Romane & Erzählungen
Grischa - - Bärenstory komplett -

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"In memoriam Franz Kafka, Update zum 100. Todestag"
Veröffentlicht am 16. Februar 2014, 160 Seiten
Kategorie Romane & Erzählungen
© Umschlag Bildmaterial: Andrea Minutillo (Frettschen)
http://www.mystorys.de

Über den Autor:

"Der Lyriker bringt seine Gefühle zum Markt wie der Bauer seine Ferkeln." Wilhelm Busch Habe hier 2010 mit Gedichten begonnen, aber das meiste davon ist für mich inzwischen passé. Man lernt auch als Großmutter nicht aus ;-) Bin in der DDR aufgewachsen, immer berufstätig gewesen, links orientiert. In zweiter Ehe verheiratet, gehören zu meiner Familie drei Enkelinnen. Den Nick "Fleur de la coeur" hat seinerzeit meine Freundin Seelenblume ...
In memoriam Franz Kafka, Update zum 100. Todestag

Grischa - - Bärenstory komplett -

Vorbemerkung

Die erste Geschichte des Grischa-Zyklus - "Ein ungewöhnlicher Morgen" - war als abgeschlossene Kurzgeschichte konzipiert. Ich finde Dr. Seltsams Idee mit dem ersten Satz aus Kafkas "Verwandlung" im Storybattle 21 noch heute genial!
Erst später, bei SB 23, kam mir der Gedanke, die Geschichte innerhalb der Storybattles (später dann Forumbattles = FB genannt) weiterzuschreiben. Dabei war ich an das jeweilige Thema und die Wortvorgaben gebunden, so dass alle Folgen in sich schlüssig sein sollten.
Es ist mir bewusst, dass sich für Leser nur einzelner späterer Teile manche Unklarheiten

ergeben. Wer mag, kann hier gern alles im Zusammenhang lesen, wo ich einige Passagen zum besseren Verständnis leicht überarbeitet und auf die Hervorhebung der Pflichtwörter verzichtet habe.

Inhaltsangabe

1. Ein ungewöhnlicher Morgen................ S. 7
SB 21, Thema: Die Verwandlung, Kafka 2. Ertrunkene Seele am Cap de Creus........S. 24
SB 23, Thema: Verpasste Gelegenheiten


3. Die vierte Dimension ..........................S. 35 SB 24, Thema: Vergänglichkeit
4. Taigaträume .......................................S. 47 SB 26, Thema: Im Verborgenen blühen
5. Der Aufbruch .....................................S. 64
SB 27, Thema: Träume und Visionen


6. Das Weihnachtswunder ....................... S. 76 FB 29, Thema: Weihnachtswunderland
7. Drachenfeuer...................................... S. 86

FB 30, Thema: Mobbing


8. Ringfrei ............................................ S. 98
FB 31, Thema: Umwege

9. Das Telefonat .................................. S. 114
FB 33, Thema: Metamorphosen

10. Zürnende Göttin ............................. S. 126
FB 37, Thema: Tierisches Märchen 11. Das blaue Feuer ..............................S. 133
FB 39, Thema: Begegnungen besonderer Art

12. Das Bild.........................................S. 140 FB 60, Thema: Schlaflos

13. Antwort aus dem Off.........................S. 148 SP 83, Thema: Körpertausch

Ein ungewöhnlicher Morgen

Als Gregor Samsa eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte, fand er sich in seinem Bett zu einem ungeheuren Braunbären verwandelt. Im Moment des Erwachens war er jedoch noch völlig ahnungslos. Ohne die Augen zu öffnen, drehte er sich ächzend auf die linke Seite, nach dem Handy auf dem Nachtschrank greifend, um den Weckruf auszudrücken. Irritiert stellte er fest, dass ihm in der rechten Hand jegliches Feingefühl fehlte. Er konnte das Handy weder mit der Hand fassen, noch die Aus-Taste drücken, nahm nur das kratzende Geräusch seiner Fingernägel auf dem Kunststoffgehäuse wahr.

Verstört riss er die Augen auf und betrachtete staunend eine zottige braune Bärentatze mit langen Krallen an Stelle seiner rechten Hand. Was war das – ein Tagtraum oder ein ausgewachsener Wodkarausch? Er hätte sich gestern Abend in der russischen Bar mit seinem ominösen Geschäftspartner etwas mehr zurückhalten sollen … Wer weiß, womöglich war ja der Wodka gepanscht gewesen? Hastig setzte er sich auf, schwang sich mit einem Ruck aus dem Bett und sah fassungslos an sich herunter. Auf allen Vieren tappte er zum großen Spiegel an der Tür des Kleiderschranks und richtete sich zu seiner vollen Größe auf. Ein heiseres Brüllen entrang

sich seiner Kehle angesichts seines Spiegelbildes, das einen ausgewachsenen Braunbären zeigte. Die Augen blickten ihm klein und trüb entgegen, die gelblichen Zähne waren kräftig und die Eckzähne besonders lang, das Fell bedeckte glanzlos und zottelig den gesamten Körper. Was war mit seinem Penis los - knochenhart und lang wie ein Marschflugkörper … ach ja, er hatte einmal davon gelesen, dass Bären und andere Säugetiere einen echten Knochen in ihrem besten Stück besaßen. Widerwillig begab er sich ins Badezimmer, um seinem Harndrang nachzugeben. Den Kopf vom Spiegel über dem Waschbecken abgewendet, lief er zum WC und setzte sich

gewohnheitsmäßig auf die Brille, die mit Seepferdchen in Leuchtfarbe verziert war. Das war wieder mal so ein schwachsinniger Einfall seiner Frau gewesen, wie vieles andere auch. Als er sich endlich erleichtern wollte, konnte er jedoch den harten Penis nicht im Klobecken unterbringen und urinierte schließlich voller Erleichterung auf den WC-Vorleger im weiß-blauen Seepferdchen-Design, sich dabei schadenfroh die zeternde Empörung seiner Frau vorstellend. Ein barbarischer Gestank machte sich im Raum breit, doch er konnte ihn nicht als solchen wahrnehmen. Wo war sie eigentlich, seine Frau, die alte Schleiereule? Ihre Bettseite war leer gewesen, als er erwachte.

Bevor er sich auf den Weg machen konnte, sie zu suchen, läutete im Schlafzimmer erneut sein Handy. Das Display zeigte verschwommen einen Namen, den er jedoch nicht lesen konnte. Wie das? Ach ja, wahrscheinlich hatte er als Bär ein schlechteres Sehvermögen … Mühsam angelte er nach seiner Brille, doch als er sie endlich ungeschickt auf seinem Kopf platziert hatte, passte sie ihm nicht mehr … Wütend hieb er auf das Handy, um es abzuschalten, er hatte keinen Bedarf mehr nach Kommunikation, war er doch der menschlichen Sprache ohnehin nicht mehr mächtig. Ganz beiläufig öffnete er seinen Kleiderschrank, denn er ahnte schon, dass er

darin keine für einen Bären passenden Kleidungsstücke finden würde. Wozu auch, schließlich hatte er ein wärmendes Fell. Auf allen Vieren nahm er die Treppe nach unten und begab sich in die Küche, in Erwartung eines gedeckten Frühstückstisches. Doch wieder wurde er enttäuscht, lediglich die leere Kaffeetasse seiner Frau stand auf der Spülmaschine. Darunter lag ein Zettel mit ihrer großen, steilen Handschrift:

“Herbert ist erkrankt, du solltest heute Nachmittag für ihn als Linienrichter einspringen. Ich habe schon mal vorsorglich abgesagt und quartiere mich jetzt vorsichtshalber bei meiner Freundin in ihrem Mansardenzimmer ein. Vorher gehe ich zum Anwalt und reiche die Scheidung ein.

Edeltraut.“ Eigentlich war ihm auch gar nicht nach Kaffee zumute, so trank er massenhaft kaltes Wasser und leerte dazu genüsslich zwei Gläser mit Haselnusscreme, denn Honigtöpfe gab es seit Jahren nicht in seinem Haus und schon gar nicht mehr in seiner Ehe. Jetzt war ihm nach einer Morgenzigarette. In der Diele hing seine Jacke am Garderobenhaken. Mit einem gezielten Tatzenhieb schlitzte er die linke Tasche auf, in der sich Zigarettenetui und Feuerzeug befanden. Das Zigarettenetui bekam er nach längerem Bemühen auf, doch hatte er keine Chance, das Feuerzeug zu zünden. Also kippte er die Zigaretten auf den Boden und fraß sie

auf, obwohl ihm das - genau genommen - keinerlei Genuss bereitete. Im Wohnzimmer fläzte er sich schnaufend in seinen Fernsehsessel, und es gelang ihm mit einiger Mühe, sein gewohntes Programm einzuschalten. Um diese Zeit liefen die Börsennachrichten. Schei.., was war das denn! Anscheinend war er bei seiner Transaktion mit den RADOST-Papieren doch tatsächlich in eine Bärenfalle getappt, und nun überkam ihn nach dem unüblichen Zigarettengenuss auch noch ein heftiger Stuhldrang. Bis ins WC schaffte er es ohnehin nicht mehr, und es war ihm völlig schnurz, ob er sich auf dem gefliesten Küchenfußboden oder auf dem Seidenperser

im Wohnzimmer explosionsartig entleerte. Nachdem es ihm danach wieder besser ging, wühlte der Hunger schmerzhaft in seinen leeren Gedärmen. Kurzerhand erhob er sich vom Perserteppich, nahm den Autoschlüssel vom Haken in der Diele und machte sich auf in den nächsten Supermarkt. Als er eine gute Stunde später im Schockraum der Notaufnahme erwachte, hatte er heftige Kopfschmerzen, sein linker Arm war geschient und am rechten hing eine Infusion. Oberarzt Dr. Petri und Schwester Yasmin standen mit ernsten, aber freundlichen Gesichtern an seiner Seite. “Guten Morgen, Herr …., Sie hatten einen Verkehrsunfall und sind jetzt in der

Charlottenklinik. Leider hatten Sie keine Papiere bei sich, denn Sie trugen nur ein Faschingskostüm.“ Mit den Augen wies Dr. Petri zum Stuhl, auf dem ein Bärenfell hing. Samsa glaubte seinen Augen nicht zu trauen, er hatte wieder seine menschliche Gestalt und trug ein Kliniknachthemd. Sein Herz hüpfte vor Freude, wenn er sich doch nur nicht so schlapp fühlen würde! Und der Bauch fing auch schon wieder an zu grummeln …. “Ich bin Gregor Samsa, wohnhaft im Kamillenweg 28e, privat krankenversichert bei der AlieN, Herr Doktor!“

“Gut, Herr Samsa, Schwester Yasmin wird Ihre Personalien aufnehmen. Doch es gibt ein Problem. Sie müssen operiert werden, haben

aber viel Blut verloren. Leider konnte unser Labor Ihre Blutgruppe noch nicht bestimmen, in Ihrem Blut wurden bisher keine Merkmale menschlicher Blutgruppen festgestellt …“
Dr. Petri konnte die Sorgenfalten in seinem Gesicht jetzt nicht länger verbergen. “Herr Doktor, ich bin einverstanden mit der Verlegung in die Veterinärmedizin. Aber bitte, geben Sie mir vorher noch eine Zigarette!“


Zusammenfassung in Haikus Bei Nacht verwandelt in den Körper eines Tiers

ohne Feingefühl * Ein

Marschflugkörper wird ihm zum bösen Tagtraum alles daneben … ** Die Schleiereule flieht ins Mansardenzimmer des Linienrichters *** Der Kaffee fällt aus es gibt nur Haselnusscreme statt Honigbrötchen

****

Die Bärenfalle gibt ihm noch den letzten Rest Endstation: Schockrau

Ertrunkene Seele am Cap de Creus

“Guten Morgen, Herr Samsa, wie geht es ihnen?“, hörte Gregor eine freundliche Frauenstimme fragen, deren Weichheit ihn betörte. Hach… er fühlte sich wie von einem Luftkissen angehoben …, hatte er doch gerade noch die schrille Stimme seiner Frau im Ohr. Keifen, nichts als Keifen – Edeltraut eben... Aber hatte die sich nicht zu ihrer exaltierten Freundin abgesetzt? Dann müssen ihre schonungslosen Vorwürfe wohl ein böser Traum gewesen sein … Blinzelnd öffnete er die Augen und blickte in ein lächelndes Gesicht voller jugendlichem Liebreiz. Bei seinem Bemühen, ihr strahlendes

Lächeln auch nur annähernd zu erwidern, fühlte er sich jedoch noch so tief in einer anderen, unverständlichen und ihm sogar bedrohlich erscheinenden Welt gefangen, dass ihm das Auftauchen schwer fiel. Suchend blickte er auf die mattgelb gestrichene Wand vor sich. Wo waren die Uhren geblieben? „Hallo, schöne Frau, … kennen wir uns? Verraten Sie mir bitte, wie spät es ist?“ “Ich bin Schwester Yasmin, und es ist neun Uhr morgens. Sie sind nach einem Unfall in der Charlottenklinik, Herr Samsa. Können Sie sich noch immer nicht erinnern?“ Unfall, Klinik … und er als alter Bär ... langsam dämmerte es ihm. War da nicht etwas mit seiner Blutgruppe gewesen? Natürlich, Bären

haben wohl anderes Blut als Menschen – logisch! War er etwa wieder ein Bär? Vorsichtig versuchte er seine Hände – oder Tatzen? – unter der Bettdecke hervorzuziehen, die linke Gliedmaße war mit einer Bandage am Oberkörper fixiert, der rechte Arm jedoch frei beweglich, und ohne Infusionsschlauch… “Wieso bin ich eigentlich noch hier? Wollten Sie mich nicht wegen der Bluttransfusion zu den Veterinären verlegen? Und habe ich die OP nun schon hinter mir?“, zuckte er fragend die Schulter der bandagierten Seite. Es schmerzte nur ganz gering. “Der Eingriff ist erledigt, Oberarzt Petri wird ihnen alles erklären“, versuchte ihn die Fee in Weiß zu beruhigen, „aber ihre Sorge war

umsonst, so viel darf ich ihnen sagen.“ „Na, da bin ich aber gespannt“, knurrte er sie an, „und wo ist mein Bärenpelz? Auch die Uhren an der Wand sind nicht mehr da …“, resignierte er und schloss die Augen. Und doch - er wusste genau, dass er sie gesehen hatte, diese weichen Uhren mit den zerfließenden Zifferblättern und den ekligen Insekten … Und dann war da noch die Klippenlandschaft am Fuß der Pyrenäen gewesen, Cap de Creus … Er konnte das Bild im Kopf nicht los werden, wie er ungläubig auf das gischtige Meer starrte und aller Mut ihn verließ, dem verzweifelten Mädchen, das er doch so abgöttisch liebte, in ihrer Nussschale von Fischerboot zu folgen…

Estella, dieses zauberhafte, so herrlich frische und hingebungsvolle Wesen, hatte er in seinem ersten Spanienurlaub an der Costa Brava kennen gelernt. Sie war Lehrerin für Deutsch und Geschichte und führte im Sommer die Touristen herum. In all den Jahren, bis heute, war sie die einzige wahre Liebe seines Lebens geblieben und sie hatten sich noch viele Male getroffen, bis … ja, bis er sie für das satte und bequeme Leben mit Edeltraut eingetauscht hatte, denn eine gemeinsame Zukunft mit seiner Liebsten hatte deren stolze katalanische Familie vereitelt. Edeltraut, die stämmige Deern aus dem Norden, hatte in der Bundeswehr als

„Küchenbulle“ das Unteroffizierspatent quasi schon in der Tasche gehabt und vergällte ihm nun seit Jahren mit ihrem herrschsüchtigen und doch so kleinlichen Wesen das Leben … Inzwischen hatte sie längst ihr eigenes Restaurant mit preiswerter Hausmannskost …. Wohl war sie ihm anfangs in punkto Erotik an Erfahrungen erheblich voraus gewesen, - welch Wunder auch - aber war das denn alles? Dafür erschien ihm der Preis denn doch zu hoch… Dennoch hatte er sich der Heirat gefügt, weil sie bereit gewesen war, ihm sein BWL-Studium zu finanzieren … Heute verachtete er sich dafür.

So wie er in seinem Dämmerzustand an den Uhren die Konturen der Zifferblätter zerfließen

sah, die Insekten, welche die Zeiger blockierten, auf sich herabtropfen fühlte, hatte er plötzlich die Verschiebung seiner Zeitachse gespürt, und bedauerte zutiefst, dass er seine Zeit verspielt hatte. Es gab keine Möglichkeit mehr, sie zurückzudrehen … Das Klappen der Tür riss ihn aus seinen Gedanken. Lächelnd stand Oberarzt Petri an seinem Bett. „Mein lieber Samsa, ich muss mich im Namen der Klinik bei Ihnen entschuldigen, es gibt Veränderungen bei Ihren Befunden. Doch meine Nachrichten für Sie sind ausschließlich positiv“, unterbrach er seine Ansage mit einem bedeutungsvollen Hüsteln. „Ja, und was ist nun mit mir? Kann ich hier

endlich wieder raus?“ fragte Samsa genervt. Verschämt blickte Dr. Petri zu Boden. „Aber sicher, mein Lieber! Sowohl Ihre Röntgenaufnahmen als auch die Blutgruppenbestimmung sind leider vertauscht worden… ehm .. der zuständige Assistenzarzt von der Notaufnahme ist bereits suspendiert worden. Leider gab es zeitgleich einen zweiten Unfallverletzten, der von einem aus dem Zoo entwichenen Braunbären angefallen worden war … Sie werden verstehen, mein Lieber …“ „Und warum ist mein Arm bandagiert?“ wollte Samsa wissen. „Nun ja, er war ausgekugelt infolge Ihrer Kollision mit dem Bären, aber wir haben ihn wieder eingerenkt, eine OP war nicht nötig“,

erwiderte Dr. Petri. „Der Blutverlust war nur geringfügig, resultierte aus einer Platzwunde an Ihrem Hinterkopf. Wegen dieses Schädel-Hirn-Traumas haben wir Sie drei Tage zur Beobachtung hier behalten müssen, aber nun sind sie ja wieder völlig wach.“ „Und was ist mit meiner abgelaufenen Zeit? Sie haben doch alle Uhren hier entfernen lassen!“, begehrte Samsa auf.
„Welche Uhren?“ fragte Petri, ratlos den Kopf schüttelnd … "Sie waren hier an der Wand. Aber zuvor habe ich sie am Cap de Creus gesehen, wo meine Seele ertrunken ist ..“, schluchzte Samsa plötzlich auf. Betroffen sah der Arzt ihn an. “Samsa, fassen Sie sich bitte, sonst muss

ich Sie dem Kollegen von der Psychiatrie vorstellen. Aber keine Angst, er wird Sie verstehen, hat sogar einige Semester Philosophie studiert.“ “Ich halte das alles hier nicht mehr aus, will zurück in den Zoo!“, brach es aus Gregor heraus, bevor er sich die Bettdecke über den Kopf zog und verstummte.

Die vierte Dimension

Schon die zweite Woche lag Gregor Samsa in der Neurologischen Klinik der Charité, wo man für die von den Füßen her aufsteigenden Muskellähmungen keine Ursache finden konnte. Zumindest war eine Multiple Sklerose definitiv ausgeschlossen worden. Von Tag zu Tag wurde er depressiver, konnte kaum noch allein die Toilette aufsuchen. Ein Oberarzt der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, der ihn anfangs ausführlich befragt und analysiert hatte, schaute jeden Tag nach ihm, versuchte ihn mit Antidepressiva medikamentös zu dämpfen, doch Gregor fühlte sich zunehmend

schlechter. Gerade so, als ob man ihm in fraktionierter Form den Schierlingsbecher verabreicht hätte. Es war nur noch eine Frage der Zeit bis zur Atemlähmung. Nach kurzem Klopfen an der Tür stand plötzlich sein Zwillingsbruder Viktor im Zimmer.
„Hallo, altes Haus! Edelgardis" - so pflegte er Gregors Frau Edeltraut zu nennen - "hat mich vorgestern angerufen, und da ich ohnehin gerade zum Kongress in Berlin bin ….“ „Ach, die alte Klapperschlange, hat sie sich wieder das Maul über mich zerfetzt … und nun soll ich mich wohl bei dir ausweinen?“ „Die Tränen kannst du stecken lassen,

Brüderchen, aber was hast du den Doc’s hier für eine Scheiße über einen Bären erzählt, der dich angefahren hätte?? Mann, warst du stinkbesoffen – oder was!“ “Ach, die kapieren doch gar nichts! Nicht der Bär hat mich angefahren, i c h war der Bär! Ja, eines Morgens bin ich wieder mal als Bär aufgewacht … Und beim Überqueren der Straße vor dem Supermarkt hat mich doch so ein Vollidiot angefahren …. Wie ich in der Unfallklinik aufwachte, war ich allerdings wieder ich, komischerweise …“

Gregor zuckte die Schultern und lächelte kläglich, als sein Bruder ihn nachdenklich ansah. „Moment mal, Grischa – du sagtest ‚wieder

mal’?“ Gregor runzelte unwillig die Stirn, er mochte diese Anrede nicht, er nannte seinen Bruder schließlich auch niemals ‚Vitja’. Das war das Vorrecht ihrer Mutter gewesen. Ihren Vater, einen Offizier der sowjetischen Besatzungs-macht, hatten sie niemals kennen gelernt. „Du sollst mich nicht Grischa nennen, das ist lange her, und unsere Mutter ist tot!“ „Ist ja gut, Greg, ich wollte doch nur wissen, ob du vorher schon öfter als Bär aufgewacht bist!“ „Ja, damals, als das Unglück mit Estella an der Costa Brava passiert ist. Habe mich am Strand unter einen Felsenvorsprung gelegt und eine Art Rausch ausgeschlafen, den ich aber gar nicht hatte, danach war es vorbei. Wie eine

Nebelwand, die sich urplötzlich wieder verzogen hatte. Ich dachte, es war der Schock über ihren Tod.“ Sinnierend sah Viktor ihn an. „Weißt du Greg, dass unser Vater aus Sibirien stammte?“ „Ja, klar, Mama hat uns ja von ihm erzählt. Und was heißt das?“ „Das weiß ich noch nicht. Jedenfalls nehme ich dich mit in meine Klinik in den Schwarzwald. Dort bekommst du ganzheitliche Betreuung, Psychosomatik und alles Pipapo. Heute Nachmittag muss ich noch zu einem Vortrag, aber morgen früh fahren wir.“ „Alles klar, Vic, bin einverstanden!“

Drei Monate war Gregor in der „Schwarzwald-klinik“, wie er sie ironisch nannte, untersucht und behandelt worden. Auch hier hatte man keine organische Ursache für seine Lähmungen gefunden. Doch bildeten sie sich, nachdem Viktor ihn an Stepan, einen russischen Schamanen mit bunter, von Federn geschmückter Perlenkette, zur Behandlung übergeben hatte, Woche für Woche zurück. Stepan hatte sich die Verwandlungen in einen Bären sehr aufmerksam angehört und meinte, er könne ihm Brief und Siegel darauf geben, dass er, Gregor, die Gabe zum Schamanen in sich trug. Die Geistwesen hätten ihn auserwählt. Sein schlechtes Befinden, die

Depressionen und unklaren Lähmungen seien typisch für diese Phase der Schamanen-krankheit. Sobald Gregor sich dem Ruf der Herrin der Tiere und der anderen Geistwesen nicht länger widersetzen und seine Berufung annehmen würde, wäre das alles mit der sogenannten Initiation vorbei.
Er erbot sich, ihn in den Grundzügen des Schamanismus zu unterrichten, drängte jedoch darauf, dass Gregor sich nun der Gretchenfrage stellen und das Wagnis eingehen solle, die Erkenntnis und die spirituelle Qualität seiner Seele zu erwecken. Alsdann könne er jederzeit willentlich in einen anderen Bewusstseinszustand (Trance, Ekstase) eintreten, um über die sterbliche

Grenze hinweg mit einer normalerweise verborgenen Dimension in Berührung zu kommen. Diese "Nichtalltägliche Wirklichkeit", unterteilt in Ober-, Mittel- und Unterwelt, könnte er auswerten, um Wissen, Kraft und Hilfe auch für andere zu erhalten. Andernfalls würde er für immer unglücklich und krank im Grenzfluss der Besessenheit dahin treiben und machtlos dem Gestaltwechsel ausgeliefert sein. Einen fließenden Fluss kann niemand aufhalten, er führt immer neue Wasser, nichts bleibt. Zutiefst erschüttert bis in den Kern seiner Seele konnte Gregor mehrere Tage lang nicht sprechen, weder Speisen noch Wasser zu sich

nehmen, nachts keinen Schlaf finden. Tagsüber beobachtete ihn der alte Schamane und wartete geduldig ab, bis Gregor ihn nach einiger Zeit bat, den Unterricht wieder aufzunehmen. Er sprach über den Totemismus – die intensive Verbindung zu Tieren, die selbst keine höheren Wesen oder Gottheiten darstellen, jedoch dem Schamanen große Macht verleihen, wenn sie mit dessen Seele zu einer "tiermenschlichen Doppelnatur" verschmelzen. Insbesondere ging er dabei auf den Bärenkult ein, der schon aus der paläolithischen Höhlenkunst bekannt und auch in der griechischen Mythologie verankert

ist. Schließlich kam der Tag, als Gregor geheilt entlassen werden konnte und Stepan ihn mit den Worten verabschiedete, er habe ihm geholfen, die Weichen für ein neues Leben zu stellen, aber er habe kein Alibi, ihn noch länger in der Klinik zurückzuhalten und könne ihn nicht weiter unterrichten. „Du musst nach Sibirien fahren, an die mongolische Grenze, in’s Tal der Herbstzeit-losen, dort lebt der größte und begabteste Schamane unserer Zeit. Lass dich von ihm weiter ausbilden. Und vergiss nicht: *Du musst dir angewöhnen, vierdimensional zu denken*!"


*Filmzitat: Zurück in die Zukunft III*


Taigaträume

Wir denken selten bei dem Licht an Finsternis, beim Glück ans Elend, bei der Zufriedenheit an Schmerz, aber umgekehrt jeder Zeit. Immanuel Kant
*****


Er vermochte nicht zu sagen, wie lange er schon unterwegs war in der sibirischen Taiga, südwestlich des Baikalsees. Aber es war in dieser Einsamkeit auch niemand da, der ihn danach fragen würde. Anfangs war er nach seinem Rauswurf einem ersten Impuls gefolgt

und einfach losgerannt – immer der Nase nach – um so schnell wie möglich das Anwesen des Schamanen am Rande des Tunka-Nationalparks hinter sich zu lassen.

Es schien ihm, als ob Übelkeit auslösende gelbgrüne Nebel ihm wie grobe Baumwollwatte die Hirnwindungen verstopften und keine klaren Gedanken zuließen. Bei seiner ersten Rast waren diese Nebel einer seltenen Gedankenklarheit gewichen, die jedoch mit einem vertikal schwankenden Gefühl einherging. Was er eben noch aus liegender Perspektive wahrgenommen hatte, sah er plötzlich wie von hoch oben…. Manchmal auch wie ein Luftbild … dann wieder aus einer

unterirdischen Position heraus, sozusagen aus der Ebene der vierten Dimension… Das Merkwürdigste waren die regenbogenfarbigen Ränder, in denen in der fahlen Morgendämmerung alles um ihn herum schillerte – die hohen Nadelbäume, das Unterholz, Gräser, ja selbst die Kiefern- und Tannenzapfen auf dem Moos…
Allmählich lösten sich diese leuchtenden Farben auf und es wurde hell. An einem kristallklaren Bach löschte der Bär seinen Durst und sah sich nach einem Frühstück um, immer darauf bedacht, fernab von den Wegen der Touristen und den Hütten der Waldhüter zu bleiben. Jetzt, im Spätsommer, gab es an Beeren keinen Mangel, so dass er seinen

Hunger stillen konnte. Auch Pilze wuchsen reichlich, die waren zum Rohverzehr jedoch nicht geeignet, und Gepäck hatte er nicht bei sich. Kein Geld, kein Handy, keine Papiere … und natürlich auch keine Kleidungsstücke. Das alles war zusammen mit dem Korb, der die Geschenke des Alten enthielt – getrocknete Kräuter und Pilze, sowie die kleinen Fläschchen mit den verschiedensten Mixturen -, in seinem Mietwagen bei dem Schamanen zurückgeblieben, erinnerte er sich seufzend. Lediglich den Krokodilszahn, den ihm der Schamane am ersten Abend nach dem Willkommenstrunk überreicht hatte, trug er noch an einem schmalen Lederband um den Hals.


Apropos Papiere … Seinen Namen Gregor Samsa hatte der alte Awdeijitsch, wie der Schamane sich auf Russisch vorgestellt hatte, nicht akzeptiert, ihn nach dem Namen seines Vaters gefragt, der als Offizier der Sowjetarmee in der DDR stationiert gewesen war … „Michail Maximowitsch Medwedjew“, hatte der Alte Gregors Antwort wiederholt und sich auf die Schenkel geklatscht, "na das ist es doch! Medwedj heißt Bär, und Michail, also Mischa, das ist bei uns Russen der Name des Bären.“ “Und was bedeutet das jetzt für mich?“ hatte Gregor nachgefragt. “Das bedeutet, dass du ab jetzt Grigori Michailowitsch Medwedjew bist, Teuerster.

Und ich werde dich Grischa rufen.“ “Aber ..“, wollte Gregor aufbegehren, doch der Alte unterbrach ihn. „Nix da, mein Freund, hier gelten meine Spielregeln, klar?“ Ergeben nickte „Grischa“ mit dem Kopf, was blieb ihm anderes übrig! “Dann kommen wir gleich zu den weiteren Regeln: Nr. 2 – dein Auto kommt in den Schuppen, den Schlüssel behalte ich. Nr. 3 – kein Handy und kein Internet. Nr. 4 - der Schrank mit den Fläschchen in meinem Labor und das Zimmer meiner Tochter sind für dich tabu, ansonsten kannst du dich in meinem Haus und in der Jurte für die Kranken frei bewegen.“ Gregor war empört, wofür hielt ihn der Alte? Doch er beschränkte sich darauf, amüsiert zu

grinsen: “Zu Befehl, Genosse Chef!“


Der Alte kniff die Augen zusammen und holte eine Flasche Selbstgebrannten aus dem Eisfach, stellte einige Teller mit Salzgurken, eingelegten Pilzen, geräuchertem Lachs und frischem Brot auf den Küchentisch und schenkte zwei dickwandige Wassergläser randvoll. “Sa sdorowje!“, prosteten sie sich zu, doch Gregor nippte nur. Der Schamane Stepan in der "Schwarzwaldklinik" hatte ihm zur Vorsicht mit hochprozentigen Getränken geraten. Doch Awdeijitsch ließ das nicht gelten. Er holte das Band mit dem Krokodilszahn aus der Tasche und band es

seinem Zögling um den Hals. "Dieser Wodka ist rein wie das Quellwasser im Reich unserer Ahnen. Solange du mein Gast und Schüler bist und dich an meine Vorgaben hältst, hast du nichts zu befürchten!“ Gregor verscheuchte weitere Erinnerungen, es war ihm nun klar, dass der grüngelbe Nebel aus einem der Fläschchen des Alten stammen musste – aber wie und wann hatte er das Elixier aufgenommen? In seiner Erschöpfung suchte er sich eine Senke im Dickicht unter einer breit ausladenden Tanne zum Schlafen.
Im Traum sah er Awdeijitsch mit Adlerfedern auf dem Kopf um ein Feuer tanzen. Er

trommelte sich mit einem immer schneller werdenden Rhythmus in Trance, warf Kräuter in die Flammen und schüttete eine blaue Flüssigkeit dazu. Das Ergebnis war eine rauschende Stichflamme in allen Regenbogenfarben, die jede noch so aufwendige Lichtreklame in den Schatten stellen würde. Es war ein atemberaubendes Spektakel, das Gregor zutiefst beeindruckte. Dennoch konnte er sich nicht in den Schamanen hineinversetzen, der die Geister beschwor und offensichtlich inbrünstig an diesen Hokuspokus glaubte… Sanft hatte in diesem Moment eine Hand nach ihm gefasst und ihn aus dem Lichtkreis des Feuers gezogen…

Nach dem Erwachen badete er in einem klaren Fluss und setzte danach seinen Weg durch das Chamar-Daban-Gebirge fort. Er grübelte immer wieder darüber nach, wie er seine Rückverwandlung erreichen sollte, um dann vom Schamanen die Herausgabe seiner Sachen und Papiere zu verlangen …

In einem felsigen Berghang fand er am Abend eine versteckte kleine Höhle, deren Wände noch von der Nachmittagssonne erwärmt waren. Hierher zog er sich zum Schlafen zurück.

In der folgenden Nacht geschah etwas Sonderbares. Kaum war er eingeschlafen,

erschien Daarsuren in der Höhle, die Tochter des Schamanen. Den Namen hatte ihr ihre Mutter, eine Burjatin, gegeben. Die Burjaten sind ein mongolisches Volk um den Baikalsee. Daarsuren bedeutet Sonnenwind. Gregor hatte sie auf Russisch „Solnyschko“ genannt. Aus ihren schwarzen Augen strahlte ein warmes Feuer, und wenn sie lächelte, war ihm jedes Mal nach einem Kniefall vor ihrer anmutigen Schönheit und Herzlichkeit zumute. In dieser Nacht kam sie wieder zu ihm, streichelte ihn, flüsterte ihm zärtliche Worte ins Ohr, legte sich zu ihm und umschlang ihn mit heißen Armen – genauso, wie in seiner letzten Nacht im Hause des Schamanen, als er sie beim Schlafengehen nackt in seinem Bett vorgefunden hatte…

“Liebster, du mein Steppenwind - es wird alles gut“, flüsterte sie, „ich habe das Elixier bei mir, das dich aus der Geisterwelt zurückholt, die Herrin der Tiere verliert damit ihre Macht über dich. Doch du musst diesen Fetisch vom Hals nehmen."

Überglücklich schloss er sie in die Arme und schmeckte ein paar Tropfen der süßlichen Flüssigkeit auf seiner Zunge. Schon spürte er seinen Körper leicht werden und versank mit seiner "Taigablume" in Glückseligkeit… Später betrachteten sie vom Eingang der Höhle aus eng umschlungen den unendlichen Sternenhimmel. Er fühlte neben all seiner Liebe ein Gefühl von Demut sein Herz weiten.


"Die Sonne lehrt alle Lebewesen die Sehnsucht nach dem Licht. Doch es ist die Nacht, die uns alle zu den Sternen erhebt." Khalil Gibran



Manchmal träumte ich in dir Manchmal träumte ich in dir eingehüllt in deine Seele doch dann wacht’ ich auf im Traum fror in deiner Einsamkeit Manchmal warst du mir so nah tief gekuschelt in mein Herz

doch dann wacht’ ich auf im Traum ertrank in meiner Einsamkeit Manchmal wacht' ich auf im Traum und wir liebten uns so sanft schwebten in Glückseligkeit und der Albtraum war vorbei

Bin erwacht aus meinem Traum rausgefallen aus der Zeit alles, alles nur geträumt eingesperrt im falschen Leib






Geplatzter Traum

Der trauernde Bär läuft durch raschelndes Herbstlaub in Sibirien Er sucht nach Steinen aus unbeschwerter Kindheit - frei von Verdammnis Sein Traum ist geplatzt - fort ist die Taigablume in roten High Heels Die Melancholie weicht dem Zauberstab


der Erinnerung


Sein lieblicher Traum blüht für immer im Herzen befreit von Angstschweiß Die Karteileichen im Kleid der Verlegenheit geh’n im Feuer auf



Der Aufbruch

“Nenne dich nicht arm, weil deine Träume nicht in Erfüllung gegangen sind; wirklich arm ist nur, der nie geträumt hat.“ Marie von Ebner-Eschenbach *****

Hufgetrappel weckte Grischa aus seiner seligen Liebesnacht mit Daarsuren, der Tochter des Schamanen, seiner lieblichen Taigablume. Doch nur langsam hob sich der Vorhang des Schlafes über seinem Bewusstsein. Allmählich nahm er das durchdringende Krächzen eines Raben ganz in seiner Nähe wahr und sah sich flüchtig

zurückversetzt in seine Kindheit, auf die Knie seiner Mutter.
“Hoppe, hoppe Reiter, wenn er fällt, dann schreit er, fällt er in den Graben, fressen ihn die Raben, fällt er in den Sumpf, macht der Reiter plumps …“ Schlagartig wurde er wach, noch immer in der Gestalt des Bären. Von Daarsuren keine Spur. Hatte er alles nur geträumt? Am Eingang der steinernen Höhle saß ein Rabe, das zerrissene Lederband mit dem Amulett des Schamanen im Schnabel. Als Grischa sich erhob und auf ihn zuging, flog

der schwarze Vogel mit dem schillernden Gefieder laut schreiend davon und ließ das Amulett in die Schlucht fallen. Grischa trauerte dem Krokodilszahn nicht nach, er hatte ihm kein Glück gebracht, ihn nicht vor der Verdammnis bewahrt, wieder in seine tierische Zweitnatur zu fallen. Seine Seele gehörte noch immer der Herrin der Tiere, wie die Schamanen dieses Geistwesen der Zwischenwelt nannten, das nach Belieben den Zauberstab über ihm schwang… Die Morgendämmerung war über dem Gebirgsmassiv südlich des Baikal bereits aufgezogen. Von Osten her näherten sich zwei Reiter, Ranger, die den Nationalpark

überwachten.
An sich ging von ihnen keine Gefahr aus, doch hier in der Höhle wollte er ihnen nicht gegenübertreten, es gab keinen zweiten Ausgang. Und sie wussten ja nicht um seine Doppelnatur, dass er in Wirklichkeit Gregor Samsa war, oder Grigori Michailowitsch Medwedjew, wie ihn Awdeijitsch, der alte Schamane, getauft hatte. Awdeijitsch war und blieb seine Schlüsselfigur. Seinetwegen war er hierher nach Sibirien gekommen, um sich von ihm ausbilden zu lassen. Man hatte ihm erklärt, er besäße besondere seherische und heilerische Fähigkeiten und sei deshalb in seiner tiermenschlichen Doppelnatur von der

Herrin der Tiere und anderen Geistwesen zum Schamanen auserkoren worden. Nur, wenn er sich ihnen fügte, würde er wieder die Macht über den eigenen menschlichen Körper zurückgewinnen können. Es gab für ihn nur eine Möglichkeit, er musste zu Awdeijitsch zurück. Nachdem der Schamane Grischas Verhältnis mit seiner Tochter entdeckt hatte, war er furchtbar zornig geworden. In seiner Raserei hatte er ihn mit einem Messer bedroht, dass Grischa der Angstschweiß ausgebrochen war, und er gezwungenermaßen ein Wodkaglas leer trinken musste, das mit Sicherheit mit einer besonderen Mixtur versetzt war. Anschließend hatte der Alte ihn aus dem Haus

gejagt und ihm die roten High Heels seiner Tochter hinterher geworfen. Schon auf der Türschwelle, von einem Stilettoabsatz am Nacken getroffen, war Grischa wieder zum Bären geworden… Nur Awdeijitsch konnte ihn wieder zurückver-wandeln, sofern sein Zorn inzwischen verraucht war und seine Tochter ihm klar machen konnte, dass sie nicht von Grischa überwältigt worden war, sondern sich ohne jede Verlegenheit, aus freien Stücken zu ihm in’s Bett gelegt hatte, weil sie sein Gefühl aus tiefstem Herzen erwiderte. Doch wo war sie jetzt, seine Taigablume? War sie in der Nacht nicht bei ihm gewesen und hatte ihm das Amulett vom Hals gerissen, um

den Zauber zu brechen? Es konnte einfach nicht sein, dass es nur ein Traum gewesen ist... Wie auch immer, keinesfalls wollte er sein weiteres Leben länger in der Natur des Bären fristen, während sein Name nur noch eine Karteileiche zierte … Lieber einen Traum verloren geben müssen, als nie wieder Träume zu haben … Aber noch hatte er ihn nicht aufgegeben.

An diesem Morgen An einem Morgen werde ich aus langem, tiefen Traum erwachen, ganz unbeschwert

an mir herunter seh’n und lachen.

An diesem Morgen werd ich nicht mehr an sie denken, mich nicht nach ihr sehnen, ihr zum Abschied nichts schenken. Es wird mir gleich sein, wo sie ist, an diesem Morgen, und was sie tut, ich werde mich nicht
um sie sorgen.


An diesem Morgen schreibe ich ihr kein Gedicht,

und werde nicht mehr an ihr leiden. Erinn’re mich nicht mehr an ihr Gesicht, und Briefe werden ohne Antwort bleiben An diesem Morgen, da wird alles anders sein, mein Herz hab ich dann schon vergraben. Und wenn der Abend kommt,

dann trink ich bitteren Wein, und wenn es Nacht wird,

holen mich die Raben.

Entschlossen verließ er die Höhle und ließ seinen Blick über die bewaldeten Berghänge schweifen. Zwischen dem tiefen, satten Grün der sibirischen Zirbelkiefern und Tannen zeigte sich hier und da schon bunt gefärbtes Herbstlaub. Immer bemüht, von den Rangern nicht vorzeitig entdeckt zu werden, stieg er hinunter zum Fluss, um seinem Traum eine letzte Chance zu geben. In den weichen Ufersand schrieb er ungelenk eine Botschaft an den

Schamanen Awdeijitsch, als er, von einem Betäubungsgewehr getroffen, zusammenbrach.

Das Weihnachtswunder

Seit geraumer Zeit befanden sich Grischa und Daarsuren nun als sogenannte zirkumpolare Sternbilder „Großer Bär“ und „Kleiner Bär“ am Himmel. Von der um ihre Achse rotierenden Erde aus gesehen, kreisen sie gemeinsam mit Cassiopeia und anderen um den Polarstern und sind auf der nördlichen Halbkugel zu jeder Jahreszeit sichtbar.

Auf der Erde schrieb man den 24. Dezember, auf der Nordhalbkugel war der Winter eingezogen. Da sie nun Sterne waren, machte Grischa und seiner „Taigablume“ die Kälte im All nichts aus, sie waren dagegen

gefeit. Sie konnten sich wortlos – nur durch ihre Gedanken – miteinander verständigen, selbst die Gefühle des einen konnte der andere spüren.

Grischa hing Kindheitserinnerungen nach, Am Heiligabend durften er und sein Zwillingsbruder Viktor vormittags den Tannenbaum schmücken, während die Mutter das Essen vorbereitete und in ihrem Schlafzimmer noch die Geschenke hübsch verpackte. Wenn es dunkel wurde, war es soweit, Mama läutete das Glöckchen. Dann öffnete sich die Tür, der Baum erstrahlte im Kerzenlicht, und unter ihm lagen die Geschenke …. Später hatten sie fröhlich zu Abend gegessen, nicht ohne vorher noch ein

paar Weihnachtslieder gesungen zu haben. Am liebsten mochten sie alle drei
„Es ist für uns eine Zeit angekommen, die bringt uns eine große Freud …“

Daarsuren spürte seine Wehmut, doch sie konnte seine Empfindungen jetzt nicht teilen. Für sie als Burjatin gab es keine christliche Religion und kein Weihnachtsfest. Ihr Vater war zwar Halbrusse, doch er ist als Waise in der Familie eines Schamanen groß geworden … Bei dem Gedanken an ihn erfüllen sie Zorn und Schmerz.

Da die Ranger des Nationalparks nichts von Grischas Doppelnatur wissen konnten, hatten sie ihn an diesem unglückseligen Morgen mit

einem Betäubungsschuss niedergestreckt, weil er als Bär nicht in ihr Revier gehörte und sich auffällig verhielt.
Wie erschrocken waren sie, als sie beim Näherkommen die Botschaft lasen, die er mit seinen Krallen ungelenk in den feuchten Ufersand geschrieben hatte, „Awdeijitsch, bitte hilf …“ Als sie den Schamanen per Funk benachrichtigt hatten, war seine Tochter mit ihm gemeinsam in die unwegsame Schlucht geritten, wo selbst mit dem Jeep kein Durchkommen war. Sie mussten sich beeilen, der Weg war weit, und die Zeit stand nicht still in der Sanduhr des Narkosezeitfensters...

Dann hatte sie den Vater angefleht, Grischa aus der Betäubung zurückzuholen und den

Bärenzauber von ihm zu nehmen, doch er war außer sich vor Zorn und noch vom Wodka benebelt … So hat er sie beide in den Himmel geschossen, einfach so - wie zwei Tontauben …

Auf der Erde war es inzwischen dunkel geworden. Die beiden Bären im All sahen all die Lichter, doch sie wussten nicht, dass eine ganz besondere Weihnachtsnacht anbrach. Die Märchenfiguren hatten vorher geheimen Rat gehalten und beschlossen, die Bösen unter ihnen von der Erde zu verbannen. Nie mehr sollten böse Hexen, Teufel, Drachen und Zauberer andere unglücklich verzaubern oder gar töten. Über der Erde rauschten Lichter in die Höhe, wie Silvesterraketen. Das

waren die Hexen auf ihren funkensprühenden Besen, manche von den jüngeren ritten sogar auf riesigen Stricknadeln… Die Teufel und bösen Zauberer wurden in ein Raumschiff verfrachtet und in eine ferne Galaxie geschossen. Die Bären sahen es ganz nah am Polarstern vorbeifliegen, und Cassiopeia zog fragend ihre linke Augenbraue hoch. Dem maroden Raumschiff, das nicht zur Rückkehr auf die Erde bestimmt war, folgte ein Geschwader feuerspeiender Drachen und anderer Ungeheuer, in ihrem Schlepptau die böse dreizehnte Fee mit flatterndem Schleier. Noch ehe sie den Bären zu nahe kommen konnten, waren sie schon verglüht wie ein Meteoritenschwarm…
Während unten auf der Erde den

Weihnachtsmännern mit ihren roten Bommelmützen die Ruten weggenommen wurden, damit sie keine Kinder mehr erschrecken oder gar schlagen konnten, rückte das unsterbliche Liebespaar unmerklich ganz eng zusammen, nur für einen kurzen Moment. Danach standen sie wieder auf ihren Plätzen. Das Wunder dieser Weihnachtsnacht war vollendet.

Sternbilder

Schirmherr des Bären ist der alte Schamane - wodkabenebelt



Er hat ihn erwischt im Bett mit seiner Tochter - voller Hass sein Geist Zug um Zug sinnt er auf Rache, die ewig währt - der Grischa muss weg Er trommelt und tanzt überschreitet die Brücke schwingt seine Flügel Im festen Glauben an die Herrin der

Tiere schießt er den Bären

wie eine Feder hoch in den Himmel hinauf - Sternbild Großer Bär An Macht zu sparen liegt ihm nicht – seine Tochter wird der Kleine Bär

Drachenfeuer

Auf der Nordhalbkugel der Erde lag der Winter in den letzten Zügen, in Europa war gerade Nacht. Still für sich hing Grischa seinen Gedanken nach. Wie gern würde er mit seiner Taigablume, wie er Daarsuren liebevoll nannte, wieder auf der Erde weilen, ihr sein Heimatland und auch andere schöne Orte zeigen. Mit ihren 27 Jahren war sie noch nie aus Sibirien herausgekommen...
Bevor er sich allzu sehr in seinen Erinnerungen an die weiche Frühlingsluft der Provence, das Licht der Toskana und Spaniens wilde Mittelmeerküste verlor, wandte er sich ihr, seiner kleinen Bärin, wieder

zu. Das früher so fröhliche, anmutige Burjatenmädchen wirkte in letzter Zeit oft traurig und in sich gekehrt, so dass er mit ihr litt. Bisweilen spürte er in ihr auch eine Ängstlichkeit und Unruhe, die er sich nicht erklären konnte.
„Liebster, siehst du diesen leuchtenden Fleck in der Nähe des Drachenkopfes? Mir scheint, er wechselt seine Farbe“, schaltete sich Daarsuren in diesem Moment in seine Gedanken ein. So war es ihnen möglich, sich ohne zu sprechen miteinander zu verständigen.
„Bei einem Sternennebel ist das vielleicht normal. Möglicherweise haucht dort ein Stern sein Leben aus?“ versuchte er sie zu

beruhigen.
„Das ist der berühmte Katzenaugennebel“, erklärte sie, „er gehört zum Sternbild Drache. Früher habe ich mir im Computer einmal Bilder von ihm angeschaut.“ „Er sieht eigentlich wunderschön aus“, sinnierte er, „obwohl ich diesen Drachen insgesamt hasse, weil er genau zwischen uns steht!“
„Ja, mein Vater hat trotz des Wodkas gut gezielt, als er uns hier herauf schoss! Anfangs schien mir der Drache tot zu sein, er störte mich nicht. Doch seit Weihnachten hat er sich verändert. Manchmal habe ich das Gefühl, er bewegt sich, flackert mit den Augen und würde am liebsten Feuer gegen mich speien, Schmutz nach mir werfen …“

„Wieso gerade seit Weihnachten?“ wollte er wissen. „Weil da die ganzen Hexen, Teufel und Drachen von der Erde verbannt wurden. Erinnerst du dich nicht, wie sie hier vorbeigeflogen sind und verglühten? Da habe ich ihn laut fauchen gehört und sah Flammen aus seinem Maul schlagen. Er muss mit den anderen von der Erde gekommen sein und macht mir Angst.“
„Aber nein, er war doch schon hier, als wir kamen“, gab er zu bedenken.
„Das spielt keine Rolle, die Sternbilder Großer und Kleiner Bär waren ja auch schon vor uns hier …“
„Das stimmt allerdings. Mag sein, er ist wirklich von der Erde gekommen. Aber was

soll er dir tun? Er kann aus seinem Sternbild ebenso wenig heraus, wie wir!“ versuchte er sie endgültig zu beschwichtigen.
„Vielleicht sehe ich auch Gespenster“, gab sie zu, „ich muss in letzter Zeit oft an meine Stiefmutter Marfa denken, obwohl mein Vater sich wegen ihrer Bösartigkeit schon vor vielen Jahren von ihr getrennt und sie samt ihrer Tochter Doska aus dem Haus geworfen hat. Ich kenne niemanden, der so hinterhältig ist wie sie! Mir war neulich so, als hörte ich sie hier nach Doska rufen, habe ihre Stimme sogar noch im Ohr..."
Erstaunt und zutiefst schmerzlich berührt vernahm Grischa nun Daarsurens traurige

Geschichte, wie sie jahrelang von ihrer Stiefmutter und der Stiefschwester regelrecht gemobbt worden war. Von einer versehentlich abgebrochenen Nähmaschinennadel war die Rede, mit der alles begonnen hatte, von einem Wachsfleck auf dem Tischläufer, von den falschen Bezichtigungen, sie hätte der Stiefmutter fünfzig Rubel sowie einen goldenen Fingerhut gestohlen, den in Wirklichkeit eine diebische Elster von der Veranda stibitzt hatte. Und das Geld war ihr mit Sicherheit von der eigenen Tochter entwendet worden, die in ihrem Egoismus und in ihrer Putzsucht nie genug an schönen Kleidern bekommen konnte, während sie, Daarsuren - der „Burjatentölpel“, kaum mal ein neues Kleidungsstück erhielt

und die abgelegten von der zwei Jahre älteren Doska auftragen musste …

Hier unterbrach sie ihren Bericht mit einem schadenfrohen, lautlosen Lachen.
„Du weißt sicher, dass Doska auf Russisch Brett oder Tafel heißt. Diesen Namen hat sie ihrer dämlichen Mutter zu verdanken, die sie hochtrabend Tosca nennen wollte, jedoch den Namen nicht mal richtig schreiben konnte!“
Auch Grischa musste grinsen, was ihm jedoch sofort verging, als er von den drakonischen Strafen hörte, mit denen sie immer wieder belegt worden war.
„Moment mal, bitte“, unterbrach er sie schließlich zornig, „und wieso ist dein Vater da nicht eingeschritten?“


„Ach, Lieber, als ich noch klein war, hatte sie mir angedroht, mich zu vergiften, wenn ich ihm was sagen würde … Und außerdem war er viel unterwegs, hat also das meiste tatsächlich nicht mitbekommen. Als er es eines Tages merkte, war er total entsetzt und hat sie beide sofort rausgeschmissen.“
Wie gern hätte Grischa seine Taigablume tröstend in den Arm genommen … Aber wie? Er war von einer unglaublichen Wut erfüllt. Was auch immer die gehässige Stiefmutter seiner Liebsten jahrelang angetan hatte, die grausame Untat des Vaters stand dazu in keinem Vergleich, dafür würde es niemals eine Entschuldigung geben! Wie konnte

Awdeijitsch nur seine eigene Tochter mit ihm in den Himmel schießen! Die böse Marfa ging ihm nicht aus dem Kopf, so dass er sich um Kontakt zu anderen vertrauenswürdigen Sternbildern bemühte, um Erkundigungen über den Drachen einzuholen. Einige Zeit später erhielt Grischa eine Botschaft vom Schwan, der Daarsurens Vermutung bestätigte. Auch er, der Krebs und der Löwe hatten gehört, wie das böse Weib vom Drachen her nach ihrer missratenen Tochter gerufen hatte, die in der vielköpfigen Hydra - der Wasserschlange – steckte, einem Sternbild in der Nähe von Krebs, Löwe und Jungfrau. Offenbar waren die beiden in der

Weihnachtsnacht mit dem Drachengeschwader gekommen und hatten sich heimlich in den Sternbildern eingenistet, anstatt mit den anderen zu verglühen. Kurzerhand hatten die Sternbilder daraufhin beschlossen, dass In der nächsten Vollmondnacht außerplanmäßige Meteorströme gestartet werden sollten. Die Leoniden, aus dem Sternbild Löwe, hin zur Wasserschlange, und die Draconiden, direkt aus dem Kopf des Drachen, der ihn restlos ausbrennen würde... Damit würde den beiden Ungeheuern endgültig die Macht genommen sein, weiteres Unheil anzurichten. Diese Nachrichten von der Solidarität der Sterne wärmten Grischa das Herz und würden

Daarsuren die Angst nehmen. ***

Ringfrei

Meine liebe Usch,
lange habe ich nichts von mir hören lassen, das letzte Jahr war recht turbulent. Aber nun komme ich zur Ruhe, bin auf dem Wege der Genesung und meine Scheidung von Gregor ist endlich durch! Du wirst nie drauf kommen, von wo aus ich dir schreibe – ich sitze in einer Fastenklinik am Baikalsee und habe Gelegenheit, diesen Brief morgen meiner Mitpatientin Molly mit nach Deutschland zu geben. Denn die Postwege hier sind lang ... Internet ist für Patienten leider nicht zugänglich, sonst hätte ich mich schon längst mal gemeldet. So musst

du nun also meine krakelige Schrift entziffern, doch ich bin froh, dass ich überhaupt wieder schreiben kann. Eine zeitlang war mein Gelenkrheuma so schlimm, dass ich keinen Stift halten konnte, deshalb bin ich ja hier, nicht etwa zum Abnehmen … Davon halte ich nichts, bin ja schließlich nicht übergewichtig.

Aber nun mal alles der Reihe nach:

Meine Ehe mit Gregor welkte schon lange dahin, habe mich ja so manches Mal bei dir ausgeweint … Aber was er sich Anfang vorigen Jahres geleistet hat, war der Gipfel. Gesoffen hat er ja immer mal gerne, doch mit seinen russischen Geschäftspartnern nahm das irgendwie überhand. Er traf sich mit denen immer häufiger in russischen Bars, von

denen es ja etliche gibt in Berlin…


Stell dir vor, als ich eines Morgens aufwachte, schnarchte im Bett neben mir ein riesiger stinkender Bär! Keine Ahnung, wo mein Göttergatte geschlafen hat, seine Sachen lagen im Schlafzimmer auf dem Fußboden verstreut. Vielleicht hatte er sich im Keller, im Hobbyraum auf die Couch gelegt, ich habe nicht nachgesehen. Habe nur in Windeseile und ganz leise, um den Bären nicht zu wecken, ein paar Sachen zusammengepackt, um mich bei meiner Freundin Heidi einzuquartieren. Aber zuerst bin ich zum Anwalt und habe die Scheidung eingereicht. Die war schon lange überfällig!

Bald danach bekam ich einen Anruf, dass Gregor nach einem Autounfall in die Charlottenklinik eingeliefert worden war. Ich brachte ihm ein paar Sachen hin, ging aber nicht in sein Zimmer. Es hieß, dass er nur am Arm verletzt war, nichts Lebensgefährliches. Danach muss er in der Klinik eine Art „Nervenzusammenbruch“ bekommen haben …. Wenn du mich fragst, war’s das Säuferdelirium – schließlich kein Wunder! Wie besoffen muss er gewesen sein, dass sie ihm den ausgewachsenen Bären mit nach Hause geben konnten! Und dieses Vieh hat mir das ganze Haus verunreinigt, hat auf die Vorleger gepinkelt, die Fußböden vollgesch… - einfach ekelhaft!

Na ja, Gregor ging es dann ziemlich dreckig, dieser Russenschnaps muss wohl sein Nervensystem stark angegriffen haben, vielleicht hatten sie ihm da auch Drogen reingemischt … – keine Ahnung! Jedenfalls bekam er irgendwelche Lähmungen und wurde in die Charité verlegt. Auch dort waren die Ärzte ratlos. Schließlich hat sein Bruder Viktor ihn in seine Privatklinik mitgenommen. Ja, mein Herr Schwager besitzt eine Schwarzwaldklinik, der abgehobene Snob! Und statt mein Gregor sich dort eine flotte Krankenschwester schnappt, wie es ja sonst immer und überall seine Art ist, lässt der sich von einem russischen Schamanen beduseln und von dessen seltsamer Philosophie

verblöden! Stell dir mal vor, die glauben nicht an Gott, sondern an eine „Herrin der Tiere“, und die hätte ausgerechnet ihn, das Weichei, zum Schamanen auserwählt! Tzz …!

Er glaubte jedenfalls diesen Humbug und flog nach Burjatien, das liegt in Sibirien, am Baikalsee. Dort wollte er sich von einem Schamanen ausbilden lassen. Der Alte ist wohl Russe, doch seine Tochter ist von einer burjatischen Frau, so eine Art Mongolin – lieblich wie ein Kirschblütenblatt, und in einem noch so zarten Alter, wo sie sich ihre Zauberzone noch nicht rasieren muss …. Ausgerechnet in die hat sich mein Schürzenjäger Hals über Kopf verknallt, und

der Alte war natürlich außer sich und hat ihn aus dem Haus gejagt. Allerdings sieht diese „Taigablume“, wie er sie nennt, viel jünger aus, als sie ist, sie soll schon mit dem Medizinstudium fertig sein. Stell dir mal vor, die haben hier auch richtige Universitäten in Sibirien, wer hätte das gedacht!

Er ist dann im Herbststurm in einem Naturreservat herumgeirrt und wurde von Rangern aufgegriffen, wahrscheinlich hielten sie ihn für einen Wilderer. Was da genau passiert ist, habe ich nicht ganz verstanden, ein Bär muss ihn wohl plötzlich angegriffen haben, was ihn zum Straucheln brachte. Jedenfalls schossen sie mit einem Betäubungsgewehr auf den Bären und

müssen stattdessen Gregor getroffen haben. … Der fiel sofort ins Koma, hatte aber Glück im Unglück. Seine Liebste, das Mongolenflittchen, hatte ihren Herrn Papa überredet, „Grischa“, wie sie ihn nennen, gemeinsam zu suchen. Sie müssen ihn in genau diesem Moment gefunden haben und ließen ihn mit einem Rettungshubschrauber nach Ulaan-Ude in eine Klinik fliegen. Da hat der Unglücksrabe dann wochenlang im Koma gelegen, sein „Sonnenwind“, wie ihr Name Daarsuren übersetzt wird, ist nicht von seiner Seite gewichen. Sie war es auch, die mir eine E-Mail in mein Restaurant geschickt hat, er musste ihr offensichtlich von mir erzählt haben. Na ja,

wenn ich auch die Scheidung wollte, so doch nicht seinen Tod, da bin ich eben hingeflogen…

Als ich ankam, war er gerade aus dem Koma aufgewacht, aber im Kopf muss er doch erheblich was zurückbehalten haben … Er glaubt, dass er selbst ein Bär war – was für ein Quatsch! Und den Schuss von den Rangern muss er auch noch gehört haben. Awdeijitsch (das ist der Schamane) soll ihn und das mongolische Kirschblütenblättchen angeblich in den Himmel geschossen haben, wo sie dann als Sternbilder geleuchtet haben … Wie blöd ist das denn! Diese Sternbilder vom großen und kleinen Bären gibt es doch schon

seit tausenden oder Millionen Jahren! Er scheint an Selbstüberhöhung zu leiden, kommt gleich nach Brüderchen Vic, dem Chef der Schwarzwaldklinik. Der hält sich auch für den lieben Gott, kann aber nicht wirklich einen Schnupfen kurieren! Lachhaft!!!

Wie auch immer, Greg hat sich inzwischen körperlich wieder aufgerappelt und sitzt vermutlich schon mit seinem mongolischen Kirschkuchen im Flieger von Ulaan-Ude nach Moskau und weiter nach Berlin. Unser Haus im Kamillenweg, das ich bei der Scheidung zugesprochen bekam, habe ich ihm vermietet, bis er was Neues gefunden hat. Ich bleibe noch einige Zeit hier in der Klinik, und danach hat mich Alex eingeladen …

Jawollja, du liest richtig, Usch! Der ist noch gar nicht so ein alter Zausel, wie es auf den ersten Blick scheint, und hat dringend eine weibliche Hand nötig ... Der Mann ist hier an diesem atemberaubenden Baikalsee wirklich d a s Sahnehäubchen! Also – ringfrei in die nächste Runde!

Aber nun muss ich zur Klangspitzentherapie, da werden so Gongs und Klanghölzer angeschlagen, bis sie das erkrankte Körpergewebe in Vibrationen versetzen … Muss wohl aus dem Buddhismus stammen, der hier Staatsreligion ist. Es tut mir jedenfalls sehr gut, und das ist doch die Hauptsache, oder? Und am Abend probt die Theatergruppe

eine Szene aus *Krieg und Frieden*. Da muss ich hin, um russisch zu lernen, denn ein bisschen reden muss ich schließlich auch mit Alex. Sein voller Name ist Alexej Awdeijitsch Sokolow - der Schamane! Vorname, Vatersname, Familienname. Sokol heißt Falke – na, ist das nix? Der Umweg an den Baikal hat sich für mich auf jeden Fall gelohnt!


Do swidanja, moja podruga twoja Edel


(Edeltraud Samsa aus Berlin)

PS. Aber heiraten werde ich nie wieder, ich mache es wie du und bleibe RINGFREI

Umwege


Umwege führten bis in die Philosophie der Schamanistik * Fern in Sibirien brachte ihn ein Schamane böse zum Straucheln * Schon sehr alterswelk bewachte der die Tochter tat sich gewichtig * Ein Schürzenjäger war Grischa nie gewesen

im Sturm der Liebe

* Daarsurens Lächeln - ein Kirschblütenblatt im Wind - hat ihn verzaubert * Welch’ Zauberzone - Klangspitzen der Harmonie - einten sie beide * Ein Braunbär zu sein ist schlimmer als ein Schnupfen oder ein Sternbild … * Nun war es geschafft jenseits von Krieg und Frieden

flog er nach Hause

* Das Sahnehäubchen: die Liebste war neben ihm bis in alle Zeit … *

Das Telefonat

Mitgehörtes Telefonat zwischen Prof. Dr. med. Viktor Samsa, Chefarzt und Inhaber einer Privatklinik im Schwarzwald, und seinem Zwillingsbruder Gregor, Finanzberater in Berlin, in seiner tierischen Zweitnatur als Bär auch als *Grischa* bekannt. Von einem Schamanen war ihm vor längerer Zeit erklärt worden, dass ihm von der ‚Herrin der Tiere’ und anderen Geistwesen des Universums die Schamanenlaufbahn vorbestimmt sei, weshalb er immer wieder in einen Bären verwandelt wurde. Doch Gregor sieht sich außerstande, dieser Berufung zu folgen

... Viktor: Hallo, Greg, was gibt’s? Geht’s euch gut?. Kann ich was für euch tun? Gregor: Grüß dich, Vic! Nachdem es eine Zeitlang so aussah, als sei alles vorbei, hat die ‚Herrin der Tiere’ erneut zugeschlagen. Daarsuren, meine heißgeliebte Steppen-sonne, mein zärtlicher Schmetterling, lag vorletzte Nacht in der Gestalt einer weißen Wölfin in meinen Armen. Zuvor war mir die ‚Herrin der Tiere’ mit drohenden Gebärden im Traum erschienen. Sie muss wohl eine wirklich mächtige Göttin im Zwischenreich

schamanistischer Gefilde sein… Viktor: Deine süße, hingebungsvolle Daarsu – eine weiße Steppenwölfin??? Ich versteh im Moment gar nix, Bruder! Glaubst du denn wirklich an diesen ganzen Schamanenquatsch? Gregor: Es geht hier leider nicht um kleinkarierten Geisterglauben, sondern um Tatsachen! Daarsu hat in Sibirien, wo sie geboren und aufgewachsen ist, ein ordentliches Medizin-studium absolviert, mit dem Weiterbildungs-schwerpunkt Naturheilkunde. Vielleicht glaubte sie, das ihrem Schamanen-Vater

schuldig zu sein. Sie hätte Magengeschwüre, Schilddrüsen-unterfunktionen, einen Tischtennisarm, jegliche sonstigen rudimentären oder voll ausgeprägten alltäglichen oder nichtalltäg-lichen Gesundheitsstörungen glorreich behandeln können! …. Und nun soll sie in einem Wolfsrudel den Mond anheulen? Viktor: Ist ja gut, Greg, reg dich doch nicht so auf! .., Gregor: Du hast gut reden! Kapierst du immer noch nicht, dass du der nächste sein könntest, den sie attackieren wird? Es steht uns frei, an sie zu glauben, oder

nicht. Dennoch hat sie nun mal die Macht, uns jederzeit in beliebige Tiere zu verwandeln. Mich in einen Bären, Daarsu in eine Wölfin … und wer weiß schon, was du einmal sein wirst! Viktor: Na nun mach mal ’nen Punkt! Mich in ein Tier verwandeln?? … Gregor: Ja, glaubst du denn, ich konnte das für mich antizipieren? … Sorry, total bescheuertes Wort, ist eigentlich nicht mein Stil, dieses geschwollene Gequatsche

… Viktor: Ach komm, sei jetzt keine Mimose! Vielleicht sollte ich mal wieder nach Berlin kommen, und wir beide fahren mit deinem Boot zum Angeln. Da können wir alles in Ruhe bequatschen …und zu einer Bratwurst mit Erbspüree ein gutes Pils trinken … Gregor: Sorry, mein Boot ist am Wannsee letzten Winter einem Brandanschlag zum Opfer gefallen, die Versicherung eiert noch herum … aber das ist jetzt nicht das

Thema…. Viktor: Sondern was? Du klingst irgendwie verzeifelt, sag mir, was ich für dich tun kann! Gregor: Also geradeheraus: Daarsu und ich haben beschlossen, uns nicht länger manipulieren zu lassen und der ‚Herrin’ den Wind aus den Segeln zu nehmen. In Rumänien, genauer gesagt bei Zărneşti, am Piatra-Craiului-Gebirge, gibt es das größte europäische Reservat für Bären und Wölfe - Bear LiBearty Sanctuary. Dort wollen wir

hin! Als Menschen wollen wir uns dort nützlich machen, und wenn sie uns wieder einmal verwandelt, haben wir dort ein geschütztes Plätzchen, wo uns niemand abschießen wird … Ich schicke dir per Mail zwei Links, wo du dich informieren kannst: Wir bitten dich, uns dorthin zu begleiten! Viktor: Alles klar, Greg, ich schau es mir an und fahre mit euch, wenn du das willst! Melde mich in ein paar Tagen, wenn ich hier alles geregelt habe. Halt die Ohren steif, Grischa!

Gregor: Danke dir! Bis dann, Bruder! http://www.rumaenien-ferienhaus.com/fileadmin/userdaten/dokumente/Baeren-Auffangstation-Zarnesti-Dokumentation.pdf http://www.etnev.de/projekte/naturschutz/barenreservat-rumanien


Die beiden Fotos zeigen Piatra Craiului, das Königstein-Gebirge

zürnende Göttin

Im großen russischen Ofen knisterten Lärchenholzscheite, eine wohlige Wärme breitete sich im geräumigen sibirischen Blockhaus aus und ließ die Frostblumen an den Fensterscheiben schmelzen. Der Schamane Awdeijitsch hatte seine Pelzjacke und den wollenen Schal abgelegt, lief rastlos auf und ab und raufte sich seinen Bart. Sein Laptop streikte wieder mal. Oder besser gesagt, er kam nicht ins Internet. Und dabei brauchte er doch so dringend Hilfe, weil er sich – gänzlich entgegen seinem Vorsatz - mit der Herrin der Tiere diesmal wirklich ganz böse angelegt hatte. Er hatte echten Katzenjammer.

Der einzige, der ihm vielleicht helfen könnte, wäre Grischa, sein deutscher Schwiegersohn mit der animalischen Doppelnatur eines Bären. Doch sein Smartphone hatte er im Wodkarausch an die Ranger des Tunka-Nationalparks südlich des Baikalsees verspielt, nun konnte er Grischa und seine geliebte Tochter Daarsuren also nicht mehr erreichen. Wie es ihr, seiner burjatischen Taigasonne, in der westlichen Zivilisation wohl ergehen mochte? Schon längere Zeit hatte er nichts mehr von ihnen gehört. Bei der letzten Nachricht wollten sie nach Transsilvanien in das größte europäische Reservat für Bären und Wölfe - Bear LiBearty Sanctuary -
aufbrechen. Ja, wussten sie denn nicht,


dass dort alle männlichen Tiere bei ihrer Aufnahme kastriert wurden? In seiner Verzweiflung hatte Awdeijitsch all seine Kenntnisse der schamanischen Hexerei aufgeboten, Kontakt zur Herrin der Tiere in der Zwischenwelt der Geister herzustellen und sie um Hilfe zu bitten. Doch sie hatte ihn eiskalt abblitzen lassen.
„Was willst du von mir, hast du denn all deinen Verstand versoffen, du Abtrünniger?“, hatte sie ihm entgegengeschleudert, „ich bin die Gottheit der Tiere, aber nicht die der Menschen! Sollen diese Teufel sich doch selbst vernichten! Streiten sich um ihre eigenen Götter, schmieden Intrigen und

bringen sich gegenseitig um – sogar in Zeitungsredaktionen und Supermärkten - , statt sich einfach in ihrer Vielfalt zu tolerieren!“
„Aber haben denn nicht auch alle Tiere ihre eigenen Götter?“, fragte Awdeijitsch, „ich habe meine Katze einmal bei einem starken Gewitter zu ihrer Katzengöttin beten gehört.“
„Mag sein“, erwiderte die Herrin der Tiere geringschätzig, "diese domestizierten Kreaturen haben sich doch selbst an die Menschen versklavt. Noch viel schlimmer sind allerdings die Hunde. Nimm mal so einen affig geschorenen Pudel, der sich an einer
rosa Leine herumführen lässt, genau in der Farbe, die sein Frauchen als Gürtel trägt,


oder ein Pferd, dem man die Hufe mit Eisen beschlägt, ein Schwein, dem menschliche Abfälle zum Fraß vorgeworfen werden, und das sich dann auch noch willig schlachten lässt … das Kamel, das mit einer Weihnachtsmannmütze herumlaufen muss - wo bleibt ihr Recht auf Selbstbestimmung, ihr Stolz?“
„Wie“, hatte Awdeijitsch empört gerufen, „heißt das, du schließt die Haustiere aus deiner göttlichen Obhut aus?“ …..
“Ich schließe niemanden aus, vermisse lediglich den gegenseitigen Respekt, der ALLEN KREATUREN ein würdiges und artgerechtes Leben auf der Erde ermöglichen

würde.“ Und damit hatte sie sich grollend in ihr Zwischenweltrefugium zurückgezogen und ihn mit seinem Kummer allein zurückgelassen.



Das blaue Feuer

Sehr lange schon hatte Gregor gedankenverloren auf diesen tiefblauen See gestarrt, das Heilige Meer Sibiriens lag vor ihm wie in einem Bilderrahmen. Er kannte den Baikal von früheren Besuchen und wollte sich diesmal nur auf die Insel Olchon konzentrieren, umfuhr gedanklich ihre zerklüfteten Ufer mit den Felsen und Buchten. Hier hoffte er seine Geliebte Daarsuren wiederzufinden, die von Geistwesen in eine schneeweiße Wölfin verwandelt, seit Wochen verschwunden war. Am Kap Burchan befand sich eine uralte Kultstätte mit dem berühmten

Schamanenfelsen und einer Höhle, die als Wohnort des alten Burjatengottes Burchan galt und zu den neun asiatischen Heiligtümern gezählt wurde. Hier wollte er das mächtigste Geistwesen, die "Herrin der Tiere", aufsuchen und um Hilfe bitten. Seine Augen waren vor Müdigkeit gerötet, er konnte sie kaum noch offen halten, fühlte eine zunehmende bleierne Schwere sich rotwarm auf die Lider senken. Allmählich verdunkelte sich die Wärme und ergriff von seinem ganzen Körper Besitz. Bald trieb er in einem angenehmen Schwebezustand dahin, wie im bequemen Netz einer Hängematte, und sah seine ungewissen Ängste wie Luftballons in den

hellblauen Himmel entschwinden. Verschwommen hatte er gerade noch den Umriss des Schamanenfelsens als leuchtenden Rand vor der sinkenden Sonne wahrnehmen können, als er sich plötzlich von starken Vogelschwingen aufgenommen fühlte. Er wurde in eine dunkle Höhle getragen und auf einem weichen Luchsfell abgesetzt. Die Höhle duftete aromatisch nach Wildkräutern und war nur spärlich durch ein Feuer mit bläulichen Flammen erleuchtet, das in einer kleinen Opferschale brannte. In seinem schwachen Schimmer sah er drei weiße Adler auf einem Felsenvorsprung sitzen, die ihn unbewegt mit ihren kreisrunden

Augen anstarrten. “Was willst du von der Herrin der Tiere?“, tönte eine blecherne Stimme, deren Echo sich an den Wänden der Höhle brach und ihn so erschreckte, dass sich schlagartig seine Nackenhärchen aufrichteten. “Ich will sie bitten, meine Liebste nicht länger im Körper einer Wölfin gefangen zu halten“, stammelte er mühsam mit klebriger Zunge, während er fühlte, wie sich sein ganzer Körper mit kaltem Schweiß bedeckte. „Hier auf der Insel Olchon leben keine Wölfe, so wie es auch keine Bären gibt. Sieh das als dein persönliches Glück an“, dröhnte die Stimme wieder wie aus einem scheppernden Blecheimer, „denn sonst wärst du längst wieder der Bär Grischa, der

flatterhafte Weiberheld. Daarsuren ist jetzt eine von uns dreien, du bist ihrer nicht würdig!“ In Gregor kochte ein Gemisch aus Angst, Empörung und Verzweiflung hoch. Er sah sich die Adlerweibchen genauer an. Die linke hatte eine gespaltene Zungenspitze, die rechte eine winzige Wucherung auf der Schnabelwurzel, aber die mittlere sah ihn mit Daarsurens liebevollen Augen an, dessen war er sich plötzlich sicher und nahm all seinen Mut zusammen. „Ich bin meiner Taigablume niemals untreu gewesen und habe sie hier als Adler erkannt. Und nun bitte ich die Herrin der Tiere, sie zurückzuverwandeln, da ich sie keinesfalls hier zurücklassen will.“

„Was glaubst du denn, vor wem du stehst, du Einfaltspinsel!“, dröhnte es von den Höhlenwänden, „marsch und umgekehrt, du hast hier nichts mehr verloren!“
"Was denn, du???" Ein heiserer Schrei, fast mehr ein verzweifeltes Röcheln entrang sich Gregors Kehle, als eine Hand ihn kräftig am linken Arm rüttelte. „Bitte, wachen Sie auf, Sie müssen sich anschnallen, die Rückenlehne senkrecht stellen und Ihr I-Pad ausschalten, wir befinden uns im Landeanflug auf Irkutsk!“, vernahm er eine freundliche Frauenstimme.

Das Bild

Im diffusen Mondlicht, das kaum Schatten wirft, hat der schlaflose Bär seine Staffelei aufgebaut. Ihr wundert euch, dass ein Bär malt? Und dann noch bei Nacht? Er ist ein besonderer Bär und möchte möglichst wenig Aufsehen erregen. Die Ranger und Tierpfleger im weitläufigen Reservat kennen inzwischen die unheimliche Geschichte seiner tiermenschlichen Doppelnatur, haben alle den „Grischa“ gelesen und behandeln ihn mit außerordentlichem Fingerspitzengefühl. Ab und zu füttern sie ihn sogar mit Mamaliga, wie in Rumänien der Maisbrei genannt wird, anderswo auch als Polenta bekannt.


Inzwischen hat der Bär die Leinwand grundiert und beginnt mit grellen Farben den Schamanen in der Gestalt eines tanzenden Kapauns darzustellen, wobei die bunten Federn wie ein aufgeblähter Unterrock um ihn herum schwingen.

Sein Verhältnis zum Schamanen ist ambivalent, hatte er doch zunächst danach gestrebt, von ihm zu lernen, das war schließlich der Grund für seine Reise an den Baikalsee gewesen. Doch dann hatte er sich in die Tochter des Schamanen verliebt, was die Beziehung zwischen ihnen nicht nur erheblich getrübt hat, sondern diese muss inzwischen als völlig

desolat eingeschätzt werden. Auch die Liebste hat er verloren, sie ist längst schon dem bösen Zauber ihres Vaters erlegen ...
All das fließt in das Bild des Bären mit ein. Abschließend verpasst er dem unglückseligen Kapaun - aus einem unbestimmten Impuls heraus - knallig magentarote Socken. Als sich der Sonnenaufgang ankündigt, blickt der Bär befriedigt auf sein vollendetes Werk. Nun würde er sich nach der schlaflosen, kreativen Nacht liebend gerne mit einemguten Schluck entspannen, seine aufgepuschten Gefühle sozusagen wieder herabpumpen … Hinter der Umzäunung des Reservats erwartet ihn sein Galerist mit einer Halbliterflasche feinstem Wodka. Doch

was ist das schon für einen unglücklichen Bären von 500 Kilo Lebendgewicht? ;-))














POST VON GRISCHA Hallo, Gemeinde! Vor sieben Jahren ward ich als Mensch zum Bären Kafkas Verwandlung Im SB 21 - Gregor Samsa in ... "Sei kein FROSCH, Grischa, das hier ist jetzt dein Thema, deine ERLÖSUNG!" Das sagte mir Vic, menschlicher Zwillingsbruder,

Chefarzt im Schwarzwald.


Keine TABLETTEN konnten mir helfen, auch nicht die Schamanenkunst Wenn ich nicht handle, bleib ich der DAMBEDEI-Bär in UNENDLICHkeit Als Grischa hab ich mehr als genug GEPUNKTET,

oder etwa nicht? Dies ist meine Chance,

alles andre ist ESSIG! Sonst bleibe ich Bär -


TANZbär im FEUER, mit CORONA* in Berlin oder Reservat ... Freundliche Grüße, (Hoffnung leider schon vergeigt) sendet euch Grischa ;-)


*Corona = Krone, Kranz. Gemeint ist hier die Krone des Berliner Bären als Wappentier.


ANTWORT AUS DEM OFF

Der Nachtwind duftet nach Vorfrühling. Grischa ist endlich eingeschlafen. Die Wodkaflasche neben ihm ist noch mehr als halb voll, die Schachtel mit den SchlafTABLETTEn unversehrt. Er lächelt im Traum und beginnt die Lippen zu bewegen. Deutlich sieht er das freundliche Gesicht des Schamanen Stepan mit den leicht schrägen schwarzen Augen und den hohen Wangenknochen vor sich. Dieser hatte ihn einst in der "Schwarzwaldklinik", wie er die psychosomatisch ausgerichtete Privatklinik seines Zwillingsbruders Viktor spöttisch zu nennen pflegt, wegen der

Schamanenkrankheit behandelt und väterlich beraten. "Gregor, erinnerst du dich noch an mich?", fragt ihn Stepan. "Damals habe ich dich in der Cafeteria der Klinik bei BUWWESPITZLE mit Mohn und Vanilleeis darüber aufgeklärt, dass du von sibirischen Geistwesen zum Schamanen erwählt wurdest und dir geraten, diesem Ruf zu folgen. Inzwischen gehen wir sogar davon aus, dass es sich bei ihnen nicht um einfache Geistwesen, wie Hilfs- oder Schutzgeister, handelt, die dem Schamanen - sowie auch Menschenseelen - helfend zur Seite stehen, sondern um göttliche oder zumindest halbgöttliche Wesen des sibirischen Natur- und Kultkreises.

Du musst sie dir etwa wie Artemis vorstellen, die griechische Göttin der Jagd und des Naturlebens, Zwillingsschwester des Apollon. Auch sie wurde als Herrin der Tiere bezeichnet, hatte heilige Tiere wie Hirsch, Eber, Bär, Hund und verwandelte sich selbst gern in eine Bärin. Da diese Tiergattung streckenweise den aufrechten Gang beherrscht, glaubte man früher, sie stünde dem Menschengeschlecht besonders nahe. Nur, weil du dich Gottheit und Geistern widersetzt hast,bestraften sie dich mit der Schamanenkrankheit und indem sie dich mehrfach und inzwischen dauerhaft in den

Bären Grischa verwandelten." "Ja, aber ich bin doch damals nach Sibirien zum Schamanen Awdeijitsch zur Ausbildung gefahren ...", entgegnet Grischa genervt. "Das schon. Da ist allerdings sehr viel schief gelaufen. Du hättest niemals eine Beziehung mit seiner Tochter eingehen dürfen. Auch hat er erkannt, dass du bei seinem TANZ am FEUER, als er sich in Trance trommelte und tanzte, seinen Ritualen mental nicht folgen konntest. Nach deiner Flucht vermisste er einen heiligen Fetisch in Gestalt eines getrockneten FROSCHes. Er kontaktierte mich kürzlich auf Weisung der

Herrin der Tiere, nachdem sie deinen Hilferuf mit der Bitte nach Körperrücktausch vernommen hatte." "Moment, bitte", unterbricht Grischa seinen Besucher erneut, "ich konnte mich in seinen Trancezustand tatsächlich nicht hineinversetzen, das stimmt. Er hatte mir erklärt, dass ein künftiger Schamane gegen Ende seiner Initiation, also zu seiner Aufnahme in diesen Berufsstand, von einer leuchtenden Strahlenaura, einer CORONA, umgeben ist. Daran kann jeder Laie erkennen, dass er nun 'amtiert'. Jedoch war ich da gerade erst bei ihm angekommen und von meiner Initiation konnte noch keine Rede

sein. Von einem toten Frosch weiß ich überhaupt nichts. Mir hatte er am ersten Abend, nach der Bewirtung mit Wodka, Lachs und ESSIGgurken, einen Krokodilszahn an einem GEPUNKTETen Lederband als Amulett um den Hals gehängt. Und Daarsuren, seine Tochter, lag eines Abends plötzlich nackt in meinem Bett. Wir liebten uns beide tief und innig, aber ich hätte sie niemals von mir aus angerührt. Auch bin ich nicht geflohen, sondern er hat mich fortgejagt. Schon auf der Türschwelle war ich wieder der Bär. Als ich später von Rangern aufgegriffen und betäubt worden war, hat er mich und Daarsuren als Sternbilder in den Himmel geschossen. Was ist er nur für ein

Vater!", endet Grischa empört. Eine Weile schweigen sie. Er hat keine Lust, Stepan von seiner Exfrau Edeltraut zu erzählen, die nach der Scheidung mehrere Jahre am Baikalsee mit dem Schamanen Awdeijitsch zusammengelebt hat. Ihr fehlte es so gänzlich an der Fähigkeit,aber auch am Willen, sein, Gregors, ganzes UNENDLICHes Dilemma zu erkennen, geschweige denn zu verstehen. Nach weiteren rückwärts gerichteten schmerzlichen Gedanken hört er Stepan den Gesprächsfaden wieder aufnehmen. "Ich will dir gerne glauben, Gregor, aber das

ändert auch nichts mehr. Die Herrin der Tiere hat mich hergeschickt, damit ich dir den Wunsch nach deinem Körperrücktausch ein für alle Mal ausrede. Du würdest einen Kampf erleben und große Qualen leiden, möglicherweise dabei zu Tode kommen. Schamane wird man durch Erblichkeit, indem ein Schamane vor seinem Tod ein geeignetes Mitglied aus seiner Sippe auswählt und es gegebenenfalls schon auf seine Mission vorbereitet.Oder andernfalls durch die vorgeburtliche Wahl durch Geistmächte bzw. seltener, durch eine Gottheit. Die Seele eines früh verstorbenen oder sogar zu diesem Zweck getöteten Kindes, das mit entsprechenden

besonderen Fähigkeiten ausgestattet ist, wird von einer Tiermutter verschluckt, ein Junges ausgetragen, geboren und aufgezogen. Dann wird sie in Seelengestalt, allerdings jetzt mit tiermenschlicher Doppelnatur, auf die Erde zurückgebracht, um ihre Mission als Schamane zu erfüllen. Eine Vogelmutter legt ein Ei in ein Nest im Weltenbaum und brütet es aus. Je höher das Nest liegt, desto mehr Wirkmacht wird der Schamane später haben. Ist die Zeit für die Verkörperung da, trägt ein Vogel die Seele herab und legt sie der zukünftigen Mutter auf den Scheitel. So gelangt sie durch die Schädelnaht der Mutter in den Fetus. Erst Jahre später erfolgt die Berufung.

Bei dir gab es ein Problem, weil du zum Einen väterlicherseits aus einer auf die Bärennatur ausgerichteten Schamanenfamilie stammst, gleichzeitig aber von einer weiblichen Gottheit erwählt wurdest. Hier war evtl. der Informationsfluss zwischen Geistwesen und Gottheit gestört. Eine Bärenmutter hat dich auf Geheiß der Gottheit ausgetragen. Dann bekam deine irdische Mutter, die mit Zwillingen schwanger war, deine Seele durch einen Specht überbracht. Ein derartiger komplexer Vorgang dauert generell immer mehrere Jahre

und die Geistwesen respektive Gottheiten sind danach nicht gewillt, ihren Schamanenkandidaten wieder frei zu geben. Notfalls töten sie ihn, wobei ein unsterblicher Rest - die Seele - übrig bleibt - für die nächste Generation." "Ja, aber mein Vater war doch Jagdflieger der Sowjetarmee, Hauptmann Michail Maximowitsch Medwedjew, er war gewiss kein Schamane!", gibt Grischa zu bedenken. "Schamanen waren in der Sowjetzeit strikt verboten", entgegnet Stepan, "wenn das jemand in der Familie Medwedjew, war, zum Beispiel ein Großelternteil, wurde es streng geheim gehalten. Medwedj heißt übrigens auf

russisch Bär." "Durch die Bärenmutter", fährt er nun bedeutungsvoll fort,"die deine Seele auf Anweisung der Gottheit ausgetragen hat, kommst du von deiner tiermenschlichen Doppelnatur ohnehin nicht mehr los, kannst also nicht auf ERLÖSUNG hoffen. Dafür hast du - wie jeder Schamane - außergewöhnliche Fähigkeiten, nämlich Kontakt zu Jenseitsmächten herstellen und Seelenreisen vornehmen zu können. Dir steht - wie auch mir - jederzeit die Zwischenwelt offen. Das ist die reale Welt, jedoch durch den schamanistischen Bewusstseinszustand erlebt. Die Oberwelt hingegen ist der Ort, wo Schamanen Weisheit

und Visionen finden und in der Unterwelt suchen sie Kraft und Stärke - Kraftobjekte und Krafttiere, auch als Hilfs- und Schutzgeister oder Totemtiere bezeichnet. Als Bär Grischa gehörst auch du zu ihnen. Gleichzeitig bist du aber zum Schamanen bestimmt, darfst also göttliche und halbgöttliche Wesen anrufen, was den Geistwesen, wie dem Bären allein, jedoch nicht möglich und bestimmt ist. Das ist dein Dilemma." "Verstanden", entgegnet Grischa, sichtlich erschöpft und seelisch mitgenommen,"ich verzichte gern auf alle Privilegien von den Göttern und Geistern, möchte einfach nur wieder Gregor Samsa sein, sonst nix!" "Sei kein Dummkopf und versuche endlich,

deine Fähigkeiten einzusetzen und aus deinen Möglichkeiten Kapital zu schlagen!", entgegnet ihm Stepan, sich auf einen weißen Adler schwingend. Aus dem Traum erwachend, sieht Grischa ihn in der Morgendämmerung davonfliegen und schnell immer kleiner werden. @ fleur 2020 b. w. Den Hintergrund des sibirischen Schamanismus habe ich mir in Klaus E. Müllers Buch "Schamanimus, Heiler, Geister, Rituale" 4. Auflage 2010, Verlag C.H.Beck, sowie bei Wikipedia

angelesen.

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Hörbuch

Über den Autor

FLEURdelaCOEUR
"Der Lyriker bringt seine Gefühle zum Markt wie der Bauer seine Ferkeln."
Wilhelm Busch

Habe hier 2010 mit Gedichten begonnen, aber das meiste davon ist für mich inzwischen passé. Man lernt auch als Großmutter nicht aus ;-)
Bin in der DDR aufgewachsen, immer berufstätig gewesen, links orientiert. In zweiter Ehe verheiratet, gehören zu meiner Familie drei Enkelinnen.

Den Nick "Fleur de la coeur" hat seinerzeit meine Freundin Seelenblume für mich ausgesucht. Er hat nichts mit der Gestalt aus den Harry-Potter-Büchern Fleur Delacour zu tun.

Inzwischen bin ich im letzten Lebensquartal angelangt, da küsst mich die Muse nur noch selten. ;-(

mariewolf43@gmail.com

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Kornblume Möchte meinen eigenen Kommentar, abgegeben vor langer Zeit"nochmal zitieren
"So ein tolles Buch habe ich seit "Kaffkas Verwandlung" lange nicht gelesen.Eine der schönsten literarischen Perlen hier bei mystorys."
Grüße an Dich schickt die Kornblume
Vergangene Woche - Antworten
FLEURdelaCOEUR Liebe Kornblume, eine so große Wertschätzung habe ich mit meinem Grischa sicher nicht verdient, aber ich freue mich sehr darüber und danke dir von ♥♥♥ dafür! Was mich allerdings traurig macht, ist der technische Zustand von MyStorys. Ich habe gestern endlos gebraucht und gefriemelt um das Buch hier noch einmal für alle sichtbar zu machen und habe es selbst nur einmal kurz hier in der Bücherliste sehen können, obwohl ich für 3 Tage Coins eingekauft hatte.
Liebe Grüße,
fleur
Vergangene Woche - Antworten
Kornblume Hallo liebe Fleur,
Deine Geschichte ist auch am 2.Tag bei my storys zu finden und gut lesen. Die Technik hat eben ihren eigenen Kopf.
Grüße an Dich, schickt die Kornblume
Vergangene Woche - Antworten
FLEURdelaCOEUR Jetzt, durch deinen Kommi, habe ich es auch wiedergefunden. Aber nur so in der Bücherliste nicht. Irgendwas ist hier eben faul. Danke noch mal, schlaf gut, liebe Kornblume,
Nachtgruß
fleur
Vergangene Woche - Antworten
Enya2853 Meine Güte, liebe Fleur, was für eine Geschichte, die ich jetzt endlich im Zusammenhang gelesen habe (mit kleinen Unterbrechungen).
Ich weiß gar nicht, was genau es ist, das mich so fasziniert. Vielleicht das unglaubliche Zusammenspiel von Mystik, Fantasie, Märchen und moderner Realität.
Du erzählst wunderbar. Bewegst dich spielerisch in den verschiedenen Zeit- und Zustandsebenen.
Ganz toll auch die eingeflochtenen Haikus.
Obwohl ich ja einiges aus Einzelbeiträgen kannte, ist es doch etwas ganz besonderes, alles im Zusammenhang zu lesen.
Irgendwie überlege ich gerade, was wohl aus Grischa und seiner Daarsuren geworden ist. Beide sind mir ans herz gewachsen.
Chapau, du Liebe, und danke für diesen Lesegenuss.
Leider Coinssperre.
Liebe Grüße
Enya
Vor langer Zeit - Antworten
FLEURdelaCOEUR 
Liebe Enya,
ich habe auch noch einmal alles gelesen. Am schwersten fiel mir das letzte Kapitel über den sibirischen Schamanismus. Da habe ich damals auch wahnsinnig lange gebraucht, mir den Werdegang eines Schamanen einzuverleiben. Es ist ja nicht, dass ich selbst dran glaube, aber ich konnte es mir dann vorstellen. Und ich war auch bis zuletzt hin und her gerissen, wie es schließlich für Gregor/Grischa enden solle. Der Bär war mir wie ein lebendiges Tier sehr ans Herz gewachsen, das ich nicht mehr missen mag. In den ersten beiden Kapiteln gibt es Unstimmigkeiten, die ich so stehen lassen möchte. Anfangs war ja keine Fortsetzung geplant, aber später habe ich mir unterschiedliche Optionen offen gelassen, da ja niemand wissen konnte, wie es thematisch mit den Battle-Folgen weiter gehen würde. Es ist verrückt, aber ich hatte kein Konzept. Nur immer eine Idee, wie es weitergehen könnte und die Einzelheiten fielen mir beim Schreiben ein. Freue mich sehr über deine gedanklich-moralische Unterstützung! Das können keine Coins auch nur ansatzweise leisten, ich habe ohnehin viel mehr, als ich ausgeben könnte.
Ich danke DIR sehr für alles, schicke dir liebe Abendgrüße,
fleur
Vor langer Zeit - Antworten
Enya2853 Liebe Fleur,
es ist erstaunlich, wie du die Geschichte ohne Konzept so vorantreiben konntest. Am Ende ist doch alles irgendwie stimmig. Hut ab.
Lieben Sonntagsgruß
Enya
Vor langer Zeit - Antworten
FLEURdelaCOEUR Liebe Enya, mit einem Konzept wäre es noch aufwändiger, dann hätte ich jedes Kapitel den thematischen Vorgaben anpassen müssen. So habe ich nur die jeweilige Themenstellung abgewartet und mich von den Wörtern einfach inspirieren lassen.
Kannst den Hut ruhig aufbehalten ;-))
Lieben Sonntagsgruß zurück,
fleur
Vor langer Zeit - Antworten
Kornblume Hallo Fleur,
habe Dein Buch nun komplett gelesen.Faszinierend herausgearbeitet die Handlung, und die Charaktere, trotz der verschiedenen Ebenen und Zeitzonen.
Deine Haikus,wunderbar wie immer formuliert, kannte ich schon.Doch erst jetzt, als Zusammenfassung der jeweilgen textlichen Handlung, bekommen sie doppelte Bedeutung.
Bin gespannt, wen die Herrin der Tiere sich als rivalisierenden Haubentaucher auserkoren hat. Ist Grischa, nun verheiratet mit Aglaja, glücklich oder trauert er immer noch um Daarsuren, seine heißgeliebte Steppensonne ? Wer ist Aglaja und wie haben sie zueinander gefunden.
Die Haikus zur Schreibparty 97 lassen auf Fortsetzung hoffen Werde sie verschlingen.So ein tolles Buch habe ich seit "Kaffkas Verwandlung" lange nicht gelesen.Eine der schönsten literarischen Perlen hier bei mystorys.
Ich grüße Dich herzlich liebe Fleur, die Kornblume
Vor langer Zeit - Antworten
FLEURdelaCOEUR Oh, liebe Kornblume, den ganzen Grischa hast du gelesen, ich bin überwältigt! Danke dir von ganzem Herzen für alles!
Ich sage mal ehrlich, über die Natur des Haubentauchers hatte ich mir noch keine Gedanken gemacht, aber jetzt schon! Es hängt ja vom Thema der SP 98 ab. Warten wir's ab!
Diesen Haiku-Beitrag hätte ich nur als Randbeitrag gepostet, wie sonst auch. Die habe ich nicht alle mit ins Buch gebracht, sie hatten keinen direkten Zusammenhang zum Fortgang der Story.
Aber ich wollte auch, dass das Battle weiter lebt. Und das wird es nun, dank Angie.
Danke nochmals und lieben Nachtgruß,
fleur
Vor langer Zeit - Antworten
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