Kurzgeschichte
Die Geschichte einer Nutte

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"Sie war ein aufgewecktes Mädchen. Bis zu jenem schicksalhaften Tag. Von da an änderte sich ihr Leben"
Veröffentlicht am 13. Mai 2015, 12 Seiten
Kategorie Kurzgeschichte
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Sie war ein aufgewecktes Mädchen. Bis zu jenem schicksalhaften Tag. Von da an änderte sich ihr Leben

Die Geschichte einer Nutte

Titel

Zwanzig Jahre. Eine verdammt lange Zeit. Doch bald ist es vorbei. Ich spüre es. Mir bleiben nur noch ein paar Tage. Dann ist es endlich vorbei. Der ganze scheiß, der sich mein Leben nennt. Meinen achtundzwanzigsten Geburtstag werde ich nicht mehr erleben. Dafür bin ich und mein Körper zu kaputt. Von den Drogen und den scheiß Kerlen, die... Ich war gerade erst sieben geworden. Damals war ich noch ein fröhliches und aufgewecktes Mädchen gewesen. Erfreute mich am Leben. Alles war in Ordnung und lief seinen geregelten Gang. Doch plötzlich ging alles kaputt.

Meine Welt stürzte ein. Zuerst starb meine Mutter. Dann suchte mein Vater die Liebe, die er von meiner Mutter bekommen hatte, bei mir. Anfangs legte er sich nur neben mich. Das half mir sogar, besser einzuschlafen. Er gab mir das Gefühl, ich bin nicht allein. Als er dann anfing mich zu streicheln, dachte ich mir nichts dabei. Genoss seine zärtlichen Berührungen. Früher hatte es ja auch meine Mutter gemacht und mir damit gezeigt, das sie mich liebte. Doch er blieb nicht lange bei meinen Kopf. Allmählich glitt er zu meinem Gesicht, Oberkörper, … Eines abends spreizte er meine Beine. Ganz behutsam. Ich hatte eine Ahnung, was er mit mir vor hatte.

Was er von mir wollte. Gehorchte einfach nur. Es war ein unbekanntes und seltsames Gefühl, als er an meinem Geschlechtsteil fingerte. Einerseits kitzelte es. Andererseits bereitete es mir unbehagen. Meine Mutter hatte dies nie getan. Es war neu für mich und ich hatte angst davor. Jedes mal, wenn er es tat, sah er mich dabei an und lächelte liebevoll. Ich getraute mich nicht, mich dagegen zu wehren. Deshalb ließ ich es einfach zu und hoffte, das ich schnell einschlafen werde und er dann mein Zimmer verließ. Doch stattdessen ging er weiter. Nahm meine Hand und steckte sie in seine Hose. Zeigte mir, wie ich es

machen sollte. Als ich ihn das erste mal kommen sah, erschrak ich. Dachte, das ich ihn verletzt hatte und er jetzt ins Krankenhaus musste, oder schlimmer noch, sterben. Woher sollte ich wissen, das das weiße Zeug Sperma ist und jeder Mann es aussprizte, wenn er kam. Ich war erst sieben Jahre alt. Ich sah meinen Vater an. Sah sein glückliches Gesicht. Er stöhnte zufrieden, das ich ein gutes Kind bin. Damals hatte ich nicht verstanden, was Phase war. Was er mit mir anstellte. Nun weiß ich es. In der Zwischenzeit ist mir auch bewusst geworden, das man seinem Kind so nicht zeigt, das man es liebt. Innerhalb von rund zehn Monaten lehrte

er mich, wie man einen Mann mit der Hand und dem Mund befriedigt. Kurz bevor ich acht Jahre alt wurde, entjungferte mich mein Vater. Es tat höllisch weh, obwohl er sehr zärtlich zu mir war. Nie werde ich vergessen, wie es sich beim ersten mal angefühlt hatte, als er in mir kam. Ich fragte mich, was mir lieber wäre: Das weiße Zeug schlucken oder es in mir spüren. Mir gefiel beides nicht. Da ich den Geschmack eklig fand und es unten wehtat. Keinem erzählte ich davon. Wer würde mir auch schon glauben wollen. Mein Vater war hoch angesehen. Bei jedem beliebt. Wenn ich irgendwem gesagt

hätte, das er mich fickte, wann immer ihm danach war, ohne Rücksicht auf mich zu nehmen, hätte ich mir was anhören können, wie lieb und nett mein Vater doch sei. Das ich froh sein kann, so einen liebevollen Vater zu haben. Niemand wollte hören, was er mit mir machte und es wollte keiner hören, das er mein Zuhälter war. Ja, er schickte mich sozusagen auf den Strich. Manchmal durfte ich deshalb nicht in die Schule, weil irgendein Freier nicht anders konnte. Da ging es mir eben mal schlecht. Hatte was falsches gegessen. Ich kam schon früh mit Drogen in Kontakt. Ein Freier hatte mal etwas dagelassen. Es war ein Geschenk. Wenn

ich mich recht erinnere, war das an meinem elften oder zwölften Geburtstag gewesen. Etwa ein viertel Jahr lang lag es einfach nur in meiner Schublade. Als ich wieder mal nicht in die Schule durfte und mehr Freier, als sonst, zu mir kamen, nahm ich das Tütchen raus und probierte es. Die Wirkung war überraschend genial. Ich kickte mich in eine andere Welt. Jenseits vom Diesseits. Wir zogen um, als ich dreizehn war. Wahrscheinlich war jemand aufgefallen, wie mein Vater wirklich war. Und bevor alles rauskam, was er mit mir all die Jahre tat, zog er lieber um. So zumindest erkläre ich mir unseren Umzug. Mir war es egal gewesen. Hoffte

aber irgendwie, das sich dadurch mein Leben bessern würde. Für alle Fälle und weil ich abhängig war, packte ich meinen Drogenvorrat mit ein. Versteckte ihn zwischen meinen Sachen. Wie zu erwarten, wurde es nicht besser. Eher schlimmer. Mein Vater verzichtete drauf, mich an einer Schule anzumelden. Stattdessen machte er mich zur Vollzeitnutte. Gewöhnte sich sogar an, mir was von meinem Geld abzugeben. Meine Drogen bekam ich von meinen Freiern. Was sie mir gaben, war mir egal. Hauptsache war, es kickte mich weg. Ich wollte nicht mitkriegen, wie mich einer nah dem anderen bestieg. Hoffte aber, das ich irgendwann einmal

Licht am ende des Tunnels sehen würde. Ich bin noch keine achtundzwanzig und sehe schon aus, wie eine alte Frau. Und so fühle ich mich auch. Alt und am ende. Es ist ein unbeschreibliches Gefühl, den Tod so nah zu spüren. Nach all den Jahren, habe ich endlich wieder einen Grund mich zu freuen. Viele fürchten den Tod. Aber ich freue mich darauf, ihm endlich die Hand reichen zu können. Ihm in sein Reich zu folgen. Mir ist es egal, ob ich in die Hölle kommen werde. Schlimmer, als das Leben, das ich hatte, kann das Fegefeuer nicht sein. Aber vielleicht ist das Leben, das wir kennen, auch die Hölle. Hier büßen wir für all unsere Schandtaten.

Und wenn Gott der Meinung ist, man hat genug gelitten, entlässt er uns und geleitet uns ins Paradies, wo wir so lange bleiben dürfen, wie wir uns artig benehmen. Eine schöne Vorstellung und gar nicht mal so unlogisch, finde ich. Ich bringe es eh nicht mehr, als Nutte. Mein Vater verdient kein Geld mehr mit mir. Ihm kann es auch egal sein. Schließlich hatte er sich in den letzten Jahren noch ein paar Mädchen und Frauen angelacht. Ich bin auch überzeugt davon, das er mir keine Träne nachweint, wenn ich nicht mehr bin. Er wird mich schnell unter die Erde bringen wollen, um sich schnell wieder seinen Geschäften widmen zu

können. Es ist auch möglich, das er deshalb mit mir umgezogen war, weil er erfahren hatte, das er hier als Zuhälter arbeiten kann. Ach, ist ja auch egal. Mein Leben ist fast ausgehaucht. Ein letztes mal werde ich mich auf den Rücken legen und meine Augen schließen. Aber diesmal für immer.

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BoeserLordKotz Verehrter Herr Superlehrling,
mich wundert das quasi niemand auf dieser Seite diesen Text liest. So die Statistik hier korrekt ist.
Die Abgründe der Menschheit faszinieren mich...es ist ein trauriger Fakt: "All Monsters are Human" ... Diese Selbstreflexion der armen Seele liest sich Flüssig und beinahe "Biografisch". Fiktion oder nicht ist glaube ich unerheblich. Es gibt diese Fälle da draußen und sie sind weitaus häufiger als man annehmen möchte. Zurück bleiben "kaputte" Existenzen die letztlich sehr anfällig für Suchterkrankungen jegweder Art sind und selbst wenn sie den Absprung in eine vermeintlich bessere Welt schaffen...ihr Leben lang unter den Folgen leiden.

Hochachtungsvoll
Lord Kotz
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Himbeere Eine heftige Geschichte, die aber wohl doch dem Alltag mancher Menschen nahe kommt , es wird oft sogar weit heftiger noch sein als von Dir beschrieben.
Wenn man davon nur mal in Zeitungen liest, auch von Menschen in öffentlichen Funktionen, die vielleicht vermutlich, sicher.... wenn man selber nicht betroffen ist schiebt sich das doch leicht wieder weg, hinterlässt maximal eine leichte Betroffenheit. Deine Geschichte eine gute Erinnerung. Gruß Himbeere
Vergangenes Jahr - Antworten
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