Biografien & Erinnerungen
Auf dem Meer

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"Auf dem Meer "
Veröffentlicht am 10. April 2017, 24 Seiten
Kategorie Biografien & Erinnerungen
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Über den Autor:

Meine Leidenschaft ist das Lesen, oft kann ich nicht aufhören zu lesen bis das Buch zu Ende ist, bis tief in der Nacht. Und morgens komm ich nicht aus dem Bett ;)) schon immer spielen Bücher eine große Rolle in meinem Leben. Kleinen Geschichten habe ich immer schon geschrieben, die heute gut verwahrt in einer Schublade liegen. Manchmal nehme ich sie wieder raus, und schreibe aus ihnen eine neue Geschichte? Leider bin ich die einzige in meiner ...
Auf dem Meer

Auf dem Meer

Es ist jetzt vielleicht 15 Jahre her. Eine Gruppe Leute brachen mit  einem 12.50 langen 2 Mastboot, einer Ketsch auf, den Kanal von England kommend, zu überqueren. An Bord waren 4 Männer 2 Frauen und 2 Kinder. Wir brachen im Hafen von Felixstowe, etwas nördlich der Themsemündung auf.
Es was ziemlich kalt am 3. April und so hatten wir alle dicke und wärmende Klamotten an.
Die Leute, die an Deck die Wache hatten, zogen sich noch zusätzlich Ölzeug an.

Und die Frauen trugen zusätzlich ein Baumwoll-unterrock.

Der Bug tauchte ziemlich tief ein, sodass

die Gischt über das gesamte Boot ging.
Die Temperatur war 2 - 4°C. Das Wasser war durch den Golfstrom etwas wärmer.
Nun wir verließen den Hafen und nahmen Kurs auf die offene See. Zunächst liefen wir Kurs Südost. Wir wollten möglichst schnell weg vom Land in das tiefere Wasser. Alle 2Std. War die Ruderwache neu zu besetzen. Während der ersten Stunden blieb es trocken, d. h. kein Wasser von oben, nur das von vorne, die überlaufende Gischt.
Das Leben könnte so einfach sein. Aber nein, der Wind drehte von fast West über Süd nach Südost.


Für uns heißt das, wir

müssen kreuzen, denn ein Segelboot kann unter Segel nicht gegen den Wind fahren.
Die Strecke, die wir zu bewältigen hatten, wird nun um einiges länger. Hinzu kommt, dass das Seegebiet des Ärmelkanals von uns zu kreuzen ist.
Antwerpen, Rotterdam, Emden, Bremerhaven und Hamburg nur mal die größten Häfen benannt, schicken ihre Schiffe durch dieses Nadelöhr zwischen Großbritannien und dem europäischen Festland.





Im Normalfall hat ein Segelboot ein

gewisses Vorfahrrecht, nur hier bei der Berufsschifffahrt, gilt das nicht.
Ein beladener Tanker, wenn er das Boot überhaupt sehen kann, würde ca. 15 km brauchen um anzuhalten.
Darum sind bei solchen Reisen Radar-reflektoren unerlässlich so hätte zumindest ein aufmerksamer Radargast die Möglichkeit, diese kleine Nussschale zu sehen.
Ein leeres Tankschiff hat eine glatte Schiffswand so hoch wie ein 6 Sechsstöckiges Haus, was ein ganz schön großen Schatten warf. Ziemlich unheimlich.



Hinzu kommt es das es ziemlich diffus ist, eine äußerst schwache Beleuchtung der Schiffe. Am Bug eines Schiffes ist das sogenannte Fahrlicht. Ein weißes Licht. An der Steuerbordseite (Rechts in Fahrtrichtung)
ist ein grünes Licht und an der Backbordseite (links in Fahrtrichtung) ein rotes.Diese sind aber nur in gewissen Winkeln vom Schiff zu sehen. So hat ein Steuermann die Möglichkeit die Lage des Schiffes zu erkennen. Lage des Schiffes meint, den momentanen Kurs des Fahrzeugzubestimmen.


Achtern (hinten) ist nur ein weißes Licht sichtbar.

Die beiden Lichter am Bug und am Heck sind ja beide weiß. Wie erkennt man wohin das Schiff fährt? Nun sieht man nur ein weißes Licht, dann läuft das Schiff ab, es ist vor einem und fährt weg. Wäre es anders herum, würde ja zu dem weißen Licht das Rote, das Grüne oder evtl. beide Lichter zu sehen sein.
Dies zu wissen, ist sehr hilfreich, da man auf hoher See ja nicht mal eben rechts ran fahren kann und das Tageslicht abzuwarten. Man muss eben durchfahren und auch die eigene Beleuchtung des Bootes immer kontrollieren denn nichts ist schlimmer als wenn deine Sicht

getrübt ist, und nicht gesehen oder gehört zu werden.Das Hören wird nämlich dann wichtig wenn umsichtiges Wetter ist, so sagen Seeleute zu Nebel.
Dann muss in Abständen das Nebelhorn geblasen werden. Nun, das war ein kleiner Abstecher in die nautischen Regeln. Bedingt durch die Windrichtungsänderung hatten wir etliche Seemeilen mehr zu fahren.
Inzwischen näherten wir uns aber der Seefahrtstraßen zuerst kam der Ost-West-Verkehr, d. h. die Schiffe die von der Nordsee in den Atlantik fahrenwollen.
Dann nach einigen Seemeilen kommt der Gegenverkehr vom Atlantik zu Nordsee. Diese für uns Kleine gefährliche Zone

erreichten wir im Morgengrauen. Die Sicht war nicht sehr gut, sodass mehr Leute an Deck benötigt wurden die Ausschau hielten. Radar hatten wir leider keins an Bord. Also waren wir auf unsere Augen und Ohren angewiesen. Es hatte die ganze Nacht geregnet und auch der Vormittag sollte noch nass sein. Wir hatten uns durch die Seestraße gekämpft und waren froh, als wir dann außerhalb waren und die Riesen-Schiffe, sowie auch eine Yacht, weiter von uns entfernt vorbeiliefen.

Unser Zielhafen Amsterdam war nicht mehr sehr weit entfernt. Der Wind ließ etwas nach aber wir hatten nach wie vor eine ziemliche Wellenhöhe.


Das Wasser war also noch sehr aufgepeitscht.So kamen wir in die Bucht von Ijmuiden, dort ist die Einfahrt zum Amsterdam-Kanal. Dieser darf nicht unter Segeln befahren werden.So mussten wir die komplette Besegelung bergen.
Der Motor lief wie ein Kätzchen und so begaben sich mein Freund und ich Richtung Bug um die Genua zu bergen. Dies ist ein ca. 70 m² großes Segel.
Unsere beiden Kinder standen im Heckkorb und hatten das gesamte Deck im Blick. Plötzlich hörten wir eine helle Kinderstimme: Mann über Bord. Wir schauten nach hinten und sahen wie beide in eine Richtung zeigten.

Tatsächlich, der Skipper der Eigner des Schiffes war über Bord gegangen. Er hatte den Großbaum in den Nacken bekommen und ist ohnmächtig ins Wasser gefallen.
Es war kein Rettungsmittel an Bord.

Wir mussten, da ja noch fast alle Segel standen eine Q-Wende fahren um ihn wieder längsseits zubekommen.
Von Deck aus war er aber nicht zu erreichen. Es musste also einer in den Bach springen und ihn holen. Dieser den es traf war ich. Die Wassertemperatur war 4 oder 5 °C und ich bin mit allem was ich anhatte in Wasser gesprungen. Es herrschte dort eine ziemliche Strömung sodass ich erst noch eine

Strecke schwimmen musste um ihn zu erreichen. Er trieb mit dem Gesicht nach unten auf dem Wasser da in seinen Kleidern noch soviel Luft war die ihn am Sinken hinderte.
Ich drehte ihn um und sah, dass er erbrochen hatte.

Das war wohl die Polenta die er zu Mittag aß. Der arme Kerl.

Am Hals fühlte ich seinen Puls nichts mehr! Mit den Händen säuberte ich seinen Mund und Rachen vom Erbrochenem und versuchte eine Mund-zu-Mund-Beatmung.
In der Zwischenzeit hat man uns mit der Sicherungsleine in Richtung Boot gezogen. Aber bei mir setzte die

Unterkühlung ein, ich konnte ihn nicht mehr festhalten. Fingerspitzen, Hände, Arme  und Beine konnte ich nicht mehr bewegen. Kreislauf und Kopf waren noch intakt. Ein Frachter hatte beigedreht und ließ ein Boot zu Wasser und von der anderen Seite kam ein kleines Motorboot auf uns zu gefahren.
Mir schwanden die Sinne und ich hatte das Gefühl, in einem Miniflugzeug  zu sitzen und sah das ganze Drama dort unten. Ich habe mich am Heck unseres Bootes hängen sehen und auch, wie das Rettungsboot des Frachters den Toten geborgen hat. Er trug nur noch eine Socke.


Für mich war die Fahrt auf dem Segelboot zu Ende. Das Motorboot hat mich übernommen und an Land gebracht. Dort wurde ich von der Polizei ins Krankenhaus von Ijmuiden gebracht.
Als ich eingeliefert wurde hatte ich eine Körpertemperatur vom 27,6 °C. Das war auch der Grund, warum ich diese Halluzinationen hatte.  Ich war also oben bei Petrus am Himmelstor aber der wollte mich noch nicht. Dort am Himmeltor, sah ich wie Jesus in der Mitte von einer riesigen Herde dicker Kapaun stand, die alle gut genährt waren. Sie pickten immer und immer wieder , nach was essbares am Boden.


Nach ca. 3 Std. hatte ich meine normale Körpertemperatur von 36,8 °C wieder erreicht und wurde von der Polizei wieder abgeholt um meine Aussage zu machen. Ein Erscheinen vor dem Seegericht in Amsterdam war durch meine Aussage nicht erforderlich!
Ihr seht, eine Seefahrt die ist lustig aber auch manchmal etwas anders als geplant.








Zum Nachwort:

Noch heute bin ich Fan von Schiffsreisen, auch mein Streben ist nach solchen Abenteuer, ob negativ; oder positive Erfahrung bis heute erhalten geblieben.

Ich schau mir nach wie vor die großen Yachten, und Schiffe an, die am Hafen ankern. Die dort so wunderbar in den Wellen, Schwingen, und Schaukeln.
Es vergeht wohl kein Tag, wo ich hier nicht aufzufinden bin. Eine Faszination, die mich nicht los lässt. Für jeden Menschen, ist das Streben nach Glück etwas anderes.
Und für mich ist es das Meer, die ungezügelte kraft, die man nicht

kontrollieren kann.
Heute lebe ich nicht weit weg eines Sees. Sehr abgelegen, und nur wirklich Freunde werden mich hier finden.

Am wunderbaren See am Herrass-Berg.


Herrliches Wetter herrschte gestern noch.
Und heute haben die Wassermassen mein kleines Haus, und Heim nicht verschont.
2 Tage lang, hab ich nicht geschlafen, Schlaflos, hing ich in einer Hängematte hoch oben in einem mehr als 700 Jahre alten Baum, bis ganz oben bin ich gestiegen, als letzte Rettung.
So schnell wie das Wasser kam, verschwand es auch wieder. Die Wälder

hier saugen die Menge an Wasser auf, wie ein Schwamm. Doch so schlimm habe ich es noch nie erlebt.
Als es überstanden war, erst seid einigen Stunden, hilft mir Johannes einer meiner Söhne beim Abpumpen, von den letzten größeren und kleineren Lachen, vom Boden meines Wohnzimmers.

Und ich werde wohl einige Möbel ausrangieren, und neu schreinern müssen. Aber das ist mir ziemlich egal. Ich werde mein Leben nicht ändern.
Und wahrscheinlich werde ich eines Tages, meine Leidenschaft mit ins Grab nehmen.....




Vorgegebene Wörter:

Schlaflos

Schatten
streben
diffus
Socke
Kapaun
Unterrock
Polenta
abpumpen
unheimlich
Fingerspitzen
getrübt
schwingen

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Über den Autor

PamolaGrey
Meine Leidenschaft ist das Lesen, oft kann ich nicht aufhören zu lesen bis das Buch zu Ende ist, bis tief in der Nacht. Und morgens komm ich nicht aus dem Bett ;))
schon immer spielen Bücher eine große Rolle in meinem Leben. Kleinen Geschichten habe ich immer schon geschrieben, die heute gut verwahrt in einer Schublade liegen. Manchmal nehme ich sie wieder raus, und schreibe aus ihnen eine neue Geschichte?
Leider bin ich die einzige in meiner Familie, die die Leidenschaft, Bücher? pflegt.
Bei Fragen: PN! Ich beiße nur selten xD

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PamolaGrey Vielen Dank Euch beiden, fürs Lesen, und kommentieren.
Danke noch mal ich habe mich sehr darüber gefreut.
lg Pam
Vor langer Zeit - Antworten
Lindenblatt 
Deine Biografie als Wettbewerbsbeitrag, habe ich durchgelesen und finde die ganze Geschichte interessant.
Man merkt, dass Du von dem Leben auf dem Meer etwas verstehst.
Nur kleine Flüchtigkeitsfehler haben sich eingeschlichen, aber die Vorgabewörter sind zum größten Teil sehr gut von Dir eingearbeitet worden.
Lieben Gruß
Linde
Vor langer Zeit - Antworten
schnief Eine wundervolle Erzählung!
Liebe Grüße Manuela
Vor langer Zeit - Antworten
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