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Magisches Blut - Kapitel 1 - Nanowrimo 2014

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"Magisches Blut - Kapitel 1 - Nanowrimo 2014"
Veröffentlicht am 04. November 2014, 36 Seiten
Kategorie Fantasy & Horror
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Über den Autor:

Bin leider immer nur mal so mal so online und schreibe auch in letzter Zeit eher unregelmäßig. Würde mich trotzdem freuen, wenn ihr mal vorbeischaut und vielleicht gefallen euch ja auch die eine oder andere meiner Geschichten :)
Magisches Blut - Kapitel 1 - Nanowrimo 2014

Magisches Blut - Kapitel 1 - Nanowrimo 2014

Ein verzwickter Fall

„Das hier ist Warlandras Leiche“, stellte Milvar nach einem kurzen Blick fest. Er fing den genervten Blick seines Kollegen auf und zuckte dann mit den Schultern. „Nunja, sie ist anscheinend von den Klippen gefallen, oder nicht? Manchmal macht dieses Zaubervolk doch komische Dinge.“ Der Blick, der daraufhin folgte, war so frostig, dass er ihn zu einem Eisblock hätte gefrieren können, wenn sein Gegenüber nicht absolut unfähig in Magie gewesen wäre. „Ach komm schon, Phillian. Was siehst du denn in diesem Fall, was ich übersehe? Ein Unfall. Diese Frau hat den

Mond angetanzt, kam zu nah an die Klippen, fiel. Das Szenario endete mit dem Tod. Mehr sehe ich da nicht.“ Der besagte Philian schüttelte seinen roten Lockenkopf. „Da steckt mehr dahinter, Milvar. Hexen wagen sich nicht so nah ans Meer, weiß doch jedes Kind. Außerdem, diese Position ist doch seltsam. So liegt man doch nicht, wenn man eine Klippe herunterfällt. Sieht für mich eher so aus, als hätte sie jemand geschubst.“ „ Und wer bitteschön soll das getan haben? Wir haben hier selten Fremde, die wollen nämlich nichts mit uns zu tun haben, das weißt du genauso gut wie ich. Das muss ja bedeuten, dass einer aus

unserem Dorf dafür verantwortlich ist, oder nicht? Und wen genau willst du des Mordes bezichtigen? Wir kennen jeden einzelnen von ihnen persönlich. Und wir wissen auch beide, dass unsere liebe Leiche hier zwar keine Gönner im Dorf hatte, aber dass sie auch nicht gehasst wurde. Und deshalb kann ich einfach nicht glauben, was du hier gerade unterstellen willst!“ Philian winkte mit der Hand ab und kniete sich zu der Toten. „Hier kann sie auf alle Fälle nicht bleiben“, sagte er. „Wir müssen sie ins Dorf schaffen, dort vielleicht etwas genauer untersuchen und sie dann begraben.“ Mil zuckte zurück. „Was?! Begraben? Aber sie ist

ein Zauberwesen, müssten die nicht normalerweise von ihrer Kraft verschlungen werden?“ Philian sah ihn lange an, bevor er antwortete. „Das sind Menschen wie du und ich, Milvar. Wann lernst du endlich, dass du nicht allen Ammenmärchen glauben sollst? Auch Magier, Zauberer oder Hexen werden begraben. Die lösen sich nicht einfach auf – oder werden von ihren Elfendienern gefressen, haha. Wirklich, du solltest aufhören, diese Schundromane zu lesen, die bekommen dir absolut nicht.“ Milvar wirkte beleidigt. „Wenigstens lese ich überhaupt“, gab er zurück, doch dann kniete er sich ebenfalls zu Philian

hinunter und betrachtete die tote Frau eingehender. „Ich nehme die Beine“, beschloss er dann. „Du kannst ja den Rest von ihrem toten Körper tragen, aber ich würde sie gern so wenig wie möglich berühren.“ Philian seufzte. „Einverstanden“, sagte er dann und packte die Frau unter den Achseln. „Da wir keine Kutsche hier haben, müssen wir sie wohl so zum Dorf bringen. Auf drei“, beschloss er. „Eins... zwei... drei.“ Mit einem Ruck hoben die zwei Männer die Leiche an und machten sich auf den Weg zurück ins Dorf. Das Dorf lag nicht weit vom Meer

entfernt, und doch weit genug weg, damit die Einwohner mit magischem Talent nicht zu sehr von dem Meerwasser eingeschränkt wurden. Es wurde von einem aufgeschütteten Erdwall umgeben, der mit Holzpfählen verstärkt war. Ein Überbleibsel aus früherer Zeit, das die Einwohner aber für typisch empfanden und das dementsprechend gepflegt wurde. Die Häuser waren allesamt einfach gehalten, aber dennoch nicht primitiv. Ein typisches kleines Dörfchen, in dem jeder jeden kannte und jeder irgendwie mit jedem verwandt war. Neue Gesichter sah man selten und meistens blieben sie auch nicht lange. Die Einwohner hier

galten als seltsam, was vielleicht auch an ihrem besonderen Auslegung des Glaubens lag. Die Zwei trugen die Leiche der jungen Frau über die Felder auf das Dorf zu. Noch hatte niemand die beiden gesehen, ging doch jeder seinen eigenen Tätigkeiten nach und hatte über seine eigenen Probleme nachzudenken. Doch je näher sie dem Dorf kamen, desto neugieriger wurden die Blicke, die ihnen zugeworfen wurden. Nicht oft kam es zu besonderen Ereignissen im Dorf und wie jedes Ereignis wurde dieses zuerstt nur mit etwas Missbilligung, Widerwillen und dann einem Fünkchen Neugier beschenkt. Doch als die Leute herausgefunden hatten, worum es hier

eigentlich ging, folgte Milvar und Philian eine Menschentraube, die betroffen murmelte, besorgt oder veränstigt schaute und ansonsten einen sicheren Abstand zu den beiden wahrte, aber dennoch unbeirrt hinter ihnen herschritt. „Hey Philian“, zischte Milvar leise, gerade so laut, dass dieser ihn verstehen konnte. „ Wohin mit ihr, wenn wir sie ins Dorf geschafft haben? Hast du darüber schon nachgedacht?“ Philian nickte kaum merklich. „Wir bringen sie zu Mandran. Der wird wissen, was mit ihr zu tun ist. Abgesehen davon ist er auch der Einzige, der etwas über sie herausfinden kann, wenn etwas mit ihr nicht stimmen

sollte. Du weißt schon, wenn ihr mit Magie etwas angetan wurde, oder wenn Gift mit im Spiel war.“ Milvar brummte etwas Unverständliches. Philian drehte sich nicht um, fragte aber dann: „ Hast du etwa eine bessere Idee, Milvar? Wenn nicht, dann tun wir, was ich sage. Schließlich glaubst du ja nicht mal an einen Mord, also warum sollten wir sie dann nicht zu Jemandem bringen, der deine Meinung bestätigen kann, wenn du dir doch so sicher bist?“ Milvar zuckte mit den Schultern. „Bringen wir sie zu Mandran. Kein Grund, mich gleich so anzufauchen, ich bin nur nicht begeistert, mehr mit diesem Hexenmeister zu tun zu haben,

als ich muss. Du weißt, was ich von Magie halte und du hattest bisher noch nie ein Problem damit.“ „Das hier ist etwas anderes, Milvar. Eine Hexe ist gestorben und in erster Linie sind auch die magiebegabten Menschen Menschen. Zumindest für mich. Da stimmst du mir doch zu, oder?“ „Natürlich“, stimmte Milvar zu, doch seine Augen straften seine Worte Lügen. Philian, der den Gesichtsausdruck Milvars nicht sehen konnte, nickte zufrieden und beließ es dabei. Den Rest des Weges brachten sie schweigend hinter sich. Die Menschenmenge hinter ihnen hatte sich mittlerweile wieder gelichtet: Die

meisten waren wieder ihrer Arbeit nachgegangen, als sie merkten, dass sie keine weiteren Informationen bekommen würden oder vielleicht, weil sie der Meinung waren, dass das Geschehen doch nicht so interessant war wie zunächst vermuten ließ. Manche hatten sich schon wieder entsetzt abgewandt, als sie nur einen Blick auf den toten Körper erhascht hatten, um sich dann flüsternd an ihren Nachbarn zu wenden. Geschockte Blicke, Murmeln, das verstummte, sobald Milvars oder Philians Blick auf sie fiel. „Philian“, rief da eine vertraute helle Stimme. Sie gehörte dem jungen Mädchen, das nun auf sie zugerannt kam, die blonden Haare

zu einem groben Zopf gebunden, eine noch nicht getrocknete Gerstenähre hinters Ohr gesteckt, das Kleid etwas ungeschickt, doch hinten am Rücken geknotet. „ Miria“, erwiderte Philian, als das Mädchen etwas näher herangekommen war. „Was ist denn los?“, fragte sie, doch der Blick auf die tote Frau ließ sie die Hand vor das Gesicht schlagen und ein leiser Aufschrei entfuhr ihrer Kehle. Philian musste sich trotz der unangenehmen Situation beherrschen, nicht zu lächeln. „Wie ist das passiert?“, fragte Miria tonlos und nickte zu der Frau. „Das ist doch Warlandra, oder nicht? Wo habt ihr sie gefunden?“ Milvar antwortete, bevor

Philian auch nur den Mund geöffnet hatte. „Unten am Meer, als wir auf Wachgang waren. Eigentlich sollten wir nur nach den Schafen sehen, aber naja, wir fanden dies.“ Miria schluckte. „Mit „dies“ meinst du den toten Körper einer Frau, die in unserem Dorf eigentlich sicher hätte sein sollen? Eine Frau, die schon jahrelang unter uns gewohnt hat, die mit niemandem im Streit lag... Das nennst du DIES?!“ Philian griff ein, ehe Miria vollends die Fassung verlieren konnte. „Wir fanden sie auf den Klippen liegen. Milvar hält es für einen Unfall oder Selbstmord, aber ich habe das ungute Gefühl, dass es diesmal nicht so einfach ist. Wir wollen sie zu Mandran

bringen, damit wir Gewissheit haben. Warum begleitest du uns nicht?“ Miria nickte zustimmend. „Ich komme mit euch“, sagte sie. Dann blickte sie abschätzig zu den wenigen Schaulustigen, die noch geblieben waren und sagte: „Ihr könnt weiter euren Tätigkeiten nachgehen, wir haben hier alles unter Kontrolle. Ich schätze, dass jeder von uns später informiert werden wird, soweit wir wissen, was vor sich gegangen ist.“ Sie wandte den Kopf zu Philian. „Nicht wahr?“ Philian nickte. „Natürlich“, erwiderte er. „wir werden jeden informieren, denn das hier geht natürlich jeden von uns etwas an.“ Miria nickte zustimmend.

„Lass uns schnell zu dem alten Zauberer gehen.“ Milvar schnaubte. „Hättest du uns nicht aufgehalten, wären wir doch längst schon da“, sagte er. „Also schluss mit den langen Reden und lass uns endlich gehen. Dieser Körper wird schwer, ich weiß nicht, wie lange ich ihn noch mit mir rumtragen kann. Und seien wir mal ehrlich: wir wollen doch diese Leiche beide so schnell wie möglich wieder loslassen, nicht wahr Philian?“ Philian zuckte zusammen, doch nickte dann. „Ja, natürlich, ich möchte das hier auch so schnell wie möglich geklärt haben. Also, gehen wir.“ Das Haus des Magiers war schnell

erreicht: es lag nah am Anfang des Dorfes, etwas abseits von den anderen Häusern. Nach wie vor wurde Magie als etwas merkwürdiges gehalten, auch wenn die Zeiten, in denen Magier gefürchtet werden mussten, vorbei schienen. Jetzt wurden sie nur noch schief von der Seite angeschaut, aber von den meisten Menschen akzeptiert. Schließlich waren die Leute fortschrittlich und Magie... nun ja, es wirkte doch eher wie ein Überbleibsel aus dem Mittelalter. Magier waren nicht fortschrittsbewusst. Warum auch, konnten sie mit einem Fingerschnippen doch mehr erreichen, als die meisten Menschen mit ihrem sogenannten

Fortschritt. Und dementsprechend wurden die meisten Magier auch nur mit Missbilligung geduldet. Mandran war anders. Er war ein Fanatiker, was Zahnräder und Dampfmaschinen anging. Sie faszinierten ihn mehr als die Gabe, die ihm schon in die Wiege gelegt wurde. Die Leute im Dorf empfanden ihn zwar als einen eher wunderlichen Sonderling, aber sie achteten seine Leidenschaft für die Technik. Und sein Wissen in Magie und Wundheilung war ebenfalls sehr gefragt. Als die Drei an Mandrans Haus ankamen, saß der Alte draußen und genoß die Freuden einer Pfeife. Er warf dem Gespann zunächst einen

verwunderten Blick zu, dann fiel dieser auf die tote Frau und sein Mund, der zuvor von einem sanften Lächeln umspielt wurde, wurde auf der Stelle ernst. „Was ist passiert?“, fragte er statt einer Begrüßung. „Wir fanden sie so bei den Steilklippen“, entgegnete Philian knapp. „Wir hoffen, du kannst uns Näheres sagen.“ Sofort stand Mandran auf, was der Hilfe seines Gehstocks bedurfte. Mit leicht zittrigen Knien schob er die Hand in die Brusttasche seines Mantels und zog ein Monokel hervor, das er sich in die rechte Augenhöhle klemmte. „Am Besten

bringt ihr sie in mein Haus“, murmelte er und sein Gesicht verzog sich etwas beunruhigt. „Ist etwas nicht in Ordnung mit ihr?“, fragte Philian. „Oh, es gibt etwas, das wirklich absolut überhaupt nicht in Ordnung mit ihr ist“, antwortete Mandran und zupfte an seinem Mantel. „Aber um etwas genaues sagen zu können, muss ich sie wirklich näher untersuchen. Seid ihr so nett und bringt sie in mein Haus? Ihr seid so nett, ja? Ich muss wirklich mehr...“ der Rest des Satzes endete in einem leisen Gemurmel, das keiner der drei verstand. „Wir bringen ihn natürlich rein“, sagte Philian. Mit einem leisen Schnauben protestierte Milvar, doch er half

bereitwillig dabei, den Leichnam durch die Tür des Magierhauses in den Flur zu schaffen. Dort bot sich ihnen ein etwas seltsamer Anblick. Das Haus bestand zum größten Teil aus dem Flur, dessen Boden von Schriftstücken blockiert war. In der Mitte des Raumes stand ein riesiger sperriger Eichentisch, den der alte Magier jetzt mit einigen flinken Handbewegungen, die man ihm gar nicht zugetraut hätte, freiräumte. „Legt sie hier auf den Tisch“, sagte er halblaut, dann begann er wieder zu murmeln und in irgendwelchen Notizen zu blättern. Milvar und Philian taten wie geheißen. Milvar machte Anstalten, das Gebäude

sofort wieder zu verlassen, doch Philian hielt ihn am Ärmel fest. „Warte“, flüsterte er, während er den Raum noch genauer betrachtete. Die Wände waren von schiefen Gemälden gesäumt, allesamg Portraits, deren Blicke den Betrachter durch den Raum zu folgen schienen. Hier und da stand ein Bücherregal, vollgepackt mit dicken Schwarten. Die Hohlräume waren vollgestopft mit Zetteln, auf denen teilweise seltsame Runen geschrieben waren, doch ab und an gab es ein Schriftstück darunter, von dem Philian das Gefühl hatte, dass auch er in der Lage gewesen wäre, es zu lesen. „Unordentlich“, ließ Milvar vernehmen.

Seine Stimme klang so abwertend, dass Philian ihm einen Stoß in die Rippen gab. „Shh“, flüsterte er und warf seinem Kollegen einen warnenden Blick zu. „Was denn? Ist nicht so, als ob der uns überhaupt zuhören würde. Schau doch selbst, der ist in seine eigene Welt verschwunden.“ Und tatsächlich, der Magier beachtete sie nicht mehr. Stattdessen hielt er ab und an ein Schriftstück ins Licht, betrachtete es kurz und warf es dann zurück auf den Boden, nur um von einer anderen Stelle vom Boden ein anderes aufzuheben und dann dieses Prozedere zu wiederholen. „Der Alte ist irre“, stellte Milvar fest. „Lass uns von hier verschwinden, ehe

wir es bereuen.“ Philian schüttelte den Kopf. „Ich will wissen, was er zu sagen hat. Wir haben die Leiche gefunden, wir haben das Recht, zu erfahren, was vor sich gegangen ist. Findest du nicht?“ Milvar drehte sich unwohl hin und her. „Ich würde lieber von meinem Recht Gebrauch machen, das ganze zu vergessen und mich auf und davon zu stehlen, aber das ist nur meine eigene bescheidene Meinung.“ Philian schüttelte den Kopf „Ich weiß, dass du Magie nicht leiden kannst, Milvar“ - „Pah, das ist ja wohl untertrieben!“ - „ Aber ich weiß auch, dass das hier sehr wichtig ist. Ein Mensch ist gestorben, Milvar, ein Mensch aus unserem Dorf!

Und vielleicht ist das ganze passiert, während wir Dienst hatten! Stell dir das vor, wenn wir für diesen Tod verantwortlich sind, weil wir nicht genug aufgepasst haben..“ - „Das ist eine verdammte Hexe, Philian! Die gehen, wohin sie wollen, die kommen, wann sie wollen. Wir haben nichts damit zu tun, wir können niemanden beschützen, der sich so dagegen sträubt, beschützt zu werden. Sie wusste doch, dass ihre Kräfte am Wasser geschwächt waren, sie war allein da draußen. Wo sind wir da Schuld? Ich sehe das nicht ein!“ - „ Ja, schon, doch verstehe doch...“ - „Nein, du solltest das endlich verstehen! Wir sind bloß Menschen. Die

haben ihre Magie, die sie schützt, die ihnen hilft, vieles zu sehen und so, was weiß ich, das übliche gruselige Zeug, was sie halt tun, einfach weil sie können. Wir sind Menschen. Wir können nicht üverall sein. Uns passieren Dinge. Und wenn diese magiebegabten Trottel zu arrogant sind, um unsere Hilfe anzunehmen, dann sterben sie eben. Punkt.“ - „ Aber Milvar, was, wenn das hier doch ein...“ -„Es war ein Mord“, unterbrach Mandran das flüsternde Streitgespräch abrupt. Philian und Milvar starrten ihn für eine Weile entgeistert an, dann antwortete eine Stimme, die sich lange nicht mehr zu Wort gemeldet hatte: „Sind sie sich da

sicher?“ Miria hatte die ganze Zeit an der Tür gelehnt und kam nun näher. „Das ist eine schwerer Fall, sollte dies ein Mord sein.“ Mandran nickte und besah sich die Leiche noch einmal mit einem prüfenden Blick. „Es muss Mord sein, denn ich kann es nicht erkennen.“ Milvar runzelte die Stirn. „Ich sage doch, es ist Zeitverschwendung, ihn zu konsultieren. Das, was er erzählt, ergibt doch nicht einmal Sinn!“ Doch Philian rieb sich nachdenklich mit der rechten Hand das Kinn und hakte nach. „Was können sie nicht erkennen?“ Mandran sah verwundert auf, als hätte er gar nicht bemerkt, dass er nicht allein in seinem Haus war. „Oh, das liegt doch auf

der Hand.“ Er sah in die leeren Gesicher der drei anderen Anwesenden und schwieg. „ Was liegt auf der Hand?“, fragte nun Milvar. Er konnte es nicht leiden, als dumm dazustehen, vor allem nicht, wenn ein Magier das letzte Wort hatte. „Na, ich kann es nicht erkennen, weil es fehlt.“ Philian runzelte die Stirn. „Was fehlt?“, fragte er. „Ach, das führt doch zu nichts!“, rief Milvar erzürnt. „ Der Alte spinnt! Bringen wir sie lieber zu einem fähigeren!“ „Ihre Magie ist fort“, sagte Mandran dann. „Keine Spur davon mehr in der Leiche.“ Philian zog die Augenbrauen hoch, sagte jedoch nichts. Auch Milvar und Miria

schwiegen. Sie sahen nicht, was daran ungewöhnlich sein sollte. „Ich dachte immer, die Magie verschwindet, sobald eine magiebegabte Person stirbt und geht zurück dorthin, wo die Magie ihren Anfang hat“, sagte Miria schließlich. Mandran sah sie unverwandt an. „Nun... nein. Die Magie verschwindet zwar, aber man kann sie immer noch spüren. Sie hinterlässt eine Art Film auf dem Menschen, den sie vorher bewohnt hat. Es ist so etwas wie eine Ehrung, die anderen Magiern zeigt: Seht, hier ist eine von euch dahingegangen. Aber hier... ich kann nichts spüren. Das lässt nur eine Vermutung zu.“ „Die da wäre?“, fragte Philian

interessiert. Dieser Fall war spannender als er es zugeben mochte, lag der kalte Körper eines Nachbarn doch auf dem Tisch vor ihm. Es erschien ihm respektlos und doch konnte er die leichte Anspannung nicht leugnen, die er empfand. „Nun, die Macht wurde ihr genommen, bevor sie starb. Oder sie hat sie jemandem gegeben. So oder so hatte sie zu dem Zeitpunkt, in dem sie starb, keinen Funken Magie mehr in sich, oder zumindest gerade noch so viel, dass es nicht mehr der Rede wert war. Was bedeutet..“ „... dass mindestens noch eine zweite Person anwesend gewesen sein muss, wenn nicht sogar mehr“, ergänzte Milvar

den alten Mann. „richtig“, bestätigte Mandran. Philian legte den Kopf schief, seine Augen glitzerten. „Also ein Mord an einer Hexe.“, sagte er. „Und nicht nur irgendein Mord: Ein Mord zwischen Magiern?“ „So scheint es“, bestätigte Mandran. „Ich kannte Warlandra zwar nur flüchtig, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass es jemanden geben könnte, der sie wegen ihrer Macht umbringen wollte. Außer vielleicht...“ Mandran zögerte. Doch die drei waren nun Feuer und Flamme. „Sie haben einen Verdacht?“, hakte Miria nach. „Wenn sie eine

Vermutung haben, dann müssen Sie uns diese mitteilen, Mandran. Es ist wichtig, dass wir so viel wie möglich in Erfahrung bringen.“ „Miria hat Recht“, bestätigte Philian. „Wenn sie eine Vermutung haben, und sollte sie auch nur so gering sein, dann müssen sie uns das mitteilen.“ Mandran schien unschlüssig. Doch als selbst Milvar zustimmend nickte, gab er nach. „Nun, es gibt da einige Magier, die mit ihr Kontakt hatten. Ich weiß das natürlich nicht genau, aber ich könnte die Namen aufschreiben, wenn das hilft... Ich kann mir nur nicht vorstellen, dass jemand einen Vorteil daraus ziehen könnte, eine Hexe zu töten...“ der Rest

des Satzes endete wieder in Gemurmel, doch Mandran setzte sich in Bewegung, um einen Füllfederhalter und ein Blatt Papier zu holen. Mit leicht krakeliger Schrift setzte er ein paar Namen auf das Blatt und reichte es Philian. „Wahrscheinlich wissen die Nachbarn von ihr mehr als ich, denn ich hatte wirklich nur flüchtig mit ihr zu tun, aber wenn ich noch irgendwie helfen kann, werde ich es natürlich tun. Ich werde auch die Leiche noch weiter untersuchen, vielleicht kann ich irgendetwas in Erfahrung bringen, was mit dem Täter zu tun hat.“ Philian nickte und streckte die Hand aus. „Auf gute Zusammenarbeit und

schon einmal Danke für die Informationen, die wir bisher von Ihnen erhalten haben.“ Milvar verdrehte die Augen und verließ ohne weitere Anstalten das Haus. Miria und Philian folgten ihm kurz darauf. Als die Tür hinter ihnen ins Schloss fiel, drehte sich Milvar zu den beiden anderen um und er grinste. „ Habt ihr das gehört? Es war ein Mord.“ Er warf Philian einen Blick zu. „Auch wenn ich verloren habe, das Ganze hat auch etwas Gutes: Der langweilige Wachdienst hat ein Ende. Wir haben endlich einen Fall!“ Philian sah ihn tadelnd an. „Ein Mensch ist gestorben, Milvar.“ Milvar schnaubte. „Erspar mir diese geheuchelte

Anteilnahme, Philian. Ich habe das Glitzern in deinen Augen gesehen. Und du Miria, erzähl du mir bloß nicht, dass die aaaarme Frau die leid...“ -“ Ich“, unterbrach Miria ihn mit einem Lächeln. „Ich finde, wir sollten hier keine Wurzeln schlagen. Wir haben Leute zu befragen, oder nicht?“

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Mijani
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EagleWriter Interessante Idee auch, das Meerwasser magische Kräfte schwächen soll. Ist das von dir oder stammt das aus irgendeiner Legende ?
lg
E:W
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Mijani Ich glaube, laut Legende funktioniert das bei Vampiren, aber ich fand, dass es in dem Zusammenhang auch gut passt :)
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