Humor & Satire
Ohne Bescherung

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"Es ist schwierig!"
Veröffentlicht am 19. Dezember 2016, 16 Seiten
Kategorie Humor & Satire
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Über den Autor:

Ich versuche mit guten Geschichten zu unterhalten. Hoffentlich glückt es. Ich bin Jahrgang 1958, in München geboren. Seit meiner Kindheit schreibe ich, habe aber nie eine Profession daraus gemacht. Meine zarten Versuche mal eine meiner Geschichten bei einem Verlag zu veröffentlichen sind gescheitert. Hier gibt es eine Auswahl von Kurzgeschichten aller Art. Sie sind in ihrer Kürze dem Internet und e-pub Medium angepasst.
Es ist schwierig!

Ohne Bescherung

Vorbemerkung

Jede Weihnacht läuft nicht reibungslos ab. Es gibt Probleme.


Nun ist die Geschichte überarbeitet und ich finde sie gefälliger und lustiger.

Gute Unterhaltung!


(natürlich wieder zur Weihnachtszeit eingestellt: 16.12.2020)


Copyright: G.v.Tetzeli

Cover: Monika Heisig


Ohne Bescherung

Ach ja, die Weihnachtszeit!


In unserer Konsumwelt ist es üblich, dass man dem Konsumterror ausgesetzt ist. Einkaufen, kein anderer Gedanke darf das Großhirn stören, allenfalls der Tsunami an Werbung, um das Richtige auszuwählen.

Die von Herzen erstandene Beute ist dann meist irgendetwas, das niemand wirklich gebrauchen kann. Das geht dann zurück. Nach den Feiertagen folgt die übliche Umtauschaktion. Diesem ganzen Stress wollten wir uns, meine Holde und ich, nicht mehr unterwerfen. So

haben wir uns gegenseitig ein Versprechen abgerungen. Diesmal schenken wir uns nichts zu Weihnachten. Nicht nur ich, auch sie war vernünftig. „Sieh mal“, sagte sie, „in den letzten fünf Jahren habe ich fünf Toaster von dir bekommen und fünf Garnituren Fondue. Das entspricht doch einfach nicht unserem geistigen Niveau.“ Im Nachhinein bin ich schon etwas traurig, dass mir bisher nichts Besseres eingefallen war. Eine Bügelstation wäre zum Beispiel eine Option gewesen. Da hätte sie gleich am Heiligen Abend das liebevolle Gerät an meinem Wäscheberg ausprobieren können. Auch eine elektrische Zahnbürste kam mir erst jetzt in den Sinn. Von den üblichen,

wohlgemeinten, etwas scherzhaften Ideen, wie ihr eine Packung „Einparkpillen“ zu kredenzen, halte ich hingegen nicht so viel. Es sei überhaupt dahin gestellt, ob sie wirken würden. „Richtig“, hörte ich mich sagen. „Wir schenken uns diesmal nichts! Gar nichts! In den letzten fünf Jahren bekam ich von dir 50 Paar Socken, fünfundzwanzig Krawatten und als Besonderheit einen Rasenmäher für den Fließen-Balkon.“

Also wurde das Versprechen hoch und heilig besiegelt. Aber sie wissen ja, wie Frauen sind. Verlass dich auf sie und...

Na,ja.

Nicht umsonst ist Qualitätssicherung in aller Munde. Ich legte mich also auf die Lauer. Würde sie unsere Abmachung durchbrechen? Sie kam mit einem Paket nach Hause. Wusste ich es doch! Ich preschte aus der Deckung. „Ha“, rief ich, "habe ich Dich!“ „Von wegen“, sprach sie entrüstet. „Du weißt doch, wie Tante Lucy ist. Sie braucht doch jede Weihnachten ihren elektrischen Damenrasierer.“ Ich war richtig geknickt vor so viel Misstrauen und entschuldigte mich vielmals bei Ihr. Wie konnte ich nur so an ihr zweifeln? Fast hilflos versuchte ich meinen Fehltritt mit Küssen und Streicheleinheiten wieder gut zu machen. Sie blieb vorerst auf Distanz. Ich

hatte sie in ihrer Ehre gekränkt.

Jedenfalls, Tante Lucys Weihnachtsüberraschung erinnerte mich an meine Verpflichtungen. Ich musste im Kaufhaus stöbern, um Onkel Alfred zu versorgen, wie jede Weihnachten. Jedes Jahr weinte der Onkel vor Freude, dass er seine Bohrmaschinen Sammlung erweitern konnte. „Gab es denn inzwischen eine Neuerung hinsichtlich der Bohrmaschinen seit dem letzten Jahr? Sensor oder so? Programmierbar, Laser genau“, erkundigte ich mich fachmännisch bei dem Bohrmaschinenhändler meines Vertrauens. Die Schwierigkeit bestand nur darin Innovationen der Geräte mit meinem Geldbeutel zu vereinbaren. So verzichtete ich

bei der Bohrmaschine auf die Steuerung über eine App des Smartphones.

Aber da ich schon mal im Kaufhaus war, erkundigte ich mich nach den neuesten Toaster Modellen. In Mahagoni mit LCD-Anzeige wäre nicht schlecht und der Verkäufer betonte auch, dass man über WLAN die Sache fernsteuern könne, samt Diebstahlsicherung und GPS Verfolgung. Mir tropfte der Zahn, aber ich hatte ja versprochen, dass.. Man wird sich doch wohl noch erkundigen dürfen, um auf dem Laufenden bleiben!

Trotz meiner auferlegten Zurückhaltung kam ich ziemlich bepackt zu Hause an. Als ich mich durch die Haustüre zwängte, hatte sich meine bessere Hälfte hinter der

Garderobe versteckt. Jetzt schnellte sie aus ihrer Deckung hervor. Glimmende Augen! Sie entriss mir die ganze Paketladung. „Du setzt unsere Liebe aufs Spiel. Vertrauen ist alles und du?“ Sie riss voller Wut die Päckchen auf. Sie fand für Enkelin Gabi, propere drei Jahre alt, eine Tröte, sogar mit Verstärkerchip, für Tante Mathilda eine Anti-Aging Creme gegen Falten, für Onkel Alfred eine Bohrmaschine mit Fernsteuerung und für Enkel Karli einen Satz Laser-Malfarbe für seine Zimmerwände. Auch das letzte Paket durchwühlte sie und brach dabei einen Propeller der Drohne ab, die für Opa gedacht war, der sich immer langweilte, wenn er nichts anstellen konnte. Schluchzend fiel mir meine Holde in die Arme.

„Wie konnte ich nur so an Dir zweifeln!“ Tränen rannen und ich tätschelte.


Nach einer Nacht, in der ich nicht einschlafen konnte, grübelte ich. Was wäre, wenn sie mir doch etwas schenken würde? Wie würde ich dann dastehen? Man würde mir nachsagen, dass ich lieblos sei, ein emotionsloser Grobian. Es würde auch nicht helfen, wenn meine Holde trösten würde. "Ich weiß, wir wollten uns nichts schenken, aber ich wollte dir doch eine Freude machen. Und es ist ja nur eine Kleinigkeit."

Das ist dann nur noch eine Umschreibung, dass ich nicht einmal daran denken würde ihr eine Freude machen zu wollen. Ich stünde wie ein Depp da.

Sie mochte Schuhe, wie natürlich jede Frau und beim nächsten Freigang enttäuschte mich das Schuhgeschäft. Sie müssten schon wissen, um welche Schuhgröße es handeln würde, vor allem bei Schlangenleder und neun Zentimeter Absatz. Ich kannte ihre Füße ganz gut und maß nach meinen Lippen Abständen. Wie viele Küsse passten nebeneinander von der Zehe bis zur Ferse? Ich hatte leider nie mitgezählt und außerdem: Um welche Größe würde es sich dann handeln?

Das Schicksal wollte anscheinend nicht, dass ich gegen mein Versprechen verstieß.

Zu Weihnachten lag dann tatsächlich unter dem Weihnachtsbaum nur ein einziges Geschenk. Die anderen zwanzig der buckligen

Verwandtschaft lagen schon separat im Flur, damit wir sie gegen Gutscheine eintauschen konnten.

"Für dich", hauchte sie mit glänzenden Augen. "Wir wollten doch nicht.." "Ich weiß, es ist ja praktisch nichts."

Mit roten Ohren machte ich mich über die Verpackung her. Ja, ich gebe es zu, ich freute mich und war gespannt.

Eine neue Tastatur erschien aus den vielen Verpackungsschalen.. „Sie ist leiser und extra für Vielschreiber. Es war ja nur notwendig, mehr nicht! Also eigentlich gar kein Geschenk in dem Sinne“ Ich freute mich, wie schon seit meiner Kindheit nicht mehr! Vor lauter Freude vergaß ich ihr böse zu sein. Schließlich hatte sie doch unser

Versprechen unterlaufen. Andererseits: Diese Tastatur wollte ich schon immer haben. Und überhaupt, es ist ja eine sinnvolle Anschaffung. Eine, die sowieso fällig gewesen wäre.

Plötzlich lief sie schluchzend in die Küche. „Was hast du denn?“

„Das ganze Jahr sorge ich für Dich, räume Dir hinterher! Ich bügle, koche und wechsle die Tischdecken, die du immer bekleckerst. Und nun? Du strafst mich mit Nichtachtung! Wie mich das kränkt“, weinte sie. "Ich bin dir einfach gar nichts wert." Wie oft gibt es in deutschen Familien Krach zu Weihnachten? Mehr, als man denkt. Von

wegen friedliches Fest. Sie schniefte, wischte an ihrer Schürze und meinte beleidigt. "Ich bin dann mal in der Küche, wie üblich arbeiten."

Da zog ich ein Schächtelchen aus der Hosentasche. Es war ein Ring mit einem kleinen Feueropal! Sie schrie vor Begeisterung! Ich hatte beim Händler den Trick angewandt bei der Ringgröße meinen kleinen Finger zur Verfügung zu stellen. Der entsprach nämlich ihrem Ringfinger. Ich wollte sie ja auch um den Finger wickeln. Frohe Weihnacht!

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Über den Autor

welpenweste
Ich versuche mit guten Geschichten zu unterhalten.
Hoffentlich glückt es.
Ich bin Jahrgang 1958, in München geboren.
Seit meiner Kindheit schreibe ich, habe aber nie eine Profession daraus gemacht. Meine zarten Versuche mal eine meiner Geschichten bei einem Verlag zu veröffentlichen sind gescheitert.

Hier gibt es eine Auswahl von Kurzgeschichten aller Art. Sie sind in ihrer Kürze dem Internet und e-pub Medium angepasst.

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Friedemann 
Hallo Günter,
Deine amüsante und lehrreiche Weihnachtsgeschichte hat mich dahingehend inspiriert, dass ich diesmal nach der Bescherung mit meiner Holden vereinbaren möchte, zukünftig auf die gegenseitige Beschenkung zu verzichten, um uns (d.h. mir) den ganzen Stress zu ersparen. Mir fällt nämlich meist nichts ein, was ich ihr schenken könnte und muss es daher dem Zufall überlassen, was mir letztendlich doch noch einfällt.

Liebe Grüße und herzlichen Dank fürs Lesevergnügen und Deinen Wink mit dem Zaunpfahl,
Friedemann
Vergangenes Jahr - Antworten
welpenweste Super, dass es gefallen hat!
Günter
Vergangenes Jahr - Antworten
Gast Ja so etwas ist nicht selten und auch keine Ausnahme wenn man sich zusichert an Weihnachten sich gegenseitig nichts zu schenken ist es schon bei vielen Ehen oder Beziehungen schief gelaufen an diesem sogenannten Heiligen Abend und wer auf Nummer Sicher hegen will sollte es sich auch immer eine kleine Hintertür offen lassen wenn man sich dann doch eine "Kleinigkeit" schenkt als Ausdruck und persönlichen Wertschätzung dem Partner gegenüber denn irgendwie sind wir ja auch noch immer Kinder geblieben, was die Erwartungen nach Überraschungen immer bewahrt in der Seele.
Vielen Dank lieber Günter für diese sehr gut erzählte Story von dir, die mit Sicherheit viele Leser nicht nur begeistert sondern man sich für jeden Fall auf alles gut vorbereitet sein sollte. Auch dieses Werk sehr aus der Seele spricht und man es sich immer überlegen sollte um auf Weihnachtsgeschenke zu verzichten, wenn man sowieso etwas demnächst benötigt und somit nur etwas zeitlich vorgreift damit.
Liebe Grüße un bleibe bitte gesund von Fritz - Silberhaar - 16.12.2020
Vergangenes Jahr - Antworten
KaraList Dieses Versprechen "wir schenken uns dieses Jahr nichts zu Weihnachten" kenne ich. :-) Das Ergebnis ähnelt dem in Deiner Geschichte.
Schmunzelgrüße
Kara
Vor langer Zeit - Antworten
GertraudW 
Gerne nochmal schmunzelnd gelesen lieber Günter.
Bist Du heuer auch wieder so lieb?
Liebe Grüße
Gertraud
Vor langer Zeit - Antworten
Miranda Eine schöne Geschichte, gerne gelesen.

Liebe Grüße
sigrid
Vor langer Zeit - Antworten
Annabel Oh je, dann renne ich lieber doch los und kaufe für Schatzi etwas. Eine wundervolle Geschichte. Ganz lieben Dank dafür und eine schöne Adventszeit
Vor langer Zeit - Antworten
Desiray Mein Vater will auch jedes Jahr ohne Bescherung durchleben. ich selbst finde das doof. Nicht unbedingt weil ich so gerne (und das ist wirklich so) beschenkt werde. Sondern weil ich mich einfach tierisch freue, wenn sie andere über ihre Geschenke freuen. Sollte mein Freund mal mit so einer Idee ankommen. ABFAHRT!!! WEG DAMIT!!! NIX DA!!!
Wir haben auf jeden fall die Einigung, dass Haushaltsgeräte KEINE Geschenke sind. Alles was ein Kabel hat oder zum Haushalt gehört muss expliziet gewünscht werden, damit es als Geschenk durchgeht.
Gruß Desiree und Frohe Rest Weihnachten
Vor langer Zeit - Antworten
Loraine So herrlich menschlich und fein geschrieben. Ja - so kann es auch gehen. Danke. LG Loraine
Vor langer Zeit - Antworten
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