Humor & Satire
Wespen! Wespen!

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"Eine Hommage an mein, na ja, nicht gerade Lieblingsinsekt."
Veröffentlicht am 07. April 2014, 12 Seiten
Kategorie Humor & Satire
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Über den Autor:

Ich bin PhanThomas, aber Leute, die mich kennen, dürfen mich auch gern Thomas nennen. Oder ach, nennt mich, wie ihr wollt. Denn ich bin ja ein flexibles Persönchen. Sowohl in dem, was ich darzustellen versuche, als auch in dem, was ich schreibe. Ich bin unheimlich egozentrisch und beginne Sätze daher gern mit mir selbst. Ich bin eine kreative Natur, die immer das Gefühl hat, leicht über den Dingen zu schweben - und das ganz ohne Drogen. Man ...
Eine Hommage an mein, na ja, nicht gerade Lieblingsinsekt.

Wespen! Wespen!

Titel

Gott schuf die Welt in sieben Tagen, so heißt es. Nachdem ihm am sechsten Tag die Hand ausgerutscht und der Mensch herausgekommen war, nutzte er den siebten Tag, um sich auszuruhen, XBox zu spielen, und sich über all die Perversitäten zu ärgern, die seine versehentliche Schöpfungskrone während der ihr gegeben Zeit so verzapfte: Kriege, Bausparverträge, die CSU und 'ne Menge anderen Blödsinn. Drum schuf er am achten Tag schließlich die Geißel der Menschheit: die Wespe. Die Wespe ist das Arschloch unter den

Insekten. Im Gegensatz zu ihrem achtbeinigen Mistviechkollegen, der Spinne, die zwar ihr Netz stets zielsicher dort hinstellt, wo man garantiert als nächstes hineinlaufen wird, die aber lediglich jenen Menschen besonders nah kommt, die ganz besonders viel Angst vor ihr haben, taucht die Wespe einfach überall auf, wo es was zu stechen gibt. Eingepackt in ihre auffällige schwarzgelbe Here-I-am-to-fuck-some-shit-up-Kluft wirkt sie zuerst einmal gar nicht sonderlich gefährlich. Was farbenfroh ist, das ist kindgerecht, so wird man schließlich sozialisiert. Blöd zum Ersten halt, dass die Tierwelt, was Farben angeht, da eine leicht andere

Auffassung hat: je bunter, desto tödlicher nämlich. Wäre der Legostein quasi ein Tier, wir wären längst ausgestorben. Blöd zum Zweiten, dass auch heute immer noch Kinder mit der Biene Maja ruhiggestellt werden. Der leicht pummlige Heidiverschnitt mit Flügeln und ihr auf ewig in der Friendzone gefangener Sidekick mit dem Sprachfehler namens Willi flattern derart knuffig über die heimische Mattscheibe, dass man einfach so gar keine Angst vor Bienen haben kann. Womit wir bei blöd zum Dritten wären: Wespen sind keine Bienen, und Bienen sind auch gar nicht so schwarz-gelb, wie die Kinderserie es einem vorgaukelt. Die gemeine Biene ist

eher so, hm, braun, während tatsächlich schwarz-gelb lediglich unbrauchbare Koalitionen und eben Wespen sind. Diese schmerzhafte Unterscheidunsglektion will erst einmal gemacht sein. Und so kommt es, dass in meinen beiden schockierendsten Kindheitserinnerungen einmal Sexzeitschriften im Wohnzimmerzeitungsständer vorkommen und einmal, nun, Wespen. Als Dreikäsehoch versucht man ja noch irgendwie, alles zu Brei zu schlagen, was kleiner ist als man selbst - ein roter Faden, der sich bei mir übrigens bis heute durchzieht. Dazu gehörten an jenem schicksalhaften Tag auch zwei

Wespen auf unserem Balkon. Ich erinnere mich, als wäre es gestern gewesen: Bewaffnet nur mit dem Mut eines Löwen und einer Fliegenklatsche wagte ich mich hinaus, um den gestreiften Lolek und Bolek - Watsch! - den Garaus zu machen, holte drum aus und - Zack! - schlug gehörig daneben. Majestätisch wie zwei dicke US-Kampfhubschrauber erhob sich das Duo Infernale in die Luft, hielt zielsicher auf meinen Fuß zu und - Zack! Zack! - ballerte zwei Hellfire-Raketen in Form schmerzhafter Stachel in meinen bemitleidenswerten Fuß. Das Geschrei hinterher war größer als meine ohnehin schon große Klappe, aber nicht halb so

groß wie mein zu einem Globus angeschwollener Fuß. Okay, nun mag man zumindest diesem Stechduett noch so was wie Selbstverteidigung attestieren, aber das ändert nichts am Grundproblem: Wespen - die Plage der westlichen Welt, auf die selbst Moses so nie gekommen wäre - wurden einzig und allein zu dem Zweck erschaffen, perfekte Grillabende und Kindergeburtstage im Sommer gehörig zu vermiesen. Frech wie Oskar hocken die kleinen Giftspritzen sich auf jedes noch so kleine Stück Essen und verharren selbst dann auf ihrer unrechtmäßig besetzten Mahlzeit, wenn eine Gabel das

besagte Stück allmählich zum Mund führt. Bis zum bitteren Ende, mag die Wespe da denken, wobei das Ende schlimmstenfalls ein Luftröhrenschnitt ist, denn die Wildwestwespe weiß ziemlich genau, wer im Duell den Kürzeren zieht und sein blaues Gesichtsfarbenwunder erlebt. Sätze wie »Schlag doch nicht so wild um dich, dann tun sie dir nichts« und »Die haben viel mehr Angst vor dir als du vor ihnen« bringen übrigens auch nichts, da die Wespe die Sprüche nicht kennt. Die Wespe, die Angst vor mir hat, ist außerdem zumindest mir bisher noch nicht begegnet. Im Gegenteil: Mit

Wespenstacheln ist es nicht wie mit Karate, das man lernt, um es nicht anzuwenden. Wespen haben einen Stachel, um ihn sehr wohl zu benutzen. Im Gegensatz zum Gegenentwurf, der Biene, dem Nice Guy der Stecher, der für seine Nettig- wie Nützlichkeit gerade ein mysteriöses Massensterben durchmacht, während Bad Guy Wespe zur schönsten Jahreszeit Großstädte in der Bäckereiauslage gründet, können Wespen bekanntlich mehr als einmal zustechen, ohne hinterher den Stachel wie den Löffel abzugeben. Die Drecksbiester stechen nicht, weil sie es müssen, sondern weil sie es

wollen. Ja, es macht ihnen schlicht Spaß, beschissen zu sein. Sie sind das tierische Äquivalent zu den Schlägertypen, die den bemitleidenswerten Losern in der Schule das Pausenbrot abnehmen, um es ihnen hinterher mit der Butterseite nach oben in die Unterhose zu stopfen. Wespen haben keinen erkennbaren Nutzen in der Tierwelt. Sie liefern keinen Honig, sie fressen keine Reste, sie sind einzig da, um kleine Stücken Kuchen und Bratwurst mitzunehmen und Leute mit schmerzverzerrten Gesichtern zurückzulassen, die mit frischen Zwiebelhälften an sich

herumrubbeln. Zum nervigen Problem trägt auch bei, dass die gestreiften Kackbratzen kaum natürliche Feinde haben, abgesehen von der gerollten Sonntagszeitung und einem noch viel bedrohlicheren und eigentlich verwandten Insekt, dem Crocodile Dundee der Stechbiester, dem einzigen, das zur Wespe gehen und sagen kann: »Das ist doch kein Stachel. DAS ... ist ein Stachel!« - man ahnt es: die Hornisse. Die futtert zwar die Grillabendspaßverderber gern zum Frühstück, kommt aber in freier Wildbahn nicht sonderlich oft vor, weil der Mensch sie zum Dank für ihre

Nützlichkeit nahezu ausgerottet hat. Andererseits vielleicht auch zum Glück, denn wir erinnern uns: Wer dreimal von einer Hornisse gestochen wird, der stirbt. Das ist zwar Blödsinn, aber ausprobieren will ich's auch nicht, sind Hornissen doch ungefähr so groß wie ein B52-Kampfbomber. Und so was als Plage ... brrrr! Bringen wir den Alten da oben zwischen XBox und Wegschauen mal lieber nicht auf dumme Gedanken.

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Über den Autor

PhanThomas
Ich bin PhanThomas, aber Leute, die mich kennen, dürfen mich auch gern Thomas nennen. Oder ach, nennt mich, wie ihr wollt. Denn ich bin ja ein flexibles Persönchen. Sowohl in dem, was ich darzustellen versuche, als auch in dem, was ich schreibe. Ich bin unheimlich egozentrisch und beginne Sätze daher gern mit mir selbst. Ich bin eine kreative Natur, die immer das Gefühl hat, leicht über den Dingen zu schweben - und das ganz ohne Drogen. Man trifft mich stets mit einem lachenden und einem weinenden Auge an. Das scheint auf manche Menschen dermaßen gruselig zu wirken, dass die Plätze in der Bahn neben mir grundsätzlich frei bleiben. Und nein, ich stinke nicht, sondern bin ganz bestimmt sehr wohlriechend. Wer herausfinden will, ob er mich riechen kann, der darf sich gern mit mir anlegen. ich beiße nur sporadisch, bin hin und wieder sogar freundlich, und ganz selten entwischt mir doch mal so etwas ähnliches wie ein Lob. Nun denn, genug zu mir. Oder etwa nicht? Dann wühlt noch etwas in meinen Texten hier. Die sind, äh, toll. Und so.

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MarieLue Eine viel zu schöne Geschichte für diese Saubande! Bei uns leben sie auf dem Dachboden. Bisher hatten wir eine friedlich Koexistenz. Als Kind haben sie mich allerdings verfolgt und immer wieder gestochen. Also lieben tue ich diese Biester nicht...
Herzliche Grüße
Marie Lue
Vor langer Zeit - Antworten
PhanThomas Hallo Marie Lue,

na endlich sagt's mal jemand so! :-D Ich kann den Biestern auch so gar nichts abgewinnen, auch wenn sie eigentlich ganz hübsche Farben haben.

Liebe Grüße
Thomas
Vor langer Zeit - Antworten
baesta Hatte schon mal angefangen zu lesen und wurde unterbrochen. Jetzt komme ich erst dazu, zu Ende zu lesen.
Das haste ja wieder eine herrlich nette Wespengeschichte in Umlauf gebracht. Ich mag sie aber irgendwie. Wenn sie auf dem Kuchenstück sitzen und sich kleine Brösel davon abknabbern, ist doch echt süß. Und weil ich mich ruhig verhalte, hat mich bis jetzt auch noch keine gestochen. Aber Du hast mich an eine geschichte erinnert, die vor mehr als 30 Jahren passiert ist. Werde sie mal aufschreiben.

Liebe Grüße
Bärbel
Vor langer Zeit - Antworten
PhanThomas Hallo Bärbel,

danke schön. :-) Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Wespen auch dann stechen, wenn man sich ruhig verhält. War bisher zumindest bei mir so, aber vielleicht haben sie mich auch einfach für einen natürlichen Feind gehalten. Das Schlimme ist eben auch, dass die Viecher so aufdringlich sind. Wenn sie einem erst mal folgen, dann kann man ja auch kaum entkommen. Und ruhig bleiben führt nur dazu, dass sie plötzlich auf dem Arm sitzen oder, schlimmer, im Gesicht. Ja und dann? ;-)

Oh, und was ist dir denn im Zusammenhang mit Wespen passiert? Ich fand ja Christines Geschichte aus ihrem Kommentar weiter unten schon ziemlich krass.

Liebe Grüße
Thomas
Vor langer Zeit - Antworten
baesta Hallo Thomas,
möglicherweise hast Du vielleicht ein Parfüm oder Rasierwasser, welches ihnen vorgaukelt, dass Du ein Feind bist. Sie sind ja für Düfte sehr empfänglich und das macht sie manchmal aggressiv.
Allerdings stehen Wespen unter Naturschutz und so kann man sich ihrer nicht so einfach entledigen.
Bei uns hatte im vergangenen Sommer auch eine Wespenköniging an der Garagentür angefangen, ein Nest zu bauen. Ich habe es ganz vorsichtig abmontiert und an eine Stelle gebracht, wo sie nicht mehr unsere Türe blockieren konnte. Allerdings ist ihr Nestbau höchst interessant. Hatten auch schon vor 20 Jahren in unserer Laube (die war damal erst im Bau) unter dem Dach Wespennester. Damals haben wir sie vernichtet, weil wir nicht wußten, dass die unter Schutz stehen. Jetzt lassen wir sie im Garten und wenn wir da was essen und sie mausen sich ein Krümchen, dann beobachten wir sie nur und bisher haben sie uns auch noch nichts getan. Im Internet kann man sicher erkunden, welche Düfte sie aggresiv machen und man kann sich danach richten.
Die Geschichte von Christine ist tatsächlich krass, aber da wurde sicher auch falsch gemacht, was nur falsch zu machen war.

Liebe Grüße
Bärbel
Vor langer Zeit - Antworten
PhanThomas Hallo Bärbel,

ich glaube, ich hab da einfach ein paar mal Pech gehabt, was Wespenstiche anging. Aber ich werd auch echt nervös, wenn die kommen. Man wird die Biester ja so schnell nicht wieder los.

Wie hast du denn bitte das Wespennest entfernt? Hattest du einen Schutzanzug? Und stehen die echt unter Naturschutz? Ich dachte, das gilt nur für Hornissen.

Liebe Grüße
Thomas
Vor langer Zeit - Antworten
baesta Hallo Thomas,
da haben wir ja den Salat. Du wirst nervös und die Biester spüren das ganz genau. Wenn Du cool bleibst, dann fliegen sie wieder weg, ohne Stich.....
Das Wespennest war noch ziemlich klein, wie ein Tennisball so groß, da konnte ich einen etwas größeren Plastebehälter drüberstülpen und das Nest mit einem Spachtel von der Wand lösen. Deckel drauf und das Ding in einen Baum im nahen Wäldchen gehängt.
Aber Wespen stehen tatsächlich auch unter Naturschutz, nicht nur Hornissen.
Als ich bei meiner Cousine bei Berlin war, hatten wir abends mal auf der Terasse gegessen und da kamen sie auch an, mopsten sich kleine Krümel vom Steak und flogen damit fort. Ich habe gestaunt, mit welchem Eifer sie das abgeknabbert hatten und konnte es gar nicht fassen. Dachte ich doch immer, sie gehen nur auf Süßes. Aber nee, die nagen alles an, was irgendwie fressbar ist.

Liebe Grüße Bärbel

PS: Übrigens gibt es auch Lebendfallen, da kann man sie an einerm entfernten Platz auch wieder frei lassen.
Vor langer Zeit - Antworten
PhanThomas Hallo Bärbel,

na also wenn Leute in meiner Umgebung nervös werden und ich merke das, dann hau ich denen doch auch keine rein. ;-) Ich weiß nicht. Traue den Viechern partout nicht über den Weg.

Und Wespen sind tatsächlich Allesfresser. Ich hab mal eine Doku gesehen, in der fing eine Wespe eine Fliege während des Flugs. Die fressen sie nämlich auch, und so was wird dann wohl auch tatsächlich die natürliche Begründung ihrer Existenz sein. Denn ansonsten nerven sie ja nur. Honig stellen sie auch nicht her, auch wenn sie aussehen wie die Biene Maja. Aber das hatte ich ja schon beschrieben.

Wie hast du eigentlich den Behälter von dem Nest entfernt, ohne dass die Wespen hinterher auf dich losgingen?

Liebe Grüße
Thomas
Vor langer Zeit - Antworten
baesta Lieber Thomas,
es waren ja noch keine Wespen drin, nur die Königin hatte damit angefangen, das Nest zu bauen, es war also erst mal so groß wie ein Tennisball und es waren nur Eierchen drin. Die Königin muss ja am Anfang erst mal alles alleine machen, bis sie ihren "Hofstaat" hat. Nur wäre die Garagentür für sie und für uns zu gefährlich gewesen, also musste sie mitsamt ihrem Nest "umziehen".

Liebe Grüße
Bärbel (die gar nicht mehr nachkommt mit Lesen)
Vor langer Zeit - Antworten
PhanThomas Ach so funktioniert das? Ich hätte eher gedacht, Wespenarbeiter bauen die Behausung, und wenn sie fertig sind, zieht die Königin ins gemachte Nest. Wespen sind also quasi sehr emanzipierte Insekten. Wieder was gelernt. :-)

Liebe Grüße
Thomas (dem es auch so geht, weil er sich fragt, wo die Zeit immer hin sickert)
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