Kurzgeschichte
Einkaufen

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"Einkaufen"
Veröffentlicht am 10. Februar 2015, 6 Seiten
Kategorie Kurzgeschichte
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Einkaufen

Einkaufen

Wie jeden Morgen benutzte ich die Haustür, um meine Wohnung zu verlassen. Dies erschien mir als die beste Lösung. Ich hatte viele Wege ausprobiert, um meine Wohnung zu verlassen, doch die Haustür zu benutzen war eindeutig die sicherste Methode. Als ich an diesem Tag den Bürgersteig betrat, hatte ich die Absicht, den Supermarkt aufzusuchen.In Anbracht der Tatsache, dass ich dringend frische Lebensmittel brauchte, war das auch durchaus angemessen. Ich betrat also den Supermark und lief durch die Gänge. Gemüse, Kräuter, Nudeln. Darauf lief es diesmal, wie so oft, hinaus. Meine Herangehensweise bei der Auswahl des Gemüses mögen manche Leute als ungewöhnlich bezeichnen haben. Die meisten Menschen, die ich kannte, wählten Gemüse ausschließlich nach geschmacklichen Vorlieben, Frische und Preis aus. Ich jedoch nicht. Ich legte natürlich durchaus auch Wert auf solche Dinge, doch außerdem war es mir wichtig, dass die Form, Beschaffenheit

sowie die Ausstrahlung des Gemüses meinen Wünschen entsprach. Es musste in seiner Gesamtheit einen guten Eindruck machen, es musste überzeugen. Vieles Gemüse, das man für gewöhnlich in hiesigen Supermärkten antraf, war recht ausdruckslos. Man möchte fast sagen, dass es keinen Wert darauf legte, gut rüberzukommen. Dabei ging es nicht unbedingt um reine Äußerlichkeiten. Auch eine hässliche Aubergine kann zum Beispiel ihren ganz eigenen Charme haben. Mein Geschmack diesbezüglich war sowieso sonderbar. Ich hatte schon Paprikaschoten attraktiv genannt, die andere Leute als abstoßend empfanden; so abstoßend, dass sie sich niemals hätten vorstellen können, längere Zeit in Anwesenheit dieser Schote zu verweilen.Die Wahl der Nudeln stellte mich vor ähnliche Probleme. Ich beobachte oft Menschen dabei, wie sie Nudeln kauften. Auch dieses mal konnte ich erleben, wie eine junge Frau mit altersgemäßem Äußeren eine Packung Penne in

ihren Einkaufswagen legte. Die Frau trug unauffällige dunkle frauenübliche Kleidung und eine entsprechende Frisur. Das war genau diese Art Frau, die sowas tat, dachte ich. Wäre ich ihr auf der Straße und nicht im Supermarkt begegnet, ich hätte mit dem Finger auf sie gezeigt und gesagt: Seht her, eine typische Penne-Käuferin. So sagte ich nur leise: "Aha." Die Frau drehte sich daraufhin kurz zu mir um, musterte mich, und wandte sich wieder ihrem ganz persönlichen Einkaufsvorgang zu. Als ich gerade dabei war, eine ausgewählte Packung Fettucine aus dem Regal zu nehmen, sprach mich eine Männerstimme von hinten an.
"Hab ich's doch gewusst!", sagte die Stimme. "Ich habe mir gleich gedacht, dass Sie Fettucine nehmen werden."
Ich drehte mich um. "Das haben Sie wohl richtig erkannt. Sie sehen mir allerdings weder nach einem Fettucine- noch nach einem Penne-Typ

aus."
Der Mann zog beide Mundwinkel einen Hauch nach oben. "Korrekt. Ich bevorzuge Farfalle."
"Wenn ich jetzt Eins und Eins zusammenzähle, komme ich zu der Erkenntnis, dass Ihre Frau, sollten Sie eine haben, ein Tortellini-Typ ist."
Der Mann hob die Augenbrauen.
"Nicht schlecht!", sagte er und tätschelte mir auf die Schulter. "Wirklich, ganz ausgezeichnet. Ich bin verheiratet und Sie haben ganz Recht, meine Frau ist der absolute Tortellini-Typ."
"Gibt es da keine Spannungen in Ihrer Ehe?"
"Doch, natürlich. Wie könnte es anders sein? Aber eine Ehe muss so etwas meiner Meinung nach aushalten. Finden Sie nicht?"
Ich überlegte kurz. "Auf jeden Fall. Ich muss dann mal weiter. Ich wünsch Ihnen noch viel Spaß beim einkaufen."
"Ebenso, ebenso!
Nachdem ich bezahlt hatte, verließ ich den Laden.
Ich nahm dafür die

Tür.

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KaraList Wenn sich zwei Nudelfeteschisten begegnen kommt es eben auch in einem Supermarkt zu einem regen Gedankenaustausch. Sehr unterhaltsam geschrieben!
LG
Kara
Vor langer Zeit - Antworten
Drollibaer Danke!
LG
Vor langer Zeit - Antworten
Sophia ach wie schön! Ja, so macht selbst das Einkaufen Freude...Eine Geschichte, die ich sehr gerne gelesen habe...Danke für das Lächeln, was sie beim Lesen auf mein Gesicht zauberte! Lieben Gruß Sonja Sophia
Vor langer Zeit - Antworten
Drollibaer Danke fürs Lesen und deinen Kommentar!
Schön, dass der etwas seltsame Humor der Geschichte rüberkam
Gruß
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