Humor & Satire
Selbstportrait

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"Wenn man berühmt werden wird!"
Veröffentlicht am 23. März 2016, 14 Seiten
Kategorie Humor & Satire
http://www.mystorys.de

Über den Autor:

Ich versuche mit guten Geschichten zu unterhalten. Hoffentlich glückt es. Ich bin Jahrgang 1958, in München geboren. Seit meiner Kindheit schreibe ich, habe aber nie eine Profession daraus gemacht. Meine zarten Versuche mal eine meiner Geschichten bei einem Verlag zu veröffentlichen sind gescheitert. Hier gibt es eine Auswahl von Kurzgeschichten aller Art. Sie sind in ihrer Kürze dem Internet und e-pub Medium angepasst.
Wenn man berühmt werden wird!

Selbstportrait

Vorbemerkung

Man ist eben eine wichtige Persönlichkeit!


(Weil ich doch sehr bekannt werden will.

so sollen die vielen, neuen Abonnenten an meinem Ruhm ihre Freude haben. Deswegen wieder eingestellt: 08.03.2019)








Copyright: G.v.Tetzeli

Cover: G.v.Tetzeli

Selbstportrait

Irgendwie kann ich es nicht verwinden. Was ist, wenn ich nicht mehr bin? Nehmen sie Hemingway. Er hat sich portraitieren lassen, genauso Nelson und Washington. Nun hängen solche Bilder in berühmten Museen und jeder steht davor und flüstert voller Ehrfurcht: "So sah er also aus, der berühmte Mann."

Fotos, oder gar Internetauftritte sind dagegen PillePalle! Ich will dieses Ehrfurchtvolle auch haben. Na gut, bis jetzt fehlt es mir noch an Berühmtheit, aber sie wissen ja selbst, sobald ein Maler gestorben ist, da schnellen die Bilderpreise für seine Werke in die Höhe. Vincent van

Gogh starb elend in Armut, denn sein Geschmier verstand damals niemand. Mehr brauche ich dazu nicht zu sagen. Oder nehmen sie Stieg Larsson, den schwedischen Schriftsteller. Seine Bücher mit seiner Protagonistin Salander brach erst nach seinem Tod sämtliche Rekorde. Fünfzehn Millionen Bücher gingen über die Theke, allein nur seine ersten drei Bände von den zehn der Millennium-Serie gezählt. Kurz und bündig, es ist doch wohl selbstverständlich, dass es für ein Selbstportrait zu spät ist, wenn ich den Löffel abgegeben habe.

Nehmen Sie es nicht so genau mit dem Ausdruck Selbstportrait, liebe Leser. Ich male mich natürlich nicht selbst, aber das Bild soll

das Genie meiner selbst wieder spiegeln. Sozusagen das Portrait vom Ich. Sie wissen schon, wie es gedacht ist. Dass ich berühmt werde, das ahne ich, habe ich im Gefühl. Die Masse hat es einfach noch nicht begriffen. Sobald aber mein Tod publik wird und ein Portrait vorhanden ist, dann rollen die Tantiemen. Ewiger Ruhm ist mir gewiss und das ist es schließlich, was ich mir wünsche. Der Rubel wird rollen, dass es kracht. Über die testamentarische Verfügung des prasselnde Vermögen muss ich noch nachdenken.

Zuerst einmal muss ich einen renommierten Maler finden. Das ist gar nicht so einfach, denn im Moment hapert es daran, dass ich

ihm kein Salär zahlen kann, oder wenn, dann ein sehr, sehr bescheidenes. Da beißt sich die Katze sozusagen in den Schwanz. Da kam mir die Erleuchtung. Ich überlasse dem Maler einfach einen kompletten Satz meiner literarischen Werke. Eine künstlerische Hand wäscht die andere. Ein Geben und Nehmen. Die berühmte WIN WIN Situation. Da macht der Maler sogar wahrscheinlich noch einen Reibach, weil meine Werke sowieso göttlich sind. Und damit es besonders gut wird, signierte ich sogar meine Büchersammlung eigenhändig mit meinem berühmten Schriftzug. Ich weiß, lieber Leser, dass sie nun neidisch sind. Jetzt erst einmal so einen Superkünstler, einen exorbitanten Maler finden!

Ich erkundigte mich. Schließlich stieß ich auf Dr. Dr. Sibelius. Ein Fachgenie sondergleichen. Kunstgeschichte, bildende Künste und vor allem Malerei, nichts sei ihm fremd. Man gab mir die Adresse.

Ich fuhr hin. Die Zugfahrt verringerte meinen Honorareinsatz wieder beträchtlich. Dafür hatte ich einen Koffer meiner Bücher dabei. Angekommen stand ich vor einer riesigen Villa. Sehr pompös, sehr nobel mit angrenzendem Park.

Dort flanierten mehrere gediegene, ältere Damen und Herren. Tja, ältere Menschen wissen eben Kunst zu würdigen, nicht so, wie die modernen, jungen Rapper-Krachmacher. Dr. Dr. Sibelius hatte also seinen eigenen Fanclub. Das machte die Honorarfrage

wahrscheinlich etwas schwieriger.


Ich betrat das riesige Entree. Dort gab es eine Art Rezeption. Kein Wunder, bei dem Fan-Ansturm. Mutig brachte ich mein Anliegen hervor.

Dr. Dr. Sibelius sei es ausnahmsweise genehm, zwitscherte die Dame nach einer telefonischen Rückversicherung.

Ich landete in seinem Atelier.

Sibelius begrüßte mich und ich sah seine Werke an der Wand. Eines stellte eine düstere Berglandschaft dar, mit Gewitterwolken. Nach meiner unmaßgeblichen Meinung hatte Sibelius einen außerordentlich feinen Pinselstrich. Der Gesamteindruck vermittelte leider eine in Öl

getränkte, verewigtlichte, irre schlechte Laune. Auch sah ich Portraits an den anderen Wänden. Sie alle zeichnete aus, dass sie eher einer Ackerlandschaft glichen, bei den Furchen in den Gesichtern. Glücklicher Weise ließ sich Sibelius herab die Auftragsarbeit anzunehmen.

Der schwere Koffer mit meinen unschätzbaren Werken wechselte seinen Besitzer. Ich seufzte, aber man muss eben Opfer bringen.

Geschlagene dreieinhalb Stunden werkelte Dr. Dr. Sibelius mit äußerster Präzision, dann ließ er mich auf die Leinwand blicken. Ein alter Mann starrte mich an.

Mein Gott! Aber auch Andy Warhol war seiner

Zeit voraus, oder nicht? Und da leitete er erst die Pop-Art ein.

Eigentlich ist aber die Gothic-Art nichts wirklich Neues. Auch Dracula ist nicht unbedingt der new art zuzurechnen. Aber ich sagte mir, dass mein Portrait, bei diesem Aussehen, schließlich auch noch in zwanzig Jahren nichts an Aktualität einbüßen würde. Quasi zeitlos und trotzdem altersmäßig aktuell.

Ich dankte und griff mir das deprimierend düstere Vampierbild und landete wieder an der Rezeption.

"Sie nehmen DAS mit?" „Wieso?“ „Herr Sibelius hatte doch einen Unfall. Er leidet an posttraumatischer

Nebenhöhlen-Depression. Schade um ihn. Er zeichnete sich zuvor durch eine einmalige Inselbegabung aus", seufzte die Dame. „Von wegen Inselbegabung, an einer Pinselbegabung fehlt es“, murrte ich wütend. „Alle unsere Patienten haben so ihre Probleme. Geistig porös, wenn sie verstehen.“ „Ja bin ich denn hier nicht…“ „Sie sind hier in einem Seniorenstift. Sibelius malt gern und wir lassen ihn. Es hilft der Renormierung seiner Disposition.

Wir bekommen so seine bipolare Störung in den Griff“

"Bipol..., was?"

"Wenn er nicht malt, kommt es zu emotionalem, sehr misstönenden

Ausbrüchen. Er randaliert, zerfetzt alles. Besonders Bücher hasst er dann".

Sie lächelte.

"Es wäre übrigens nett, wenn Sie einen kleinen Obulus für unser Sanatorium spenden könnten."


Ich raste aus dem Gebäude und drehte mich um. Über dem ersten Stock war groß „Seniorenstift Mariahilf“ in den Marmor eingemeißelt. Das hatte ich vor Begeisterung bei der Ankunft gar nicht gesehen.


Noch heute besitze ich das Bild. Ab und an, wenn ich besonders guter Laune bin, sehe ich es mir im Keller an.

Das führt mich unweigerlich auf den Boden

der Tatsachen zurück, dass ich auch im Internet nur einen einzigen, neuen Leser in einem halben Jahr gewonnen hatte.


Realität mag bisweilen unschön sein.


Am meisten wurmt mich aber, dass Dr. Dr. Sibelius noch immer meinen Koffer voller Goldschätze hat.

Wahrscheinlich wurden sie bei einem seiner Anfälle zerfetzt.

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Hörbuch

Über den Autor

welpenweste
Ich versuche mit guten Geschichten zu unterhalten.
Hoffentlich glückt es.
Ich bin Jahrgang 1958, in München geboren.
Seit meiner Kindheit schreibe ich, habe aber nie eine Profession daraus gemacht. Meine zarten Versuche mal eine meiner Geschichten bei einem Verlag zu veröffentlichen sind gescheitert.

Hier gibt es eine Auswahl von Kurzgeschichten aller Art. Sie sind in ihrer Kürze dem Internet und e-pub Medium angepasst.

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Gast Ich gratuliere Dir, zu diesem gelungenen Selbtportrait. L G von Fritz
Vergangenes Jahr - Antworten
sugarlady Dein Portrait, so auffallend wie urkomisch.
Sticht einem sofort ins Auge. Grins
Wer so viele Bücher verkauft, der kann nur ein Genie sein.
L.G. Andrea
Vor langer Zeit - Antworten
welpenweste Danke!
Günter
Vor langer Zeit - Antworten
pepe50 Ich weiß ja nicht, was Du von einem Künstler erwartest, der sogar zweimal promoviert hat. Vielleicht hätte es auch ein anderer getan, aber nein, ein Dr. Dr. ist eben/muss ein außergewöhnlicher Künstler sein. :-)
Ist er ja auch, mal abgesehen davon, dass das Gesicht etwas spitz geraten ist, aber das wird durch die schöne Frisur wieder wett gemacht, die deine Berühmtheit eindrucksvoll unterstreicht. :-))
- LG Fred
Vor langer Zeit - Antworten
GertraudW 
Lieber Günter,
gerne habe ich es nochmal gelesen - diesmal allerdings, hat es mir mein
Sprachprogramm vorgelesen. Auch wenn so eine Computerstimme schon
recht gewöhnungsbedürftig ist - aber immerhin.
Übrigens, ich weiß gar nicht, was Du an Deinem Selbstbildnis auszusetzen
hast` - schmunzel*.
Liebe Grüße
Gertraud
Vor langer Zeit - Antworten
mohan1948 Wieder ein tolles Buch lieber Günter!
Herzlichst
Hannelore
Vor langer Zeit - Antworten
welpenweste Ach, Dein Lob geht runter wie Öl. Ehrlich, ich genieße das!
Günter
Vor langer Zeit - Antworten
mohan1948 Gerne lieber Günter! Du hast es verdient
herzlichst
Hannelore
Vor langer Zeit - Antworten
Marle Hab dich trotz der Verkleidung erkannt mein lieber Welpe...
Nur Geduld, jeder bekommt im Leben seine berühmte Viertelstunde.
Ich jedenfalls gönne sie dir von Herzen!
Ein "Fan" sagt dank für das Buch!
Vor langer Zeit - Antworten
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