Krimis & Thriller
Schauermord in der Elm Street - Kapitel 1

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"Großer Gott, Holms, wer macht denn so etwas?..."
Veröffentlicht am 06. Oktober 2017, 18 Seiten
Kategorie Krimis & Thriller
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Über den Autor:

Mit Vorliebe schreibe ich Drabbles, Krimis und Kurzgeschichten... Ich liebe diese fabelhaft pointierten Miniatur-Geschichtchen. Zur Abwechslung schreibe ich auch gern mal eine erotische Geschichte... Ansonsten hoffe ich auf viele geneigte Leser und freue mich über jeden ehrlich gemeinten Kommentar. Zwei Städte sind mir neben Berlin besonders wichtig: Paris und Venedig... 09.Mai 2015 Ich habe heute erfahren, dass Silvi Bredau ...
Großer Gott, Holms, wer macht denn so etwas?...

Schauermord in der Elm Street - Kapitel 1

Bleistift






Schauermord

in der

Elm Street


Thriller

Schauermord in der Elm StreeT

Kapitel 1 Diese Novembernacht war kühl und feucht. Dichte Nebelschwaden waberten durch die alten Londoner Gassen und ließen das glatte Kopfsteinpflaster im gelblich funzligen Licht der wenigen Gaslaternen glänzen. Pferdehufgetrappel und das klappernde Geräusch von eisenbeschlagenen Rädern kündigten eine sich nähernde Kutsche an. Kurze Zeit darauf hielt eine schwarz-glänzende, von perlenden Regentropfen überzogene Droschke vor einem düsteren Toreingang in der Elm Street an, über dem ein

emailliertes Schild mit der Nummer 12 prangte. »Wir sind da, Holmes…«, bemerkte Doktor Watson und öffnete den Schlag. Sherlock Holmes schlug die Augen auf und schaute kurz aus dem Fenster. Inspektor Lestrade stand wie immer, die Hände auf dem Rücken verschränkt und selbst Stunden nach Mitternacht noch trefflichst geschniegelt und gebügelt in dem dunklen Toreingang, neben dem ein uniformierter Polizist Wache hielt. Holmes hatte eigentlich nichts anderes erwartet, denn wann immer Inspektor Lestrade vom Yard seine Unterstützung anforderte, ging es meistens um einen ungewöhnlichen Mord, daher also das ganze Aufgebot. Der Detektiv stieg aus der Kutsche, zog seine Deerstalker

Mütze ob des feinen Nieselregens noch etwas tiefer ins Gesicht. Sogleich wandte er sich an den Polizisten, »Guten Morgen, Lestrade, wer ist denn diesmal das Opfer?« Der Inspektor verdrehte die Augen, als hinter ihm plötzlich ein uniformierter Polizeibeamter aus dem Torbogen gestürzt kam und sich heftig in den Rinnstein übergab. »Sehen Sie Holmes, genau das ist es, wenn selbst meine erfahrenen Beamten einen solchen Anblick nicht ertragen können, also machen Sie sich besser auf etwas Ungeheuerliches gefasst…«, brummte der Inspektor missmutig. Der Detektiv nickte. »Sicher doch, aber ist denn nicht jeder Mord an sich schon etwas Ungeheuerliches?«,

bemerkte er und folgte dem Polizisten vom Yard, der sich bereits auf dem Weg durch den Torbogen begeben hatte. »Das schon, Holmes, bestätigte der Inspektor, aber nicht jeder Mord ist auch so grausam begangen worden, wie jener hier. Auch diesmal ist es erneut wieder eine Prostituierte. Alice Winnington, sie war Irin. Meine Männer kannten sie, eigentlich ein hübsches Ding, nicht vorbestraft, ein weißes, geradezu unbeschriebenes Blatt also und dennoch ist sie jetzt mausetot. Sie ist vermutlich unter gar fürchterlichen Schmerzen, die den schrecklichen Umständen jener Tat geschuldet sind, bei lebendigem Leibe verblutet.« Holmes warf einen vielsagenden Blick auf

seinen Begleiter, welcher dem Gespräch der beiden Männer mit gesenktem Kopf gefolgt war. Der Detektiv würde in diesem Fall also wieder einmal mehr auf den medizinisch fachlich versierten Rat seines vielgeschätzten Freundes und Kollegen Doktor Watson angewiesen sein. »Wer hat sie gefunden, Inspektor?«, fragte der Kriminalist wie nebenbei. »Eine andere Prostituierte, die gerade auf dem Heimweg war, eine gewisse Emily Little, vor etwa eineinhalb Stunden. Sie wartet jetzt völlig verstört in meiner Polizei-Droschke, denn ich wollte ihr einen noch längeren Anblick jenes grässlich verstümmelten Opfers ersparen.« »Schon gut, Lestrade, ich muss die Dame

danach dann noch einmal kurz sprechen.«

Der Inspektor hob in einer kurzen Geste der Akzeptanz die Hand, welche zugleich aber auch in Richtung des grausigen Geschehens deuten sollte. Unterdessen hatten die drei Männer den spärlich beleuchteten Innenhof erreicht und Lestrade steuerte geradewegs auf den linken Hauseingang zu. Vor der schmalen Holztreppe des seitlichen Hauszugangs hatte man einen Polizisten postiert. Demonstrativ schaute der großgewachsene, aber dennoch sichtlich erblasste Mann weg, als Sherlock Holms ihm mit einer Falte auf der Stirn erst auf dessen Uniform und ihm danach ins Gesicht blickte. »Tut mir leid, Sir, es ist mir peinlich, aber ich hatte mich gleich zu Anfang schon übergeben

müssen, deswegen auch die Flecke auf meiner Uniform. Aber so etwas, wie das da, das sieht man schließlich auch nicht alle Tage, noch zumal ich das arme Mädel aus dem Bezirk kannte, Sir.«, sagte er mit einem schnellen Seitenblick auf das neben ihm am Boden liegende abgedeckte Opfer. Holmes nickte erneut und tippte ihn dann aber in einer beruhigenden Geste an die Schulter. Über die Leiche der jungen Frau hatte man eine graue, derbleinene Persennig gelegt, die nun von zwei Scotland Yard Beamten wieder angehoben wurde. Dr. Watson starrte einen Augenblick lang beinahe regungslos und ziemlich ungläubig auf das Mordopfer. In diesem Moment flammte neben ihm urplötzlich ein grell-weißes Magnesiumlicht auf.

Der alte Photograph, ein bereits pensionierter ehemaliger Stadtpolizist, machte noch ein paar weitere Aufnahmen von der Toten. Schließlich hockte sich Dr. Watson unmittelbar neben dem Leichnam auf den Boden, der durch den langen Nieselregen von dem vielen weggeschwemmten Blut des Mordopfers nur so troff. »Großer Gott, Holms, wer macht denn so etwas?« Offensichtlich war der alte Militärarzt richtiggehend schockiert von dem, was er aus seiner Nahperspektive gesehen hatte. Nun endlich warf auch Sherlock Holmes einen Blick auf den Leichnam der jungen Frau. Augenblicklich unterdrückte er jedoch einen spontan aufsteigenden Würgereflex beim Anblick des noch so jungen, aber dennoch

fürchterlich zugerichteten Mordopfers.

Wie mit einem scharf geschliffenen Skalpell hatte man die Kleidung der Frau in einem Schnitt von oben nach unten aufgeschlitzt und sie damit gänzlich nackt aus ihren Kleidern, wie aus einem Kokon herausgeschält. »Sie ist hier im Innenhof des Hauses ermordet worden und sie hat praktisch kein Geschlecht mehr. Selbst die Haut an beiden Brüsten würde ihr komplett abgezogen, sogar ziemlich fachmännisch, wenn man das überhaupt so nennen darf.«, fuhr Dr. Watson angewidert fort. »Es sieht beinahe aus wie ein Fetischmord, aber damit kann doch niemand etwas anfangen, denn das Hautgewebe zerfällt doch relativ rasch, selbst wenn der Täter es sogleich in Alkohol eingelegt

hätte…«, murmelte er kopfschüttelnd. »Nicht, wenn man es in einer vier bis acht prozentigen Formalin-Lösung konserviert, mein lieber Watson.«, ergänzte der Detektiv, der sich inzwischen wieder etwas gefasst hatte. »Sie haben natürlich recht, Holmes, an Formaldehyd hatte ich im Moment gar nicht gedacht…«, korrigierte sich der Mediziner. »Wann ist denn der Tod eigetreten, Doktor?« Der Arzt schloss indes dem Opfer mit zwei Fingern die Lider an dessen noch immer offenstehenden Augen. »Ich denke, angesichts der Temperatur und der jetzt gerade erst einsetzenden Totenstarre nach zu urteilen, vor etwa drei Stunden.« Sherlock Holmes zog eine kostbare silberne

Taschenuhr aus dem Revers und ließ den edel verzierten Klappdeckel aufspringen. »Also etwa gegen Mitternacht.«, konstatierte der Detektiv sinnierend. »Lestrade, gibt es eventuell Zeugen, die etwas gesehen, oder gehört haben könnten?« »Nicht, dass ich wüsste Holmes, es war bereits finster, es hatte fast ununterbrochen genieselt und es war zudem auch noch ziemlich neblig. Bei einem solchen Wetter ist wohl keiner mehr lange auf der Straße. Meine Männer haben bei den Anwohnern bereits Erkundigungen eingezogen, aber niemand will irgendetwas gesehen, oder gehört haben. Das Übliche eben, Holmes, da kann man nichts machen. Außerdem wer will denn schon gern seinen Hals riskieren, wenn er für eine tote

Prostituierte aussagen soll, die womöglich eines nichtnatürlichen Todes gestorben ist.« Der Detektiv nickte verstehend, »Das Übliche eben, dann muss ich jetzt erst einmal mit dieser… Emily...«, er schnipste mit den Fingern, »…Little«…, ergänzte der Inspektor trocken. Holmes nickte abermals, »...richtig, mit dieser Emily Little reden. Sie können übrigens die Leiche dieser armen Frau jetzt in die Morgue schaffen lassen. Doktor Webster soll sie sich aber noch einmal etwas genauer anschauen. Ich werde ihn dann morgen Vormittag mit Watson zusammen einen Besuch abstatten. Vielleicht findet Webster ja doch noch etwas eminent Wichtiges heraus, was wir hier vor Ort bei

diesem Wetter womöglich übersehen haben könnten.« »Verlassen Sie sich darauf, Holmes, ich werde umgehend alles in die Wege leiten. Ich bin selber viel zu sehr daran interessiert zu erfahren, was das für ein widerliches Scheusal ist, der so etwas Barbarisches überhaupt fertigbringt. Und ich will diesen Dreckskerl am Galgen baumeln sehen, Holmes, das ist mein fester Wille.«, knurrte der Inspektor wütend. Sherlock Holmes nickte zuversichtlich, »Wir kriegen ihn, Lestrade, dieser Fall ist so ungewöhnlich, wie pervers. Ihnen mein Wort darauf.« Dann wandte er sich um und stieg zu der wartenden Prostituierten in die Polizeikutsche.

***

Fortsetzung folgt...









Impressum Cover: selfARTwork Covermotiv: unknown Artist Text: Bleistift © by Louis 2017/10 Update: 2018/9

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Über den Autor

Bleistift
Mit Vorliebe schreibe ich Drabbles, Krimis und Kurzgeschichten...
Ich liebe diese fabelhaft pointierten Miniatur-Geschichtchen.
Zur Abwechslung schreibe ich auch gern mal eine erotische Geschichte...
Ansonsten hoffe ich auf viele geneigte Leser und freue mich über jeden ehrlich gemeinten Kommentar.
Zwei Städte sind mir neben Berlin besonders wichtig:
Paris und Venedig...

09.Mai 2015
Ich habe heute erfahren, dass Silvi Bredau am Samstag, dem 25. April 2015 verstorben ist.
Ich schäme mich meiner Tränen nicht...
Louis

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Elisa_Tork Vilen Dank für diesen Teil!
Das hat mir gefallen und auch so viele neue Wörter für mich, zu lernen :D
Dein Wortschatz macht diese Geschichte interessant.
Wie ich verstanden habe, schreibst Du eine Geschichte mit den alten Sherlock. Das ist genug schwer, nch meiner Meinung, einen gewissenen Stil einzuhalten. Morgen werde ich unbedingt alles von diesem Thriller lesen!

LG
Elisa
Vergangenes Jahr - Antworten
mukk da ich ein Krimi-Fan bin, bei Büchern und im Fernsehen, will ich mir nun auch hier einmal einen Krimi zu Gemüte führen .... und bin sehr überrascht. Spannend und bildlich gut nachvollziehbar geschrieben.
Mit herzlichem Gruß
Mukk
Vor langer Zeit - Antworten
KaraList Jack the Ripper in "Bleistift-Version" :-) Gelungen! Die Geschichte spannend, der Schreibstil flüssig ... so etwas lese ich gern, also bleibe ich dran.
LG
Kara
Vor langer Zeit - Antworten
Feedre Klasse Louis..., ein echter Bleistift-Thriller
bei der Vorstellung der Elm Street gruselt
mich ein bisschen, hab vor langer Zeit den
Engel vom westlichen Fenster gemalt...:-)))
Werde dranbleiben lieber Louis...einen lieben Gruß
Feedre
Vor langer Zeit - Antworten
baesta Oh, lieber Louis, bist Du jetzt in die Fußstapfen von Sir Conan Doyle getreten? Liest sich schon mal spannend, obwohl ich eigentlich kein begeisteter Krimifan mehr bin, da ich immer vermute, dass sich verquere Gemüter davon inspirieren lassen und in die Tat umsetzen.
Aber nun habe ich einmal angefangen zu lesen und warte schon auf die weiteren Folgen.
LG Bärbel
Vor langer Zeit - Antworten
Newcomer Okay, lieber Louis, alleine der Titel schon, erzeugt eine gewisse Erwartungshaltung. Doch du wirst ihr gerecht und zeichnest eine feine Geschichte, die sicherlich noch die eine oder andere Überraschung zu bieten hat. Ich bin gespannt, wie es weiter geht!
Liebe Grüße von Marko
Vor langer Zeit - Antworten
Elizabeth Ich bleibe dabei ;-)
lg
Lisa
Vor langer Zeit - Antworten
Memory 
Das wird ganz sicher wieder ein typischer "Bleistift". Inzwischen würde ich fast behaupten, deine Texte mit ihrer ganz eigenen Schreibart auch ohne Autorennamen zu erkennen.
Mal sehen, ob ich dabei bleibe, Krimis sind ja nicht so mein "Ding".
Lieben Gruß ins Wochenende
Sabine
Vor langer Zeit - Antworten
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