac getrieben.“, gebe ich betont ruhig von mir, auch wenn mich das einiges an Mühe kostet, was die Aufmerksamkeit von Lucy natürlich auf sich

zieht. „Der einzige Keil zwischen mir und Mac ist ein arroganter, hinterfotziger Schleimscheißer, der jetzt den Posten des Basketballcatpains belegt, und sonst gar nichts.“ „Gibt es irgendeinen Grund, warum du Marcel verteidigst? Steht ihr euch näher?“, hakt Lucy interessiert nach, während sie aus den Weiten ihrer Tasche einen Block sowie Stift zu Tage befördert. Da ich aus Erfahrung weiß, was passiert, wenn ich ihr antworte, entschließe ich mich dazu gar nichts zu sagen und mich stattdessen schweigend an ihr vorbei zu quetschen. Ich habe wirklich nichts gegen Lucy, aber manchmal möchte ich ihren Kopf gerne gegen eine Wand rammen, um die Gehirnzellen dazu zu animieren, endlich wieder mit dem Denken

anzufangen. Ich höre wie Taylor mir hinterher kommt und irgendwas vor sich hin murmelt, warum diese Frau so anstrengend sein muss. Leider kann ich ihm darauf keine Antwort liefern, weswegen ich einfach die Klappe halte und die Tür zur Musik AG aufstoße, wo ich im Türrahmen wie erstarrt stehen bleibe und der Punk in mich hinein läuft. „Was ist?“ Anstatt zu antworten, deute ich einfach nur nach vorne, und frage mich kurzzeitig, ob ich nun wirklich nicht mehr alle in der Schüssel habe, komme aber zu dem Ergebnis, dass mein Gehirn heute anscheinend nur relativ langsam arbeitet. 'Marcel's Abstieg vom Basketballcaptain zur Musik AG' den Lucy vorhin erwähnt hat, hätte mir eigentlich schon zu denken geben müssen, aber da war ich vermutlich einfach zu sauer

gewesen über den Rest den sie von sich gegeben hat. „Was machst du denn hier?“, fragt Taylor an meiner Stelle, nachdem er mich in den Raum geschoben und hinter sich die Tür geschlossen hat. Die Anderen sind zwar schon da, aber beschäftigen sich mit ihrem eigenen Zeug, und Marvin ist noch nirgends zu sehen, was untypisch ist, da er normalerweise immer überpünktlich irgendwo erscheint. Marcel, der auf einem der Tische sitzt, zuckt mit den Schultern und kritzelt auf seinem Block herum, ehe er uns ansieht und das Schulterzucken wiederholt. „Ich hab doch gesagt, ich such mir ein anderes Hobby.“, kommt die Antwort und ich stoße einen Seufzer aus und schmeiße meine Tasche in eine der Ecken, bevor ich mich an einen der

Tische lehne. „Du hättest mich vorwarnen können.“ „Wieso? Deine Visage gerade war echt zum schreien.“, kommt es provozierend zurück, während Marcel wieder von seinem Block hoch sieht und grinst. „Leute, prügelt euch bitte nicht hier drin.“, kommentiert Taylor und rollt, ebenfalls grinsend mit den Augen. „Tun wir schon nicht.“, winke ich ab. „Ich hab gehört, du hast dich von Mac getrennt.“, kommentiert Marcel und mein Gesichtsausdruck verdüstert sich, während ich beginne mit den Zähnen zu knirschen. „Das Gerücht ist also wahr.“, stellt mein Lieblingsfeind nüchtern fest, und ich zucke mit den Schultern, während ich mich abwende und in der Gegend herumgucke. „Du hast doch sicher kein Problem damit, wenn

ich ihm die Fresse einschlage.“ „Mac?“, hakt Taylor nach und Marcel rollt mit den Augen. „Dem auch, aber ich meinte eigentlich Kai.“ „Na dann...viel Spaß.“, kommentiert Taylor, während er mich fragend ansieht und ich mit den Schultern zucke. „Marcel an irgendwas zu hindern ist ungefähr so, als würdest du versuchen, mit Streichhölzern eine Leiter zum Mond zu bauen.“, gebe ich eine Erklärung für unseren Neuzugang ab, und weiche einem Radiergummi aus, den Marcel nach mir wirft. „Ihr kennt euch erstaunlich gut.“ Ich sowie Marcel sehen Taylor an, und heben gleichzeitig eine Augenbraue. „Nach fünf Jahren kannst du nichts anderes erwarten.“, gibt der ehemalige Captain des Basketballteams von sich und ich nicke einfach nur bestätigend, während ich mich strecke und

mich dann auf einen der Tische setze. „Aber nur so eine Frage nebenher: Was macht ihr eigentlich hier?“, kommt die Frage nach einer Weile von dem Braunhaarigen und ich sehe Taylor ratlos an, der genauso ratlos zurück guckt. „Im Prinzip eigentlich nichts. Ab und zu kriegen wir etwas zu Stande, was tatsächlich an Musik erinnert, aber das kommt dann doch eher selten vor.“, fasse ich kurz zusammen, und blicke zur Tür, die auffliegt, ehe Marvin hindurch tritt und ziemlich abgehetzt aussieht. Bevor ich irgendwas sagen kann, stürmt das Schaf auf mich zu, nachdem er die Türe hinter sich zugeworfen hat, und bleibt vor mir stehen, während er mich mit großen Augen ansieht. „Touji, stimmt das?“, hakt er nach, und ich verziehe unweigerlich das Gesicht. Mein Gefühl sagt mir, dass Mac und Kai ihn

schon in den Fingern hatten, und Kai ihm vermutlich eine haarsträubende Story über seine Fast-Vergewaltigung erzählt hat, die niemals stattgefunden hat. „Stimmt was?“, hake ich trotzdem noch einmal nach, weil vielleicht ist inzwischen ja noch etwas dazugekommen, von dem ich noch nicht weiß. „Dass du Kai anzüglich berührt hast, und kurz davor warst ihn...na ja...du weißt schon....und....na ja, dass du ihn um 2.000 Dollar erpresst hast.“ „Die 2.000 Dollar sind mir neu.“, wende ich mich an Taylor, der schnaubt und die Arme vor der Brust verschränkt, während er düster vor sich hin starrt. „Also stimmt es nicht, hab ich recht?“ „Natürlich stimmt es nicht. Als ob Touji es nötig hätte, so eine Gesichtsbarracke

anzupacken!“, faucht Marcel, bevor ich auch nur den Mund aufmachen kann, weshalb ich einfach nur bestätigend nicke. „Ich wusste, dass es nicht stimmt.“ Marvin hört sich erleichtert an, wird aber sofort wieder nervös, als Marcel ein „Dafür dass du es wusstest, klangst du ganz schön zweifelhaft, im Anbetracht der Tatsache, dass du ihn gefragt hat, ob es stimmt.“, von sich gibt. Ich werfe ihm einen warnenden Blick zu, aber es ist schon zu spät, da Marvin anfängt sich zu entschuldigen, womit er bekanntlich nur ziemlich schwer wieder aufhören kann, und ich deswegen die Augen verdrehe. „Was...also was...machst du denn jetzt?“, kommt es irgendwann nach gefühlten zehn Minuten, in denen ich dumm in der Gegend herumgestarrt habe, Taylor irgendwas tut und

Marcel weiter gezeichnet hat. „Was soll ich tun? Ihn reden lassen.“, gebe ich gelangweilt als Antwort und gucke dem Schäfchen dabei zu, wie es seine Hände knetet und sich nervös umsieht. „Ich mein doch wegen Mac.“, flüstert er in meine Richtung und ich zucke nur mit den Schultern. „Was soll ich da schon tun? Mac hat sich offensichtlich entschieden, wem er mehr glaubt. Abgesehen davon, dass er es sich bei mir verschissen hat.“ Marvin sagt nichts, und auch Taylor und Marcel halten die Klappe, ehe sich mein Lieblingsfeind räuspert. „Bezüglich Kai: Also ich kenn da jemanden, der keine Fragen stellt, wenn man sich ein paar Fässer Salzsäure zum Geburtstag wünscht.“ Während Marvin ihn mit großen Schafsaugen

anstarrt und Taylor anscheinend auch nicht weiß, was er darauf sagen soll, sondern ungefähr auch so guckt wie Marvin, zucken meine Mundwinkel, während ich Marcel aus dem Augenwinkel betrachte, der nur mit absolut ernster Miene mit den Schultern zuckt. „Das...das wäre Mord.“, piept Marvin und ich winke nur ab, während ich das Gesicht verziehe. „Ich würde niemals jemanden ermorden.“, seufze ich, was Marvin erleichtert ausatmen lässt. „Das wäre genau genommen kein Mord, sondern a) Müllbeseitigung, b) eine Tat für das Allgemeinwohl oder c) Notwehr.“, erläutert Marcel und ich kann nicht anders, als loszulachen. „Aber...“, fängt Marvin wieder mit seinem Schafsblick an. „Aber es gibt andere Mittel und Wege.“, ergänzt

Marcel schnell, um einem Redefluss von Marvin zu entkommen. Ich weiß nicht, ob er das instinktiv tut, oder weil er Marvin's Redeflüsse aus der Mensa kennt, aber auf jeden Fall ist das die richtige Entscheidung, wenn er sich nicht die nächste Stunde etwas über Moral und ethnische Hintergründe anhören möchte, wie ich es schon oft genug tun musste. „Ich bin dafür, dass wir erst einmal nichts tun.“, gebe ich von mir und habe damit die irritierte Aufmerksamkeit von Taylor und Marvin, während Marcel mir ein Daumen-hoch-Zeichen gibt. „Nichts? Wie nichts?“, hakt Marvin nach, und ich hebe eine Augenbraue. „Im Prinzip Marvin, sitzt du zwischen den Stühlen, also sollte es dich eigentlich auch nicht interessieren. Außer natürlich, du spionierst für Mac hinter Touji her.“, wirft

Marcel dazwischen und ich schenke ihm einen wütenden Blick, bevor ich mich wieder Marvin zu wende. Der starrt Marcel an, bevor er mich mit seinen großen Augen ansieht und ich seufze. „Ich hätte es vielleicht etwas netter ausgedrückt, aber im Prinzip denken Marcel und ich dasselbe.“, seufze ich und zucke leicht mit den Schultern, während mich das Schäfchen fassungslos ansieht. „Du unterstellst mir...“ „Ich unterstelle dir gar nichts. Ich weiß, dass du mit Mac genauso gut befreundet bist wie mit mir auch. Es dürfte dir also äußerst schwerfallen, dich für eine Seite zu entscheiden, und ich werde der Letzte sein, der dich zwingt, bei mir zu bleiben.“ Es herrscht Stille in unserer kleiner Zusammenkunft, die durchbrochen wird, als

Marvin einen Laut von sich gibt, der ein Schnauben sein könnte. „Gut, dann entscheide ich mich für Mac.“ Ich nicke nur, und sehe die Sache somit als erledigt an, auch wenn ich ehrlich zugeben muss, dass es mir doch einen ganz schönen Stich versetzt, nun noch einen Freund weniger zu haben. Aber wie heißt es so schön: Dinge kommen und gehen! „Reizende Freunde hast du, dass muss ich dir schon lassen.“, kommentiert Marcel und ich stoße die Luft aus, ehe ich ihm einen herablassenden Blick zuwerfe. „Ja, dafür habe ich seit jeher offenbar ein Talent.“, gebe ich zurück, und Marcel's Blick flackert, während er die Zähne zusammenbeißt und schnaubt. „Und wenn...wenn ich rausfinde...also....“,

fängt Marvin an zu stottern, und hat somit wieder unsere ungeteilte Aufmerksamkeit, während ich die Stirn runzle. „Also...wenn ich weiß, was Kai möchte dann....kann ich es dir dann sagen?“ Ich blinzle etwas überfordert und starre Marvin an, weil ich ehrlich gesagt keinen Plan habe, was ich darauf antworten soll. So viel Schafeigenschaften auf einem Haufen ertrage ich einfach nicht ,weshalb ich gerade am liebsten losheulen würde, mich aber doch zusammenreiße. Jetzt loszuflennen wie ein Mädchen, wäre dann sogar mir zu peinlich. „Und wieso solltest du das tun?“, hakt Marcel an meiner Stelle nach und verschränkt die Arme vor der Brust. Wann es schon wieder so weit gekommen ist, dass er meine Gedanken ausspricht, ist mir ein

Rätsel, aber im Moment ganz praktisch. „Weil...na weil...Kai...weil Kai versucht, alles kaputt zu machen.“, antwortet das Schäfchen und ich hebe wieder interessiert eine Augenbraue. Wenn sogar schon Marvin dieser Auffassung ist, dann kann ich damit im Prinzip überhaupt gar nicht falsch liegen. „Ich mag Mac, genauso wie dich, Touji. Kai hat kein Recht, eure Freundschaft kaputt zu machen.“ Diese Inbrunst, mit der der sonst so ruhige und vernünftige Marvin das von sich gibt, finde ich schon fast gruslig. Trotzdem zucken meine Mundwinkel und ich muss leicht lächeln. Wenn ich ehrlich bin, hätte ich niemals gedacht, dass ich tatsächlich Freunde habe, die bei mir

bleiben, auch wenn nicht gerade alles rosig abläuft. „Jungs...“, fange ich deswegen an, und gucke einen nach dem Anderen an. „Sag es bitte nicht.“, kommt es auch gleich von Marcel, der sein Gesicht zu einer angewiderten Grimasse verzieht. „Ich bin froh, euch zu haben.“, spreche ich es trotzdem aus, und Marcel gibt Würgelaute von sich, während er sich schüttelt. Marvin dagegen bekommt wieder diese wundervolle und fast peinliche Röte in seinem Gesicht, während Taylor einfach nur grinst. Ehe ich noch etwas sagen kann, finde ich mich auch schon in einer Umarmung wieder, die mir die Luft aus der Lunge presst. „Das ist so bewegend!“ „Bewegend ist, dass du ihn gerade umbringst, wo das eigentlich mein Part ist.“, kommentiert

Marcel in Taylor's Richtung „Wofür du dich ganz schön gehen lässt, Mr. Obercool.“, kontert Taylor amüsiert und erntet sich ein Schnauben von dem Braunhaarigen. Dass ich hier geflissentlich ersticke, scheint irgendwie untergegangen zu sein, weshalb ich anfange Taylor auf die Oberarme zu schlagen, so gut ich eben hinkomme, was auch Wirkung zeigt, da der Punk mich endlich loslässt. Nach der Musik-AG gehen wir mehr oder weniger getrennte Wege. Marvin ist mit Mac und Kai zum Kuchen essen verabredet, und ich habe nichts besonderes vor, wie Taylor anscheinend auch nicht, weshalb er sich wieder an mich dran hängt, wogegen ich ehrlich gesagt nichts habe. „Na, komm schon!“, rufe ich, als Taylor und ich

den Raum verlassen, und kurz darauf läuft Marcel neben uns her. „Also hängst du jetzt mit uns ab?“, grinst der Punk ihn an und er zuckt mit den Schultern, während er mir einen Seitenblick zuwirft. „Vielleicht sollten wir das Kriegsbeil begraben.“, lenke ich ein, verbessere mich jedoch schnell mit einem „Solange wir Kai nicht los geworden sind.“. Den Blick, den mir Marcel zuwirft, kann ich nicht genau einordnen, aber ich sehe wie Taylor mit den Augen rollt und leicht den Kopf schüttelt. Was auch immer er mir damit sagen will. Als wir das Gebäude verlassen, muss ich einfach nur darüber lächeln, dass wir alle drei uns zuerst eine Kippe zwischen die Lippen schieben, nur um dann sämtliche Hosentaschen nach einem Feuerzeug

abzusuchen. Und offensichtlich bin ich nicht der einzige, der das bemerkt, da Taylor losprustet und Marcel krampfhaft versucht, ein Grinsen zu unterdrücken. „So, und was machen wir heute noch?“, hakt Taylor nach, nachdem wir unsere Zigaretten endlich angezündet haben, nachdem Marcel als Erster sein Feuerzeug gefunden hatte. Auf Taylor's Frage herrscht erst einmal Schweigen und ich kaue auf der Innenseite meiner Unterlippe herum, während ich mit mir ringe und ein paar Mal tief ein und wieder aus atme. „Wollen wir Basketball spielen?“

wir sind wie die power puff girls - nur nicht weiblich

Ich möchte anmerken, dass mich diese Frage einiges an Überwindung gekostet hat. Und während Taylor mich etwas verstört ansieht, habe ich Marcel wohl irgendwie happy gemacht. Zumindest schließe ich das aus dem, was sein Gesicht mir mitteilt. Das was da nämlich an seinen Lippen hängt, ist kein Grinsen wie sonst, sondern eines, dass ich schon etwas länger nicht mehr gesehen hab. „Kannst du überhaupt Basketball spielen?“, hakt Taylor nach und ich zucke mit den Schultern, während ich ein „Geht schon.“, von mir gebe. „Von wegen 'geht schon'. Touji ist so ziemlich der beste Small Forward, den ich kenne.“, schaltet sich Marcel ein. „Er bewegt sich nur nicht so gerne.“, hängt der ehemalige Basketballcaptain hinten dran, und

ich zucke wieder mit den Schultern. „Na wenn das so ist, dann können wir ja Basketball spielen. Wie spielt man das zu Dritt?“ Im Allgemeinen ist die Frage von Taylor berechtigt, weshalb ihm Marcel erklärt, dass wir immer Eins-gegen-Eins spielen, und der Dritte die Punkte zählt. Nachdem Marcel aus der Sporthalle einen Basketball geholt hat, werfen wir unser Zeug auf die Bänke des Basketballplatzes, der draußen zwischen ein paar Bäumen liegt, und machen uns warm. „Also ich bin echt froh, dass ihr euren unterhaltsamen Kleinkrieg vorerst still gelegt habt.“. Mein Blick wandert zu Taylor und ich hebe interessiert eine Augenbraue, ehe ich zu Marcel

blicke der lediglich mit den Schultern zuckt. „Ein gemeinsamer Feind erfordert gemeinsame Aufmerksamkeit.“, kommentiert dieser und ich gebe ihm einfach stillschweigend recht. Außerdem finde ich es irgendwie gruslig, dass es sich absolut natürlich anfühlt, mit Taylor und Marcel zusammen rumzuhängen, und sich über normale Dinge zu unterhalten, wie einen gemeinsamen Feind oder Basketball. „Mich würde interessieren, wieso ihr es eigentlich so aufeinander abgesehen habt.“ „Na ja...“, fängt Marcel an und ich verziehe das Gesicht, während ich mich im Nacken kratze. „Das ist einfach so Gewohnheit.“, hänge ich hinten dran, und verziehe gleichzeitig das Gesicht über meine Aussage. „Genau.“, pflichtet mir Marcel bei und ich lege die Trainingsjacke auf die Bank, während ich tief

seufze. „Auf ihn kann ich mich nun mal einfach verlassen. Er ist immer da, ich kann seine Reaktion praktisch voraussehen und ehrlich gesagt, kann ich ohne unseren Kleinkrieg nicht.“ Dass ich das ausgerechnet vor Marcel auspacke, halte ich für ein gutes Zeichen. Trotzdem habe ich jetzt nicht mehr das Bedürfnis mich umzudrehen, da Marcel bestimmt gleich einen Lachkrampf bekommt oder so etwas in der Art. Ich zucke zusammen, als mich etwas in den Rücken trifft, dass sich, als ich mich umdrehe, als Marcel's Ellenbogen heraus stellt. „Gleichfalls.“, kommentiert dieser und grinst leicht, was mir die Anspannung nimmt, und mich zumindest schief lächeln

lässt. Im Allgemeinen sind wir beide schon wirklich seltsam. Wir können nicht so wirklich miteinander, aber ohne einander geht absolut gar nicht. Allein schon bei der Vorstellung, dass Marcel auf einmal weg wäre, und ich hier ohne ihn festsitzen würde, dreht sich mir der Magen um. Vermutlich geht es Marcel auch genauso. „Ich blick eure Beziehung nicht wirklich.“, kommentiert Taylor, während er auf das Spielfeld geht und ich ihm automatisch folge. „Das macht nichts.“, geben Marcel und ich deswegen von uns. Mittlerweile glaube ich auch, dass es überhaupt nicht möglich ist, das Verhältnis zwischen mir und Marcel zu begreifen, zumindest nicht für

Außenstehende. Anstatt nun weiter über unsere seltsame Art von Beziehung zu reden, haben wir drei uns stillschweigend darauf geeinigt, einfach Basketball zu spielen, und ansonsten nicht weiter darauf einzugehen. Was vermutlich auch das Beste ist, da ich nicht die geringste Lust habe, mich darüber zu unterhalten, warum wir eigentlich in einer Art Kleinkrieg leben und nicht mehr befreundet sind. Und ich bin mir ehrlich gesagt auch ziemlich sicher, dass Marcel in der Hinsicht meiner Meinung ist. Ich muss zugeben, dass ich schon lange nicht mehr so viel Spaß daran hatte, zu schwitzen wie ein Schweinchen am Spieß. Für gewöhnlich mache ich mir ja nicht viel aus Sport, auch wenn ich einigermaßen gut darin

bin, aber dieses hinter dem Ball her rennen, habe ich tatsächlich irgendwie vermisst. Früher haben Marcel und ich öfter zusammen Eins-gegen-Eins gespielt, aber das war, bevor wir uns zerstritten haben. Trotzdem fühlt es sich irgendwie an wie früher, was mich Mac und Kai etwas vergessen lässt. „Da hat unser Captain aber ganz viel Spaß. Ach sorry....Ex-Captain.“, tönt es vom Spielfeldrand, und meine Augenbraue zuckt, während ich mit dem Ball in der Hand stehen bleibe, und mich den Scherzkeksen zuwende. Am Spielfeldrand stehen Jem, ein Spieler den ich nicht kenne, sowie Kai und Mac. Letzteren beiden würde ich gerade am liebsten ins Gesicht springen. Dem einen, um ihn zu erwürgen, und dem anderen, um ihn endlich zur Vernunft zu bringen. „Touji hat doch mit jedem viel Spaß.“,

kommentiert Jem breit grinsend, was mir ebenfalls ein Grinsen ins Gesicht treibt, während ich mir den Ball unter den Arm klemme, und mit der anderen Hand nach Marcel's Shirt greife, der schon zwei Schritte nach vorne gemacht hat. „Aber du musst doch nicht neidisch sein. Immerhin hast du ja auch ganz viel Spaß. Zwar nicht unbedingt im sportlichen Sinne, aber immerhin in der freien Natur.“, kommentiere ich, und habe Mühe ein Lachen zu unterdrücken, als ich Taylor hinter mir losprusten höre. Marcel wirkt etwas irritiert, sagt aber nichts. Jem dagegen wirkt etwas bleich, was ich allerdings eher als Genugtuung empfinde. Ein schlechtes Gewissen habe ich in der Hinsicht nicht. Natürlich, ich erpresse ihn und Eric in gewisser

Weise, aber der Zweck heiligt bekanntlich die Mittel und in der Liebe und im Krieg ist alles erlaubt. Da wir uns in einer Art Krieg mit Kai und seinen Anhängern befinden, und ich Marcel im Gegensatz zu diesen Schwachmaten eher liebe als hasse, ist also alles im Lot und ich brauche kein schlechtes Gewissen haben. Zumal ich sowieso relativ selten ein schlechtes Gewissen habe, wenn es darum geht, meine Freunde zu verteidigen, da mir da so ziemlich jedes Mittel recht ist. „Was meint er?“, wendet sich Kai an Jem, und Mac sieht zwischen uns hin und her, jedoch ohne etwas zu sagen. Aber was will man auch von jemanden erwarten, der seinen 'besten Freund' so zügig austauschen kann, wie er seine Unterhosen wechselt. „Keine Ahnung.“, winkt Jem ab, und ich hebe

amüsiert eine Augenbraue, während ich ihn interessiert mustere. „Gehn wir doch einfach. Die Typen sind sowieso total unlustig.“ Das ist so ziemlich das vernünftigste, was ich jemals von Jem gehört habe, auch wenn ich den Moment gern noch ein bisschen auskosten würde. „Wieso denn? Ein Punk, ein Loser und eine notgeile Schwuchtel, sind nichts wovor man Angst haben müsste, Jem.“. Ich weiß nicht, wie es mit Taylor aussieht, da der hinter mir steht, aber meine Augenbraue beginnt zu zucken, und mit einem Seitenblick auf Marcel bestätigt sich meine Vermutung, dass er Kai gerade am liebsten an die Gurgel springen würde. „Wiederhol das nochmal.“, knurrt er Kai entgegen, und ich nehme vorsichtig meine

Finger aus seinem Shirt, um nicht filmreif hinterher zu fliegen, wenn er sich doch auf Kai stürzen sollte. „Loser?“, wiederholt Kai, und ich verziehe das Gesicht, weil ich mich frage, wie man tatsächlich so blöd sein und das wiederholen kann. Anstatt wie befürchtet, stürmt Marcel allerdings nicht auf Kai zu, sondern gibt lediglich ein „Aha.“,von sich, was mich ehrlich gesagt etwas überfordert. Also entweder ist der gute Marcel in den Ferien zu einem Antiaggressionstraining, einer Selbsthilfegruppe oder einem Therapeuten gegangen, oder aber er hat heute schlecht gegessen und ihm fehlt jeglicher Antrieb, auch nur im Ansatz Stunk zu machen. Da ich aus persönlichen Gründen alle Punkte für ausgeschlossen halte, gehe ich davon aus, dass er hohes Fieber und eine ernstzunehmende

Erkrankung hat. „Touji ist dran mit zählen.“, mischt sich Taylor ein, wohl in dem Versuch, das Ganze irgendwie nach unten zu wiegeln, damit es nicht doch noch zu einer Schlägerei kommt. Und erstaunlicherweise funktioniert das auch ganz gut. Ich werfe dem Punk den Ball zu und bewege mich langsam aber zielsicher auf die andere Seite des Spielfelds. Weg von Kai, aber dafür zur Punktetafel. „Kann die notgeile Schwuchtel eigentlich zählen?“ Noch bevor ich mich umdrehen kann, höre ich Mac kreischen, so wie er immer bei körperlichen Auseinandersetzungen kreischt, und etwas Dumpfes. Dem Dumpfen folgt ein weiterer Schrei, und

danach aufgeregtes Gerede. Ich drehe mich um, und bin ehrlich gesagt nicht im geringsten überrascht, Kai am Boden liegen zu sehen, während sein Gefolge ihn bemuttert, und Marcel zur Hälfte auf der Absperrung steht und mit dem Bein, das nicht gerade darauf steht, in der Luft herumbalanciert. „Ich hab ja nur darauf gewartet, dass du es wiederholst.“, kommentiert er, und grinst dabei dieses unverschämte, gehässige Grinsen, dass ich so an ihm hasse und doch irgendwie vergöttere. „Bist du bescheuert?“, brüllt Jem ihm entgegen und Marcel zuckt lediglich mit den Schultern, während er von der Absperrung springt und seine rechte Hand ausschüttelt, während er gleichzeitig lässig mit den Schultern zuckt. „Ja, nein, vielleicht, wer weiß das

schon?“ So schnell wie Marcel auf hundertachtzig war, so schnell ist er offenbar wieder bei null angekommen, da er sich ganz ruhig umdreht und zurück auf das Basketballfeld geht, wo er sich von Taylor den Ball zuwerfen lässt. Und während Kai mit seinem Gefolge, zu dem nun leider auch Mac gehört, sich vom Acker macht, wirft Marcel einfach mal locker flockig einen Dreier, während ich und Taylor noch irgendwie darüber verstört sind, dass Marcel seine Wut so schnell wieder unter Kontrolle hatte. „Das war unfair!“, beschwert sich der Punk auch gleich, während ich mir an der Punktetafel zu schaffen mache, und Marcel drei Punkte zuordne. „Wer zu langsam ist, den bestraft das Leben.“, gibt Marcel den Glückskeksspruch des Tages

von sich, der mich mit den Augen rollen lässt. Dafür, dass Marcel solche Lebensweisheiten eigentlich absolut hasst, gibt er sie neuerdings ganz schön oft von sich. „Und irgendwann sitzt er im Keller, und stopft Zettel mit in krumme Kekse.“, witzelt Taylor und deutet auf Marcel, während er den Ball fängt, den Marcel ihm zugeworfen hat. „Na, besser das, als den Rest meines Lebens morgens ne Stunde vorm Spiegel stehen zu müssen.“, kontert Marcel und ich kichere vor mich hin, was mir einen strafenden Blick von beiden einbringt, ehe ein „Du bist nicht besser, Touji!“, folgt, was mich nur noch mehr kichern lässt. „Sorry, aber ihr beide seid klasse.“, gebe ich prustend von mir. „Wissen wir, aber nett, dass du es auch zur Kenntnis nimmst.“, kommt es von Marcel

zurück, was mich mit den Augen rollen lässt. „Wenn du gerade versuchst, Kai's Selbstverliebtheit zu kopieren, bist du auf dem richtigen Weg, mein Sohn.“ „Ich glaube das was du brauchst Touji, ist ein neuer Lover, nachdem es mit dem Alten ja nicht mehr so läuft.“, kontert er und ich sehe ihn an, wobei meine Augen vermutlich an Yoohoo-Tierchen erinnern. „Was?“, hake ich dann nach einer Weile nach, in der irrsinnigen Hoffnung, mich irgendwie verhört zu haben. Während ich Marcel anstarre, macht Taylor den Eindruck, als würde er angestrengt nach einem Ablenkungsmanöver forschen, was die Sache übrigens nicht besser macht. „Na, mit Eric läuft ja offensichtlich nichts mehr.“, kommentiert mein ehemaliger Erzfeind, während er mich mit einem 'bist du blöd?'-Blick

bedeckt. Dass er sogar den Namen meiner Fickbeziehung weiß, ist so ziemlich eine Katastrophe, deren Ausmaß ich noch nicht genau berechnet habe, und deswegen jetzt nicht weiß, wie genau ich damit umgehen soll. „Du glaubst jetzt nicht ernsthaft, dass ich das nicht wusste, oder? Das ist so was von offensichtlich gewesen, dass ihr es miteinander treibt. War nur eine Frage der Zeit, bis du ihn fallen lässt. Und um ehrlich zu sein, bin ich darüber auch echt froh.“, leiert der Braunhaarige herunter und ich nicke einfach mal, weil ich nicht weiß, was ich sonst tun soll. „Warum bist du denn froh darüber?“, spricht Taylor die Frage aus, die sich auch gerade in meinem Kopf gebildet hat, nachdem mein Hirn die Verarbeitung der Informationen abgeschlossen hat und kurz vor der Überlastung

und einem damit verbundenen Kurzschluss steht. „Ich muss mir das schmachtende Grinsen nicht mehr geben, und finde auch keine gebrauchten Kondome, wenn ich in den Mülleimer gucke. Sorry, aber das ist echt zu viel für meine Nerven.'' „Das Grinsen oder die Kondome?“, gluckst der Punk und versucht einen Dreier zu werfen, den Marcel locker flockig blockt, indem er einfach wie aus dem nichts nach oben springt, und ihm den Ball aus der Hand schlägt. „Das Grinsen natürlich.“, gibt Marcel absolut ernst von sich, nachdem er wieder auf dem Boden aufgekommen ist. „Oder wie würdest du dich fühlen, wenn dein Mitbewohner den einzigen Menschen auf der Welt in den Hintern fickt, der immer da ist, ob du nun willst oder

nicht?“ „Vermutlich beschissen?“, rätselt Taylor, während ich einfach nur stumm wie ein toter Karpfen da sitze und Marcel an glubsche. „Ich hoffe, du weißt zu schätzen, welche Überwindung es mich gekostet hat, ihm nicht einfach die nächste Nachttischlampe in die Fresse zu schlagen.“, wendet sich Marcel an mich und ich grinse einfach nur schief. „Ich weiß das sehr zu schätzen. Immerhin weiß ich, wie leicht du in die Luft gehst.“ „Gut! Denn ich hab das nur für dich und dein Sexualleben getan.“ „Weiß ich zu würdigen.“ „Na hoffentlich, denn das Kopfkino ist echt nicht so toll.“ „Du musst dir ja nicht unbedingt bildlich vorstellen, wie ich die Beine breit mache.“ „Doch, muss ich. Das Bild drängt sich mir

einfach so auf.“ „Kann es vielleicht sein, dass du unbefriedigte Bedürfnisse hast, oder so?“ „Im Moment, dir auf die Fresse zu hauen.“ „Abgesehen davon.“ „Natürlich. Ich leide total an Liebesentzug. Aber ein Döner tut's auch.“ „Dann gehen wir Döner essen.“ „Leute, ihr beide habt ein ernsthaftes Problem.“, schaltet sich Taylor ein, der mit dem Ball unterm Arm da steht, und leicht den Kopf schüttelt. „Wieso?“, kommt es zeitgleich von mir und Marcel, während wir Taylor unverständlich ansehen. „Ach...nur so ein Gedanke. War nicht so wichtig.“ Schulterzuckend wendet sich Marcel an mich und kommt die paar Schritte zu mir herüber, ehe

er mich am Ärmel meines Shirts zupft und ein simples „Döner.“, von sich gibt, was mich unterdrückt lachen lässt. Es gibt einfach Dinge, die sich niemals ändern, habe ich das Gefühl. So war es früher auch schon immer. Ihn alleine zum Essen zu schicken, war ein Ding der Unmöglichkeit und ich musste immer mitkommen. Und wenn es dem guten Marcel nicht schnell genug ging, dann hat er so lange an mir rumgezupft und rumgezerrt, bis ich mich endlich bewegt habe und er seinen Willen bekommen hat. Wie ein Kleinkind. „Ja, ja, wir gehen ja schon.“, seufze ich deswegen und schnappe mir meine Tasche, die ich über die Schulter werfe, während Taylor dasselbe tut. Den Ball lassen wir in stillschweigender Eintracht

mitgehen. Ein paar Meter nach dem Supermarkt gibt es ein kleines Restaurant, das auch Döner auf der Karte hat, weswegen wir dort einkehren und uns einen Tisch ganz hinten in der Ecke aussuchen. Aus irgendeinem Grund sitzen Marcel und ich mit dem Rücken zur Wand, während Taylor uns gegenüber sitzt. Wie es zu dieser Sitzkonstellation gekommen ist, weiß ich zwar nicht, aber ich nehme an, dass es einfach eine der verschütteten und vergessen geglaubten Gewohnheiten ist, die mich und Marcel so verbinden. Nachdem wir bei der äußerst freundlichen und großbusigen Bedienung bestellt haben, sitzen wir da und schweigen, was mir ehrlich gesagt auf den Geist geht. Ich hasse Schweigen, vor allem dann, wenn es so drückt, als würde sich etwas zusammen

brauen. „Dann erzählt mal.“, fängt Taylor an, und hat somit die Aufmerksamkeit von uns beiden. „Wieso habt ihr euch zerstritten?“ Das Schweigen, das sich jetzt aufbaut, ist noch um einiges Schlimmer als das davor, weshalb ich anfange auf der Innenseite meiner Unterlippe herumzukauen. Aber im Allgemeinen ist das gar keine schlechte Frage, die Taylor gestellt hat. Warum haben Marcel und ich uns zerstritten? Um ehrlich zu sein, bin ich mir über den Grund nicht einmal mehr sicher, weshalb ich mit den Schultern zucke, und zu Marcel schiele, der ein ziemlich finsteres Gesicht macht. „Weil er ne Schwuchtel ist.“, kommt auch die prompte Antwort, während er sich zurücklehnt und sich im Restaurant umsieht. „Na ja, schwul ist er jetzt immer noch, aber das

scheint dich trotzdem nicht sonderlich zu stören.“ „Können wir bitte über irgendwas anderes reden?“, funke ich dazwischen und bekomme einen bestätigenden Laut von meinem Sitznachbarn geschenkt. „Wir müssen uns was mit dieser Mistkröte einfallen lassen.“, murrt Marcel und ich gebe ihm nickend recht. Aber ich glaube in der Hinsicht sind wir alle drei einer Meinung, was eine Diskussion darüber sinnlos macht. „Die Frage ist einfach nur, was wir zu tun haben.“ „Taylor und ich haben heute früh sein Zimmer durchsucht und nichts, absolut nichts, gefunden, was irgendwie persönlich ist.“, seufze ich, während ich mich ebenfalls zurück lehne und an die Decke

starre. „Was, wirklich gar nichts?“ Ich sehe zur Seite und blicke Marcel an, während ich bedauernd den Kopf schüttle. „Ich frage mich sowieso, was eigentlich genau sein Ziel ist.“, murre ich dann und richte mich wieder auf, als die Bedienung unsere Bestellung inklusive Getränke bringt. „Fangen wir doch einfach mal ganz am Anfang an. Vielleicht kommen wir dann sogar drauf.“, gibt Taylor enthusiastisch von sich und wir nicken einfach nur, während wir anfangen zu essen. „Am Anfang war er noch arschiger als Marcel, und das soll was heißen. Warum genau, keine Ahnung.“, halte ich fest und Marcel nickt zur Bestätigung, während er kaut. Nachdem er heruntergeschluckt hat, runzelt er

die Stirn. „Dann war er auf einmal super nett zu dir, und hat versucht, dich vor mir zu verteidigen.“ „Ja, während er versucht hat mir einzureden, dass du böse, schlecht und der Teufel in Person und natürlich an meinem ganzen Unglück Schuld bist.“, ergänze ich, während ich Taylor ansehe, der überlegend aus dem Fenster sieht. „Stimmt. Er hat wirklich auffällig oft erwähnt, dass Marcel dir nicht gut tut. Und dann...“ „Dann hat er sich Marcel's Posten unter den Nagel gerissen, und die Anderen irgendwie dazu gebracht ihn aus dem Team zu werfen.“, schießt es aus mir heraus, auch wenn das Marcel wahrscheinlich noch nicht so gleichgültig ist, wie er uns weiß machen will. „Na und als das vollbracht war, hat er sich von dir abgewendet und sich Mac zugewandt.“, kommentiert mein Sitznachbar kauend und ich murre

bestätigend. Und dieser Vollpfosten ist auch noch voll drauf reingefallen, und nun ist unsere Freundschaft für den Arsch. „Und dann haben sie sich sofort Marvin gekrallt.“, setzt Taylor hinterher. „Tja, und was sagt uns das jetzt?“, hake ich nach, weil ich ehrlich gesagt nicht den geringsten Zusammenhang feststellen kann. Also entweder ist Kai undurchschaubar und unmöglich zu verstehen, oder aber der Typ hat selbst keine Ahnung, was er überhaupt als nächstes tun soll. Normalerweise haben Bösewichte doch so eine Art To-Do-Liste, aber die scheint ihm ja wohl vollkommen zu fehlen. „Keine Ahnung.“, seufzt der Punk resigniert und nimmt einen Schluck von seiner Cola, während er den leeren Teller von sich schiebt, und ich es ihm gleich

tue. Marcel schiebt seinen leeren Teller zwar ebenfalls weg, kaut aber noch vor sich hin, während er irgendeinen Punkt in der Ferne fixiert und die Stirn runzelt. „Marcel?“, hakte ich vorsichtig nach, bekomme jedoch keine Reaktion, bis ich ihm in die Rippen pieke. „Irgendwas will mir mein Hirn sagen, aber ich komm nicht drauf.“, murrt er, was mich grinsen lässt. Als hätten Taylor und Marcel meine Gedanken gelesen, waren wir noch zusammen draußen unterwegs, bis es dunkel geworden ist. Auf die Mensa hatten wir alle keine Lust, immerhin hatten wir gerade gegessen, und außerdem konnten zwei von uns nicht mit Sicherheit

garantieren, nicht auf Kai loszugehen und ihn mit einer Gabel zu töten. Dummerweise musste ich ja irgendwann zurück in mein Zimmer. Und dreimal darf man raten, wer nun bei uns im Zimmer sitzt und meine Nerven strapaziert. Mac's neuer bester Freund. Während Kai und Mac auf Mac's Bett aufeinander kleben und über Dinge reden, die ich nicht wissen will, wobei sie nebenbei Animes gucken. Ich sitze währenddessen vor meinem Computer und starre behände auf den Bildschirm, während ich versuche, meine Hausaufgaben in Geschichte zu erledigen. Es geht mal wieder um den blutigen 2. Weltkrieg, und wir sollen eine Geschichte dazu schreiben, was wäre, wenn wir selbst in dieser Zeit gelebt

hätten. Eine Aufgabe, die mich nicht nur ankotzt, sondern mir auch ziemlich schwer fällt. Ich kann mich einfach nicht auf Fingerschnippen in eine andere Zeit versetzen und so tun, als hätte ich da gelebt. Vermutlich fällt es mir auch deswegen so schwer, weil ich mir der Anwesenheit von Kai sehr bewusst bin, und sie mich einfach stört. Ich schrecke auf, als mich jemand an meinem Schlafshirt zupft, und ich weiche automatisch samt Stuhl zurück, während Mac mich betreten ansieht und ich einfach nur eine Augenbraue hebe, anstatt was zu sagen. „Willst du....vielleicht mitgucken?“, kommt die vorsichtige Frage, und ich frage mich automatisch, ob Mac das wirklich ernst meint, oder ob ich mich nicht klar genug ausgedrückt

habe. „Nein, danke.“, gebe ich deswegen so höflich wie möglich von mir, und wende mich wieder meinem Bildschirm zu. Am Rande meines Sichtfeldes bekomme ich allerdings mit, dass Mac weiterhin da stehen bleibt, weshalb ich mich ihm seufzend wieder zuwende. „Gibt's sonst noch etwas?“ Es kann vielleicht sein, dass mein Ton etwas frostig ist, aber um ehrlich zu sein, ist mir das gerade egal. Solange Kai sich mit mir in einem Raum befindet, kann man nicht von mir erwarten, dass ich freundlich, nett und warmherzig bin. „Können wir nochmal über heute früh reden?“ Ich sehe Mac einfach nur schweigend an, während ich mir überlege, was ich darauf

antworten soll. Im Grunde habe ich eigentlich keine Lust, meinen besten Freund zu verlieren. Noch weniger Lust habe ich allerdings, meine Zeit mit jemanden zu verbringen, der lieber auf die Worte von einem dahergelaufenen Idioten hört, als auf mich. Und trotzdem würde ich jetzt am liebsten sagen, dass wir dringend mal darüber reden sollten. Allerdings rettet mich mein Handy vor der Antwort, das genau in diesem Moment anfängt zu klingeln und eine Nachricht ankündigt. Ich schnappe mir also mein Handy und öffne Whatsapp, um die Nachricht zu lesen, wobei ich die Augenbraue hebe. Die Nachricht ist von Marcel und besteht einfach nur aus der Aufforderung, jetzt sofort meinen Arsch hoch zu bewegen, und zu der Bank zu kommen, wo wir letztens gesessen

hatten. Anstatt Mac also zu antworten, stehe ich lediglich auf, schalte den Computer aus, packe mir mein Handy und ziehe die Trainingsjacke von Marcel über, ehe ich das Zimmer verlasse. So schnell mich meine Beine tragen, haste ich die Treppen nach unten und aus der Eingangstür, ehe ich mich auf den Weg begebe, der zu der Bank führt. Warum und wieso Marcel mich jetzt unbedingt noch sehen will, und sich das Ganze auch noch drängend anhört, verstehe ich zwar nicht, aber wenn ich dort bin, werde ich das schon herausfinden. Unterwegs zünde ich mir eine Zigarette an, und schließe die Trainingsjacke bis oben zum Kragen, und blase den Rauch in die Luft. Als ich bei der Bank ankomme, hebe ich

interessiert eine Augenbraue, während ich mir meine Brille wieder richtig auf die Nase schiebe und Taylor ansehe, der auf der Bank sitzt. „Marcel holt Zigaretten.“, ist sein Eröffnungskommentar und ich nicke einfach nur, bevor ich mich neben ihn auf die Bank fallen lasse. „Wieso bist du hier?“ „Marcel hat mich förmlich gekidnappt und meinte, er muss uns unbedingt was sagen.“ „Na hoffentlich wird das keine schnulzige Liebeserklärung.“, witzle ich, und bringe Taylor damit zum lachen. „Das wünscht du dir vielleicht.“, kommt der Kommentar aus dem Dunkeln und ich grinse, ehe ich Marcel erkenne, der sich wortlos auf der anderen Seite neben mich fallen lässt. Mir war schon klar, dass ich eine schnulzige Liebeserklärung nicht ernsthaft erwarten muss, aber ich mache eben trotzdem gern meine

Späßchen. „Zu schade. Du hast mir gerade mein Herz gebrochen. Weshalb sind wir sonst hier?“ „Ich habe herausgefunden, was mein Hirn mir vorhin mitteilen wollte.“ „Und das ist überlebenswichtig weil?“, hake ich nach, und habe sofort seine ungeteilte Aufmerksamkeit. „Du.“ Ein Seitenblick auf Taylor sagt mir, dass er mit diesem einen simplen Wort genauso wenig anfangen kann wie ich, weshalb er die Stirn runzelt und ich eine Augenbraue hebe. Marcel sieht mir direkt in die Augen und knirscht mit den Zähnen, ehe er die Luft ausstößt. „Das Ziel von Kai bist du.“

pläne, pleiten, löffelchenstellung

Ich sowie Taylor starren Marcel stumm an. Ich weiß nicht warum Taylor schweigt, aber mein Kopf ist gerade so leer, dass ich keine Wörter bilden kann, weshalb ich einfach nur Marcel anstarre, der aufgekratzt wirkt und an seiner Zigarette zieht. Dreimal kurz hintereinander. „Wie...wie kommst du denn darauf?“, kommt es stotternd über meine Lippen, während ich ihn immer noch fassungslos anstarre. Marcel springt von der Bank auf und fährt sich durch die Haare, während er unruhig von einem Fuß auf den anderen tritt. „Weil alles immer nur mit dir zu tun hat. Deswegen!“ „Mit...mir?“ „Moment, ist das nicht ein bisschen weit

hergeholt? Das Basketballteam hat doch nichts mit Touji zu tun.“, schaltet sich nun der Punk ein und ich nicke einfach nur. Denn damit hat Taylor recht. Ich habe mit dem Basketballteam nichts zu tun, außer dass ich mit Eric was am Laufen hatte, aber das hatte sich ja von alleine erledigt, ohne dass Kai sich eingemischt hat. Und ich glaube auch nicht, dass er davon weiß. „Ja, nicht direkt.“, gibt Marcel zu und zieht wieder an seiner Zigarette. „Okay, das mit Mac, Marvin und mit ihm selbst hat natürlich was mit Touji zu tun, aber das Team eben nicht. Da finde ich die Theorie etwas weit aus der Luft gegriffen.“, kommentiert Taylor. Ich bin mir da allerdings nicht mehr so sicher, da mir ein Gedanke kommt, der Marcel offensichtlich auch schon gekommen ist. „Ohne jetzt eingebildet klingen zu wollen: Mac

ist vielleicht Touji's bester Freund, aber die Konstante bin immer noch ich.“ „Das klingt in der Tat ziemlich eingebildet.“, grinst Taylor, ehe er wieder ernst wird und sich das Ganze durch den Kopf gehen lässt. „Bei genauer Betrachtung, seh ich die Verbindung jetzt auch. Aber mit einem hast du ernsthaft Unrecht.“ „Ah ja?“ „Du bist keine Konstante in Touji's Leben.“, stellt der Punk nüchtern fest und ich gucke ihn einfach nur fragend an, während Marcel's Gesichtsausdruck sich verdunkelt. Natürlich ist Marcel eine Konstante in meinem Leben, um genau zu sein die Einzige, die ich je hatte. Wie Taylor jetzt auf das Gegenteil kommt, weiß ich nicht, aber er hat unrecht. „Du bist der ultimative Schwachpunkt, den er hat.“, stellt Taylor klar, und ich blinzle etwas überfordert, bevor mir eine leichte Röte ins

Gesicht schießt und ich mit den Zähnen knirsche. „Gar nicht wahr, du Vollidiot.“, knurre ich deswegen und vergrabe meine untere Gesichtshälfte in der Trainingsjacke. „Mhm...das sieht man daran, wie du auf die Barrikaden gegangen bist, als es um ihn ging.“ „Das hat damit gar nichts zu tun.“, murre ich in den weichen Stoff der Trainingsjacke und finde den Weg super interessant. „Ey! Wenn du nicht aufhörst, ihn zu ärgern, hast du ein Problem mit mir!“, faucht Marcel und Taylor hebt belustigt eine Augenbraue, während er Marcel beobachtet, der sich wieder neben mir auf die Bank fallen lässt, und seinen Zigarettenstummel weg schnippst. Kurz darauf beugt dieser sich über mich drüber, um näher an Taylor dran zu sein. „Ich hab hier das Vorrecht, nur um das mal

klarzustellen.“, Es ist so lächerlich, dass Marcel tatsächlich auf sein Vorrecht mich zu ärgern pocht, dass ich unweigerlich anfange zu prusten. „Aber Schnucki, natürlich hast du das stetige Vorrecht. Wie kannst du nur was anderes denken?“, necke ich ihn deswegen, während ich ihm kurz durch die Haare wuschle, und dafür einen giftigen Blick abbekomme, der mich nur noch breiter grinsen lässt. „Tatsache?“ „Ehrlich gesagt dachte ich eigentlich, dass das klar ist.“, gebe ich verwundert von mir, und Marcel gibt einen Laut von sich, den man nicht genau interpretieren kann. „Manchmal brauch ich Bestätigung.“, kommentiert Marcel und ich hebe eine Augenbraue. „Na schön: Du bist der sportlichste,

bestaussehende, geilste und verlässlichste Arsch, den ich kenne.“ Taylor rechts neben mir fängt an zu lachen, während ich Marcel stockernst ansehe, der etwas verwirrt zurück guckt, bevor er mir mit der flachen Hand leicht auf den Hinterkopf schlägt und ein „Vollidiot!“, von sich gibt. „Du wolltest doch Bestätigung.“ „Doch nicht von dir.“ „Sorry, soll ich Marvin holen?“ „Ne danke.“ „Na von mir willst du ja keine Bestätigung.“ „Touji?“ „Was?“ „Halt zur Abwechslung einfach mal die Schnauze und lass mich verwirrt sein.“ „Okay.“ „Ihr habt wirklich, wirklich ein ernsthaftes Problem.“, kommt es lachend neben mir und ich

zucke mit den Schultern, während Marcel ein „Schnauze!“, von sich gibt. „Dann kommen wir mal zum Ernst der Lage zurück, und erörtern unser aktuelles Problem.“ Ehrlich gesagt finde ich es erstaunlich, dass Taylor einfach so von dem einen Thema zum Anderen überspringen kann. So was könnte ich auch gern, und zwar genauso professionell wie er. Wenn ich das mache, merkt ein Vollidiot, dass ich vom Thema ablenken will, und ich frage mich gerade lächerlicherweise, ob Taylor Nachhilfestunden im Themenwechsel anbietet. „Wie gehen wir gegen Kai vor?“ Im Allgemeinen ist das eine ziemlich gute Frage, auf die ich nicht wirklich eine Antwort habe, aber ich überlege trotzdem. „Wir könnten ihn verprügeln, einbetonieren und

an der Küste versenken.“, schlägt Marcel vor, und ich muss automatisch lachen. Das ist so typisch Marcel, dass es fast schon weh tut. „Man könnte meinen, du kommst aus Italien.“ „Oder wir lösen ihn einfach in Salzsäure auf.“ „Das ist auch keine brauchbare Option.“, seufzt Taylor, wobei ich ihm allerdings nur halb recht gebe. Sollten alle Stricke reißen, wäre das durchaus eine Option. „Wir unternehmen einfach gar nichts.“ Marcel sowie Taylor sehen mich beide etwas fassungslos an, was ich mit einem erneuten Schulterzucken kommentiere, bevor ich mir eine Zigarette anstecke und mich zurück lehne. „Wir tun einfach so, als wüssten wir von nichts, und lassen ihn mal machen. Mal ehrlich, mehr kann mein Leben eigentlich nicht den Bach runter gehen, also ist das nicht so dramatisch.“ „Ich bin da ja anderer

Meinung.“ „Und ich gebe Taylor zur Abwechslung recht.“ „Und während wir ihn machen lassen, finden wir heraus, was er eigentlich genau von mir will.“, rede ich einfach weiter, und ziehe an meiner Zigarette. Kurz herrscht Stille, in der Marcel und Taylor wohl meinen Plan verarbeiten und darüber nachdenken. „Im Allgemeinen keine schlechte Idee. Du hast den Spast noch nie vorher gesehen?“ Ich schüttle verneinend den Kopf. Zwar hab ich in meinem Leben schon viele Menschen gesehen, vor allem bevor ich hier her kam, aber an diese dumme Hackfresse könnte ich mich definitiv erinnern. „Wo sollen wir denn da anfangen?“ „Logischerweise am Anfang.“, kommentiert Marcel und erläutert das mit einem „Wir holen uns alle Infos über ihn, an die wir ran kommen.

Immerhin hatte der Depp vor Nightcrawl bestimmt so was wie ein Leben.“ Na ich hoffe doch, dass Kai vor Nightcrawl und der Zerstörung meines Lebens, ein eigenes Leben hatte. Wenn nicht, ist das nicht nur traurig und armselig, sondern auch irgendwie lachhaft. Kai MUSS so etwas wie ein Leben gehabt haben, bevor er hierher kam. Zwar hab ich keine Ahnung was für eins, aber vielleicht gibt das Aufschluss darüber, was er von mir will. „Dir ist klar, dass du ihm damit den Freischein gibst, dein Leben weiter zu ruinieren, ja?“, hakt Taylor nach und ich nicke seufzend. Auch wenn es mir nicht gefällt, aber so lange Kai denkt, wir haben keinen Schimmer, wird er auch nicht besonders vorsichtig sein. „Na gut, dann gehen wir zu mir und sehen mal, was das Internet so

ausspuckt.“ Mit diesen Worten erhebt sich Taylor und streckt sich kurz, bevor er sich in Bewegung setzt und wir ihm folgen. „Wieso ausgerechnet zu dir?“, hakt Marcel nach und ich grinse ihn über meine Schulter einfach nur an. „Weil Kai gerade bei Mac sitzt und du Eric im Zimmer hast, der das Kai sicherlich stecken wird, oder mir eine tränenreiche Entschuldigung auftischt, damit er das Foto wieder kriegt.“, erkläre ich dann fachmännisch. „Was für ein Foto?“ „Ehm...“, fängt Taylor an und verzieht das Gesicht, während er sich schüttelt. „Das Foto, was ich von Eric und Jem gemacht habe, als sie gerade um ihr Leben gevögelt haben.“, kommt es trocken von mir, und im nächsten Moment gibt Marcel auch schon ein

Würgegeräusch von sich. „Dein Macker hat sich aber schnell getröstet.“, murrt er dann, und gebe lediglich ein „Nicht wahr?“, von mir. „Wir könnten Eric und Jem damit unter Druck setzen.“, schlägt er dann vor und bringt Taylor zum lachen. „Haargenau derselbe Wortlaut wie der von Touji.“ Daraufhin schweige ich, und auch Marcel scheint es für Besser zu halten, einfach still zu sein anstatt irgendwas zu sagen. Bei Taylor im Zimmer angekommen, lasse ich mich ungefragt auf dessen Bett fallen, und Marcel tut es mir nach, während Taylor seinen Laptop aus dem Schreibtisch gräbt und sich zu uns gesellt. Nach einer Weile gibt Taylor einen Laut von

sich, der wohl mitteilen soll, dass er irgendwas zu Kai gefunden hat, weswegen ich mich zu ihm rüber lehne und Marcel dasselbe tut, so dass er an meinem Rücken klebt. „Kai ist der Sohn von Maik Jamsey. Der wiederum ist der Chef einer großen Computerfirma in New York, Jamsey Enterprices. Schon mal gehört?“ Ich überlege kurz und schüttle dann den Kopf. Es ist jetzt nicht so, dass ich mich jemals für de Arbeit meines Vaters interessiert hätte, aber eigentlich kann ich mich schon an alle Namen von Geschäftspartnern oder Konkurrenten erinnern, die er jemals erwähnt hat. Besonders viele waren das ja auch nicht. „Ich glaub nicht, dass wir im Internet irgendeine Verbindung zwischen mir und Kai finden.“, gebe ich nach einer Weile zu bedenken, in der Taylor weitere Seiten bei

Google durchforstet hat. „Überlass dem sein Leben mal mir.“, kommt es hinter mir, und ich wende leicht meinen Kopf in Richtung Marcel, was sich als richtig heraus stellt. Denn dadurch, dass Marcel inzwischen sein Kinn auf meiner Schulter geparkt hat, wäre ich sonst auch mit ihm zusammen geknallt. „Mord ist keine Lösung.“, stelle ich einfach nur trocken fest, ohne irgendwas dazu zu sagen, dass er mich gerade als Ablage für sein Kinn missbraucht. „Ich weiß, dass dir ein Mord an Kai ziemlich gelegen kommen würde, aber das meine ich eigentlich gar nicht. Ich hab doch relativ gute Verbindungen, also zapf ich die mal an. Vielleicht kriegen wir dann irgendwas raus.“ Ich schweige eine Weile, während Taylor weiter mit Google kommuniziert, ehe meine

Mundwinkel zucken, und ich ihm die Zunge raus strecke. „Hab ich schon mal erwähnt, dass du der Geilste bist?“ „Musst du nicht, das weiß ich. Aber ist trotzdem nett zu hören.“, kommt es provozierend zurück und ich rolle mit den Augen. „Eingebildet bist du gar nicht.“ „Ich bin lediglich realistisch.“ „Ah ja?“ „Hast du mal gesagt.“ Dummerweise ein Punkt für Marcel. Ich selber kann mich nämlich leider auch nur zu gut daran erinnern, dass ich das mal zu ihm gesagt habe. Womit ich im Prinzip ja auch recht habe, oder hatte. Eingebildet ist Marcel ja gar nicht, er weiß einfach nur was er kann, und was er nicht

kann. Ich wünschte ich könnte von mir behaupten, dass ich das auch wüsste. Tu ich aber nicht, und deswegen dümple ich die meiste Zeit so vor mich hin und versuche, mich selbst zu finden. Auch wenn Letzteres eher weniger der Fall ist, als ich gerne hätte. „Wie lange dauert das, bis deine 'Verbindungen' was rausgefunden haben?“, meldet sich Taylor zu Wort, den ich ehrlich gesagt kurzzeitig vergessen habe, weshalb ich das Gesicht verziehe, dann aber auf eine Antwort wartend zu Marcel schiele. „Keine Ahnung. Bis sie was rausgefunden haben. In der Regel innerhalb von 48 Stunden. Wieso?“ Wieso der Punk das wissen will, möchte ich übrigens auch gerne wissen. Im Prinzip ist es ja scheißegal wann sich die Typen dann melden,

solange es noch innerhalb dieses Lebens ist. „Dann setzen wir doch in der Zeit Marvin auf Kai an. Immerhin scheinen sie sich mit ihm noch gut zu verstehen.“ „Marvin?“, hake ich nach und Taylor nickt. An seinem ernsten Gesichtsausdruck mache ich fest, dass er diese Schnapsidee tatsächlich ernst meint, und zeige ihm deswegen den Vogel. „Wir reden hier von Marvin. Marvin ist ein Schäfchen. Ein Schäfchen, das im Übrigen ganz besonders mies im Lügen ist. Um ehrlich zu sein glaube ich, dass Marvin in seinem bisherigen Leben noch nicht einmal eine Notlüge benutzt hat.“, werfe ich meinen Protest ein und spüre, wie Marcel an meiner Schulter nickt. „Er hat doch gesagt, er hilft uns.“ „Ja, das hat er vielleicht gesagt, aber ich kenne Marvin lange genug. Der kriegt schon

Herzrhythmusstörungen, wenn er nur daran denkt, Cola trinken zu müssen. Das können wir nicht bringen.“ „Genau! Mal abgesehen davon, dass sein Leben dann auch für den Arsch ist, wenn Kai das spitz kriegt.“, schlägt sich Marcel auf meine Seite. An diese Möglichkeit habe ich ehrlich gesagt noch gar nicht gedankt, aber sie bestärkt mich darin, dass es eine beschissene Idee ist, Marvin auf Kai loszulassen. „Ohne dir nahe treten zu wollen: Seit wann sorgst du dich um das Leben Anderer? Touji ausgenommen.“ „Tu ich nicht. Aber der Typ ist ihm nun mal wichtig, also können wir das nicht bringen.“ Ich finde es reizend, dass Marcel aus Rücksicht auf mich, Rücksicht auf Marvin nimmt. Wirklich sehr reizend, wenn auch etwas...sagen wir abgebrüht. „Okay, war nur für das Allgemeinverständnis.“,

winkt Taylor dann ab, was mich lächeln lässt. Was ich an Taylor schätzen gelernt habe, seit wir uns kennen: Er stellt zwar manchmal Fragen über irgendwas, und das auch manchmal ziemlich unverblümt, aber er akzeptiert auch die einfachsten und abgefucktesten Antworten ever. Eine der Eigenschaften, die ich an Leuten am meisten schätze. „Dann packen wir's. Ich telefonier morgen mal rum.“, seufzt der Braunhaarige und erhebt sich, was mich dazu veranlasst, ein paar Mal mit meiner Schulter zu kreisen. Denn ob man es glaubt oder nicht, auch eine Schulter kann einschlafen. Danach erhebe ich mich ebenfalls, und schiebe meine Hände in die Hosentaschen. „Bist du dir sicher, dass du zurück willst?“, hakt Taylor nach und ich zucke mit den

Schultern. „Ich werd's überleben. Außerdem will ich echt nicht hier sein, wenn der Spast zurück kommt.“, grinse ich dann schief, und Taylor nickt verstehend. „Ich hol dich dann morgen vor deinem Zimmer ab.“, kommentiert er noch und ich rolle mit den Augen, während ich grinse und zur Tür raus gehe, die ich hinter mir zu ziehe. Ein paar Minuten laufen Marcel und ich schweigend nebeneinander her, weil sein Zimmer am anderen Ende des Gebäudes liegt, und ich nun mal in ein komplett anderes Gebäude muss. In dem Hautgang angekommen, hebe ich wie gewohnt zum Abschied die Hand, und wende mich in Richtung Treppe die zum Haupteingang führt. „Willst du wirklich Kai's Fresse

sehen?“ Überrascht bleibe ich stehen, und drehe mich zu Marcel um, ehe ein „Bleibt mir nichts anderes übrig.“, meine Lippen verlässt. „Eric's Fresse ist nicht ganz so schlimm.“ Ich starre Marcel an, unfähig etwas zu sagen, während mir die Spucke weg bleibt. Hat der Typ mich gerade ernsthaft umwegig gefragt, ob ich bei ihm pennen will, damit ich Kai's blöde Visage nicht sehen muss? Wann zur Hölle ist unsere Feindschaft eigentlich den Bach runter gegangen? Kurz darauf fällt mir ein, dass wir das Kriegsbeil ja vorübergehend begraben haben. Wusste ja nicht, dass wir das so gut verbuddelt haben. „War das eine Einladung?“, frage ich deswegen einmal schön blöd nach, und sehe Marcel mit den Schultern zucken. „Sieh es, wie du

willst.“ Damit dreht er sich um und geht. Was für eine fabelhafte Antwort, mein Lieber. Eine Antwort ohne genaue Antwort. Im Übrigen schon immer etwas, das ich an ihm gehasst habe, und es vermutlich auch immer tun werde. Eine Weile bleibe ich stehen und sehe Marcel hinterher, wie er mit lockeren Schritten den Gang hinunter geht, ehe ich anfange mich selbst zu verfluchen, und mich gleichzeitig in Bewegung setze. „Warte!“ „Ich wusste es!“, kommt es schon fast im Singsang, und ich murre ungehalten, während ich zu Marcel aufhole. „Blödes Arschloch.“ „Deswegen kommst du ja auch mit.“ Interessiert hebe ich eine Augenbraue, die noch weiter nach oben wandern würde wenn sie könnte, weil Marcel

grinst. „Ich bin wenigstens ein blödes Arschloch, das dir nicht an die Wäsche will.“ „Ah, echt nicht?“, frage ich gespielt überrascht und bekomme ein „Natürlich nicht, du Schwuchtel!“, zurück, was mich auflachen lässt. Eigentlich wollte ich Marcel noch fragen, wie er Eric beibringen will, dass ich in ihrem Zimmer schlafe, aber da sind wir auch schon angekommen. Zumal ich mich frage, wo ich überhaupt schlafen soll. Aber Marcel fragen kann ich nicht mehr, weil der die Zimmertüre öffnet, diese aufreißt und Eric gleichzeitig ein „Bin wieder da, du scheiß Verräter!“, entgegen wirft, wobei er mir dann fast schon galant die Tür aufhält und sie hinter mir wieder schließt. Eric sitzt in einem blauen Shirt und einer

schwarzen Boxershorts mit Enten, im Schneidersitz auf seinem Bett und starrt uns an, als wäre soeben etwas unglaubliches passiert. Auch als Marcel mich durch seine Zimmerhälfte, und das sich dort befindende Chaos dirigiert, schweigt der Blonde und starrt mich stattdessen mit offenem Mund an. „Was gibt’s zu glotzen, Blondie?“, knurrt ihn Marcel auch keine Minute später an, und schenkt ihm einen kurzen Blick, der eigentlich töten könnte. „Was macht...Touji...äh, die Schwuchtel denn hier?“, stottert Eric und ich lächle ihn aus einem Impuls heraus süffisant an. „Kann dich gar nicht so stören, immerhin hast du ihn lange genug durch gebumst.“ Die Trockenheit, mit der Marcel das ungerührt von sich gibt, während er sich nebenbei Sachen für die Nacht aus dem Schrank zerrt, verdient

meiner Meinung nach schon einen Oscar. Es hat so etwas Beiläufiges, dass es schon wieder nicht mehr beiläufig ist, weshalb ich beschließe einfach nichts zu sagen, und mir das stattdessen anzusehen. Also lasse ich mich einfach auf Marcel's Bett fallen und beobachte ihn eine Weile, bis er aus den Tiefen seines Schrankes wieder aufgetaucht ist. „Was? Ich hab nichts mit dem da!“ „Ich bin nicht blöd, außerdem hab ich euch gesehen.“ Ich blinzle überrascht, weil ich davon zum ersten Mal höre, und es ehrlich gesagt nicht so wirklich prickelnd finde, wenn mir jemand beim Sex zusieht, von dem ich nicht weiß, dass er zusieht. „Was...“ „Aber dass du nichts mit ihm hast stimmt wohl. Du HATTEST. Vermutlich hast du's einfach

nicht gebracht, aber da würde ich mir keine Sorgen drum machen, für Jem bist du bestimmt gut genug.“ Ich tue mich wirklich schwer damit, nicht zu grinsen. Einfach weil das der Marcel ist, den ich kenne und liebe. Ja, schon richtig gelesen. Ich liebe diese Art an ihm, auch wenn es für manche vielleicht masochistisch oder irgendwie pervers rüberkommen muss. Aber wenn man eine Person lange genug kennt, und mehr über diese weiß als deren Eltern, sich praktisch in sie hineinversetzen kann, dann fängt man nun mal an, Dinge an ihr zu lieben, die für andere Menschen absolut unverständlich sind. Und ich glaube so ist das bei uns beiden nun mal. Während Marcel sich umzieht, studiere ich Eric,

der irgendwie leicht blass wirkt und wie eine Statue auf seinem Bett hockt, den Superman Comic immer noch in der Hand, den er anscheinend gelesen hatte, bevor wir reingekommen sind. „Jem?“, stammelt er irgendwann und ich schüttle einfach nur mit dem Kopf, während ich Marcel's Trainingsjacke ausziehe und sie auf dessen Schreibtischstuhl werfe. „Ich hab dir das vor Urzeiten mal erklärt: Touji und ich sind vielleicht leicht verfeindet, aber unser Informationsaustausch funktioniert bestens.“ Damit scheint für Marcel das Thema beendet zu sein, da er sich sein Schlafshirt anzieht, den Kleiderschrank zu knallt und sein Haarband auf den Schreibtisch wirft, ehe er ins Bett kriecht und sich hinlegt. „So, so. Unser Informationsaustausch läuft also

bestens?“, hake ich dann amüsiert nach, und gebe mir wirklich alle Mühe, Eric zu ignorieren. Was im Übrigen gar nicht so einfach ist, weil ich nun mal eine lange Zeit mit ihm verbracht habe, auch wenn die sich in 98% der Fälle nur auf den Sex beschränkt hat. „Sag bloß mein gutes Aussehen verwirrt dich so, dass du das schon nicht mehr mitbekommst.“, stichelt er und klopft neben sich. „Depp!“, gebe ich lediglich von mir, während ich auf die freie Bettseite starre. Ich möchte an dieser Stelle anmerken, dass wir hier auf Nightcrawl nicht unbedingt Doppelbetten besitzen, sondern stinknormale Jugendbetten. Was im Prinzip nichts anderes heißt, dass Sex in allen möglichen Stellungen zwar möglich ist, nebeneinander schlafen sich jedoch als Herausforderung herausstellt. Schon alleine,

wenn man verhindern will, aus dem Bett zu fallen. „Dein Ernst?“ „Ich gehe nicht davon aus, dass du mir gleich die Klamotten vom Leib reißt. Wenn doch, sag es mir jetzt, dann zieh ich sie nämlich wieder aus. Ich brauch die noch.“ Ich bin wirklich froh, dass Marcel das so leise von sich gegeben hat, dass Eric es vermutlich nicht gehört hat. Denn das Letzte was wir jetzt brauchen, ist eine neue Kampagne von Kai, die sich genau darum dreht. Also schüttle ich lediglich den Kopf und nehme meine Brille ab, die ich auf dem Nachttisch ablege, ehe ich mich neben Marcel in das Bett quetsche, und versuche eine Position zu finden, bei der wir nicht unbedingt aneinander kleben. Stellt sich als unmöglich heraus. Ich weiß nicht, ob Eric aufsteht und das Licht

ausmacht, um uns schlafen zu lassen, oder um das selbst nicht mehr sehen zu müssen. Aber ich vermute es ist Letzteres. Ich würde meine Ex-Affäre, in die ich eigentlich verknallt bin, jetzt auch nicht unbedingt mit ihrem Erzfeind, der mein Mitbewohner ist, in der Löffelchenstellung liegen sehen wollen. Ne, echt nicht!

freundschaft ist: das fehlen von heucheln

Der nächste Morgen ist im übrigen genauso verstörend, wie der Tag davor aufgehört hat. Als ich aufwache, gestört durch einen absolut ekelhaft fröhlichen Klingelton, liege ich auf dem Bauch, und irgendetwas fettes und schweres auf meinem Rücken, oder irgendwie darüber. Vorsichtig öffne ich die Augen, und zucke unweigerlich zusammen. Aber das ist verständlich im Anbetracht der Tatsache, dass das Erste was ich morgens sehe, Eric in diesen lächerlichen Boxershorts ist, wie er durch das Zimmer schlurft und anscheinend sein Handy sucht. Bei dem Versuch mich nach oben zu stemmen, werde ich durch das Gewicht auf meinem

Rücken gehindert. Aber da mein Hirn einigermaßen funktioniert, ist mir schon klar, dass das nur Marcel sein kann, weshalb ich hinter mich greife und ihn leicht schüttle. Offenbar am Kopf, das verraten mir zumindest die verwuschelten Haare. „Marcy...wach auf, man.“, murre ich nach einer Weile, in der sich Marcel nicht gerührt hat, und langsam aber sicher kommt durch das Geschüttel anscheinend wieder Leben in ihn. „Eric du blöder Dreckssack, mach die Scheiße aus.“, murrt er an meinem Rücken, und bequemt sich zu meiner inneren Freunde dann endlich runter, weshalb ich mich auf den Rücken drehe, und mich erst einmal ausgiebig strecke. Und genau in diesem Moment fängt mein Wecker an zu klingen. Dadurch, dass mein Handy sich aber immer noch in der Tasche meines Jogginganzugs befindet, bin ich Eric einen Schritt voraus, was das ausschalten

betrifft. Mühsam rapple ich mich in eine sitzende Position und verziehe das Gesicht, da meine Muskeln dank Marcel's Unterstützung offenbar beschlossen haben, sich derart zu verspannen, dass ich mich fühle als wäre ich über sechzig, aber wenigstens noch unter achtzig. Eric scheint auch endlich sein Handy gefunden zu haben, da dieser widerliche Klingelton endlich verstummt, und ich stoße erleichtert die Luft aus, während ich mir durch die Haare fahre. „Fuck man.“, murre ich und bekomme ein fragendes Murren neben mir. „Ich muss jetzt über den halben Campus rennen, um auszusehen wie ein Mensch.“, nuschle ich, und Marcel lacht leise. „Ich glaub, ich hau ab.“ „Mach das. Du wirst im Bad ja nie

fertig.“ Aus reiner Gewohnheit zeige ich ihm den Mittelfinger, während ich meine Beine aus dem Bett schwinge und aufstehe. Auf dem Weg zur Tür setze ich noch meine Brille auf und ziehe meine Schuhe an, ehe ich die Türe aufreiße, um zu entkommen. In erster Linie vor Eric, da ich aus dem Blick, mit dem er mich die ganze Zeit ansieht, nicht schlau werde. „Touji!“, ruft mir Marcel hinterher, und ich drehe mich um, wo mich seine Trainingsjacke im Gesicht trifft, und mir dann in die Arme fällt. „Is frisch draußen.“ Grinsend und leicht mit dem Kopf schüttelnd ziehe ich die Jacke an und trete auf den Flur, bevor ich die Türe hinter mir schließe und mich auf den Weg zu meinem Wohnheim

mache. Kaum bin ich aus dem Wohnheim 'Dragon' draußen, bleibe ich stehen und zünde mir eine Zigarette an, deren Rauch ich tief inhaliere, während ich mein Gesicht dem Himmel zuwende. So wie das im Moment aussieht, wird der Tag heute nicht besonders sonnig, was mir meine Kleiderwahl erleichtert. Pfeifend setze ich mich wieder in Bewegung und stecke meine freie Hand in die Tasche von Marcel's Trainingsjacke, da es tatsächlich etwas frisch ist. Ich würde ja jetzt sagen arschkalt, aber für Menschen mit normaler Wahrnehmung in Sachen Temperaturen, ist es lediglich frisch. Ich weiß, dass ich es sonst ganz toll finde, dass die beiden Wohnheime so weit auseinander liegen, aber im Moment wünschte ich mir, ich

müsste einfach nur um die Ecke biegen. Dann hätte ich es nicht so weit in mein Zimmer und nicht so weit zu Marcel und Taylor. Denn der Gedanke, dass ich mich noch öfter zu den Beiden flüchten muss, drängt sich mir ungewollt auf. Als ich endlich bei meinem Wohnheim angekommen bin, bin ich froh über die Wärme, ehe ich mich die Stufen nach oben quäle. Um ehrlich zu sein bin ich froh, dass Marcel und Taylor einfach nur im ersten Stock ihr Zimmer haben, und ich bei denen nicht auch noch einen Turm erklimmen muss. Endlich oben angekommen, wühle ich den Schlüssel aus meiner Hosentasche und bin kurz davor ihn ins Schloss zu stecken, als mich Stimmen nicht nur inne halten, sondern auch mit den Augen rollen lassen. Das darf doch wohl nicht wahr sein, dass Kai

immer noch, oder schon wieder, da ist. Meine Lust das Zimmer, das zur Hälfte mir gehört, zu betreten, befindet sich jetzt schon irgendwo auf einem unteren Niveau, dass sie vermutlich gleich den Teufel knutschen wird. Trotzdem stecke ich den Schlüssel ins Schloss und betrete das Zimmer, wo ich von den beiden Grazien angestarrt werde, die offensichtlich auch schon dabei sind, sich schultauglich zu machen. Ich für meinen Teil bin von meiner Tauglichkeit noch meilenweit entfernt, und lege deswegen erst einmal meine Brille und die Schlüssel auf meinem Schreibtisch ab, ehe ich mich wortlos meinem Kleiderschrank zuwende. „Wo warst du denn die ganze Nacht?“, spricht Mac mich an, und ich rolle erneut mit den Augen. Entweder es ist mir noch nie so aufgefallen,

oder aber diese Mutter-Art geht mir erst jetzt auf den Sack. Allerdings denke ich eher, dass Mac sich da etwas zu viel von Kai abgeschaut hat, als dass er so eine Scheiße aus eigenem Antrieb fragt. Früher war ich öfter mal Nächte lang weg, ohne dass er nachfragen musste. Einfach, weil ich immer aus demselben Grund weg war. Die Befriedigung meiner Hormone. Während ich mir einen Pullover und eine Jeans aus dem Schrank ziehe, überlege ich kurzzeitig, ob ich ihm eine sinnreiche Antwort wie 'Nicht da.', geben sollte, entscheide mich dann aber doch anders. „Bei Marcel.“ Die Stille hinter mir bringt mich unweigerlich zum lächeln, während ich mir noch Shorts und Socken heraus suche. Als ich mich umdrehe, blicke ich in das

sprachlose Gesicht von Mac, und in das von Kai, der aber offenbar nicht nur sprachlos, sondern auch fassungslos ist. Ohne einen weiteren Kommentar, verziehe ich mich ins Bad und schließe die Türe hinter mir ab. Die Zeiten, wo ich ohne abgeschlossene Tür in diesem Zimmer duschen konnte, sind definitiv vorbei, und insgeheim trauere ich ihnen hinterher. Pfeifend ziehe ich mich aus, und werfe die Klamotten in den Wäschekorb, ehe ich unter die Dusche steige, und die Zähne zusammenbeiße. Wenn man eine Freundschaft gekündigt hat, KANN es schon mal vorkommen, dass man vergisst, dass der ehemalige beste Freund ein absoluter Kaltduscher ist. Auch wenn man selbst bei der Wassertemperatur einen Herzinfarkt bekommen

könnte. Hastig drehe ich das Wasser wärmer und entspanne mich, als ich endlich nicht mehr unter diesem Eisstrahl stehe. Als ich meine Haare gewaschen und mich abgeduscht habe, steige ich wieder aus der Dusche hinaus und trockne mich mit einem meiner heiß geliebten und flauschigen Badetüchern ab, die ich irgendwann mal im Wal*Mart gekauft habe. Man kann es ja glauben oder nicht, aber ich steh total auf Markenprodukte die keine sind. Also auf No-Name-Produkte. Meiner Meinung nach sind die mindestens genauso gut, wie diese überteuerten Fusseln, auch wenn ich mir Letztere locker leisten könnte. Nachdem ich mich angezogen, meine Haare gefönt und mich geschminkt habe, bin ich zufrieden und verlasse das

Badezimmer. Mac und Kai sitzen auf Mac's Bett und sehen irgendwie immer noch leicht schockiert aus, was mir ein abartiges Gefühl von Zufriedenheit vermittelt. Außerdem bin ich irgendwie gut drauf, was ich darauf zurückführe, dass heute so viele Leute einfach dumm gucken. Erst Eric, auch wenn das schon gestern war, und dann Mac und Kai. Was genau daran so ungewöhnlich ist, dass ich die Nacht bei Marcel verbracht habe, verstehe ich nicht so wirklich, aber das liegt vermutlich daran, dass Kai und Mac keine Ahnung davon haben, dass Marcel und ich früher mal befreundet waren. Wobei mir gerade auffällt, dass das tatsächlich ein Vorteil für uns sein könnte, solange sie da nicht durchblicken. Während ich meine Tasche packe und meine Trainingsjacke wieder anziehe, merke ich sehr

wohl, dass Mac aufsteht und auf mich zukommt, aber ich tue so, als würde ich ihn nicht bemerken. Vielleicht setzt es ihm doch mehr zu als ich dachte, dass ich unsere Freundschaft beendet habe. „Touji?“, spricht mich Mac an und ich gebe ein „Hm?“, von mir, während ich noch mal sicher gehe, nichts von meinem Schulzeug vergessen zu haben. „Ich finde es nicht gut, dass du zur Zeit so viel mit Marcel rumhängst.“ „Warum nicht?“, frage ich deswegen einfach mal ahnungslos zurück, und drehe mich zu ihm um, bevor ich meine Tasche schultere und meine Zigaretten sowie das Handy in die Taschen der Trainingsjacke verschwinden lasse. „Marcel ist ein krimineller Schläger! Du kannst dich doch nicht ernsthaft wohl in seiner Nähe

fühlen!“ Dass Mac dabei etwas lauter wird, stört mich nicht. Was mich stört ist, dass Kai ebenfalls aufsteht und sich solidarisch zu Mac stellt, weshalb ich mir ein dünnes Lächeln ins Gesicht klebe. „Mac hat recht. Egal was du getan hast, wir sind deine Freunde, und wollen nur dein Bestes.“ Diese Aussage ist so ekelhaft, dass ich mich am liebsten übergeben würde, es aber natürlich nicht tue. „Stimmt, Freunde wollen immer das Beste für einen, nicht wahr?“ Kai nickt enthusiastisch, während Mac mich hoffnungsvoll anblickt. „Ich bin irgendwie genauso. Ich will für meine Freunde auch immer nur das Beste. Leider gehöre ich zu den Leuten, die das nicht einfach so dahin quatschen, sondern alle Register dafür ziehen. Das ist irgendwie dumm,

oder?“ „Nein Touji, das ist nicht dumm. Genau das macht einen guten Freund doch aus. Deswegen bist du doch mein bester Freund, und darauf bin ich stolz.“ Ich nicke und sehe Kai kurz aus dem Augenwinkel an, bevor ich Mac wieder ansehe und wieder nicke. „Dann wirst du bestimmt verstehen, dass ich alle Register ziehen werde, um meine Freunde vor diesem schmierigen Schleimer und seinem naiven Haustier, das bist in diesem Falle du, fernzuhalten, nicht wahr? Und nun entschuldigt mich, ich bin verabredet.“ Genau in diesem Moment klopft es an der Zimmertüre, und ich verspüre einen Hauch von innerlicher Extase über Taylors Pünktlichkeit. Der Typ hat so ein ausgefeiltes Timing, dass ich

ihn dafür anbeten könnte, wenn das zu meinen Charaktereigenschaften gehören würde. Also schiebe ich mich an Mac vorbei zur Tür, die ich öffne und Taylor angrinse. „Touji! Du machst einen schweren Fehler!“, ruft mir Mac hinterher und ich hebe eine Augenbraue, während ich mich zu ihm umdrehe. „Ich glaube das weniger. Das Talent zum Heucheln fehlt mir leider.“ Damit hake ich mich bei Taylor unter, und knalle die Türe hinter mir zu, ehe ich den Punk zu den Treppen ziehe. „Was für ein schöner Morgen! Und schon so viel Stress. Und was ging bei dir grad so ab?“, fragt mich der Punk grinsend, und ich seufze theatralisch, ehe ich ihm die Zusammenfassung liefere. „Was sollte diese Aktion denn? Es steht doch fest, dass du Kai nicht ausstehen

kannst.“ „Das schon. Aber ich denke, Kai hofft, dass ich trotzdem weich werde, weil Mac ja mein bester Freund war. Allerdings kennt er mich da ziemlich schlecht, und hat sich offenbar nicht gut genug darauf vorbereitet, mein Leben den Abhang hinunter zu befördern.“ Was Kai damit genau eigentlich bezweckt hat, entzieht sich meiner Kenntnis, aber irgendwann komm ich schon drauf. „Aber viel wichtiger: Du hast die Nacht also bei Marcel verbracht?“ Das Grinsen mit dem Taylor mich eindeckt, lässt mich mit den Augen rollen, allerdings ebenfalls grinsen. „Depp! Nicht so wie du denkst. Wir haben bloß geschlafen.“ „So fängt es ja bekanntlich immer an.“ „Marcel hat das Hetero-sein erfunden. Nur so für die Allgemeinheit. Und nur, weil er

teilweise kein Problem mit mir hat, heißt das nicht, dass er zu meinem Ufer rüber schwimmt.“ „Ganz locker. War bloß ein Witz.“, grinst Taylor und ich strecke ihm die Zunge heraus, womit das Thema gegessen ist. Nachdem wir das Wohnheim verlassen, und den Weg zur Cafeteria eingeschlagen haben, stupst Taylor mir nach einer Weile in die Rippen, weshalb ich ihm einen kurzen Blick zu werfe. „Ist es dir schon aufgefallen?“ „Meinst du das echt miese Wetter, oder dass Eric uns, seit wir das Wohnheim verlassen haben folgt, nachdem er hinter einem Baum hervor gekrochen ist?“, frage ich dann zurück, und Taylor lacht leise. „Man könnte meinen, du kommst aus einer Mafiafamilie.“, grinst er mich dann an, und ich zucke mit den Schultern. „Computerfamilie, aber ich nehme an, jeder

dumme Vollidiot hätte das bemerkt.“ „Wahrscheinlich.“ „Wollen wir uns verfolgen lassen?“, frage ich dann grinsend und Taylor gibt grinsend ein „Klar, wieso nicht?“, von sich, weshalb wir einfach so tun, als hätten wir Eric nicht bemerkt, der ungefähr fünf Meter hinter uns läuft, aus welchem Grund auch immer. „Spätestens, wenn er uns aufs Klo folgt, frage ich ihn, was er eigentlich will.“, kommentiert Taylor, als wir uns in der Cafeteria in die Schlange eingereiht haben. „Wer was will?“ Ich und Taylor zucken gleichzeitig zusammen, und drehen uns ebenso gleichzeitig um, nur um in Marcel's fragendes Gesicht zu blicken. „Herrgott, ich hab dich gar nicht bemerkt.“, stößt Taylor aus, und ich grinse ihn nur breit

an. „Wenn der nicht will, dass man ihn bemerkt, dann bemerkt man ihn auch nicht.“, erkläre ich dann und Taylor murrt ein „Bestimmt Mafiafamilie.“ „Nee. Sohn des Sicherheitschef's von Putin.“, winke ich ab und muss bei Taylor's „Ist fast dasselbe.“, ein Lachen unterdrücken. „Wer will denn jetzt was?“, hakt Marcel nach, während er unser Gespräch geflissentlich ignoriert. „Eric folgt uns, seit wir das Wohnheim verlassen haben. Lächerlicherweise hat er sich davor hinter einem Baum versteckt.“, erklärt der Punk, während wir in der Schlange ein paar Zentimeter weiter nach vorne rücken. „Aha. Deswegen musste er so schnell weg. Im übrigen hab ich ein bisschen herum

telefoniert.“. Mein Blick wandert zu Marcel, den wir unbewusst in unsere Mitte genommen haben, während dieser sein Kleingeld zusammen zählt. „Und was kam dabei raus?“, hake ich zum Schluss nach, nachdem mir klar wird, dass Marcel nicht von alleine weiter reden wird. Einer der Charakterzüge, den ich an ihm hasse, muss ich im übrigen zugeben. „Ich hab ein bisschen hierhin und ein bisschen dorthin telefoniert, und zum Schluss einen ehemaligen Mitarbeiter der IT-Abteilung der polnischen Botschaft an der Strippe gehabt, der inzwischen, Überraschung, für Jamsey Enterprices arbeitet. Zwar auch in der IT-Abteilung, weswegen er über Kai nichts nennenswertes weiß, außer dass er ein arroganter Arsch ist, aber er nutzt seine Kontakte und das Personalsystem, um an Infos zu kommen, die eventuell mit dir

zusammenhängen könnten.“ „Wow...das ist...beeindruckend.“, stottert Taylor nach einer Weile, in der er ihn fassungslos angesehen hat. „Ich weiß nicht, wie du das immer machst, aber danke.“, damit knuffe ich ihm leicht in die Seite, und ernte dafür ein leichtes Grinsen, ehe ein „Gern geschehen.“, folgt. Wieder rücken wir ein paar Zentimeter weiter in der Schlange vor, und ich bin jetzt schon kurz davor wieder einzuschlafen. „Was ich dich noch fragen wollte...“, fängt Marcel an, und ich sehe ihn interessiert an. „Hängst du eigentlich noch an Eric?“ Die Frage wirft mich etwas aus der Bahn, weshalb ich Marcel erst einmal nur überfahren ansehe, ehe ich mich wieder fasse. „Darf ich wissen, wie du auf diese Frage

kommst? Natürlich nicht!“ „Dann ist ja gut.“, kommentiert Marcel und ich hebe fragend eine Augenbraue, während sich in Taylor's Gesicht ein fragender Ausdruck spiegelt. Als Marcel einen Arm um meine Hüfte legt und mich an sich zieht, zumindest so weit, dass sich unsere Seiten berühren, kann ich mir ein Grinsen nur schwer verkneifen. „Du bist wirklich böse.“ „Lass mir die kleine Genugtuung, dass ich machen kann, was er nicht mehr kann.“, murrt der Braunhaarige und ich rolle mit den Augen, während ich ihn einfach lasse. Wenn Marcel sich dann durch diesen kleinen Erfolg besser fühlt, ist es okay. Zumal ich glaube, dass er das wirklich braucht, nachdem sein Stolz so angeknackst wurde. Endlich an der Reihe bestellen wir alle drei unseren Kaffee, und machen uns dann auf den

Weg, die Cafeteria zu verlassen. „Wer hat jetzt welche Stunde?“, fragt Taylor draußen, als wir auf der Treppe stehen und ich verziehe das Gesicht. „Marcel und ich haben jetzt Sozialwirtschaft.“, antworte ich dann, und Marcel verzieht genauso wie ich das Gesicht. Sozialwirtschaft wird zu allem Überfluss und zu der Freude weniger, von Mr. Peters, unserem geschätzten und engagierten Direktor, unterrichtet. „Mist! Ich hab jetzt Chemie.“ „Na dann viel Spaß mit Mrs. Jackson.“, grinse ich, und während Marcel ein Würgegeräusch von sich gibt, zuckt Taylor mit den Schultern. „Ich hab sie nicht mit einem Stuhl K.O geworfen, also hat sie vermutlich nichts gegen mich.“, neckt er und ich strecke ihm aus einem Reflex die Zunge

heraus. Da wir noch ein bisschen Zeit haben, verziehen wir uns zu der kleinen Baumgruppe und setzen uns dort auf die Bank. Irgendwie ist diese Bank zu unserem Stammplatz geworden, ohne dass wir großartig darüber gesprochen, beispielsweise uns abgesprochen hätten. „Was habt ihr nach Sozialwirtschaft?“ „Ich hab zuerst mit Touji ne Stunde Englisch, und danach zwei wundervolle Stunden Mathematik.“, murrt Marcel, der sich inzwischen eine Zigarette angezündet hat, und genervt daran zieht. „Wie gesagt, eine Stunde Englisch, und zwei weitere in Französisch.“, murre ich. Warum und wieso wir überhaupt Sprachen belegen müssen, ist mir unklar. Englisch könnte ich noch verstehen, weil tatsächlich 50% der

Schüler aus anderen Ländern kommen, so wie ich und Marcel eben. Aus welchem Grund wir noch eine Fremdsprache belegen müssen, versteht vermutlich keiner so richtig, außer Mr. Peters natürlich. Eine Weile sitzen wir schweigend nebeneinander, ehe Marcel mir seinen Ellenbogen in die Rippen rammt und ich gequält das Gesicht verziehe. „Guck mal wer da kommt.“ Auch ohne aufzusehen, weiß ich, dass es Kai und Mac sind. Irgendwann bin ich so weit, dass mir bei den beiden Namen die Galle hoch kommt, aber noch habe ich das Problem nicht, weshalb ich stattdessen einfach an meinem Kaffee nippe, und gelangweilt aufsehe, als die Füße vor uns stehen bleiben. „Wir müssen uns unterhalten.“, ergreift Kai als

erster das Wort. „Fertig?“, wende ich mich an Marcel, der nickt und seine Zigarette auf dem Boden ausdrückt, ehe er aufsteht und ich sowie Taylor es ihm nach tun. „Mittagspause in der Mensa?“, wende ich mich an Taylor, und dieser nickt. „Hallo? Ich rede mit dir!“ Kai fühlt sich offenbar übergangen, zumindest vermittelt mir das seine Stimmlage, die leicht aggressiv klingt. Taylor bleibt stehen, obwohl er zu einem anderen Gebäude muss, und Marcel sieht auch nicht gerade besonders entspannt aus. Ich währenddessen wende mich wie gewünscht Kai zu, trete einen Schritt näher, und spucke ihm vor die Füße. „Hab dir nichts zu sagen.“ Damit wende ich mich ab und mache zwei

Schritte in Richtung Gebäude, bevor ich ruckartig stehen bleibe, und auf die Hand gucke, die mich am Unterarm festhält. „Glaubst du vielleicht, ich lasse so mit mir umgehen?“, zischt Kai, und ich beschließe, darauf einfach nichts zu sagen. Erstens hängt Mac schon an seinem anderen Arm, um ihn offenbar von einer Blödheit abzuhalten, und zweitens knackt Marcel schon mit den Fingerknöcheln. „Kai, mach keinen Scheiß!“ „Hör auf deinen Freund.“, erwidere ich und zupfe die Trainingsjacke zurecht, nachdem Kai mich tatsächlich losgelassen hat. Ohne ein weiteres Wort schlagen Marcel und ich den Weg zum Unterricht unseres geschätzten Direktors ein, während Taylor sich zu Mrs. Jackson auf den Weg macht. „Vielleicht ist Bleichmittel in seiner

Haarspülung doch eine grandiose Idee.“, kommentiert Marcel, als wir außer Hörweite sind, und ich kann nicht anders als loszulachen. „Also Haarbleiche gibt’s unten im Supermarkt.“ „Schön, wie wir uns einig sind.“, grinst mich mein Lieblingsfeind an und ich zucke mit den Schultern. Ich glaube in Sachen Kai werden wir beide uns immer einer Meinung sein, egal wie sehr wir uns die Köpfe einschlagen. „Dann gehen wir doch nach dem Unterricht mal kurz zum Supermarkt.“, schlage ich vor und Marcel nickt. „Ich brauch sowieso Zigaretten.“ Kaum haben wir die Treppe in den zweiten Stock erklommen, winkt uns auch schon unser geschätzter Direktor zu, mit einem Lächeln im Gesicht, das definitiv nichts gutes verheißt. „Mr. Nikura, Mr. Kaskrova, sehr schön, dass sie

zur Abwechslung pünktlich erscheinen. Kommen sie nach dem Unterricht in mein Büro, und jetzt, Husch Husch, in die Klasse.“ Marcel und ich wechseln einen Blick, während wir uns nebeneinander in die hinterste Reihe setzen, und damit die Aufmerksamkeit des gesamten Kurses auf uns ziehen. „Bei der Fresse, die der grad gezogen hat, erwarte ich nichts Gutes.“, murrt Marcel neben mir, und ich gebe ihm Recht. Wenn Mr. Peters uns beide so anlächelt, kann das nichts Gutes verheißen.

schritt 1: erobere das königreich

„Meine Herren, es kommt mir etwas seltsam vor, dass wir uns seit gut drei Wochen nicht mehr in meinem Büro zusammengefunden haben. Woran liegt das?“ Marcel und ich tauschen einen Blick, ehe wir unseren Direktor wieder ansehen, und gleichzeitig mit den Schultern zucken. „Sie wollten doch, dass wir uns ruhig verhalten, oder hab ich da was falsch verstanden?“, fragt Marcel unschuldig, und ich stimme ihm murrend zu. Wenn ich mich nämlich richtig erinnere, wollte Mr. Peters genau das. Dass wir uns vertragen, oder uns zumindest nicht mehr die Schädel einschlagen und dabei das Lehrpersonal mit

hineinziehen. „Sie werden entschuldigen, dass mir das ETWAS seltsam vorkommt. Ausgerechnet Sie beide begraben das Kriegsbeil von einem Tag auf den anderen.“ „So etwas soll schon einmal vorkommen. Wir haben darüber nachgedacht, und unser kindisches Verhalten eingesehen.“, kommentiere ich mit Unschuldsmiene, und Marcel murrt bestätigend. „Und wie ich höre, Mr. Kaskrova, haben Sie sich sogar in die Musik AG eingeschrieben.“ „Wurde Zeit für eine Veränderung, außerdem mag ich Musik.“ „Weshalb haben Sie das Basketballteam verlassen? Sie waren doch unser fähigster Spieler.“ „Gesundheitliche Probleme. Ich hatte beim Training immer so einen

Würgreiz.“ Es kostet mich wirklich Mühe, bei der Erklärung nicht loszulachen, aber ich reiße mich zusammen, schweige und denke nach. Dieses Verhör gefällt mir irgendwie nicht, auch wenn ich noch nicht wirklich sagen kann, woran das liegt. Vielleicht liegt es einfach daran, dass es Mr. Peters ist, und der uns beide nun einmal auf dem Kieker hat. Was eventuell auch verständlich ist, wenn man bedenkt, dass wir ihm seit vier Jahren das Leben zur Hölle machen mit unserem Kleinkrieg. „Mr. Nikura, was haben Sie für Gründe, den Kleinkrieg still zu legen?“ „Ihre Rede letztens hat mich sehr inspiriert und mir mein Unrecht vor Augen geführt. Es war nicht okay, Mrs. Jackson mit einem Stuhl zu bewerfen, auch wenn das eigentlich ein

Versehen war und er ihn treffen sollte.“, damit deute ich auf Marcel. „Natürlich möchte ich das wieder gut machen, und habe deshalb beschlossen Ihnen, und uns allen, einen Gefallen zu tun, und nicht mehr auf Streitigkeiten aus zu sein. Bei Mrs. Jackson möchte ich mich natürlich auch entschuldigen, und da ich erfahren habe, dass sie bald Geburtstag hat, habe ich mir eine Überraschungsparty überlegt.“ Marcel neben mir hebt eine Augenbraue, während sich Mr. Peters zum Fenster dreht und auf den Campus blickt. Gerade als mein Sitznachbar den Mund aufmacht, verziehe ich das Gesicht und schüttle den Kopf, weshalb Marcel den Mund wieder schließt. „Eine Überraschungsparty?“ „Wofür ich die Hilfe meines geschätzten Direktors bräuchte, um Mrs. Jackson nicht

misstrauisch zu machen.“ Das breite Strahlen mit dem sich unser Direktor zu uns umdreht, macht mich beinahe blind, und ich habe Mühe, nicht angewidert mein Gesicht zu verziehen, sondern ihn neutral anzusehen. „Ich finde Sie haben da eine wunderbare Idee sich zu entschuldigen, Mr. Nikura.“, lobt er mich, und mir wird bewusst, dass das das erste Lob ist, dass ich von unserem Direktor bekomme. Man sollte meinen, das wäre ein glorreicher Moment, aber in Wirklichkeit will ich einfach nur wissen, weshalb wir eigentlich hier sind. „Wenn ich dabei helfen kann, fragen Sie mich ruhig.“ „Da gäbe es tatsächlich etwas.“, erwidere ich und räuspere mich kurz darauf, während Mr. Peters mich auffordernd ansieht. „Nightcrawl hat ja einige Schüler.“, fange ich

an und schiele zu Marcel hinüber, während Mr. Peters verstehend nickt. „Und um so viele Schüler unterzubringen, braucht man natürlich auch einen Raum, der groß genug ist.“, rede ich weiter, und unterstreiche meine Überlegungen mit Gesten. „Es ist nun einmal so: Der einzige Raum, der groß genug dafür wäre, ist die Sporthalle.“ Mr. Peters lässt sich auf seinen Stuhl fallen und scheint zu überlegen, während Marcel neben mir eine Augenbraue hochzieht. „Die Sporthalle?“ „Ja. Natürlich könnte ich auch auf die Mensa ausweichen, aber die Vorbereitung einer so großen Überraschungsparty erfordert Zeit. Zeit, die ich und meine begrenzten Helfer nicht mit ständigem Auf- und Abbau der Vorbereitungen verbringen können. Deswegen wäre die Mensa ein ungeeigneter Ort, da dass dort doch ziemlich auffällt. In der Sporthalle dagegen,

könnte nach und nach alles aufgebaut werden, ohne dass Mrs. Jackson davon Wind bekommt.“, erläutere ich meine Idee, und in Marcel's Augen blitzt Verstehen auf, während er sich zurücklehnt und meine 'Verhandlungen' weiter verfolgt. „Ich verstehe Ihren Gedankengang Mr. Nikura. Und das ist im Allgemeinen auch kein Problem, den Sportunterricht für zwei Wochen nach draußen zu verlegen, damit Sie ungestört Ihren Vorbereitungen nachgehen können. Allerdings trainiert dort auch das Basketballteam.“ Ja, das weiß ich, und ja, natürlich habe ich daran gedacht. „Das weiß ich natürlich, und es tut mir auch außerordentlich leid, das Team vertreiben zu müssen. Allerdings hat das Training des Teams auch schon früher draußen statt gefunden.“, halte ich

dagegen. „Natürlich. Stimmt ja, als Mr. Kaskrova das Team noch geleitet hat, nicht wahr?“, hakt Mr. Peters nach und ich nicke bestätigend, während ich meine Beine andersherum überschlage. „Wenn ich recht informiert bin, trainiert Mr. Jamsey nur in der Halle, nicht wahr?“ Wieder nicke ich. „Der Umstand auch auf ungewohnten und nicht ebenem Boden trainieren zu können, macht einen fähigen Captain aus.“ Eine Weile herrscht Stille im Büro, was Marcel dazu veranlasst, angespannt zu mir zu sehen, während ich entspannt auf eine Antwort warte. „Also schön, Sie können die Sporthalle für zwei Wochen haben. Holen Sie sich den Schlüssel von Mr.

Jamsey.“ „Ich fasse es nicht, dass du es tatsächlich geschafft hast, ihm den Schlüssel für die Sporthalle aus den Rippen zu leiern.“ „Wer kann, der kann.“, grinse ich, als ich mit Marcel das Gebäude verlasse und mir eine Zigarette anzünde. „Aber dafür musst du jetzt eine Überraschungsparty für die Bitch ausrichten.“ „WIR! Du meinst wir. Außerdem kenne ich jemanden, der jemanden kennt, der in der Nähe einen Cateringservice hat, also kein Problem.“, grinse ich Marcel an und dieser rollt nur mit den Augen, während er den Kopf schüttelt. „Zumindest ist jetzt Punkt Eins abgehakt.“, gebe ich nach einer Weile von mir, in der wir schweigend über den Campus gelaufen

sind. „Punkt Eins?“ „Kai hat seine eroberte Sporthalle vorübergehend verloren. Gehen wir also über zu Punkt Zwei.“, grinse ich und schnippe meine Zigarette weg. „Dann kaufen wir mal Bleichmittel.“, kommt es scheinheilig von Marcel und ich kichere. Den Weg über zum Supermarkt, rechne ich durch, wie viel Bleichmittel wir für Kai's schwarze Haare wohl brauchen, und gelange zu der Überzeugung, dass es eine ganze Flasche schon tun wird. Gleichzeitig weiß ich allerdings auch, dass wir noch anderes Zeug kaufen müssen, um den Kauf dieser Flasche zu verschleiern, weshalb Marcel sich direkt einen dieser tragbaren Einkaufskörbe am Eingang schnappt, um nicht alles auf den Armen balancieren zu

müssen. „Gesehen?“, fragt Marcel, der so dicht neben mir geht, dass sich unsere Arme berühren und ich lächle ihn strahlend an. „Lächle, er hat uns ebenfalls bemerkt.“, kommentiere ich, und Marcel zaubert sich ein Lächeln ins Gesicht, auch wenn ich bemerke, dass es ihm wirklich schwer fällt. „Also Schatzilein, was brauchen wir noch?“, flöte ich und hebe eine Augenbraue. „Besorg du doch deine Haarfarbe und ich hol den Knabberkram für heute Abend. Deal?“ Ich nicke einfach nur, und mache mich auf den Weg in Richtung Haarpflege, während Marcel zum Knabberzeug geht, und somit am nächsten an Kai dran ist. Bei der Haarfarben angekommen, ziehe ich zwei Flaschen Bleichmittel aus dem Regal, ehe ich

noch eine Packung schwarze Haarfarbe aus dem Regal nehme und noch eine Türkise, bevor ich mich auf den Weg zu Marcel mache, der inzwischen den Einkaufskorb ziemlich mit Süßkram und Knabberzeug gefüllt hat. „Bist aber fix.“, grinse ich, und werfe mein Zeug in den Korb dazu. „Alles, nur um ihm keine aufs Maul zu hauen, weil er so blöd schaut.“ Unweigerlich muss ich schon wieder kichern, rolle aber gleichzeitig mit den Augen, und schnappe mir seinen Ärmel, um ihn zur Kasse zu schleifen. Nicht dass er noch in die Küchenabteilung will und sich ein Set Filetiermesser aussucht, mit denen er nach Mitternacht auf dunklen Fluren Kai oder dem Rest des kläglichen Haufens auflauert. Stillschweigend beschließen wir den Laden

ohne Konfrontation mit Kai zu verlassen. Erstens ist der arme Junge allein, und zweitens bin ich mir nicht sicher, ob ich Marcel tatsächlich von der Küchenabteilung fernhalten würde, sobald Kai den Mund aufmacht. Also gehen wir schweigend zur Kasse und schnappen uns gleichzeitig auch noch Zigaretten, die wir aufs Band werfen. „Rauchen macht übrigens Impotent.“, teilt uns der Kassierer mit, den ich, glaube ich, schon einmal beim Basketball gesehen habe. „Sei nicht neidisch Kyle, nur weil du ohne Zigaretten jetzt schon keinen mehr hoch kriegst.“ Die Trockenheit, mit der Marcel diese Worte über seine Lippen bringt, lässt meine Mundwinkel zucken, weshalb ich lieber damit beginne, unsere Einkäufe in eine der kostenlosen Papiertüten zu stopfen. Marcel bezahlt für uns beide, während Kyle

tatsächlich die Fresse hält. Ich schiebe das darauf, dass der über Jahre angehäufte Respekt für den Rudelführer, immer noch irgendwo tief in ihm verankert ist. „Geiler Konter.“, kommentiere ich grinsend, nachdem wir den Supermarkt verlassen haben, was Marcel lediglich dazu veranlasst, mit den Schultern zu zucken, und wir treten gemeinsam den Weg zum Wohnheim 'Dragon' an. Da Kai vermutlich sowieso bei mir im Zimmer herumlungert und irgendwas mit Mac tut, vermutlich ihm eine weitere Gehirnwäsche unterziehen, weshalb ich es für eine gute Idee halte, mir in Taylor's Zimmer die Haare zu färben. Mal abgesehen davon lässt sich das wunderbar damit verbinden, Kai Bleichmittel in die Spülung zu

kippen. Nachdem Marcel ein paar Mal schwungvoll gegen Taylor's Zimmertüre gehämmert hat, reißt dieser sie auch schon auf und hebt interessiert eine Augenbraue, während er uns prüfend mustert. Vermutlich würde ich auch so in der Tür stehen, wenn zwei grinsende Vollidioten vor meiner Tür stehen würden. Nach einer Weile tritt er jedoch zur Seite und lässt uns rein, während er gleichzeitig erwähnt, dass Kai nicht da ist. „Das trifft sich gut. Wir haben Bleichmittel mitgebracht.“, frohlockt mein liebster Ex-Feind und bringt damit Taylor zum lachen. „Ernsthaft?“, hakt der Punk nach, nachdem sein Lachen verstummt ist, und ich wedle mit einer

der Flaschen in der Luft herum. „Du musst mir nur noch sagen, welche Haarspülung seine ist. Dann mach ich mich gleich an die Arbeit und färbe nebenbei meine Haare.“ „Die, die so abartig nach Pfirsich stinkt.“ Ich blinzle und starre Taylor und Marcel an, die sich wiederum gegenseitig anstarren, ehe wir alle in Gelächter ausbrechen. Aber was soll man auch sonst anders tun, wenn die beiden haargenau denselben Satz unisono von sich geben? Weinen? Wohl kaum. Wobei ich ehrlich gesagt gar nicht so genau wissen will, woher Marcel weiß, dass Kai eine Pfirsichspülung benutzt. Schulterzuckend spaziere ich ins Bad und knalle die Türe hinter mir zu, da ich sicher bin, dass die beiden sich auch selbst unterhalten können, und ich nicht dafür sorgen muss, dass sie

einschlafen. Also packe ich meine schwarze Haarfarbe aus, und mische sie nach der Anweisung, ehe ich sie auf meine Haare auftrage und dabei vor mich hin pfeife. Um eine meiner Ponysträhnen wickle ich mir ein Stück Alufolie, die ich im Badezimmerschrank gefunden habe, wohl weil Taylor sich auch regelmäßig die Haare färben muss. Diese eine Strähne kommt später dran, wenn ich mir die schwarze Haarfarbe raus gewaschen habe, weil ich sonst das ganze Ergebnis versaue. Als ich meinen Kopf mit einem größeren Stück Alufolie umwickelt habe, gehe ich zur Dusche und unterziehe die Flaschen, die auf der Ablage stehen, einer Inspektion, bevor ich mir die einzige Flasche greife, auf der das Wort 'Pfirsich'

steht. Mit der bewaffnet gehe ich zurück zum Waschbecken und drehe den Deckel ab, bevor ich sie abstelle und die Flasche Bleichmittel öffne, die ich mit ins Badezimmer genommen habe. Sofort steigt mir der beißende Geruch von Ammoniak entgegen und bringt meine Augen leicht zum tränen, weshalb ich mit der Hand vor meinem Gesicht herum wedle, ehe sich meine Augen an das Beißen gewöhnen. Danach schnappe ich mir wieder die Haarspülung und blinzle hinein, ehe ich schwungvoll einen Teil der Spülung ins Waschbecken kippe, und den Verlust mit Bleichmittel wieder auffülle. Nicht zu viel, denn das würde sich durch den Ammoniakgestank verraten, aber auch nicht gerade

wenig. Gerade so viel, dass Kai's Haare sich nach und nach verändern werden und irgendwann zum Schreien komisch aussehen. Auf diesen Moment freue ich mich jetzt schon. Danach drehe ich die Haarspülung wieder zu und stelle sie genauso hin, wie ich sie vorgefunden habe, da es mich nicht wundern würde, wenn Kai auch nur einen Millimeter Abweichung bemerken würde. Mit einem Gefühl, alles erledigt zu haben, gehe ich zurück in das Zimmer, wo es sich Taylor und Marcel schon auf Taylor's Bett bequem gemacht haben, und auf den Fernseher sehen, über dessen Bildschirm irgendein Film flackert. Bei genauerem Hinsehen erkenne ich 'Transporter 2', weshalb ich mich einfach schweigend dazu setze, und Marcel auf den Oberschenkel schlage, als dieser anfängt zu

lachen. „Sorry Schwuchtel, aber...du siehst aus wie n' Alien mit dem Zeug auf dem Kopf.“, lacht dieser unbeirrt weiter und ich rolle mit den Augen. „Pass auf, dass ich dir nicht nachts was in die Haarspülung kippe.“ „Abgesehen von der Tatsache, dass ich keine benutze, wäre das ziemlich gemein.“ Der Ton, mit dem Marcel das sagt, macht mir klar, dass er das nicht im geringsten ernst meint, und auch weiß, dass ich ihm nichts in die Spülung kippe, die er nicht besitzt. Bis ich mit meiner Haarfarbe, dem Bleichen, und dem Färben der gebleichten Strähne in Türkis fertig bin, sind wir bei 'Transporter 3' angekommen, und ich lasse mich erschöpft auf

das Bett fallen, wo ich mich an die Wand lehne und Marcel die Tüte mit Ernussflips abnehme, was ihn protestierend murren lässt. „Ich finde den ersten Teil irgendwie am Besten.“, lässt Taylor nach gewisser Zeit verlauten und ich nicke bestätigend, während ich auf diesem wunderbaren Knabberzeug herumkaue. Im Allgemeinen gibt es ja nichts geileres als sich einen Film, einen Anime oder irgendwas anderes anzugucken und nebenher Knabberzeug in rauen Mengen in sich hinein zu schaufeln. Unsere Köpfe wandern zeitgleich zur Zimmertüre, die sich öffnet, und unisono entflieht uns dreien ein angewiderter und gleichzeitig genervter Laut. Der Grund dafür ist eigentlich jedem klar, aber ich erkläre unsere Reaktion trotzdem. Kai. Ende der

Erklärung. „Was macht ihr denn hier?“ Das 'ihr' betont Kai so, als wären wir irgendwelche Kellerasseln, die ihm seinen gewohnten Feierabend vermiesen. „Wir wollten sowieso gerade gehen.“, kommentiert Marcel mit einem angriffslustigen Unterton, als der Abspann des Films beginnt, und ich stehe schulterzuckend auf, und bewege mich auf Kai zu, der die Tür hinter sich schließt, ehe ich ihm die offene Hand hin halte. Der irritierte Blick von ihm ist ja ganz amüsant, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass es da noch eine Steigerung gibt. „Den Schlüssel für die Sporthalle, bitte.“ Zuerst blickt Kai mich mit hochgezogenen Augenbrauen an, ehe er in Gelächter ausbricht, und mir den Vogel zeigt. „Sonst noch Wünsche? Der Schlüssel wurde mir

von Mr. Peters höchstpersönlich anvertraut.“ Ich lächle scheinheilig und nicke dann. „Große Verantwortung.“ „Das kannst du ja wohl meinen.“ „In Autorisierung von Mr. Peters höchstpersönlich, hast du mir den Schlüssel auszuhändigen.“, gebe ich lächelnd von mir, und ziehe das Blatt Papier aus meiner hinteren Hosentasche, das ich Kai vor die Nase halte. Ich fand es im übrigen sehr nett von Mr. Peters, uns ein offizielles Dokument zu geben, damit Kai uns den Schlüssel aushändigt. Kai rupft mir das Papier aus der Hand und überfliegt die Zeilen, während sich auf seinem Gesicht Ungläubigkeit und Fassungslosigkeit widerspiegeln, die ich im übrigen sehr genieße. „Das ist doch hoffentlich ein schlechter Scherz!“ „Nicht im geringsten mein Lieber, aber schön

dass du das annimmst.“ Die Art und der Gesichtsausdruck, wie Kai den Schlüssel der Sporthalle von seinem Schlüsselbund löst, löst in mir, und vermutlich auch in den Anderen, einen Sturm der Genugtuung aus, den ich mir natürlich nicht anmerken lasse. „Dankeschön.“, flöte ich, während ich den Schlüssel in meiner Hosentasche verschwinden lasse und das Zimmer verlasse. Taylor und Marcel folgen mir kurz darauf, und kaum dass wir um die Ecke sind, brechen wir in Gelächter aus. „Bestes! Seine Fresse war so geil, Alter!“, lacht Marcel, während sich Taylor vor lauter Lachen schon die Tränen aus den Augenwinkeln wischen muss. „Stellt euch vor, diese Genugtuung hält nun zwei Wochen.“, lache ich und schiebe meine

Hände in die Hosentaschen. Nachdem wir draußen noch je eine Zigarette geraucht haben, machen wir uns auf den Weg zu meinem Wohnheim. „Wie zur Hölle machst du das mit den Stufen?“, murrt Marcel hinter mir, und ich grinse ihn über die Schulter hinweg an, ehe ich mit diesen zucke. „Übung macht den Meister.“ „Ich würd mich erschießen, wenn ich den Scheiß jeden Tag rauf und runter laufen müsste.“, murrt es hinter mir und ich rolle mit den Augen. Marcel ist ja ziemlich sportlich, um genau zu sein, ist er eigentlich eine Sportskanone, weswegen ich nie verstehen werde, wie er sich über so ein paar Treppen aufregen kann. Na gut, hätte ich mein Zimmer im ersten Stock und dazu noch einen Aufzug, würde ich mich

darüber vermutlich auch beschweren. Aber trotzdem könnte er sich ein Beispiel an Taylor nehmen, der einfach die Klappe hält und stillschweigend die Stufen nach oben stampft. Oben angekommen murrt Marcel noch immer unwillig, was mich nur noch mehr zum Grinsen bringt, während ich die Tür zu meinem Zimmer aufschließe. „Keine Sorge Schätzchen, der Abstieg ist leichter.“, witzle ich und betrete gut gelaunt mein Zimmer. Daran kann auch Mac nichts ändern, der auf seinem Bett hockt und sich Notizen macht. „Hi.“, grüßt Taylor höflicherweise, während Marcel einfach nur einen abschätzenden Laut von sich gibt und die Tür mit dem Fuß hinter sich zu kickt. Ich glaube, dass Mac Taylor noch verkraftet hätte, aber bei dem Anblick von Marcel in

unserem Zimmer, lässt er seine Notizen Notizen sein und starrt ihn an, was Marcel geflissentlich ignoriert. Was mich ehrlich gesagt wundert, weil Marcel eigentlich eher der Typ ist, der von starrenden Leuten schnell genervt ist. „Wie geil, du hast 'Azumi' 1 und 2 da? Lass uns die gucken!“ Ich hebe eine Augenbraue und drehe mich zu Taylor rum, der sich in dem Regal zu schaffen macht, in dem Mac und ich unser Sammelsurium an verschiedensten Dingen wie Mangas, Animes und diverse andere Filme anhäufen. Innerlich bin ich froh, dass Taylor in meine Regalhälfte gegriffen hat und nicht in die von Mac. „Von mir aus.“, gibt Marcel schulterzuckend von sich, während er Taylor die DVD Hülle aus der Hand nimmt, und anfängt die

Zusammenfassung zu lesen, während ich meinen Schreibtisch weitgehend frei räume, um den Bildschirm meines Computers in Richtung Bett drehen zu können. „Touji...was wird...das...da?“ Natürlich gehört die Stimme zu Mac, was mich die Zähne zusammenbeißen lässt. „Wonach sieht es denn aus? Wir schauen jetzt DVD's.“, gebe ich eine Antwort, ohne mich umzudrehen, und fange geschickt die DVD auf, die Taylor mir zuwirft, während er es sich zusammen mit Marcel auf meinem Bett gemütlich macht. Nachdem ich die DVD eingelegt und den Film gestartet habe, fläze ich mich neben die anderen beiden ebenfalls aufs Bett, und nehme Marcel diesmal die Chips ab, was mich grinsen und ihn genervt aufstöhnen lässt. „Sei zur Hölle nicht so egoistisch.“, murrt er

und kramt mit seiner Hand ebenfalls in der Tüte herum. „Du bist Sportler. Du musst auf deine Cholesterinwerte achten....ich nicht.“, nuschle ich mit vollem Mund. „Ich WAR Sportler mein Lieber, also lass mich jetzt das ganze Cholesterin wettmachen, das ich die letzten Jahre verpasst habe.“ Unwillkürlich muss ich leicht grinsen, und parke die Tüte zwischen Marcel und mir. Eine Weile herrscht Stille, die nur durch die Geräuschkulisse des Films unterbrochen wird, bis Taylor sich über Marcel zu mir rüberlehnt. „Er starrt dich an.“, flüstert er und ich hebe eine Augenbraue. „Marcel?“ „Nein, Mac.“ Damit lehnt sich Taylor wieder in seine ursprüngliche Position zurück, und ich stupse

Marcel mit dem Ellenbogen an. „Starrt er mich an?“, frage ich leise, nachdem sich Marcel leicht zu mir geneigt hat, und nach ein paar Sekunden der Stille gibt er ein schlichtes „Jep.“, von sich. Na fabelhaft, Mac starrt mich an. Ich weiß zwar nicht genau, warum er mich anstarrt, aber die Möglichkeiten dafür sind auch nicht besonders viele. Entweder trauert er unserer Freundschaft hinterher, oder aber er versucht das Ganze erst einmal zu verdauen, um es dann detailgetreu Kai wieder zu geben. Was diese Information allerdings bringen soll, ist mir schleierhaft. „Darf ich ihm sagen, er soll seine Glubschaugen irgendwo anders hin ausrichten?“, kommt es nach einer Weile von Marcel, und ich schüttle den Kopf, während ich mit der Hand in der Luft

herum wedle. „Lass ihn doch glotzen, wenn er sonst nichts zu tun hat.“ Eigentlich ist es ja schon lustig. Wir können keins unserer Zimmer ungestört nutzen, weil ich Mac hier habe, Taylor die Pestbeule Kai an der Backe hat, und Marcel sein Gemach mit Eric teilen muss. Irgendwie halte ich das gerade für einen ziemlichen Nachteil. „Touji?“, werde ich von Mac angesprochen, der immer noch auf seinem Bett hockt, und zu uns rübersieht. Ich sehe ihn an, ohne etwas zu sagen, aber ich glaube, dass ich ihn überhaupt ansehe, dürfte Aufforderung genug sein, was Mac offensichtlich auch so sieht. „Darf ich vielleicht...mit

schauen?“ Die Frage lässt mich meine Augenbrauen heben, da sie mich tatsächlich überrascht. Nachdem ich mich gefangen habe, sehe ich die anderen beiden an und Taylor gibt sofort ein „Warum nicht?“, von sich, während Marcel zwar unwillig murrt, aber dann doch ein „Wenn's sein muss.“, von sich gibt. Also rutsche ich Marcel noch etwas auf die Pelle und sehe aus dem Augenwinkel, dass Mac vorsichtig zu uns rüber tappst, bevor er sich mit etwas Abstand neben mich auf das Bett setzt. Wortlos stelle ich eine Tüte Knabberzeug neben Mac ab, ehe ich mit der Hand wieder in der Chipstüte wühle, die inzwischen auf Marcel's Schoß liegt. „Eine einfache Regel: Wenn du den Namen von dem Speichellecker erwähnst, werd ich ungemütlich. Verstanden?“, kommt es nach

einer Weile von meinem Ex-Feind und Mac gibt ein vorsichtiges „Ja.“, von sich. Na das ist doch super, wenn alles geklärt ist. Ich frage mich einfach nur, was Mac eigentlich von mir will, jetzt wo er doch einen neuen besten Freund hat. „Können wir mal reden?“, kommt es nach einer Weile leise von Mac, und ich beschließe einfach nichts dazu zu sagen, weil Marcel in diesem Moment auch schon ein rigoroses „Nein!“, von sich gibt. „Ich hab mit Touji geredet.“ „Bin seiner Meinung.“, gebe ich dann doch einen Kommentar ab, und deute währenddessen auf Marcel. Damit ist das Thema für mich ehrlich gesagt auch gegessen. „Du willst unsere Freundschaft wegwerfen?“ Genervt knirsche ich mit den Zähnen, und stupse Marcel erneut in die

Seite. „Können wir Platz tauschen?“ Ohne irgendwas zu sagen, steht Marcel auf, und ich rutsche neben Taylor, während Marcel sich zwischen mich und Mac fallen lässt. „Die Wahrscheinlichkeit, dass du ihn zurück bekommst, liegt übrigens bei – 80%. Also verzieh dich, du nervst.“ Und so schnell sind wir nur noch zu dritt auf dem Bett, da Mac offenbar beleidigt einen Abgang macht und das Zimmer verlässt. „Das war ganz schön hart.“, stellt Taylor fest, und Marcel schnaubt. „Wieso sollte ausgerechnet er Sonderrechte haben und die Ausnahme von der Regel sein?“ „Aber heute war ein sehr erfolgreicher Tag.“, kommentiere ich und muss unweigerlich grinsen, als ich an Kai's dummes Gesicht denke. „Ja, kann man so sagen, wenn man das dumme

Gesicht von Kai mit dem von deinem Zimmerpfosten vergleicht.“, murrt Marcel, und meine Mundwinkel zucken leicht. So leid es mir auch tut, dass ich und Mac keine Freunde mehr sind, Taylor und Marcel lenken mich aber dann doch gut davon ab. „Dann wird es wohl Zeit den nächsten Schritt zu tun.“ „Der da wäre, mein lieber japanischer Freund?“, grinst Taylor und ich zucke lediglich mit den Schultern. „Marcel's Charme ist gefragt.“ Marcel verzieht das Gesicht und rückt ein paar Zentimeter von mir ab. „Ich ahne irgendwie Böses.“

die unterstützung von oben

„Ich habe ja gewusst das du mich hasst, aber doch nicht SO!“ Ich verstehe Marcel's Unmut beim besten Willen nicht, da ich meine Idee für ausgesprochen wunderbar halte. Marcel offenbar nicht. „Wieso nicht? Du bist perfekt für den Job. Ich kenne niemanden der perfekter dafür geeignet wäre als du.“ „Hör auf, sonst kriecht der Schleim noch über meinen Teller.“, murrt mein Opfer, und versucht mich möglichst nicht anzusehen, während ich es einfach nur strahlend anlächle. „Hast du dir von Jem irgendwie den Atomkern geliehen?“ Mein Blick wandert zu Taylor, der neben mir sitzt und mich skeptisch mustert. „Nein, ich versuche nur ihn nieder zu strahlen, weil er dann meistens ja sagt.“, erkläre ich

meine Taktik, bevor ich Marcel wieder anstrahle. „Na schön! Ich mach's!“ „Siehst du?“, wende ich mich an Taylor, der verwundert nickt, ehe ich mich wieder Marcel zuwende und grinse. „Ich wusste das du ja sagen würdest.“ „Wenn ich jetzt noch wüsste worum genau es eigentlich geht, würde ich mich nicht ganz so scheiße fühlen.“, murrt dieser mir entgegen, was mich mit den Schultern zucken lässt, während ich mich zurück lehne. „Du weißt nicht mal worum es geht?“, hakt Taylor schon fast fassungslos nach, und Marcel murrt unerfreut. „Weißt du's?“ Der Punk schüttelt mit dem Kopf, und kurz darauf habe ich die Aufmerksamkeit von Beiden, was meine Mundwinkel zum zucken

bringt. „Dein Charme ist gefragt.“ „Das erwähntest du gestern, und heute mehrfach bereits. Bei WAS?“ „Es geht natürlich um den nächsten Schritt diesen Speichellecker in Abgründe zu befördern, die er vermutlich noch gar nicht kennt.“, erläutere ich, bevor ich mich wieder nach vorne beuge und meine Ellenbogen auf dem Tisch abstütze. „Er braucht die Sporthalle um mit seinem Team zu trainieren, da er offensichtlich mit offenem Gelände haltlos überfordert ist.“ Die anderen Beiden nicken, und ich kann spüren das Marcel's Interesse geweckt ist. „Aus zuverlässiger Quelle, die in unserer Schülerzeitung sitzt, habe ich erfahren, dass Kai das Training die beiden Wochen ausfallen lässt, weil er mit Außengeländen keine Erfahrung

hat.“ Wieder nicken die Beiden, und ohne es zu wollen, schleicht sich ein gehässiges Grinsen auf mein Gesicht. „Was wäre denn, wenn Kai seine Trainingszeit halbieren müsste, wenn er die Sporthalle wieder nutzen kann?“ „Wie genau meinst du das?“, hakt Taylor nach, und ich wende ihm mein Gesicht zu. „Auf Nightcrawl gibt es eine Regel: Für mehrere Teams derselben Sportart, muss die Zeit aufgeteilt werden. War beim Leichtaltethik-Club immerhin auch so.“ „Okay, verstehe. Und was genau hast du denn nun vor?“ „Ich glaub ich weiß schon was er will.“, mischt sich Marcel ein, und ich kann erkennen, dass er mühsam ein Grinsen

unterdrückt. „Du willst ein zweites Basketballteam aufstellen, hab ich recht?“ „Siehst du, deswegen mag ich dich: Du weißt was ich will.“ „Ne, ich weiß einfach nur wie sadistisch du bist, das ist was vollkommen anderes.“ Eine Weile herrscht Stille am Tisch, ehe sich Taylor räuspert und sich ebenfalls nach vorne beugt. „Ein zweites Basketballteam also, um Kai's Trainingszeiten zu halbieren. Aber was genau bringt uns das? Und wie willst du das beim Direktor durch kriegen?“ „Den Direktor lass mal meine Sorge sein.“, winke ich ab, und nehme einen Schluck von meiner Fanta. „Die Ausführung dieses Schrittes wird zwar etwas länger dauern, wird aber trotzdem darauf

hinaus laufen, dass das Basketballteam von Kai aufgelöst wird.“ „Warum?“, hakt Taylor nach und hebt interessiert eine Augenbraue. „Wenn das Team bei Spielen nicht mehr die gewünschte Leistung erbringt, wird ein Vergleich mit dem zweiten Team gemacht. Sollte das zweite Team besser sein, wird das bisherige Team aufgelöst. Es hat dann die Möglichkeit in das neue Team einzusteigen, oder aber es bleiben zu lassen.“, erklärt Marcel fachmännisch und ich nicke bestätigend. Es ist total bescheuert, aber wer hätte auch gedacht, dass uns die absurden Regeln auf Nightcrawl tatsächlich einmal nützlich sein könnten? „Und wie soll das funktionieren? Selbst mit uns Beiden haben wir nicht genug Mitglieder, und im Basketball ist nicht jeder gerade besonders gut.“, bringt Taylor seine Zweifel vor, die ich

teilweise sogar nachvollziehen kann. „Du hast Recht, aber wir haben zwei entscheidende Vorteile.“ „Welche?“, hakt Marcel nach, was mich breit grinsen lässt. „Erstens haben wir den besten Captain der Welt.“, damit deute ich auf ihn, was ihn die Augenbrauen heben lässt. „Und Zweitens haben wir einen Captain, der Training im Außengelände gewohnt ist, womit uns keine Trainingszeit verloren geht.“ „Der Plan ist so perfide und undurchschaubar, dass er schon wieder genial ist.“ Taylor's Kommentar ist für mich eine Balsamierung meines Egos, weshalb ich selig durch die Gegend gucke und an meiner Fanta nuckle. „Ich möchte gern mal wissen wie du auf solche Ideen kommst.“ Mit hoch gezogener Augenbraue sehe ich den

Punk an, und schneide eine Grimasse. „Ich hab als Kind ganz viel 'Pinky & Brain' geschaut.“, antworte ich trocken, bevor wir anfangen zu lachen. „Was ist mein Part?“, hakt Marcel nach, was mich mit den Schulter zucken lässt. „Die Anwerbung neuer Mitglieder natürlich.“ „Die guten Spieler sind bei Kai.“, murrt mich mein Gegenüber an, was mich grinsen lässt. „Es gibt immer noch die nicht guten Spieler. Du bist ein Traum von einem Captain. Du kannst sie zu guten Spielern machen.“ „Wenn DU das sagst, hört sich das tatsächlich nach einer Wahrheit an.“ „Es ist ja auch die Wahrheit.“ „Ich bin mir ziemlich sicher, dass das nicht der Fall ist, aber gut, ich mach's.“ Na das ist doch genau das was ich hören wollte. Mal abgesehen davon, dass ich mir sicher bin,

dass Marcel ziemlich erfolgreich sein wird. Er hat einfach den Charme dafür, und es gibt Leute auf Nightcrawl, die dafür töten würden, dass er sie zur Kenntnis nimmt. „Was soll ich damit?“, fragt Taylor, als ich ihm einen USB-Stick vor die Nase halte. „In den Computerraum gehen und das ungefähr hundert Mal ausdrucken. Du unterstützt Marcel tatkräftig mit Flyern.“, erkläre ich, während ich mein Tablett zusammen räume und meine Tasche schultere. „Ich übernehme währenddessen Mr. Peters. Wir treffen uns dann später an der Bank.“, gebe ich Freude strahlend von mir, und spaziere zur Geschirrabgabe, ehe ich die Mensa verlasse und den Weg zum Hauptgebäude antrete. Mr. Peters zu überzeugen wird nicht einfach werden, aber meine Argumente sind unschlagbar und gut durchdacht. Immerhin hab ich dafür die ganze Nacht nicht geschlafen, und sehe unter

meinem Makeup aus wie die männliche Version von Sadako aus 'The Ring'. „Verstehe ich das richtig, Mr. Nikura: Sie, oder besser gesagt Sie und ihre beiden Kommilitonen Mr. Harrison und Mr. Kaskrova wollen ein Basketballteam gründen?“ „Vollkommen richtig, Sir.“ Ich sitze seit geschlagenen vierzig verdammten Minuten im Büro unseres Direktors und erläutere ihm mein Vorhaben, aber so wie es aussieht, muss ich wohl weiter ausholen um ihm die Dringlichkeit dieses Basketballteams vor Augen zu führen. Es hat mir nämlich nicht den Anschein, als würde ich seine Zustimmung bekommen, aber um ehrlich zu sein habe ich damit auch schon

gerechnet. „Wir haben bereits ein sehr gutes Team, dass ordentlich Siege mit nach Hause bringt. Was sollte uns ein zweites Team also bringen, Mr. Nikura?“. Mein Stichwort. „Sie haben vollkommen recht, Sir. Aber das jetzige Team besteht aus Sportskanonen, beliebten Schülern und – verzeihen sie den Ausdruck – sozial inkompetenten Persönlichkeiten. Keiner der normalen, weniger beliebten und nicht so sportlichen Schülern möchte in diesem Team spielen, weil sie sich selbst mit den Anderen vergleichen und herabwürdigen würden. Und seien wir mal ehrlich, einige meiner Mitschüler könnten Sport schon recht gut gebrauchen. Nicht nur auf den körperlichen und gesunden Aspekt hin, sondern auch um das Selbstbewusstsein zu stärken und

nach ihrem Abschluss einen soliden Weg in die Berufslaufbahn einzuschlagen. Was würde sich zur Stärkung des Selbstwertgefühls besser eignen, als etwas erreicht zu haben, von dem man davor noch dachte man könnte es nicht?“ Mr. Peters steht schweigend von seinem Stuhl auf, und geht mit auf dem Rücken verschränkten Händen ein paar Schritte durch sein Büro, und wieder zurück. Das Ganze wiederholt sich einige Male, während ich in Ruhe auf seine Reaktion warte. „Die Kosten die mit einem zweiten Team entstehen würden, können wir den Eltern wohl kaum erklären. Die Trikots, die Bälle, ein neuer Coach muss her. Haben Sie daran auch gedacht?“ Ich muss mich wirklich zusammen reißen um nicht breit zu grinsen und meine Gesichtsmuskeln dort zu lassen, wo sie nun mal

gerade sind. „Wir sind ein renommiertes Internat Mr. Peters. Eltern aus der ganzen Welt schicken ihre Kinder hier her, weil sie von der Führung des Internats überzeugt sind. Ich bin mir sicher, dass die Eltern nichts gegen die Gründung eines zweiten Teams hätten, dass ihren Kindern zu Gute kommt. Zudem muss auch der Aspekt beachtet werden, dass wir uns mit einem zweiten Team vermutlich den Ernährungscoach sparen können, der vier Mal im Jahr hier her kommt, und uns eine Woche einen Vortrag über gesunde Ernährung und Sport hält, um uns ein gesundes Lebensgefühl zu vermitteln.“, halte ich dagegen, und amte einmal kurz durch. „Um die Trikots können wir uns kümmern, wenn es so weit ist. Immerhin werden wir in der Anfangszeit wohl kaum auf Außerschulische Spiele geschickt werden.“ „Und der

Coach?“ „Wozu brauchen wir einen Coach, wenn wir denjenigen als Captain haben, der unser Einserteam seit zwei Jahren zu jedem Sieg geführt hat?“ „Mr. Kaskrova ist als Captain eingesetzt?“ Die Ungläubigkeit mit der Mr. Peters das fragt, lässt mich unweigerlich lächeln, und mich meine überlegten Argumente beiseite schieben. „Marcel ist der beste Captain der Welt. Er würde lieber sterben als sein Team zu hintergehen, und kümmert sich um seine Mitspieler besser, als eine Hündin um ihre Welpen. Er ist der Fels in der Brandung den man braucht um als Team Erfolg zu haben. Abgesehen davon neigt er vielleicht zu etwas ungewöhnlichen Trainingsmethoden, aber er glaubt an das was er tut und an das Team das hinter ihm steht. Sie könnten gar keinen besseren Coach als ihn

finden.“ „Ist das ihre Meinung zu ihm?“, hakt der Direktor nach einer Weile nach, was ich lediglich mit einem Nicken bestätige, und ihn dazu verleitet sich wieder auf seinen Stuhl zu setzen. „Ich hätte nie damit gerechnet, ausgerechnet von Ihnen so etwas über Mr. Kaskrova zu hören.“ Ich mache den Mund auf um etwas zu sagen, aber Mr. Peters bringt mich mit einer Handbewegung zum schweigen. „Aber genauso wenig hätte ich erwartet, dass Mr. Kaskrova bei mir auf der Matte steht und mich bittet ihn anstatt Sie des Internats zu verweisen, mit der Begründung, dass das hier Ihr Zuhause wäre, und Sie einen Ort verdient hätten an dem sie glücklich sein könnten.“ Er wollte Marcel des Internats

verweisen? Vermutlich sah ich genauso getroffen aus, wie ich mich fühlte, da Mr. Peters sich zurück lehnt und eine wegwerfende Handbewegung vollführt, die bei ihm so fehl am Platz wirkt wie nur irgendwas. „Diese Aussage war es, die mich dazu bewogen hat, den Verweisungsantrag zu zerreißen.“ Ich weiß das ich dafür echt dankbar sein sollte, aber ich fragte trotzdem: „Warum haben Sie das gemacht?“ „Ich weiß noch wie ich vor vier Jahren als Lehrer an dieses Internat kam, und vor eine Klasse gestellt wurde, die offenbar nur darauf aus war sich gegenseitig in der Luft zu zerreißen, wegen Kleinigkeiten wie Kleidung, Geld der Eltern oder Status. Aber ich kann mich noch sehr gut an die beiden Jungen in der letzten Reihe erinnern, die unzertrennlich waren und sich davon nicht beeinflussen ließen.“

Ich blinzle und sehe unseren Direktor an, der wiederum mich ansieht, und das nicht einmal feindselig. Um ehrlich zu sein kann ich mich gar nicht mehr daran erinnern, wann er uns das letzte Mal freundlich gesinnt war. „Für mich war die Aussage von Mr. Kaskrova und nun Ihre Beweis genug dafür, dass dieses Band was sie einmal verbunden hat, noch nicht völlig zerrissen ist. Und ich erwarte von Ihnen, dass dieses Team das sie zusammenstellen wollen, tatsächlich Erfolg auf irgendeiner Ebene bringt.“ Ich blinzle erneut, während ich versuche zu verarbeiten das er mir gerade das Okay für das neue Team gegeben hat. Einfach mal so und ohne große Umschweife. Wofür habe ich eigentlich die ganze Zeit

geredet. „Sie dürfen jetzt gehen.“ Ich nicke und stehe auf, ehe ich zur Tür gehe und immer noch versuche zu verarbeiten. „Ach, Mr. Nikura!“ Ich drehe mich um und sehe unseren Direktor fragend an, der sich in seinem Stuhl zurück lehnt und seine Mundwinkel hebt, bevor er lächelt. „Sie haben da einen wunderbaren Freund. Versuchen Sie ihren Kleinkrieg zu begraben.“ Damit scheuchte er mich mit einer Handbewegung aus seinem Büro, vor dessen Tür ich stehen bleibe und über das gesagte nachdenke. Na ja, genau genommen würde ich Marcel im Allgemeinen schon als einen Freund bezeichnen. Zwar ein sehr spezieller Freund auf einer absurden Ebene, aber Freund ist Freund,

hat mal irgendwer gesagt. Vermutlich irgendeiner der Weisen, die ihr Leben als Biographie veröffentlicht haben. Könnte also so gut wie jeder sein. Aber mal angenommen wir haben das Problem namens Kai aus dem Weg geschafft, wird dann alles so weiter laufen wie jetzt, wenn wir unseren Kleinkrieg nicht mehr haben? Ich frage mich außerdem ob ich der Einzige bin, der sich ab und zu fragt, ob es möglich ist wieder an den Anfang zurück zu kehren, oder ob das bloß eine Illusion ist, die mir ab und zu einen Streich spielt. Die Zeit zurück drehen zu können wäre toll, geht aber leider nicht. Im Endeffekt haben Marcel und ich unsere Freundschaft von damals Beide verbockt. Kopf schüttelnd um diese Gedanken wieder los zu werden, setze ich mich in Bewegung um mich mit Taylor und Marcel an der Bank zu

treffen. Zumal ich gespannt bin, ob sie irgendwie in irgendeiner Form erfolgreich waren. Noch im Gebäude zünde ich mir eine Zigarette an, und blase den Rauch in die Luft, während ich die Treppen zur Tür hinunter laufe und da Gebäude schlussendlich verlasse, wo ich grinse. Das hat besser geklappt als ich gedacht hatte. Also eigentlich hätte ich mir die ganzen Argumente sparen können. Von weitem kann ich schon die beiden Grazien auf der Bank sitzen und rauchen, was mich grinsen lässt. Irgendwie sind wir innerhalb von ein paar Stunden ein Trio geworden. So ähnlich wie die Drei Musketiere, nur ohne Degen und diese lächerlichen Federhüte. „Und wie ist es gelaufen?“, brüllt mir Taylor schon entgegen, kaum das ich noch fünf Meter bis zu ihnen hin zu überwinden habe. Ich grinse lediglich während ich den Rauch

meiner Zigarette ausstoße und den Daumen nach oben recke. „Dein Ernst?!“ „Mein voller Ernst.“, grinse ich Marcel an, als ich bei ihnen angekommen bin. Wer hätte auch schon gedacht, dass ich so überzeugend sein kann? Na gut, Mr. Peters war auch ziemlich kooperativ, was mir natürlich die Arbeit erleichtert hat. Aber wayne. Was zählt ist ja im Prinzip auch nur das Endergebnis. „Wir haben also freie Fahrt ein zweites Basketballteam zu gründen?“, hakt Taylor zur Sicherheit noch einmal nach und ich nicke, während ich mich neben Marcel auf die Bank fallen lasse, und die Beine überschlage. „Ich weiß ja nicht wie du das geschafft hast, aber du bist genial.“ Das Lob von Taylor ist so was wie besserer Balsam für die Seele und das Ego, weshalb ich mich eine Weile darin suhle, ohne irgendwas zu

sagen. „Wenn du die Pflanze weiter so gießt, kriegst du ihren Wachstum nicht mehr gebändigt.“, kommentiert Marcel nach einer Weile und ich boxe ihm murrend in die Seite, was ihn lachen lässt. „Spast.“, murre ich. Was muss mir eigentlich jeder die Pflege meines Egos unterbinden? Es kann ja nicht so schwer sein mir einmal einen kleinen Erfolg zu gönnen, um mein Ego wachsen zu lassen. Dabei wäre es echt mal toll für das was man gebacken kriegt, gelobt, gehuldigt und geliebt zu werden. Aber ne, Marcel Kaskrova versucht zwar nicht mehr mir meine Visage zu zertrümmern, aber dafür untergräbt er immer noch sehr erfolgreich mein Ego. Zumindest empfinde ich es so. „Eine Pflanze kannst du nicht einfach wüst gießen. Sie braucht Dünger, Liebe,

Geborgenheit und jemanden der sich um sie kümmert.“, philosophiert Marcel dann weiter und ich rolle mit den Augen, während ich mich frage ob in seinen Zigaretten irgendwelche Stimmungsaufhellenden Mittel zu finden sind, welche da garantiert nicht rein gehören. „In der Regel einen Gärtner.“, brumme ich vor mich hin und ernte ein leises Lachen von Taylor, weshalb ich ihn mit hoch gezogener Augenbraue ansehe. „Lass Marcel dein Gärtner sein.“, johlt der Punk dann los und ich kann deutlich, wirklich extrem deutlich, spüren wie mir die Hitze ins Gesicht schießt. „Alter! Halt bitte deine Fantasie im Zaum ja? Ist ja abnormal.“, maule ich los, während ich die Arme vor der Brust verschränke und aus dem Augenwinkel zu Marcel sehe. „Sag dazu bitte auch mal was.“, fordere ich ihn dann

auf. „Ich glaub grün steht mir nicht.“, sagt Marcel 'etwas' und ich rolle mit den Augen. Was ist das hier? Eine riesige Verschwörung, oder haben die Beiden einfach nur so ein Rad ab. Ich und Marcel, das ist der beste Witz des Jahrhunderts. „Sind wir froh das du keine roten Haare mehr hast.“, kommentiert Marcel dann und ich hebe fragend eine Augenbraue, was ihn dazu veranlasst eine Grimasse zu schneiden und ab zuwinken. „Würde sich übelst mit deiner Gesichtsfarbe stechen.“ „Wa...ihr seid solche Penner, alle Beide.“ „Wären wir das nicht, könnten wir uns nicht voller Hingabe Kai widmen.“, feixt mein ehemaliger Erzfeind und dummerweise hat der Arsch auch noch

recht. Wenn ich daran denke mit zwei Marvin-Verschnitten das Ganze in die Hand nehmen zu müssen, dreht sich mir der Magen um. Natürlich nichts gegen Marvin. Ich mag Marvin, auch wenn er mir zu lieb ist. „Um auf das eigentliche Thema zurück zu kommen: Wir haben es tatsächlich geschafft schon ein Mitglied anzuwerben.“ Mein Blick wandert zu Taylor. Ein Mitglied? Na gut, eins sind besser als null, aber trotzdem habe ich das Gefühl, dass wir noch einen langen und steinigen Weg vor uns haben, um an ein Basketballteam zu kommen. „Also erst mal haben wir Marvin.“, stellt Taylor fest, und mir rutscht fast alles aus dem Gesicht. „Marvin? Wollte der nicht lieber mit Mac rumhängen?“ „Ursprünglich wollte er das vielleicht,

aber...“ „...vielleicht hat er inzwischen bemerkt was für ein hirnloser Idiot Kai ist.“, beendet Marcel Taylor's Satz, was für mich einleuchtend klingt. Marvin ist vielleicht naiv aber nicht blöd. Sogar er merkt wenn Leute komplette Arschlöcher sind. Warum er mit mir trotzdem befreundet ist, wird ein ewiges Rätsel bleiben. „Wir haben noch einen steinigen Weg vor uns, Leute.“, stelle ich dann fest, und bekomme zustimmende Laute. Das es nicht einfach ist Leute für ein Team zusammen zu bekommen, vor allem mitten im Schuljahr wo sich schon alle für ihre Clubs und AG's entschieden haben, ist uns glaub ich allen klar. Aber da es weder mir noch Marcel, und vermutlich auch nicht Taylor, besonders liegt einfach so aufzugeben, wird das schon irgendwie werden. Denk ich

mal. Immerhin kann es nicht so schwer sein Leute zu finden die Basketball spielen wollen, und nicht aussehen als würden sie die Hälfte ihrer Lebenszeit im Trainingsraum verbringen. Auch schlechte Spieler können gute Spieler werden. Ich bin irgendwie ziemlich optimistisch heute. „Guck mal wer da ist.“, spricht mich Marcel an und knufft mich in die Seite, was ich mit einem Murren kommentiere, aber trotzdem in die Richtung gucke in die er nickt. Unweigerlich schleicht sich ein Grinsen auf mein Gesicht, als ich Kai zur Sporthalle gehen sehe um dem täglichen Training zu frönen. „Ich freu mich jetzt schon darauf, sein Ego zu zerbröseln.“ „Ich liebe es wenn du so drauf bist.“ Ich sehe Marcel aus dem Augenwinkel an, der

ebenfalls grinst und sich eine neue Kippe anzündet. „Ist ein bisschen wie früher.“, stelle ich dann fest und er nickt lediglich, während er den Rauch seiner Zigarette in die Luft bläst. „Darf ich mal wissen wie das 'früher' so war?“, mischt sich Taylor ein und ich zucke mit den Schultern, bevor ich gleichzeitig mit Marcel ein „Später mal.“, von mir gebe. „Fangen wir lieber an Kai's Leben durcheinander zu bringen. Wir bleiben ja nicht ewig auf dem Internat.“ Damit hat Marcel leider Gottes Recht. Irgendwann in ein paar Jährchen haben wir unseren Abschluss, und bis dahin will ich Kai's Ego zerbröckelt sehen und nicht noch vollkommen in Takt. „Gut. Fangen wir an.“

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KaoTec

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Apollinaris Oder besser der Untertitel. ;)

Schönen Tag.
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Apollinaris Uff, schönes Coverbild. Der Titel hält was er verspricht irgendwie.
Geschmack ist aber Geschmacksache.
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