Kurzgeschichte
Junge Frau, wollen Sie auch ein Kärtle - Erinnerung zum 25. Todestag von Roy Black

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"Alles wirkliche Leben ist Begegnung. Martin Buber"
Veröffentlicht am 09. Oktober 2016, 24 Seiten
Kategorie Kurzgeschichte
http://www.mystorys.de

Über den Autor:

" Ein Pfeil kann nur abgeschossen werden, wenn man ihn zurück zieht. Wenn das Leben dich also mit Schwierigkeiten zurück zieht, bedeutet dies, dass es dich zu etwas tollem bringen wird. Also fokussiere und ziele." Verfasser unbekant ~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~ *** Kleine Information an meine Leser: seit meiner Kindheit liebe ich LYRIK/GEDICHTE! Lyrik ist für mich die Sprache der Seele und der Herzschlag der ...
Alles wirkliche Leben ist Begegnung. Martin Buber

Junge Frau, wollen Sie auch ein Kärtle - Erinnerung zum 25. Todestag von Roy Black


"Niemand kann jemals Deinen Platz einnehmen

Die heutige Welt bräuchte Deine freundliche und fürsorgliche Seele,

Dein wunderschönes Lächeln und Deine heilende Stimme. Wenn ich mich niedergeschlagen oder müde fühle, kann ich plötzlich sehen, wie Dein Lächeln den Raum erhellt." Anita Hegerland, Sängerin


Quelle: http://www.t-online.de/unterhaltung/musik/id_79216354/roy-black-25-todestag-anita-hegerland-schreibt-offenen-brief.html






Roy Black & Anita - Schön ist es auf der Welt zu sein 1971



https://www.youtube.com/watch?v=beqVc3jTBSM

JUNGE FRAU, WOllen SiE auch ein KärtlE


Zwei starke Frauen, die sich Mitten im 2. Weltkrieg im Arbeitslager nördlich von St. Petersburg begegneten, feierten nach einer Trennung von 20 Jahren im Sommer 1985 ihr erstes Wiedersehen.


Beide Frauen erblickten während der Internierung ihre Traummänner, beide Frauen heirateten während der Inhaftierung, beide Frauen wurden Mütter von Söhnen und Töchtern.


An ihrem 1. Wiedersehens-Sonntag trug der Himmel einen AtlantikSmoking. Die

Ziffern der Uhr ruhten auf 9.30h. Leise Kirchenglocken luden zur Messe für 10.00 Uhr.


Ich saß mit den zwei starken Frauen und meinem Vater am Frühstückstisch. Vier Crémantgläser standen am Tischrand. Darjeeling dampfte aus Teeschalen. Der Duft von Zimtapfelpfannkuchen, gefüllt mit einer Vanille-Quark-Creme, frohlockte meine GaumenSinne.


Im Hintergrund lief im Radio ein Konzert des Saarländischen Staatsorchesters. Safte Musikklänge überfluteteten Raum und Zeit.


Papa, von Natur aus ein Gentleman par excellence, genoß die Gesellschaft seiner drei Frauen.


Nie zuvor sah ich meine Mutter so lebendig aus ihrer schweren Kindheit und Jugend erzählen. Vergessen waren die Schatten des Krieges. Angst, Hunger, Flucht, Zwangsarbeit, Deportation - 14 Jahre Seelenfolter waren HEUTE die großen Verlierer.


Ich überlegte, welche Krone ich diesem heiligen Sonntag aufsetzen könnte. Kurz entschlossen lud ich beide Frauen zu einem Spaziergang in den benachbarten Ort ein.


Ein Fahrer mußte schnell her. Plötzlich klopfte es an der Wohnungstür. Der Fahrer organisierte sich quasie selbst. Der Sonntag wurde zum SONNENTAG. Unser Ausflug konnte starten.


Nach 10 Minuten Autofahrt erreichten wir das Ziel. Der sonst immer freie Zugang zum Blumengarten war gesperrt. Seit 11.00h fand auf der Bühne ein Konzert statt. Zu Gast in der Kleinstadt waren Séverine und Roy Black, das entnahm ich dem WerbePlakat direkt vor meiner Nase am Haupteingang.


"Wer hat 60,00 DM dabei? Keiner!

Wir wollten uns schließlich nur vom Anblick der Königin der Blumen berauschen lassen. Und nun! Wir finden eine Lösung!", das waren meine Worte.


Der Fahrer wuchs in dieser Kleinstadt auf. Er kannte den Blumengarten wie das ABC. Er sagte: "Bitte keine Fragen! Folgt mir einfach! Habe eine Idee!!"


Wir Frauen schauten uns an, keine sagte auch nur ein Wort. Jede von uns Frauen wusste sofort, dass wir VIER nun etwas VERBOTENES tun würden. Wir folgten unserem "Sonntagsretter" durch ein kleines Waldstück. Still war es um uns,

nur das dichte Gebüsch und die hohen Bäume kannten unser Geheimnis. Die Spannung wuchs bis in´s Unermessliche.


Plötzlich standen wir vor einem großen Loch im Zaun. Unser SonntagsRetter sagte leise: "Hier müssen wir durch. Schaut nach vorne, da ist die Zufahrt zur Konzertbühne, danach sind es nur noch maximal 10 Meter zum Ziel.Vorsichtig, achtet auf die trockene Baum- und Gebüschzweige! Hände immer schön vor dem Gesicht halten! Bin stolz auf meine Pfadfinder! Los weiter!"


Ich konnte die Stimme von Séverine

hören:








"Jetzt geht die Party richtig los".


https://www.youtube.com/watch?v=UVlvlvQR8KY



"Der Song passte! Was sollte da noch schiefgehen?!", das waren meine Gedanken.


Als ich etwas weiter nach vorne schaute, sah ich einen Mann. Mir wurde leicht bange! Je näher wir zu ihm kamen, umso lauter pochte mein Herz. Es gab kein Zurück, wir waren am Ziel!


Der Mann, der vor mir stand, trug einen dunkelblauen Massanzug, ein hellblaues Hemd mit einer am Hals gelockerten weinroten Krawatte. Dieses Bild brandte sich auf meine Augenlinsen. Ich war

total aufgeregt und mußte sofort an

"Ganz in Weiss" denken.


https://www.youtube.com/watch?v=nQ3UI6J53cU

Der Mann erblickte uns, ging auf uns zu, lachte total freudig und sagte:

"Grißgoddle! I mach grad a Päusle."


Meine Mama brachte kein Wort heraus. Ihre Freundin sagte: "Träume ich oder ist das Roy Black !?"


Unser Fahrer versteckte sich hinter uns Frauen.


Roy kam immer näher, sein Lächeln glich einem tanzenden Sonnenstahl. Seine warmherzige Stimme, seine ruhige ausgeglichene Sprache, sein schwäbischer Akzent, den ich von Mama kannte, nahmen mir die Angst vor dem, was kam.



Er grüßte jeden von uns per Handschlag zum 2mal mit einem herzlichen: "Grißgoddle!"


Ich grüßte ihn auf saarländisch: "Salü!". Stellte jeden von uns vor.


Mit zitternder Stimme sagte ich: "Zu meiner Rechten steht meine Mama, zu meiner Linken ihre Freundin aus Kriegsjahren aus Eisenberg, Thüringen. Sie ist seit Freitag bei uns zu Besuch! Der Mann mit den wackeligen Knien hinter uns, ist unser Fahrer, er kennt im Blumengarten jeden verbotenen Weg

und schmuggelte uns durch den Hintereingang hier rein. Wir wollten uns im Blumengarten das blühende Regenbogen-Rosenmeer ansehen. Der Haupteingang ist gesperrt, unsere Taschen mit Geldbeuteln sind daheim. Not macht erfinderisch!"


Roy lies mich ausreden, ging zuerst auf Mama zu, dann auf ihre Freundin. Ich stand zwischen den beiden Frauen und trat einen Schritt zurück.


Kurz entschlossen umarmte er beide Frauen gleichzeitig und sagte: "Ich freue mich mit Euch für Euch!"


Aus seinen samtweichen funkelnden

Augen hüpften freudige Tränenkinder in die Waldlichtung, sie glichen kleinen Fallschirmsonnen. In diesem kostbaren Augenblick Leben stand die Erde still. Ein Hauch von Heilig Abend schwebte über unseren Köpfen. Die Zeit schrieb ein Kapitel Geschichte in unsere Bibel Leben.


Roy zückte zwei Autogrammkarten samt Kugelschreiber aus der Innentasche seines Sakkos und schrieb eine Widmung auf die Vorderseite einer jeden Autogrammkarte, zuvor fragte er jede der Frauen nach dem Vornamen.


"Heute ist ein besonderer Tag ~ Danke Adeline! Gerhard Höllerich"


Er schaute Mama an und sagte: "Alwine, ich muß in 15 Minuten wieder auf die Bühne. Das 1. Lied wird Roy nur für Sie singen. Folgen Sie mir alle VIER Richtung Bühne. Sie sind HEUTE meine Gäste!"


Er reichte Adeline und Alwine je eine Autogrammkarte, zuvor schaute er auf seine Armbanduhr, und fragte mich:


"Junge Frau, wollen Sie auch ein Kärtle ?"


Luanna, 09.10.2016


Kl. Info: "Der Text ist immer noch ein Rohling!"


16.04.2020






Fotos Quelle:


Foto Séverin

http://www.severine-online.de/galerie_8.htm


Foto Roy Black

http://www.ackl.de/cindy_privat/00009.html


http://scontent.cdninstagram.com/t51.2885-15/s480x480/e35/13355612_471409339715324_2063573382_n.jpg?ig_cache_key=MTI2NTc4MzA3NDAyODYzMDEyOQ%3D%3D.2


http://www.party-deko.de/files/2012/08/party-flagge-disco-dancer-2169-e1346237352803.jpg


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Hörbuch

Über den Autor

luanna
" Ein Pfeil kann nur abgeschossen werden, wenn man ihn zurück zieht. Wenn das Leben dich also mit Schwierigkeiten zurück zieht, bedeutet dies, dass es dich zu etwas tollem bringen wird. Also fokussiere und ziele."
Verfasser unbekant

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

*** Kleine Information an meine Leser: seit meiner Kindheit liebe ich LYRIK/GEDICHTE!

Lyrik ist für mich die Sprache der Seele und der Herzschlag der Zeit. Ich muss etwas fühlen, hautnah erleben, erst dann und nur dann kann ich zum Bleistift greifen, um zu schreiben. Mit dem Schreiben schenke ich meinen erlebten/durchlebten Emotionen ein Gesicht!

Jede Dichtung ist für mich ein eine Art Kunswerk, im Sinne von sprachliche Faszination. Ich spiele gerne mit Buchstaben, zaubere daraus neue Worte. Die Worte müssen stets fließen, ähnlich wie ein Rinnsal/Bach, seine zarten Wellen den Leser streifen, sanft berühren und irgendwie auch *mitreißen und verzaubern*.

Meine Worte sollen den Leser für kostbare Augenblicke aus seinem Alltag entführen, ihm Entspannung und Glückberührungen schenken.

All das ist nur möglich, wenn das geschriebene Wort dort ankommt, von wo es zum Leser auf die Reise geht: HERZEN.
:-))


" Ich liebe Gedichte und lese daher nur GEDICHTE ! "

*** DANKE für Nachsicht und BITTE nicht zu arg enttäuscht sein! Mußte während der Schulzeit einfach so viel Literatur verschlingen, dass ich bis HEUTE immer noch satt bin!
:-)))

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monalisa592107 eine sehr kostbare Erinnerung lg monika
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luanna 
Liebe Mona,

diese Erinnerung ist in Gold nicht aufzuwiegen.

Sein samtweiches strahlendes herzwärmendes Lächeln ist mir, wann immer ich will, *Medizin* im Leben!

M
E
R
C
I

Morgengruß

Nelly
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monalisa592107 in seiner Musik und seine Filme lebt er weiter und schenkt uns schöne Stunden er ist und bleibt Unvergessen auch ich mag seine Musik besonders wünsche dir ein gesundes Wochenende
lg monika
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Miranda Er lächelt ganz sicher, liebe Nelly.Ich mochte ihn auch, Roy oder Gerhard hat eine Zeit lang gar nicht weit weg von uns gewohnt, er hatte ein Haus in Herdecke.
Liebe Grüße,
Sigrid

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luanna Liebe Sigrid,

Roy / Gerhard sagrte mal:

"Mit 20 sträubt sich KEINER,
wenn man ihm die WELT zu Füssen legt."

Er hat dafür einen extrem hohen Preis bezahlt: sein Leben!

Ich weiß von (s)einem Haus in Hardecke. War ja in jungen Jahren kein *Roy* Fan.

Als er an diesem *heiligen Sonntag* vor mir stand, wurde mir bewusst:

" Wer an Wunder glaubt, erlebt WUNDER!"

Hier meine ich Roy / Gerhard als WUNDERbaren MENSCHEN".

M E R C I

Morgengruß

Nelly
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Miranda Liebe Nelly,
da hatte er wohl recht, leider haben sie ihn in eine Schublade gesteckt, in die er eigentlich nicht wollte. Er wollte lieber Rockige Musik machen, nicht so gerne diese Liebeslieder.Leider habe ich " Roy nie kennen gelernt.
LG
Sigrid
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Enya2853 Wow, was für ein schon geschliffener "Rohling".
Ich bin berührt, angetan - von deinem Schreiben, aber auch von diesem Erlebnis-Juwel.
Natürlich hat er auch meine Jugend begleitet und ich habe diese Warmherzigkeit immer gespürt, auch wenn ich später anderen Liedern gefolgt bin.
Sein tragisches Ende hat auch mich damals getroffen.

Wie wunderrbar, dass du dir diese Kostbarkeit bewahrt hast - im Herzen und zu Papier.
Und er würde lächeln bei diesem Andenken, sein warmherziges Lächeln ...
Liebste Grüße
Enya
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luanna 

Salü liebe Enja,

der *Rohling* ist immer noch *ungeschliffen*.
:-)))

Das "Erlebnis-Juwel" aus Sommer 1985 ließ mir gestern, 17.04.20, keine Ruhe.

Immer, wenn ich an die Freundin meiner Mutter dachte, spürte ich einen stechenden Stich im Herzen. Das stimmte mich sehr traurig! Ich wusste, sie würde lange nicht mehr leben.

Ich musste Gewissheit haben, stöberte im Netz nach einer Tel. von Verwandten dieser Frau, wurde auch fündig. Sprach lange mit ihrem Enkel, der den Tod seiner Oma bestätigte.

Ich habe den Jungen zuletzt gesehen, da war er 4 Jahre alt, heute ist er ein erwachsener Mann.

Mit jedem Wort, das wir sprachen, mit jedem Gedanken, den wir austauschten, wuchs sein Vertrauensbaum.

Als ich ihm erzählte, dass ich seinen Vater solange kenne, wie ich alt bin, und, dass seine Großeltern und meine Eltern seit der Internierung total enge Freude sind, und
uns = seinen Vater + mich
bereits in unserer Kindheit verkuppelt hatten, da wurde der Junge still, sehr still.

Plötzlich sagte er einen Satz, der mich mitten im Herzen zerfetzte: " Das wäre BESSER gewesen! Mama hat uns Kinder und Papa verlassen, als wir noch klein waren! "

Ich wusste nicht, wie mir geschah. Was hätte ich auch dem Jugen antworten sollen!? Er war erneut eine zeitlang still und sagte dann mit fröhlicher Stimme: "Echt, verkuppeln!"

Das Eis war gebrochen!

Er erzählte mir von sich, seiner Familie, seiner kl. Schwester, von seiner Tätigkeit als Fußballtrainer und immr wieder von seinem Opa, der sehr sehr krank sei und er ihn leider aktuell wegen *Corona* NICHT besuchen dürfe.

Ich konnte fühlen, wie gut ihm das Gespräch tat. Er verabschiedete sich von mir mit:
" Papa wird sich bei dir melden. Ich sorge dafür, dass er dies in einer ruhigen Stunde tuen wird. DANKE ! "

Ich sollte diese wunderschöne Unterhaltung mit Basti in einer Geschichte verewigen. Was meinst Du Fachfrau zu dieser meiner Idee?
:-))

Deine °° Wort-Juwele°° haben mich ermutigt, Kontakt zur Familie von Tante Adelina - nie habe ich sie anders genannt - aufzunehmen:

° M E R C I °

•’``’• ,•’``’•,
’•,`’•,*,•’`,•’
....`’•,,•’`.... UMÄRMELUNG in dankbarer Freundschaft

Nelly
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Enya2853 Liebe Nelly,
das ist doch eine schöne Erfahrung. ich freue mich so für dich, dass du diesen Anruf gewagt hast.
Und JA, das kannst du in einer Geschichte festhalten, du kannst den Dialog zeichnen, aber auch deine Stimmung dabei. Ich fände es schön, und du hast es noch einmal mehr verinnerlicht.
Mach es, fang einfach an, ganz spontan.

Ich danke dir fürs Teilhaben-Lassen.
Umarme dich
Enya
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Rajymbek 
Eine rührende Geschichte, liebe JungfrauFrau.

VLG Roland
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