Krimis & Thriller
Tom und Billy - Chris

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"Tom und Billy - Chris"
Veröffentlicht am 28. Juni 2014, 14 Seiten
Kategorie Krimis & Thriller
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Tom und Billy - Chris

Tom und Billy - Chris

Ein Pfiff gellte durch die Halle. Tom stand mit Chris auf der Brüstung und beide tranken den letzten Schluck Kaffee aus dem Becher vom Automaten, den heute mal Chris spendiert hat. "Sag' mal, Tom, hat Billy keine Schmerzen? Ich habe ja nun schon einiges von ihm mitbekommen und wundere mich, dass er das Training durchhält. Und was macht er so in seiner Freizeit? Oder arbeitet er? Wie kommt man zu solchen Verletzungen?", fragte Chris auf dem Weg raus aus der Halle. Sie warfen die leeren Kaffeebecher in den Mülleimer an der Eingangstür und traten hinaus in den Sonnenschein. Tom setzte sich auf eine Bank: "Doch, er hat Schmerzen. Immer.

Ich habe ihm vor zwei - oder sind es nun schon drei? - Jahren vier gebrochene Wirbel in der Brustwirbelsäule operiert. Seither sind die Wirbel steif und durch cages miteinander verbunden. Die Reha damals bestand aus der Wiederherstellung der Beweglichkeit und des Bewusstseins, dass er sich bewegen kann und auch soll. Er war schon ziemlich down damals. Die Schmerzen waren beinahe unerträglich und auch jetzt kaufe ich ihm das nicht ab, wenn er sagt, dass es o.k. ist. Ich sehe, wie er ständig die Zähne zusammenbeißt. Manchmal, wenn er bei uns ist, redet er mit meiner Frau. Sie haben ein gutes Verhältnis und Billy

erzählt ihr viele Dinge, die ich nicht weiß. Ich frage sie nicht, was er gesagt hat. Wenn er soweit ist, wird er schon mit mir reden. Was seinen Lebensunterhalt angeht, da fragst Du ihn gleich selbst, ja?" Chris stand die ganze Zeit neben der Bank und hörte aufmerksam zu. "Das ist verrückt. Billy war schon oft im Krankenhaus - mal als Patient, mal als Dein Besucher -  aber was da alles hintersteckt ... das interessiert mich sehr", überlegte Chris. Die Tür der Sporthalle schwang auf. Billy kam heraus.

Sein Gesicht verriet, dass irgendetwas nicht in Ordnung ist. "Tom, hast du gleich Zeit für mich?", fragte er seinen

Bruder, schaute dabei aber Chris an. In Chris stieg Unbehagen auf und er trat verlegen von einem Bein auf das andere. "O.k.", sagte Chris so beiläufig wie es nur ging, "dann wird das nichts aus unserem gemütlichen Feierabendbierchen nachher?" Ohne darauf zu reagieren sagte Billy: "Ich bringe dich nach Hause, Chris. Tom? Bis später?" Tom erhob sich und nickte: "Du weißt wo Du mich findest." Die drei Männer gingen wortlos zu ihren geparkten Autos. Während Tom vom Parkplatz brauste, schmiss Billy seine Sporttasche in den Kofferraum und sagte grob zu Chris: "Einsteigen!" Nachdem auch er eingestiegen und angeschnallt

war, liess er den Motor an und fuhr los in Richtung Innenstadt. Chris' Herz pochte ihm bis in den Hals. Seine Hände begannen zu schwitzen und er überlegte, was Billy vorhatte. Ob er was gemerkt hat? An der dritten Kreuzung, wo sie eigentlich links abbiegen hätten müssen, fuhr Billy geradeaus, um in eine kleine Seitenstrasse rechts einzubiegen. Er hielt am Strassenrand, stellte den Motor aus, verstaute seine Sonnenbrille in der Mittelkonsole und nachdem er sich abgeschnallt hatte, drehte er sich zu Chris. Während er ihn eindringlich musterte, presste er seine Lippen auf einander. Chris wurde es mulmig zumute, er stotterte: "Was ehm ...

wolltest du mich nicht nach Hause bringen? Was ist denn los?" Tom verzog seine Augen zu Schlitzen und sagte ganz ruhig: "Sag mal, Chris, willst Du mich verarschen? Glaubst du, ich merke nicht, was Du für ein Spiel spielst? Raus aus meinem Auto! Sag' Mike, dass wenn ich nochmal sehe, wie Du mit ihm telefonierst, ich Dir die Finger breche, mit denen Du seine Nummer gewählt hast." Er nahm seine Sonnenbrille aus dem Fach, setzte sie wieder auf und schnallte sich an. Eine Hand über das Lenkrad gelegt, schaute er durch die Windschutzscheibe nach draußen. Chris schluckte und ohne ein Wort schnallte er sich ab und stieg aus. Durch die Scheibe

beobachtete Billy, wie Chris nervös an seiner Jacke fummelte und wohl darauf wartete, dass er losfuhr. Das tat er aber nicht. Nach einer gefühlten Ewigkeit setzte Chris sich in Richtung Hauptstrasse in Bewegung. Tom verfolgte ihn durch den Rückspiegel und wusste, dass das der Anfang einer erneuten kleinen Schlacht gegen Mike war.

Er überlegte eine Weile, was er nun tun sollte. Mike wäre nach dieser Aktion alarmiert und würde Chris beschützen. Dumm nur, dass dieser bei seinem Bruder Tom im Krankenhaus arbeitete. Tom! Der ist ahnungslos. Billy fuhr zu seinem Bruder nach Hause.

Voller Erwartung öffnete der Arzt die Tür. Schon im Hausflur bat Billy ihn stehenzubleiben. "Was weiß Chris über mich? Über uns?", fragte Billy und lehnte sich gegen die Kommode. "Ehm, wenn Du wissen möchtest, ob er weiß, dass wir Brüder sind, dann kann ich Dir versichern, dass er das nicht weiß. Das weiß nur James und für ihn lege ich meine Hand ins Feuer. Er war schließlich damals dabei als ...", weiter kam Tom nicht, denn er wurde von Billy unterbrochen; davon wollte er nichts hören. "Gut. Denn er hat was mit Mike zu tun. Sie telefonieren ständig miteinander. Als er den Kaffee für euch geholt hat, habe ich ihn beobachtet."

Tom blieb der Mund offenstehen. Er seufzte und war erleichtert, dass er Chris noch nicht anvertraut hatte. Dafür war er aber auch noch nicht lang genug in seinem Team. "Chris ist erst ein paar Monate mein Kollege. Meinst Du, Mike hat ihn irgendwie eingeschleust?", überlegte Tom während er Billy bat, ihm ins Wohnzimmer zu folgen. Am Tisch saß Jen, Toms Frau. Sie trank einen Tee und wühlte in einem Berg Unterlagen. Als die Männer durch die Tür traten, schaute sie auf und begrüßte Billy mit einem Grinsen: "Hey Schwager! Was macht die Kunst? Magst Du was essen?" Billy lächelte warm zurück: "Hi Jen. Ich würde lügen, wenn ich sagte, dass alles

gut ist. Zum Essen komme ich ein anderes Mal gern wieder, danke." Jen nickte verständnisvoll und nach einem kurzen Blickaustausch zwischen ihr und Tom verliess sie das Wohnzimmer und verschwand im Garten.

"Du hast sehr viel Glück mit ihr. Ich freue mich für Dich", sagte Billy zu Tom und setzte sich auf die Couch. Ein Stöhnen entfuhr ihm. Tom schenkte sich einen Tee ein und setzte sich ihm gegenüber auf einen Sessel: "Ja, das hast Du recht. Sie hält mir den Rücken frei und kümmert sich um alles. Wohingegen mein Bruder mir immer viele Sorgen bereitet." Mit einem Zwinkern Richtung Billy nippte er am

heißen Tee. Eine kurze Zeit schwiegen sie. "Ich weiß. Das tut mir leid. Und dass ich Dich und damit auch Jennifer in Gefahr bringe, zerreißt mich. Doch gerade komme ich da nicht so einfach raus. John sitzt mir im Nacken. Ich weiß, wo X sich aufhält, doch seine Zeit ist noch nicht gekommen", plauderte Billy heraus. Tom stellte die Tasse ab und sah seinen Bruder eindringlich an: "Du weißt, dass ich immer für Dich da bin. Dass ich Dir helfe, wo ich kann. Ich bin still, wenn es nötig ist, setze mich ein für Dich, wenn Du es brauchst. Ich sehe, dass Du mit meiner Frau sprichst. Es freut mich, dass ihr so ein gutes Verhältnis habt. Fürs Seelische ist sie

dann wohl zuständig. Aber ich bin es für Deine Gesundheit. Deshalb - und um meine Nerven zu schonen - mach keinen Scheiß!"

Billy entfuhr ein unpassendes Grinsen. Er weiß, dass er Tom damit auf die Palme bringt. Seufzend lehnte Tom sich im Sessel zurück und starrte aus dem Fenster. "Tom, ich kann nicht anders", sagte Billy und erhob sich. Er ging zum Terrassenfenster und sah Jen zu, wie sie im Garten Unkraut jähtete. "Ich melde mich bei Dir. Ich muss jetzt los", Billy drehte sich um, sah seinem Bruder kurz in die Augen und verschwand durch den Garten, wo er sich ohne viel Aufhebens von Jennifer verabschiedete. Tom stand

mit verschränkten Armen auf der Terrasse und schaute ihm nach. Jen sah zu ihm hoch und erkannte, dass was im Busch ist.

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Gizzymaus

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