Kurzgeschichte
Verstehe mich - Wenn ich wählen könnte, wäre ich?.

0
"Verstehe mich - Wenn ich wählen könnte, wäre ich?. "
Veröffentlicht am 05. Mai 2017, 16 Seiten
Kategorie Kurzgeschichte
http://www.mystorys.de

Über den Autor:

Ich bin ein Mädchen aus der Ukraine, dem Land der ewigen Wahlen. Durch unsere Sprache zeigen wir die Weltanschauung unseres Volkes, deshalb sind wir alle verschiedene. Ich möchte meine Denkungsart ihnen auf Deutsch öffnen und ich stelle mich schon vor, wie komisch das sein wird. Vielleicht bin ich ein Griffoneur, vielleicht gefällt ihnen meine "Kunst".
Verstehe mich - Wenn ich wählen könnte, wäre ich?.

Verstehe mich - Wenn ich wählen könnte, wäre ich?.

verstehe mich

Wenn ich schreibe, verstehe ich meinen Hauptzweck in den Erzählungen fast nicht. Es gibt verschiedene Bilder in meinem Kopf, von welchen ich mich befreien will. Es scheint mir, dass ich weiß, warum Eine solche Strömung, wie Der Expressionismus entstanden ist. Man sagt, dass wenn du etwas oder jemanden wirklich verstehen möchtest, sollst du sein Leben mit seinen Augen sehen. Das ist nicht so schwer, wenn du das versuchst. Das Schwerste ist diese Gefühle zu äußern. Die Selbstgespräche hören wir jeden neuen Tag und wir

bemerken die Welt überhaupt nicht. Was wäre, wenn wir jemand anders sein würden? Welche Gedanken und Gefühle hätten wir? Wenn ich wählen könnte, wäre ich…. Der Morgen bricht an. Sie schlafen aber noch. Eine hässliche Wand, die mir gegenüber steht, liegt im Halbdunkel des Zimmers. Jedes Mal, wenn ich sie ansehe, denke ich, warum sie sich dieser Wand nicht entledigen? Diese grauen Tropfen auf der Wand machen mich verrückt. Sie sind mein erstes Problem. Das zweite Problem besteht darin, dass ich mich auf meinen

Beinen nicht fortbewegen kann. Warum? Weil ich keine Füße habe… Ich schlafe nicht, nur wenn die Menschen mich vergessen, aber das passiert ganz selten und wenn, dann nur für einige wenige Minuten. Sie können ohne mich nicht leben. In der letzten Zeit sind sie sehr besorgt. Sie sind immer in Eile und schauen mich an, um sicher zu sein, damit sie sich nicht verspäten. Ich vergaß, wie alt ich bin, doch das ist nicht so wichtig. Ich wohne hier zwar seit einem Jahr und einem Tag, aber ich kann leider nur zuschauen und die Menschen von einer Minute auf die andere wieder lebendig machen. Wie? Das werden Sie jetzt gleich sehen!

Es ist 7 Uhr morgens und ich läute. Das ist ein Schrei aus tiefstem Herzen, damit sie sich an mich erinnern. Ich läute halbstündlich und jauchze, wie sie mich dann auf mich im Verlaufe von einigen Sekunden sehen und versuchen etwas Bedeutendes zu machen. Jeder Jammer verlässt ihre Köpfe, wenn sie sehen, dass die Zeit auf sie nicht wartet. Die Mutter geht, um das Frühstück zu machen. Am Morgen scheint alles anders. Ich habe bemerkt, wie die Ohnmacht zur Demut wird, und sich das Flehen in den Nächten in eine Morgenverdammnis verwandelt.

Es gibt aber noch die anderen, die guten Seiten dieses Lebens. Zum Beispiel, der Sohn dieser Familie. Das ist ein junger Mann mit blauen Augen. Seine Augen sind immer kalt und gleichgültig. Entweder schweigt er, oder sagt irgendwelchen Unsinn. Seine Mutter betrachtet ihn stets leidenschaftslos und hoffnungslos, damit er immer weiß, was für ein Lümmel er ist. Es ist nur Verachtung in diesen kalten Augen und danach guckt er mich an. Nur ich kann die wahrhaftigen Augen von den Menschen erkennen, denn nur mich betrachten sie so furchtsam. Ich trage die Ewigkeit und die Zeit in mir, die man

nicht anhalten kann. Sie kennen das aber alles. Tief in der Seele haben sie Angst, sogar eine einzige Sekunde zu verlieren. Sie schauen immer auf mich, wenn sie an etwas denken. Sie machen das aber nicht lange, weil ich sie zwinge, sich an das Leben zu erinnern. Es ist schwer, sein eigenes Leben zu analysieren. Ich sehe, wie sie die Maske abnehmen, wenn sie in mir hinüberspähen. Für den Bruchteil einer Sekunde, wenn sie diese Haltlosigkeit der Zeit zu begreifen versuchen, kann ich mehr erkennen, als jemals zuvor. Jedes Mal sehe ich auch sein glaubwürdiges Gesicht. Die Frage: Warum ist das so?, verlässt seinen Kopf nie. Ich weiß nicht was es außerhalb

dieses Hauses passiert, aber sie tragen alle Gefühle in sich und ich bemerke sie. Jetzt sehe ich alles, was er nie sagen wird. In Wirklichkeit ist er der beste von allen, die jemals hier wohnten. Er versteht selbst nicht, was das bedeuten soll. Es gibt sehr viele Gefühle, aber sehr wenige Worte, um sich irgendwie zu äußern. Ich würde sagen, dass ich dich verstehe, aber ich kann nur läuten. Die Maske des Clowns anzuziehen und den Menschen das zu geben, was sie sehen wollen – das ist seine Wahl. Du verstehst zu viel, aber du bist zu sehr belämmert, um das zu beschreiben. Kann man so dumm und doch so weise zugleich sein? Die Wahrheit liegt im Schweigen

und du weißt das, aber du brichst diese Stille, um den Respekt zu verlangen. Sieh mich nicht so arrogant an! Du kannst die Zeit mit diesem Blick nicht anhalten. Hinter dem Hochmut verbirgt sich entweder immer Torheit, oder Unglück, Knabe. Ich kenne dein Unglück, aber die Zeit heilt alle Wunden. Die Mutter stellt den Teller mit dem Spiegelei vor ihn auf den Tisch. Das ist alles, was sie sich jetzt leisten können. Er besinnt sich und sein Gesicht nimmt den nötigen Ausdruck an. Seine Mutter beachtet das nicht mehr. Sie akzeptiert diese Wahrheit. Er hat ihre Hoffnungen nicht erfüllt. Er sollte eigentlich Arzt werden, wie seine Eltern es wollten. Warum leugnet er? Alle seine Hefte, Bücher und sogar das ganze Zimmer sind mit Zeichnungen von Vögeln bedeckt. Der Vater sagte immer, dass dieser Blödmann nur in den Wolken schweben kann. Manchmal denke ich, dass ich in

seinen Gedanken lesen kann und er phantasiert, dass er als Vogel ein Adler wäre. Die Mutter betrachtet ihn mit ihren stolzen grünen Augen. Sie sieht mühsam auf sein müdes und rechtloses Gesicht. Es ergibt keinen Sinn mehr sich zu streiten, aber ihr Stolz, der gibt ihr auch keine Freiheit. Sie hat sich seit langem mit Stacheln bedeckt. Eine kleine Blume wächst aber doch irgendwo da droben. Vielleicht wäre sie als Blume ein Kaktus. Sie sieht voller Schuld auf seinen Flachskopf, aber wenn er das merkt, dann ändert sie ihren Ausdruck. Ach, Menschen, ich hasse euch dafür! Ihr habt

so wenig Zeit und dann ihr sie, um zu phantasieren, was wäre, wenn… Bevor er zur Arbeit geht, kommt er und zieht mich auf. Mein Schlüssel steckt immer in mir. Nur er macht das und jeden Tag fühle ich, dass ich noch drei Tage habe. Ich habe noch drei Tage, um die Verdammnis der Zeit zu tragen. Das ist eine Last, deren Bedeutung sie sogar nicht verstehen. Rechts von mir ist der Eingang ins Zimmer. Ich höre die Schluchzer nachts daraus seit zwei Wochen. Der Mann, der dort liegt, weiß, was Zeit bedeutet. Er hat nur 3 Tage, danach verliere ich

jedwede Bedeutsamkeit für ihn. Ich höre, wie sein Sohn zu ihm kommt und sich auf das Bett setzt. Die weiße, fast durchsichtige Hand legt sich leise auf den bewegungslosen schwarzhaarigen Kopf. Die weit geöffneten braunen Augen signalisieren Angst. Er kann mich nicht mehr anschauen, wie er früher machte, er kann mich nur hören. Sein Gehör zählt die Sekunden und die Augen versuchen diese Hand zu suchen. Du bist seltsam, Vater. Unlängst waren diese Hand zu weiß und der Kopf zu blond. Der Junge, der dir so gar nicht ähnlich ist. Jetzt hast du schon keine Zeit für die Entschuldigung. Man kann nicht sagen, dass er ihn nicht liebte. Er liebte ihn

aber dem Sinn nach und jetzt tut ihm dieser „Sinn“ weh. Der Sohn steht auf und geht zum Ausgang. Die großen braunen Augen versuchen sich unter Tränen an dem Sohn festzuklammern. Dumas schrieb, dass man warten und hoffen soll, du kannst jetzt nur warten. Die Augen schließen sich und eine Träne brennt ihm in den Augen. Ich denke, in der Natur wäre es ein wahrer Regen. Er kommt zu mir, um mich wieder aufzuziehen. Die Mutter sitzt leise auf dem Bett und sieht aus dem Fenster hinaus. Die Koffer stehen bereits gepackt neben der Tür. Es ergibt keinen Sinn, noch länger in diesem alten Haus zu

wohnen. Wenn ich ein Mensch wäre, hätte ich es seit langem bereits verlassen. Er hält den Schlüssel in der Hand und sieht auf mich mit seinem kalten Blick. Es ist an der Zeit, damit du mich runternimmst und in den Koffer steckst. Das Taxi wartet schon vor dem Haus. Die Mutter nimmt ihre Reisetasche und geht aus dem Haus. Er steckt meinen Schlüssel in seine Tasche und wendet sich dem Ausgang zu. Hey, ich bin immer noch hier! Es ist 5 Minuten vor halb 9. Zeit, bitte, gib mir dieses Geläute! Er hat mich vergessen! Nein, bleib stehen! Wohin gehst du ohne mich? Ja, es ist halb 9. Ich läute! Er sieht mich an, er erinnert sich an mich…

Es ist der dritte Tag seit ihrer Abreise. Nur steht mir diese hässliche Wand gegenüber. Ich habe nur noch fünf Minuten, bevor ich in den ewigen Schlaf versinke. Doch hat er meinen Schlüssel mitgenommen. Das ist seltsam, die eigenen Minuten zu zählen. Es ist nicht nötig, so lange zu phantasieren, um jemanden zu verstehen. Du sollst nur mehr fühlen. Sogar nach allem, was ich hier gesehen habe und wenn ich wählen könnte, wäre ich ein Mensch.“

0

Hörbuch

Über den Autor

Elisa_Tork
Ich bin ein Mädchen aus der Ukraine, dem Land der ewigen Wahlen. Durch unsere Sprache zeigen wir die Weltanschauung unseres Volkes, deshalb sind wir alle verschiedene. Ich möchte meine Denkungsart ihnen auf Deutsch öffnen und ich stelle mich schon vor, wie komisch das sein wird. Vielleicht bin ich ein Griffoneur, vielleicht gefällt ihnen meine "Kunst".

Leser-Statistik
26

Leser
Quelle
Veröffentlicht am

Kommentare
Kommentar schreiben

Senden
Annabel Kann dir nur noch *****Taler schenken. Alle aufgebraucht.
Vergangenes Jahr - Antworten
Annabel Super Idee. Gern gelesen. Lieben Gruß an dich
Vergangenes Jahr - Antworten
HarryAltona Die Zeit als Beobachter bemerkt ja so einiges und verwirrendes an Herren und Damen mit dem Schlüßel. Gut gemacht!!!
lg... harryaltona
Vergangenes Jahr - Antworten
Elisa_Tork Vielen Dank für Deinen Kommentar und Deine Meinung!

Liebe Grüße
Elisa
Vergangenes Jahr - Antworten
Koraline Hallo,

ein wunderbar geschriebener Text. Schon alleine die Grundidee, einen Wecker sprechen zu lassen und alles aus seiner Sicht zu erzählen, gefällt mir gut.
Ich mag den Part sehr, in dem der Wecker darauf warten muss, dass er klingelt. Er ist eben fremdbestimmt und muss selber warten, ein wartender Wecker - klasse :)
Und dass das Läuten des Weckers ein Schrei aus tiefstem Herzen ist, damit die Menschen ihn nicht vergessen.
Und "Ich würde sagen, dass ich dich verstehe, aber ich kann nur läuten."

Richtig, richtig gut.

Liebe Grüße,
Koraline

Vor langer Zeit - Antworten
Elisa_Tork Hallo, Koraline!

Vielen Dank für das Durchlesen! Ich freue mich, dass Du das magst.
LG
Elisa
Vor langer Zeit - Antworten
LogorRhoe Am Anfang war ich vollends im Gefühl eines Menschen, der da liegt und die Welt betrachtet, sich jedoch nicht nach außen bemerkbar machen kann. (loked in Syndrom - https://de.wikipedia.org/wiki/Locked-in-Syndrom) Er kann nur wahrnehmen, was in seiner Nähe geschieht. Regungslos muss er die Blicke und Witzeleien über sich ergehen lassen, die Mitmenschen verlegen, ängstlich, mitleidvoll, überheblich diesem "Stück Fleisch" einem Gegenstand gleich entgegenbringen.
Hier ist die Geschichte dazu, welche sehr berührte http://www.moviepilot.de/movies/schmetterling-und-taucherglocke

Film und Buch haben dazu geführt, dass erkannt wurde, dass viele Menschen wegen Falscher Diagnosen in einem Zustand gehalten werden, die einem Gegenstand gleich kommt.

In deiner Geschichte gabst du einem Gegenstand (UHR) Gefühl und Interpretation. In der Realität geschieht es häufig umgekehrt, da wird der Mensch als Stück behandelt.

Danke für dein Buch es hat mir seht gut gefallen. Einzig die Textformatierung brachte mich ein wenig raus, weil sie auf einer Seite so abgeschnitten aussah, als ob da ein Teil des Textes fehlen würde.

lg LogorRhoe
Vor langer Zeit - Antworten
Elisa_Tork Hallo, LogorRhoe

Danke für Deinen Kommentar und Dein Verständnis! Ich arbeite an dem Theme Des Expressionismus. Ich wollte versuchen, etwas in diesem Sinne zu verfassen. Einige Daten fehlen, weil es der Strömung entspricht. :) Das ist wunderbar, dass Du das magst.

LG
Elisa
Vor langer Zeit - Antworten
FLEURdelaCOEUR 
Ob der Wecker geht und zuverlässig läutet
oder stehen bleibt - das ist egal.
Es ist die Zeit, die unaufhaltsam weiterschreitet,
gesäumt die Ufer von Geburten, Toten großer Zahl ...

Dein Text ist außergewöhnlich gut und tief, noch dazu in einer Fremdsprache für dich! Chapeau!

LG fleur
Vor langer Zeit - Antworten
Elisa_Tork Hallo!

Danke für Deinen Kommentar! :)

LG
Elisa
Vor langer Zeit - Antworten
Zeige mehr Kommentare
10
15
0
Senden

152354
Impressum / Nutzungsbedingungen / Datenschutzerklärung