Biografien & Erinnerungen
Dachau

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"Dachau"
Veröffentlicht am 27. September 2016, 8 Seiten
Kategorie Biografien & Erinnerungen
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Über den Autor:

Ich habe schon immer gerne Geschichten erfunden. Noch bevor ich überhaupt schreiben konnte. Wann immer die Welt nicht so war, wie ich siie mir vorstellte, habe ich mich in eine Traumwelt geflüchtet, in dem ich Bücher las. Bücher sind, anders als Filme, vorgefertigte Geschichten, in denen immer noich Raum bleibt für die eigene Fantasie. Genau das hat mich schon immer an der Literatur fasziniert. Und ich hoffe, dass ich mit meinen Geschichten ...
Dachau

Dachau

dachau

Viele Jahre ist es her Ein ganz normaler Tag im Leben eines 14 jährigen Jungen. Ich war damals in der achten Klasse und unsere Klassenfahrt sollte nach Dachau gehen. Einem kleinen beschaulichen Ort in der Nähe von München. Natürlich wussten wir, was Dachau noch bedeutet. Im dritten Reich befand sich in Dachau ein Konzentrationslager. Bevor die Fahrt begann, nahmen wir das dritte Reich natürlich im Unterricht durch. Niemand sollte unvorbereitet mit

den Gräueltaten unserer Vorfahren konfrontiert werden. Aber was wir im Unterricht erfuhren war irreal. Nicht vorstellbar und hatte schon gar nichts mit dem Deutschland, das wir kannten zu tun. Es war die Generation unserer Großeltern, denen dieses unmenschliche Verhalten vorgeworfen wurde. Aber kein Kind in der Klasse konnte seinem Opa oder seiner Oma so etwas zutrauen. Etwas stimmte einfach nicht. Als wir dann die Klassenfahrt antraten, war alles wie immer. Die Chaoten saßen wie immer ganz hinten und wir Normalos in der Mitte oder vorne. Der Bus hielt dann genau vor dem

Konzentrationslager. Wir stiegen aus und mussten noch etwas auf unseren Führer warten. Ist ein blödes Wort, in dem Zusammenhang, ich weiß. Aber es war halt der Mann, der uns durch das Lager geführt und uns alles erklärt hat. Der erste Raum war so eine Art Minikino. Da wurde uns ein Film vor geführt. Wir waren zuerst noch etwas darüber amüsiert, weil der Schwarz Weiß Film etwas zu schnell ab lief. Doch dann realisierten wir immer mehr, was uns da vor geführt wurde. Der Film war ohne Ton. Ohne theatralische Musik. Nur die Bilder wirkten auf uns.

Ab und zu erklärte uns unser Lagerführer in knappen Worten etwas zu dem Film. Ich sah Menschen, die in dieses Lager gebracht wurden. Ich sah ausgemergelte Körper. In den Augen dieser Körper war nichts mehr. Keine Seele mehr zu sehen. Und dann sah ich eine Großaufnahme eines Menschen. Nur sein Gesicht. Es war unmöglich zu erahnen, ob es ein Mann oder eine Frau war. Der Schädel kahl geschoren. Der Blick. Diesen Blick werde ich nie vergessen. Der Blick der sagte, wieso macht ihr das? Wieso darf ich nicht leben? Nach dem Film wurden wir

weitergeführt in einer der Baracken. Hier hausten die Insassen also. Über Monate, über Jahre. In engsten Verhältnissen, in zwei oder drei Betten übereinander. Wir erfuhren, wer hier inhaftiert wurde. Juden, Staatsfeinde und so ziemlich alle, die dem Ideal nicht entsprachen. Weiter ging es in den Duschraum. Die eigentliche Gaskammer. Hier wurde uns erklärt, dass man mit verschiedenen Gasen experimentiert hatte, um ein möglichst humanes Töten zu gewährleisten. Zum Schluss bekamen wir dann noch die Öfen zu sehen, in denen die von ihren Qualen befreiten Körpern verbrannt

wurden. Unser Lagerführer hielt noch eine ziemlich lange Rede in diesem Raum. Ich weiß nicht mehr, was er gesagt hat. Ich weiß nur noch, eine dieser Ofentüren stand offen. Dahinter ein tief schwarzes Loch, wie es nur in der Hölle sein konnte. Und ich meinte die Augen wieder zu sehen in der tiefen Finsternis, die ich bereits in dem Film gesehen hatte. Diese Augen, die eine Antwort forderten. Warum macht ihr das? Warum darf ich nicht leben? Ich glaube, vielen meiner Klassenkameraden ging es ähnlich, denn keiner sagte ein Wort, als wir das Lager

verließen. Doch mit jedem Kilometer, mit dem wir uns von Dachau entfernten, kam auch unser Lebensmut zurück. Doch eines blieb. Die Frage nach dem Warum, auf die ich bis heute keine Antwort habe.

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Über den Autor

rolandreaders

Ich habe schon immer gerne Geschichten erfunden. Noch bevor ich überhaupt schreiben konnte. Wann immer die Welt nicht so war, wie ich siie mir vorstellte, habe ich mich in eine Traumwelt geflüchtet, in dem ich Bücher las.
Bücher sind, anders als Filme, vorgefertigte Geschichten, in denen immer noich Raum bleibt für die eigene Fantasie. Genau das hat mich schon immer an der Literatur fasziniert. Und ich hoffe, dass ich mit meinen Geschichten die Leser und Leserinnen auch ein bisschen aus ihrem Alltag holen und sie auf ein gemeinsam erlebtes Abenteuer entführen kann.
Denn der Leser, oder die Leserin sind auch immer ein Teil der Geschichte, die sie gerade lesen. Wenn auch nur als Beobachter.

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myriama Vielen Dank für deinen Beitrag. Es ist gut, wenn junge Menschen sich mit diesem Thema auseinandersetzen, denn die Jugend ist die Zukunft, die die Welt verändern kann. Möge man ihnen dieses Leid ersparen, für immer und ewig. Liebe Grüße
Vor langer Zeit - Antworten
rolandreaders Hallo myriama.
Danke fürs Lesen, den Kommentar und die Coins.
Genau so sehe ich das auch.
L.G.Roland.
Vor langer Zeit - Antworten
SternVonUsedom 

Der STERN
Vor langer Zeit - Antworten
rolandreaders Hallo Stern.
Danke fürs Lesen, den Kommentar, den Favo und die Coins.
L.G.Roland.
Vor langer Zeit - Antworten
gela556  Viele die sich solche Lager angesehen haben, fragen auch noch Heute, "WARUM?", ich weiß auch keine Antwort,.
Die, die Dir hätten eine Antwort geben können, schweigen, oder Leben schon lange nicht mehr.
Also, wird dieses WARUM immer im Mittelpunkt stehen, bei solchen traurigen Geschichten.
GlG, Gela
Vor langer Zeit - Antworten
rolandreaders Hallo Gela.
Danke fürs Lesen, und den Kommentar.
Wenn schon nicht auf das "Warum" vielleicht finden wir Antworten darauf, wie wir solches in Zukunft verhindern können.
L.G.Roland.
Vor langer Zeit - Antworten
gela556  Genau so sehe ich das auch, Augen auf und mit aufmerksamen Augen durch die Straßen gehen.
Mehr können wir zurzeit nicht tun, um das zu verhindern. Es wird immer Idioten geben, die Krieg spielen möchten.
GlG, Gela
Vor langer Zeit - Antworten
Darkjuls Du beschreibst eindringlich Dein Erleben beim Besuch in Dachau. Ich denke, nur der Unterricht hätte euch das nicht vermitteln können. Eine Erinnerung für Dich, die mahnen soll und wird. Warum und wie konnte das geschehen? Wir müssen uns diese Fragen stellen und wachsam bleiben auch in der heutigen Zeit. GLG Marina
Vor langer Zeit - Antworten
rolandreaders Hallo Marina.
Danke fürs Lesen, den Kommentar und die Coins.
Das alles mal hautnah zu sehen ist tatsächlich etwas anderes, als in Filmen, bei denen man mit der Zeit abstumpft.
L.G.Roland.
Vor langer Zeit - Antworten
baesta Auf solche Fragen findet man keine Antwort. Warum führt man Kriege, auch noch jetzt gibt es diese Hintermänner, die zu polarisieren verstehen und Hass verbreiten. Dabei liegt es in der Hand eines jeden Einzelnen, sich von solchen Leuten nicht das Hirm waschen zu lassen. Ich war damals im KZ Majdanek und konnte mich darüber lange Zeit nicht beruhrigen. Auch heute klingt es immer noch in mir nach. Was ging (und geht auch heute noch) in diesen Köpfen vor, die solche Greueltaten befahlen.

Liebe Grüße
Bärbel
Vor langer Zeit - Antworten
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