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Komm o Schlaf

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"Komm o Schlaf"
Veröffentlicht am 30. November 2014, 10 Seiten
Kategorie Sonstiges
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Über den Autor:

Im April 1960 erblickte ich die Welt. Bin hier auf der Durchreise, und versuche - einfach gestrickt - mein Bestes zu geben. Leise Musik ist mir lieber als laute Worte ...
Komm o Schlaf

Komm o Schlaf

Komm o Schlaf


Ursprungslos, in endlose Zeit geboren, umhüllt das Band der Liebe die Seelenverwandten. Bild: http://www.codidogs.de/2011/08/herz-3/

Musik: Georg Philipp Telemann Arie: Komm o Schlaf aus der Oper Germanicus Sängerin: Nuria Rial

Komm o Schlaf

Der Wald trug sein buntes Herbstgewand. Milde Sonnenstrahlen brachten die Farben zum Leuchten. Gelb, Braun und Rot waren bestimmend. Die Wiesen erschienen in mattem Grün, und gerade dies ergab den bezaubernden Kontrast zum stahlblauen Himmel.

Federleicht schwebte seine Seele über die Landschaft. Ein leiser Windhauch umarmte ihn und schob ihn sanft voran. Die zauberhafte Reise führte über weite Fluren, majestätische Berge und stille Täler – Freiheit soweit das Auge reichte. Ruhe und Frieden untermauerten die

faszinierende Stimmung, die er in vollen Zügen in sich aufnahm. Auf einmal kam ihm ein Lächeln entgegen, das ihn unverzüglich in vollkommene Geborgenheit tauchte. Deutlich spürte er das starke Band der Seelenverwandtschaft. Diese entzückenden nach oben gezogenen Mundwinkel kannte er ganz genau. Unverkennbar waren die vollen Lippen, die er so sehr vermisst hatte. Jetzt waren sie da, einfach so aus dem Nichts heraus. Hocherfreut und dennoch ungläubig berührte er mit dem Zeigefinger vorsichtig die Unterlippe und umrahmte anschliessend langsam

Stückchen für Stückchen den ganzen Mund. Es gab keinen Zweifel mehr, ihr Lächeln war echt.

Das Verlangen stieg ins Unermessliche. Er wollte diese Lippen wieder auf seinen spüren, getraute sich aber nicht, den innigen Wunsch zu verwirklichen. Gebannt starrte er auf das Lächeln, bis beide Mundwinkel noch mehr nach oben gingen und daraus ein magisches Strahlen entstand, dem wortlos aber unmissverständlich die Aufforderung folgte: „Küss mich!“ Beherzt nahm er die Einladung an und führte seinen Mund erwartungsvoll dem liebreizenden Ziel entgegen. Mit

geschlossenen Augen legte er sinnlich seine Lippen auf ihre. Zärtlich reibend begrüssten sie einander und begannen lustvoll miteinander zu spielen. Trotz der geschlossenen Lider blickte er direkt in ihre rehbraunen Augen und fühlte im selben Moment, wie jemand hauchdünne Achterbahnen zwischen den Knöcheln auf seinen rechten Handrücken malte. Dann schmiegten sich warme Finger zwischen seine und verschränkten sich mit ihnen. Wohlvertraut war diese Nähen, herzerwärmend, einfach wundervoll. Abermals wortlos aber sehr deutlich vernahm er ihre Stimme: „Komm mit

mir!“ Er schlug die Augen auf und sah eine breite, endlos scheinende Buchenallee. Ohne zu zögern liess er sich führen. Überschwängliche Glücksgefühle durchdrangen ihn, alles war noch eindrucksvoller als zuvor. Die Sonne lachte vom Himmel und er atmete genüsslich die frische Herbstluft ein, die schon einen Hauch von Winter in sich trug. Jeder Baum, dem er begegnete, verneigte sich vor ihm und hiess ihn willkommen. Ab und an stand er an Verzweigungen, an denen er nicht wusste, wo es weiterging. Doch die Hand zeigte ihm immer wieder, welchen Weg sie mit ihm wandeln wollte.

Manchmal glaubte er auf dem Boden Fussabdrücke zu erkennen und versuchte in ihnen zu gehen, der Spur exakt zu folgen. Wenn ihm dies gelang, wurde er besonders beschwingt und Schritt für Schritt mit wundersamer Energie durchströmt.
Nach einiger Zeit kam er zu einem Holzbänkchen. Dort gönnte er sich eine Pause, setzte sich und liess die Beine baumeln. Plötzlich spürte er, wie jemand den Kopf auf seinen Schoss legte, und gleich darauf war der lächelnde Mund wieder da. Dem konnte und wollte er nicht widerstehen. Er beugte sich nach vorn und vergnügte sich mit den

feuchtwarmen Lippen. Nun tauchte ihr Gesicht mit den süssen Lachfältchen auf und nach und nach offenbarte sich der ganzer Körper. Leidenschaftlich nahm er sie in die Arme, drückte sie fest an sich und sagte: „Wie schön, dass du da bist!“ Ihre funkelnden Augen gaben ihm die Erklärung: „Die Liebe kennt keine Entfernung. Es ist wie mit den Sternen. Auch wenn du mich nicht siehst, bist du immer von mir umgeben.“

Ursprungslos, in endlose Zeit geboren, umhüllt das Band der Liebe die Seelenverwandten.

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Luap
Im April 1960 erblickte ich die Welt.
Bin hier auf der Durchreise, und versuche - einfach gestrickt - mein Bestes zu geben.
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Dakota Ich weiß nicht, wie du das hinbekommen hast,
dass der letzte Klang der verzaubernden Musik genau in dem Moment endet, in dem ich auch das letzte Wort dieser wunderschönen tief berühenden Geschichte lese..
Danke, lieber Paul, für das Freilassen dieser Gedanken.

Mit einem Lächeln wünsche ich dir
frohe Ostertage
und grüße dich herzlich
Waltraud
Vor langer Zeit - Antworten
Luap Vielen Dank Waltraud!
Es muss Zufall sein, wenn es denn Zufälle überhaupt gibt... ;-)

Herzliche Grüsse zurück
Paul
Vor langer Zeit - Antworten
MarieLue Ach, wat schön! Eine bewegende Geschichte hast du da geschrieben!
War wieder einmal gerne hier zu Besuch!
Herzliche Grüße
Marie Lue
Vor langer Zeit - Antworten
Luap Vielen Dank Marie Lue!
Freue mich sehr über deinen Besuch und natürlich, dass dir meine Geschichte Gefällt...

Liebe Adventsgrüsse
Paul
Vor langer Zeit - Antworten
Gelixx Zarte Wortwahl, die sehr gefühlvoll eine herzerwärmende Geschichte erzählt.
LG Geli
Vor langer Zeit - Antworten
Luap Vielen Dank Geli!
Der kalte Winter steht vor der Tür, da braucht es etwas Herzerwärmendes... ;-)

Liebe Grüsse
Paul

Vor langer Zeit - Antworten
baesta Es ist, als würde nur noch ein Hauch von Erinnerung über allem schweben. Kann leider immer noch nicht hören, weiß nicht warum. Vielleicht versuche ich es mal auf dem Lappi.

Liebe Adventsgrüße
Bärbel
Vor langer Zeit - Antworten
Luap Vielen Dank Bärbel!
Jeden Tag werden neue Erinnerungen generiert... ;-)

Schade, dass du die Musik nicht hören kannst. Die Arie von Telemann hat mich wirklich tief beeindruckt und Nuria Rial singt sie wundervoll...

Liebe Adventsgrüsse
Paul
Vor langer Zeit - Antworten
Feedre Liebe die keine Fragen stellt...herzerwärmend Paul..
ganz lieben Gruss von mir
Feedre
Vor langer Zeit - Antworten
Luap Vielen Dank Feedre!
Die tiefste Liebe ist die Seelenverwandtschaft, sie spielt in unerklärlichen wundervollen Dimensionen...

Liebe Adventsgrüsse
Paul
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