Fantasy & Horror
Ein neuer Job

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"Eine Kleinstadt bietet nicht viel"
Veröffentlicht am 02. März 2014, 20 Seiten
Kategorie Fantasy & Horror
http://www.mystorys.de

Über den Autor:

Ich versuche mit guten Geschichten zu unterhalten. Hoffentlich glückt es. Ich bin Jahrgang 1958, in München geboren. Seit meiner Kindheit schreibe ich, habe aber nie eine Profession daraus gemacht. Meine zarten Versuche mal eine meiner Geschichten bei einem Verlag zu veröffentlichen sind gescheitert. Hier gibt es eine Auswahl von Kurzgeschichten aller Art. Sie sind in ihrer Kürze dem Internet und e-pub Medium angepasst.
Eine Kleinstadt bietet nicht viel

Ein neuer Job

ein neuer Job

Vielleicht sollte man es sich noch überlegen, ob man einen Job als Sheriff in einer Kleinstadt annimmt.

Kommentare sind von jedem erwünscht.

(neu eingestellt - 20.10.2021)






Copyright: G.v.Tetzeli

Cover: Bild : Dank an Pixabay (CCO)

Montage und Layout: Monika Heisig

Internet: www.welpenweste.de

ein neuer Job

„Ich selbst landete schon vor 20 Jahren in diesem kleinen Örtchen Kingsglennsfield", erzählte mir Sheriff Mike Clempsey. Er saß hinter einem recht großen Schreibtisch, dessen mir zugewandte Seite bis zum Boden mit glänzendem, Patina überzogenem Mahagoni verkleidet war. Ich hörte interessiert zu. Man hatte mir eine neue Stelle als Sheriff in diesem Kingsglennfield angeboten und ich hatte eigentlich nichts dagegen eine ruhige Kugel zu schieben. Der Posten würde frei werden, weil der dortige Sheriff in den vorzeitigen Ruhestand treten

wollte. Mike Clempsey, mein Vorgänger, hätte gesundheitliche Gründe angegeben. Nun sollte ich ihn ablösen. Was mich dabei stutzig machte, war, dass ich selten einem gesünderen Mann gegenüber gesessen habe wie ihm. Nun saß er also vor mir, mein Vorgänger. Mike war agil, frisch, braungebrannt, verschmitzt und seine Oberkörper-Statur sportlich. Ich würde ihn auf 45 Jahre schätzen, obwohl ich wusste, dass er 58 Jahre alt war. Ich fand ihn sympathisch und fragte daher in aller Offenheit, warum er denn so früh aufhören wollte. Wieso die Stelle für mich so plötzlich frei wurde. Mike fuhr fort.

„Der damalige Sheriff, der alte Joe, warnte mich. Auch der alte Joe ging frühzeitig in Rente. Der Arme hatte am Schluss beide Beine amputiert. Er sagte, hier ginge es nicht mit rechten Dingen zu. Dann erzählte er mir eine Geschichte, so wie ich sie jetzt ihnen erzähle. Ich schlug die Warnung, die mir Old Joe unter die Nase rieb, in den Wind und blieb als neuer Sheriff." Mike ließ diesen Satz hochschwanger in der Luft stehen. "Bis vor kurzem habe ich das nicht bereut. Es ist wirklich schön hier, sofern sie keinen Trubel brauchen. Sie haben ihren Dienstwagen und ein Auskommen. Da werden sie nicht reich,

aber für einen normalen Anspruch reicht es.“ Ich nickte und unterbrach ihn aber nicht. "Ich schwöre ihnen, dass ich ihnen die reine Wahrheit sage. Genau so sind mir die polizeilichen Ermittlungen damals von Old Joe erzählt worden. Auch vor meiner Ära, damals schon, wurde in dieser Gegend nach Diamanten gegraben. Damals, wie heute rentierte sich die Ausbeute für große Firmen nicht. Aber die Schwarzen in unserer Stadt schwören, dass es mit den gefundenen Diamanten eine besondere Bewandtnis hat. Sie graben immer noch, aber alles in Maßen,

denn verkaufen tun sie die Steine nicht, obwohl ich weiß, dass einige inzwischen eine ganze Menge davon haben. Also, damals war, laut dem alten Joe, ein gewisser Herr Obatala in die Stadt gekommen. Kaum war er da, scharten sich die Leute um ihn, wie die Motten ums Licht. Joe hatte damals Obatala beobachtet, so erzählte er mir. Er machte einen Hausbesuch nach dem anderen, um sich umzuhören. Unser Doktor der Stadt habe plötzlich ein leeres Wartezimmer gehabt. Schließlich verriet ein junger Bengel, dass etwas im Busch sei. Nachts würden draußen im Waldhain Voodoo Messen abgehalten werden. Jedenfalls sei damals Joe herausgefahren und

habe eine Entdeckung gemacht." Nun unterbrach Mike Clempsey seine historische Erzählung. Er machte eine Schublade auf und entnahm ihr eine Flasche Bourbone Whiskey, ebenso zwei Gläser. Dann schenkte er ein. „Im Dienst“, fragte ich. „Ich brauche das jetzt“, sagte er. "Außerdem bin ich praktisch schon außer Dienst. Und ihr Dienst fängt erst morgen an, nicht wahr?" Da hatte er recht und wir genehmigten uns einen.


"Sie haben nicht umsonst ihre Erzählung an dieser Stelle unterbrochen?" Clempsey überging meinen Einwand. „Was wissen sie eigentlich über Voodoo?“ Seine Augen musterten mich eindringlich. „Na ja", zuckte ich die Schultern, "irgend so was, wie Religion. In Hawaii und Afrika verbreitet. Ich glaube auch in Brasilien und auf Kuba. Da wird alles Mögliche darüber verzapft." Ich patschte auf den Schenkel. "Alles Mumpitz natürlich!" Mike kniff die Augen zusammen. "Aha, also null Ahnung! Es gibt mehrere Arten von Voodoo. Da gehört weiße, aber auch schwarze Magie dazu.

Einen solchen Voodoo Priester nennt man Babalowo." „Ach ja“, schielte ich ihn an. "Aber weiter mit der Geschichte von Old Joe", räusperte sich Mike. "Er habe entdeckt, dass das Ganze nur ein Brimborium mit Trommeln und so war. Dann hätten sie noch mit einer blutigen Vogelpfote herumgefuchtelt. Kein Grund zu einer Anzeige." Er hob warnend den Zeigefinger. "Ich sage ihnen das aus persönlicher Erfahrung: So eine Messe strahlt eine gewisse Faszination aus.

Also weiter:

Ben und Karl Stiller waren Brüder. Beide steinreich. Damals war Ben intensiver Anhänger des Voodoo Kults. Und er hatte bei einer dieser Messen geschworen, seinen Bruder umzubringen." "Nettes Kerlchen", brummelte ich. "Oh, das meinte der wirklich ernst. Ein Voodoo Schwur ist etwas ganz Besonderes. Er muss unbedingt und ausnahmslos eingelöst werden. Jedenfalls war sein Bruder Karl verstorben. Ganz normal, im Schaukelstuhl. Der Arzt hatte das bei der Obduktion später festgestellt. Da war Karl aber schon 3 Wochen tot gewesen. Direkt nach Karls Tod kam besagter Obatala in den Ort. Und dieser Obatala war ein Voodoo

Priester. Einer von den ganz Großen!" "Lassen sie mich raten, natürlich einer für schwarze Magie, richtig?" Mike grunzte nur und kippte nochmals am Whiskey. "Das vertreibt auch die Schmerzen", erklärte er, wie nebenbei. "Jedenfalls kann er angeblich durch eine langwierige Zeremonie Tote für kurze Zeit wieder zum Leben erwecken. Für die komplizierte Necromantie braucht man auch Diamanten. Spezielle Diamanten." "Diamanten von hier, nehme ich an. Und Necromantie nennt man die Wiederauferstehung von Toten, richtig?"

"Richtig!

Angeblich erweckte Obatala Kurt Stiller durch das Totentawaba wieder zum Leben. Dann hatte Ben endlich die Gelegenheit seinen Bruder zu ermorden und stach zu. Sheriff Old Joe sagte, Ben hätte ihm alles gestanden. Er hat ihm auch erzählt, das mit dem Tote auferwecken würde nicht immer funktionieren. Manchmal würde man mehr als 5 Versuche brauchen." „Blödsinn“, sagte ich, war aber doch neugierig, wie Old Joe mit diesem hahnebüchenden Blödsinn umgegangen war. "Gab es damals eigentlich rechtliche Konsequenzen", bohrte ich nach. "Natürlich keine.

Wenn das alles wahr gewesen wäre, wie soll

man Anklage erheben, wenn der Ermordete längst tot war? Die Obduktion ergab doch, dass Ben auf eine Leiche eingestochen hat und dass Karl drei Wochen vorher schon gestorben war, zumindest mikrobiologisch. Das einzig merkwürdige war, dass Karls Leiche keinerlei Verwesungsspuren aufgewiesen hatte. Auch roch er nicht. Man hatte so was noch nie erlebt. Und glauben sie ernsthaft, dass ein Gericht so ein Mysterium geglaubt hätte? So war eben Karl tot und Schluss!" Sheriff Mike lehnte sich ächzend zurück. Inzwischen wirkte er etwas blass. "Was haben sie denn?"

"Na ja, die Schmerzen", lächelte er

gezwungen. Er führte weiter aus: "Außerdem hätte Ben in jedem Fall freigesprochen werden müssen. Er handelte ja in Voodoo Trance, sozusagen nicht zurechnungsfähig. Wenn jemand einen solchen Eid bei so einer Voodoo Messe geschworen hat, dann gibt es kein Zurück. Glauben sie mir das bitte! Außerdem: Das Einstechen auf eine Leiche hätte allenfalls Leichenfledderei bedeutet." Dann lehnte er sich wieder nach vorne. "Nun, jetzt ist dieser Obatala wieder in der Stadt." Ich brauchte nun doch noch einen Schluck.


"Und ich sage ihnen noch etwas. Ich war bis

vor Kurzem frustriert. Es gibt hier einen Verbrecher, der betreibt Glücksspiel, Prostitution und neuerdings ist er auch ins Drogengeschäft eingestiegen. Ich bin seit 15 Jahren hinter ihm her, aber alle hier halten vor Angst das Maul. Ich konnte nie Zeugen auftreiben oder genügend Beweismaterial sammeln. Ich habe geschworen, dass ich ihn umbringe, aber leider ist er letzte Woche eines natürlichen Todes gestorben."

"Dann ist es ja kein großer Verlust. Dann hat sich die Sache ja erledigt." "Nichts da, einen Schwur muss man einhalten", keifte Mike plötzlich.

Dann stand er auf.

"Überlegen sie es sich noch mal! Irgendwann kommen sie hier um diesen Kult nicht herum." Jetzt erst bemerkte ich, dass er zwei Krücken hinter dem Schreibtisch hervorgeholt hatte und ein Bein offensichtlich amputiert war. „Mein Gott“, entfuhr es mir entsetzt. "Etwa eine Schussverletzung mit großem Kaliber", ich zeigte auf das flatternde Hosenbein. "Nee", meinte Mike. "Sie müssen wissen: Obatala braucht für dieses Wiederauferstehungs-Zeremoniell nicht nur diese Diamanten, er braucht auch ein großes, lebendes Stück Fleisch von dem, der

den Schwur geleistet hat. Ben Stiller hatte damals nur noch einen Fuß und einen Arm, bevor es geklappt hat. Old Joe hatte seine zwei Beine verloren und musste den Dienst quittieren, so wie ich jetzt als Einbeiniger auch." Er krückte hinaus und drehte nur noch kurz den Kopf "Überlegen sie es sich! Im Endeffekt habe ich nämlich noch Glück gehabt, dass es schon beim zweiten Versuch klappte."

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welpenweste
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gela556 Es ist bereits alles geschrieben worden.
Mit einer Gänsehaut habe ich das Buch gelesen.
Schönen Abend wünsche ich ihm.
LG Gela
Vor einem Monat - Antworten
Loraine Gänsehaut pur - sehr gut geschrieben - den Leser spannend mit auf diese besondere Erlebnisreise. Toll.
LG Loraine
Vor langer Zeit - Antworten
Willie Du bist mit Recht von dieser Arbeit überzeugt. Es gibt Anthologien mit Grusel/Horror- Geschichten bekannter Schriftsteller, (wie z. B. S. King. P. Straub usw,) deine Geschichte würde da sehr gut hineinpassen. Mir gefiel sie wirklich großartig.
LG
Willy (Sweder)
Vor langer Zeit - Antworten
welpenweste Danke Dir vielmals! Ich wollte eine Geschichte schreiben, die etwas Mystisches an sich hat.
Günter
Vor langer Zeit - Antworten
Willie Da bekommt man richtig Lust- mal etwas in dieser Richtung zu machen, aber Du hast mit deiner Story die Latte ganz schön hoch gelegt.
Machs gut- bis demnächst.
Vor langer Zeit - Antworten
welpenweste Danke schön! Ich bin richtig gewachsen und bilde mir jetzt endlich etwas auf mich selbst ein.
Vor langer Zeit - Antworten
Koraline Hallo Günter,

sehr spannende Story, wie ich finde.
Ich bin schon etwas misstrauisch geworden, als du in Bezug auf Mike geschrieben hast, dass seine "Oberkörper-Statur" sportlich sei.
Das in Verbindung mit der Info, dass der alte Joe schließlich keine Beine mehr hat, lässt Schreckliches erahnen in Bezug auf Mike.

PS: Ich würde gegen Ende noch das "sie" jeweils groß schreiben, wenn der Gesprächspartner direkt angesprochen wird, aber das nur am Rande.

Tolle Story!

LG
Koraline
Vor langer Zeit - Antworten
Coyote Ein nettes Märchen... ja, die Rituale machen außenstehenden Angst, aber dennoch möchte ich betonen, dass Voodoo eine ernstzunehmende Religion ist, die hoffentlich auch eines Tages Akzeptanz findet. Da geht es eindeutig nicht nur um Zombies und Voodoopuppen! :)
Finde es einfach wichtig, den Glauben fremder Kulturen zu respektieren, daher mein Kommentar. Aber für eine Horrorgeschichte sehr amüsant! ;)
Vor langer Zeit - Antworten
welpenweste Prima! Alles klar!
Günter
Vor langer Zeit - Antworten
CHM3663 Wow! Da kriegt man echt Gänsehaut - zumal so etwas ja nicht komplett erfunden ist und es auf der Welt viel, viel mehr gibt, als wir uns ausdenken können!
Und die Geschichte ist super aufgebaut und läßt im Kopf einen Film ablaufen!
Danke und LG, Chrissie
Vor langer Zeit - Antworten
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