Liebesgedichte
Winterblüte

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"Winterblüte"
Veröffentlicht am 22. Februar 2016, 4 Seiten
Kategorie Liebesgedichte
© Umschlag Bildmaterial: Elena Okhremenko - Fotolia.com
http://www.mystorys.de

Über den Autor:

Hauptberuf: Mama. Hobbies: Schriftstellerei, Rendering, Rollenspiele, Lesen, Rätseln, Brettspiele... viel zu viel für nur 24 Stunden, besonders, wenn noch ein kleines Wunder im Haus ist.
Winterblüte

Winterblüte

Winterblüte

Wie Blütenblätter senkt dein Sarg sich In kalte Erde tief hinab Nimmt das, was war, uns beide, dich – mich Mit hinein ins dunkle Grab Es rinnen Freudentränen stille Ich denke an die alte Zeit Ganz ohne rosarote Brille An Liebe, Lust und Ehestreit An Zeiten voller dunkler Schatten An Kinderlachen, hell und klar An Schwierigkeiten, die wir hatten An Schönes, das noch ist und war Daran, wie deine Apfelwangen Vertrocknet und verschrumpelt sind Wie wir voll Hoffen und voll Bangen Erwartet haben ’s Enkelkind

Daran, wie deine Krähenfüßchen Vom Lachen tief geworden sind An Tausende von kleinen Küsschen An deine Hand, so sacht und lind Den Duft, wenn grad das Hähnchen briet An Weihnachtsplätzchen und Konfekt Ich leugne nicht, weil man es sieht Es hat mir oft zu gut geschmeckt Sechsundfünfzig lange Jahre War’n wir uns treu durch dick und dünn Was ich mir stets von dir bewahre: Ich bin dank dir nur, wer ich bin So gut, so schlecht, ich will‘s nicht missen Die Zeit ging fort und nahm dich mit Du solltest allerdings schon wissen: Mich wirst du so leicht nicht mehr quitt

Von nun an bleibe ich alleine Bis Tod uns denn erneut vereint Will nicht, dass ich aus Trauer weine Das Leben hat’s zu gut gemeint. Wo du auch bist, ich find dich wieder Komm zu dir, ich will bei dir sein Fahr ich nach oben, fahr ich nieder Ich war und bleibe immer dein Wie weißer Schnee bedeckt die Erde Bedeckt nun Erde schwarz dein Grab Das morgen ich bepflanzen werde Mit allem, was das Beet hergab Vor allem Rosenstöcke, gelbe Die glühen, wie dein Haar einst glühte Und jedes Jahr seh‘ ich dieselbe Wunderschöne Winterblüte.

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Hörbuch

Über den Autor

Lessa
Hauptberuf: Mama. Hobbies: Schriftstellerei, Rendering, Rollenspiele, Lesen, Rätseln, Brettspiele... viel zu viel für nur 24 Stunden, besonders, wenn noch ein kleines Wunder im Haus ist.

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Buhuuuh Gutes, sehr gut geschriebenes, Gedicht. :)
Vor langer Zeit - Antworten
EllaWolke Hallo Lessa,

ich "wühle" mich gerade durch die Beiträge, die ich verpasst habe ...lese hier und da ..wie es sich gerade ergibt.

Metrik - von vielen immer wieder eingefordert.
Als ich zu schreiben begann (meine Gedankennotizen - nie würde ich es als Gedichte bezeichnen) bekam ich damals in einem anderen Forum Mails ...eben wegen jener Metrik.
Ich hatte aus meinem Gefühl heraus geschrieben. Mir meinen Liebeskummer wollte ich wegschreiben ...die Diskussionen endeten nicht. Ich machte aber auch "dicht".
Die Nörgelei lies mich damals trotzig werden.
Ich schreibe nach meinem Gefühl.
Sicher mag Schreiben Handwerk sein, sicher kann es erlernt werden und ganz sicher auch gehört die Metrik dazu.
Doch darf sich schreiben nicht ebenso weiter entwickeln wie andere Dinge in unserem Leben?

Ich schreibe nach Gefühl, nach meinem Atemrhythmus, nach meinem Empfinden.
Irgendwann nahm mein Trotz ab und ich bewies, dass ich durchaus auch fähig bin, in Metrik zu schreiben.
Doch ich handhabe es noch immer so, wie man es auch bei Messer und Gabel darf.... man sollte, (muss) es können, doch darf man einfach auch nur mal die Gabel benutzen.

Warum nicht neue Formen?
Ich bin ein großer Erich Fried Anhänger :-)


Dein Gedicht gefällt mir und jegliches Zählen ...wo oft dann der Inhalt "zäh" wird zugunsten der Metrik ...
halte ich für nicht zwingend nötig.
Berührend muss es sein.
Was nützt Metrik, wenn dadurch die Wärme - die Einfühlsamkeit in ein Korsett geschnürt wird?

Sehr berührende Zeilen
LG Ella
Vor langer Zeit - Antworten
Lessa Vielen Dank, Ella! Ja, ich schreibe ähnlich, gerade Gedichte. Ich bin ja sowieso keine Vorarbeiterin; sowohl Geschichten als auch Gedichte fange ich oft oben an und höre unten auf und gut ist. Wobei ich Gedichten da tatsächlich mehr Korrektur und Überarbeitung angedeihen lasse als meinen Geschichten. Da ist es aber, wegen der kondensierten Form, auch wichtiger.

Ich habe oft eine "Sprach-Melodie" beim Schreiben im Kopf und muss bei langen Gedichten dann aufpassen, dass die sich nicht verändert, sonst ist es auch aus mit der Metrik. Meistens reicht diese Melodie, um halbwegs in der Metrik zu bleiben, wobei ich Metrik fasse, wie ich das Gedicht auch vorlesen würde, und das täte ich nie in diesem Singsang, den eine strenge Metrik vorgäbe - viel eher in Sinnzusammenhängen.

Mir ist es völlig egal, ob sich Leute wegen der Metrik aufregen. Ich empfinde es auch als Zwangsjacke, nicht fürs Schreiben, sondern fürs Fühlen, und das lasse ich nicht mit mir machen. Kein Trotz, sondern Lebenserfahrung - man darf sich nie von andern diktieren lassen, wie man zu fühlen hat. Wenns metrisch rund läuft, gut, wenn nicht, auch.

Daher: voll mit dir überein! ;)
Vor langer Zeit - Antworten
Kornblume Hallo Lessa,
ein für mich ungewöhnliches Gedicht was Sprache und Form betrifft.Habe es mehrmals gelesen. Leider bin ich nicht dazu in der Lage es so ausführlich und professionell wie Hofdichter ,Brianne, Tintenklecks und all die anderen hier zu kommentieren. Dafür fehlt mir das Hintergrundwissen.
Der Inhalt berührt meine Seele und mein Herz. Auch ich würde mir wünschen bis zu meinem Tod und darüber hinaus so geliebt zu werden .
Sende Dir herzliche Grüße die Kornblume
Vor langer Zeit - Antworten
Lessa Oh, entschuldige, ich dachte, ich hätte schon geantwortet!
Danke! Ja, das wäre auch mein Wunsch, dass mein Mann später so an meinem Grab stehen könnte - oder ich an seinem. Gleichzeitig zu sterben ist ja eher selten, also wird wohl einer ohne den andern auskommen müssen irgendwann - ich fürchte mich jetzt schon davor. Aber solange man gemeinsam ein Leben hatte, nicht eine bloße Koexistenz, sollte genug da sein, dass der jeweilige Andere nie ganz allein bleibt.
Vor langer Zeit - Antworten
Frettschen Es liest sich wie ein Fotoalbum. Bilder ziehen an einem vorbei, und es kommt mir so vor, als seien es die eigenen Eindrücke des Lebens gewesen.
Schön und auch ein bisschen traurig. Herzergreifend.
Vor langer Zeit - Antworten
Lessa Danke, liebes Frettchen, es freut mich, wenn dir das Gedicht gefällt, und noch mehr, wenn der Rückblick, den er hält, zu deinem Leben auch passt!
Vor langer Zeit - Antworten
Sagitta ob nun mit oder ohne metrik
deine zeilen tragen eine unendliche traurigkeit die nachdenklich machen .
auch aufbauen im erinnern ........................
mir gefallen deine worte sehr , jedes einzelne
das wollte ich dir sagen
und dankeschön
das ich dich lesen durfte

Christin Sagitta
Vor langer Zeit - Antworten
Lessa Vielen Dank, liebe Christin, es freut mich, dass dir das Gedicht gefallen hat!
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Magnolie Sehr zu Herzen gehende Zeilen. Von der Metrik habe ich so gar keine Ahnung ...
Herzlichst
Manu
Vor langer Zeit - Antworten
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