Journalismus & Glosse
Hoch soll er leben - Challenge 15

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"Hoch soll er leben - Challenge 15"
Veröffentlicht am 04. Januar 2017, 10 Seiten
Kategorie Journalismus & Glosse
http://www.mystorys.de

Über den Autor:

100 Jahre möchte ich werden, mit einem Lächeln im Gesicht, klar bei Verstand, eigensinnig, nie den Mut verlieren. Lebe meine Träume, pflege meine Laster, denke positiv. Ich bin wie ich bin und manchmal anders.
Hoch soll er leben - Challenge 15

Hoch soll er leben - Challenge 15

Challenge 15

Thema: Stell Dir vor Du bist Galerist/IN und in Deiner Galerie stellt im Januar ein regional sehr bekannter Künstler/IN, auf Vermittlung des Landrates, seine Arbeiten aus. Zur Vernissage kommen erfahrungsgemäß nicht nur Hinz und Kunz sondern alle die Rang , Namen und Geld haben. Auch der Ministerpräsident des Landes und weitere Vertreter aus Politik, Kunst und Wissenschaft haben sich angekündigt. Die Bilder sollen horrende Summen erzielen. Einen Teil davon will der Künstler dem Land zur Förderung von Kunst und Kultur spenden. Normalerweise machst Du, als erfahrene

Galerist/In, solche Eröffnung mit links . Doch diesmal ist es anders. Die Bilder des Künstlers scheußlich und nur hingeluscht, sind überteuert und als Krönung des Ganzen, hat er Dich und Deine Galerie vor der Presse mit Worten wie "zu poplig ,zu klein, zu unprofessionell" runtergemacht und dich ständig im Vorfeld mit seinen Allüren genervt. Schreibt eine realistische Eröffnungsrede die mindestens 3 und max. 20 Textseiten nicht wesentlich unter - oder überschreiten sollte. Ich bin sehr, sehr neugierig wie jeder Einzelne von Euch diese Situation meistern wird Viel Spaß wünscht die Kornblume

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident, sehr geehrter Herr Landrat, sehr geehrte Frau Bürgermeisterin, meine sehr verehrten Damen und Herren, liebe Kunstfreunde, Kunst muss Möglichkeiten bekommen um wahrgenommen werden zu können. Deshalb freue ich mich, dass sie der Einladung des Landrates zu dieser Vernissage so zahlreich gefolgt sind. Ich darf ihnen heute den Künstler „Martin B“, der in den letzten Tagen und Wochen nicht nur durch seine Bilder bei Presse, Funk und Fernsehen überregional für einiges Aufsehen und für kostenlose Publicity gesorgt hat, persönlich vorstellen. Die meisten seiner hier gezeigten 150 Exponate

sind in den letzten 12 Monaten entstanden. Um dieses Pensum zu schaffen. hat er voller Besessenheit die Farben gemischt und mit dem Pinsel die Leinwände bearbeitet. Sie beeindrucken durch grelle Farbimpulse und künstlerisch surrealistische Eigenwelten. Der Zyklus seiner 12 „Schwarzen Bilder“ allerdings hier im unteren Bereich des Foyers wird einige von ihnen sicher überraschen. Nehmen sie sich deshalb besonders viel Zeit beim Betrachten und lassen sie ihrer Phantasie freien Lauf. Galerie mäßig waren und sind die Räumlichkeiten in diesem Haus, das wissen wir alle, nicht wirklich ideal. Doch die bisherigen gefundenen Möglichkeiten der Umsetzungen waren so stimmig, dass hier u.a. schon

Originalbilder von Wolfgang Mattheuer, Berhard Heisig , Ron Wood (Rolling Stones) und auch von Udo Lindenberg, gut in Szene gesetzt werden konnten. Die 1. Personalausstellung von „Martin B“ in dieser Größenordnung, war, wie sie hier zu sehen ist, so nicht geplant und deshalb von Anfang an eine räumliche, technische und finanzielle Herausforderung, die jedoch letztendlich durch Zugeständnisse gelöst werden konnte. In welcher Form, davon können sie sich bei ihrem Rundgang im Anschluss an meine Laudatio überzeugen. So hängen z.B. die Exponate in der 1. Etage und im Rondell an den vorhandenen weißen Wänden und nicht, wie ausdrücklich von "Martin B" erwünscht, an

farblich den Bilderzyklen angepassten. Auch auf den Druck von 5.000 Ausstellungskatalogen musste, aus Kostengründen, verzichtet werden. Alle Bilder haben, wie vom Künstler gewollt, keineTitel. So bleibt ihnen, meine Damen und Herren, genügend Freiraum für eigene Interpretationen. Kunst muss gefördert und finanziell unterstützt werden, damit sie überhaupt bestehen kann. Möglichst viele der Bilder sollen heute einen Käufer finden. Einen Teil des Verkauferlöses wird „Martin B“, wie aus der Einladung ersichtlich, zur Förderung von jungen Nachwuchskünstlern dem Land Sachsen Anhalt zur Verfügung stellen. Dafür gebührt ihm Dank und Applaus .

Nutzen sie, meine Damen und Herren die Gelegenheit mit „Martin B“ ins Gespräch zu kommen, sich zu informieren und Preise auszuhandeln. Ich danke schon jetzt jedem Kaufwilligen, der mit den Bildern öffentliche Räume oder die eigene Wohnung neu gestalten und verschönern will. So mancher große Künstler verdankt seinen Erfolg dem Zusammentreffen des richtigen Zeitpunktes, am richtigen Ort, mit Leuten, mit richtig vielem Geld. In diesem Sinne wünsche ich „Martin B“viel Phantasie, Spontanität, Kreativität, Gesundheit und eine große Portion Glück. Vielleicht gelingt ihm das Erklimmen der oberen Sprossen auf der

Erfolgsleiter und der Sprung über den großen Teich genauso schnell wie dem damals, Anfang der 90ziger noch völlig unbekannten und heute international erfolgreichen Lichtgrafiker Steffen Kluge, der seine ersten Arbeiten in dieser Galerie gezeigt hat. Ich freue mich sehr, dass er heute hier auch anwesend ist und erhebe mein Glas in der Hoffnung, das Kunst auch weiterhin nicht zum dekorativen Sahnehäubchen oder schmückendem Beiwerk verkommt, sondern neue künstlerische Wege und Perspektiven aufzeigt.


Im Raum nebenan haben wir für sie, meine Damen und Herren, zur Stärkung einen kleinen

Imbiss und Getränke vorbereitet.

Wir danken dafür unserem Sponsor,

dem Hotel "B", für diese nette lukullische Möglichkeit des zusätzlichen genießens.


"Martin B" wird nach dem Rundgang oben im großen Ausstellungsaal in der 3.Etage über seine Arbeiten sprechen, die Bilder signieren und den Verkauf selbst regeln.

Unterstützt wird er dabei musikalisch von dem Berliner Künstler Torsten Kaufmann auf dem Saxophon.



Text und Buchcover : Martina Wiemers

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Hörbuch

Über den Autor

Kornblume
100 Jahre möchte ich werden,
mit einem Lächeln im Gesicht,
klar bei Verstand,
eigensinnig,
nie den Mut verlieren.


Lebe meine Träume,
pflege meine Laster,
denke positiv.


Ich bin wie ich bin
und manchmal anders.

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abschuetze So schreibt man also eine Rede ohne sich ins Fettnäpfchen zu setzen. Sollte irgendwann mal jemand derartiges von mir fordern, klopfe ich bei dir an.

LG von Antje
Vor langer Zeit - Antworten
Wolkenstill Eines liebe Kornblume weiß ich nun noch viel sicherer nach dieser Challenge ...Galeristin werde ich nie! :-)

Die Aufgabe fiel schwer, bei allem habe ich auch noch die "Wichtigkeit" der teilnehmenden Politiker voll ausgeblendet. Vielleicht, weil ich sie eh nie ernst nehme.

Eine Aufgabe, deren Facetten sich in den Beiträgen wunderschön zeigen.

Deine Rede spricht für Dich als Galeristin!
Danke dafür
LG zu Dir
Vor langer Zeit - Antworten
Shehera Ich finde, du hast deine Aufgabe damals hervorragend gemeistert. Deine Rede klingt professionell und wer von den Gästen damals die Zeitung gelesen hat und zwischen den Zeilen liest, versteht auch deine kleinen Spitzfindigkeiten, die sich gegen den Künstler richten. Wer das "vorher" nicht kennt, wird es für eine ganz normale Lobesrede halten....sehr sehr clever gelöst!
Deine Rede ist von allen am realistischsten...kein Wunder! Würde ich meine Rede vor einem echten (politischen) Publikum halten müssen, wäre ich auch nicht so mutig, wie meine Galeristin es war. :)
Von daher...alles richtig gemacht!

Liebe Grüße
Shehera
Vor langer Zeit - Antworten
Kornblume Hallo Shehera,
die Vielfältigkeit der Umsetzung der Thematik hat mich überrascht und gefreut und all meine Erwartungen übertroffen.
"Ein Dankeschön an Dich und an alle die mitgemacht haben", sagt die Kornblume.
Vor langer Zeit - Antworten
derrainer hallo kornblume ,
ich habe schon einige gelesen und auch deine , beurteile ich wie jede andere das sie das recht auf platz 1 haben ,
glücklicherweise bin ich nicht die juri , es gebe bestimmt dann ein chaos ,

lieben gruß rainer
Vor langer Zeit - Antworten
Kornblume  Es geht nicht hier nicht um Platzierung sondern um die pfiffigste Umsetzung des vorgegebenen Themas und die Auseinandersetzung damit. Inhaltlich und literarisch..Jeder Teilnehmer liest und kommentiert. Konstruktive und sachliche Kritik ist ausschließlich erwünscht.
"Vielleicht hast Du Lust und machst beim nächsten Mal mit. Es würde mich freuen", sagt die Kornblume
Vor langer Zeit - Antworten
derrainer liebe kornblume,
ich habe alle ,,,,, fast alle gelesen, doch fällt mir eine konstruktive oder auch sachliche kritik nicht leicht.
denn jede geschichte ist eine für sich, wo in meinen augen jeder sein bestes gab, und ich denke, dass der jenige auch honoriert werden möchte, denn seine geschichte wird von einer jury beurteilt. und ich , bzw, für mich , hat jeder , den ich gelesen habe meiner meinung nach sein bestes gegeben, wobei meiner meinung nach kritik immer die meinung des kritikers wieder gegeben wird.
ich danke dir aber für die einladung , obwohl ich es ablehnen muß , ich überlasse dieses denen die es können,
danke dir lieben gruß rainer
Vor langer Zeit - Antworten
MerleSchreiber Du hast es sehr geschickt gemacht, liebe Kornblume. Ein Großteil Deiner Rede bezieht sich auf Organisatorisches im Vorfeld der Veranstaltung und auch an diesem Tag. Mit der Hervorhebung derer, die ihre Anfänge in der Galerie hatten und jetzt zu den "Großen" gehören, hast du eine ganz klare Abgrenzung zu dem, der eventuell noch etwas werden wird, gezogen. Das finde ich gut!
Dass ich es gerne noch ein bisschen deutlicher gehabt hätte, brauche ich wahrscheinlich hier nicht mehr betonen ;-)
Mit dieser sehr besonderen Aufgabenstellung, insbesondere den von Dir vorgegebenen Eckpunkten, ist es Dir gelungen, uns alle aus der Reserve zu locken. Die inhaltliche Spannbreite der Beiträge ist beachtlich, deutlich sichtbar die unterschiedlichen Temperamente, Einstellungen, Sichtweisen der Schreiber.
Und was das Schönste ist, die Kommentierung war noch nie so umfangreich, lebendig, kritisch.... Eine extrem gute Auseinandersetzung!
BRAVO und dafür einen Favo!
Liebe Grüße, Merle
Vor langer Zeit - Antworten
Kornblume Danke liebe Merle für Deinen Kommentar und die Auseinandersetzung mit dem Text. Ja,wie gern hätte ich Deine Worte verwendet(dazu als Kommentar zu deinem Text morgen noch mehr) doch fehlte mir der Mut dazu.
Mit dem Thema gehe ich schon einige Zeit schwanger. Wollte schon immer mal wissen wie andere solche Situation meistern würden, die zwar nicht die Welt bewegen und verändern aber doch ziemlichen persönlichen Stress verursachen können , der eigentlich nicht sein müßte.(Lies mal meine Antwort an Memory).

Meine Nachfolgerin und ich lesen alle Eure Beiträge und verfolgen gespannt das Kommentieren und Diskustieren.
Einen schönen 6.Januar (bei uns ist heute Feiertag) wünscht dir die Kornblume,die gleich einen Spaziergang dick eingemummelt durch den Wald machen wird.
Vor langer Zeit - Antworten
Frettschen Eine Rede ohne Tadel - eben wie aus dem echten Leben und keine erdachte Geschichte. Gekonnt die Worte gewählt, sage ich.
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