Journalismus & Glosse
Gedenktage - Nachlese (2)

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"Welchen Sinn haben Gedenktage"
Veröffentlicht am 29. Januar 2015, 12 Seiten
Kategorie Journalismus & Glosse
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Über den Autor:

Ich sehe und verstehe mich als Hobby-Autor. Da ich jedoch mit dem Schreiben nicht meinen Lebensunterhalt bestreiten muss, nehme ich mir die Freiheit heraus und schreibe das, wozu ich Lust habe, woran ich Spaß habe und was mir gefällt. Da ich ein kritischer Mensch bin, gerne alles hinterfrage, was mir fragwürdig erscheint und darüber Nachdenken (ein weiteres Hobby von mir) schreibe ich nicht nur zur Unterhaltung und zum Wohlgefallen. Ich bin ...
Welchen Sinn haben Gedenktage

Gedenktage - Nachlese (2)

Gedenktage - Nachlese

Im ersten Teil habe ich nach dem Sinn von Gedenktagen gefragt und ich hatte nicht den Eindruck, dass alles so verstanden wurde, wie es gemeint war. Daher eine Nachlese des Gedenktags vom 27.01. zur Erinnerung an die Befreiung von Gefangenen im KZ Auschwitz und dem Ende der Nazi – Herrschaft und im Allgemeinen. Die Gedenktage die ich meine, beziehen sich in erster Linie auf staatliche Gedenktage, die zumeist auf der geschichtlichen und historischen Vergangenheiten beruhen - die jedoch im Allgemeinen, von der Mehrheit abgelehnt

werden oder zumindest auf wenig Interessen stoßen und weniger gerne wahrgenommen werden, weil man sich sagt: Irgendwann muss auch mal Schluss sein! Schluss mit Gräueltaten und den Vorwürfen, dass jeder Mitverantwortung für etwas trägt, woran man selbst nicht beteiligt war und gerade so tut, als ob die Gegenwart problemlos sei.

Zudem würden sich die Menschen nicht ein Armutszeugnis ausstellen, wenn sie die Gräueltaten immer vor Augen haben müssen, um daran erinnert zu werden, was Mitmenschlichkeit bedeutet?

Nun stellt sich die Frage; warum legen die Politiker trotzdem so einen großen Wert auf

solche Gedenktage? Um das Interesse für solche Tage zu wecken, unterstellt und provoziert man diejenigen, die darin keinen Sinn sehen, indem man ihnen Gleichgültigkeit und vergessen wollen unterstellt. Allein diese Unterstellung reicht, um viele von ihrer Meinung abzubringen und dem zu lauschen, warum Gedenktage so immens wichtig sind. Es sind Tage, an denen sich die Politiker profilieren können und dem Volk suggerieren können, wie gut sie es unter ihrer Herrschaft und Regierung haben.

Dabei vergessen sie auch nicht, sich die angeborene Sensationsgier eines jeden zunutze zu machen, indem man detailliert

auf Gräueltaten eingeht. Besonders wichtig sind solche, die evtl. noch nicht so bekannt waren.

Um das glaubhaft und zweifellos zu vermitteln, bedient man sich auch gerne den Aussagen von Zeitzeugen, die Gräueltaten und das Unmenschliche am eigenen Leibe erfahren haben. So auch geschehen im Falle, Auschwitz. 20 Leute hat man aufgetrieben, die das Glück hatten, überlebt zu haben und man mag vergessen, dass das vor 70 Jahren war. Danach erfolgt tiefe Besinnung das eigen Schuldeingeständnis, welches aber unverzüglich an die Bevölkerung weitergegeben wird, in der Erwartung, dass sich selbst die stolzesten und selbst

bewusstesten Köpfe neigen und senken. An Pathos lässt man es ebenfalls nicht mangeln und tiefe Anteilnahme und Betroffenheit, ganz so als ob es gestern geschehen sei, ist sowieso selbstverständlich und auch unerlässlich, wenn es authentisch und glaubhaft, selbst für den letzten Zweifler, herüber kommen soll.

Dazu ein Zitat (auszugsweise) aus der Rede, die unser Bundespräsident am 27.01.15 vor dem Bundestag hielt, wobei er seiner Tränen nicht mehr Herr war, wie es hieß. Selbstverständlich wurde das von den Medien übertragen:

"Solange ich lebe, werde ich darunter leiden,

dass die deutsche Nation mit ihrer so achtenswerten Kultur zu den ungeheuerlichsten Menschheits- verbrechen fähig war. Selbst eine überzeugende Deutung des schrecklichen Kulturbruchs wäre nicht imstande, mein Herz und meinen Verstand zur Ruhe zu bringen." Wem bei diesen pastoral, emotional vorgetragenen Worten, die an seine frühere Professur erinnerte, nicht das Herz aufging, konnte nur als kaltherzig, teilnahmslos und gleichgültig gelten. Niemand wird in dem Moment daran gedacht haben, dass sich der gleiche Mensch, für eine höhere, internationale militärische Beteiligung ausgesprochen hat.

Überhaupt findet bei solchen Gelegenheiten eine erbarmungslose Schellte auf vergangener Kollegen statt, bei dem man ähnliches, weit von sich weisen kann.

Wer mag zu diesem Zeitpunkt und darüber hinaus realisieren, dass die gleichen Menschen, indirekt an ähnlichen Gräueltaten beteiligt sind, wenn sie Waffenlieferungen und Chemikalien zustimmen, die dazu geeignet sind Kampfmittel – z.B. Senfgas, Sarin etc. - herzustellen. Nach Zeitzeugen muss man nicht lange suchen, sie kommen z.T. zu tausenden übers Mittelmeer. Sollte irgendwann einmal der Abstand zu dem heutigen Geschehen so groß sein, wie

zu den Vergangenen, dann wird man möglicherweise auch für die „Gräueltaten“ der Pharmaindustrie einen Gedenktag einlegen, die jährlich zigtausende vergiften. (4.500 wurden 2014, alleine in NRW registriert)


Es gäbe noch so viele Beispiele der heutigen Zeit, die es verdient hätten, später zu einem Gedenktag zu werden, oder ist dafür die Anzahl der Toten entscheidend? Enthauptungen, wie sie die IS durchgeführt hat, dürften dann keine Chance haben. Aber seis drum, solche Gedenktage sind eben wichtig, damit man immer daran erinnert wird und nicht vergisst, welche Gräueltaten auf der Welt geschehen sind und

unseren Enkeln werden wir ebenfalls eine Mitschuld dessen vererben, was wir alles zugelassen haben. Wohlgemerkt wir, die Politiker spielen dabei keine Rolle, denn sie wurden von uns gewählt und, dass sie das Vertrauen verdient haben, das beweisen sie an den Gedenktagen.


Dann noch etwas am Rande der Gedenktage. Für besonders verantwortungslos halte ich es, wenn Kinder, Schulklassen in Konzentrationslager geschleppt werden. Ein Leiter, solch einer fragwürdigen Touristenattraktion berichtete, wie unbeschwert und unbekümmert die Kinder diese Anlagen betraten und wie sie

diese, seiner Meinung nach, nachdenklich, beeindruckt und schweigsam wieder verließen und er schien stolz darauf zu sein.

Verstört, geschockt und entsetzt hätte den Zustand der Kinder treffender beschrieben, wie sich herausstellte, als die Kinder danach gefragt wurden. Verschiedene schienen traumatisiert, hatten Alpträume und konnten nächtelang nicht einschlafen, weil sie mit gräulichen Bildern konfrontiert wurden ohne vorher ausreichend darauf vorbereitet gewesen zu sein, was sie erwartet - sofern so etwas überhaupt möglich war. Was man den Kindern mit solchen Gedenktagen antut, daran denken weder Eltern, Lehrkörper und erst recht nicht die Politiker.


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Über den Autor

pepe50
Ich sehe und verstehe mich als Hobby-Autor. Da ich jedoch mit dem Schreiben nicht meinen Lebensunterhalt bestreiten muss, nehme ich mir die Freiheit heraus und schreibe das, wozu ich Lust habe, woran ich Spaß habe und was mir gefällt.
Da ich ein kritischer Mensch bin, gerne alles hinterfrage, was mir fragwürdig erscheint und darüber Nachdenken (ein weiteres Hobby von mir) schreibe ich nicht nur zur Unterhaltung und zum Wohlgefallen.
Ich bin mir dessen bewuust, dass ich die Mehrheit damit nicht begeistern kann. Aber auch in dem Falle ist mir Qualität lieber als Quantität.
Alle (annehmbaren) Kommentare sind ausdrücklich erwünscht und ich betrachte sie als Belohnung.

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Angelheart wie schon eingehend durchdiskutiert und besprochen. lieber Fred! Ergänzung zu meinem Kommentar zu Teil 1 -
politisch (menschlich usw.) unkorrekt und so bleibt nur der individuelle Weg der eigenen gedanklichen und persönlichen FREIHEIT, diese auch so zu begehen oder eben gar nicht mit Ausnahme der 'stillen Gedanktage', wo tatsächlich keine Musik gehört oder (zumind. nicht öffentlich) gefeiert werden darf. Aber auch hier findet sich für einen phantasievollen Geist immer noch ein Schlupfloch *grins (ich kanns nicht lassen *grins)
Zu den Kindern kann ich nur sagen - niemals sollte so etwas geschehen dürfen, was zarte Kinderseelen dermaßen schockieren kann! Unverantwortlich. Selbst Erwachsene sind schockiert, haben Alpträume, wenn sie nur einen Film darüber sahen - geschweige Kinder und dann noch direkt am 'Tatort'. No!
und wie dir schon gesagt, ganz verdrängen sollten wir es nicht - als Warnung stehen lassen. Nicht mehr und nicht weniger.
Weil es eben GENAUSO ist wie du schreibst: >>Die Einen brauchen Gräueltaten, um daran erinnert zu werden, dass Menschen so etwas nicht tun sollten. Die Anderen wissen es auch, ohne dass man sie daran erinnern muss. << Dem ist nichts hinzuzufügen!

Gut, dass sich jemand tiefe Gedanken dazu macht und andere, die nur blind folgen ggfs. aufrüttelt!!
Vor langer Zeit - Antworten
pepe50 Vielen Dank, Angelheard, auch dieser Kommentar bestätigt, dass wir uns einig sind.
Solche Kommentare könnten mich dazu animieren, endlos weiter zu schreiben, aber für mich ist alles gesagt bzw. geschriebn und der Kreis würde sich immer dort schließen, wo die Scheinheiligkeit beginnt. - LG Fred
Vor langer Zeit - Antworten
Angelheart genau!! ;-)
Vor langer Zeit - Antworten
pepe50 14.07.2016: sugarlady hat dein Buch Gedenktage zu ihren Favoriten hinzugefügt.

Vielen Dank, Sugarlady. - LG Fred
Vor langer Zeit - Antworten
welpenweste Wie wäre es mit einem Hartz IV Gedenktag? Ca. 500 - 1000 Menschen kommen jährlich direkt, oder durch die Folgen von Hartz IV Terror um. Frau Merkel erfuhr von Einem, den das Jobcenter vorsätzlich verhungern ließ (in Speyer). Dazu sagte sie, dass sie keine rechtlichen Bedenken sähe. Soviel zu Ihrem Mitleid mit Flüchigen (künftiges Arbeitstier-Kanonenfutter) und deutschen Bürgern.
Günter
Vor langer Zeit - Antworten
pepe50 Vielen Dank Günter und bevor es einen Gedenktag für Hartz IVler gibt, müssten die erst abgeschafft werden und daran besteht kein Interessen bzw. verhungern lassen wäre schon eine Möglichkeit.
Aber wozu denn abschaffen? Und jetzt erst recht nicht, denn es gibt zum Glück die Flüchtlinge, die für die "faulen Säcke" einspringen. - Fred
Vor langer Zeit - Antworten
welpenweste So isses!
Günter
Vor langer Zeit - Antworten
mohan1948 Wieder erfreut von Dir gelesen
liebe Grüße
Hannelore
Vor langer Zeit - Antworten
pepe50 Vielen Dank, Hannelore, Heide hatte es "ausgegraben" und ich weiß nicht wieso es jetzt wieder für alle sichtbar ist. - LG Fred
Vor langer Zeit - Antworten
pekaberlin Du kannst es nicht lassen!
Ich aber auch nicht!
Und wenn ich dann noch lese, welche Zustimmung solch Geschreibsel erfährt, zweifle ich an "achtenswerten Kultur" dieses Teiles unseres Volkes.
Abgesehen von einer miesen Anwendung der deutschen Sprache und ihrer Regeln, scheinst du auch nicht den Unterschied der Worte Schuld und Verantwortung zu kennen.
Niemand muss schuldig sein, um eine Verantwortung zu tragen!
Doch was du hier suggerierst, dass nur die Schuldigen verantwortlich für die Verbrechen sind, ist einfach Blödsinn! Das hat selbst ein Staufenberg erkannt, der selbst schon schuldig war, durch Befehle die er gab und Verbrechen denen er Beihilfe leistete. Dennoch hat er seine Verantwortung erkannt, künftige Verbrechen zu verhindern. Und genau dort liegt der Sinn dieser Gedenktage: Verantwortung erkennen, um künftige Verbrechen zu verhindern!
Und die Zahl der Gemordeten ist nur ein Indiz für das Ausmaß und die gesellschaftliche Akzeptanz des Verbrechens. Das Motiv ist das Wesentliche! Das Motiv, das für ALLE Zukunft gebrandmarkt werden muss! Und darin unterscheiden sich eben planmäßiger Völkermord und Todesopfer durch falsch indizierte Pharmaka (auch wenn ich selbst die Pharmaindustrie sehr kritisch sehe)!
LG
Peter
Vor langer Zeit - Antworten
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