Romane & Erzählungen
Hör einfach auf mich anzusehen

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"Hör einfach auf mich anzusehen"
Veröffentlicht am 10. September 2015, 36 Seiten
Kategorie Romane & Erzählungen
© Umschlag Bildmaterial: LucyDiamond
http://www.mystorys.de

Über den Autor:

Ich schreibe, seit ich schreiben kann. Mal mehr, mal weniger, je nach Zeit, Ideen und Motivation. Bin ansonsten ein bisschen musikalisch, ein bisschen kĂŒnstlerisch "begabt" und verbringe auch so die meiste Zeit.
Hör einfach auf mich anzusehen

Hör einfach auf mich anzusehen

Prolog

Suchend blickte ich mich um. Sie war bis eben noch neben mir gewesen.

Ich blieb stehen, um auf dem glatten Eis nicht auszurutschen.

Eislaufen war nie meine StĂ€rke gewesen. Dennoch hatte ich mich von meiner Tante ĂŒberreden lassen, nur um mir jetzt permanent anhören zu dĂŒrfen wie langsam ich war.

Als ich mich weiter umsah, entdeckte ich sie auf dem Eis kniend, den Blick auf etwas vor sich gerichtet. Neben ihr stand ein großer, hagerer Mann, der sich hinunter gebeugt hatte und dessen Aufmerksamkeit dem Gleichen galt, wie

die meiner Tante.

Neugierig arbeitete ich mich StĂŒck fĂŒr StĂŒck zu den beiden vor, immer darauf bedacht keinen unvorsichtigen Schritt zu tun.

Als ich bei meiner Tante angekommen war, hielt ich mich an ihr fest und besah mir, was beide so interessiert beÀugten.

Es war ein Mann, der seine FĂ€higkeiten auf dem Eis wohl etwas ĂŒberschĂ€tzt hatte, denn er lag mit verdrehtem Knöchel da.

Als sich mein Kopf neben den meiner Tante schob, drehte er mir sein Gesicht zu und ein ĂŒberraschter Ausdruck trat darauf.

Ich starrte ihn mindestens genauso

ĂŒberrascht an.

„Naya!“, sagte in dem Moment der hagere Mann neben meiner Tante. Ich sah auf und blickte direkt in die Augen meines Physiklehrers. Dann sah ich zurĂŒck aufs Eis, wo mein Klassenlehrer lag und mit schmerzverzerrtem Gesicht versuchte, sich aufzurichten.

kapitel I

Er warf mir von der Seite einen schiefen Blick zu. „Ein bisschen seltsam ist das hier schon“, grinste er unsicher. „Wem sagen Sie das“, gab ich zurĂŒck und drehte den SchlĂŒssel im Schloss herum. Er war, genau wie sein Kollege mit dem Fahrrad zur Eisbahn gefahren und, nachdem wir ihn mit seinem verstauchten Fuß auf den Parkplatz transportiert hatten, ratlos gewesen, wie er nach Hause kommen sollten. Meine Tante wohnte nur fĂŒnf Minuten von der Eisbahn entfernt und war zu Fuß

gekommen, sodass letztendlich ich angeboten hatte ihn zu fahren. „Es ist ein bisschen unordentlich“, warnte er mich vor. Ich sah ihn etwas ĂŒberrascht an: „Wirklich? Ich hĂ€tte Sie eher fĂŒr ordentlich gehalten.“ „Bin ich ja auch“, entgegnete er, „ aber wenn man alleine wohnt und arbeitet, ist die Ordnung das Erste, das darunter leidet.“ Ich lachte: „Ich will gar nicht wissen, wie es bei mir spĂ€ter aussieht, wenn ich alleine wohne. Wahrscheinlich geht schon nach drei Wochen die TĂŒr nicht mehr auf, weil der ganze Flur voll

liegt!“ Er schmunzelte. Wir standen im Gang und ich hatte aus reiner Gewohnheit hinter uns wieder abgeschlossen und den SchlĂŒssel stecken lassen. „Wohin?“, fragte ich, wĂ€hrend ich ihn immer noch mit einem Arm abstĂŒtzte. Er deutete mit seinem freien Arm den Flur entlang. Wir setzten uns langsam in Bewegung und erreichten bald das Wohnzimmer, wo ich ihn etwas unbeholfen auf eine große, graue Sofagarnitur manövrierte. Seine Wohnung war schön. Sie war groß, nicht so chaotisch wie er angekĂŒndigt hatte und geschmackvoll eingerichtet. Im Wohnzimmer stand das Ecksofa mit

Blick auf einen großen Flachbildfernseher. Hinter der Couch stand ein Wandregal voller CDs, die eine Stereoanlage einrahmten. Neben dem Regal befand sich sein Schreibtisch und neben diesem seine Gitarre und ein Cajon. Ich bemerkte seinen Blick und wandte mich wieder ihm zu. Er lag auf der Couch und mir fiel auf, dass er sich dort ohne Hilfe nicht so leicht wĂŒrde wegbewegen können. „Warum hab‘ ich Sie eigentlich nicht zum Arzt gefahren?“, sagte ich mehr zu mir selbst als zu ihm. „Was soll ich denn da?“, ging er trotzdem darauf ein, „ich hab‘ mir den

Fuß verstaucht, das braucht mir kein Arzt zu sagen“. Er lĂ€chelte. „Ja, aber Sie brauchen KrĂŒcken“, wandte ich ein. „Hab ich“, sagte er. „Achso?“ Er nickte: „Im Schlafzimmer. Unterm Bett.“ Ich rĂŒhrte mich nicht. Als ich seinen fragenden Blick sah meinte ich: „Soll ich sie holen?“ „Nein, ich möchte dass du sofort verschwindest und mich hier liegen lĂ€sst“, erwiderte er spöttisch. Ich hob entschuldigend die HĂ€nde und fragte ihn wo sein Schlafzimmer denn

sei. „Gleich die nĂ€chste TĂŒr“, sagte er nur. Ich nickte und ging. Sein Schlafzimmer war tatsĂ€chlich ein Schlafzimmer. Neben dem großen Doppelbett und einem Kleiderschrank war es leer. Nur auf einer Seite des Bettes stand ein Nachtisch. Das Buch, das darauf lag, kannte ich nicht. In einer Ecke, vor der blau-weiß gestrichenen Wand stand eine Lampe, die es abends sicher gemĂŒtlich machte. Die Laken auf dem Bett waren zerwĂŒhlt. Ich fĂŒhlte mich komisch in diesem Zimmer zu sein, also zog ich die KrĂŒcken aus dem Staub unterm Bett und ging zurĂŒck ins Wohnzimmer. Ich stellte die Laufhilfen ab und ließ

mich mit einer SelbstverstĂ€ndlichkeit, die ich sonst von mir nicht kannte, an seinen FĂŒĂŸen auf dem Sofa nieder. Woher ich den Mut nahm, war mir in dem Moment nicht wirklich klar, allerdings hatte er es so an sich an mir meine vorlauteste und provokanteste Art zum Vorschein zu bringen. „Brauchen Sie sonst noch irgendwas? Trinken? Essen? Was zum KĂŒhlen?“ Ich sah ihn fragend an. „Einmal alles bitte“, er zwinkerte mir zu. Ich sah ihn etwas hilflos an: „Ernsthaft? Was zu essen auch? Ich wollte eigentlich nur höflich sein.“ Er lachte: „Du musst jetzt nicht das

Kochen anfangen“, beruhigte er mich, „ich kann mir spĂ€ter was bestellen. Beziehungsweise
“, er sah mich nachdenklich an, „hast du eigentlich schon gegessen?“ Ich war mir unsicher was ich antworten sollte. Ich hatte seit 10 Uhr morgens nichts mehr gegessen und wirklich Hunger. Allerdings schaute er, als wĂŒrde er mir gleich anbieten fĂŒr mich mit zu bestellen und ich war mir nicht sicher, ob ich das wollte. FĂŒr einen Tag hatte ich eigentlich genug Zeit mit meinem Lehrer verbracht, allerdings war die Situation so skurril, dass ich sie so lange wie möglich ausnutzen wollte. Ich hatte eine SchwĂ€che fĂŒr skurrile und

ungewöhnliche Situationen und wer aus meiner Klasse konnte schon behaupten mit unserem Lehrer, bei ihm zuhause, gegessen zu haben und ihn wĂ€hrenddessen mit KĂŒhlpĂ€ckchen versorgt zu haben. Ich entschied mich also fĂŒr die Wahrheit: „Das letzte Mal um 10.“, sagte ich, „Zwei Scheiben Toast“, fĂŒgte ich mit einem Zwinkern hinzu. Er zog die Augenbrauen in die Höhe: „Davon bist du satt? Bis jetzt?“ Ich schĂŒttelte den Kopf. Er lĂ€chelte: „Asiatisch? Oder lieber Pizza?“ „Asiatisch. Reis. Ohne Sauce!“ „Ohne Sauce? Wonach schmeckt das denn

dann?“, fragte er skeptisch. „Nach fettigem Reis mit fettigem GemĂŒse“, grinste ich. Lachend schĂŒttelte er den Kopf. Dann wies er mich an auf seinem Schreibtisch nach dem Flyer des Lieferservices zu suchen. Ich kam seiner Aufforderung nur zu gerne nach. Der Schreibtisch lag voller Schulunterlagen und ich stöberte neugierig darin herum. Vielleicht lag der Flyer ja darunter und ich fand beim Suchen zufĂ€llig die nĂ€chste Bio-Ex. Da hörte ich hinter mir ein RĂ€uspern. Mit einem Unschuldsblick drehte ich mich um. „Der Flyer steckt im Notizenhalter, ganz vorne dran!“, sagte er mit einem Blick,

der keinen Zweifel daran ließ, dass er ahnte was ich vorhatte. Ertappt drehte ich mich wieder zum Schreibtisch und sah den Flyer auf einen Blick. „Ach da!“, rief ich gespielt ĂŒberrascht aus, was ihm wieder ein LĂ€cheln und ein KopfschĂŒtteln entlockte. Ich reichte ihm den Flyer und wĂ€hrend er anfing die Nummer in sein Handy einzutippen, fragte ich ob ich ihm jetzt ein KĂŒhlpĂ€ckchen bringen sollte. Er nickte nur abwesend. „Okay, ich werd’s schon alleine finden, nur keine MĂŒhe“, murmelte ich und wollte mich gerade abwenden, als er plötzlich

aufblickte: „Du, Naya?“ Ich sah ihn fragend an. „Das ist dir jetzt aber nicht irgendwie unangenehm hier, oder?“ Ich lachte. Falls die Situation nicht schon unangenehm war, erreichte er das sicher, wenn er solche Fragen stellte. „Ein Essen ist das Mindeste, das sie mir schulden“, sagte ich aber nur und zwinkerte ihm zu, bevor ich mich auf die Suche nach etwas zum KĂŒhlen begab. Die TĂŒr zur KĂŒche war direkt gegenĂŒber der WohnzimmertĂŒr und stand offen. Gleich beim Eintreten fiel mein Blick auf einen runden Tisch mit drei StĂŒhlen. In dessen Mitte stand, wie nicht anders

zu erwarten, ein großer Obstkorb, der bis oben hin gefĂŒllt war. Daneben waren an den beiden gegenĂŒberliegenden WĂ€nden zwei KĂŒchenzeilen. Die vierte Wand beherbergte nur ein Fenster. Ich ging direkt zum KĂŒhlschrank und sah neugierig hinein. Vom Inhalt war ich nicht ĂŒberrascht. Ich hatte vermutet, dass in seinem KĂŒhlschrank alle Zutaten fĂŒr eine ausgewogene ErnĂ€hrung zu finden waren, und genauso war es auch. Ich war aber auch nicht ĂŒberrascht, als ich das Gefrierfach öffnete und mir eine Eispackung entgegenfiel, die mit noch vier weiteren in das viel zu kleine Fach gestopft worden war. Ich war mir sicher, dass sich auch an anderen Orten in der

Wohnung Arsenale an SĂŒĂŸkram befanden. Irgendwo inmitten der Eisschachteln fand ich letztendlich wonach ich suchte. Es war einer dieser blauen KĂŒhlbeutel, mit der geleeartigen FlĂŒssigkeit darin. Die hatten wir zuhause auch. Ich sah mich nach einer KĂŒchenrolle um und wickelte, nachdem ich fĂŒndig geworden war, den Beutel in drei Schichten des Papiers ein. Als ich wieder ins Wohnzimmer kam, hatte er sich zurĂŒckgelehnt und die Augen geschlossen. So leise wie möglich setzte ich mich und legte den KĂŒhlbeutel an die Stelle, von der ich dachte, dass sie

wehtat. Als er erschrocken zusammenzuckte grinste ich schadenfroh. „Ein bisschen sadistisch bist du schon, oder?“ Ich schĂŒttelte den Kopf, mit einem Blick der seine Frage im gleichen Moment bejahte. Er verzog missbilligend das Gesicht, doch ich wusste, dass er es nicht ernst meinte. Mit seinen 27 Jahren war er der jĂŒngste Lehrer, den ich jemals hatte und vermutlich auch der schĂŒlernahste. Was nicht unbedingt immer von Vorteil war, denn er war unglaublich neugierig und pflegte sich in alles

einzumischen. Ich sah zurĂŒck auf das KĂŒhlpĂ€ckchen an seinem Knöchel. "Ist das richtig da?", fragte ich. Er nickte nur. Unangenehme Stille fĂŒllte den Raum. Ich kam mir nun an seinem Fußende komisch vor und stand auf. Nach kurzem Zögern durchquerte ich das Zimmer, bis ich vor seiner CD-Sammlung stand. Ich besah mir die Namen der einzelnen Bands und SolokĂŒnstler. Er hatte einen schrecklichen Musikgeschmack! "Was dabei, das dir gefĂ€llt?", fragte er. Ich drehte mich zu ihm um und verzog als Antwort das Gesicht. Er runzelte die Stirn. "Diese Musiksammlung ist der

Inbegriff von QualitĂ€t!", sagte er anklagend und ein bisschen großspurig, "Irgendwas davon muss dir gefallen!" Ich drehte mich wieder um und ging noch einmal die CD-Cover durch. Dann zuckte ich bedauernd die Achseln: "Nein, ich fĂŒrchte wir haben komplett unterschiedliche Vorstellungen darĂŒber, was das Wort QualitĂ€t bedeutet." "Na, da bin ich mal gespannt", sagte er und sah mich erwartungsvoll an. Ich setzte mich zurĂŒck aufs Sofa und lĂ€chelte: "Eine Musiksammlung, die sich durch ihre QualitĂ€t ausweist, beinhaltet auf jeden Fall Interpreten wie die Beatles, Queen oder Pink Floyd. Bei modernen Interpreten geht man am

besten in Richtung Indie. Und was natĂŒrlich der VollstĂ€ndigkeit halber nicht fehlen sollte, ist Klassik. Was allerdings nicht vorkommen darf, ist fast alles, das mainstream ist, Hip Hop ist meistens hart an der Grenze und alle Formen der Elektromusik sind meiner Meinung nach auch daneben!", belehrte ich ihn. Er grinste amĂŒsiert: "Alle Formen der Elektromusik? Ich glaube du hast keinen Ahnung, wovon du redest!" Zum GlĂŒck verhinderte in diesem Moment die TĂŒrklingel, dass das GesprĂ€ch in eine Diskussion ausartete. Ich sprang auf, ging eilig zur TĂŒr,

drehte den SchlĂŒssel herum und riss sie auf. "Ähm Naya?", hörte ich seine Stimme aus dem Wohnzimmer, "Wie wĂ€re es, wenn du erstmal die HaustĂŒr öffnest?" Ich hatte inzwischen auch bemerkt, dass niemand vor der TĂŒr stand. Meine Eltern und ich wohnten in einem Haus. Dass man zwei TĂŒren öffnen musste, war ich nicht gewohnt. Ich blickte mich suchend nach dem Apparat um, mit dem man die HaustĂŒr öffnen konnte und entdeckte ihn auf den zweite Blick. Stolz ĂŒber meine SelbststĂ€ndigkeit, drĂŒckte ich den Knopf. Es summte laut und wenige Augenblicke spĂ€ter, erklomm ein schnaufender Asiate die letzten

Stufen bis zur WohnungstĂŒr. Erst jetzt fiel mir auf, dass ich gar kein Geld bei mir hatte, denn meine Tasche hatte ich im Auto liegen gelassen. Der Asiate hielt mir unterdessen eine weiße, dampfende TĂŒte hin und verlangte mit einem breiten LĂ€cheln 15,50€. Ich hob etwas verlegen den Zeigefinger. "Einen Moment!", sagte ich leise. Dann huschte ich zurĂŒck zum Wohnzimmer und streckte meinen Kopf um die Ecke. Er hatte sich wieder zurĂŒckgelehnt und die Augen geschlossen. "Pssst", machte ich. Er öffnete ein Auge. "Ich hab' kein Geld dabei!" Das zweite Auge öffnete sich. Er

richtete sich ein bisschen auf und zog aus seiner hinteren Hosentasche einen Geldbeutel hervor. Ich ging die letzten Meter bis zum Sofa. "15.50", sagte ich. Er drĂŒckte mir einen 20€-Schein in die Hand. "Stimmt so", meinte er nur und lehnte sich wieder zurĂŒck. Als ich den Lieferanten bezahlt hatte und wieder zurĂŒck im Wohnzimmer war, holte ich die dampfenden Pappschachteln aus der TĂŒte und sah kurz hinein. "Einmal Reis ohne Sauce fĂŒr mich", sagte ich freudig, wĂ€hrend mir das Wasser im Mund zusammenlief, "einmal Nudeln mit undefinierbarem Allerlei

fĂŒr...Sie", unterdrĂŒckte ich im allerletzten Moment den Reflex dein Reim zu beenden. Er unterdrĂŒckte ein Lachen und nahm sein Essen. "Du kannst dir in der KĂŒche was zu trinken holen. Ich nehm einfach nur ein Wasser", meinte er. Als ich mit zwei GlĂ€sern Wasser zurĂŒckkam, hatte er schon angefangen zu essen. Ich setzte mich mit meinem Reis ihm gegenĂŒber auf den Boden und wĂ€hrend wir schweigsam unser Essen aßen, war die Stille nicht mehr

unangenehm.














Als die TĂŒr aufgeht blicken 29 neugierige Augenpaare auf. Ich höre wie mehrere MĂ€dchen scharf die Luft einziehen. Ohne Frage sieht unser neuer Lehrer, der da gerade den Raum betritt, ausgesprochen gut aus. Zumindest scheinen das die anderen so zu sehen. Ich selbst habe da offensichtlich einen anderen Geschmack. Er lĂ€chelt uns jetzt mit einem breiten LĂ€cheln an. Man sieht viel zu viele, viel zu weiße ZĂ€hne. Als ich die schwĂ€rmerischen Blicke meiner Klassenkameradinnen bemerke,beschleicht mich ein ungutes GefĂŒhl. Ich kann es mir selbst nicht erklĂ€ren, aber irgendetwas sagt mir, dass diese anfĂ€ngliche Begeisterung nicht

lange anhalten wird.

Kapitel II

Am nĂ€chsten Morgen saß ich im Auto und konnte nur den Kopf ĂŒber mich selbst schĂŒtteln. NatĂŒrlich hatte ich ihm gestern vor dem Gehen noch angeboten ihn abzuholen und mit zur Schule zu nehmen. Er bewegte sich normalerweise nur mit dem Fahrrad oder mit öffentlichen Transportmitteln fort und ich dĂŒrfte selbst schon die freudige Erfahrung machen mich auf KrĂŒcken durch diverse Busse und Straßenbahnen schleppen zu mĂŒssen. Deshalb war mir der Vorschlag ĂŒber die Lippen gerutscht bevor ich richtig darĂŒber hatte nachdenken können. NatĂŒrlich nahm er

das Angebot dankend an und so befand ich mich nun abermals auf dem Weg zu seiner Wohnung. An sich war es ja eigentlich nicht so schlimm, wenn man bedachte, dass ich gestern den halben Tag dort verbracht hatte. Die professionellen Grenzen, die Lehrer und SchĂŒler vermutlich normalerweise einhalten sollten, waren von daher nun sowieso schon ĂŒberschritten. Ich war nur besorgt ĂŒber die Reaktionen, die sicher nicht ausbleiben wĂŒrden, sollte man uns zusammen im selben Auto ankommen sehen. Mein erster Einfall wĂ€re daher gewesen nicht so nahe bei der Schule zu parken. Blöd nur, dass der ganze Grund fĂŒr meine Chauffeurdienste eine

Fußverletzung seinerseits war, was wiederum nahelegte so dicht bei der Schule wie nur möglich zu parken. Zum GlĂŒck kam ich bei seinem Wohnhaus an bevor ich mir den Kopf weiter ĂŒber die optimale Parkdistanz zerbrechen konnte. Ich parkte auf einem der StellplĂ€tze fĂŒr Anwohner und öffnete die AutotĂŒr. Sofort schlug mir ein eisiger Wind entgegen und ich spielte mit dem Gedanken im Auto zu bleiben und ihn hupend zum Herunterkommen zu bewegen. Murrend quĂ€lte ich mich aber letztendlich doch aus dem Auto und stiefelte durch den Schnee zur HaustĂŒr. Dumme, deutsche NormkonformitĂ€t! Ich lehnte mich mit meinem ganzen Gewicht

gegen die Klingel und ließ den Knopf nicht los bis nach einer halben Minute endlich der Buzzer ertönte. FĂŒnfmal hintereinander. Ich grinste, jetzt war er wenigstens wach. "Musste das sein?", fragte er, als ich nach drei Treppen seine geöffnete WohnungstĂŒr erreichte, in der er, abmarschbereit lehnte. "Leute mĂŒssen doch wissen wer vor der TĂŒr steht", meinte ich nur. "Ein nerviges Wesen?", fragte er grinsend. "Ganz genau", erwiderte ich trocken, "können wir dann?". Er nickte, nahm seine KrĂŒcken, die neben ihm lehnten und zog hinter sich die WohnungstĂŒr zu.

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dieFremde
Ich schreibe, seit ich schreiben kann.
Mal mehr, mal weniger, je nach Zeit, Ideen und Motivation.
Bin ansonsten ein bisschen musikalisch, ein bisschen kĂŒnstlerisch "begabt" und verbringe auch so die meiste Zeit.

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Bleistift 
"Hör einfach auf mich anzusehen..."
Diese Story wirkt für mich auf den ersten Blick recht interessant,
denn sie birgt eine Menge literarischen Potentials in sich, sofern
jedoch überhaupt eine entsprechende Fortführung geplant ist...
Allerdings entpuppt sie sich beim näheren Hinschauen,
besonders in den Dialogen als ein wenig »flügellahm«,
insbesondere was diese Spannung angeht, wenn sich ein
Mann und eine Frau begegnen...
beste Grüße
Louis :-)
Vor ein paar Monaten - Antworten
Trollmops Die Geschichte ist gut geschrieben. Eine Geschichte schreibt man ja erst dann auf, wenn etwas Besonderes passiert, daher finde ich diese grenzwertige Situation auch nicht schlimm, ganz im Gegenteil. Jetzt wüsste man nämlich gerne, wie es weitergeht. Auch den kursiv gesetzten Teil finde ich gut "eingeworfen". Auf diesen Part sollte man zu einem späteren Zeitpunkt nochmal zurückkommen.
Ich finde, du solltest da dran bleiben.

Gruß Det
Vor ein paar Monaten - Antworten
dieFremde Vielen lieben Dank für die Ermutigung!
Ich hoffe wirklich ich finde bald die Zeit und die Muße für eine Fortsetzung.

Liebe Grüße, Anina
Vor ein paar Monaten - Antworten
strandgigant Hi!
Weiter!
Lebhafte Bilder, die Du beschreibst.

Was für mich nicht schlüssig ist, ist die Chauffeur-Geschichte. Das scheint mir zu unwahrscheinlich (?), dass ein Lehrer (auch ein junger), eine solche Grenzsituation bewusst in Kauf nehmen würde. Auch wenn die Protagonistin offensichtlich 18+ ist. Wahrscheinlicher wäre aus meiner Sicht, er wäre drei Tage krank und die nächste Begegnung wäre "zufällig"...irgendwo....vielleicht im Planetarium???
Den zeitlich entrückten, kursiv gesetzten Teil auf den Seiten 28, 29 verstehe ich nicht ganz. Der spielt vor der Eisbahnsituation, oder?
Würde mich über eine Fortsetzung freuen, vor allem, weil die Geschichte gerade an einem Punkt ist, an dem sie noch viele Richtungen offen lässt. Allerdings, gibt die Chauffeur-Geschichte aus meiner Sicht, schon klar eine grenzüberschreitende Richtung vor, um das "spannungsbogenmäßig" zu steigern, bedarf es wohl einiges an Grenzaufhebungen...doch vielleicht, interpretiere ich eher in Grüne, weil ich natürlich Dein Intentionen und Ziele, gar nicht kenne...

Danke!
LG
detlef
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dieFremde Vielen Dank für dein Feedback!
Du hast Recht, dass dieser Part der Geschichte etwas grenzwertig ist, sowohl von der Glaubhaftigkeit, als auch im Verlauf der Handlung. Ich muss mir das Ganze nochmal gut überlegen; ob ich es so lasse, bzw. wie ich von da weitergehe, damit es sinnvoll bleibt.
Der kursiv gesetzte Teil erzählt vom ersten Schultag, an dem die Klasse der Protagonistin den Lehrer das erste Mal gesehen hat. Diese kursiven Teile sind zwischen allen Kapiteln geplant, als Rückblenden, um zu zeigen was vor dem Zusammentreffen auf der Eisbahn passiert ist, besseren Einblick zu geben, etc..
Ich war tatsächlich schon dabei diese Geschichte aufzugeben, aber du hast mich gerade nochmal ermutigt. Also kannst du wohl in naher bis mittelnaher Zukunft mit einer Fortsetzung rechnen ;).
Liebe Grüße
Dieses Jahr - Antworten
GertraudW 
Ich habe angefangen zu lesen - und es liest sich auch gut - aber
mit meinen kaputten Augen ist mir so eine lange Geschichte (mit
Fortsetzung?) viel zu beschwerlich zu lesen - leider.
Liebe Grüße und viel Erfolg damit
Gertraud
P. S. ein ♥liches Dankeschön für die Münzen zu meiner Geschichte
"Der erste Versuch".
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