Fantasy & Horror
Amelie

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"Japanische Dienstbarkeit"
Veröffentlicht am 21. Januar 2017, 18 Seiten
Kategorie Fantasy & Horror
http://www.mystorys.de

Über den Autor:

Ich versuche mit guten Geschichten zu unterhalten. Hoffentlich glückt es. Ich bin Jahrgang 1958, in München geboren. Seit meiner Kindheit schreibe ich, habe aber nie eine Profession daraus gemacht. Meine zarten Versuche mal eine meiner Geschichten bei einem Verlag zu veröffentlichen sind gescheitert. Hier gibt es eine Auswahl von Kurzgeschichten aller Art. Sie sind in ihrer Kürze dem Internet und e-pub Medium angepasst.
Japanische Dienstbarkeit

Amelie

Vorbemerkung

Die Robotik wird immer wichtiger.

Die Polizei fand Eintragungen auf dem PC-Tablett von Dr.Dr. Chiprobotschewitch, geborener Schlüter. Die übertragene Datei ließ sich zurück verfolgen.

Sie fanden es rätselhaft, ob des entdeckten Horrors.

Die Computerpuppe, die kraftlos auf einem Stuhl hockte, fanden aber alle attraktiv.

(neu eingestellt: 26.03.2019)


Copyright: G.v.Tetzeli

Cover: G.v.Tetzeli

Internet:

www.welpenweste.de

Amelie

Ich bin Wissenschaftler und notiere alles auf meinem Tablett.

Also:


Ich verbesserte gerade den Elektromotor. Nun war er noch leiser, kaum hörbar. „Strecke mal deinen Arm aus“, munterte ich auf. Sie beugte. Alles tadellos. Ich ließ zur Sicherheit noch einige Programme zur Qualitätsanalyse laufen, dann koppelte ich sie ab.

„Du kannst aufstehen.“

Sie folgte und sah mich an.

„Konnichiwa“, gab sie von sich und verbeugte sich artig.

Ihre Akkus waren frisch aufgeladen und ich

zwinkerte ihr zu.

„Genki desu ka?“

Ja, Amelie, mir geht es gut. Du weißt, dass wir heute einen großen Tag haben?“

„Hai!“ Natürlich ärgerte es mich, dass ich ihr diese japanische Note nicht abgewöhnen konnte. Bis jetzt jedenfalls nicht. Dafür verstand sie mein Deutsch tadellos. Ich fand es eben einfacher damals den Programmcode von den Japanern abgekauft zu haben, als ihn von Grund auf neu zu entwickeln. Ich hatte genügend damit zu tun ihn entsprechend meinen Bedürfnissen zu renormieren. Auch haperte es noch an den Aufgaben, die sie zu bewältigen hatte.

Aber ich will eben erst einmal an ihrer

Erscheinung tüfteln.

Amelie kann schon gut auf zwei Beinen gehen, tippeln, sogar hüpfen. Bei ihrer Lieblingsmusik tanzt sie sogar. Ich habe ihr das nicht beigebracht. Es muss einen emotionalen Hintergrund der künstlichen Intelligenz als Ursache haben. Als ich sie bat mir Kartoffelpuffer zu brutzeln, da endete es in einer Katastrophe. Sie presste mir den glühend heißen Fladen in die Hand und goss noch heißes Fett darauf. Es kostete mich drei Wochen Genesung, aber da hatte ich genügend Zeit über weitere Programm-Features und Gimmicks nachzudenken.

Ja, sie haben schon recht: Amelie ist mir ans

Herz gewachsen. Die zarte Stimme, die ich ausgesucht hatte, die gefiel mir immer wieder. Auch die geformten Latex-Brüste fand ich überaus gelungen.

Was ihr fehlte, das war eine anständige Haarpracht. Bis jetzt nur mit kurzem Haar, mit Gel und zurückgekämmt, das entsprach noch nicht ganz meinen Vorstellungen. Sie bräuchte einen Zopf. Haben die Geisha ja auch. Im Keller hatte ich mein Labor. Dort hatte ich mit Petrischalen begonnen. Wie gesagt, ich arbeitete fieberhaft daran, dass Amelie so natürlich wie möglich aussah. Das Gesicht war mir schon ganz gut gelungen. Natürlich einer Japanerin nachempfunden.

Aber die Haut, das war das Problem!

Für das Gesicht hatte ich tatsächlich sechs Probanden gebraucht, bis die Sache funktioniert hatte. Man benötigt nämlich ein ganz schön großes Stück Haut, damit man es in einer großen Schale weiter züchten kann. Die großen Apparaturen, die Geräte für Gentechnik und Brutöfen für die richtige Temperatur, das waren meine ersten Anschaffungen gewesen.

So gelang es mir wenigstens den Großteil von Amelie mit Haut zu belegen. Durch ein von mir entwickeltes Verfahren wurde die Haut durch einen Nano-Überzug, ein Filament, synthetisiert. Das sah um Längen besser aus, als reine Synthetik und war gegen Verfall geschützt. Zudem sparte man sich die Kosmetik Grundierung.

Nicht umsonst war ich durch Computerprogramme reich geworden. Ich hatte auch einen nicht unerheblichen Anteil an dem Computerspiel „Laura Croft“ beigetragen.

Na, dann kennen sie ja meine Vorlieben.

Amelie war gegen die simplen Computerspiele schon ein Quantensprung nach vorn. Ich sah auf die Uhr.

„Amelie, bitte ganz reizend sein!“ „Hai.“ Bald würde Herr Hayato Daichi eintreffen. Ich versprach mir nicht nur ein gutes Geschäft, sondern er verfügte über stämmige Beine. Viel Haut am Oberschenkel!

Seine japanische Samurai-schwarze

Haarpracht war natürlich das I-Tüpfelchen!

Selbstverständlich wollte ich mit Amelie angeben. So steckte ich sie in einen blumigen Kimono. Aber sind wir ehrlich, das war etwas unfair. Darunter waren noch viele Stellen an ihr ohne Haut. Ich kam mir da so vor, als ob jemand mit einer Kehrschaufel den Dreck unter den Teppich kehren würde. Das entsprach einfach nicht meiner Würde. In diesem Fall war es leider eine Notwendigkeit.

Daichi klingelte.

Er war allein.

Der Überwachungsmonitor hatte genug gezeigt. Ich betätigte den elektronischen Türöffner. Ich ergänzte durch die Sprechanlage. „Herr Daichi San, welch eine

Freude. Ich mute ihnen natürlich nicht zu sich durch einen Fingerabdruck zu identifizieren“. Daichi fuhr mit dem Lift hoch und ich öffnete. „Konban wa, Daichi San“, verneigte ich mich. „Konban wa, hisashiburi.“

Ja, ist lange her.“ Herr Hayato nahm am Esstisch Platz.

„Ein solch geheimes Treffen, von dem niemand etwas wissen sollte?“

Daichi’s Gesichtsausdruck war unergründlich.

Ich lächelte und schnippte.

„Ich stelle vor: Amelie!“

Sie eilte mit kurzen Tippelschritten herbei. „Doch keinen Veilchenstrauß zur Begrüßung! Das ist verkehrt. Bringe den Baumkuchen“, tadelte ich sie. Bei Japanern gibt man ein kleines Willkommens-Geschenk, das am

Besten aus den fernen Ländern kommen sollte. Nie verkehrt! Amelie verneigte sich wenigstens tief genug. Dann kam sie mit Baumkuchen in hübscher Verpackung zurück, plus dem Veilchenstrauß!

Herr Daichi lachte befreit und gleichzeitig ungläubig. Amelie zwinkerte zurückhaltend, entwich und erschien wieder, stellte ihm die Shoyu-Ramen Suppe vor ihn hin. „Aber Amelie! Immer von hinten servieren!“ Amelie nahm die Suppe wieder grazil auf und stellte sich hinter den Gast. Daichi applaudierte dezent.

„So etwas wunderbares, wie Amelie hätte ich nicht für möglich gehalten. Eine perfekte Roboterfrau. Ihre Fortschritte sind grandios.Unglaublich! Ich verneige mich vor

ihrem Können“ Er beugte sein Haupt und auch Ich verneigte mich tief. „arigatou gozaimasu.“ Vielen Dank!

"Kanojo wa mada manabanakereba naranai."

Sie muss halt noch lernen.

Amelie stand wie ein Butler hinter Daichi. Dann sagte ich:

Amelie, man serviert immer von links!“

Das war das Stichwort, der Programmauslöser. Nur diese Kombination konnte die Reaktion auslösen. Amelie umfasste den Hals von Daichi und drückte kontrolliert zu, bis der Kopf abfiel. Und das alles ohne, dass Herr Hayato Daichi auch nur einen Laut von sich gegeben hatte.

Roboter sind so schön ohne irgendwelche Emotionen belastet. Amelie war auch gleich mit einer Kehrschaufel zur Hand, um den Schädel zu entsorgen. Dann trug sie den Torso in den Keller. Während ich am Esstisch die Blutorgie wegwischte, dachte ich darüber nach, wie der Klammergriff neu zu programmieren war. Man müsste ab einem gewissen Umfang aufhören, dann nämlich wäre nur der Kehlkopf gebrochen und man würde nicht gezwungen sein sich um Blutlachen zu kümmern.Nun könnten sie einwenden, dass diese niedrige Arbeit Amelie machen könnte. Wenn es um vertuschen geht, da nehme ich das selber in die Hand.

Nachdem ich gründlich gereinigt hatte, stieg ich in den Keller hinunter, klopfte Amelie auf

den Arm und küsste sie. Auch da hatte ich offensichtlich noch eine Menge Programmierarbeit zu leisten. Sie war noch nicht so richtig Mundgerecht.

Jedenfalls konfigurierte ich noch den Laserschneider bei den Oberschenkeln von Herrn Daichi. Die präzise ausgeschnittenen Hautlappen waren wunderbares Material, sogar mit der richtigen, japanischen Farbgebung. Ein Koch mit einem Blautuna-Fischfilet hätte sich nicht mehr freuen können. Ich versorgte die Derma-Fladen gleich in der Lösung, damit sie wachsen konnten. Dann ging ich wieder hinauf und nahm selbst am Tisch Platz.

„Toll gemacht, Amelie!“

„Domo arigatou.“ Danke sehr.

Ursprünglich wollte ich das Erwürgen durch eine Fernsteuerung auslösen, aber das war mir zu primitiv. So war ich auf einen codierten Befehl ausgewichen. Noch dazu so unverfänglich. „Amelie, jetzt aber weg mit diesem japanischen Kram.“

Sie trug ab.

„Und das mit dem Zopf, das machen wir später", lächelte ich sie an. "Und zur Feier des Tages etwas Feines aus der Küche! Nichts Japanisches!

Bitte auftragen, Amelie.“

Amelie kam mit dem Teller. Meine Kartoffelpuffer und Apfelmus. „Hmm!“

Sie stand hinter mir.

Mein Tablett lag vor mir.

Ich tippe alles ein. Schließlich musste ich meine Erfolge dokumentieren.

Amelie nervte mich, als sie stümperhaft auftrug. Ich hatte schon geahnt, dass sie wieder etwas falsch machen würde. Amelie, man serviert immer von links!“......

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welpenweste
Ich versuche mit guten Geschichten zu unterhalten.
Hoffentlich glückt es.
Ich bin Jahrgang 1958, in München geboren.
Seit meiner Kindheit schreibe ich, habe aber nie eine Profession daraus gemacht. Meine zarten Versuche mal eine meiner Geschichten bei einem Verlag zu veröffentlichen sind gescheitert.

Hier gibt es eine Auswahl von Kurzgeschichten aller Art. Sie sind in ihrer Kürze dem Internet und e-pub Medium angepasst.

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Friedemann 
Eine äußerst makabre und schwarzhumorige Geschichte (ohne Humor, abgesehen vom letzten Satz).

Liebe Grüße,
Friedemann
Vor langer Zeit - Antworten
Bleistift 
"Amelie..."
Ungewöhnlich das ist, denn wer nur hat erzählen können mir
diese blutig, matschige Geschichte... ...grinst*
LG
Joda :-)
Vor langer Zeit - Antworten
welpenweste Ich erst Kaffee trinken, dann ich dir antworten, vielleicht können.
:-)
Vor langer Zeit - Antworten
Kornblume Pech gehabt.Eine gute, wenn auch makabere Geschichte.
Danke Günter sagt die Kornblume
Vor langer Zeit - Antworten
welpenweste Vielen Dank!
günter
Vor langer Zeit - Antworten
Willie Klasse- erste Sahne- ansonsten siehe Chrissie
lg
Sweder.
Vor langer Zeit - Antworten
CHM3663 Kurz, prägnant, gruselig - toll! Hier gibst Du Deinen Lesern herrlich Spielraum für ihre eigene Fantasie!
Und am meisten Angst macht einem dabei, dass man befürchtet, so oder ganz ähnlich könnte sich das Ganze sehr bald schon ereignen...
Oder ist es sogar schon passiert...?
Herzlichen Dank und liebe Grüße,
Chrissie
Vor langer Zeit - Antworten
welpenweste Es geht bereits in die Richtung!
Günter
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