Kurzgeschichte
Das Erbe

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"(FB 55) Wie geht man damit um?"
Veröffentlicht am 26. Oktober 2016, 14 Seiten
Kategorie Kurzgeschichte
http://www.mystorys.de

Über den Autor:

Ich versuche mit guten Geschichten zu unterhalten. Hoffentlich glückt es. Ich bin Jahrgang 1958, in München geboren. Seit meiner Kindheit schreibe ich, habe aber nie eine Profession daraus gemacht. Meine zarten Versuche mal eine meiner Geschichten bei einem Verlag zu veröffentlichen sind gescheitert. Hier gibt es eine Auswahl von Kurzgeschichten aller Art. Sie sind in ihrer Kürze dem Internet und e-pub Medium angepasst.
(FB 55) Wie geht man damit um?

Das Erbe

Vorbemerkung

Die Geschichte hatte fünf Worte als Vorgabe.


Kaktus; Düsenjet; Strand; Regenmantel; Kindergarten.


Natürlich zollt diese Geschichte dem kommenden Halloween Respekt.

ebenfalls erfüllt sie die Vorgaben der FB 55. Kein Worrt beginnt mit A.




Copyright: G.v.Tetzeli

Cover: G.v.Tetzeli

Das Erbe

Die Trincomalee, ein Fischkutter, pflügte durch die kabbelige, irische See. An Bord waren die beiden Mechaniker Sean Walsh und Rion Kavanagh.

Sie würden den Leuchtturm über Flannan Island, genauer gesagt steil hinausragend über Eilean More, überprüfen und soweit nötig instand setzen.

Jede dreißig Jahre war eine solche Inspektion fällig. Die See war unruhig. Es regnete. Kalt war es. Die Gischt, die über den Bug spülte, war nicht gerade heimelig.

Zwischen den Zähnen schmauchte Kapitän Pomone seine Pfeife. „Müssen Obacht geben“, sagte er. „Über den Sgwaba Geodha

Mhor können wir nur kurz zwischenlanden. Sie haben nur zwei Stunden Zeit. Dann wird der Gezeitenstrom uns zurückziehen. Dann ist es Essig.“ Die Trincomalee konnte vor dem steinernen, schon ziemlich zerschlagenen Kai festmachen. Die beiden Mechaniker luden diverse Paletten herunter.

"Wie vor dreißig Jahren", paffte der Kapitän.


Die einzelnen Steigen mussten zu Fuß zum Leuchtturm hinauf getragen werden. Das geschah unter strömenden Regen, während Kapitän Pomone durch das beregnete Fenster seines Steuerhauses zusah. Schließlich waren die Beiden im Leuchtturm in Sicherheit. Beide entledigten sich der tropfnassen Regenmäntel. Dann mussten sie

die einzelnen Steigen hoch tragen. 99 Stufen hatte die sich eng windende Wendeltreppe mit durchbrochenem Eisen. Schließlich war es vollbracht.

„Scheiß Schufterei“, maulte Rion Kavanagh. „Ist halt Vorschrift, dass hier für vier Wochen Lebensmittel gelagert werden. Nur haltbares Zeugs. Dosen.“

Sein Kumpan Walsh blickte irritiert. „Für wen, frage ich mich. Dieses Stückchen Eiland ist doch sowieso unbewohnt.“

„Ich habe die Vorschriften nicht gemacht“, rechtfertigte sich Rion. „Ich schaue noch die Mechanik durch. Du kannst dich derweil um die Optik kümmern. Und vergiss nicht, wir haben nur noch eine Stunde Zeit.“

Sie hatten die zwei einfachen Stühle vereinnahmt. Sean inspizierte den Mahagonitisch genauer. Ein Gefäß beherbergte einen Kaktus. Er wirkte keineswegs ermüdet. Weiß der Himmel, wie er hier durchgehalten hatte. so ganz ohne Wasser! Davor befand sich ein großes Buch. „Guck mal, das Leuchtturm-Tagebuch.“ „Erst die Pflicht!“

Ron Kavanagh war unerbittlich. Die Beiden Mechaniker schmierten den Leuchtturm, bis er wieder in praktisch neuem Zustand funktionierte. Schließlich saßen sie wieder im Ruheraum und widmeten sich dem Tagebuch. Sean blätterte zurück. Letzte, vorhergehende Eintragung war von 1899, dritter Dezember.

Wir gehen zu dritt zum Strand. Das riesige Segelschiff war bestimmt vom Kurs weggeschert. Vielleicht sogar Grundberührung. Sind bald zurück. Durch den Nebel kann man nicht jede Einzelheit erkennen."

Dann war Schluss. Ende.

„Ein Segelschiff, hier? Das ist doch völlig daneben! Der Kahn kommt doch vom Tiefgang her schon gar nicht in solch eine Nähe.“ Rion Kavanagh blätterte vorwärts. "Der letzte hier war ein gewisser Mc Kinley. Guck mal! Ich lese vor. „Ulla, meine Sekretärin hat mir das notarielle Schreiben übergeben. Erbschaft! Mir würde ganz Eilean More gehören. Ganze 18 qKm.

Eine ganze Insel, das muss man sich mal vorstellen! Das hat mich so interessiert, dass ich sofort in einen Düsenjet gestiegen bin. Ich kann Ihnen gar nicht sagen, welche Vorfreude mich beseelte. Der Flieger brachte mich nach London. Von dort startete die nächste Maschine nach Ronaldsway bei Castletown. Wieder musste ich umsteigen. Diesmal war es kein Düsenjet mehr, sondern eine olle Propellermaschine, eine Dakota, so denke ich. Wir wurden ordentlich durchgeschüttelt. Ich hatte mich in einem billigen Hotel eingemietet. Direkt daneben befand sich ein Kindergarten. Ich bin Tags drauf sogar hingegangen, während Pause war. Da baute sich ein Dreikäsehoch direkt vor mir auf. Er sah durch mich hindurch,

spuckte auf den Boden und sagte:

„Eilean Tigh – Du bist high, schau nicht hin, theres nothing to win.“

Ich dachte mir nichts weiter. Endlich habe ich einen verkommenen Kahn gefunden, der mich hierher gebracht hat. Das Fischerboot hieß Trincomalee und ihr merkwürdiger Kapitän Pomone hinterließ einen Eindruck, der mir nicht ganz geheuer war. Scheint schon seit Jahrzehnten in diesen Gewässern herum zu tuckern.. Ich wollte nur eine Stunde bleiben, um mir einen Überblick über meine Erbschaft zu machen." Rion unterbrach.

„Siehst du den Nebel da draußen?“

„Ja, hat sich wie ein Laken über die Bucht gelegt.“

„Ich kann die Trincomalee kaum mehr sehen. Ist doch ein Blödsinn, der Leuchtturm hier oben. Ist doch durch den Nebel nicht zu sehen, weil er stolz über der Suppe hinausragt. Das bringt doch nichts!“

„Schau mal da vorne, rund ein Kilometer westlich. Da dümpelt ein Dreimastschoner.“ „Kaum zu glauben“, staunte Sean.

„Komm, wir werfen uns unsere Regenmäntel über und schauen nach.“

Beide stiefelten die Wendeltreppe herunter und schnappten sich die Regenmäntel. Dann stolperten sie in den tosenden Sturm hinaus. Die Regenmäntel waren schnell durchweicht, doch das große Schiff entschädigte sie.


Jedenfalls wanderten sie in Richtung Norden,

denn vor diesem Strand dümpelte der Schoner in den Wellen. Fast schien er über dem grauen, unruhigem Wasser zu schweben. Die Beiden hatten nicht einmal einen Eintrag im Tagebuch hinterlassen. Der Kapitän wartete vergebens. Die einsetzende Ebbe zwang ihn zum Handeln.

Die Mechaniker wurden nie wieder gesehen. Das Eiland verschwand im Nebel und Kapitän Pomone kaute an seiner Pfeife.

„Die Insel ist verflucht. Ja wirklich!“

Dann spuckte er seinen Pfriem neben seine schweren Seemannsstiefel.

„Sie frisst die Menschen.“ Ob der Düsenjet, den er über sich hörte, mehr gesehen hat?

Glücklich war Pomone, als er im Sund endlich dem Nebel entkommen war und die östlichen Flannen Islands sehen konnte.


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Hörbuch

Über den Autor

welpenweste
Ich versuche mit guten Geschichten zu unterhalten.
Hoffentlich glückt es.
Ich bin Jahrgang 1958, in München geboren.
Seit meiner Kindheit schreibe ich, habe aber nie eine Profession daraus gemacht. Meine zarten Versuche mal eine meiner Geschichten bei einem Verlag zu veröffentlichen sind gescheitert.

Hier gibt es eine Auswahl von Kurzgeschichten aller Art. Sie sind in ihrer Kürze dem Internet und e-pub Medium angepasst.

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KaraList "The Fog" hat Dich wohl inspiriert :-) ... eine spannende und mysteriöse Geschichte!
LG
Kara
Vor langer Zeit - Antworten
Herbsttag Diomhair, inntinneach! Ira
Vor langer Zeit - Antworten
welpenweste ?
Dazu bin ich ratlos.
Günter
Vor langer Zeit - Antworten
Herbsttag Das war in gälisch: Mystisch, interessant. Ira
Vor langer Zeit - Antworten
welpenweste Ja dann! Danke!
Günter
Vor langer Zeit - Antworten
schnief Eine tolle Story, spannend geschrieben!
Liebe Grüße Manuela
Vor langer Zeit - Antworten
Willie Nur ein paar mickrige Vorgabewörter, nebst einer etwas ungewöhnlichen Bedingung- und dir gelingt im Handumdrehen eine gute Story.
lg
Sweder
Vor langer Zeit - Antworten
Andyhank Vielen Dank für deinen Beitrag und viel Glück im Battle. :)
Vor langer Zeit - Antworten
GertraudW 
Lieber Günter,
da hast Du wieder eine unheimlich spannende Geschichte
geschrieben - ich hab sie mit großem Interesse gelesen.
Nur eines möchte ich hinzufügen (kennst mich ja):
Die Regenmäntel müssen aber a g`scheit`s Glump g`wesen
sein, wenn sie so schnell "durchweicht" waren ... schmunzel*.
Ich weiß schon, Du vermisst bei mir wieder die "Ernsthaftigkeit".
Liebe Grüße
Gertraud
Vor langer Zeit - Antworten
welpenweste Ich hatte mal einen, der hat sich aufgesogen, wie ein Schwamm und wurde richtig schwer vor lauter Wasser. Die Beiden müssen beim Einkauf ähnliches Pech gehabt haben.
Herzlich
Günter
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