Humor & Satire
Schuld

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"Schuld"
Veröffentlicht am 27. Oktober 2014, 12 Seiten
Kategorie Humor & Satire
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Über den Autor:

Ich bin gar kein Gedichteschreiber und schau nur selten auf die Sterne. In Sachen Liebe wär ich gerne nicht immer nur ein Sitzenbleiber. Ich bin auch nicht der Herzversteher, sonst wäre mir mal eins geblieben. Ich bin schon lange hinterblieben und nur ein Fremdenächteseher. Ich bin ein Träumerutengänger, ich fang mir fremde Träume ein; in meinem aber bleibe ich allein, ich bin ein Nachtmusikeinfänger. Es reicht nur zum ...
Schuld

Schuld

Sarkasmus-Krimi

Wir hatten auswandern wollen. Sie nach Aserbaidschan, ich nach Gütersloh. Irgendwohin, wo einem der Trennungsschmerz richtig zusetzte. Und nun war sie tot, und ich hatte mehr Probleme als Fliegen am Arsch. Ich saß im Verhörraum unter zwei Neonleuchten. Die Lusche von Kommissar stiefelte hin und her. „Gestern Morgen ist Ina Porpoz mit

eingeschlagenen Schädel gefunden worden. Was sagen Sie dazu?“ „Selbstmord können wir wohl ausschließen.“ „Was haben Sie gestern Morgen gemacht?“ „Ab neun habe ich „Volle Kanne“ geguckt, dann onaniert und dann zu Abend gegessen.“ „Können Sie das beweisen?“ Ich warf ein benutztes Kondom auf den Tisch. „Sie verhüten auch beim

Onanieren?“ „Natürlich. Man sieht ja, wozu das gut ist.“ Die Lusche beugte sich über den Tisch. Ich roch die Knoblauchdragees. „Wir haben in Ihrer JVA erhöhte Leberwerte gefunden.“ „DNA“, verbesserte ich. „Was?“ „Es heißt DNA, nicht JVA, Sie Leuchte.“ „Die Tote wurde mit einer Wodkaflasche

erschlagen.“ „Kann nicht sein.“ Ich blieb cool. „Warum nicht?“ „Warum sollte jemand eine Tote erschlagen?“ Die Pfeife reckte das Kinn hin und her und zog ihr Sakko aus. „Ein Komiker, was?“, grunzte er böse und krempelte sich die Ärmel auf. Die Tür wurde aufgestoßen und knallte gegen die Wand. Ein Mann im grauen Anzug kam herein, das

Sakko offen, verschwitztes Hemd, die Hände in den Taschen. „Ich will Akteneinsicht, Verhörprotokoll und eine Aufzeichnungskopie von „Pelzig hält sich“!“ „Mein Anwalt“, machte ich bekannt. * Außer mir gab es noch zwei weitere Verdächtige. Die waren mir schon verdächtig, als Ina noch lebte. Vor

allem ihre Nähe zu Ina war so verdächtig nah, dass die Distanz nur aus Schweiß bestand. Am Nachmittag klopfte der Kommissar an die Klingel. Ich hatte mich gerade mit einer Flasche Wodka angefreundet. Jene Sorte, die Ina nicht gut bekommen war. „Ihre Fingerabdrücke haben wir in der ganzen Stadt gefunden. Beim Friseur, auf Einkaufswagen, in Taxis,

Kläranlagen…“ „Und bei der Tanke“. Ich deutete auf die Wodkaflasche. „Und auf der Flasche, mit der Frau Porpoz erschlagen wurde. Der einzige Grund, warum Sie noch frei herumlaufen ist, dass ein jemand anderer zuletzt mit ihr gesehen wurde.“ „Brad Pitt?“ „Darf ich mich mal bei Ihnen etwas umsehen?“ „Haben Sie einen Besuchungsdurchschuß?“ „Den kann ich

besorgen.“ „Tun Sie das.“ „Haben Sie denn was zu verbergen?“ „Klar. Mein Notizbuch, mein Tagebuch und die neue CD von Stefanie Hertel.“ „Sie kalauern sich die Welt schön, was?“ „Nur meine. Für Ihre bräuchte ich ein Zotenlexikon.“ * Sie konnte so schön lügen. Und ein Herz kann so schwer

werden. Vor allem, wenn noch andere dran hängen. Mond und Sterne verziehen sich dann in andere Liebeswelten. Eis legt sich auf die Eingeweide, lässt alles erstarren, die Liebe und die Vernunft. Und es stirbt nicht nur das Opfer … Ich stand am Kreidefelsen, als sie kamen. Wölfe in Uniformen. Und Sirenen schrien meine Schuld ins Land. Der Himmel gab sich Mühe mit passenden Farben: Rot und Gelb für

Blut und Falschheit, Schwarz für Tod. Noch ein letzter Spruch, dann der Wolkenbruch. So long, Constantin. Ich ließ mich fallen. Die Wodkaflasche nahm ich mit. Wer weiß, ob es in der Hölle guten Stoff gibt …

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Über den Autor

Constantin
Ich bin gar kein Gedichteschreiber
und schau nur selten auf die Sterne.
In Sachen Liebe wär ich gerne
nicht immer nur ein Sitzenbleiber.

Ich bin auch nicht der Herzversteher,
sonst wäre mir mal eins geblieben.
Ich bin schon lange hinterblieben
und nur ein Fremdenächteseher.

Ich bin ein Träumerutengänger,
ich fang mir fremde Träume ein;
in meinem aber bleibe ich allein,
ich bin ein Nachtmusikeinfänger.

Es reicht nur zum Vergissdeinnicht,
beschütz dein Glück, dein Schlaf,
nehm von dir nur das, was ich darf,
ich bin ein Herzenskammerlicht.

Ich bin ein Sternenlicht-Vertreter,
ein Fischer auf dem weiten Meer,
gewiss ein Einsamkeits-Dompteur,
und auch ein Sommernacht-Trompeter.

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Habibi Nun bin ich aber erstaunt, ein völlig anderer Constantin, spannend und ziemlich deftig geschrieben. Bar jeder Zärtlichkeit dafür aber humorvoll. Ich liebe Krimis und so ein Kurzkrimi war echt ein Hochgenuss "lach"
Lachende Grüße von
Barbara
Vor langer Zeit - Antworten
Constantin Ich danke Dir sehr, liebe Barbara. Man muss halt immer variabel sein in seiner Schreibe, und ich wollte so gerne mal einen Kurzkrimi schreiben. ich danke Dir!
Liebe Grüße Constantin
Vor langer Zeit - Antworten
Sylke Mal ein ganz anderes Gefühlserleben bei deinen Texten.
Da können die lieben Polizisten aber auch schnell mal ärgern, wenn sie so behandelt werden. Doch der Kreidefelsen ist doch auch keine Lösung, zumal Besoffene doch einen ganz speziellen Schutzengel haben, der sie auffängt.

LG Sylke
Vor langer Zeit - Antworten
Constantin Liebe Sylke, ich glaube, mein Schutzengel geht ständig fremd, grins. Ich danke Dir, dass Du Dir auch mal einen anderen Constantin angetan hast.
Liebe Grüße Constantin
Vor langer Zeit - Antworten
Feedre ich weiß nicht, ob es in der Hölle guten Stoff gibt..:-)))
aber den "Stoff", den ich eben von dir gelesen hab,
der ist vom Feinsten...:-))))))
LgF
Vor langer Zeit - Antworten
Constantin Liebe Feedre, auch Dein Kommentar bester "Stoff"! Hab Dank auch für den Favo!!
Liebe Grüße Constantin
Vor langer Zeit - Antworten
GertraudW 
Also das ist einmal ein Krimi nach meinem Geschmack. Super geschrieben, mit viel Humor. Ich hab ihn schmunzelnd gelesen und zwischendurch laut gelacht (JVA und DNA) - köstlich. Ein solches Ende hätte ich nicht vermutet.
Liebe Grüße an Dich
Gertraud
Vor langer Zeit - Antworten
Constantin Das war ein Experiment, liebe Gertraud, ob man in der Kürze einen sinnvollen Krimi humorvoll schreiben kann. Dir hat es gefallen, und das freut mich natürlich. Dankeschön für den Favo!
Liebe Grüße auch an Dich Constantin
Vor langer Zeit - Antworten
GertraudW 
Lieber Constantin,
solche "Experimente" kannst Du von mir aus ruhig öfter machen. Erstens ist dieser Krimi unwahrscheinlich toll geschrieben und zweitens, wegen meiner schlechten Augen (altersbedingte Makuladegenerierung ) habe ich eh immer Probleme, lange Geschichten am PC zu lesen.
Ein ♥liches Dankeschön für die Münzen und liebe Grüße
Gertraud
Ic
Vor langer Zeit - Antworten
Albatros99 Da muss ich Fleur beipflichten, nein, so was von verrücktem Krimi! Aber besonders gelungen fand ich den Kommissar, solche kenne ich sogar, seltsam ....
Liebe Grüße Christine
Vor langer Zeit - Antworten
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