Humor & Satire
GENS DE LETTRES - Wilhelm Raabe (Hörbuch-Version)

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"GENS DE LETTRES - Wilhelm Raabe (Hörbuch-Version)"
Veröffentlicht am 21. Mai 2015, 6 Seiten
Kategorie Humor & Satire
© Umschlag Bildmaterial: Wilhelm Raabe
http://www.mystorys.de

Über den Autor:

"I've gazed into the abyss and the abyss gazed into me, and neither of us liked what we saw." Brother Theodore
GENS DE LETTRES - Wilhelm Raabe (Hörbuch-Version)

GENS DE LETTRES - Wilhelm Raabe (Hörbuch-Version)

Gens de Lettres

LXXIII. Wilhelm Raabe oder Die Unbilden des Frühstücks „Der Menschen Weisheit“, sprach Herr Raabe, „Ist eine äußerst rare Gabe! Es hilft, im Sinne der Nation, nur Einsicht und die Reflexion, Dass manches zu verbessern sei - insonderheit der Haferbrei, Der mir ein wenig pappig scheint, was auch, in dubio, lappig meint, Worauf ich dankend gern verzichte und lieber dieses Ei vernichte. Ups. Schau mal an, das Ei ist hart. Es rutscht vom Löffel in den Bart, Dort macht es sich sogleich kommod, auch wenn ihm dorten Unheil droht. Gesine, Kind, reich mir die Schere, bevor ich dich

den Mores lehre! Was hast du dir dabei gedacht? Du hast das Ei zu hart gemacht! Kein Huhn wird solches je vollbringen. Ich werde dir die Messe singen! Gesagt, getan – noch eine Tasse, bevor ich mich damit befasse, Den Toast mit Honig zu beschmieren, um ihn sodann hinan zu führen, Dort, wo der Schöpfer Platz beließ, durch den er Gottes Odem blies. Doch, halt mal, stopp was ist denn das? Der Kaffee kalt, die Tasse nass! Erbarmet euch, ihr edlen Horen! Hab ich denn den Verstand verloren?“ Herr Raabe stürmt mit raschen Schritten und wider alle guten Sitten, Das Haupthaar bar des treuen Hutes, auch ohne Stock, doch frohen Mutes, Die Tasse noch am Henkel haltend, den Unmut

wortreich ausgestaltend, Hinab in seine Sperlingsgasse, auf dass er sich dort leidlich fasse, Und alsogleich mit frohem Sinne, ein neues, kluges Werk beginne. Anmerkung zum Text: Wilhelm Karl Raabe (1831-1910) war ein deutscher Schriftsteller, der dem poetischen Realismus zugeordnet wird. Gleich sein erster Roman, „Die Chronik der Sperlingsgasse“, 1856 erschienen, wurde sein größter Erfolg. Hinzu kamen 67 weitere Romane, Erzählungen und Novellen. Es ist mir eine besondere Freude, Herrn Raabe, der viele Jahre in meiner Geburtsstadt Wolfenbüttel und anschließend in Braunschweig lebte, diesem Kanon der Gens de Lettres einverleiben zu dürfen. In dubio bedeutet „im Zweifelsfalle“. Kommod ist veraltet für

bequem. Über die Identität von Gesine streiten die Schriftgelehrten, gleichwohl tendiert eine Mehrheit dazu, das unglückselige Mädchen für eine Hausangestellte Raabes zu halten. Bei genauerer Betrachtung des Bildes von Wilhelm Raabe, erkennen wir unten am Bart recht deutlich die Stelle, aus der per Scherenschnitt das hartgekochte Ei exzerpiert werden musste. Die Horen sind in der griechischen Mythologie die Göttinnen des geregelten zeitlichen Ablaufs. Lieblingszitat von Wilhelm Raabe: „Wenn es Gottes Willen gewesen ist, so ist es auch der meinige geworden.“ © 2014-2015 Doktor Seltsam

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DoktorSeltsam
"I've gazed into the abyss and the abyss gazed into me, and neither of us liked what we saw."

Brother Theodore

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Herbsttag Wieder ein BRAVO!! Schwer, heute jemanden "Mores zu lehren", heute haben ja selbst die Lehrer keine Handhabe. Wilhelm Raabe war auch Mitglied des Stammtisches der "ehrlichen Kleiderseller" und des "feuchten Pinsels". Er soll auch gesagt haben: "Man kann vieles in einem langen Leben lernen, aber oft noch mehr in ein paar Tagen, in einem kurzen Augenblick." Wie recht er hat! Immer wieder herzerfrischend, deine Gens de Lettres. Ira (p.s.: ich warte??)
Vor langer Zeit - Antworten
DoktorSeltsam Ja, ich weiß. Ist nicht vergessen - aber wie Kinder nun mal so sind: immer dann, wenn ich ihn losschicken will, sind die Haare nicht gekämmt, das Hemd ist falsch zugeknöpft, er hat sich mit seiner großen Schwester geprügelt, zwei verschiedene Socken an oder ist ganz und gar verschwunden! Mach dir keine Gedanken, ich habe alles im Griff! (Fast!)

Liebe Grüße
Dok
Vor langer Zeit - Antworten
Herbsttag :-)))
Vor langer Zeit - Antworten
avewien Wieder wen "kennen gelernt". Danke.
"Mores lehren" hab ich schon Jahrzehnte nicht mehr gehört...

Gruß aus Wien
Andreas
Vor langer Zeit - Antworten
DoktorSeltsam Besten Dank fürs Lesen, Andreas. Der alte Herr Raabe ist gewissermaßen ein lieber Nachbar. Und das mit dem "Mores lehren" darf einfach nicht aussterben - zumindest nicht, so lange ich es mit meinen bescheidenen Mitteln verhindern kann.

Liebe Grüße
Dok
Vor langer Zeit - Antworten
baesta 
Oh Doc, mit welchen Wortgewalten
vermagst Du so ´nen Text gestalten.
Herr Rabe wird mit Wohlgefallen
den Text von seiner Wolke lallen.....

Liebe Grüße
Bärbel
Vor langer Zeit - Antworten
DoktorSeltsam Der gute Onkel Willi hatte ein Alkoholproblem??? Ich bin schockiert. Darauf einen Dujardin!

Vielen Dank fürs Lesen, Bärbel!

Dok
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Rajymbek 
Wie weise der Herr Raabe war, spürt man bereits an deinem ersten Satz. Viel zu wenig habe ich von ihm gelesen.

VLG Roland
Vor langer Zeit - Antworten
DoktorSeltsam Ja, Roland, da muss ich es wohl gestehen: Den ersten Satz habe ich dem Raaben in den Schnabel gelegt. Aber, es ist ja auch schön zu lesen, wie weise ICH bin! :-)))

Dok
Vor langer Zeit - Antworten
FLEURdelaCOEUR 
Lieber Dok, es sei dir gedankt für dieses Herzstück deutscher Literatur!
Wir haben Wilhelm Raabe auch in der DDR-Oberschule behandelt, aber mir sind nur noch seine Titel wie "Das Haus in der Sperlingsgasse" oder "Die schwarze Galeere" in Erinnerung, habe es wahrscheinlich nie gelesen ...
Nur ein Zitat fällt mir gerade ein, mit dem wir sicher gut leben können:

"Humor ist der Schwimmgürtel auf dem Strom des Lebens."
Wilhelm Raabe

Liebe Grüße
fleur

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