Wissenschaft
Paranuss

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"Die Härte des Dschungels"
Veröffentlicht am 28. Juni 2014, 16 Seiten
Kategorie Wissenschaft
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Über den Autor:

Ich versuche mit guten Geschichten zu unterhalten. Hoffentlich glückt es. Ich bin Jahrgang 1958, in München geboren. Seit meiner Kindheit schreibe ich, habe aber nie eine Profession daraus gemacht. Meine zarten Versuche mal eine meiner Geschichten bei einem Verlag zu veröffentlichen sind gescheitert. Hier gibt es eine Auswahl von Kurzgeschichten aller Art. Sie sind in ihrer Kürze dem Internet und e-pub Medium angepasst.
Die Härte des Dschungels

Paranuss

Paranuss

Ein paar Bemerkungen über die Paranuss, die vielleicht nicht jeder kennt.

Eine aufmerksame Leserin hat zur wichtigen Ergänzung des Buches beigetragen: albatross99

Ich daher habe ich dieses Büchlein mit dieser wichtigen Ergänzung neu eingestellt (30.10.2019).


Copyright: G.v.Tetzeli

Cover: Der Paranussbaum

("aus Wikipedia entnommen")

Die Paranuss

Nüsse sind nahrhaft und gesund. Sie sind Taillen feindlich, schmecken aber gut und senken den Cholesterinspiegel. Man kennt im Allgemeinen die Erdnuss, die Walnuss, die Edelkastanie (Marone), die Eichel, die Haselnuss. Besonders nahrhaft ist die Paranuss.


100g Paranüsse haben einen Brennwert von 2743 kJ. So ungefähr 7100 KJ braucht ein Mann von 70 Kg pro Tag.


250g Paranüsse gefuttert und die Sache hat sich für die nächsten 24 Stunden. Der Bedarf ist gedeckt.

(aus Wikipedia)

Frauen reichen 200g, also ein kleines Beutelchen aus dem Supermarkt. Im Gegensatz zu anderen Nüssen bietet sie einen ungewöhnlich hohen Anteil von Mineralstoffen. (Calcium, Eisen, Kalium, Magnesium, Phosphor, Selen und Zink). In

der Natur ist die Paranuss der höchste Produzent von Selen!


Allerdings sollte man im Falle radioaktiver Verstrahlung die Finger davon lassen. Es gibt keine Hülsenfrucht, die mehr radioaktives Material einlagert. Aber fangen wir mal ganz von vorne an.

Der Begriff Paranuss ist aus dem portugisischen, bzw. dem brasilianisch angehauchten Sprachraum abgeleitet. Aus castanha do para wurde eben Paranuss. Die Stadt Para, im Mündungsgebiet des Amazonas gelegen, stand wohl Pate. Heute heißt diese Stadt Belem. Para wiederum ist

heute auch ein Bundesstaat Brasiliens. Schon im 17. Jahrhundert schipperten die Holländer diese Nuss nach Europa. Der Paranussbaum kommt nur in den Regenwäldern Südamerikas vor. Wissenschaftlich beschrieben wurde er aber erst im Jahre 1808. Sie lässt sich nicht intensiv züchten. Daher muss man noch heutzutage die Paranuss „wild“ im Urwald aufsammeln.

Der Baum wird bis zu 70 Meter hoch, gehört also zu den Urwald-Baumriesen mit sehr schönem, rötlichen Holz und er kann über 300 Jahre alt werden. Im botanischen Sinne ist die Paranuss, auch Brasilnuss, Juvianuss genannt, gar keine

Nuss, denn sie ist der hartschalige Samen der Kapselfrucht.

Die Kapselfrucht ist ungefähr so groß, wie eine Kokosnuss und hat auch die Eigenschaft hart, wie Krupp Stahl zu sein.

(aus Wikipedia)


Die Samen keimen, wenn die Hartschale

verrottet. Nun wäre ein solch wertvoller Energielieferant im Urwald Verschwendung, wenn sich nicht jemand seiner annehmen würde. Und tatsächlich gibt es in Südamerika nur ein einziges Tier, das dabei als Safeknacker erfolgreich ist, nämlich das Aguti.

(aus Wikipedia)

Und wie bei den Safeknackern üblich, macht

sich das Aguti erst bei der Dämmerung an die Arbeit, weil es nachtaktiv ist. Diese Verwandten der Stachelschweine sind einerseits nicht sehr beliebt, weil sie gerne in Plantagen einfallen, andererseits mag man ihr Fleisch sehr gern, das überaus wohlschmeckend sein soll. Wie der Safeknacker auch, versteckt es die Beute.


Im Gegensatz zu dem menschlichen Vertreter, vergisst es viele der versteckten Schätze und trägt so zur Verbreitung des Parabaums bei.

Deshalb sorgt das Aguti beim Vergraben der Vorräte, weil es dabei ungewollt optimale Bedingungen für den Baum schafft, für die Verbreitung..


Der "Schneidbrenner" des Aguti (Wikipedia)

Das Aguti sorgt also dafür, dass die Nussvorräte an der richtigen Stelle vergraben werden. Nicht zu nass, denn das bekommt der Nuss nicht, und auch nicht zu trocken. Wenn

es dann noch der Zufall will, dass genügend Sonnenlicht den Boden erreicht und vor allem das Aguti seinen Schatz vergessen hat, ja dann kann der nächste Urwaldriese heran wachsen.


Von den elf Arten der Agutis sind allein 5 Arten gefährdet. Das mexikanische Aguti ist sogar vom Aussterben bedroht.


Aber nicht nur das Aguti ist für die Verbreitung des Paranussbaums wichtig, sondern auch eine bestimmte Bienenart. Denn auch die Blüten des Paranussbaums wollen bestäubt werden. Und da hat sich eine spezielle Symbiose herausgebildet.

Es handelt sich um die Orchideenbienen der

Gattung bombus. (wissenschaftl. euglessini) Der Paranussbaum macht es ihnen nicht leicht. Um sich zwischen Haube und Blütenblättchen hindurch zu wursteln, muss man Kraft haben und auch an dem Nektar, wie die Kolibris, Geschmack finden. Während andere Bienenarten Pollen sammeln, lutscht die Orchideenbiene von vornherein am angebotenen Nektar. Nur sie ist in der Lage die Paranussbäume zu bestäuben. Die Pollen trägt sie quasi nur als Beiwerk mit sich.

Und auch sonst unterscheidet sich unser Bestäuber von anderen Bienen. Sie ist ein Einzelgänger und nistet ihre Nachkommen in andere Bienennester ein.

Und natürlich, wie sollte es anders sein, ist diese seltene Art gefährdet.


(Orchideenbiene, auch Prachtbiene - wikipedia)


Seit 12.07.2003 schlagen EU Vorschriften zu. Gegen die ganze Paranuss, also der Hülsenfrucht wurde praktisch ein Importverbot erlassen. Man hat festgestellt, dass in der

Schale Aflatoxin vorkommt. Der Anteil übersteigt die europäisch zugelassenen Wert um ein vielfaches. Alle importierten Nüsse müssen gestestet und mit Herkunftszertifikat versehen werden. Das können sich die allermeisten südamerikanischen Anbieter nicht leisten. Der Handel mit ganzen Hülsenfrüchten ist daher stark zurück gegangen.

Na gut, Aflatoxin, ein Pilzgift, wirkt karzinogen und auch die Leber würde sich nicht freuen, aber wer würde bei der Paranusshülse denn von der steinharten Kapsel naschen wollen? Auch das Aguti meidet beim Einbruch die Späne.

Die Nuss selbst hat ebenfalls einen äußerst

harten Mantel.

Und sogar manch ein haushaltsüblicher Nussknacker stößt unter Umständen, "beruflich" gesehen, an seine Grenzen. Jedenfalls ist die Paranuss die fettreichste Nuss, die es gibt und den mandelähnlichen Geschmack kann man getrost genießen.


Ein außerordentlich wertvoller Genuss!

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Hörbuch

Über den Autor

welpenweste
Ich versuche mit guten Geschichten zu unterhalten.
Hoffentlich glückt es.
Ich bin Jahrgang 1958, in München geboren.
Seit meiner Kindheit schreibe ich, habe aber nie eine Profession daraus gemacht. Meine zarten Versuche mal eine meiner Geschichten bei einem Verlag zu veröffentlichen sind gescheitert.

Hier gibt es eine Auswahl von Kurzgeschichten aller Art. Sie sind in ihrer Kürze dem Internet und e-pub Medium angepasst.

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CHM3663 Ich genieße es immer wieder, wie unglaublich unterhaltsam Du einem immer mehr über unsere wunderbare Welt beibringen kannst!
Und es ist toll und enorm wichtig, daß Du dabei auch immer wieder darauf hinweist, wie perfekt die Natur funktioniert, wenn der Mensch nur seine Finger davon lassen könnte!
Jetzt habe ich nur ein Problem: Folge ich zuerst meinem Fernweh, das Du mal wieder ausgelöst hast, oder meinem Appetit auf Paranüsse? :-)
Na, vielleicht gibt's ja im Flieger auch welche...:-)
Danke und LG, Chrissie
Vor langer Zeit - Antworten
Bleistift 
"Paranuss..."
Wie immer, interessant und
lehrreich von Dir geschrieben...
Leider sind meine Taschen schon wieder leer und
kein einziger Louis d'or mehr drin zu finden... ...grinst*
LG Louis :-)
Vor langer Zeit - Antworten
baesta Ich habe sie auch immer gerne gegessen, aber ich bin Allergiker und deshalb meide ich sie jetzt. Es soll Menschen geben, die nach dem Genuss der Paranuss schwere allergische Schocks entwickeln können.
Aber sehr schön beschrieben hast Du den Werdegang dieser schmackhaften Nuss.
Ich halte mich aber lieber an die Pekanuss.
LG Bärbel
Vor langer Zeit - Antworten
Albatros99 Ja, gut beschrieben Günther, dazu kam vorige Woche ein sehr schöner Beitrag bei PHOENIX. ich sehe so etwas sehr gern, da ich Brasilien sehr liebe und auch schon kurz dort war. Zur Bestäubung braucht der Paranussbaum unbedingt die Orchideenbiene. Sie ist das einzige Insekt, dem es möglich ist, in den Blütenkelch einzudringen und an die Staubbeutel heran zu kommen. Alle anderen Insekten sind zu schwach oder haben nicht die richtige Form. Die Orchideenbiene sammelt auch keinen Pollen wie unsere Bienen, sondern nur den Nektar Ohne diese Symbiose, deren Gleichgewicht schon sehr gestört ist, gäbe es keine Paranüsse.

Liebe Grüße
Christine
Vor langer Zeit - Antworten
welpenweste Liebe Albatross99,
auf Grund Deiner famosen Ergänzung habe ich selber auch noch weiter recherchiert. Vielen, vielen Dank! Dieser Fortpflanzungsengpass ist mir echt entgangen. Ich nehme das Buch heraus, ergänze es und weise auf Dich hin!
Danke nochmals!
Günter
P.S.: wie wäre es toll, wenn es mehrere so aufmerksame Leser, wie Dich gäbe!
Vor langer Zeit - Antworten
Rajymbek 
Wieder etwas dazu gelernt! Dann kauf ich mir mal ein paar Gramm!

VLG Roland
Vor langer Zeit - Antworten
mohan1948 Danke für diesen aufschlussreichen Bericht - sehr gerne gelesen
liebe Grüße
Hannelore
Vor langer Zeit - Antworten
welpenweste Danke schön!!
Vor langer Zeit - Antworten
Ameise Danke das Du mir meine Lieblingsnuss so nah gebracht hast LG Ameise
Vor langer Zeit - Antworten
welpenweste Ich mag sie auch sehr gerne, Danke!
Vor langer Zeit - Antworten
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