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Die Schule

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"Die Schule"
Veröffentlicht am 04. Mai 2017, 24 Seiten
Kategorie Sonstiges
© Umschlag Bildmaterial: Mein Bild aus dem Schulmuseum
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Über den Autor:

Ich schreibe schon sehr lange, auch wenn das früher mehr sporadisch war. Es geht meistens um die nostalgische Prosa: Kurzgeschichten, Erzählungen, kleine Dialoge usw. Es hat angefangen, wie Edelsteine sammeln: es war als ob ich etwas sehr Schönes entdeckt habe und es war in mir drin. Und ich musste es rauslassen: aufschreiben. Sich genau zu erinnern ist etwas sehr Kostbares. Etwas verarbeiten, akzeptieren, ist wie eine direkter Kontakt zur ...
Die Schule

Die Schule

Ja, ich liebte die Schule. Die Grundschule war mein eins und alles. Gefühlt - gehörte sie mir. Das lässt sich leicht erklären: die lag praktisch auf unserem Grundstück und meine Mutter verwaltete sie.

Es war eine kleine Dorfschule mit ca. 25-30 Kindern (in den 70-80 er Jahren), früher waren es bis zu 100 Schulkinder. Es gab zwei Unterrichtsräume: in einem waren die Vorbereitungsklasse „0“* und die 1. Klasse, in dem Zweiten die 2. und 3. Klasse. Eine Klasse bekam Aufgaben zum Üben und die Andere wurde unterrichtet usw. der Reihe nach. Ich kann mich nicht erinnern, dass es jeweils gestört hat.

Aus den Klassenzimmern kam man in einen riesigen Raum, der bis auf ein paar Bänken und einer Wandgarderobe, ganz leer war. Nur die Wände waren mit Fotos von Kosmonauten und Bildern von Pionieren-Helden** und W.I. Lenin***, bedeckt. Der Raum war im Winter oft etwas dunkel, wegen der Hecke, vor den Fenstern. In diesem großen Flur haben wir im Winter in der Pause gespielt. Nach draußen gingen wir nur, wenn es trocken und warm war.
Es gab noch ein kleines Lehrerzimmer, das zugleich auch eine Bibliothek und Aufbewahrungsraum für alle Lernmittel war. Das war meine Schatzkammer. Die besuchte ich ab und zu am Wochenende,

einfach um mir die verschiedenen Sammlungen von Steinen und anderen Lernmaterialien für den Sachunterricht anzuschauen, manchmal um ein Heft zu holen. Ich spielte gerne Schule und brauchte dafür ein neues Heft, von den sauberen Seiten ging für mich eine Faszination aus.
Der Donnerstag war der Bibliothekstag, an diesem Tag könnten wir uns Bücher ausleihen oder zurückbringen. Die Bibliothek war für mich der größte Reichtum der Schule.

Das war meine Grundschule, erbaut im Jahre 1971. An die alte Grundschule konnte ich mich auch noch erinnern, von der ist nur ein Schutthaufen geblieben,

den wir im Winter als Rutsche benutzten.
Die neue Schule wurde verputzt und gekalkt. Sie war weiß von innen und außen und hatte große Fenster. Eine saubere gemütliche warme Schule, die auch von außen eine passable Erscheinung war.
Die Schulmöbel kam zum Teil aus der alten Schule: alte Schulbänke mit abdeckbarer Tischplatte, mit einer Vertiefung für das Tintenfässchen. Ob die heutigen Tische bequemer sind? Eins weiß ich genau: die Tafel war beispielhaft sauber, so sorgfältig geputzte Tafeln habe ich in meinem Leben nie wieder gesehen.

Draußen, gab es nur Blumenbeete, den

Obstgarten und zwei Ahornalleen. Wir hatten etwa sieben lange Parkbänke, mit Platz für ca. 7-8 Kinder.
Irgendwie kein Konzept für die Grundschule oder ein sehr veraltetes. Uns war es nicht bewusst, wir vermissten auch nichts. Diese Kindheit hat noch eine Menge Platz und Zeit zum Spielen gehabt. Und auch den Schulhof nutzten wir dafür, auch in der Ferienzeit.

Ich war jeden Tag in der Schule, meist nur auf dem Schulgelände, auch im Sommer, in den langen Ferienmonaten. Es war einfach schön und friedlich dort, man konnte im Gras liegen oder vor den Bänken spielen.

*Die Vorbereitungsklasse wurde wegen

der Sprachvorbereitung eingeführt, weil es in der kleinen Ortschaft keinen Kindergarten gab und die Kinder zu Hause deutsch sprachen. Deshalb lernten die meisten Kinder Russisch erst in der Klasse „O“.

**Pioniere(Mitglieder einer politischen Kinderorganisation), die eine Heldentat (oder was dafür gehalten war) während der Kollektivierung (Kolchosengründungszeit) oder während des Krieges, begangen haben.

*** W.I. Lenin Gründer der Sowjetunion. Sein Personenkult hielt bis zum Zusammenbruch des Staates Ende der 80er Jahre.

Ja, ich liebte die Schule. Die Grundschule war mein eins und alles. Gefühlt - gehörte sie mir. Das lässt sich leicht erklären: die lag praktisch auf unserem Grundstück und meine Mutter verwaltete sie.


Es war eine kleine Dorfschule mit ca. 25-30 Kindern (in den 70-80 er Jahren), früher waren es bis zu 100 Schulkinder. Es gab zwei Unterrichtsräume: in einem waren die Vorbereitungsklasse „0“* und die 1. Klasse, in dem Zweiten die 2. und 3. Klasse. Eine Klasse bekam Aufgaben zum Üben und die Andere wurde unterrichtet usw. der Reihe nach. Ich kann mich nicht erinnern, dass es jemals

gestört hat.


Aus den Klassenzimmern kam man in einen riesigen Raum, der bis auf ein paar Bänken und einer Wandgarderobe, ganz leer war. Nur die Wände waren mit Fotos von Kosmonauten und Bildern von Pionieren-Helden** und W.I. Lenin***, bedeckt. Wegen der Hecke vor dem Fenster war der Raum im Winter häufig etwas dunkel. In diesem großen Flur haben wir im Winter in der Pause gespielt. Nach draußen gingen wir nur, wenn es trocken und warm war.


Es gab noch ein kleines Lehrerzimmer, das zugleich auch eine Bibliothek und

Aufbewahrungsraum für alle Lehrmittel war. Das war meine Schatzkammer. Die besuchte ich ab und zu am Wochenende, einfach um mir die verschiedenen Sammlungen von Steinen und anderen Materialien für den Sachunterricht anzuschauen. Manchmal um ein Heft zu holen. Ich spielte gerne Schule und brauchte dafür ständig ein sauberes Heft, weil ich es faszinierend fand immer neu anzufangen.


Der Donnerstag war der Bibliothekstag, an diesem Tag könnten wir uns Bücher ausleihen oder zurückbringen. Die Bibliothek war für mich der größte Reichtum der Schule.


Das war meine Grundschule, erbaut im Jahre 1971. An die alte Grundschule konnte ich mich auch noch erinnern. Von der ist nur ein Schutthaufen geblieben, den wir im Winter als Rutsche benutzten.


Die neue Schule wurde verputzt und gekalkt. Sie war weiß von innen und außen und hatte große Fenster. Eine saubere gemütliche warme Schule, die auch von außen gut aussah.


Die Schulmöbel kamen zum Teil aus der alten Schule. Es waren: alte Schulbänke mit abdeckbarer Tischplatte, mit einer Vertiefung für das Tintenfässchen. Ob

die heutigen Tische bequemer sind?

Eins weiß ich genau: die Tafel war beispiellos sauber, so sorgfältig geputzte Tafeln habe ich in meinem Leben nie wieder gesehen.


Draußen, gab es nur Blumenbeete, den Obstgarten und zwei Ahornalleen. Wir hatten etwa sieben lange Parkbänke, mit Platz für ca. 7-8 Kinder.
Irgendwie kein Konzept für eine Grundschule oder ein sehr veraltetes. Uns war es nicht bewusst, wir vermissten auch nichts. Wir hatten sonst eine Menge Platz und Zeit zum Spielen gehabt. Und den Schulhof nutzten wir dafür auch in der Ferienzeit.


Ich war jeden Tag in der Schule, meist nur auf dem Schulgelände, auch im Sommer, in den langen Ferienmonaten. Es war dort einfach schön und friedlich, man konnte im Gras liegen oder vor den Bänken spielen.



So bekam ich als Kind das schönste Geschenk: Die „eigene“ Schule.

*Die Vorbereitungsklasse wurde wegen der Sprachvorbereitung eingeführt, weil es in der kleinen Ortschaft keinen Kindergarten gab und die Kinder zu

Hause deutsch sprachen. Deshalb lernten die meisten Kinder Russisch erst in der Klasse „O“.

**Pioniere-Helden (Mitglieder einer politischen Kinderorganisation), die eine Heldentat (oder was dafür gehalten war) während der Kollektivierung (Kolchosengründungszeit) oder während des Krieges, begangen haben.

*** W.I. Lenin Gründer der Sowjetunion. Sein Personenkult hielt bis zum Zusammenbruch des Staates Ende der 80er Jahre.

Ja, ich liebte die Schule. Die Grundschule war mein eins und alles. Gefühlt - gehörte sie mir. Das lässt sich leicht erklären: die lag praktisch auf unserem Grundstück und meine Mutter verwaltete sie.


Es war eine kleine Dorfschule mit ca. 25-30 Kindern (in den 70-80 er Jahren), früher waren es bis zu 100 Schulkinder. Es gab zwei Unterrichtsräume: in einem waren die Vorbereitungsklasse „0“* und die 1. Klasse, in dem Zweiten die 2. und 3. Klasse. Eine Klasse bekam Aufgaben zum Üben und die Andere wurde unterrichtet usw. der Reihe nach. Ich kann mich nicht erinnern, dass es jemals

gestört hat.


Aus den Klassenzimmern kam man in einen riesigen Raum, der bis auf ein paar Bänken und einer Wandgarderobe, ganz leer war. Nur die Wände waren mit Fotos von Kosmonauten und Bildern von Pionieren-Helden** und W.I. Lenin***, bedeckt. Wegen der Hecke vor dem Fenster war der Raum im Winter häufig etwas dunkel. In diesem großen Flur haben wir im Winter in der Pause gespielt. Nach draußen gingen wir nur, wenn es trocken und warm war.


Es gab noch ein kleines Lehrerzimmer, das zugleich auch eine Bibliothek und

Aufbewahrungsraum für alle Lehrmittel war. Das war meine Schatzkammer. Die besuchte ich ab und zu am Wochenende, einfach um mir die verschiedenen Sammlungen von Steinen und anderen Materialien für den Sachunterricht anzuschauen. Manchmal um ein Heft zu holen. Ich spielte gerne Schule und brauchte dafür ständig ein sauberes Heft, weil ich es faszinierend fand immer neu anzufangen.

Der Donnerstag war der Bibliothekstag, an diesem Tag könnten wir uns Bücher ausleihen oder zurückbringen. Die Bibliothek war für mich der größte Reichtum der Schule.

Das war meine Grundschule, erbaut im Jahre 1971. An die alte Grundschule konnte ich mich auch noch erinnern. Von der ist nur ein Schutthaufen geblieben, den wir im Winter als Rutsche benutzten.


Die neue Schule wurde verputzt und gekalkt. Sie war weiß von innen und außen und hatte große Fenster. Eine saubere gemütliche warme Schule, die auch von außen gut aussah.


Die Schulmöbel kamen zum Teil aus der alten Schule. Es waren: alte Schulbänke mit abdeckbarer Tischplatte, mit einer Vertiefung für das Tintenfässchen. Ob die heutigen Tische bequemer sind? Eins

weiß ich genau: die Tafel war beispiellos sauber, so sorgfältig geputzte Tafeln habe ich in meinem Leben nie wieder gesehen.


Draußen, gab es nur Blumenbeete, den Obstgarten und zwei Ahornalleen. Wir hatten etwa sieben lange Parkbänke, mit Platz für ca. 7-8 Kinder.

Irgendwie kein Konzept für eine Grundschule oder ein sehr veraltetes. Uns war es nicht bewusst, wir vermissten auch nichts. Wir hatten sonst eine Menge Platz und Zeit zum Spielen gehabt. Und den Schulhof nutzten wir dafür auch in der Ferienzeit.


Ich war jeden Tag in der Schule, meist nur auf dem Schulgelände, auch im Sommer, in den langen Ferienmonaten. Es war dort einfach schön und friedlich, man konnte im Gras liegen oder vor den Bänken spielen.



So bekam ich als Kind das schönste Geschenk: Die „eigene“ Schule.

*Die Vorbereitungsklasse wurde wegen der Sprachvorbereitung eingeführt, weil es in der kleinen Ortschaft keinen Kindergarten gab und die Kinder zu Hause deutsch sprachen. Deshalb lernten

die meisten Kinder Russisch erst in der Klasse „O“.

**Pioniere-Helden (Mitglieder einer politischen Kinderorganisation), die eine Heldentat (oder was dafür gehalten war) während der Kollektivierung (Kolchosengründungszeit) oder während des Krieges, begangen haben.

*** W.I. Lenin Gründer der Sowjetunion. Sein Personenkult hielt bis zum Zusammenbruch des Staates Ende der 80er Jahre.

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Hörbuch

Über den Autor

Marita
Ich schreibe schon sehr lange, auch wenn das früher mehr sporadisch war. Es geht meistens um die nostalgische Prosa: Kurzgeschichten, Erzählungen, kleine Dialoge usw. Es hat angefangen, wie Edelsteine sammeln: es war als ob ich etwas sehr Schönes entdeckt habe und es war in mir drin. Und ich musste es rauslassen: aufschreiben. Sich genau zu erinnern ist etwas sehr Kostbares. Etwas verarbeiten, akzeptieren, ist wie eine direkter Kontakt zur eigenen Seele. Das ich die Edelsteine zu verabeiten lernen muss, dass verstehe ich. Aber diese Art von Arbeit macht mir Spaß!

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FLEURdelaCOEUR 
Liebe Marita,
deinen etwas nostalgisch angehauchten Bericht über eine sowjetische Grundschule in einem kleinen Dorf mit deutschstämmiger Bevölkerung (Russlanddeutschen, oder - wie es in der DDR hieß - Sowjetdeutschen), finde ich sehr interessant!
Auf den ersten Blick erscheint sie vielleicht etwas zurückgeblieben, doch das mag täuschen! Eine Schule steht und fällt immer mit ihren Lehrern und deren Liebe zu den Kindern, ihren Fähigkeiten und auch ihrer Leidenschaft.
Was ich heutzutage über die Schulen meiner Enkelinnen mitbekomme, oder auch allgemein aus den Medien, zieht mir manchmal die Schuhe aus!
Behalte dir deine guten Kindheitserinnerungen!
Die Übersiedlung nach Deutschland, vermutlich noch alte BRD, wird ja auch nicht ohne Schwierigkeiten gewesen sein ...
Liebe Grüße
fleur
Vor langer Zeit - Antworten
Marita Liebe Marie,
ich danke dir für den ausführlichen Kommentar zur meiner Geschichte "Die Schule". Übrigens, ich wusste nicht, dass Russlanddeutsche in der DDR Sowjetdeutsche hießen. Auch etwas neues für mich). Ich kam schon nach der Wende nach Deutschland und in den Westen, war aber Ende der 80er im Osten (Hochschulen-Studentenaustausch).
Ja, ich verstehe, was du unter "zurückgeblieben" meinst. Die Altairegion in Westsibirien gehörte zu den Peripherieregionen der SU. Und trotzdem haben wir eine glückliche Kindheit und mehrere gute Lehrer gehabt. Da stehe ich voll und ganz hinter deinem Satz, dass eine" Schule steht und fällt immer mit ihren Lehrern...". Ein System ist noch nicht alles, die Persönlichkeit hat immer eine Bedeutung.
Vielen Dank für deine Coin-Unterstützung!

Schöne Grüße

Marita
Vor langer Zeit - Antworten
FLEURdelaCOEUR 
Liebe Marita,
ich weiß nicht genau, ob das in der DDR offiziell 'Sowjetdeutsche' hieß, ist aber zu vermuten, da ja auch viele aus Kasachstan u. a. Republiken kamen.
Vielleicht gehörte ja deine herkömmliche Altairegion zur RSFSR, also, Russland. Aber ich habe in der DDR mal ein Buch gekauft, "10 Sowjet-deutsche Erzähler". Weiß nicht mehr, wo sie alle herstammten - nur hatten sie alle deutsche Wurzeln.

Es gibt bestimmte Berufe, wo man sein Herzblut geben muss, Lehrer gehört auf jeden Fall dazu.

Beste Grüße
marie
Vor langer Zeit - Antworten
Bleistift 
"Die Schule..."
Auch hier­zu­lan­de gab es zu früheren Zeiten
besonders auf dem Lande einstmals eine ähnliche Form
der Schule, in welcher gleich mehrere Klassenstufen
zeitgleich parallel unterrichtet wurden.
Ich kenne diese Form jedoch nur noch aus den Erzählungen
meiner Altvorderen, dennoch kann ich deine Erinnerungen
an die vergangene Schulzeit sehr gut nachempfinden,
auch wenn die Meine nun beinahe schon fünfzig Jahre zurückliegt ... ..smile*
LG
Louis :-)

Vor langer Zeit - Antworten
Marita Hallo Louis,
das würde mich interessieren, wann es in Deutschland die letzten Schulen mit Parallelunterricht gab? Meine Grundschulzeit liegt 40 Jahre her. Ob es jetzt noch in Russland solche Dorfschule gibt (mit Parallelunterricht)? Das müsste ich nachforschen.
Vielen Dank für dein Interesse!
Vielen Dank für das Coin-Geschenk!
Schöne Grüße
Marita
Vor langer Zeit - Antworten
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