Kurzgeschichte
Das Handtuch - Beitrag zum 51. Forenbattle

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"Aus dem Leben eines Handtuchs - und was ist nur ein Monchimonchi?"
Veröffentlicht am 23. Mai 2016, 8 Seiten
Kategorie Kurzgeschichte
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Über den Autor:

Hauptberuf: Mama. Hobbies: Schriftstellerei, Rendering, Rollenspiele, Lesen, Rätseln, Brettspiele... viel zu viel für nur 24 Stunden, besonders, wenn noch ein kleines Wunder im Haus ist.
Aus dem Leben eines Handtuchs - und was ist nur ein Monchimonchi?

Das Handtuch - Beitrag zum 51. Forenbattle

Das Handtuch

Für den 51. Forenbattle sollte das Handtuch seine Zeilen bekommen, und folgende Wörter untergebracht:

Gelegenheit

Erwähnenswert

Wurmstichig

Süchtig Bügelfalte Keilriemen Einkochen Neongelb Frequenz Ehrfurchtsvoll Notizbuch Monchimonchi*

Unzeremoniell fällt das Handtuch zu Boden. Lustvolle Füße trampeln es zur Seite, erheben sich in die Luft und wackeln im Rhythmus der Erschaffung des Lebens. Die Atemfrequenz steigt, fällt, dann wird das Handtuch wieder aufgehoben, um die kleinen Schweißperlen aufzunehmen. Als es das nächste Mal aus dem Schrank genommen wird, wandert es in einen Koffer. Eingekeilt zwischen dunklen Stoffhosen, denen erst am Bestimmungsort vom heißen Eisen die Bügelfalte eingebrannt werden sollte, und einem neongelben Negligé soll es auf eine lange Reise gehen. Doch schon der Start macht anscheinend Schwierigkeiten. Der Koffer öffnet sich zu

früh. „Kann man Handtücher als Ersatzkeilriemen benutzen? Feinstrumpfhosen? Bist du sicher? Na gut, wenn du es sagst.“ Es wird gekramt, dann wird es wieder dunkel. Feiner Sand drängt sich zwischen die Frotteefasern. Das eine Ende des Handtuchs hängt im weißen Sand, das andere Ende bedeckt den leicht wurmstichigen Strandkorb. Die Sonne brennt die Farbe aus dem Stoff, und der Mond bescheint das Handtuch und das nächtliche Strandliebesspiel. Aufregung herrscht. Wieder wird das Handtuch in einen Koffer getan, doch diesmal mit mehr Schwung und weniger

Sorgfalt. Höschen, Socken, Nachthemden, BHs, ein Trainingsanzug, ein paar sehr kleine Kleidungsstücke, ein wenig zu essen, zwei Bücher, ein MP3-Player und eine Kamera folgen und werden im Notizbuch abgehakt. Eine Kulturtasche wird obenauf gequetscht, dann geht es rasant los. Schreie, viele Schreie, Blut, Tränen und Glück. ehrfurchtsvolles Schweigen über einem kleinen, schlafenden Bündel in einem viel zu großen Handtuch. Sommerzeit. Beherzte Hände greifen erst das Handtuch, dann den Topf. Leise klappert der Deckel, dann werden die Gläser mit den eingekochten Früchten vorsichtig aus dem Topf gehoben. Kleine Füße patschen über

den Kachelboden. „Mama, machst du Kuchen?“ – „Nein, Schatz, Mama kocht Marmelade ein.“ – „Machst du dann mit der Marmelade Kuchen?“ – „Wenn sich eine erwähnenswerte Gelegenheit ergibt, ja, Liebling.“ – „Fein! Ich bin süchtig nach Kuchen.“ Das Handtuch wartet lange im Schrank. Es ist verschossen und hat ein Loch. Immer weiter wandert es nach hinten. Schließlich, nach schier unendlich langer Zeit, wird es vorgeholt. Die Hände sind alt geworden, greifen aber noch immer beherzt zu. „Oma, was machst du?“ – „Ein Monchimonchi, Kleines.“ – „Was ist ein Monchimonchi?“

Es ist eine andere Kinderstimme. Kleine Hände greifen das Handtuch, halten es hoch. „Ein Monchimonchi ist ein Schlafbeschützer, Krümel. Es ist ein Guter Geist, der deinen Schlaf vor bösen Geistern beschützt. Aber um das zu können, braucht er einen Körper, und den machen wir ihm jetzt. Schau, wir nehmen das Handtuch…“ – „Aber es hat ein Loch!“ – „Das macht nichts. Das Monchimonchi stört sich nicht an Löchern. Jetzt nehmen wir diese Watte hier, damit das Monchimonchi weich liegt, und legen sie in die Mitte vom Handtuch. Dann schlagen wir das Handtuch ein, jeden Zipfel, so, und binden es zu. Damit die Watte auch ja nicht rausfallen kann, nähen wir es sogar zu. So.

Jetzt, damit das Monchimonchi auch Augen hat, um die bösen Geister zu sehen, nehmen wir diese Kulleraugen und nähen sie an das Handtuch an. So. Und nun, damit das Monchimonchi dich auch warnen kann, nehmen wir diesen Filz und machen daraus Lippen für das Monchimonchi. Was braucht es noch?“ – „Hände, Oma, damit es die bösen Geister auch hauen kann!“ – „Geister kann man doch nicht hauen, da fasst man doch durch! Aber ich weiß – ein paar Glöckchen, damit es Alarm schlagen kann. So. Hier hast du dein Monchimonchi, und schlaf jetzt gut, Liebling.“

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Über den Autor

Lessa
Hauptberuf: Mama. Hobbies: Schriftstellerei, Rendering, Rollenspiele, Lesen, Rätseln, Brettspiele... viel zu viel für nur 24 Stunden, besonders, wenn noch ein kleines Wunder im Haus ist.

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Himbeere Oh, das mag ich, Geschichten eines Handtuchs : ) LG Himbeere : )
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Lessa Freut mich, dass es dir gefallen hat! Und vielen Dank auch für Coins und Fav!
Vor langer Zeit - Antworten
gela556 Super schöne Geschichte mit den 12 Vorgaben geworden
Muss sagen hast Du gut hinbekommen
GlG, Gela
Vor langer Zeit - Antworten
Lessa Danke Gela, auch für den Fav! Freut mich, dass es dir gefallen hat :)
Vor langer Zeit - Antworten
abschuetze Alle Facetten aus dem Leben eines Handtuchs aufgegriffen. ... und selbst im Alter, nicht mehr ganz ganz, erlebt das Handtuch nochmals einen Höhepunkt. Eine tolle Geschichte. Gern gelesen und gleich mal nach meinen Handtüchern geschaut :))

LG von Antje
Vor langer Zeit - Antworten
Lessa Danke, liebe Antje, für Coins und Kommentar! Ja, auch wenn die Jahre uns mitnehmen, ihre kleinen und großen Löcher in unserem Herzen lassen, bleiben wir doch immer noch nützlich und interessant :) Warum sollte das nicht auch für Handtücher gelten? ^^
Vor langer Zeit - Antworten
Memory 
So rauscht ein ganzes Menschen-(Handtuch)-Leben auf acht Seiten an uns vorbei.
Klasse, weil du mit wenigen Worten so viel erzählt hast.
Gut, dass Omas immer alles aufheben, sonst hätte die Geschichte nie jemand erfahren.
Lieben Gruß
Sabine
Vor langer Zeit - Antworten
Lessa Danke für den Fav und Kommentar, Sabine! Oja, ich erinnere mich sehr gut an den begehbaren Schrank meiner Oma, in dem sie massenhaft Stoffreste, Nähzeug und ähnliches aufgehoben hat... Ein Wunderkasten, sozusagen.
Vor langer Zeit - Antworten
MerleSchreiber Das hier gefällt mir außerordentlich gut, Lessa. Menschliches liebevoll und stellenweise sehr trickreich verpackt und hervorragend dargebracht!
Liebe Grüße, Merle
Vor langer Zeit - Antworten
Lessa Danke, liebe Merle, natürlich auch für Coins und Fav! Es ist mir immer wichtig, dass meine Geschichten menschlich bleiben, daher freut mich dein Lob sehr!
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